Magazinrundschau - Archiv

Respekt

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Magazinrundschau vom 08.01.2019 - Respekt

Der französische Journalist Philippe Lançon, der vor vier Jahren den Anschlag auf Charlie Hebdo knapp überlebte, antwortet auf die Frage, wie sich die französische Satire nach dem Anschlag verändert habe: "Den hassvollen Reaktionen auf den Inhalt einer Nummer entnehmen wir Kollegen oft, dass es immer schwerer wird, mit einem Scherz auf aktuelles Geschehen zu reagieren, sich über etwas Ernstes lustig zu machen. Ich würde das aber nicht nur dem Attentat zuschreiben, sondern der Mischung langjähriger ökonomischer und gesellschaftlicher Krisen in Frankreich, dem Gefühl vieler Menschen, in der gegenwärtigen globalisierten Welt die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben, dies alles verknüpft mit den sozialen Netzwerken, die den Respekt vor der Komplexität der Dinge und dem Maßvollen zunichte machen. Die französische Gesellschaft hat eine Überempfindlichkeit gegenüber der umgebenden Welt entwickelt, und kaum einer mag über wirklich alles lachen. Es ist eine schlechte Zeit für die Satire, aber so ist es." Nach dem Januar 2015 hatte Charlie Hebdo keine Karikatur zum Islam mehr auf dem Titel - hat man damit der neuen Empfindlichkeit nachgegeben?, fragt Kateřina Šafaříková. "Das ist wohl so", antwortet Lançon, "aber der Hauptgrund ist prosaischer - die Morddrohungen gegen Charlie gingen auch nach dem Anschlag weiter. Und nicht nur eine, es gab relativ viele, fast jede Woche eine neue. Diese Zeitschrift und ihre Mitarbeiter stehen unter einem extremen Druck und wollten eine weitere Tragödie vermeiden. Außerdem wollte die Redaktion jenen - meiner Meinung nach Dummköpfen - nicht rechtgeben, die behaupten, Charlie Hebdo sei eine antimuslimische, antiarabische Zeitschrift."

Respekt bringt außerdem ein langes Interview mit der tschechischen Schriftstellerin Radka Denemarková anlässlich ihrer neuen Romanpublikation, die von mehreren China-Aufenthalten der Autorin inspiriert ist. "Wie soll man das nennen, was in China geschieht und was die ganze Welt uneingestanden bewundert?", fragt sich Denemarková. Sie hat sich mit Dissidentenkreisen um den Redakteur Xi Zhiyuan befreundet, in der Folge wurde sie von einer Pekinger Veranstaltung wieder ausgeladen. "Ich bin in China allem begegnet, was man sich unter einem brutalen Polizeistaat vorstellen kann. Das überstürzte Wirtschaftswachstum vollzieht sich in Form einer riesigen industriellen Verunreinigung, Umweltzerstörung und eines Städteausbaus unglaublichen Ausmaßes, der die Umgebung verschlingt. Als würde ich Schlittschuh laufen und hören, wie unter mir das Eis knackt und in der Ferne die Schollen ächzen - ein alter Zyklus geht zu Ende, und die Welt dreht sich in einem Wirbel der Zensur und Autozensur."

Magazinrundschau vom 13.11.2018 - Respekt

Gleicher, als man oder frau denkt: Silvie Lauder hat sich mit der britischen Wissenschaftsjournalistin Angela Saini unterhalten, die für ihr Buch "Inferior" (Besprechung im Guardian) Hunderte aktueller wissenschaftlicher Studien zum Thema Geschlechterunterschiede ausgewertet hat und von dem Ergebnis selbst überrascht wurde: "Ich habe von Kind an die Wissenschaft geliebt, die klaren Antworten, die etwa die Mathematik anbietet, habe schließlich sogar Maschinenbau studiert - und war in der Klasse gewöhnlich das einzige solche Mädchen. Ich dachte immer, mein Gehirn sei eben nicht so wie das von anderen Frauen und war schockiert, als ich jetzt erkannte, dass dem nicht so ist. … Es gibt kein männliches und kein weibliches Gehirn. Ich bin lediglich einen anderen Weg gegangen als andere Frauen, aber nicht, weil sie ein anderes Gehirn hätten, sondern weil sie anders erzogen wurden oder aus einer anderen Kultur kamen." Auf die Frage nach möglichen Lösungen für das Rollenproblem meint Saini: "Man kann die Dinge ganz allmählich ändern. Ich bin Freiberuflerin, und wenn ich zu irgendeiner Konferenz reise, dann bitte ich mir als Teil des angebotenen Services eine Kinderbetreuung aus. Und sehr häufig kommt man mir entgegen, und wenn es bedeutet, dass die Tochter oder der Sohn des Organisators auf mein Kind aufpasst. Wenn wir alle - Männer wie Frauen - anfangen, bestimmte Dienste einzufordern, und wenn Männer vermehrt Zeit mit ihren Kindern verbringen, dann wird sich die Situation verändern."

Magazinrundschau vom 06.11.2018 - Respekt

Jaromír Nohavica, einer der populärsten tschechischen Liedermacher der letzten Jahrzehnte, hat soeben von Präsident Putin eine Medaille für seine Verdienste um die Vermittlung russischer Kultur entgegengenommen. Die polnische Newsweek schreibt dazu, Putin habe mal wieder einen "nützlichen Idioten" gefunden und trauert, dass es ausgerechnet der auch in Polen so beliebte Sänger sein müsse. Auch in Respekt übt Marek Švehla Kritik und versucht, sie differenziert zu begründen: "Als der Liedermacher in Zeiten der 'Normalisierung' eigene dichterische Übertragungen der Lieder Wladimir Wyssozkis und Bulat Okudschawas zu singen begann, vermittelte er dem tschechischen Publikum einen eher unbekannten Kontakt zur Sowjetunion. Das war nicht das unendlich öde und zugleich arrogante und aggressive Reich des Bösen, sondern ein Land, in dem eine subtile Alternativkultur existierte, deren kritische Haltung für uns in Hinblick auf das Regime und uns selbst eine Anregung war. Nohavicas Versionen von Wyssozki und Okudschawa (hier ein Beispiel: Er kehrte nicht aus dem Krieg zurück) gehörten deshalb zum Besten, was in den kulturell ausgedörrten Achtzigerjahren in der Tschechoslowakei entstand. Das Russische, von dem man ansonsten die Schnauze voll hatte, störte einen in Nohavicas Darreichung nicht, sondern eröffnete im Gegenteil einen Raum, über den der Besucher seiner Konzerte gerne mehr erfahren wollte. Wenn also in Tschechien jemand eine Auszeichnung für die Vermittlung russischer Kultur verdient hat, ist es genau der Liedermacher aus Těšín. Nur, so wie zu Wyssozkis Zeiten bewegt sich auch heute die russische Kultur nicht im luftleeren Raum. Sie ist von einer schmutzigen Politik und einem Zynismus der Macht umgeben, auf die ein Künstler nolens volens reagieren muss. Nohavica reagiert und hat sich erneut dazu entschlossen, Russland zu vermitteln und uns näherzubringen. Doch diesmal sind es keine Kritiker am Rande, denen er zuhört und bei seinem Publikum Gehör verschaffen möchte. Im Gegenteil: Indem er die Medaille von Putin entgegennimmt, huldigt er einem Regime, das nach außen von der Freundschaft zwischen den Völkern spricht, sich aber nur mit jenen befreundet, die Putin und seine imperialistische Politik unterstützen, mit den anderen aber einen Krieg führt."
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Magazinrundschau vom 23.10.2018 - Respekt

Der tschechische Staatspreis für Kultur ist in der Krise. Nachdem unlängst der Dichter Petr Hruška und andere Juroren aus der Literatur-Jury zurücktraten, um gegen die gegenwärtige, von den Kommunisten unterstützte Koalitionsregierung zu protestieren, bröckelt es auch unter den bereitwilligen Preis-Empfängern, wie Jindřiška Bláhová berichtet. Den renommierten Staatspreis für Literatur, den dieses Jahr der Schriftsteller Jiří Hájíček erhalten hätte, hat dieser mit der Begründung abgelehnt, dass die Juroren durch ihren Rücktritt den seit 1989 neutralen und rein fachlichen Preis nun überhaupt erst politisiert hätten. Auch andere Kulturschaffende sehen den Rücktritt der Jury durchaus kritisch. Hruška hatte seinen Rücktritt damit begründet, dass ein Staatspreis "nicht nur den geehrten Schriftsteller, sondern auch die Regierung repräsentiere", mit der er sich allerdings nicht identifizieren wolle. Mit einer ähnlichen Argumentation hat nun die Familie des Film- und Theaterregisseurs Evald Schorm den posthum verliehenen Staatspreis in der Kategorie Kinematografie für den verstorbenen Filmemacher abgelehnt: "Es wäre eine Ironie des Schicksals, wenn Evald Schorm, der fast sein ganzes Leben lang persönlich und beruflich vom kommunistischen Regime niedergedrückt wurde, einen Gedächtnispreis der gegenwärtigen Regierung empfinge, die mit ausdrücklicher Unterstützung der kommunistischen Partei zustandgekommen ist und von einem Menschen angeführt wird, der mit dem Staatssicherheitsdienst zusammengearbeitet hat", schrieb die Witwe dem Kulturminister, der mit Verständnis reagiert hat (was wiederum die bestehende Jury erbitterte, die bei Nichtverleihung nun ihrerseits zurücktreten will). Kulturredakteurin Jindřiška Bláhová befindet: "Über die Vorgehensweise der zurückgetretenen Juroren lässt sich streiten - Evald Schorms Familie aber ist nicht ganz in derselben Situation, und ihre Haltung ist absolut verständlich und zu respektieren. Gücklicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen man einen Staatspreis nicht ablehnen konnte. Ganz im Gegenteil, ein offizieller Preis lässt sich als Anlass begreifen, seine Haltung als Bürger auszudrücken. Auch das ist Teil der Demokratie - und die Fachkommission, so sehr sie auch bedauern mag, dass ihr Urteil nicht respektiert wurde, wird das gewiss verkraften."

Magazinrundschau vom 18.09.2018 - Respekt

Nach der Ankündigung des tschechischen Premierministers Andrej Babiš, nicht einmal fünfzig Kriegswaisen aus Syrien aufnehmen zu wollen, konstatiert Erik Tabery, Chefredakteur der Wochenzeitung Respekt, resigniert: "Mit seinem Zynismus verändert Andrej Babiš unseren genetischen Code. Er erklärt uns, dass man nicht helfen muss oder nur dann helfen soll, wenn es sich auszahlt. Außerdem verleugnet er unsere Tradtition, hinter der er sich noch unlängst verschanzt hat. (…) Während [Staatsgründer] Tomáš G. Masaryk die Tschechen den Humanismus als Programm gelehrt hat, prägt Babiš uns ein, dass wir uns nicht für unsere Gleichgültigkeit schämen sollen. Masaryk wusste, dass seine These ein paar Jahrzehnte brauchen würde, um sich durchzusetzen; Babišs Aussage ist wesentlich verführerischer und schlägt deshalb schnell Wurzeln. Hinter dieser 'Gleichgültigkeit' verbirgt sich jedoch ein noch wichtigeres Ziel. Masaryk wusste, wenn er den Tschechen eine anspruchsvolle Aufgabe auftrug, würde es sie selbstbewusster und stärker machen. Babiš will genau das Gegenteil. Ein Land, das ein paar Waisenkinder fürchtet, ist ein verängstigtes Land, das einen starken Beschützer braucht. Und dafür steht Babiš bereit."

Magazinrundschau vom 17.07.2018 - Respekt

Dass Frauen, die in einer gleichberechtigten Beziehung leben und weniger durch Haushalt und Kinder belastet werden, ein zufriedeneres Sexualleben haben - zu diesen noch neueren Erkenntnissen skandinavischer Forscher sind tschechische Sexualwissenschaftler bereits in den Fünfzigerjahren gelangt, schreibt Kateřina Lišková, die kürzlich eine englischsprachige Studie über Sexualität im Sozialismus veröffentlicht hat ("Sexual liberation, Socialist style. Communist Czechoslovakia and the Science of Desire, 1945-1989"). Nach dem kommunistischen Umsturz 1948 wurde ein neues Familiengesetz eingeführt, das die noch von Österreich-Ungarn übernommene Vorrangstellung des Mannes in der Familie aufhob und Gleichstellung herbeiführen sollte. Auch eine liberale Haltung zur Homosexualität sei in der Tschechoslowakei früh diskutiert worden. Der Sexualwissenschaftler Kurt Freund hatte versucht, homosexuelle Männer zu "heilen", und war zu der Erkenntnis gelangt, dass es unmöglich, weil offenbar genetisch vorgegeben sei, und hatte sich daraufhin für eine Entkriminalisierung der Homosexualität stark gemacht und zumindest die gesellschaftliche Debatte vorangetrieben. Viele dieser fortschrittlichen Erkenntnisse seien allerdings mit der Niederschlagung des Prager Frühlings und der einsetzenden "Normalisierung" verloren gegangen.

Magazinrundschau vom 10.07.2018 - Respekt

Unter anderem über das Genre Kriegsfilm unterhält sich Jindřiška Bláhová auf dem Karlsbader Filmfestival mit dem großartigen amerikanischen Indie-Filmemacher Richard Linklater, dessen letzter Film "Last Flag Flying" von drei Vietnam-Veteranen handelt. Linklater erinnert sich an die achtziger Jahre, als promilitärische Filme wie "Top Gun" in die Kinos kamen und selbst der Profisport auf militarisierte Weise gezeigt wurde. Auch heute sei die Armee allgegenwärtig, aber die Atmosphäre habe sich verändert: "Es sind nur noch so wenige Menschen in der Armee, dass alle anderen sich schuldig fühlen und sich eine Dankkultur gegenüber dem Militärdienst entwickelt hat. Darüber gibt es dann Filme à la: Danke, dass ihr für uns gekämpft habt. Aber die wirklichen Soldaten hassen das." Hollywood selbst besitze keine politische Agenda, da gehe es nur ums Geld. Wenn man dort überzeugt sei, dass ein Kriegsfilm Geld einbringe, werde ein Kriegsfilm produziert, wenn ein Antikriegsfilm einträglich aussieht, machten sie den. "Aber ich stelle mir schon die Frage, wie man einen guten Antikriegsfilm macht. Die Leute sehen selbst noch in der Niederlage Heroismus und denken, dass sie es vielleicht auch besser hätten hinkriegen können. Und so tragen alle Kriegsfilme auf ihre Weise zu weiteren Kriegen oder einer Kriegsmentalität bei."

Magazinrundschau vom 04.06.2018 - Respekt

Erik Tabery beobachtet in Tschechien derzeit die Tendenz, Andersmeinende kategorisch entweder als "(Neo-)Marxisten" oder als "(Neo-)Faschisten" abzukanzeln, und wünscht sich mehr Besonnenheit im Umgang mit diesen Begriffen. Anlässlich des Skandaltheaterstücks "Unsere Gewalt, eure Gewalt" (in dem Christus eine Muslimin vergewaltigt) des kroatischen Regisseurs Oliver Frljić auf dem Theaterfestival in Brno hatte Kardinal Dominik Duka geäußert: "Was sich das heutige neomarxistische Pack gegenüber Glauben und Religion leistet, das hat sich nicht einmal der nazistische oder kommunistische Totalitarismus erlaubt." Tabery bemerkt dazu: "Angesichts dessen, dass der Totalitarismus gefoltert, gemordet, Kirchen verbrannt und katholische Geistliche eingesperrt hat, ist das ein außerordentlich geschmackloser Vergleich." Ebenso kritisiert Tabery einen Artikel Tomáš Tožičkas, in dem dieser Besserverdienende mit Ökobewusstsein als "Biofaschisten" bezeichnet, und meint: "Menschen mit anderer Meinung als Faschisten zu bezeichnen, ist eine grobe Beleidigung, nichts mehr. Heben wir uns diese für Extremfälle auf, etwa für Leute, die Cafés überfallen, Vertreter der Stadt durch die Straßen treiben oder gewaltsam eine Theateraufführung stören." So geschehen nämlich vor einigen Tagen, als die umstrittene Inszenierung in Brno von einer rechten Gruppierung gestürmt wurde, die sich "Anständige Leute" nennt und die Aufführung behindern wollte, sodass am Ende die Polizei eingreifen musste, um wieder für Ordnung zu sorgen.
Stichwörter: Tschechien

Magazinrundschau vom 02.05.2018 - Respekt

Eine tägliche Herausforderung für alle journalistischen Medien: Wie umgehen mit Hassmails, Shitstorm & Co? Die Wochenzeitschrift Respekt hat nach der Ermordung des slowakischen Journalisten Kuciak beschlossen, für sich eine Grenze zu ziehen: "Wenn jemand zu Liquidierung einer Journalistin oder eines Journalisten aufruft, übergehen wir das nicht mehr, sondern übergeben es der Polizei", schreibt Chefredakteur Erik Tabery. "Kürzlich haben wir das zum ersten Mal gemacht, als ein Herr auf Facebook wiederholt schrieb, ein Mitglied unserer Redaktion solle erschossen werden, weil er unter anderem über die russischen Verbindungen im Umkreis von Präsident Miloš Zeman schrieb. Wir haben den Fall der Polizei unterbreitet und letzte Woche den Bescheid erhalten, dass sie sich nicht damit befassen werde, da wir öffentliche Kritik akzeptieren müssten. Es ist interessant, wie sich in den letzten Jahren die Einschätzung von akzeptabler Kritik verschoben hat. Für uns ist die Sache damit natürlich noch nicht zu Ende, aber die Haltung der Prager Polizei, die einen Tötungsaufruf als öffentliche Kritik erachtet, ist wahrhaftig eine Neuerung."

Magazinrundschau vom 24.04.2018 - Respekt

Der Tod des Filmregisseurs Miloš Forman bewegt nach wie vor die tschechischen Feuilletons. Der Konservative Roman Joch hat den großen Filmemacher in den Lidové noviny sehr kritisch beurteilt: Forman habe jede Art von Autoritäten verachtet: "Warum hasste er nur so unsere Zivilisation?" und: "Was Leni Riefenstahl für den Nationalsozialismus war, war Forman für den Linksliberalismus". Joch beschließt seinen Artikel mit den despektierlichen Worten: "Jetzt wo er entschlafen ist - Gott schenke seiner verwirrten und verirrten Seele Frieden." Respekt-Chefredakteur Erik Tabery widerspricht ihm in seinem aktuellen Editorial aufs Schärfste und meint, Jochs Artikel habe nachgerade etwas von einer "Kaderbeurteilung". Petr Fischer erinnert in Novinky noch einmal an die günstige Atmosphäre von Formans Anfangsjahren: "Der lebensnahe Film, das Cinéma-vérité, wie die französischen Regisseure diese neue Richtung nannten, schaffte paradoxerweise eine Verbindung zwischen den Ingenieuren des Sozialismus und den jungen Künstlern. Die Kommunisten wollten das Leben zeigen, und zwar das bessere, das sie selbst den Menschen ermöglichten; die jungen Filmemacher kamen ihnen darin entgegen, auch wenn sie dieses Leben ein wenig anders zeigten als erwartet." Dass Forman die komischen, grotesken, ja auch dümmlichen Seiten der einfachen Leute zeigte, nahmen ihm die Kommunisten dann doch übel, weshalb er schließlich das Land verließ.