Magazinrundschau

Meistens ging es um Brüste

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
10.02.2015. Hätten sich britische Professoren etwas früher für die Freiheit der Wissenschaft eingesetzt, müssten sie jetzt nicht ihre Studenten ausspionieren, meint Nick Cohen im Guardian. Im New York Magazin erzählt Joni Mitchell, warum eine Chanel-Tasche sehr gut zu Folk passt. Linkiesta denkt über den epischen Moment nach. Telerama fragt, ob der Laizismus noch seinen Sinn erfüllt. Respekt und Pritomnost wünschen sich, ihr Präsident würde öfter mal den Mund halten. Das Magazin der New York Times lernt, wie man in drei Tagen einen Porno schreibt.

Guardian (UK), 09.02.2015

Britische Professoren haben scharf gegen die Forderung des Innenministeriums protestiert, Studenten mit extremistischen Ansichten zu melden, auch wenn sie nicht zu Gewalt oder Straftaten aufrufen. Nick Cohen findet, dass dieses Engagement für die Meinungsfreiheit ein bisschen spät kommt: "Statt einer freier Institution, in der junge Menschen ihren Geist erweitern können, ähneln britische Universitäten inzwischen theologischen Studienanstalten, an denen säkulare Priester die Einhaltung der Gebote beaufsichtigen. Vorige Woche stoppten Studenten am Goldsmith College eine Aufführung der fantastischen feministischen Komikerin Kate Smurthwaite, in einem Akt neurotischer Prüderie, der an Wahnsinn grenzte. In ihrer Show ging es um Meinungsfreiheit - ja, ich weiß. Sie erzählte mir, dass Goldsmith die Show nicht wegen ihres geplanten Programms cancelte, sondern weil sie einmal gefordert hatte, Männer zu verhaften, die zu Prostituierten gingen, außerdem habe sie etwas gegen patriarchale Kleriker, die Frauen zwingen, eine Burka zu tragen. In der Dämonologie der Campus-Politik waren dies keine legitimen Standpunkte, die in einer handfesten Debatte ausgetragen werden können. Sie brandmarkten sie sowohl als huren- wie als islamfeindlich."

Sehr empfehlen kann Tony Wood Peter Pomerantsevs Russland-Buch "Nothing Is True and Everything Is Possible", das ziemlich gut erfasse, worin das ideologische System Putin besteht: "Der Putinismus selbst ist eine Ideologie, die alle Ideologien auf einmal umfasst: Liberalismus, Nationalsims, Konservatismus, Orthodoxie, "antihegemoniale" Außenpolitik. Wie Pomerantsev zeigt, besteht der Schlüssel zum Erfolg dieses neuen Autoritarismus darin, dass er "nicht einfach die Opposition unterdrückt, wie seinen Vorgänger im 20. Jahrhundert, vielmehr bemächtigt er sich aller Ideologien und Bewegungen, beutet sie aus und führt sie ad absurdum". Das deutlichste Beispiel dafür ist die Schaffung eines politischen Systems, das wie eine Demokratie aussieht... Das Regime selbst kann mühelos seine Identitäten wechseln: Es kann sich am Vormittag wie eine Oligarchie anfühlen, am Nachmittag wie eine Demokratie, zum Abend wie eine Monarchie und in der Nacht wie ein totalitärer Staat". Diese Quecksilbrigkeit macht Putin für seine Gegner so schwer zu fassen - wo gegen sind Sie jetzt genau? -, und das beschreibt Pomerantsev gut."

Außerdem: Unschlagbar misanthropisch findet Christopher de Bellaigue Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung", dem er entnimmt, dass beim Kampf der Ideologien immer die Sozialleistungen den Ausschlag geben. Wie die Faust aufs Auge passt laut Robin Yassin-Kassab auch Karim Miskés Krimidebüt "Arab Jazz", der von Rausch und Wahn im 19. Bezirk von Paris erzählt.
Archiv: Guardian

La regle du jeu (Frankreich), 09.02.2015

Eine Gefahr für Europa nennt Bernard-Henri Levy Putin und erklärt auch, weshalb. Er, und zwar alleine er, sei das historische Risiko einer Konfrontation mit seinen Nachbarn eingegangen, entsende Soldaten und lasse Fugzeuge sich fremden Lufträumen nähern. "Indem Russland sich so verhalte, reagiere es lediglich auf die taube und schweigende Demütigung durch Europa, der es seit zwanzig Jahren ausgesetzt sei? Es versuche, was nur natürlich sei, die ihm aufgezwungene Einkreisung zu durchbrechen? Auch dieses Argument ergibt keinerlei Sinn. Es ist fast grotesk, wenn man an die Beharrlichkeit denkt, mit der Russland im Gegenteil immer wieder eingeladen wurde, der Partnerschaft für den Frieden (1994), dem Europarat (1996) oder der Europäische Sicherheitscharta der OSZE (1999) beizutreten."

New York Magazine (USA), 09.02.2015

Carl Swanson porträtiert Joni Mitchell, die sich Sorgen um ihr künstlerisches Erbe macht, eine CD-Kassette mit dem Besten aus ihrem Lebenswerk vorlegt und erzählt, wie sie sich Anfang der Siebziger modisch neu orientierte: "Als ich dieses Hippie-Ding aufgab, fing ich an Yves Saint Laurent zu tragen, die Sachen waren ein bisschen teuerer, muss man wohl sagen. Aber immer noch sehr lässig, so wie ich sie trug, denn ich trug sie in meiner ganz eigenen Weise. Und Warren, der damals mit Julie Christie ging, sagte, dass meine Handtasche, die von Chanel war, so eine Chanel-Clutch mit Kreuznähten, ein hübsches Design. Julie trug eine Military-Tasche aus Khaki. Warren sagte, meine Tasche passe nicht zu einer Künstlerin. Ja, soll ich meine Individualität aufgeben, um zum Club zu gehören?"

Dazu passt Sally Feldmans schon etwas ältere Geschichte aus dem New Humanist: die Handtasche als Vehikel der Frauenbefreiung.
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Telegraph (Großbritannien), 09.02.2015

Auch der Telegraph feiert zehn Jahre Youtube und fragt, was die Videosite in diesen zehn Jahren auf veschiedenen Gebieten verändert hat. Auf dem Gebiet Erziehung erzählt Sally Peck die erbauliche Geschichte von Salman Khan, der seiner Nichte in kleinen Videos mathematische Probleme erklärte und damit auf Youtube zum Superstar avancierte. "Im Jahr 2006 hatte ihm ein Freund geraten, seine Videos bei Youtube zu posten. Innerhalb von Wochen guckten Fremde seine Videos. "Ich bekam Zuschriften von Leuten aus der ganzen Welt, die sagten, wie sehr ich ihr Leben verändert hätte. Ich konnte die Tränen in ihren Mails hören." Fünf Jahre später gab er seinen Job auf, um sich ganz der Khan Academy, einer gemeinnützigen Organisation zu widmen, die auf seinem Erfolg bei Youtube aufbaut."


Archiv: Telegraph
Stichwörter: Youtube

Linkiesta (Italien), 08.02.2015

In einem Artikel, den er leider mit Beispielen aus Mel-Gibson-Filmen, aber zum Glück auch mit solchen aus dem Rugby und der Mythologie belegt, fragt Andrea Coccia nach dem Wesen des "epischen Moments" in bestimmten Dramen und Erzählungen. Dieser entstehe, wenn ein Mensch oder eine Gruppe sich entscheide, sein Schicksal auf sich zu nehmen. "Ob dieser Mensch - oder diese Menschen - ihre Schlacht gewinnen, ist nicht von Belang. In Epen ist die Schlacht nebensächlich, da sie von vornherein entschieden ist. Wen interessiert, dass Hektor in seinem Kamp gegen Achill stirbt? Der Tod ist schon abgehakt, unwichtig, denn er ist sein Schicksal. Wichtig ist nur der Moment, in dem der trojanische Held, der sein Schicksal auf sich genommen hat, vor den Toren Trojas auf Achill wartet. Auf diesen Moment konzentriert sich alle rhetorische Energie der Erzählung. Es ist der epische Moment."
Archiv: Linkiesta

Foreign Affairs (USA), 28.02.2015

In einem ganz interessanten Hintergrundartikel arbeitet Omar G. Encarnación Unterschiede zwischen der Podemos-Bewegung in Spanien, die sich zumindest teilweise an den linken Regimes der "bolivarischen" Länder wie Venezuela orientiert, und der griechischen Syriza-Partei heraus: "Syriza steht für "Koalition der radikalen Linken" und ist eine Sammlungsbewegung linker Grupppen, die zuvor schon existierten, wie Sozialdemokraten, Sozialisten, Trotzkisten und Eurokommunisten. Podemos dagegen bekennt anders als die "bolivarischen" Vorbilder eine klare Verpflichtung zu demokratischen Prinzipien. Podemos definiert sich als "postideologische Partei", reiht sich weder bei der Rechten noch bei der Links, sondern allein beim "Volk" ein. Die Strukturen sind horiziontal, viele Entscheidungen fallen in "Bürgerräten". Viele Anhänger haben nie einer politischen Partei angehört oder haben sich aus Ekel und Frustration von der Politik abgewandt."

Telerama (Frankreich), 08.02.2015

In zwei Artikeln geht Telerama dem Thema Laizismus nach. Unter der Überschrift "Von 1905 bis Nach-Charlie - Laizismus außer Rand und Band" plädiert Julitte Cerf für ein neuerliches Nachdenken über den Begriff. Das Gesetz von 1905, das Gläubigen und allen anderen ein friedliches Zusammenleben ermöglichen sollte, habe sich eindeutig in die andere Richtung entwickelt. "Inzwischen ist das Gegenteil der Fall: Obwohl der Laizismus in seinem Kern die Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben schützen sollte, dient er heute der Kontrolle beziehungsweise dem Verbot. Man ist von einem rechtsstaatlichen Prinzip - einer Verteidigung der Freiheit mit dazugehörigen Rechten und Pflichten - zu einer Durchsetzung von Werten übergegangen - einer Vorstellung des Guten, einer Daseinsform. "Damit beschneidet man die Religion im Namen dessen, was ihr ihre Freiheit zusicherte", fasst es der Jurist [Vincent Valentin] zusammen."

Im zweiten Text beschäftigt sich Lucas Armati in seiner Reportage mit der "Unbestimmtheit" des Begriffs in Tunesien; die Verfassung von 2014 schreibe zwar den zivilen Charakter des tunesischen Staates fest, der gleichzeitig jedoch auch angehalten ist, "das Heilige zu schützen" - eine riskante Zweideutigkeit.
Archiv: Telerama

Wired (USA), 05.02.2015

Eine außer Kontrolle geratene, aber harmlose Drohne, die auf dem Rasen des Weißen Haus in Washington gelandet ist, hat den chinesischen Hersteller DJI dazu bewogen, in Eile ein Firmware-Update seines unter Privatnutzern beliebten Fabrikats Phantom 2 zu Wege zu bringen, das es per GPS unmöglich macht, eine Drohne in die Nähe anschlagsrelevanter Ziele zu manövrieren, erklärt Kevin Poulsen. "Geofencing" nennt sich diese Vorgehensweise, die die Geräte bislang auch schon in der Nähe von Flughäfen streiken lässt. Viele der notorisch regulierungsunfreudigen Amerikaner halten das für einen unzulässigen Eingriff, auch Poulsens bezieht Stellung: "Man kann sich leicht vorstellen, wie sich die Gesetzemacher und Regulatoren auf DJIs Update stürzen und es als heilsames Mittel preisen werden, um Geofencing für die ganze Industrie zum Standard zu erheben. Sobald dies eintritt, wird man damit rechnen dürfen, dass die Umgehung der Drohnen-Firmware aus welchem Grund auch immer für genauso illegal erklärt werden wird, wie dies bereits für das Hacken der Firmware des eigenen Wagens gilt. Eines aber ist gewiss: Niemanden, der die Absicht hat, eine Bombe an einer Spielzeug-Drohne anzubringen, wird dies davon abhalten."

Ethisch gesinnte Roboter-Hersteller fordern ein internationales Verbot der Entwicklung automatisierter Kriegsroboter, berichtet Robert McMillan. Twitter ist schwer zerrissen zwischen der Macht seiner Power-User und den Interessen seiner Investoren, erklärt Marcus Wohlsen.
Archiv: Wired
Stichwörter: Drohnen, Geofencing, GPS, Roboter

Respekt (Tschechien), 03.02.2015

Der sozialdemokratische tschechische Staatspräsident Miloš Zeman überraschte kürzlich mit der Behauptung, der Schriftsteller und Journalist Ferdinand Peroutka sei vom Nationalsozialismus fasziniert gewesen. (Peroutka gilt gemeinhin als größter tschechischer Journalist des letzten Jahrhunderts. Als Chefredakteur der demokratischen Zeitschrift Přítomnost arbeitete er in den 20er- und 30er-Jahren unter anderem mit Karl Kraus und Karel Čapek zusammen.) Erik Tabery widerspricht dem Präsidenten heftig: "Im Jahr 1953 sendete Radio Free Europe einen Kommentar von Ferdinand Peroutka, den er betitelte mit "Wer ist Ferdinand Peroutka?" Anlass war die Propaganda, die in der kommunistischen Tschechoslowakei über ihn verbreitet wurde. In seiner Radioansprache sagte Peroutka, die Sekretäre der kommunistischen Partei bezichtigten ihn, sich mit den Nazis "gegen sein Volk verbündet" zu haben. Peroutka fragte vor allem die jungen Leute: "Wenn heute die Zeitung Rudé právo behauptet, ich hätte einst diesen oder jenen Satz geschrieben - wie könnt ihr wissen, ob das wahr ist? Da euch die Möglichkeit genommen wurde, es über eigene Lektüre nachzuprüfen, hängt alles davon ab, ob Rudé právo die Wahrheit sagt." Inzwischen sind wir über sechzig Jahre weiter (…), aber Präsident Miloš Zeman verbreitet die gleichen Lügen über Peroutka wie jene im Jahr 1953." Tabery belegt Peroutkas hitlerkritische Einstellung mit lauter Zitaten von 1933 bis April 1939 und fügt hinzu: "Wenige Wochen später wurde Peroutka ins Konzentrationslager geschickt. Emanuel Moravec bot ihm irgendwann an, nach Prag zurückzukehren und seine Zeitschrift als Kollaborateur weiterzuführen. Darauf antwortete Peroutka, lieber bleibe er im KZ. Ich kann mir keinen größeren Mut vorstellen."
Archiv: Respekt

Pritomnost (Tschechien), 27.01.2015

Nicht zum ersten Mal erregt der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman mit seinen öffentlichen Äußerungen Anstoß. Adam Drda kritisiert: "Zeman hat mit seiner unnachahmlichen Art seinen Beitrag zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz geleistet, indem er verkündete: " Ich bin einer der sechs Millionen Juden, die in Europa von den Nationalsozialisten ermordet wurden." (…) und hinzufügte, er paraphrasiere den Kennedy-Satz "Ich bin ein Berliner". (…) Es ist höchst unanständig, sich selbst und andere gutgenährte Machthaber den Juden zuzurechnen, die - vor nicht langer Zeit - unter unbeschreiblichen Qualen sterben mussten. Das Wort "Paraphrase" kaschiert hier nur Geschwätz, und JFK wird sich vermutlich im Grabe umdrehen." Auch Zemans Ankündigung, es drohe ein "Superholocaust" durch den IS, dem man sich militärisch entgegenstellen müsse, fand Drda einfach unpassend: "Ein Gedenktag für die Opfer des Holocaust gehört den Opfern des Holocaust; es ist nicht der Tag des Kampfes gegen den Terrorismus, Islamismus oder Rassismus. Dementsprechend sollte der Charakter öffentlicher Auftritte sein. Es ist eine Frage des Taktes."
Archiv: Pritomnost

Medium (USA), 03.02.2015

Von den über 500 Millionen Menschen, die aktiv Wikipedia-Artikel anlegen oder bearbeiten, ist Bryan Henderson (Unsername: Giraffedata) nicht nur einer der fleißigsten (aktueller Rang: 978), sondern wohl auch der einzige, dessen Aktivität sich darauf beschränkt, einen einzigen Grammatikfehler zu verbessern. Andrew McMillen stellt den Mann vor, der seit 2007 über 47.000 mal die Phrase "comprised of" korrigiert hat: ""Nach zwei oder drei Jahren war ich tatsächlich am Ende angelangt", sagt er. "Ich war erstaunt, das Ende der Liste zu erreichen." Er macht eine Pause. "Und dann fing ich wieder von vorne an, weil es mittlerweile neue Einträge gegeben hatte." ... Jeden Sonntag Abend bearbeitet er nun in einer effizienten Routine die 70 oder 80 neuen "comprised of"-Fehler, die jede Woche in der Enzyklopädie erscheinen. Der gesamte Prozess kostet ihn höchstens eine Stunde." In einem eigenen Wikipedia-Essay erläutert Henderson ausführlich, weshalb die Formulierung falsch ist.
Archiv: Medium
Stichwörter: Wikipedia

Elet es Irodalom (Ungarn), 09.02.2015

Der Soziologe Balázs Krémer veröffentlichte vor kurzem eine Studie, in der er auf alarmierenden Zustände in der ungarischen Gesellschaft hinweist. Danach ist ein kontinuierliches Abrutschen der Mittelschichten zu beobachten, die mittlerweile täglich vor existentiellen Problemen stehen. Acht Zehntel der ungarischen Gesellschaft seien davon betroffen. Im Interview mit Eszter Rádai macht Krémer dafür die gezielte Politik der Regierung verantwortlich: "In der EU bzw. in den OECD-Ländern versuchte man die Auswirkungen der Krise für die ärmsten Schichten zu lindern und den Rückfall durch soziale- und wohlfahrtsstaatliche Ausgaben zu kompensieren. Die ungarische Regierung handelte umgekehrt, jene Ausgaben wurden erheblich gekürzt. (...) Ich würde sagen, das ist der Trend. Was aus der Sicht der politischen Machtausübung auch funktionell ist, denn das Abrutschen und der Rückfall sind keine abstrakten Ängste mehr, sondern durchlebte Erfahrung. Das macht die meisten Menschen anpassungsfähig. Wo Menschen sich fürchten und vor der Zukunft Angst haben, dort sind Zivilcourage und autonomes bürgerliches Dasein nicht wirklich in Mode."
Stichwörter: Mittelschicht, Autonome

Aeon (UK), 09.02.2015

Feiglinge werden verachtet, verhöhnt, im Krieg oftmals hingerichtet. Es gibt allerlei Erklärungen, wie heldenhaftes Verhalten einer Spezies nutzt, aber keine evolutionäre Ehrenrettung der Feigheit. Chris Walsh beschreibt, warum sie trotz allem nützlich ist: "Die Abneigung, die wir üblicherweise gegenüber Feigheit hegen, kann hilfreich sein, sich darauf zu besinnen, wie wir uns verhalten sollten und welche Ängste uns davon abhalten... Wie wir lieben, wer und wo wir sind, was wir tun, was wir denken, sogar was wir wissen und uns zu wissen erlauben - manchmal scheint es, als würde all das von aufgebauschten Ängsten und Pflichtvermeidungen geformt, die so lange aufrecht erhalten wurden, dass sie zur Normalität wurden. Über Feigheit zu reflektieren, kann helfen, sie zu überwinden."
Archiv: Aeon
Stichwörter: Feigheit, Normalität

New York Times (USA), 07.02.2015

Louise Story und Stephanie Saul erzählen in der New York Times, wie New York und andere Städte immer mehr Superreiche, oft aus Russland, den arabischen Ländern oder Mexiko anziehen, die dort Immobilien kaufen: "Sie können sich diese Multimillionen-Appartments kaufen, ohne dass ihnen allzuviele Fragen gestellt werden, denn die Vereinigten Staaten begünstigen den Geldfluss durch Briefkastenfirmen. Riesensummen fließen wie nie zuvor unkntrolliert von Land zu Land. Keiner weiß, ob sie aus Korruption oder Steuervermeidung oder bloß zur Investition angelegt werden. Eine grenzlose Ökonomie sucht immer neue Wege, sein Geld zu verstecken. An Orten wie London, Singapur und anderen Finanzzentren haben sie Ghettos ausländischer Superreicher geschaffen, die mit ihren Glas- und Stahltürmen die Stadtlandschaften neu ordnen und Ressentiments und Streit über Ungleichheit auslösen."

Im Magazin der New York Times erinnert sich Chris Offutt an seinen Vater, den Porno-Schriftsteller Andrew Jefferson Offutt und beschreibt dessen effiziente Arbeitsweise: "Sein Ziel war es, ein Buch pro Monat zu schreiben. Dafür verfeinerte er seine Methoden, arbeitete mit einem vorgefertigten Rohmaterial von Sätzen, Beschreibungen und ganzen Szenen, das er in Notizbüchern verwahrte. 80 Prozent dieser Aufzeichnungen waren sexueller Natur. Meistens ging es um Brüste, dann um Handlungen, eingeteilt in Abteilungen, wie: Mund, Zunge, Gesicht, Beine, Kuss. Die Abteilung "Orgasmus" war unterteilt in: davor, während und danach. Die Abteilung "Schmerz" war unterteilt in: Prügeln, Auspeitschen, Erniedrigung, Folter und so weiter… Wie Henry Ford setzte mein Vater auf Prinzipien der Fließbandarbeit mit vorgefertigten Teilen. Das erwies sich als sehr effizient. Mit Hilfe seiner Notizbücher konnte er schnell die passende Abteilung finden und ganze Sätze direkt ins Manuskript übertragen. Danach strich er sie durch, um Selbstplagiate zu vermeiden… Auf die Weise konnte er ein Buch in drei Tagen schreiben."

Außerdem in der New York Times: Will S. Hylton besucht die Auffanglager für Immigranten in den USA, die wie Gefängnisse funktionieren. Und Amy Wallace porträtiert den Unternehmer Chip Wilson, der mit seiner Marke "Lullulemon" und sexy Yoga-Hosen erst Millionen machte und dann die Kontrolle über seine Firma verlor.