Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
01.06.2004. Den aktuellsten Text bringt der Merkur: Die Zeitschrift veröffentlicht online noch einmal den berühmten Essay von Jean Amery über "Die Tortur". Der New Yorker portärtiert den Mann, der Bush zur Mär von den Massenvernichtungswaffen verführte: Ahmad Chalabi. Al Ahram sieht Chancen für die Demokratie in Arabien. In Cicero erklärt Hans-Hermann Tiedje, warum der Spiegel nicht links sein kann. Im Express backt Jean-Paul Gaultier Kleider aus Brot. Outlook India ist sicher: New Bollywood kommt. Und das TLS fragt sich bis heute, wie Amerika einer frankophilen Manie für abstruses Denken verfallen konnte.

Merkur (Deutschland), 01.06.2004

Den aktuellsten Text versteckt der Merkur unter dem unauffälligen Link "Hintergrund". Hier publiziert man als pdf noch einmal Jean Amerys berühmten Essay über die Folter aus dem Merkur vom Juli 1965: "Wer von der Tortur spricht, muss sich hüten, den Mund voll zu nehmen. Was mir in dem unsäglichen Gewölbe in Breendonk zugefügt wurde, war bei weitem nicht die schlimmste Form der Folter. Man hat mir keine glühenden Nadeln unter die Fingernägel getrieben, noch brennende Zigarren auf meiner nackten Brust ausgedrückt. Was mir dort zustieß, war vergleichsweise gutartig, und es hat keine auffälligen Narben an meinem Körper zurückgelassen. Und doch wage ich, zweiundzwanzig Jahre später, auf Grund einer Erfahrung, die das Maß des Möglichen keineswegs auslotete, die Behauptung: die Tortur ist das fürchterlichste Ereignis, das ein Mensch in sich bewahren kann."

"Kann man einer Region das demokratische Herrschaftssystem von außen mit Gewalt überstülpen?", fragt der Konfliktforscher Ernst-Otto Czempiel und erklärt uns als Antwort Gesetz eines gewissen Seeleys, nach dem "der Grad der Freiheit in einem Land umgekehrt proportional zu dem Druck" ist, "der auf seinen Grenzen lastet". "Nach Seeleys Gesetz können sich die Freiheitsräume der Bürger in den Staaten eines internationalen Systems nur erweitern, wenn der Spannungsgrad niedrig ist. In einer Zone aktueller gewaltsam ausgetragener Konflikte kann sich keine Demokratie entfalten, werden vorhandene demokratische Strukturen eher reduziert."

Außerdem online zu lesen ist die Ästhetikkolumne, in der Wolfgang Kemp die superkalifragilistisch-expealigorischen Sprachgepflogenheiten der aktuellen Kunstszene zerpflückt.

Nur im Print untersucht Stefan Weidner vom Online-Kulturmagazin "Art & Thought" die Tauglichkeit "harter" und "weicher" Islamdeutungen, die sich grundsätzlich in der Frage unterscheiden, ob der Islam demokratisierbar ist. "Was auch immer man dazu dekretiert, forscht oder meint, es ist einerlei. Denn selbst gesetzt, diese Vereinbarkeit bestünde nachweislich nicht, wäre es sehr wohl möglich, sie neu zu begründen und zu diesem Zweck alle widersprechenden Dogmen nach Art einer radikalen Reformation über Bord zu werfen... Es genügt, sie zu wollen."

Weiteres: Der Publizist Peter Bender ("Weltmacht Amerika") denkt über Nutzen und Nachteile eines Imperiums nach. John Brewer feiert James Buchans Buch "Capital of the Mind" über die schottische Aufklärung, die mit David Hume und Adam Smith an der Spitze von Edinburgh aus die Welt veränderte. Und Hans-Olaf Wiesemann hält es für höchste Zeit, dass sich Ökonomen an den Gesundheitsbereich machen, um "das dichte Geflecht aus egalitären Gerechtigkeitsvorstellungen, wohlorganisierten Partikularinteressen und gutgemeinter Verschwendung zu verstehen und bessere Alternativen anzubieten".

Point (Frankreich), 28.05.2004

"Die Barbarei kennt keine Zeit", schreibt Bernard-Henri Levy in seiner Kolumne, in der er sich mit den Folterbildern aus Abu Ghraib und mit dem Essay von Susan Sontag dazu auseinandersetzt. Gegen ihr Argument, dass die Aufnahmen und ihre weltweite Verbreitung der Postmoderne mit ihrer "Verrücktheit nach Bildern und dem Virtuellen" geschuldet seien, führt Levy die Dokumente der Wehrmachtsausstellung als eine Art "Präzedenzfall" ins Feld: Schon hier sah man Soldaten, die schäklernd mit ihren Opfern fürs Familienalbum posierten. Obgleich die Situationen nicht vergleichbar seien, wiesen "beide Fälle doch unzweifelhaft eine strukturelle Ähnlichkeit" auf. "Denn die Bilder der Soldaten Jeremy Sivits oder Lynndie England erinnern an die dieser Muschkoten, die keineswegs Mitglieder der SS gewesen sind, sondern es bereits nicht nur für normal, sondern für wichtig gehalten haben, ihre Jagdszenen in Polen zu verewigen, um sie eines Tages ihren Familien und Freunden als Beweis zu schicken."

Moskowskije Novosti (Russland), 28.05.2004

Moskowskije Novosti bespricht in dieser Woche in einem sehr differenzierten Artikel über die soeben in Russland erschienene Biografie Kasimir Malewitsch, den Begründer des Suprematismus. Irina Wakar und Tatjana Michienko, die Autoren des zweibändigen "hoch spannenden, akademischen Monumentalwerkes" mit dem Titel "Malewitsch über sich - Zeitgenossen über Malewitsch", haben Briefe, Tagebücher, Zeitungsartikel sowie bislang geheim gehaltenes Archivmaterial ausgewertet. Nach den neuesten Quellen zu urteilen "war Malewitsch noch viel radikaler als Trotzki oder Lenin", die "im Vergleich zu ihm harmlose Lausbuben" gewesen seien. Über den inzwischen "in derselben Preisklasse wie Rembrandt oder Tizian gehandelten" exzentrischen Maler heißt es weiter: "Malewitsch war der erste Sektenanführer einer totalitären Sekte im 20. Jahrhundert, dem unzählige Anhänger unter dem Banner der nebulösen, magischen Symbolik gefolgt sind, mit dem Ziel, die Welt zu verändern". Berühmte zeitgenössische Kollegen wie etwa "den einfühlsamen Romantiker Marc Chagall" und einige andere habe Malewitsch damit allerdings in die Flucht getrieben.
Anzeige

Revista de Libros (Chile), 28.05.2004

Die Literaturbeilage der chilenischen Tageszeitung El Mercurio hat den hier schon mehrfach zu Wort gekommenen argentinischen Schriftsteller und Journalisten Rodrigo Fresan interviewt. Anlass ist sein neuer, von der spanischen Kritik hochgelobte Roman "Jardines de Kensington", der im Herbst unter dem englischen Titel "Kensington Gardens" bei Fischer auch in Deutschland erscheinen wird. Darin geht es, auf über 500 Seiten, um die Geschichte von James Matthew Barrie, dem Schöpfer von Peter Pan. "Sagen wir, dass Barrie einer dieser Menschen war, die dem verfielen, was Henry James den "Wahn der Kunst" nannte: von seiner eigenen Schöpfung verschlungen zu werden. Für Schriftsteller ist das eine Art Berufsrisiko. Dickens und Hemingway und Fitzgerald und Kerouac sind daran gestorben. Salinger hat es kommen sehen und daher vorgezogen, zu verschwinden. Peter Pan ist nichts anderes als die ideale Sublimierung eines perfekten Albtraumes", erzählt Fresan seinem Interviewer Juan Pablo Meneses. Übrigens lebt er schon seit 1999 nicht mehr in Argentinien. Wie auch sein vor gut einem Jahr verstorbener chilenischer Freund Roberto Bolano hat er sich in der Nähe von Barcelona niedergelassen, von wo aus der Vielschreiber spanischsprachige Kulturbeilagen und Zeitungen mit "mindestens zwanzig monatlichen Artikeln" versorgt . Barrie scheint aktuell zu sein. Das TLS (siehe dort) berichtet, dass auch Andrew Birkin erin Buch über ihn geschrieben hat.

Aus dem Nachlass einer der ganz Großen der lateinamerikanischen Literatur, Manuel Puig, ist indes ein neues Buch erschienen, "Un destino melodramatico", "Ein melodramatisches Schicksal" . Gabriela Goldchluk hat diverse Drehbücher und Roman-Vorarbeiten des Autors von "Der Kuss der Spinnenfrau" zusammengestellt. "Der Frust Manuel Puigs war es, nie so glamourös geohrfeigt worden zu sein wie Rita Hayworth, und auch nicht Lara Turner zu heißen, die so wunderbar weinen konnte. Wie auch Susan Hayward mochte er nicht sterben. Aber wir Menschen sind ein sich wandelnder Widerspruch und Puig musste sich jeden Tag rasieren, wie ein wahrer Macho", befindet Rezensent Vera-Meiggs über den bekennenden Homosexuellen Puig..

Ebenso in Revista de Libros: eine Besprechung von "Cosa de Negros", einem Band mit zwei Kurzgeschichten und zwei Novellen des bislang eher als Dichter und Agitator bekannten Argentiniers Washington Cucurto, im wirklichen Leben Santiago Vega. Die Kritiker der argentischen Tageszeitung Pagina 12 haben dieses Buch zu einer der wichtigsten literarischen Veröffentlichungen des vergangenen Jahres gekürt. In einer oralen, derben, aber gleichwohl barocken Sprache geht es um zumeist illegale lateinamerikanische Einwanderer in Argentinien. Manche davon sind Schwarze. Cucurto malt sich beispielsweise aus, wie sich die Tochter Evita Perons in einen von ihnen unsterblich verliebt. Veranschaulicht werden hier die "Überbleibsel des neoliberalen Albtraumes der neunziger Jahre", meint Rezensent Milton Aguilar. Cucurto ist übrigens Mitbegründer eines bemerkenswerten Verlages, Eloisa Cartonera, der für drei argentinische Pesos ganz besondere Bücher herstellt: Schächtelchen mit Fotokopien, die von Altpapiersammlern aus recyceltem Karton hergestellt werden. Für das Projekt haben schon so namhafte Autoren wie Ricardo Piglia und Cesar Aira unveröffentlichte Texte beigesteuert.

Outlook India (Indien), 07.06.2004

Titelthema mal wieder: "The New Bollywood". Ein Riesendossier informiert uns über neue Stars, über den neuen Regisseur Main Bhi Quentin, über Style, Finance, Music und sogar über "Adult cinema" ("A new promiscuousness swamps our screens as Bollywood goes on testosterone mode"). Sandipan Dep schreibt unter dem Titel "Convergent Cinema": "Natürlich, es ist noch eine Minderheit, aber es gibt einen neuen, immer stärker sichtbaren, wilden Pulk von Dissidenten."
Stichwörter: Bollywood, Dissidenten

Espresso (Italien), 27.05.2004

Wie tragisch aktuell doch die Klassiker sind, seufzt Umberto Eco in seiner Bustina. Von den Griechen ist ein Disput über internationale Gerechtigkeit und das Recht zum Präventivkrieg überliefert, der nach zweitausend Jahren immer noch so geführt werden könnte. Die Griechen erklären den im Krieg gegen Sparta neutralen Bewohnern von Melo, warum sie sterben müssen. "'Eure Feindschaft schadet uns nicht so sehr wie Eure Freundschaft. Eure Freundschaft wäre ein Beweis für unsere Schwäche, wohingegen Euer Hass unsere Stärke ist.' In anderen Worten: Entschuldigt vielmals, aber uns passt es besser, Euch zu unterwerfen als Euch in Ruhe zu lassen, denn so werden wird von allen gefürchtet." Gesagt, getan. Die zivilisierten Griechen erobern Melo und töten alle Männer der Insel.

Im mageren Kulturteil kündigt Cesare Balbo Wim Wenders' neuen amerikakritischen Film an, "The Land of Plenty", während Graziarosa Villani sich dem CD-Sharing widmet. Nach gebrauchten Büchern werden nun auch Tonträger dem anonymen Tausch überlassen. Moses Naim, Chefredakteur von Foreign Policy, macht in einem Rundumschlag alle für das Desaster im Irak verantwortlich: Bush, Blair, Berlusconi, aber auch Chirac, Schröder oder NGOs wie Amnesty International. Im Titel wertet Antonio Carlucci eine Umfrage aus, die in Erfahrung gebracht hat, was die Italiener von Bush&Co halten. Offensichtlich nicht sehr viel, obwohl auch Nicht-Leser des Espresso befragt wurden. So ziehen 71 Prozentder Italiener Bill Clinton vor (die Espresso-Leser), immerhin 17 Prozent favorisieren den jetzigen Amtsinhaber.

Times Literary Supplement (UK), 27.05.2004

Mit großem Interesse hat der Literaturwissenschaftler Peter Brooks gelesen, wie Francois Cusset den Siegeszug des französischen Dekonstruktivismus in Amerika beschreibt ("Foucault, Derrida, Deleuze et les mutations de la vie intellectuelle aux Etats-Unis"). Vor allem, weil dies nicht hätte überraschender kommen können. "Die Landung auf amerikanischen Küsten von Leuten wie Derrida und Foucault, Deleuze und Baudrillard, war eher nicht vorhersehbar. Hier war ein Land, das traditionnell nichts mit Metaphysik am Hut hatte - ein Land, das eher dafür bekannt war, Pragmatismus und rechtlichen Realismus hervorzubringen als philosophische Positionen. Und plötzlich verfiel es einer frankophilen Manie für ein abstruses Denken, das weitgehend aus der - in den USA wenig bekannten - Tradition der europäischen Phänomenologie hervorging und sich einer anstrengend undurchsichtigen Sprache bediente."

Ingrid Wassenaar, die aus ihrer sonstigen Bewunderung für die Literatur- und Sprachtheoretikerin Julia Kristeva keinen Hehl macht, zeigt sich eher enttäuscht von deren Detektivgeschichte "Meurtre a Byzance" (Mord in Byzanz). "Das Problem ist, dass Kristeva in ihrer Fiktion die wissende Sicht derer, die schon alles gesehen haben, bevorzugt. Die Erzählung bewegt sich zwischen den Köpfen ihrer hart gesottenen Protagonisten, die alle mehr über Psychoanalyse wissen als gut für sie ist, und langatmige historische oder literarische Anspielungen. Während das in der polyphonischen Welt von 'Les Samourais' noch bezauberte, ist es hier einfach albern. Jeder Satz erklärt ein kaum aufkeimendes Rätsel."

Weitere Artikel: Auf dem Cover leuchtet uns Beethovens genial-düsteres Antlitz entgegen, und Leon Plantinga feiert das "admirable new book" von Maynard Solomon "Late Beethoven - Music, thought, imagination" (erstes Kapitel). Solomon geht darin unter anderem der Frage nach freimaurerischen Einflüssen in Beethovens Spätwerk nach. An den Memoiren ("Vixi") des emeritierten Harvard-Professors für russische Geschichte Richard Pipes hat Amy Knight besonders fasziniert, wie Pipes die zwei Jahre schildert, die er in Ronald Reagans nationalem Sicherheits-Team verbrachte. Und schließlich lobt Peter Parker Andrew Birkins tiefgehende Biografie des Peter-Pan-Erfinders J. M. Barrie ("J. M. Barrie and The Lost Boys").

Spiegel (Deutschland), 29.05.2004

Aus einem Bericht von Matthias Matussek über die Versteigerung des Nachlasses von Sherlock-Holmes-Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle erfährt man: "Der Holmes-Zyklus begann überhaupt erst mit dem Arzt Dr. Watson, der, zerschossen im Afghanistan-Krieg, versucht, sich im grausamen Dschungel Londons über Wasser zu halten." Und über Nina Hoss, die für ihre Rolle in "Wolfsburg" für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde, schreibt Georg Diez einen ganzen Haufen arg verliebter Sätze - die aber wahrscheinlich alle irgendwie zutreffen: "Nina Hoss ist Glamour im Wollpullover, eine Diva mit politischem Gewissen."

New Yorker (USA), 07.06.2004

Als großen "Manipulator" porträtiert Jane Mayer den wohlhabenden irakischen Bankier und Schiiten Ahmad Chalabi, der seit Jahren an Saddam Husseins Sturz gearbeitet hat. Mayer trägt noch einmal jene "faulen Geschichten" etwa über irakische Massenvernichtungswaffen und eine Verbindung Saddams zu Al Qaeda zusammen, mit denen Chalabi die amerikanische Regierung beliefert hat und die schließlich zur offiziellen Begründung für den Irakkrieg wurden. Die politische Zukunft des inzwischen unbequem gewordenen Informanten, schreibt sie, sei derzeit indes mehr als ungewiss.

In einem Essay denkt Roger Angell über familiäre Erinnerungen nach und erzählt dabei Teile seiner Familiengeschichte ("Erinnerungen sind Fiktion - anekdotische Versionen bestimmter Szenen oder vergangener Ereignisse, die wir für den aktuellen oder zukünftigen Gebrauch speichern"). In einer Glosse macht sich Evan Eisenberg über Bush als "Ohrensesselkrieger" lustig ("Der Ohrensesselkrieger hat keine Angst vor dem Tod, vor allem nicht vor dem anderer Leute"). Henry Hertzberg kommentiert die Rolle des Glaubens im Präsidentenamt. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Suckers" von V.S.Naipaul (mehr).

Besprechungen: Jonathan Rosen beschreibt anlässlich von Veröffentlichungen zum 100.Geburtstag von Isaak B. Singer am 14. Juli wunderbar detail- und kenntnisreich, wie der jiddische Schriftsteller sich in die amerikanische Literatur einführte. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Buch über das "mörderische Meer". Peter Schjeldahl stellt zwei Ausstellungen mit Arbeiten der inzwischen 92-jährigen amerikanischen Malerin Agnes Martin (mehr hier) vor. Alex Ross schreibt über ein einwöchiges Festival, das anlässlich seines 50. Todestags den Komponisten Charles Ives feierte. John Lahr freut sich über die Wiederaufnahme des "subtilen und brillanten" Stücks "Sight Unseen" von Donald Margulies. Und Anthony Lane widmet seine Filmbesprechung heute ausschließlich Roland Emmerichs "The Day After Tomorrow". "Dieser Film beschert uns fraglos das Vergnügen, das Empire State Building in das weltgrößte Eis am Stiel verwandelt zu sehen und lässt uns dann für dieses Vergnügen zahlen, indem er uns belehrt, was für verantwortungslose Bürger wir gewesen sind. Das lasse ich mir vielleicht gerade noch Politikern sagen, nicht aber, fürchte ich, von dem Mann, der ‚Stargate’ gemacht hat."

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über mögliche Veränderungen beim amerikanischen Fernsehsender PBS durch Bemühungen um mehr "Balance" und Lyrik von Jack Gilbert und Maxine Kumin.

Prospect (UK), 01.06.2004

Niall Ferguson wittert die große Chance des Euro, zur weltweiten Reservewährung zu werden. Was dies bedeuten würde, hat de Gaulle 1965 anhand des Dollars, der damaligen (und heutigen) Reservewährung, erklärt - und kritisiert: "Die Vereinbarung, die dem Dollar ein transzendenter Wert als internationale Währung verleiht, hat seine ursprüngliche Daseinsberechtigung verloren. (?) Die Tatsache, dass viele Staaten Dollars akzeptieren, um Amerikas Zahlungsdefizite aufzuwiegen, hat es den USA ermöglicht, sich bei fremden Ländern gratis zu verschulden. In der Tat zahlen sie die Länder, denen sie etwas schulden, in Dollar aus - und Dollarnoten können sie so viele drucken, wie es ihnen beliebt. (?) Diese einseitige Vergünstigung, die Amerika zugebilligt wurde, hat die Vorstellung hervorgerufen, dass der Dollar ein unparteiisches Tauschmittel darstellt, wo es eigentlich ein auf einen einzigen Staat zugeschnittenes Kreditmittel ist." Ausführlich erklärt Ferguson, inwiefern der Euro dem Dollar bald den Rang ablaufen könnte. Aber - "ob das so wichtig ist? Darauf können Sie Gift nehmen."

Weitere Artikel: Der Prinz von Wales hat traditionnell keine festgelegten Aufgaben, und meistens sucht er sich auch keine und wartet auf das Königsein, erläutert Tristram Hunt. Prinz Charles allerdings ist da anders: Ohne einer politischen Richtung verpflichtet zu sein, engagiert er sich politisch - doch auf eher rückwärtig-esoterisch-angehauchte Weise und somit nicht immer zur Freude aller Beteiligten. David Herman denkt darüber nach, warum die neue Art der Geschichtsschreibung dermaßen blutrünstig und gewaltlastig ist. "Könnten Sie die BBC leiten?" Politjournalist David Dimbledy hat zwar den Posten des BBC-Chefs nicht bekommen, doch gibt er Michael Grade, dem neuen Chef, seine Einschätzung der Lage mit auf den Weg. Wie Deyan Sudjic berichtet, wird das schottische Parlamentsgebäude in Edinburgh mehr und mehr zur Finanzkatastrophe (anstatt ursprünglich 40 Millionen Pfund wird es wohl über 400 Millionen kosten). Soviel zu den Kosten - der Wert des von Enric Miralles ersonnenen Meisterwerks sei dagegen unschätzbar. Und schließlich erklärt Jason Burke alles, was man über Al-Quaida wissen muss.