
Ein US-Kriegsveteran unter dem Pseudoym John Publius hat sich für
Wired genau angesehen, wie sich Trumps eilig rekrutierte und schlecht ausgebildete
ICE-
Schergen im Feld verhalten - und verzweifelt schier über deren Gehabe und Dilettantismus. ICE, unterstreicht er, ist eine
Zivilbehörde, die sich zwar wie Militär kostümiert, aber jeglichen militärischen Sachverstand vermissen lässt: ihre völlig überdimensionierte Ausstaffierung, ihr taktisches Verhalten, die Unangemessenheit ihres militärischen Gebarens gegenüber der eigenen Zivilbevölkerung ohne übergeordneten militärischen Konflikt, die Lust an der Gewalt - all dies habe hochgradig
chaotische Aspekte und erinnere an die Anfangstage des Kriegs gegen den Terror vor zwanzig Jahren, aus dessen Fehlern das Militär aber längst gelernt habe. "Sollte das ICE-Vorgehen im Dienst eines strategischen Zieles stehen, sind die Implikationen entweder
verwirrend oder verstörend. Verwirrend, weil die ICE-Taktiken kontraproduktiv sind, sollte es der Regierung darum gehen, Abschiebungen zu erhöhen und die öffentliche Unterstützung dafür zu bewahren. Verstörend, weil das Vorgehen von ICE sich mit einer von militärischen Strategen ermittelten Theorie deckt, der
Theorie der Kontrolle. Diese Theorie, die üblicherweise in
autoritären Staaten wie China oder Russland umgesetzt ist, umfasst mehrere Aspekte einer unkonventionellen Kriegsführung: Mediale Kriegsführung, psychologische Kriegsführung und eine Indienstnahme des juristischen Wegs (was manchmal 'lawfare' genannt wird), um nur einige zu nennen. Strategien zur Kontrolle können sowohl gegen einen äußeren Feind eingesetzt werden wie gegen einen inneren. Sie nutzen
Terror-
Taktiken, um gewalttätigen Widerstand zu provozieren und dann damit dessen brutale Niederschlagung zu rechtfertigen und Gesetzesverschärfungen zu entschuldigen, mit denen Terrorismus und Hochverrat neu definiert werden. Die Regime nutzen die dadurch entstehende, chaotische Gemengelage, um damit weitere Aktionen zu verfolgen. Es handelt sich dabei, grob gesagt, um
Politikmachen mittels Krisen. ... Sollten die politischen Ziele dieser Vorgehensweisen indessen
nicht darauf zielen, profundes Misstrauen, Verwirrung, Zweife, Zorn und Zersetzung hervorzurufen, dann erscheinen sie fehlgeleitet und falsch angewendet. Eine Vorgehensweise, die von der Strategie abgekoppelt ist, führt zu
strategischem Versagen."