Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
01.09.2003. Outlook India erklärt, warum junge Muslime in Indien so wütend sind. Der Economist findet Polen ganz schön frech. Literaturen genießt den schönen Schrecken der russischen Literatur. Der New Yorker schwärmt von Galileos Jupiter-Mission. Von der New York Times Book Review erfahren wir, dass Patricia Highsmith Frauen nur in sexueller Hinsicht bevorzugte. Der Nouvel Obs erkennt in Andre Glucksmann einen manichäischen General in Kriegslaune. Und im L'Espresso singt Umberto Eco Dante auf Portugiesisch.

Outlook India (Indien), 08.09.2003

Mehr Irrsinn an einem Montag kann sich Outlook India nicht vorstellen. Bomben in Bombay, Mayawatis Rückzug aus der Allianz mit der BJP, neuer Streit um die Moschee von Ayodhya (hier die einzelnen Geschichten des Titelpakets im Überblick).

In seinem Kommentar zu den Anschlägen macht Prem Shankar Jha die Gesellschaft dafür verantwortlich, dass sich die entfremdeten Muslime dem Terror zuwenden. "Die Wahrheit ist, dass die Lashkar- und Jaish-Bewegungen keine Rekruten fänden und die illegale SIMI keine neuen Mitglieder werben könnten, wenn indische Muslime, vor allem die Jugend, nicht mit einem gewaltigen Gefühl der Ungerechtigkeit und dem wachsendem Glauben kämpfen müssten, dass sie keine Zukunft in diesem Land haben. Und wenn sie dann auch kein anderes Land haben, in das sie flüchten können, ist die bewusstlose, zerstörerische Wut das einzig verbleibende Sicherheitsventil. Kurz gesagt lautet das Credo der neuen Terroristengeneration: wenn uns die Zukunft genommen wird, werden wir dafür sorgen, dass die Hindus auch keine haben."

Desweiteren rekapitulieren Priyanka Kakodkar, Manu Joseph und Saumya Roy die verheerenden Bombenanschläge und erwarten weitere. Manu Joseph erstellt zudem ein Profil der neuen Terrorzellen: "motiviert, gebildet, unsichtbar". Charubala Annuncio staunt über die optimistische Börse, die weitermacht, als wäre nichts geschehen.

Chander Suta Doogra beschreibt den neuesten Trick ausreisewilliger Inder. Als Sportler, Sänger oder Tänzer gehen sie auf Tournee, etwa nach Großbritannien, um dann einfach zu verschwinden. V. Sudarshan ist gespannt, was die USA Indien als Gegenleistung anbieten wollen für die geforderte militärische Hilfe im Irak. Und Sanjay Suri gibt exklusive Entwarnung: Eine von Outlook India angestrebte Untersuchung hat ergeben, dass entgegen vorangehender Tests Pepsi und Cola in Indien praktisch pestizidfrei sind. Das könnte allerdings auch an der Jahreszeit liegen.
Archiv: Outlook India

Economist (UK), 29.08.2003

Polen ist ja ganz schön frech, meint der Economist. Nicht nur, dass es sich in erster Linie kurzfristig Finanzspritzen erhofft und den EU- Beitritt fast zum Selbstzweck erhoben haben scheint, es stellt auch noch eine ganze Reihe von Forderungen: erstens soll das Abkommen von Nizza gelten, das den Polen 27 Stimmen im europäischen Parlament sichert (vergleichsweise haben Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien je 29 Stimmen), zweitens soll die Agrarwirtschaft substanzielle finanzielle Hilfe erhalten, drittens möchte Polen keine Abschottung der EU von seinen eigenen Anrainerstaaten (zum Beispiel der Ukraine), und viertens möchte es um der EU willen nicht seine guten Beziehungen mit Amerika aufgeben: "Eine Entscheidung zwischen Amerika und Europa zu treffen kommt 'einer Entscheidung zwischen Vater und Mutter gleich - und wir lieben sie beide', sagt ein Politiker."

Für den Economist ist klar: Um das öffentliche Vertrauen wiederzugewinnen, muss die britische Regierung ein Zeichen setzen und sich öffentlich von der medienwirksamen "spin-doctor"-Politik, und damit von Alastair Campbell verabschieden (was ja auch inzwischen geschehen ist). Bei seiner Anhörung durch Lord Hutton hat es sich wieder einmal gezeigt, so der Economist, Tony Blair trumpft geradezu auf, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht. In Bernard-Henri Levys Sartre-Biografie hat der Economist vor allem die Verben vermisst. Levys Enthusiasmus hingegen sei "äußerst ansteckend". Das anstehende Reformpaket der deutschen Regierung findet der Economist wichtig, doch von einer "Jahrhundertreform" kann bei weitem nicht die Rede sein. Der Economist sieht gleich zwei Damokles-Schwerter über George Bush und seiner Wiederwahl schweben: den Irak und die amerikanische Wirtschaft. Vielleicht ein weiteres Damokles-Schwert: Der Economist vergleicht den Demokraten Howard Dean mit Jimmy Carter. In alter erbfeindlicher Manier erfreut sich der Economist an den armen französischen Politikern, die dieses Jahr allesamt aus ihrem hochheiligen Augusturlaub torpediert wurden. Ziemlich unzufrieden zeigt sich der Economist über den unfairen Verlauf der Wahlen in Ruanda. Und schließlich erklärt der Economist den Unterschied zwischen "rationalen" und "behaviouristischen" Wirtschaftstheorien.

Leider nur im Print zu lesen ist, ob die USA das Columbia Space Shuttle aufgeben werden.
Archiv: Economist