Perlentaucher-Autor

Daniele Dell'Agli

Daniele Dell'Agli wurde 1954 in Rom geboren, wuchs einige Jahre am Ätna auf, kam 1966 nach Hamburg, studierte von 1975 bis 1982 in Berlin Religionswissenschaft, Philosophie und Komparatistik. Magisterarbeit: "Abendländische Teleologie - Kritik einer Obsession" (unveröffentlicht). Nach Aufenthalten in Süddeutschland und der Schweiz lebt er zur Zeit als Schriftsteller und Übersetzer wieder in Berlin. Er schreibt Gedichte, Essays und Prosa sowie Features und Hörspiele für den Rundfunk. Gedichte erschienen unter anderem in der Neuen Rundschau, dem Literaturmagazin und Sinn und Form. Seine zeitdiagnostischen Essays beschäftigen sich mit Fragen der Literaturtheorie, Filmästhetik und Musikphilosophie sowie der Kulturanthropologie, Mentalitätsgeschichte und Religionswissenschaft.

19 Artikel

Mit den Büchern sterben die Filme

Essay vom 19.11.2015 19.11.2015. Ausgerechnet einen "Sterbefilm" als Rahmen filmischer Selbst-Reflexion zu benutzen, müsste sich schon der exklusiven Ernsthaftigkeit des Themas wegen von selbst verbieten - Nanni Moretti aber gewinnt damit ein experimentelles Verhältnis zu Sterben und Tod. Über "Mia Madre".

Die große Faszination

Essay vom 12.10.2015 12.10.2015. Religiöses Bilderverbot und die globalisierte Bilderproduktion finden ihren Brennpunkt im Schrecken der terroristischen Snuff-Videos. Das hat mit dem Islam zu tun. Andere Überlegungen zu Religion und Ästhetik.

Wer was wozu gehört

Essay vom 16.02.2015 16.02.2015. Die Frage ist nicht, ob der Islam zu Deutschland gehört, sondern welcher. Und die andere Frage ist, welcher Islam mit dem Islamismus nichts zu tun hat. Anmerkungen zu einer absurden Debatte.

Drifting Away

Essay vom 23.12.2014 23.12.2014. Die Bewegungsform dieser Gesten, in denen sich weder Aktion noch Passion, weder Tun noch Erleiden, weder Einverständnis noch Widerstand, sondern gelassene In-Differenz gegenüber diesen ichzentrierten Zuständen offenbart, kann man am ehesten als Driften bezeichnen. Zur Nirwanologie der Ambient Music - Aufruhr im Zwischenreich, letzter Teil.

Aufruhr im Zwischenreich - Teil 4

Essay vom 17.10.2014 17.10.2014. Gegen das antisuizidale "Dammbruch"-Argument: Wenn der Staat die Pflicht hätte, die Bürger zu ihrem eigenen Wohl vor sich selbst zu schützen, dann müsste man auch Rauchen, Motorradfahren und Currywürste verbieten.

Aufruhr im Zwischenreich - Teil 3

Essay vom 13.10.2014 13.10.2014. Man kann nicht permanent die Persönlichkeitsrechte des Individuums als höchste Errungenschaft des Rechtsstaates feiern und ihm dann die Bestimmung der Art und Weise, wie er sein Leben beenden will, vorenthalten.

Aufruhr im Zwischenreich - Teil 2

Essay vom 01.10.2014 01.10.2014. Die Frage, wie wir leben sollen, um sterben zu können, stellt sich neu mit der längeren Lebenserwartung. Für eine neue Ethik des Sterbens jenseits des Bündnisses zwischen einer reaktionären Religion, einer progressiven Apparatemedizin und einer untätigen Politik.

Aufruhr im Zwischenreich - Teil 1

Essay vom 26.09.2014 26.09.2014. Im Schatten weltpolitischer Aktualität schleicht eine Debatte durchs Parlament, die unsere Gesellschaft im Innersten betrifft: Sie handelt von Sterbehilfe und Suizid. Plädoyer für eine Befreiung dieses Themas aus dem Griff der Politik und mit ihr paktierender Verbandseliten, Teil 1: Reset und In wessen Namen?

Die rhapsodische Kamera

Essay vom 05.02.2014 05.02.2014. Das einzige Kollektiv, das Miklós Jancsó mit utopischer Energie aufladen wollte, waren die Cinéasten. Sie lehrte der große Virtuose der Plansequenz, dass jede Veränderung der Verhältnisse mit einer Veränderung der Wahrnehmung beginnen muss. Dem großen ungarischen Regisseur zum Gedächtnis.

Die Matrix und ihre Feinde

Essay vom 17.06.2013 17.06.2013. Erstaunlich, mit welchem Aufwand davon abgelenkt wird, dass die Unterscheidung zwischen dem einen wahren Gott und den vielen falschen Göttern uns noch nach 2000 Jahren ihre finstere Exekutivlogik unter Beweis stellt. Wider die Entschärfung von Jan Assmanns These.

Etwas von dem Unvorstellbaren

Essay vom 14.06.2012 14.06.2012. Das eine herausragende Werk, das es nach Ansicht der Berichterstatter auf der documenta13 nicht gibt, gibt es doch: Mika Taanilas Videoinstallation über die Arbeiten am Kernkraftwerk Olkiluoto 3 in Finnland. Das also war sie, unsere moderne, elektrifizierte Zivilisation.

Ecce Pontifex

Essay vom 12.12.2011 12.12.2011. Wie Nanni Moretti mit dem weißen Zauber der Improvisation den Papst zum Menschen macht. Und wie er seine Botschaft so elegant an der Oberfläche versteckte, dass sie für die Kritik undurchdringlich wurde.

In hoc signo vinces!

Essay vom 03.08.2011 03.08.2011. Die nach Utoeya kursierende Kritik an "Islamkritikern" verdrängt den gefährlichsten Aspekt an Breiviks Tat: Sie ist selbst infiziert vom Gift, das sie bekämpft

Väinemöinen greift zur Kantele

Essay vom 05.08.2010 05.08.2010. Der estnische Komponist Veljo Tormis, der mit seiner zugleich modernen und archaischen Chormusik die "Singende Revolution" inspirierte, ist im Westen noch viel zu unbekannt. Sein Leben. Seine Musik - mit Hörbeispielen.

Domenico Scarlatti - Der latente Zeitgenosse

Essay vom 20.07.2007 20.07.2007. Horowitz liebte ihn, und der Cembalist Scott Ross ebenfalls. "Domenico Scarlatti does not belong" - nicht zu einem historischen Stil, einer Schule oder Tradition, nicht zu einer Epoche, nicht einmal zu einem Land. Genau hierin liegt seine Aktualität.