Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
07.06.2004. Der New Yorker geht dem Phänomen der Schreibblockaden bei Schriftstellern nach. In der Buchbeilage des Guardian fragt Timothy Garton Ash die Briten: "Who are We?" Und in Slate bespricht Francis Fukyama das neue Buch Samuel Huntingtons, das ebenfalls den Titel "Who are We" trägt. In Le point wendet sich Bernard Henri Levy gegen die Einschreibung der "christlichen Werte" in die europäische Verfassung. Die New York Times fragt, wie Alan Greenspan zur tragischen Figur werden konnte. Die New York Review of Books deckt die Gründe für die Vetternwirtschaft in Wolfgang Petersens "Troja"-Film auf. Outlook India ist begeistert von Hari Kunzrus zweitem Roman "Transmission".

New Yorker (USA), 14.06.2004

In einem wunderbaren Essay untersucht Joan Acocella die Ursachen von Schreibblockaden bei Schriftstellern. Historisch weit ausholend und viele prominente Beispiele zitierend, stellt sie darin auch die im Lauf der Zeit entstandenen diversen psychologischen und sogar biologischen Erklärungsversuche vor. Schon der Begriff Blockade, aber auch die Beschreibung dessen, was da blockiert wird, sei noch immer schwer zu fassen. Außerdem fragt sie sich: "Wenn ein Alkoholiker mit dem Schreiben aufhört, nennen wir das dann Blockade oder Alkoholismus? (Oder anders: Hemingway etwa litt an Depressionen.) Solchen Fällen fehlt die düstere Würde, die man gewöhnlich mit der Blockade verbindet."

Ansonsten ist in dieser Doppelnummer viel Literatur von Menschen ohne Schreibhemmung zu lesen. So Erzählungen von Aleksandar Hemon und Alice Munro und unter dem Sammeltitel "Holidays" Texte von Junot Diaz, T. Coraghessan Boyle, Zadie Smith, Charles D?Ambrosio und Susan Orlean.

In einer ausführlichen Rezension analysiert Ian Buruma die "zwei Denkweisen" von Bernard Lewis, einem der bedeutendsten Islamkenner der Gegenwart (mehr hier). Dessen jüngstes Buch "From Babel to Dragomans" (Oxford) versammelt Essays aus den letzten 50 Jahren. Lewis, schreibt Burmua, sei dann am besten, wenn er "die westliche Doppelmoral im Umgang mit der nicht-westlichen Welt entlarvt". Doch wenn es um Politik geht, könne "ein gelehrter Geist, der die großen historischen Fragen aus olympischen Höhen betrachtet" gelegentlich Dinge übersehen, die "erdnäher" seien.

Die Kurzbesprechungen loben unter anderem eine Biografie von Glenn Gould. Besprochen werden des weiteren zwei neue Fernsehserien: "The Jury" und "Summerland", und Anthony Lane weist auf eine Retrospektive mit Filmen von Ingmar Bergmann hin.

Nur in der Printausgabe: Ein Porträt des 2001 gestorbenen Schriftstellers Ken Kesey ("Einer flog über das Kuckucksnest", mehr hier), zwei weitere Erzählungen von Alice Munro und Lyrik von Charles Simic, Elaine Equi und Linda Gregg.
Archiv: New Yorker

New York Review of Books (USA), 24.06.2004

Daniel Mendelsohn lässt durchblicken, dass Wolfgang Petersens Film "Troja" vor lauter politischer Korrektheit eher irrige und schon absurd abwegige Einblicke in die hellenische Zivilisation gibt. "Beseelt von dem Wunsch, auch die kleinste Andeutung von Homoerotik aus den Ereignissen auszumerzen - in klassischen Zeiten ging es weniger darum, ob Achilles und sein geliebter Patrokles es taten, als vielmehr darum, wie in Platons Symposium, wer genau was mit wem tat - macht Benioff Patrokles zu Achilles' "Cousin", eine seltsame Wahl, die (besonders in einer Zeit, als Familienbande weniger als eh und je zählten) mit voranschreitender Handlung zunehmend aberwitzig wird. Schaut man sich 'Troja' an, könnte man meinen, es hätte für die Griechen des Bronzenen Zeitalters keinen höheren Wert gegeben als Vetternschaft. 'Er hat meinen Cousin getötet!' schreit Achilles Priam an, als dieser am Ende der Geschichte zu ihm kommt, um um den Leichnam seines Sohnes zu bitten. 'Du hast deinen Cousin verloren, nun hast du mir meinen genommen', sagt eine trauernde Briseis (in dieser Version, Hektors Cousine) zu Achilles, 'wann wird es ein Ende damit haben?' Die Vorstellung dieses Films, dass ganze Zivilisationen zerstört wurden aufgrund maßloser Verbundenheit zu Verwandten einer Seitenlinie, ist, sicherlich, eine Premiere in der weltweiten Mythos- Schmiede."

Mark Danner wendet sich entschieden gegen die Verteidigungs-Strategie der US-Armeeführung, die Folter-Vorfälle im Irak gingen auf "wenige faule Äpfel zurück", und greift dazu einen Bericht von gefangengenommenen Reuters-Journalisten auf, von denen erst abgelassen wurde, als ihnen ein Badge mit der Aufschrift "C" angeheftet wurde. "Verschiedene Soldaten, verschiedene Einheit, verschiedene Basis. Und doch ist offensichtich, dass vieles von dem, was man den 'thematischen Inhalt' der Misshandlungen nennen könnte, ist sehr ähnlich: das Überziehen von Hauben, der Lärm, die 'Stress-Haltungen', die sexuellen Erniedrigungen, die angedrohte Körperverletzung und der Missbrauch - alles scheint vom selben Drehbuch zu stammen, ein so bekanntes Drehbuch, dass ein jeder Soldat, dem die Reuters-Leute in der Volturno Basis begegneten, seine Rolle zu kennen schien und sie spielen konnte. All das, sowie der allgemein anerkannte Bagde, deutet auf ein klares Programm hin, das vorsätzlich erdacht und methodisch verbreitet wurde mit der Absicht - in den Worten von General Sanchez' Memorandum des 12. Oktobers -, den amerikanischen Truppen zu helfen, "die Emotionen und Schwächen eines Inhaftierten zu manipulieren".

Weitere Artikel: Michael Massing liefert seine Gesamteinschätzung der Berichterstattung, wie sie von den großen amerikanischen Tageszeitungen im Vorfeld des Irakkrieges betrieben wurde - dabei geht er natürlich auch auf die inzwishen schon berühmte Sebstbezichtigung der New York Times ein. Alison Lurie will ihre Leser vom trägen und liebreizend-dümmlichen Walt-Disney-Pinocchio kurieren. Thomas R. Edwards hat sich am "komplexen Hinterland-Horror" erfreut, den John Gregory Dunne in seinem jüngsten Mordfall "Nothing Lost" entwickelt. Und Ian Hacking kann der Studie ("Spinoza: Joy, Sorrow, and the Feeling Brain") des Neurologen Antonio Damasio nur wenig abgewinnen, zumal Damasio seltsamerweise den Emotionen jegliche Beziehung zur Kognition abspricht.

Spiegel (Deutschland), 07.06.2004

Vor etwa zwei Wochen entschuldigte sich die New York Times zum zweiten mal binnen kurzer Zeit bei ihren Lesern. Diesmal ging es um ihre Berichterstattung im Vorfeld des Irakkrieges. Jan Fleischhauer ist Erklärungsversuchen nachgegangen, denen zufolge es für die Entschuldigung andere als die Gründe gab, die man zunächst einmal vermuten sollte: "Tatsächlich spricht vieles dafür, dass es auch um eine Abrechnung geht, mit dem ehemaligen Chef und den Redakteuren, die ihm zugeordnet werden."

Im Print: Ein Interview mit dem neuen Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino. Ein Gespräch mit dem Historiker Niall Ferguson "über die Weltmacht-Politik der USA". Und eine Besprechung von David Cronenbergs Film "Spider". Außerdem ein Spiegel-Essay von Johannes Ludewig zum Aufbau-Ost. Und zum Ortstermin war der Spiegel auf dem Berliner Gelände des Mahnmals "Topographie des Terrors".

Der Titel beschäftigt sich diesmal mit den Diskussionen, die die misslungene Abschiebung von Metin Kaplan ausgelöst hat.


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Archiv: Spiegel

Express (Frankreich), 07.06.2004

Sichtlich beeindruckt untersucht der L'Express das "System D", genauer: die Erfolgsgeschichte von Sternekoch Alain Ducasse. Der hasse es, wenn man sein Unternehmen - 20 Restaurants in Europa, Afrika, Asien, Amerika und im mittleren Osten, 950 Angestellte, davon 430 in der Küche, 21 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr - als "Empire" bezeichne. Was es allerdings zweifellos ist. Das Geheimnis, erklärt sich der L'Express, bestehe in "einer unglaublichen, zugleich dokumentarischen und menschlichen Ausgangsbasis", die Ducasse sich geschaffen habe. "Im dritten Unterschoss des Hotel Monte-Carlo gibt es einen Raum, der Tonnen von Presseausschnitten, aus allen Ecken der Welt zusammengehortete Speisekarten bis hin zu den Rezeptheften aus seiner Anfangszeit enthält. Er wirft nichts weg, und dieses gewaltige Archiv hilft ihm bei der Zukunftsplanung. Außerdem bescheinigt ihm nahezu jeder, ein quasi unfehlbares Händchen dafür zu haben, mit wem er sich umgibt." Wer will, kann sich auf der Homepage von Ducasse einige seiner Haute-Cuisine-Restaurants näher anschauen oder hier eine Videoreportage über ihn sehen.
Archiv: Express

London Review of Books (UK), 07.06.2004

Michael Wood entdeckt in Gabriel Garcia Marquez' "Living to tell the tale" (deutsch "Leben, um davon zu erzählen") eine seltsam verquickte Liebesbeziehung zwischen Wirklichkeit und Erzählung. "Ein zentrales Kapitel betrifft die Ereignisse des 9. April 1948 in Bogota, als der radikale Politiker Jorge Eliecer Gaitan ermordet wurde und eine gewaltsamer Aufstand gewaltsam niedergeschlagen wurde. Die Liberalen wollten den Rücktritt des konservativen Präsidenten, und er weigerte sich, indem er ein historisches Epigramm aussprach: 'Ein toter Präsident ist für die kolumbianische Demokratie mehr wert als ein flüchtiger.' Nun ja, das ist was die Legende sagt. Garcia Marquez kommentiert: 'Keiner der Zeugen kann sich daran erinnern, diesen Satz von seinen Lippen oder von den Lippen eines anderen gehört zu haben. Mit der Zeit wurde er einer ganzen Reihe von Leuten zugeschrieben, und die Menschen haben sogar seinen politischen Verdienst und seine historische Gültigkeit in Frage gestellt, doch niemals seinen literarischen Glanz? Und so blieb der Satz in der Geschichte als der Satz, der von dem gesagt wurde, der ihn hätte sagen sollen, in einer verwüsteten Stadt, in der die Asche begann auszukühlen, und in einem Land, das nie wieder das selbe sein würde.' "

Der israelische Schriftsteller Yitzhak Laor lenkt die Aufmerksamkeit auf einen ungesehenen Aspekt der Nahostkonflikts. "Als Jose Saramago im März 2002 nach Israel kam, vor der Invasion, bei der Israel die Gebiete erneut besetzte, sagte er, dass Israel zwei Probleme habe. Das erste, sagte er, ist, dass die Siedler die Armee brauchen. Alle stimmten zu. Das zweite ist, dass die Armee die Siedler braucht. Niemand stimmte zu. Und es hörte sogar niemand zu. Doch General Ya'alon weiß, dass er ohne die Siedler keinen Vorwand haben würde, im Gaza-Streifen zu patrouillieren. Verstehen die Israelis die Motive des Militärs? Nein. Viele Israelis, wahrscheinlich die Mehrheit, würde sich nur zu gerne von den Siedlern abwenden. Doch nicht vom Militär. Daher ist die gesamte politische Kampagne gegen die Rechtsextremen sinnlos. Hinter den Rechtsextremen lauert die 'gemäßigte Armee', und die Armee ist der einzige Akteur in der israelischen Gesellschaft, dessen Motive nie hinterfragt werden."

Weitere Artikel: Perry Anderson berichtet Buntes von der taiwanesischen Präsidentschaftswahl. Ein Schuss, ein verwundeter Kandidat, eine hauchdünne Mehrheit am nächsten Tag (dem Wahltag), und die Frage: "Wer hat das bestellt?" Andrew O'Hagan hat sich eingelesen in das Panorama der britischen Männermagazine und wird darüber ganz bestürzt. In Short Cuts hat Thomas Jones ein Buch gefunden, das alle politischen Führer dieser Welt auf ihrem Nachttisch haben sollten: Fik Meijers Studie über Kaisermorde in der Römerzeit ("Emperors Don't Die in Bed"). Und Peter Campbell folgt der Faszination von Bahnhöfen, Zügen und Eisenbahnbrücken.

Leider nur im Print zu lesen ist Slavoj Zizeks Text "Die Kultur der Folter".

New York Times (USA), 05.06.2004

Frederick P. Hitz, ehemaliger Mitarbeiter des CIA, lehrt in Princeton Literatur und vergleicht die Agentenromane etwa von John Le Carre oder Graham Greene mit der Realität der Geheimdienstler. Ein Ergebnis: die Wirklichkeit schlägt meist die Fiktion. Andererseits, notiert Laura Miller, haben berühmte Doppelagenten oft die einschlägigen Werke konsumiert, bevor sie selbst zum Agenten wurden. "Sergeant Clayton J. Lonetree verschlang 'trashige Spionageromane', bevor er mit einer russischen Frau und schließlich mit dem KGB anbandelte, während er als Wachmann der Moskauer Botschaft eingesetzt war. Robert P. Hanssen vom FBI, der 15 Jahre lang amerikanische Staatsgeheimnisse verkaufte, sagte aus, dass er ein Doppelagent sein wollte, seit er die Autobiografie von Kim Philby gelesen hat, ein Mitglied der verräterischen Cambridge Five."

Aus den weiteren Besprechungen: Aus ihrer Untersuchung der viktorianischen Inneneinrichtung (Beispiele) rekonstruiert Judith Flanders die Befindlichkeit eines ganzen Zeitalters, weshalb Alida Becker das Buch als Schlüssel zum Entziffern bisher unentdeckter Symbole der zeitgenössischen Literatur empfiehlt. Außerdem erfährt die Hausfrau, warum man drei Haarbürsten besitzen sollte. Liesl Schillinger bespricht drei Bücher, die jeweils von einem Autorinnenteam geschrieben wurden und zwangsläufig selbstbestimmte Frauen als Protagonistinnen aufweisen. Lisa Zeidner hält Romane, die in Einzelgeschichten zerfallen, für hybrid und deshalb Lisa Glatts Debüt "A Girl Becomes a Comma Like That" (erstes Kapitel) für antriebslos. Außerdem hat die Redaktion eine Auswahl der besten Neuerscheinungen des vergangenen halben Jahres zusammengestellt: für den Strand (in Deutschland lese: für den verregneten Sonntag).

Das New York Times Magazine gründelt im Dunstkreis von Wirtschaft, Politik und Kriminalität. Paul Krugman untersucht, warum Alan Greenspan vom Volkshelden zur tragischen Figur verkommen ist. "Er ist der Bush-Clique auf den Leim gegangen, obwohl er einseitige Steuersenkungen immer strikt abgelehnt hat. "Greenspan machte seine Bedenken nie öffentlich, vielleicht um seinen Freund O'Neill (den ehemaligen Finanzminister) zu schonen. Und als er realisierte, wie unverantwortlich die Steuersenkung wirklich war, war er gefangen - zu tief verstrickt in die Politik der Regierung, um das Ruder ohne Gesichtsverlust herumzureißen."

Weitere Artikel: Der ehemalige Staatsanwalt und Thriller-Autor Mark Costello bezweifelt, dass härtere Strafen für Wirtschaftsverbrecher die Lösung sind. Michael Lewis macht das Shareholder-Denken für alle unsympathischen Züge des Kapitalismus verantwortlich. Bruce Poter porträtiert einen Delinquenten, der den Business-Anzug gegen einen Gefängnis-Overall tauschen musste. Stephen Dubner und Steven Levitt erzählen die Geschichte eines Geschäftsmannes, der Bagels in Geschäftsvierteln verkauft und dadurch die "White Collar Crimes" aus nächster Nähe beobachten kann.

Radar (Argentinien), 05.06.2004

Kunst und Gewalt - oder auch gewalttätige Kunst - ist das Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe von Radar, dem Kulturmagazin der argentinischen Tageszeitung Pagina 12. Eine Themenwahl, die ihren Grund auch in Vorlieben von Radar-Starkritiker und Alleskönner Rodrigo Fresan (siehe auch hier) haben mag. So widmet Fresan einen langen Text dem Phänomen der von ihm so benannten "post-Columbine-Literatur". Als dessen wichtigste Vertreter nennt Fresan Nick McDonell beziehungsweise dessen Roman "Zwölf", Booker-Preisträger D.B.C. Pierres "Jesus von Texas", Douglas Coplands "Hey Nostradamus", Jim Shepards "Project X" und Dennis Coopers "My Loose Thread": "Vor über 50 Jahren flog Holden Caulfield von der Schule und verlor und fand sich auf den Seiten von 'Ein Fänger im Roggen' (Lieblingsbuch des Mörders von John Lennon): 'Ich möchte sie umbringen, all diese falschen Leute', sagt Caulfield immer wieder. Für Caulfields Enkel scheint inzwischen der Moment gekommen zu sein, vom Wort zur Tat zu schreiten. Zum Beweis spielen sie kaltblütig 'Battle Royale' und beten Nacht für Nacht zum Herrn der Fliegen."

Damit nicht genug liefert Fresan in derselben Ausgabe auch ein Porträt von James Ellroy, dem selbsternannten "Demon Dog" der nordamerikanischen Literatur: "Ist Philip Roth der Große Jüdische Schriftsteller, Thomas Pynchon & Don DeLillo & Paul Auster die Große Trias der Postmoderne, John Updike der Große WASP und Toni Morrison die Große Schwarze, dann ist James Ellroy das Große Monster der Literatur."

Wie sich die Gewalttätigkeit der Verhältnisse im Dokumentarfilm abbilden lässt, hat in allen möglichen Varianten Joao Batista de Andrade vorgeführt, der Altmeister des brasilianischen Dokumentarfilms - aber immer "ohne off-Kommentar, eine der größten Schwächen dieses Genres: derlei Literatur verwandelt die Wirklichkeit in ein harmloses Abenteuer", wie Andrade in dem ihm gewidmeten Text von Horacio Bernades zitiert wird.

Außerdem in Radar: Eine euphorische Besprechung der jüngst von Cesar Aira herausgegebenen Gesamtausgabe der Gedichte des "argentinischen Pasolini" Osvaldo Lamborghini; und eine historisch-textkritische Reise von David Vinas durch Gefängnisse im tiefsten Süden Argentiniens, in Feuerland.
Archiv: Radar

Guardian (UK), 05.06.2004

Ein sehr schönes Kapitel druckt die Buchbeilage des Guardian aus Timothy Garton Ashs neuem Buch "Free World - Why a Crisis of the West Reveals the Opportunity of Our Time". Es befasst sich mit der großen Frage "Who are We?", die als offensichtlich nicht nur von Samuel Huntington in den USA gestellt wird. Großbrtitannien sie zwischen Amerika und Europa hin- und hergereissen, schreibt Ash, aber letztlich sind doch "alle zwischen Europa und Amerika hin- und hergerissen. Die meisten europäischen Länder tragen mehr Europa in ihrem Herzen als Britannien; und keines so viel Amerika. Aber der amerikanische Anteil wird bei allen größer, ob wir das mögen oder nicht, und alle haben beide Möglichkeiten."
Archiv: Guardian

Times Literary Supplement (UK), 04.06.2004

Nick Lowe scheint sich bestens amüsiert zu haben bei der Lektüre von Martin M. Winklers "Gladiator - Film and history" (lange Leseprobe), das den abenteurlichen Werdegang von Ridley Scotts Historien-Schinken nachzeichnet. Abenteurlich, weil nicht weniger als drei Autoren am Script gearbeitet haben - allerdings nie zusammen. Und Lowe hätte nicht überraschter sein können über den Kontrast zwischen David Franzonis ursprünglichem, gut recherchierten und leicht surrealen Text und John Logans plattem Hollywood-Mainstream: "In einer unglaublichen Szene gegen Anfang des Films werden der Held und seine Mitsklaven aus ihrem verschlossenen Wagon ausgeladen, mitten in das, was sie gruseligerweise für einer Hinrichtungsstätte in irgendeinem mitteleuropäischen Wald halten, dann aber nach und nach überirdische Lichter und Geräusche zwischen den Bäumen zu bemerken. Und plötzlich finden sie sich im Kolosseum wieder, das mit Bäumen beplanzt ist um einen Wald vorzutäuschen. Und 'auf sie herab schauen fünfzig tausend Fans - und wie aus einem Mund, wie in einer surreal trunkenen Tonspur, lachen sie alle.' Im Gegensatz dazu ist Logans Version eine miserable Fußgängerparade von Hollywood-Klischees mit einem lächerlichem Ende, in dem der Held tatsächlich dem Sonnenuntergang mit seinem Ersatz-Sohn, dem (historisch fälschlicherweise) jüngeren Verus, entgegenreitet." William Nicholson, der Dritte im Bunde habe dann, schon während gedreht wurde, eine Art Synthese beider Versionen schreiben müssen. Doch es kam zum - ironischen - Happy End: Die drei sahen sich zum ersten Mal, als ihnen gemeinsam der Oscar für das Beste Drehbuch verliehen wurde.

Weitere Artikel: Zum 100. Geburtstag des "Bloomsday" überdenkt Declan Kiberd noch einmal den Fall "Ulysses" und erinnert sich an die Bemerkung seines Vaters, nachdem er im Radio die komplette Hörbuchfassung gehört hatte: "Meinst du nicht, es könnte besser sein, kein so arg reiches Innenleben zu haben?" Edmund White lobt Peter Parker dafür, dass er den homosexuellen Schriftsteller Christopher Isherwood mit seiner "extrem thorough und klarsichtigen" Biografie "endgültig aus Statuenmarmor in Lehm zurückverwandelt, und dabei mit den Füßen anfängt". Regelrecht begeistert zeigt sich Clive Wilmer von der klugen und ausgewogenen Einleitung, die Richard Sieburth der Ezra-Pound-Textauswahl "Poems and Translations" vorangestellt hat. Richard Vinen hat zwei Bücher über das Jahr mit dem berühmten Mai gelesen (Mark Kurlanskys "1968. The year that rocked the world" und Kristin Ross' "May ྀ and its Afterlives"), findet aber beide ein wenig zu einseitig angelegt.

Moskowskije Novosti (Russland), 04.06.2004

Der wichtigste russische Literaturpreis "Nationaler Bestseller" geht in diesem Jahr an Viktor Pelewin, einen der erfolgreichsten russischen Chronisten der Gegenwart. Tatjana Moskwina kommentiert das kleine Literaturtheater" hinter den Kulissen und gratuliert Pelewin zu seinem im September auf Deutsch erscheinenden Roman "Die Dialektik der Übergangsperiode von Nirgendwoher nach Nirgendwoher", der "eine abgrundtief komische Phantasmagorie der Jetztzeit" sei. Moskwina gibt allerdings zu bedenken: "Pelewins Roman ist doch sehr abgehoben und leidet wie die russische Literatur im Allgemeinen derzeit darunter, dass die Schriftsteller nicht über das schreiben, was die Russen am meisten bewegt".
Stichwörter: Russische Literatur

Point (Frankreich), 04.06.2004

In seiner in dieser Woche etwas melancholisch anmutenden Kolumne, denkt Bernard-Henri Levy anlässlich der bevorstehenden Europawahl über "die traurige Leidenschaft" Europa und seinen gegenwärtigen Zustand nach. Levy diagnostiziert "Langeweile" und eine "extreme Kraftlosigkeit", was laut Stendhal im Lateinischen auch "Fiasko" bedeute. "Sind wir dort angekommen?" Seine weiteren Betrachtungen, die ihn von den Surrealisten über den "demokratischen Triumph" einer geschiedenen zukünftigen Königin von Spanien bis zur Homoehe führen, münden in einer Erklärung, warum er gegen eine Einschreibung der christlichen Werte als Basis der europäischen Verfassung ist. "Ein christliches Europa? Eine enge Verbindung zwischen Kirche und Kontinent, wie es Kardinal Martino genannt hat? Meinetwegen. Aber gleichzeitig kennt jeder den jüdischen Anteil etwa an der deutschen und mitteleuropäischen Kultur. Jeder weiß, dass es die Renaissance ohne Vermittlung des Islam nie gegeben hätte und deshalb auch kein europäisches Erwachen. [?] Wäre ich als Atheist weniger Europäer als ein Christ? Nein. Und deshalb bin ich gegen die Aufnahme dieser Bezugnahme in unsere künftige Verfassung."
Archiv: Point

Economist (UK), 04.06.2004

Der D-Day und seine Bedeutung für Europa führt nach Ansicht des Economist vor Augen, wie wichtig es ist, das transatlantische Bündnis aufrechtzuerhalten und zu stärken. "Wenn sie im Einklang miteinander handeln, entfalten die reichen Demokratien eine überwältigende politische und moralische sowie militärische Kraft. Und es gibt vieles, bei dem sie immer noch zusammenarbeiten sollten: Afghanistan zu sichern, Palästina in Ordnung bringen, die Demokratie in der arabischen Welt auszudehnen, den Iran davon zu überzeugen, keine Atombombe zu bauen. Einige Amerikaner denken, sie können das alles alleine. Der Irak hat letztendlich gezeigt, dass Frankreich und Deutschland Amerika nicht davon abhalten können, in den Krieg zu ziehen, wenn es das will. Doch ihre Opposition hat die Nachkriegsaufgabe im Irak sehr viel schwieriger gemacht. Und das ist der Punkt, an dem man anfangen sollte, die Beziehungen zu kitten. Denn trotz aller Vorkriegsdifferenzen haben beide Seiten Interesse daran sicherzugehen, dass der Irak Frieden und Wohlstand genießen kann, und nicht zu einem weiteren terrorzüchtenden, gescheiterten Staat verfällt. Die UNO hat diese Woche eine Übergangsregierung für den Irak ernannt. Welchen besseren Zeitpunkt kann es geben, um die gegenseitigen Schuldzuweisungen beiseitezuschieben und dafür zusammenzuarbeiten?"

Weitere Artikel: Den Copenhagen Consensus verfolgt der Economist schon seit Wochen und kommt nun zu dem abschließenden und lobenden Urteil, dass die von dem Gremium festgelegte Prioritäten-Reihenfolge zwar keine ethischen Fragestellungen einbezieht, dafür aber klare Antworten auf die ökonomische Frage der Projekt-Durchführbarkeit gibt. "Je t'aime, ich auch nicht." Der Economist prophezeit die Schwächung der deutsch-französischen Beziehungen, vor dem Hintergrund der wiedergewonnenen diplomatischen Qualität zwischen Deutschland und den USA, aber auch aufgrund der bevorstehenden Debatte um einen türkischen EU-Beitritt. Lob erntet George Bush vom Economist für seinen Einsatz in Sachen Atomwaffensperrvertrag. Jedoch, erinnert der Economist, gehört zu diesem Abkommen auch die Entwaffnung als langfristiges Ziel. Im kürzlich verstorbenen New Yorker Verleger Roger Straus, der den Verlag Farrar, Straus and Giroux gegründet hat, würdigt der Economist einen der letzten großen "Gentleman-Publisher".

Außerdem erfahren wir, warum die Terroristen sich jetzt auf Saudi-Arabien einschießen., dass die weltweiten Amazon-Bestseller Nummer 1 und 2 Dan Browns "The Da Vinci Code" und der japanische Harry Potter lauten, dass sich ein kleiner Skandal um fehlerhafte Statistiken in renommierten naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften anbahnt, dass eine Wiederwahl Ken Livingstones als Londoner Bürgermeister nichts im Wege steht, und ob es 15 Jahre nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in China einen organisierten Dissens gibt.
Archiv: Economist

Literaturnaja Gazeta (Russland), 02.06.2004

Wladimir Bontsch-Brujewitsch schreibt in der aktuellen Literaturnaja Gazeta über ein neues Gulag-Museum in Moskau, das den Besucher "in Angst und Schrecken" versetze. Im Unterschied zu anderen Museen dieser Art gehe "die Authentizität der Exponate und deren Präsentation extrem unter die Haut." Anhand von "zwölf Einzelschicksalen" werde auch deutlich, "dass viele, die zu Opfern wurden, vorher selber Täter waren." Die Idee zu diesem Museum hatte "ein ehemaliger Gulag-Häftling, dessen Vater vom Leningrader Volkskomitee erschossen wurde". "Erstaunlich engagiert in dieser Sache" zeigte sich auch der progressive Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow, dem offenbar an der Aufarbeitung dieses düsteren Kapitels der Sowjetgeschichte sehr gelegen ist.

Stichwörter: Authentizität, Gulag

Folio (Schweiz), 07.06.2004

Anstelle eines Editorials macht die Folio-Redaktion den Soundcheck der Lieblingslieder.

Wo es um Musik geht, da darf der große Bandtraum nicht fehlen. Boni Koller stellt die Punkband Worst of All vor, die für das stehen kann, was irgendwie jeder kennt: kurze, aber bewegte Bandgeschichten zwischen Proberaum und der großen weiten Welt. Und damit die nicht zu kurz kommt, greift man als coole Band schon mal zu unlauteren Mittel - auch auf der Homepage: "Der Eintrag eines elfjährigen Fans wurde gelöscht, erzählt Basti. Es ist für Siebzehnjährige nicht besonders erstrebenswert, von Kleinkindern verehrt zu werden, das fordert an den Konzerten den Spott anderer Bands heraus. Obwohl gewiss auch eine Portion Neid dabei ist, wenn diese sich über den Aufmarsch der 'Babypunks' mokieren und selbst überhaupt keine Anhängerschaft zu mobilisieren vermögen."

Greg Manning, "Music Star"-Produzent und Musiker, erklärt im Gespräch mit Daniel Weber und Mikael Krogerus, wie ein Hit funktioniert (dass er Musik nach Rezept trotzdem schlimm findet). "Viele Songs verzichten auf ein Intro und gehen direkt in die erste Strophe, aber beim perfekten Hitsong machen wir zehn Sekunden Intro. Dann vierzig Sekunden die erste Strophe, dann Pre-Chorus, das ist der Aufgang zum Refrain, damit die Leute merken: Achtung, jetzt geht's los. Und nach einer Minute der Refrain. Das ist klassisch: Bei Popsongs beginnt der Refrain nach einer Minute."

"Nicht auszudenken, was aus Elvis geworden wäre ohne Hüftschwung: ein Schwiegermuttertraum, so aufregend wie ein Sonntagsspaziergang." Mikael Krogerus weiß, Sex gehört einfach zum Pop, und porträtiert deswegen Skandal-Popperin Peaches, die selbst aber eher darauf gespannt ist, was passiert, wenn sie mal nicht mehr provoziert.

Hanspeter Künzler verrät, wo das viele Geld in der Musikindustrie bleibt - im Kleingedruckten. Peter Glück klärt auf über das, was Radiosender so ähnlich macht: Formatradio und Zielhörer. Und das geht so: Bei Energy heißt der Zielhörer Andrea, "ist 28 Jahre alt, fährt einen Kleinwagen, wohnt ein wenig ausserhalb von Zürich, geht ins Fitnesscenter." Daniel Weber meldet den Tod der CD, den Erfolg der mp3 und den Hype des iPod. Zehn Autoren beschreiben zehn Sternstunden der Popmusik. Und Judith Hermann empfiehlt, über die Stille zu schweigen, denn wer weiß, was sich hinter ihr verbirgt.

Als Dessert befriedigt Folio auch noch andere Sinne: Luca Turin erinnert sich an ein Parfum, das ihm nicht wie so oft zuraunte "Schenk mich deiner Freundin", sondern "Lass sie sitzen und brenn mit mir durch".
Archiv: Folio

Slate (USA), 07.06.2004

Francis Fukuyama bespricht Samuel Huntingtons neues Buch "Who are we" (erstes Kapitel), das die vielfach diskutierten Thesen des Autors über die für die amerikanische Kultur gefährliche Einwanderung der Mexikaner ausführt. Aber Fukuyama will nicht dran glauben: "Kulturell sind die heutigen mexikansichen Immigranten weniger weit von den Mainstream-'Anglos' entfernt als es - sagen wir - zu Beginn des 20. Jahrhunderts die süditalienischen Einwanderer oder die Juden aus Mittel- und Osteuropa waren."
Archiv: Slate

Haaretz (Israel), 04.06.2004

In der Titelgeschichte berichtet Kobi Ben Simhon über den Beduinenstamm der "Al-Sayed". Er besteht aus ungefähr 3000 Angehörigen, deren Dorf im Negev von einer seltenen Erbkrankheit verfolgt wird: Aufgrund einer genetischen Mutation sind 150 von ihnen, also fünf Prozent des Stammes, taubstumm. Da Hochzeiten innerhalb des Stammes die Regel sind, werden immer mehr taube Kinder geboren. Im Dorf sagen sie, dass "Gott ihnen das Gehör nahm und ihnen dafür Freude schenkte." Es herrscht kein Bewusstsein für die Problematik. Die Kinder werden kaum gefördert, besondere Schulen existieren nicht. Von den anderen Beduinenstämmen wird der Al-Sayed-Stamm gemieden, von der israelischen Verwaltung allein gelassen. "Das ist ohne Frage frustrierend", sagt Dorfbewohner Salman al-Sayed, "ich konnte nie eine echte Unterhaltung mit meinem Sohn führen, und werde das wohl auch nie können... ich weiß, dass es möglich ist, taube Kinder zu unterrichten, dass es in einem fortschrittlichen Land wie unserem die Möglichkeit gäbe, aber niemand hat uns geholfen, unsere Kinder zu betreuen."

Außerdem: In Israel ist der Ölrausch ausgebrochen, nachdem in der Nähe des Toten Meers neue Vorkommen entdeckt wurden. Obwohl deren Kapazität minimal ist, sind die Börsenkurse explodiert und enorme Erwartungen entstanden: "Es gibt Träume von Öl, der Börse und von Geld - einer ganze Menge Geld..." Hoffnungslos ist dagegen die Lage in Gaza: "Das Flüchtlingslager Brazil im Gazastreifen sieht aus wie Sarajewo 1993", schreibt Gideon Levy. Nach den Zerstörungen ist die Familie der Architektin Manal Awal zum dritten Mal seit 1948 obdachlos. Doron Rosenblum hat in seiner Kolumne nur noch Spott und Zynismus für die israelische Regierung übrig. Und was hat der Terror in Israel mit Ikea zu tun? Ganz einfach, erklärt Dea Hadar: Weil viele Israelis aus Angst von Anschlägen mehr Zeit zu Hause verbringen, achten sie mehr auf die Einrichtung. Und Ikea ist so beliebt, dass in Israel von der "Ikea-Revolution" und dem "Big Bang" des Designs gesprochen wird. Im Familienportrait diesmal eine klassische Kibbuzfamilie mit unaussprechlichem Namen: Die Strostineitzkys.
Archiv: Haaretz
Stichwörter: Geld, Ikea, Sarajewo, Zynismus

Outlook India (Indien), 14.06.2004

Sandipan Deb hat seine Prinzipien (hoch bevorschusste Debütromane bleiben ungelesen) und deshalb kannte er Hari Kunzrus viel gelobten Erstling "The Impressionist" nicht, als er sich den Nachfolger "Transmission" (Auszug)vornahm, und allein dass es einen Nachfolger gibt, hat ihn schon beeindruckt (die meisten Autoren indischer Herkunft schaffen das nicht, meint er). Doch dann hat ihm das Buch auch noch richtig gut gefallen: Glaubwürdige Figuren (ein frustrierter indischer "Cybercoolie" in Amerika, ein kokainsüchtiger Werber, eine Bollywood-Diva kurz vor dem Nervenzusammenbruch), erstklassige Erzählkunst und die Themen der Zeit (Globalisierung und Informationstechnologie). Man ist, lobt Deb, nicht nur beeindruckt, sondern sogar berührt.

Weitere Artikel: Sanghamitra Chakraborty kümmert sich um die städtischen indischen Eltern und stellt fest: Traditionelle Weisheiten und Rollenverteilungen haben ihre Schuldigkeit getan, heute wird die Kindererziehung wissenschaftlich angegangen und Männer entdecken den Wert der Vaterschaft. Und weil's die Titelgeschichte ist, muss auch ein knackiger Begriff her: New Age Parenting. Atal Behari Vajpayee ist zwar nicht mehr Premierminister, aber trotzdem in aller Munde - sich zu fragen, was der enigmatische BJP-Leader als nächstes vorhat, war doch ein zu interessantes Spiel, um es jetzt einzustellen, nur weil er die Wahlen verloren hat. Also trägt Saba Naqvi Bhaumik die neuesten rätselhaften Mitteilungen Vajpayees zusammen und spekuliert darüber, ob er wohl sein Büro im Parlament behalten darf. Fest steht: "Die neue Regierung hat ihm zwei der sechs neuen BMWs versprochen, die vor einem halben Jahr angeschafft wurden." Schließlich: Anil Dharker schreibt einen Nachruf auf seinen Freund, den Dichter Dom Moraes.