Magazinrundschau - Archiv

Wired

169 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 17

Magazinrundschau vom 22.11.2022 - Wired

Träumen Künstliche Intelligenzen von elektrischen Schafen? Das könnte man in Anlehnung an einen Science-Fiction-Klassiker von Philip K. Dick fragen, liest man, was Kevin Kelly über den Fortschritt schreibt, den Künstliche Intelligenzen im Bereich Bildgeneration in den letzten Monaten gemacht haben (für viele Beispiele und anregende Texte zu den Implikationen, die damit einhergehen, empfiehlt sich ein Blick ins Archiv von René Walters "Good Internet"-Newsletter). Tools wie etwa Dall-E, Stable Diffusion, Midjourney und Artbreeder gestatten es, auf Grundlage einer Analyse von mehreren Milliarden von Bildern, die das Internet heute problemlos zur Verfügung stellt, teils herrlich skurrile, teils umwerfende Bilder zu produzieren - ganz einfach, indem man den entsprechenden Wunsch in einen Textschlitz schreibt: Je präziser die Angaben, desto atemberaubender das Ergebnis - je diffuser und knapper, umso surrealer. Schon schlagen Künstler Alarm, weil ihre Arbeiten ausgeschlachtet würden, um typische Stile zu simulieren. Kelly hingegen schlägt vor, K.I.-Bilder zu einer eigenen Kunstform zu erklären: "Es ist nicht ungewöhnlich, für ein herausstechendes Bild 50 Arbeitsschritte zu veranschlagen. Hinter dieser neuen Art von Zauberkunst steckt die Kunstfertigkeit der Texteingabe. Jeder Künstler oder Designer entwickelt beim Raffinement seiner Texteingabe eine ganz spezielle Art, um die K.I. dazu zu verführen, ihr Bestes hervorzubringen. Nennen wir diese neuen Künstler K.I.-Flüsterer oder Texteingabekünstler oder einfach Souffleure. Die Souffleure arbeiten fast wie Regisseure, indem sie die Arbeit ihrer fremdartigen Kollaborateure in Richtung einer vereinheitlichen Vision leiten. Der vielschichtige Prozess, den es braucht, um einer K.I. ein erstklassiges Bild zu entlocken, entwickelt sich gerade rasch zu einer künstlerischen Fertigkeit. Überdurchschnittliche Texteingaben umfassen nicht nur das Subjekt, sondern beschreiben auch die Ausleuchtung, die Perspektive, die evozierte Stimmung, die Farbpalette, den Grad an Abstraktion und vielleicht noch ein Referenzbild zur Imitation." Aber "nicht jeder Souffleur verspürt auch den Drang, seine Geheimnisse preiszugeben." Mario Klingemann etwa "ist berühmt dafür, seine Eingaben nicht zu teilen. 'Ich glaube, alle Bilder existieren bereits', sagt er. 'Man erstellt sie nicht, man findet sie. Wenn clevere Texteingaben dich zu einem bestimmten Ort führen, dann verstehe ich nicht, warum ich die ganze Welt dorthin einladen sollte.'"

Ein paar Beispiele gefällig? Der Spieledesigner Jason Allen hat kürzlich auf einer Messe den Preis als bester Nachwuchskünstler gewonnen - mit einem ziemlich Aufsehen erregenden Bild, das er mit Midjourney erstellt hat. Ein Garant für wochenlange Albträume ist diese tolle Galerie mit Hippies, deren okkulte Drogenexperimente irgendwann ganz schreckliche Auswüchse angenommen haben. Und die VFX-Jungs von Corridow Crew überlegen gerade, wie sie K.I. nutzen können - dazu ein vergnügliches Video:

Magazinrundschau vom 18.10.2022 - Wired

Nancy Scola porträtiert Tara McGowan, die im Journalismus begann, dann Obamas Wahlkampf zur Wiederwahl vor allem auf Social Media aufmotzte und jetzt mit einer Agenda in den Journalismus zurückkehrt: Mit ihrem Projekt "Courier Newsrooms" gründet sie in den USA zahlreiche linksliberale Onlinemedien, die via präzise lancierter Social-Media-Werbung Einfluss auf das Wahlverhalten nehmen sollen. Dafür will McGowan zum einen verloren gegangenes Vertrauen in den Journalismus wiederherstellen und dies zum anderen ummünzen, indem sie das brachliegende Potenzial der gewaltigen Menge an Nichtwählern für die Demokraten nutzbar macht. Alleine in den letzten drei Jahren sind dafür fünf Millionen Dollar alleine an Facebook und Instagram für Werbeanzeigen gegangen, erfahren wir. "Unterstützt vom Billionär und LinkedIn-Gründer Reid Hoffman, dem liberalen Philanthropisten George Soros und anderen hat sie alleine in der ersten Hälfte dieses Jahres 15 Millionen Dollar an Mitteln einholen können, und sie zielt auf mehr. Ihre Kritiker hassen, was McGowan im Schilde führt. Wähler zu mobilisieren, das 'ist einfach nichts, was Newsrooms tun', wie es Caitlin Sutherland, die Geschäftsführerin der rechtsneigenden Nonprofit-Organisation Americans for Public Trust, ausdrückt. McGowan widerspricht dem nicht. Sie findet, dass genau darin das Problem liegt. Ihr Argument geht so: Zu viele Newsrooms haben sich verrannt, indem sie nur noch Elite-Leser ansprechen und hinter Paywalls Zuflucht nehmen (vor einem Jahrzehnt noch eine Seltenheit, heute haben dreiviertel aller US-Zeitungen eine solche). Unterdessen mussten seit 2004 mehr als 2000 Zeitungen im ganzen Land den Betrieb einstellen und ließen damit Heerscharen von Amerikanern ohne jene Sorte vertrauenswürdiger Informationen zurück, die sie zur Wahl bewegen könnten. Stattdessen haben 80 Millionen, die in der Schicksalswahl zwischen Donald Trump und Joe Biden mitabstimmen hätten können, dies nicht getan. ... McGowan setzt als erstes und am meisten auf die These, dass Nachrichtenkonsum tatsächlich das Wählerverhalten beeinflusst. Dahinter steckt eine bahnbrechende Studie von 2006 zu dem, was deren Autoren den Fox-News-Effekt nennen. Die Forscher fanden heraus, dass die Dauerberichterstattung des konservativen Kanals, als er seinen Betrieb aufnahm, ausreichte, um 200.000 Menschen davon zu überzeugen, diesmal die Republikaner zu wählen - genug, um George W. Bush zum Präsidenten zu machen."

Außerdem berichtet Tom Simonite von Forschungen an einer Pille, die die Lebenszeit von Hunden verlängern könnte - und vielleicht sogar die von Menschen.

Magazinrundschau vom 29.08.2022 - Wired

Sakie Miura porträtiert die japanische Schriftstellerin Sayaka Murata, die im englischsprachigen Ausland bereits ziemlich gefeiert wird und auch in Deutschland in den letzten Jahren allmählich entdeckt wird. Dass deren Arbeiten oft von entfremdeten Selbstbeobachtungen handeln, hat auch damit zu tun, dass die Autorin selbst, gelinde gesagt, zu der einen oder anderen Wunderlichkeit neigt - etwa dass viele ihrer Freunde rein imaginiert sind und sie mit einem dieser imaginierten Freunde gerade eine offenbar sehr innige Liebesbeziehung pflegt. Ein Unbehagen in der Kultur zieht sich durch all ihre Romane. "Ihre Figuren können die Gesellschaft nicht im Ganzen von sich weisen, also leben sie missbehaglich darin. Sie handeln so, als wäre der Gesellschaftsvertrag auf dem Weg zu ihnen in der Post verloren gegangen oder als hätten sie vergessen, ihn zu unterzeichnen. Liest man Murata, beginnt man unweigerlich damit, all die Vertragsklauseln der Allgemeinen menschlichen Geschäftsbedingungen zu hinterfragen, über die man sich zuvor nie Gedanken gemacht: Hey, dieser Sache mit dem Baby-Kriegen habe ich nie zugestimmt! Muratas Arbeiten neigen dazu, auf das Problem, einen Uterus zu haben, mit unvollkommenen Alternativen statt Lösungen zu reagieren. Ihre Geschichten handeln von künstlichen Unterleibern, einer kontaktfreien Besamung und männlichen Schwangerschaften. Aber ihre Visionen für eine bessere Welt krümmen sich oft in Richtung des Monströsen. In einem ihrer populären, aber noch unübersetzten Bücher mit dem Titel 'Geburtsmord auf Japanisch' gibt die Regierung einen bizarren Anreiz, um die im Schwinden begriffene Bevölkerung zur Fortpflanzung anzuregen: Jeder mit zehn Babys darf eine Person seiner Wahl ermorden. ... In dem Roman, an dem Murata aktuell schreibt, werden andere lebende Wesen dazu gezwungen, Babys für die Menschen auszutragen. 'Ich dachte einfach, das würde Frauen sehr entlasten', sagt sie zu dieser süffisanten Idee und lacht. 'Aber es wurde einfach immer höllischer. Ich habe damit gar nichts gelöst.'"
Anzeige

Magazinrundschau vom 02.08.2022 - Wired

Wie kriegen wir unseren übermäßigen CO2-Ausstoß wieder aus der Atmosphäre? Oder wenigstens: Wie schaffen wir es, dass der CO2-Ausstoß in der für die Energiewende nötigen Übergangsphase gar nicht erst in die Atmosphäre gelangt? In Texas bemüht sich eine ganze Reihe von Projekten, dafür eine Lösung zu finden, berichtet Jeffrey Ball - und natürlich geht dies im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nur unter der Bedingung, dass ein neuer Markt entsteht: "Die Idee dahinter ist, dass die größten Emissionsverursacher ihren Ausstoß einsaugen und dafür zahlen, dass dieser durch Druck in flüssige Form gebracht und - sicher und dauerhaft - zurück in die selben Gesteinsschichten injiziert wird, aus denen er ursprünglich gekommen ist. Dabei soll Kohlenstoff in einem Maßstab eingefangen und eingelagert werden, der weltweit seinesgleichen nicht kennt, umfassend genug, um dem Klimawandel ordentlich etwas entgegen zu setzen." Steueranreize sollen die Sache nun ins Laufen bringen, "mit dem Ergebnis, dass sich heute, mehr als ein Jahrhundert nachdem Glücksritter in den Golf von Mexiko ausschwärmten, um von seinem Kohlenwasserstoff zu profitieren, ein neuer Schwarm in die Gegend zieht - diesmal, um jene Schäden abzumildern, die Kohlenwasserstoff verursacht. Eine Suche, die noch vor wenigen Jahren ein rein wissenschaftliches Projekt war, ist nun ein Spiel mit hohem Einsatz, um geeignetes Gestein für sich zu beanspruchen. In einem Kreis von 75 Meilen rund um Port Arhur befinden sich mehr als eine halbes Dutzend von Projekten von industriellen Ausmaßen in verschiedenen Phasen der Vorbereitung. Ihre Finanziers sind Ölgiganten wie ExxonMobil, ConocoPhillips, BP und TotalEnergies, die die Aussicht in den Raum gestellt haben, mehr als 100 Milliarden Dollar zu investieren; große Pipeline-Anbieter, die menschengemachtes CO2 als riesigen neuen Markt betrachten; Entwickler aus dem Bereich erneuerbarer Energien, die fossilen Treibstoff einst verteufelten, ihn jetzt aber entkohlen wollen, um daraus Gewinn zu schlagen; und Landbesitzer, die erahnen, dass sich mit ihrem Schmutz auf neue Weise Geld machen lässt. Ein Massenansturm auf Kapital, Landrechte und offizielle Genehmigungen durch die Behörden ist in vollem Gang. ... Kohlenstoff in einer Menge einzulagern, um dem Klima materiell zu helfen, ist heute nach Ansicht vieler Wissenschaftler ein Must. Doch wäre es dafür nötig, sich mit teuflisch schwierigen Dilemmas zu konfrontieren, die rein technische Fragen übersteigen und in den Bereich der Philosophie vordringen. Welchen Grad an Zuversicht sollten die Regulatoren ansetzen, bevor sie einem CO2-Einlagerungsprojekt ihren Segen geben, dass es wohl schon nicht lecken wird? Wer sollte juristisch haftbar sein, um die Sicherheit, injizierten Kohlenstoffs zu überwachen und für wie lange? Und welche Strafen sollte es geben, wenn die Sache scheitert? Die Auseinandersetzungen zwischen Umweltschützern und der Industrie über solche Fragen gewinnen immer mehr an Schärfe."

Außerdem: John Semley wirft einen Blick darauf, wie (und warum) Wissenschaftler zur Entwicklung psychedelischer Drogen der Zukunft forschen.
Stichwörter: Co2-Emissionen, Klimawandel

Magazinrundschau vom 14.06.2022 - Wired

Geoffrey Cain hat sich in Kiew mit Wolodimir Selenski getroffen. In dem Gespräch geht es insbesondere um digitale Infrastrukturen: Die via Satellit dank SpaceX bewerkstelligten Internet-Zugänge etwa sind "sehr effektiv. Sie halfen uns sehr, vor allem wenn Städte und Ortschaften blockiert waren. So konnten wir mit den besetzten Gebieten Kontakt halten. Manchmal verloren wir die ganze Kommunikation mit diesen Orten. Doch verliert man den Kontakt zu den Leuten, dann bedeutet dies den totalen Kontrollverlust, einen umfassenden Realitätsverlust. Glauben Sie mir: Die Leute, die es aus den besetzten Gebieten raus schafften und keine SpaceX-Anbindung hatten, erzählten uns, dass die Russen ihnen gesagt haben, dass die Ukraine nicht mehr existiert - und manche glaubten das sogar. ... In den ersten Kriegstagen widmeten wir einen beträchtlichen Teil unserer Zeit der Logistik für den Kampf im Cyberspace. Ich denke, darin liegt die Zukunft - und ich glaube, hier entstand unsere dritte Armee. Wir haben heute wahrscheinlich verschiedene Armeen: die Volksarmee, das bewaffnete Heer der Ukraine und die IT-Armee. Die IT-Armee setzte sich energisch für den Cyberschutz unserer Institutionen ein, die harten Angriffen ausgesetzt waren. Die Angreifer wollten die Nationalbank und das Abgeordnetenkabinett zu Fall bringen. Sie wollten alles niederreißen, damit wir keine Löhne und Renten mehr zahlen können, damit das Licht und die Kommunikation ausfallen, sodass die Leute nicht mehr hören könnten, was ich ihnen sage, was wir alle zu sagen haben, was es an aktuellen Informationen gibt. Unsere IT-Armee hat hier ganze Arbeit geleistet."

Magazinrundschau vom 17.05.2022 - Wired

Dezentrale Daten, Antikapitalismus, Partizipation und immense Freiheiten: Die Versprechen, mit denen das blockchainbasierte Web3 für sich wirbt, klingen fast schon nostalgisch stimmend nach jenen, mit denen schon das ursprüngliche Netz und das Web 2.0 an den Start gegangen sind, nur zu einem bitteren Erwachen (Überwachung, Datensilos, Machtkonzentration) zu führen. Was ist also vom Web3 zu halten, fragt sich Gilad Edelman in seiner Reportage. Blockchain, also die Technologie, die Kryptowährungen ermöglicht, gestattet es ja, Daten dezentral über das Netzwerk hinweg zu speichern, statt lediglich zentrale Datenserver in einem dezentralen Netzwerk miteinander zu verbinden. Das Problem dabei: Bis solche Technologien in den Bereich der Anwenderfreundlichkeit geraten, ist es noch ein langer Weg. "Die Nutzer-Unfreundlichkeit von Krypto-Techniken belegt das ganze Ökosystem mit dem erheblichen Druck, genau das zu tun, für was es nicht angelegt ist: zu zentralisieren." In einem Blogbeitrag schrieb der Kryptographer Moxie Marlinspike, "dass die meisten Menschen sich nach Bequemlichkeit sehnen, weshalb sich letzten Endes immer zentralisierte Dienste auf dezentralen Strukturen setzen. In den Anfangstagen von Web 1.0 dachten einige noch 'wir werden alle unsere eigenen Webserver haben, unsere eigenen Mailserver für unsere eigene E-Mail', schreibt er. ... Dieses Muster wiederholt sich bereits im Hinblick auf Web3. Dass eine App auf unserem Handy mit der Blockchain kommuniziert, gestaltet sich noch als sehr schwerfällig, wenn es überhaupt möglich ist. Also sind fast alle Web3-Apps auf eine von zwei Firmen angewiesen - Infura und Alchemy -, um dies zu bewerkstelligen. Ähnlich verhält es sich mit den digitalen Geldbeuteln, die die meisten Leute nutzen, um ihr digitales Vermögen zu verwalten. Anders gesagt: Nahezu jedes Web3-Produkt muss sich auf einen Mittelsmann verlassen, um einem zu sagen, was auf der Blockchain vor sich geht. Das setzt ein gehöriges Maß an Vertrauen voraus für ein System, das mal darauf angelegt war, Vertrauen obsolet zu machen."
Stichwörter: Blockchain, Web3

Magazinrundschau vom 10.05.2022 - Wired

Während in den vergangenen Pandemiejahren einige Händler um ihre Existenz kämpften, stiegen die Umsätze des chinesischen Onlinehändlers Shein rasant in die Höhe. Shein unterbietet sogar die Preise bekannter Fast-Fashion-Riesen wie H&M oder Zara und bietet zugleich ein vielfaches an wechselnden Modellen an. Vauhini Vaha hat für Wired ergründet, was die Marke von ihren Konkurrenten unterscheidet und wie sie sich so erfolgreich etablieren konnte, dass einige sie schon als Konkurrenz zu Amazon sehen: Simon Irwin, ein Analyst der Credit Suisse, bezweifelt im Gespräch mit Vaha, "dass Sheins Preise allein oder nur großteils durch effiziente Beschaffung niedrig gehalten werden. Stattdessen verweist er darauf, wie geschickt Shein das internationale Handelssystem ausnutzt. Nach dem internationalen Handelsabkommen kostet es oft weniger, kleine Pakete aus China in die USA zu versenden als aus anderen Ländern oder sogar innerhalb der USA selbst." Auch bei der Einhaltung internationaler Arbeits- und Umweltstandards lässt sich Shein kaum in die Karten gucken. Doch sein Wachstum "ist nicht unaufhaltsam. Irwin veröffentlichte im Februar einen Forschungsbericht, in dem er argumentierte, dass es 'sehr wahrscheinlich' ist, dass die US-Gesetzgeber in Zukunft versuchen werden, Fast-Fashion-Unternehmen zu zügeln - und dass insbesondere Shein damit Schwierigkeiten haben wird. Die Führungskräfte von Shein scheinen sich auf die Prüfung vorzubereiten. Seit letztem Herbst hat das Unternehmen zahlreiche Stellenausschreibungen für regulatorische und rechtliche Angelegenheiten veröffentlicht: Director of Sustainability, Senior Product Safety and Labelling Counsel, Senior Privacy Counsel, Marketing Counsel, Intellectual Property Counsel."
Stichwörter: H&m

Magazinrundschau vom 11.01.2022 - Wired

Wind- und Solarkraft - schön und gut. Aber wenn der Ausstieg aus der fossilen Energie hin zu einer klimaschonenden Alternative gelingen soll, braucht es Möglichkeiten, den gewonnenen Überschuss an Energie für jene Tage zu speichern, an denen kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Eine recht pfiffige Idee hat Matt Reynolds in einem Schweizer Alpental entdeckt, wo das Startup Energy Vault einen ziemlich bizarr anmutenden, riesigen Metallturm errichtet hat, um dort enorme Massen erst nach oben zu bugsieren, wo sie im Falle eines Falls nach unten rauschen, um damit wieder Energie freizusetzen. "Befürworter dieser Technologie behaupten, dass Schwerkraft eine praktische Lösung für das Speicherproblem darstellen könnte. Statt sich auf Lithium-Ionen-Batterien zu verlassen, die mit der Zeit verfallen und für die seltene Metalle benötigt werden, die erst aus der Erde geholt werden müssen, sagen Piconi und seine Kollegen, dass mit Schwerkraft betriebene Systeme eine günstige, reichhaltige und langlebige Speicherquelle für Energie darstellen könnte, die wir derzeit noch nicht ausreichend in den Blick genommen haben. ... Das Energiespeicher-Startup Gravitricity aus Edinbugh hat eigenen, neuen Weg gefunden, um die Kosten für diese Form der Schwerkraftspeicherung zu senken, indem sie die Gewichte in nicht mehr genutzte Minenschächte rasen lassen, statt Türme zu bauen. ... Im April 2021 begann Gravitricity erste Tests mit einem 15 Meter hohen Demonstrationssystem in Leith, Schottland, doch das erste kommerzielle System des Unternehmens könnte in Tschechien entstehen. Dort sind die Politiker sehr interessiert daran, neue Wege zu finden, um die Kohleminen, die bald stillgelegt werden, zu nutzen."

Magazinrundschau vom 09.11.2021 - Wired

Die nächste Version des Internets wird immersiv, 3D, simuliert den physischen Raum, vereint alle möglichen Apps und Anwendungen unter einem Dach und nennt sich Metaverse - und man wird noch mehr Hardware benötigen als eh schon und die Macht darin wird sich noch mehr auf ein paar IT-Konzerne konzentrieren, erklärt uns Cecilia D'Anastasio. Diverse Konkurrenten liegen gerade im Wettstreit, diesen Markt nicht nur aufzubauen, sondern im Anschluss auch gut daran zu verdienen - ein eingehegter Garten, in dem es ziemlich proprietär zugeht, auch wenn man die ganz basale, quelloffene Architektur des Internets natürlich weiterhin gerne für sich nutzt. "Wer wünscht sich ein Metaverse, das so gebaut war wie das Web 2.0? Wer wünscht sich ein Metaverse, das fürs Skalieren und Geldverdienen entworfen wurde? Neue Open-Source-Metaverse-Projekte haben es auf sich genommen, der Unausweichlichkeit dieses nächsten Internets als einer totalen Service-Umgebung entgegen zu treten. 'Ich denke, wir werden wohl ein Web 2.0 Metaverse und ein Web 3.0 Metaverse erleben', sagt Ryan Gill, Mitbegründer und Geschäftsführer von Crucible, einem offenen Metaverse-Projekt. 'Web 2.0 bezieht sich in diesem Zusammenhang auf all die Big-Tech-Firmen, die abgeriegelt sind. Die werden ihr server-basiertes Modell oder ihre Datensammlungen nicht einfach so aufgeben. Wir werden eine viel schnellere Skalierung des Web 2.0 Metaverse sehen. Aber der einzige Weg zu einem Web 3.0 ist die Dezentralisierung.' Das nächste Netz, sagt Gill, sollte auf offenen Protokollen und Standards aufbauen, inklusive Blockchain-Technologie. Er ist sich sicher, dass Open-Source-Communities dazu finanziell beitragen werden und dass sich dies auch lohnen werde. Das Web 3.0, wie Gill es beschreibt, ähnelt dem Web 1.0 der Neunziger auf einnehmende Weise - disparat, von den Nutzern betrieben, dezentralisiert: das Netz, aus dem die Idee des Metaverse hervorgebracht hat. Irgendwie, so lautet wohl der Gedanke dahinter, sind wir in dieses ganze Big-Tech-Ding hineingeschlittert."

Magazinrundschau vom 21.09.2021 - Wired

Cyberpunk, Steampunk, Solarpunk: An Punk-Subgenres herrscht in der literarischen Science-Fiction kein Mangel. Neu hinzugekommen ist vor wenigen Jahren Hopepunk - und eine der prominentesten Vertreterinnen dieses Zweigs ist die in den USA bereits mit Genre-Auszeichnungen überhäufte Autorin Becky Chambers, die Jason Kehe porträtiert. Hopepunk, erfahren wir, wirft den Blick in eine kuschelig behaglichen Zukunft: Space Operas erzählen keine intergalaktische Schlachten mehr, sondern handeln von Wesen, die sich bei einer Tasse Tee kennenlernen, Sexualität kennt keine Grenzen zwischen Spezies und eingehegten Präferenzen mehr. Ereignisarmut wird geschätzt, wichtiger sind Dialoge - und am Ende sind alle glücklich. Stichwort Tee: "Je länger wir über Tee sprechen, desto klarer tritt es Chambers und mir vor Augen, dass wir eine fundamentale Wahrheit über das Genre umkreisen: Tee - darin, wie er Kulturen verbindet und zivilisiert, im historischen Handel tief verwurzelt ist und in den Blättern, die er hinterlässt, mögliche Zukünfte offenbar - Tee also mag das science-fictionigste aller Getränke zu sein. Lange bevor Picard aus 'Star Trek' nach einem 'Tee, Early Grey, heiß' verlangte, wurde der unendliche Unwahrscheinlichkeitsantrieb in 'Per Anhalter durch die Galaxis' von einer 'frischen Tasse mit wirklich heißem Tee' befeuert." In diesem Zusammenhang signalisiert Tee immer eine entwickelte Kultur, so Kehe. Auch war Tee "immer schon eine Art prototypisches Handelsobjekt gewesen, die materielle Evidenz einer Kultur, die sich in eine andere vorwagt und diese oft ausbeutet. Was natürlich Science-Fiction in seiner klassischen Form ist: Kontakt zwischen Aliens - und am Ende steht entweder die eine oder die andere Kultur über der anderen. In gewisser Hinsicht funktioniert Tee wie ein Stichwort für die koloniale Fantasie, die den Antrieb für Erkundungen befeuert, das oberste Gebot des Genres 'Selbst wenn es keine direkte Metapher ist', sagt Chambers, 'ist dieser Subtext da'. Von Anfang an ging es Chambers darum, diesen Subtext zu unterlaufen, indem sie sich ruhigere, nettere, queerere Versionen der Space Operas ausmalte, mit denen sie aufgewachsen ist. Ihre Figuren sind keine Kolonialisten oder schicksalshafte Helden mehr, die voller Manneskraft in den Abgrund des Unbekannten vordringen und alles, was sie vorfinden, in Besitz nehmen. Sie sind Tunnelgräber, Pfleger, Sexarbeiter und Teemönche und was sie vor allem wünschen, ist, über ihre Gefühle zu reden."