Magazinrundschau - Archiv

Respekt

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Magazinrundschau vom 07.10.2025 - Respekt

In Tschechien häufen sich die Nachrufe auf den am Samstag mit 94 Jahren verstorbenen Schriftsteller, Dramatiker und Dissidenten Ivan Klíma. Klíma, der als Kind dreieinhalb Jahre im KZ Theresienstadt überlebte, sich nach dem Krieg zunächst der kommunistischen Illusion hingab, dann von ihr abwandte, "gehörte zu denen, die sich nie scheuten, die Wahrheit auszusprechen, auch wenn es einen Verlust von Freiheit und Bequemlichkeit bedeutete", wird der Philosoph Tomáš Sedláček in Aktuálně zitiert. In Zeiten der 'Normalisierung' bedeutete es für Klíma Publikationsverbot und dass seine Werke lange nur illegal erscheinen konnten - die gleichwohl schließlich weltweit in 30 Sprachen übersetzt wurden. "Gerade seine Memoirenbände sind ein Musterbeispiel für die Komplexität der menschlichen Lebenswege durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts", befindet Jan Lukeš in Seznam Zprávy und meint, Klímas Werk bleibe aktuell, weil es "immer wieder zur Selbstreflexion und Selbstbesinnung, zu Zurückhaltung und ständigem Zweifel, zum Verständnis der Relativität menschlichen Handelns" aufrufe. Und Chefredakteur Erik Tabery wird in Respekt geradezu persönlich: Könnte eine Gesellschaft Eltern besitzen - er würde Ivan Klíma als Elternteil wählen.

Magazinrundschau vom 30.09.2025 - Respekt

Kurz vor den tschechischen Parlamentswahlen sorgt sich Respekt-Chefredakteur Erik Tabery, dass die Tschechen eine "Wutregierung" wählen könnten: "Wir brauchen nicht drumherumzureden, die [Parteien] SPD und Stačilo! sagen offen, was sie vorhaben. Sie versprechen, uns aus der Europäischen Union und der NATO herauszuführen. Sie wollen die Kontinuität und Ausrichtung des Landes, die wir 1989 eingeschlagen haben, brechen." Ferner verbreiteten die SPD und Stačilo! permanenten Hass - gegen Flüchtlinge, LGBT+-Personen, Liberale, missliebige Medien und gemeinnützige Organisationen. Und leider sei die Zeit ihnen gewogen. "Es ist eine perfekte Zeit für diejenigen, die sich nicht an Regeln halten, und dagegen eine äußerst schwierige Zeit für alle, die sich durch Kontrollinstitutionen und Gepflogenheiten einschränken lassen." Gleichzeitig sei der Raum für klassische Debatten geschrumpft. "Im Fernsehen gibt es mehr Politik als je zuvor, aber in Wirklichkeit weniger denn je. Man gibt vor allem dem Gebell Raum, man setzt auf den Konflikt, darauf, dass sich die politischen Kontrahenten gegenseitig bekämpfen, guten journalistischen Fragen hingegegen wird weniger Bedeutung beigemessen. (…) Und da die öffentliche Debatte ausschließlich auf Konflikten basiert, haben wir uns daran gewöhnt, Wahlen als Bestrafung zu betrachten - als Bestrafung anderer Parteien, anderer Teile der Gesellschaft. Wut wird zu einer immer stärkeren Triebkraft, das Gefühl, dass nichts etwas wert ist, also werde ich's denen wenigstens zeigen."
Stichwörter: Tschechien

Magazinrundschau vom 14.01.2025 - Respekt

Das Magazin Respekt widmet seinen Hauptartikel diese Woche "ganz normalen Gestapoleuten" und damit einer neuen wissenschaftlichen Publikation der Historiker Jan Vajskebr und Jan Rumr vom Institut für das Studium totalitärer Regime, die die Ergebnisse ihrer siebenjährigen Forschung in einem tausend Seiten starken Buch zusammengefasst haben. Daraus geht laut Jan H. Vitvar hervor, dass der nationalsozialistische Terror im Protektorat Böhmen und Mähren besonders von deutschen Akademikern organisiert wurde, deren Methoden "selbst Berlin beunruhigten". "Man könnte meinen, dass wir bereits alles über die Gestapo wissen", so Vitvar, "doch das ist ein Irrtum." Dank dieser neuen Forschung "lernen wir erstmals nicht nur die Namen jener zweihundert Männer kennen, die bei uns die wichtigste NS-Institution zur Bekämpfung des Widerstands befehligten, sondern erfahren endlich auch etwas über ihr Leben". Es seien vor allem gebildete Mittdreißiger gewesen, die eine Karriere anstrebten, für die sie bereit waren, alle Hemmungen abzulegen. Vajskebr und Zumr haben nicht nur über zwanzig Archive in der Tschechischen Republik und im Ausland besucht, sondern auch Telefonbücher und Organigramme des Gestapo-Kommandos entdeckt, "die in Prag in unzähligen Kisten mit Kriegsdokumenten versteckt waren und aus der Zeit stammen, als die Stadt mit mehr als achthundert Mitarbeitern die überhaupt größte Gestapo-Dienststelle im Reich hatte." (Nach Prag folgte Wien, dann die Berliner Zentrale, und an vierter Stelle lag Brünn mit fast siebenhundert Gestapo-Mitarbeitern.) Die bislang übersehenen zeitgenössischen Listen enthielten im Gegensatz zu den Ermittlungsunterlagen der Nachkriegszeit die unverfälschten Namen des Gestapo-Kommandos. Auch das Berliner Bundesarchiv sei bei der Arbeit von großer Hilfe gewesen. Über 90 Prozent der Gestapo-Kommandanten des Protektorats hatten offenbar auch in der SS gedient. "Darunter auch der Gestapo-Chef in Hodonín, Karel Weintz, der 2010 im gesegneten Alter von 101 Jahren in Deutschland starb und offenbar der überhaupt letzte Gestapo-Chef war. Der studierte Jurist, der 1929 der NSDAP beitrat und in der SS den Rang eines Sturmbannführers erreichte, wurde nach dem Krieg nie vor Gericht gestellt. Er leitete bis Ende der 1990er Jahre eine Anwaltskanzlei in Deutschland, gründete eine Stiftung für die Erforschung der Geschichte von Rheinland-Pfalz, und als die tschechischen Historiker unlängst eine Anfrage an das Archiv in Neustadt an der Weinstraße schickten (wo Weintz starb), erhielten sie per E-Mail die erstaunte Antwort, warum man sich denn im Zusammenhang mit der Gestapo nach einem so allgemein anerkannten Philanthropen erkundige? "Sie wussten überhaupt nichts von seiner Kriegsvergangenheit", erzählt Jan H. Vitvar in seinem Artikel (der in seiner ganzen Vollständigkeit unter Bezahlschranke abrufbar ist).

Magazinrundschau vom 31.01.2023 - Respekt

Auch wenn der tschechische Staatspräsident überwiegend repräsentative Funktionen ausübt, sind sich viele Medien über die gewichtige Bedeutung der aktuellen Präsidentschaftswahl einig, bei der die Tschechen mit klarer Mehrheit und einer beachtlichen Wahlbeteilung von 70 Prozent dem populistischen Ex-Premier Andrej Babiš eine Klatsche erteilten und seinen europafreundlichen, prowestlichen Herausforderer Petr Pavel wählten. "Eine historische Chance", titelt etwa das Respekt-Magazin, und gleich darunter: "Der Populismus hat verloren." Babiš hatte zuletzt noch eine schmutzige Fake-News-Kampagne gefahren, in der er behauptete, sein Rivale - ein ehemaliger Militär - werde die Tschechen in den Krieg ziehen, er selbst aber stehe für den Frieden. So billig ließen sich die Tschechen aber nicht kaufen. "Die Tatsache, dass sich die Tschechen in schwierigen Zeiten nicht auf Verführung und Angstmache einließen, verdient Anerkennung", so Chefredakteur Erik Tabery. "Einstweilen haben wir in einer chaotischen Zeit einen festen Punkt gefunden." Auch sein Kollege Marek Švehla betont im selben Magazin die Symbolik: "Auf die Prager Burg kommt nicht ein KSČ-Mitglied und Teilnehmer an Spionagekursen" [wie Babiš seinem Kontrahenten vorgeworfen hatte]. "Es kommt ein ausgedienter Nato-General, der sogar wichtige Funktionen innerhalb der Allianz innehatte. Die [Samtene] Revolution ist also symbolisch noch nicht vorbei, sondern dauert an (…) Pavel ist nämlich ein Vorzeigeprodukt der Veränderungen von 1989, als jeder die Möglichkeit erhielt, die Grundwerte eines neuen freiheitlichen Staates zu verinnerlichen und sie im Rahmen seiner Möglichkeiten weiterzuentwickeln."

Magazinrundschau vom 06.12.2022 - Respekt

Barbora Chaloupková führt ein Gespräch mit dem Politologen Ivan Krastev (das nur zum Teil ohne Abo lesbar ist, aber schon dieser Teil ist so interessant, dass sich die Lektüre lohnt) über die Frage, ob wir in einem Zeitalter der Angst leben (Angst vor Russland, dem Krieg, vor einer Wirtschaftskrise, vor der Kälte etc.). Das Coronavirus hat einen großen Anteil an der allgemeinen Gefühlslage, meint Krastev. "Der Virus kam so unerwartet und in solchem Ausmaß, dass viele Menschen das Gefühl gewonnen haben, dass heute schlicht alles passieren kann. Etlichen macht auch Angst, wie schnell sich die Welt verändert." Auch das Missverhältnis von Realität und persönlicher Lebenserfahrung spiele eine Rolle. "Demokratie beruht darauf, dass meine Erfahrungen gleichwertig mit deinen sind und wir auf der Grundlage dessen, was wir erlebt haben, unsere Wahl treffen. Aber heute müssen wir gezwungenermaßen auf Fragen reagieren, bei denen unsere Lebenserfahrungen nicht viel helfen. Ob es um den Coronavirus geht oder darum, was die Russen mit den Atomwaffen machen werden, um neue Technologien oder Big Data - die Frage ist, was und wem glauben? Darum sind auch die Verschwörungstheorien so einflussreich, die die Ideologien ersetzt haben." Statt von Angst würde Krastev allerdings eher von Bangigkeit oder einer diffusen Sorge sprechen. "Menschen, die Angst haben, sind gewöhnlich sehr konzentriert. Sie denken über das nach, was sie sagen, weil sie wissen, dass es Folgen haben kann. Bangigkeit hingegen bewirkt das Gegenteil. Hier lässt sich die Quelle der Angst nicht genau ausmachen, darum fürchtet man sich vor allem, ist desorientiert und wird laut. Und meiner Meinung nach leben die Europäer heute in einer Zeit der Bangigkeit, nicht der klassischen Angst. (…) Am meisten sollten die Ukrainer Angst haben, schließlich können sie getötet werden. Gleichzeitig wissen sie jedoch sehr genau, womit sie konfrontiert sind, und haben ihr Leben dem angepasst. Es ist sicher sehr schwierig, aber sie leiden nicht unter einer diffusen Sorge, bei der die Furcht vor dem Unbekannten einen lähmt. Solche Bangigkeit lässt sich nicht in etwas Konstruktives wenden, Angst hingegen verleiht eine Disziplin, die sich nutzen lässt."

Magazinrundschau vom 02.08.2022 - Respekt

Jan H. Vitvar wandert in Prag begeistert durch die neueröffnete Bílkova Vila, die Atelier-Villa des symbolistischen Bildhauers František Bílek (1872-1941) im Stadtteil Hradčany. Besonders eine Führung des Kurators Martin Krummholz durch das architektonische Juwel ist ein "Erlebnis", versichert er. Der eigenwillige Künstler Bílek habe zu seinen Lebzeiten immer wieder Anstoß erregt. Mit einem Stipendium für Paris ausgestattet, schuf der junge Student die (die Themen Schuld und Leid) ausdrückende Skulptur "Orba" - wegen des skandalös aus der Bodenfläche herausragenden Hinterteils der Plastik wurde ihm das Stipendium jedoch wieder entzogen, und er musste in die Heimat zurückkehren. In Paris hatte er allerdings bei einem Louvre-Besuch eine Vision, "bei der Christus ihn angeblich als auserwählten Künstler bezeichnet habe, der sich nicht um seine Umgebung kümmern solle. Und daran hat Bílek sich sein Leben lang gehalten." Für die städtische Boheme habe er sich nie interessiert, mit seinen riesigen Plastiken in riesigen Räumen sich freilich bis ans Lebensende verschuldet. Ein hölzernes Kruzifix von ihm hängt im nördlichen Seitenschiff der Sankt-Veits-Kathedrale, doch "wie es für die heilige katholische Kirche typisch ist", wurde die Plastik wegen Bíleks Vorliebe für die Neuhussitische Kirche "bis heute nicht geweiht", so Jan H. Vitvar. In seiner Villa, die Bílek als eine Art Kult-Tempel verstand (vor seinen Werken soll er angeblich auch gebetet haben), entwarf er noch das kleinste Detail nach ländlichen und spirituellen Motiven. "Ein hölzerner Garderobenständer, Türklinken mit Naturornamenten, Möbel mit geschnitzten Bibelzitaten, Lampen in Form eines steinernen Ewigen Lichts" - für Jan H. Vitvar ist dieser Ort eine "Kultstätte des Individualismus".

Magazinrundschau vom 01.03.2022 - Respekt

Unter dem etwas unsubtilen Titel "Das wahre Gesicht Adolf Putins" zieht Chefredakteur Erik Tabery in seinem Editorial Parallelen zwischen Putins Ukraine-Invasion und Hitlers Angriffskriegen und kommt zum Schluss: "Es gilt abermals Václav Havel und anderen Nachwendepolitikern zu danken, dass sie das kurz geöffnete Fenster der Geschichte nutzten und uns in die NATO und die Europäische Union geführt haben. In der Debatte im Jahr 1993 über unsere etwaige Mitgliedschaft in der NATO meinte Havel, die Erfahrung des Münchner Abkommens von 1938 zeige uns, 'wie wichtig es ist, in eigenem und allgemeinem Interesse, dass wir als Land in exponierter Lage fest in ein System kollektiver Verteidigung eingegliedert sind'. In der gleichen Rede erinnerte er den Westen auf visionäre Weise daran, dass es, 'wenn es in der modernen Geschichte um Prag, Warschau oder Budapest geht, niemals nur um sie geht, sondern immer auch um das Schicksal der Freiheit auf diesem Planeten.' Dasselbe gilt nun auch für Kiew, wo Putin unschuldige Menschen ermordet."

Magazinrundschau vom 01.02.2022 - Respekt

Die britisch-deutsche Netflix-Produktion "München - Im Angesicht des Krieges" (nach dem Roman von Robert Harris) trifft in Tschechien auf große Vorbehalte: "Die Autoren lassen die tschechische Realität außer Acht. Der Film ist kalt wie eine Hundschnauze", meint Filmkritiker Kamil Fila auf aktuálně.cz. Netflix habe keine Ahnung, was es da angerichtet habe. Das Münchner Abkommen von 1938, in das die Tschechoslowaken nicht einbezogen wurden - Hitler wollte die Sudeten, und Frankreich und England gaben sie ihm -, ist in Tschechien ebenso historisches Trauma wie eine Quelle nationaler Mythen. Auch Erik Tabery, Chefredakteur von Respekt, erkennt zwar den Versuch an, ein neues Bild von Chamberlain zu zeichnen, der bisher nur als der Politiker galt, der im Angesichts des Bösen versagte, doch die Realität umzuschreiben sei auch gefährlich. In der Interpretation des Films wisse der damalige britische Premier, dass man dem Tyrannen Hitler nicht vertrauen könne, mache es mit seiner Unterschrift unter das Abkommen aber seinem Land möglich, sich auf den Krieg vorzubereiten. "Hitler gewann im Jahr 1938 ja nicht nur das Sudetenland, im Jahr darauf die ganze Tschechoslowakei, die Ausrüstungen der hiesigen Armee und wichtige Fabriken, sondern vor allem die Erkenntnis - die er vor seinen Generälen äußerte -, dass die Führer Englands und Frankreichs schwach seien. Was seinen Appetit noch weiter anregte." Tabery schließt: "Der Versuch der Filmemacher, Chamberlains Vorgehen zu rechtfertigen, könnte angesichts der Ereignisse in Osteuropa zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen. Manchmal ist es schwer, Lehren aus der Geschichte zu ziehen, denn die Umstände sind immer jeweils spezifisch. Doch sobald ein Land den Nachbarstaat als ein künstliches Konstrukt bezeichnet, dessen Grenzen nicht anerkennen will und mit den Säbeln rasselt, ist es immer besser, mit Churchills strengem als mit Chamberlains naivem Blick hinzuschauen."

Magazinrundschau vom 21.12.2021 - Respekt

Anlässlich des Regierungswechsels in Tschechien und des Abgangs von Premier Andrej Babiš stellt Jaroslav Spurný fest, die tschechische Zivilgesellschaft sei gestärkt aus den schwierigen vergangenen Jahren hervorgegangen. "Mit einem gewissen Staunen lässt sich feststellen, dass wir die vierjährige gemeinsame Regierung des unberechenbaren und rachsüchtigen Präsidenten Miloš Zeman, der für Unterwürfigkeit gegenüber Russland und China stand, und des skrupellosen Andrej Babiš, der für Macht und Geld stand, hinter uns gebracht haben. (…) Und mit noch größerem Staunen lässt sich feststellen, dass das Land in wesentlichen Punkten viel besser dasteht als zur Anfangszeit dieser beiden." Denn es habe sich gezeigt, so Spurný, dass Premier und Präsident schwächer seien als die Bürgergesellschaft. Die hat ihren Widerstand durch zahlreiche Demonstrationen und zuletzt die Wahlen ausgedrückt. Von Zeman propagierte Projekte wie die chinesischen Investitionen der Firma Huawei - "die mit ihren Technologien digitale Schlüsselknotenpunkte in Tschechien besetzen sollte" - oder russische Investitionen in tschechische Kernkraft haben sich zerschlagen. "China hat das Interesse an uns verloren. Ebenso Russland, wo wir sogar auf der Liste der feindlichen Länder gelandet sind." Staatspräsident Zeman bleibt den Tschechen zwar noch einige Monate erhalten, aber auch hier besteht die Hoffnung, dass die Bürger im nächsten Jahr eine andere Wahl treffen werden.
Stichwörter: Tschechien, Kernkraft

Magazinrundschau vom 30.11.2021 - Respekt

Tschechien befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Deutschland - die neue Regierung ist noch nicht im Amt, die Infektionszahlen sind hoch und die Debatte über eine Impfpflicht kocht hoch. Erik Tabery erkennt in der tschechischen Coronakrise eine generelle Vertrauenskrise: "So oft haben wir (und andere) es schon geschrieben: Eine moderne demokratische Gesellschaft kann nur auf der Basis eines grundlegenden Vertrauens funktionieren. Und das geht verloren. Das kann in gewisser Hinsicht fatal sein, denn wenn man es zu Ende denkt, kann man ohne ein gewisses Vertrauen rein gar nichts machen. Wer garantiert einem, dass keiner Gift in das Brot gemischt hat, das man einkauft? Dass die Medikamente gegen Bluthochdruck, gegen Erektions- oder Herzprobleme nicht einen Zusatzstoff erhalten, der uns in zehn Jahren die Gesundheit ruiniert? Wir steigen schließlich auch in einen Autobus, ohne den Chauffeur und seine Fahrfähigkeiten zu kennen, wissen nicht, was er gestern getrunken oder ob er eine Depression hat … Das Interessante ist, je sicherer unsere Alltagswelt ist, desto größere Ängste und umso geringeres Vertrauen haben viele. Wir müssen uns darauf einstellen, dass ein hohes Maß an Misstrauen einige Zeit lang Bestandteil unseres öffentlichen Lebens sein wird. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dies nach der Pandemie abklingt. Das Misstrauen wird sich nur ein anderes Thema suchen."