Steven Levitsky hat zusammen mit Daniel Ziblatt 2018 das Buch
"Wie Demokratien sterben" vorgelegt, das heute zu den Standardwerken über den sich überall verfestigenden
Rechtspopulismus und -extremismus zählen dürfte. In
Foreign Affairs legt der Lateinamerikakundler und Politologe zusammen mit seinem Kollegen Lucan A. Way
einen Essay unter dem Titel "Der Weg zum amerikanischen Autoritarismus" vor. Trump wird
den Staat umbauen und zu einer Waffe formen, so die beiden Autoren - er hat ja längst damit angefangen. Er wird Behörden schließen, Beamte, wenn möglich, feuern und durch loyale Kräfte ersetzen. Das Regime, in das Amerika abdriftet, beschreiben die beiden als "
kompetitiven Autoritarismus", das heißt, dass Demokratie nicht völlig außer Kraft gesetzt ist, aber überall, wo es geht, geschwächt wird. Vorbilder sind für Trump lateinamerikanische Autokratien (auch Venezuela), besonders aber
Ungarn, das die Methoden wie in einem Labor bereits getestet hat. "Der kompetitive Autoritarismus wird das politische Leben in den Vereinigten Staaten verändern. Wie Trumps erstes Bündel verfassungsrechtlich zweifelhafter Verordnungen deutlich gemacht hat, werden die
Kosten für öffentlichen Widerstand erheblich steigen: Spender der Demokratischen Partei könnten ins Visier des Finanzamtes geraten; Unternehmen, die Bürgerrechtsgruppen finanzieren, könnten sich einer verschärften steuerlichen und rechtlichen Kontrolle ausgesetzt sehen oder von den Aufsichtsbehörden in ihren Unternehmungen behindert werden.
Kritische Medien werden wahrscheinlich mit kostspieligen Verleumdungsklagen oder anderen rechtlichen Schritten sowie mit Vergeltungsmaßnahmen gegen ihre Mutterfirmen konfrontiert werden. Die Amerikaner werden sich der Regierung immer noch widersetzen können, aber Gegnerschaft wird schwieriger und risikoreicher sein, was viele Bürger zu der Entscheidung führen wird, dass sich der
Kampf nicht lohnt. Wird jedoch kein Widerstand geleistet, könnte dies den Weg für eine autoritäre Verfestigung ebnen - mit schwerwiegenden und dauerhaften Folgen für die globale Demokratie." Und das ist auch das Resümee der Autoren: Widerstand
muss geleistet werden, wo es geht - auch wenn das Risiko steigt.