Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
15.12.2005. Eine Tag vor seinem Prozess wiederholt Orhan Pamuk in der Presse und in der FAZ seine Aussagen zum Völkermord an den Armeniern und kritisiert die zwei Haltungen der nichtwestlichen Bourgeoisie. In der Zeit fordert der Promi-Anwalt Alan Dershowitz die Legalisierung der Folter. Die NZZ widmet sich der Melancholie im französischen Rap. Die taz warnt vor einem neuen bösen Frühling des Antisemitismus. In der Welt fürchtet der Schriftsteller und Architekt Kanan Makiya die Tyrannei der Mehrheit im Irak. Die SZ feiert die Rückkehr der Scandaleuse Beaute auf die Cover internationaler Modemagazine.

Presse, 15.12.2005

Morgen beginnt der Prozess gegen den türkischen Autor Orhan Pamuk. Die Presse veröffentlicht den großartigen Text, den Pamuk zunächst auf Englisch im New Yorker brachte. Pamuk reflektiert seine Situation vor dem Prozess, spricht in glasklaren Worten nochmals den Völkermord an den Armeniern an, schildert das zwiespältige Verhältnis seines Landes zu Europa (und umgekehrt) und erweitert seine Reflexion auf eine größere Gruppe aufsteigender Länder: "Das bemerkenswerte Wirtschaftswachstum, das wir in Ländern wie China und Indien erleben, hat dort zur Herausbildung einer neuen Mittelschicht geführt, deren spezifische Eigenschaften sich wohl am besten durch Romane beschreiben ließen. Ob man sie nun als nichtwestliche Bourgeoisie oder als neureiche Bürokratie bezeichnet, auf jeden Fall stehen diese neuen Eliten genau wie die westlich geprägte Elite meiner Heimat vor dem Dilemma, dass sie sich bemüßigt fühlen, zur Legitimierung ihrer Macht und ihres Wohlstandes zwei Haltungen an den Tag zu legen, die miteinander im Widerspruch stehen. Zum einen möchten sie beweisen, dass sie selbst sich die Sprache und die Gepflogenheiten des Westens angeeignet haben, und möchten, dass ihr gesamtes Volk es ihnen am besten gleichtut. Zum anderen aber müssen sie sich der Kritik erwehren, nicht mehr genug 'Stallgeruch' zu haben, und suchen daher ihr Heil in einem militanten, intoleranten Nationalismus."

Zeit, 15.12.2005

Die Zeit steht noch nicht im Netz, deshalb unsere Zusammenfassung unverlinkt..

Thomas Kleine Brockhoff spricht mit dem amerikanischen Harvard-Juristen Alan Dershowitz, der Folter in Ausnahmesituationen zulassen möchte (worunter für ihn die Entführung eines Jungen explizit nicht gehört): "Die Frage ist doch: Wird die Folter unter politischer Kontrolle und Verantwortung benutzt, offen und auf gesetzmäßiger Grundlage? Oder findet alles im Dunkeln statt, sodass wir uns in der schlimmsten aller möglichen Welten wiederfinden? Das wäre dann das amerikanische Modell der Heuchelei, in dem der Präsident sagt, wir würden niemals und unter keinen Umständen foltern, und der Vizepräsident augenzwinkernd hinzufügt, wir müssten womöglich auf die dunkle Seite überwechseln. Die Botschaft an die ausführenden Organe lautet doch: Foltert, aber informiert uns bitte nicht darüber... Gäbe es eine förmliche Folterverfügung, wäre es nicht zu Abu Ghraib gekommen und auch nicht zur gegenwärtigen Lage. Es wäre ein klares Signal: Allein der Präsident bestimmt, ob und wann eine außergewöhnliche Notlage besteht. In so einer Lage unterzeichnet er eine Einzelfall-Anweisung."

Hanno Rauterberg betrachtet den entfesselten Kunstmarkt, auf dem zeitgenössische Künstler inzwischen teurer gehandelt werden als alte und moderne Meister. "Oft liegen Marktwert und Kunstwert weit auseinander. So überdreht aber, so wirklichkeitsvergessen wie im Moment ist es noch niemals zugegangen. Ungehemmter denn je ökonomisiert sich das Reich der Ästhetik, das Geld wird zur treibenden, zur allmächtigen Kraft. Und das verändert - ob wir es wollen oder nicht - unser Bild von der Kunst. Es verändert die Kunst selbst. Begonnen hat es 1998. Bis dahin versteigerten die Auktionshäuser nur Kunst, die älter war als zehn Jahre. Dann aber kam Gerard Goodrow. Er holte auch atelierfrische Werke in die Säle von Christie's und hatte damit unerhörten Erfolg. 'Damals haben wir ein Monster geboren', sagt Goodrow heute."

Weiteres: Achatz von Müller erinnert aus aktuellem Anlass daran, dass schon die Agenten der Inquisition nicht selbst Hand anlegten, sondern foltern ließen ("Die Kirche vergießt kein Blut"). Ulrich Stock hat sich beim Musikkorps der Bundeswehr einen Eindruck darüber verschafft, wie es heutzutage um die Militärmusik bestellt ist (Oberstleutnant Walter Ratzek: "Gute Musik lässt sich nicht befehlen"). Volker Hagedorn erlebte den Saisonstart der Mailänder Scala als wundersame Erhebung aus der Asche. Anke Leweke stellt die beiden chinesischen Regisseure Lu Chuan ("Kekexili: Mountain Patrol") und Ning Hao ("Mongolian Pingpong") vor, die sich beide der staatlichen Einheitspolitik entziehen und ihre Filme in abgelegenen Provinzen drehen. Georg Seeßlen schreibt zum Tod des Produzenten Gyula Trebitsch. Last but not least muss gemeldet werden, dass Harry Rowohlt Pooh's Corner wiederbelebt hat.

Mit einem Schwerpunkt zur Einsamkeit versucht uns die Zeit außerdem in Weihnachtsstimmung zu bringen: Sven Hillenkamp räumt mit dem Mythos auf, dass wir in unserem aufgeklärten Wohlstandsparadies immer einsamer geworden sind. Die vielbeschworene Großfamilie hat es als Hort familiärer Geborgenheit auch nie wirklich gegeben: "Noch um 1900 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 45 Jahren. Wer 20 wurde, hatte oft schon keine Eltern mehr." Elisabeth von Thadden erinnert an den "Schlüsseltext" der modernen Einsamkeit, Michel de Montaignes Essay "Über die Einsamkeit". Jana Simon porträtiert eine kreuzunglückliche Psychologin. Und Peter Kümmel sieht sich an, wie das Theater von heute die Einsamkeit darstellt.

Besprochen werden auf der Diskothek-Seite Walter Schmiedingers Lesung von Joseph Roths "Hiob", eine Aufnahme altgriechischer Musik des Ensemble Melpomen und Quentin Tarantinos Klassiker "Pulp Fiction auf DVD.

Im Aufmacher des Literaturteils verteidigt Susanne Meyer die "böse, kalte " Videorede des Literaturnobelpreisträgers Harold Pinter. Für das Dossier war der britische Times-Korrespondent Roger Boyes im KaDeWe shoppen und gucken. Hinzuweisen ist auch auf die Reportage von Georg Blume aus der chinesischen Krebsstadt Huangmengying; bei der Recherche zu dem dortigen Ökodesaster wurde Blume von den chinesischen Behörden festgenommen.

NZZ, 15.12.2005

Mischa Suter beobachtet, wie sich der ehemals militante sozialkritische französische Rap in eine mit dem Klagelied von Geigenklängen untermalte melancholische Desillusion verwandelt. Der Wunsch der Regierung nach Zensur nach den jüngsten Unruhen in den französischen Banlieues wirke fast schon grotesk. "In den Texten wird exzessiv Realness beschworen - die gelebte Erfahrung kalter Verzweiflung und unglamouröser Härte. Statt der großen Gesten des amerikanischen Gangsta-Rap herrscht hier sozusagen Kleinkriminalität. (...) Heutige Produktionen werden weniger durch Anklagen geprägt als durch die illusionslose Beschreibung der Zustände. Individuelle Bestandesaufnahmen haben den Aufruf zur Sozialrevolte teilweise abgelöst."

Ein weiterer Artikel lenkt den Blick auf den internationalen Architekturboom im Heiligen Land, inspiriert durch zwei Neubauten, das Wohl Center der Bar-Ilan-Universität von Daniel Libeskind und das viel diskutierte Rabin Center von Moshe Safdie. Safdie sucht eine Erklärung für diese Entwicklung darin, "dass es in Israel keinen respektvollen Umgang mit wichtigen Bauwerken gebe und diese auch nicht gepflegt würden. Das liege daran, dass die israelische Nation noch jung sei und den meisten Leuten ein Interesse an Denkmalschutz fehle."

Besprochen werden die Ausstellung mit dem Thema "Nationalschätze aus Deutschland - Von Luther zum Bauhaus" in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn, eine Studie von Caspar Tobias Zollikofer über Apfelsorten aus dem 19. Jahrhundert, Claude Debussys gesammelte Korrespondenzen und die Veröffentlichung der musikalischen Arbeiten der "grauen Eminenz" des amerikanischen Pop der achtziger Jahre, Jack Nitzsche.
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FR, 15.12.2005

Martina Meister freut sich über die Wiedereröffnung des aufwändig renovierten Petit Palais auf den Pariser Champs Elysee. Hubertus Adam stellt das von den Architekten Wandel, Hoefer, Lorch + Hirsch erbaute Dokumentationszentrum zum KZ Hinzert im Hunsrück vor. Karl Grobe informiert in der Kolumne Times Mager über einen Offenen Brief, mit dem chinesische Intellektuelle gegen einen brutalen Polizeieinsatz protestiert haben, bei dem zahlreiche Bauern getötet worden waren. Daniel Kothenschulte kommentiert den Verkauf von Steven Spielbergs Filmproduktion Dreamworks an den Viacom-Konzern. Und Volkmar Sigusch denkt über "Die sexuelle Frage", das vor hundert Jahren erschienene Buch des Schweizer Psychiatrieprofessors August Forel nach.

Besprochen werden zwei Inszenierungen am Stuttgarter Schauspiel, "Das Werk" von Elfriede Jelinek und "Kirchenlieder" von Ulrich Rasche, Mike Barkers Oscar-Wilde-Verfilmung "Good Woman - Ein Sommer in Amalfi", Ning Haos Film "Mongolian Ping Pong" ("klassische, universal verständliche und bereits in unzähligen Hollywoodfilmen verarbeitete Initiationsgeschichte"), Liev Schreibers Foer-Verfilmung "Alles ist erleuchtet"und Thomas Bezuchas Komödie "The Family Stone - Verloben verboten" ("eine Allerweltsgeschichte, doch die starke Besetzung verspricht Vergnügliches.")

TAZ, 15.12.2005

"Gut möglich, dass der Antisemitismus als Weltanschauung vor einem neuen, bösen Frühling steht", befürchtet Philipp Gessler nach zwei Berliner Konferenzen (mehr hier und hier) zum Thema und den jüngsten Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. "Tatsächlich liegt die diabolische Stärke und zukünftige Gefahr dieses antisemitischen Konstrukts darin, dass es weitgehend transnational, transethnisch und transreligiös funktionabel ist und eine komplette Welterklärung liefert, bei der die 'Juden' als Weltfeinde und perfekte Sündenböcke für alles herhalten müssen. In einem sind sich die Experten weitgehend einig: Bisher gibt es auf dieser gemeinsamen ideologischen Grundlage der Antisemiten weltweit kaum Kooperation, ein wenig Internet-Austausch und nur gelegentliche Treffen - die weltanschaulichen Gräben zwischen den antisemitischen Gruppen sind da noch zu tief. Die Gefahr aber besteht, dass sich diese 'moderne' oder 'neue' antisemitische Wahnidee als verlockend erweisen könnte, da sie die Grenzen zwischen Ost und West, Orient und Okzident zu überwinden vermag."

Ein Tagesthema ist dem Prozess gegen Orhan Pamuk wegen "Herabsetzung des Türkentums" und seiner Bedeutung für die Stellung der Türkei in Europa gewidmet. Die Anklage wurde erhoben, weil Pamuk in einem Zeitungsinterview vom türkischen Genozid an den Armeniern gesprochen hatte. Jürgen Gottschlich informiert noch einmal über die Hintergründe. Und der Menschenrechtler Sanar Yurdatapan (mehr hier) erklärt im Interview, wie es in der Türkei um die Meinungsfreiheit bestellt ist.

Weitere Artikel: Ekkehard Knörer hat sich auf DVD deutsche Filmklassiker wie Fritz Langs "Tiger von Eschnapur" angeschaut und baut von diesen deutsch-indischen Männerfantasien Brücken zur Bollywood-Traumfabrik. Dominik Kamalzadeh macht Entdeckungen im Werk von Regisseur Akira Kurosawa, dem im Wiener Filmmuseum gerade eine große Retrospektive gewidmet ist.

Besprochen werden Liev Schreibers Verfilmung von Jonathan Safran Foers Roman "Alles ist erleuchtet" und Ning Haos Steppenfilm "Mongolian Ping Pong".

Schließlich Tom.

Welt, 15.12.2005

Der irakische Schriftsteller und Architekt Kanan Makiya fürchtet, dass auch die heutigen Wahlen nicht die Probleme des Iraks lösen werden. Im Gegenteil. Viel zu mächtig findet er das Parlament, "das mit der Exekutive machen kann, was es will": "Obwohl das Parlament wie eine demokratische Institution aussieht, ist es in Wahrheit einfach eine Versammlung ethnischer und sektiererischer Stimmblöcke. Wenn die Erfahrungen der Interimsregierung irgendeinen Anhaltspunkt geben, dann sind die Führer dieser Blocks die eigentlichen Machthaber im Irak, und sie werden ihre Macht hauptsächlich durch Seilschaften und Hinterzimmerdiplomatie ausüben. Weil diese Machtformation auch den Präsidenten und den Premierminister wählt und sie auch mit einfacher Mehrheit wieder absetzen kann, gibt es keine Kontrolle über die Tyrannei der Mehrheit."

Weiteres: Der Verleger Joachim Unseld antwortet dem früheren "Hoffmann und Campe"-Chef Rainer Moritz, der eine flammende Verteidigungsrede für die monetären Seiten des Buchgeschäfts gehalten hatte. Unseld hält dagegen die Fahne der anspruchsvollen Kleinverlage hoch. Uta Baier informiert über den gerichtlichen Streit um die Lizenzen für die Produktion von Marcel Breuers Kufenhocker "B9". Eckhard Fuhr erinnert zum fünfzigsten Todestag an Preußens letzten Ministerpräsidenten Otto Braun. Johannes Wetzel sausen noch die Ohren vom Festgetöse, das bei der Neueröffnung des Petit Palais in Paris herrschte. Klaus Geitel schreibt einen Nachruf auf den Tänzer und Ballettdirektor Gert Reinholm.

Im Magazin ist ein großes Porträt der Architektin Zaha Hadid von Rainer Haubrich zu lesen.

Besprochen wird Liev Schreibers "bravouröse" Verfilmung von Jonathan Safran Foers Roman "Alles ist erleuchtet".

SZ, 15.12.2005

"Hedonismus statt kalter Eleganz, Wandlungsfähigkeit statt der Einförmigkeit des Perfekten," feiert Holger Liebs die Rückkehr von Kate Moss nach ihrem Koks-Tief als "Scandaleuse Beaute" auf das Cover der französischen Vogue . "Diese Eigenschaften weisen nicht nur die Fotografien der Kate Moss auf, sie besitzt sie, nach Aussagen nahezu all ihrer Fotografen, allesamt selbst. Die Rolle des Outlaws, die rebellische Pose, die die Moss in ihren Aufnahmen wie im Leben verkörpert, sind in der Modewelt regulierte Normverstöße, die die Branche braucht, um ihren unersättlichen Appetit auf novelties, auf die nächste Transgression zu befriedigen. Dieses System kann ohne seine Reservate ästhetischer Zähigkeit, Widerständigkeit und Kaputtheit nicht überleben. Kate Moss wird heute scheinbar dringender benötigt denn je."

Jürgen Schmieder spaziert durch die verfallende amerikanische Industriestadt Detroit, wo dieses Jahr wieder 60.000 Arbeitsplätze wegfallen werden: "Ruinen in Downtown, Gewalt allüberall, ein gravierendes Bildungsproblem - die Stadt schreit nach einer Figur, die etwas bewegt, die Detroit aus der Versenkung herausführt."

Weitere Artikel: Jenny Hoch schickt einen Bericht vom 36. Internationalen Indischen Filmfestival in Goa. Klaus Peter Richter war auf dem "Muscat Arabic Ud-Festival" im Sultanat Oman. Ursula Baus lobt David Chipperfields neues Literaturmuseum der Moderne in Marbach. Eva-Elisabeth Fischer prophezeit düstere Aussichten für das Ballett des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz. Anne Meyer-Gatermann befasst sich mit neuen Multimediatechniken in der Museumspädagogik, die Kunstinformationen nun sinnlicher präsentieren. Susan Vahabzadeh und Fritz Göttler sprechen mit Sex-in-the-City-Star Sarah Jessica Parker, die jetzt mit dem Film "The Family Stone" großartig ins Kino zurückgekehrt ist. Außerdem zeigt "birn" den Tod der mitteleuropäischen Kulturzeitschrift Kafka an, die parallel in deutscher, ungarischer, polnischer und tschechischer/slowakischer Sprache erschien und nun vom herausgebenden Goethe-Institut nach vier Jahren wieder eingestellt wurde.

Besprochen werden Thomas Bezuchas komisches Melodram "The Family Stone - Verloben verboten", Liev Schreibers Regiedebüt "Alles ist erleuchtet", drei Einakter von Felicia Zeller am Potsdamer Hans Otto Theater und Bücher, darunter Haruki Murakamis Roman "Afterdark" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

FAZ, 15.12.2005

Jürg Altwegg berichtet über aktuelle Geschichtsdebatten in Frankreich - unter anderem hat sich eine Historikergruppe in einer Petition gegen das notorische Gesetz gewandt, das von Lehrern verlangt, auch die angeblich positiven Seiten des Kolonialismus darzustellen. "Während die Politiker langsam einsehen, was sie mit ihren Gesetzen angerichtet haben, werden die Historiker von den militanten Minderheiten und Gutmenschen gleich welcher Couleur scharf kritisiert. Sie wollen die Gesetze behalten und fordern entsprechende Gedenktage. Der Geschichtsschreibung werfen sie gravierende Unterlassungen vor - und ihre Abhängigkeit von der Macht. "

Weitere Artikel: Auch die FAZ bringt Orhan Pamuks Text, stellt ihn aber nicht online. Anna Minta stellt den Abriss des Centrum-Warenhauses in Dresden in Aussicht. Oliver Jungen besuchte die Tagung "Weltfrieden als Vision und politische Strategie" des Bochumer Instituts für Diaspora- und Genozidforschung. Und Joseph Hanimann unternimmt einen lexikalischen Grenzgang zwischen Deutschland und Frankreich.

Die Medienseite bringt eine ganze Fülle interessanter Beiträge. Hagen Boßdorf erklärt im Interview mit Michael Hanfeld, warum er er auf Einhaltung seines Vertrags als Sportchef des NDR klagt und wie er mit der Klage beweisen will, dass er kein IM war. Hanfeld kommentiert auch die neuen EU-Richtlinien zur Schleichwerbung. Hanfeld empfiehlt außerdem eine BBC-Reportage über Al Qaida, die heute zur publikumsfreundlichen Zeit 0 Uhr im Ersten läuft.

Und Kerstin Holm berichtet aus Moskau über die Gleichschaltung des letzten aufmüpfigen Fernsehkanals Ren-TV und das beredte Schweigen des deutschen Anteilseigners RTL: "Die RTL-Gruppe zählt bekanntlich zu Bertelsmann. Und so ist es bemerkenswert, dass die Bertelsmann-Stiftung erst im Oktober eine wirtschaftspolitische Analyse veröffentlicht hatte, derzufolge Russland eine 'Defekt-Demokratie' darstelle."

Auf der Kinoseite kommentiert Peter Körte das Ende von Dreamworks. Verena Lueken besucht eine Ausstellung über den Filmemacher Victor Vicas in Frankfurt. Andreas Kilb liest eine Neuausgabe von Tullio Kezichs Fellini-Biografie. Hans-Jörg Rother hat sich eine Reihe kroatischer Filme in Berlin angesehen. Und Michael Althen kommentiert die Nominierungen für die Golden Globes.

Für die letzte Seite besucht Jordan Mejias die große Ausstellung "Hesse, A Princely German Collection" im Portland Art Museum. Joseph Croitoru berichtet, dass Al Qaida immer mehr Selbstmordattentäterinnen, darunter auch konvertierte Frauen aus westlichen Ländern, einsetzt. Und Alexandra Kemmerer stellt den Demografen Philippe Fargues vor, der einen Bericht über die Migration im Mittelmeerraum ins Internet stellte.

Besprochen werden die Ausstellung "Glanz der Himmelssöhne - Kaiserliche Teppiche aus China 1400 - 1750" in Köln, Niklaus Helblings Inszenierung von Ibsens "Brand" in Zürch, Lutz Hübners Jugendtheaterstück "Ehrensache" über einen von türkischen Jugendlichen begangenen Mord an einem Mädchen in Essen, Kurt Mayers Film "Erik(a)".