Ähnlich wie im Manga-Bereich, der den entsprechend spezialisierten Verlagen auch in Deutschland in den letzten Jahren nahezu irreale Umsatzsteigerungen bescherte, geht auch die Popularität von Anime weltweit schier durch die Decke und lässt den Nischen-Status, den das japanische Popkulturphänomen im Westen bislang hatte, hinter sich, erklärt Eric Vilas-Boas. Alleine in den USA stieg die Nutzung von 2019 bis 2024 Studien zufolge um satte 176 Prozent, die Zahl der Serien habe sich gar verdreifacht. Insbesondere in der jüngsten Generation genießen die japanischen Trickfilme und -serien eine Popularität, die die gängiger westlicher Starphänomene mitunter deutlich übersteigt. "Popularität und Umsatz von Anime lassen nicht nach und das, obwohl die Unterhaltungsbranche im Großen und Ganzen im Zuge des Hollywoodstreiks, eines jahrelangen Pandemiekaters und dem Rückzug von Streamingdollars geschrumpft ist. Die japanische Industrie mag auf unterbezahlten Arbeitern und entsetzlichen Arbeitsbedingungen fußen, aber weltweit generiert Anime-Content pro Jahr um die 20 Milliarden Dollar Profit. ... 'Reisefähigkeit' ist der Schlüssel zum Erfolg dieses Sektors, sagt die Analystin Katerina Naddaf. Dem liegt die Einsicht zugrunde, dass eine Serie zwar zunächst für ein japanisches Publikum produziert wird, aber im besten Fall auch das Potenzial hat, ein noch größeres Publikum in Übersee zu erreichen. Gita Rebbapragada von Crunchyroll sagt, dass der Streamingdienst sich dessen 'überaus bewusst' ist, dass er für die verschiedenen Märkte, in denen er operiert, 'regionalrelevanten' Anime produzieren will. 'Regional relevant' kann dabei unterschiedliche Dinge bezeichnen, von kulturellen Nuancen bis zur Geschichte, die mit einem bestimmten Ort einhergeht. Bei Warner konzentriert sich DeMarco auf internationale Coproduktionen, die idealerweise auf beide Märkte abzielen, mit einem Fokus auf den Westen, da der Konzern hier ansässig ist. Bei Crunchyroll indessen war der aktuelle Fußball-Anime 'Blue Lock' Rebbapragada zufolge in Lateinamerika und Teilen Europas sehr erfolgreich, Regionen, die versessen auf Fußball sind."
Als wäre MAGA nicht genug, gibt es nun auch noch MAHA: Make America Healthy Again. Robert F. Kennedy, den Trump als nächsten Gesundheitsminister der USA nominiert hat, ist zum Anführer einer Bewegung geworden, die rechts wie links Anhänger findet. Was sie eint, ist Elitenkritik und eine Nähe zu verschwörungstheoretischem Denken, erläutert Simon van Zuylen-Wood: "Die MAHA-Skepsis gegenüber der modernen Ära, mit all ihren technologischen und chemischen Störungen, erstreckt sich über das gesamte politische Spektrum. Es gibt das seltsame, überdrehte Ökosystem rechter Bodybuilder und neo-agrarischer Online-Persönlichkeiten wie die 'Raw Egg Nationalist', die sich ebenso um ökologische Zerstörung wie um sinkende Fruchtbarkeit sorgen - Probleme, die sie mit der Verbreitung von Mikroplastik oder endokrin wirksamen Chemikalien, bekannt als Umweltöstrogene, in Verbindung bringen. Diese Bedenken teilen auch Epidemiologen, Verfechter von Reproduktionsrechten und 'Mommy-Blogger'. Selbst wenn man die vermeintlichen politischen Motive Luigi Mangiones, des mutmaßlichen Mörders des UnitedHealthcare-CEOs, außer Acht lässt, deuten einige seiner Online-Schriften auf eine MAHA-ähnliche Angst hin, dass die Kräfte des modernen Lebens unsere biologischen Rhythmen stören und die 'natürliche menschliche Interaktion' in Bereichen wie Sexualität und körperlicher Fitness behindern. 'Das evolutionäre Missverhältnis zwischen dem Homo sapiens und seiner Lebensumgebung im 21. Jahrhunderts ist unermesslich groß', schrieb er. In ihrer düstersten Form haben diese Bedenken eine gewisse Ähnlichkeit mit der Kritik des Unabombers am industriellen Zeitalter - Mangione rezensierte Ted Kaczynskis Manifest online - doch sie werden auch von populären zeitgenössischen Figuren wie Joe Rogan und RFK Jr. geteilt. Beide sind Fitness-Enthusiasten und Outdoor-Fans, die argumentieren, dass Big Pharma und die Agrarindustrie unsere Verbindung nicht nur zur Umwelt und zur Nahrungsversorgung untergraben, sondern auch zu uns selbst, indem sie unzählige chemische Unregelmäßigkeiten in unseren Körpern hervorrufen."
Die ganze Trump-Familie ist involviert in fragwürdige, kaum noch zählbare Deals mit despotischen Regimen, weiß Casey Michel im New York Magazine. Jetzt, wo es möglicherweise auf eine zweite Amtszeit zugeht, nimmt Trumps Schwiegersohn Jared Kushner eine besonders wichtige Rolle dabei ein: "All diese Arrangements mit den Saudis als großen finanziellen Zustrom für die Trump-Sippe zu bezeichnen, wäre untertrieben. Bei einem der schmutzigsten - oder sumpfigsten - Arrangements seitdem Trump das Weiße Haus verlassen hat, hat sein unterqualifizierter, mangelerfahrener Schwiegersohn Jared Kushner es geschafft, einen Zwei-Milliarden-Dollar-Deal mit den Saudis für seine neue Investmentfirma zu landen. Selbst saudische Beamte waren zunächst erschrocken von dem Deal und wollten sich von Kushners Vorschlägen zurückziehen. Aber wie Intercept berichtet hat, ist der saudische Premier Mohammed bin Salman selbst eingeschritten, um den Deal zu bestätigen, darauf bedacht, Saudi-Arabiens finanzielle Klauen noch tiefer in Trumps Familie zu versenken. Wenn überhaupt ist es Kushner, der die Führung übernommen hat, wenn es darum geht, Verbindungen zwischen Trumps Welt und den neuen starken Staatsmännern zu knüpfen. Zusätzlich zu den saudischen Geldern hat sich Kushner auf dem Balkan herumgetrieben, wo er Anfang des Jahres einen Vertrag mit dem autoritären serbischen Regime unterzeichnet hat, um Luxushotels zu pachten." Dieser Vertrag ist das Ergebnis jahrelanger enger Verhältnisse zwischen Trump und dem serbischen Autokraten Vucic, fügt Michel noch an.
Rebecca Traister sieht sich die Frauen in der Entourage Donald Trumps genauer an. Wer sind eigentlich diese Republikanerinnen, die einen misogynen Macho-Politiker unterstützen, dessen Partei die Frauenrechte immer mehr einschränken will? Traister stellt fest: die konservativen Politikerinnen befinden sich in einem Zwiespalt, der vielleicht größer ist als je zuvor. Niemand, so Traister, verkörpert die "Verrenkungen der modernen republikanischen Frau" so gut, wie die Abgeordnete Nancy Mace, die als Jugendliche Opfer einer Vergewaltigung wurde. "Mace ist eine begeisterte Abtreibungsgegnerin, widersprach aber ihrer Partei, als diese 2019 in der Legislative von South Carolina über ein Gesetz zum fötalen Herzschlag debattierte, das keine Ausnahmen für Vergewaltigung oder Inzest vorsah. 'Niemand hat über Vergewaltigung gesprochen', sagte sie. 'Ich fühlte mich als Frau erschüttert, weil ich die Überlebende einer Vergewaltigung bin … Ich nahm das Mikrofon und ging zum Brunnen und hielt eine Rede, von der ich nie gedacht hätte, dass ich sie jemals halten würde', sagte sie." Nach dem Sturm auf das Kapitol, forderte Mace, dass Trump zur Verantwortung gezogen werden müsse, so Traister, aber "im Jahr 2021 stimmte Mace schließlich nicht für seine Amtsenthebung. Er erinnerte sich jedoch an ihre anfängliche Rüge und unterstützte Mace' Herausforderer bei den Vorwahlen 2022. Mace versuchte, ihn zurückzugewinnen, indem sie in den Trump Tower reiste und ein Video veröffentlichte, in dem sie ihre Hingabe zu ihm dokumentierte; er antwortete, indem er sie eine 'großartige Verliererin' nannte. Mace überlebte ihre Wiederwahl, auch dank der Unterstützung von Trumps künftiger Konkurrentin bei den Vorwahlen, der ehemaligen Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley." Im Interview mit Traister betont sie nun" dass 'Donald Trump in Frauenfragen gut ist. Er war der frauenfreundlichste Kandidat bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl. Und er hat es verstanden.'" Es spielt keine Rolle, kommentiert Traister, "dass Trump das Ende von Roe ein 'Wunder' genannt hat. Er weist Behauptungen zurück, dass er an einem Tag den Zugang zu Verhütungsmitteln einschränken würde, und sagt am nächsten Tag, er sei offen für staatliche Beschränkungen. Er nannte den Kampf der einzelnen Bundesstaaten darum, ob Abtreibung weiterhin möglich sein wird, 'eine schöne Sache, die man beobachten kann'. Es ist sehr schwierig, durch solche rhetorischen Schranken hindurch einen gemäßigten Kurs zu halten."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Jim VandeHei ist der ganz große Zampano in allen Fragen, die die Zukunft des Journalismus betreffen. Er ist der Erfinder des Politik-Magazins Politico, das er dann verlassen hat , um das eben so erfolgreiche Axioszu gründen, das er für 500 Millionen Dollar verkaufte. Allzu viele erfolgreiche Mediengründer gibt es ja nicht mehr heutzutage: Nun veröffentlicht er sein Buch "Just the Good Stuff", in dem er erzählt, wie er Karriere machte, obwohl nichts ihn dafür prädestinierte. Neulich wurde er in der SZ als Autorität zum Thema Künstliche Intelligenz gefeiert (unser Resümee). Darüber spricht er auch mit Benjamin Hart vom New York Magazine, und obwohl er als Erfinder der smarten Kürze gilt, ist dieses Gespräch doch recht wortreich geraten. Wie auch immer: Zur AI im Journalismus sagt er sicher ein paar richtige Dinge: "Ich mache mir keine Sorgen über KI, die Geschichten schreibt. Ich glaube, dass eher das Gegenteil wichtig wird. Ich denke, wenn die Standardinhalte verschwinden, weil sie potenziell von Maschinen oder KI gemacht werden, wird das, was sowohl für die KI als auch für den Verbraucher einen eindeutigen Wert hat, echtes Fachwissen, echte menschliche Nuancen oder echte menschliche Kreativitität sein." Medien sollten sich darum nicht darauf konzentrieren, möglichst viel mit KI zu machen, sondern die besten Journalisten suchen.
Mit den Büchern von Judith Butler und vor allem Shulamith Firestone bewaffnet gibt uns Andrea Long Chu einen tiefen Einblick in die amerikanische Transbewegung. Die Pulitzerpreisträgerin brandmarkt jede Kritik, ja jeden Einwand als "hysterisch" oder unterstellt ihren Gegnern schlimmste Absichten wie die Rettung der Kleinfamilie. Aber interessant ist es trotzdem. Denn mit Kleinigkeiten wie Transrechten gibt sie sich nicht zufrieden: Chu geht es um die Abschaffung der Pubertät, Abschaffung des Sex, Abschaffung der Geburt durch eine Frau und die Abschaffung des Kapitalismus. "[Judith] Butler argumentiert, dass es 'kontraproduktiv und falsch' wäre, die Existenz von Unterdrückungssystemen der Biologie anzukreiden. Aber warum? Ich bin der Meinung, dass jede umfassende Bewegung für Trans-Rechte in der Lage sein muss, politische Forderungen auf der Ebene der Biologie selbst zu stellen. Dies ist eine alte radikal-feministische Idee, die vor allem in Shulamith Firestones Klassiker 'The Dialectic of Sex' von 1970 zu finden ist. Nehmen wir an, die Unterdrückung der Frauen sei tatsächlich ein Produkt ihrer Biologie, schrieb Firestone. Was folgt daraus? Nur, dass Feministinnen daran arbeiten müssen, die biologische Realität zu verändern. Das Geniale an diesem Schachzug war, dass er die Vorstellung ablehnte, biologische Tatsachen hätten eine Art moralischen Eigenwert, der sozialen oder kulturellen Tatsachen nicht zukomme. Die Biologie könne die Ausbeutung von Menschen nicht rechtfertigen; ja, sie könne nicht einmal die Biologie rechtfertigen, die genauso fähig sei, Ungerechtigkeit aufrechtzuerhalten wie jede Gesellschaft. Als Firestone von Frauen als 'sex class' schrieb, hatte sie - anders als die TERFs, die ihr folgten - den marxistischen Traum von einer klassenlosen Gesellschaft vor Augen, etwas, das nur durch die Befreiung der Menschheit von der 'Tyrannei ihrer Biologie' erreicht werden konnte. Für sie bedeutete dies ein 'revolutionäres ökologisches Programm' der Fruchtbarkeitskontrolle, der künstlichen Fortpflanzung und der vollständigen Automatisierung der Arbeit. Das mag unrealistisch klingen. Aber genau das ist der Punkt: Gerechtigkeit ist immer ein Versuch, die Realität zu verändern." Ein Transkind, das zum ersten mal sagt, es sei ein Mädchen, "hat keine Angst vor Sex - sie ist gegen ihn", erklärt Chu.
Rotten Tomatoes bleibt ein heikler Fall für die Filmindustrie. Was mal als praktische Idee in den späten Neunzigern begann - warum nicht Filmkritiken namhafter Publikationen bündeln und auswerten? -, hat sich längst als zentraler Player entwickelt, wenn es um das Wohl und Wehe von Filmen an den Kinokassen geht. Entsprechend hoch sind die Begehrlichkeiten von Studios und Verleihern, den "Rotten Score" (also das metrische Mittel aller Kritiken) mit allerlei Tricks nach oben zu treiben - ob nun mit finanziellen Zuwendungen für Kritiker einerseits oder durch ein taktisches Spiel mit Pressevorführungen andererseits, schreibt Lane Brown in einer großen Gesamtdarstellung aller Problemlagen, die der Rotten Score so mit sich bringt. Zugleich gehen Filmkritiker als einzelne Stimmen und erstzunehmende Instanzen immer weiter unter, wenn am Ende nur noch der Mittelwert aller Kritiken zählt, um ein Ticket zu lösen oder nicht. Und an noch etwas sollte man sich bei den Bewertungen von Rotten Tomatoes erinnern, meint Brown: "Die Mathematik dahinter stinkt. Die Werte werden berechnet, indem jede Kritik als entweder positiv oder negativ eingestuft wird. Die Anzahl der positiven wird dann durch die Gesamtzahl geteilt. Das ist die ganze Formel. Jede Kritik trägt dasselbe Gewicht, ob sie nun in einer großen Zeitung steht oder in einem Substack mit einem Dutzend Abonnenten. Wenn eine Kritik zwischen positiv und negativ pendelt, dann ist das halt Pech. 'Wenn ich ein paar Besprechungen meiner eigenen Filme lese und der Kritiker schreibt, dass ich nicht so richtig was bringe, aber, Junge, ist das vielleicht interessant, auf welche Weise ich etwas nicht bringe', erzählt PaulSchrader, der früher selbst Kritiker war, 'dann ist das für mich eine gute Besprechung, aber auf Rotten Tomatoes gilt das als negativ.'"
In den USA bereiten sich Firmen auf den Spermageddon vor - zumindest wird so die Entwicklung bezeichnet, nach welcher Männer immer weniger Spermien pro Ejakulation abgeben. Dazu gibt es verschiedene Theorien (zum Beispiel bei Zeit online); viel wichtiger ist aber die Frage, ob man daraus Kapital schlagen kann, wie Simon van Zuylen-Wood in einer Reportage erzählt, in der auch ein junger Unternehmer, Khaled Kteily, zu Wort kommt, dessen Firma Legacy das Sperma seiner Kunden testet und einfriert: "Das Herzstück des Geschäfts, der Gewinnbringer, sind nicht die Nahrungsergänzungsmittel und auch nicht die Tests. Es ist das Einfrieren. Ursprünglich hatte das Unternehmen sein Marketing auf alleinstehende Männer ausgerichtet, die befürchteten, später vielleicht zeugungsunfähig zu werden, bevor es seinen Schwerpunkt auf Paare verlagerte. Der Vorteil dieser Umstellung war, so Kteily, dass die Einfrierrate bei ihnen höher war. Der Nachteil: Paare, die sich um eine Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt bemühten, neigten dazu, die Firma zu bitten, die Proben aufzutauen und für die Verwendung vorzubereiten, was mehr Zeit und Geld kostete, als er gehofft hatte. ´Jetzt haben wir eine Flut von E-Mails an Kliniken im ganzen Land hin und her geschickt´, sagt Kteily. Er sah sich mit einem Paradoxon konfrontiert: Je häufiger die Kunden den Dienst nutzten, desto weniger Geld verdiente er. Nützlicher waren für ihn die Kunden, die nicht unbedingt schwanger werden wollten, Legacy stattdessen als eine Art Versicherungspolice nutzten wollten, falls doch."
Samurai Jeans, SHOGUN - Double Natural Indigo 17oz Selvedge Denim von dc4 in BerlinIm Hintergrund, von der Öffentlichkeit noch weitgehend unbemerkt findet eine kleine Moderevolution statt, vor allem in der Männermode. Neu ist das Phänomen nicht, aber es wächst und wächst: Es geht weniger um Nachhaltigkeit als um Vintage. The Cut, Modemagazin des New York Magazine bringt zwei Artikel dazu. Im einen schildert Justine Harman den Kult um Vintage-Jeans. Die meisten Vintage-Jeans befinden sich heute im Besitz von Japanern, die seit Jahren einen wahren Kult um Jeans treiben (und heute, nebenbei bemerkt, die besten Jeans herstellen). Levi's-Jeans aus den fünfziger oder sechziger Jahren können 1.000 Dollar oder mehr kosten. "Letzten Herbst tauchten sogar noch ältere Jeans auf, als ein bekannter Wiederverkäufer namens Brit Eaton ein Paar 'in Minen gefundene' Levi's aus dem 19. Jahrhundert mit einer Tasche und Schnallenverschluss versteigerte, die, wie er betonte, 'wahrscheinlich die ältesten Levi's sind, die je bei einer Auktion verkauft wurden'. Ganz recht, 'in einer Mine gefunden'. In den letzten Jahren hat eine kleine Gruppe selbsternannter Denim-'Archäologen', die mit wenig mehr als Stirnlampen und Überheblichkeit bewaffnet sind, damit begonnen, sich in verlassene Silberminen abzuseilen, in der Hoffnung, die nach einer Schicht zurückgelassenen Denims zu finden. 'Einige dieser Jungs haben das Geschäft verändert, indem sie Stücke ausgegraben haben, die normalerweise nicht gehandelt wurden', sagt der Vintage-Jeans-Händler und Sammler Larry McKaughan. 'Sie setzten buchstäblich ihr Leben aufs Spiel.'" Die Jeans wurden für 87.000 Dollar versteigert.
Sunflower Lace Long Sleeve Shirt von BodeEinen anderen Aspekt von Vintage repräsentiert die hierzulande noch nicht so bekannte amerikanische Marke Bode, die vor allem hinreißende Hemden macht und sich dabei von Vintage-Tischdecken, Geschirrtüchern und ähnlichen Vorbildern inspirieren lässt. Viele dieser Hemden sind bestickt, berichtet Brock Colyar. "Eine Reihe von Bode-Boys erzählen, dass die Marke sie dazu gebracht hat, zum ersten Mal Blumenmuster und durchsichtige Oberteile zu tragen... Es ist sicher kein Zufall, dass Harry Styles einer von ihnen ist. Luis Carlos Zaragoza, ein Influencer in L.A., erzählt mir, dass er eines der Tischtuch-Shirts von Bode nur gekauft hat, weil er Styles darin gesehen hat. (Als er das Hemd einmal in einem Einkaufszentrum trug, fragte ihn eine alte Dame, wo er es gekauft habe. Sie besaß die Tischdecke im Original-Design.) Harry Lambert, Styles' Stylist, sagt, der Popstar habe die Marke auf Instagram gefunden. 'Die Marke Bode sagt etwas aus, ohne es herauszuschreien. Sie sagt: Ich stehe auf Mode. Ich stehe auf die Art, wie ich gekleidet bin. Ich putz mich gern heraus. Aber es fühlt sich nicht so an, als wäre es eine große Anstrengung, sie zu tragen. Darum stehen Heteros so sehr darauf, glaube ich. Lauren Sherman, die Modekorrespondentin von Puck, drückt es mir gegenüber unverblümt aus: 'Bode sagt: 'Du kannst ein Spitzenhemd tragen und trotzdem Mädchen vögeln.'"
Im Lauf der letzten 20 Jahre ist er fast ein bisschen in Vergessenheit geraten, aber das ändert nichts daran, dass der Hongkong-Regisseur JohnWoo ab Mitte der Achtziger das Actionkino mit nur einer Handvoll Filme und seinem tänzerisch-melodramatischen Stil revolutionierte wie kaum ein zweiter. Er schuf damit auch die Basis dafür, dass die internationale Cinephile im Zuge viele Jahre lang ganz besonders nach Hongkong blickte, um aufregende Filme zu entdecken. Neu und atemberaubend wirkten "A Better Tomorrow", "The Killer" oder "Hard-Boiled" - dabei waren es vor allem Komplimente in Richtung des westlichen Kinos, wie Woo im Gespräch anlässlich eines kleines Woo-Revivals in den USA erzählt: "Es gab in Hongkong keine Filmschule welcher Art auch immer, also mussten wir uns anhand von Filmen und Filmkritikern aus dem Ausland alles selber beibringen. Wir studierten sie in der Bibliothek. Wir waren eine Gemeinschaft, eine Gruppe junger Leute, die sich traf, um experimentelle Filme zu drehen. Wir sahen großartige Filme in den Botschaften Italiens, Frankreichs und Großbritanniens. ... Ich wollte immer einen Film wie Melvilles 'Der eiskalte Engel' drehen, aber das Studio sagte immer bloß: 'Du hast doch gerade erst angefangen. Das ist zu früh für so einen Film. Solche Filme sind Kassengift.' ... Damals waren Filme populär, die wir Faust- undKopfkissen-Filme nannten: Die Faust stand für Kung-Fu, das Kopfkissen für Sexfilme. Entsprechend frustriert war ich. Alles, was ich drehen konnte, waren irgendwelche Kungfu-Filme und Komödien. ... Später traf ich meinen guten Freund TsuiHark, einen brillanten, talentierten Filmemacher. Ich empfahl ihn einem neuen Studio. Dann, 1985, revanchierte er sich für den Gefallen, dass ich ihm bei seiner Karriere geholfen habe, und unterstützte mich bei 'A Better Tomorror'. In den Film packte ich all die französischen Elemente. Endlich konnte ich das tun, was ich wirklich wollte."
Hier ein essayistischer Zusammenschnitt von Woos Stilmerkmalen - aber Achtung: Es wird laut und zuweilen etwas blutrünstig.
KünstlicheIntelligenz kann bekanntlich alles: Bilder erkennen, aus Texten Bilder entstehen lassen, visuelle Informationen synthetisieren und daraus etwas Neues schaffen - und so weiter. Was dabei gern vergessen wird: Hinter jeder KI steckt gigantische menschliche Arbeit, geleistet von Millionen von Klick-Arbeitern, die, über die ganze Welt verteilt, oft tagelang stumpfsinnig Bildmaterial mit Stichworten versehen, um eine KI mit den aufbereiteten Datenmengen zu versorgen, auf deren Grundlage sie dann ihre Zauberstücke aufführen kann. Die Honorare sind spärlich, die Auftragslage schwankend, aber die von den Auftraggebern erzielten Umsätze gigantisch, schreibt Richard Parry in seiner lesenswerten Reportage über diese sogenannten Labeler, die immer wieder aufs Neue bizarre Aufträge ("Markiere alle Bilder, auf denen ein Kleidungsstück zu sehen ist, das ein Mensch tragen könnte") abarbeiten müssen und oft gar nicht wissen, für welchen Auftraggeber sie da eigentlich arbeiten oder welchem Zweck ihre Arbeit überhaupt dient. "Als ChatGPT im vergangenen Jahr die Bühne betrat, schrieb man seinen beeindruckend natürlich wirkenden Gesprächsstil darauf zurück, dass der Bot mit einem Schatz aus Onlinedaten trainiert wurde. Aber die Sprache, die ChatGPT und seiner Konkurrenz zugrunde liegt, wird durch viele Runden menschlicher Anmerkungen gefiltert. Eine Gruppe von Click-Arbeitern verfasst Beispiele dafür, wie sich die Macher das Verhalten des Bots wünschen: Sie entwickeln dabei Fragen, gefolgt von den richtigen Antworten, und Beschreibungen von Computerprogrammen, gefolgt von funktionalem Code, aber auch Nachfragen für Tipps, wie man ein Verbrechen begehen könnte, gefolgt von höflichen Ablehnungen. Nachdem das Modell anhand dieser Beispielen trainiert wurde, kommen weitere Mitarbeiter mit ins Boot, um Fragen einzutippen und die Antworten zu bewerten. ... Die Kriterien, die die Bewerter anlegen sollen, variieren dabei: Ehrlichkeit oder wie hilfreich eine Antwort ist, oder auch einfach persönliche Vorliebe. Der Punkt ist der, dass sie damit Daten zu menschlichen Vorlieben schaffen und wenn es davon erst einmal genug gibt, können die Macher ein zweites Modell schaffen, um deren Vorlieben flächendeckend nachzubilden. Dadurch wird der Bewertungsprozess automatisiert und ihre KI dahingehend trainiert, sich so zu verhalten, wie Menschen es begrüßen würden. Das Ergebnis ist ein bemerkenswert menschlich wirkender Bot, der die meisten schädlichen Anfragen ablehnt und sein KI-Wesen mit dem Anschein von Selbstwahrnehmung erklärt. Um es anders auszudrücken: ChatGPT scheint deshalb so menschlich, weil es von einer KI trainiert wurde, die Menschen nachstellt, die eine KI bewerten, die Menschen nachstellt, die vorgaben, eine bessere Version einer KI zu sein, die auf Grundlage von Menschen verfasster Texte trainiert wurde."