Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Eine Logik des Standpunktes

09.04.2019. Wired erzählt von den Versuchen in Raqqa, die Leichen in den Massengräbern des IS zu identifizieren. La vie des idees begegnet polnischen "Patrioten", die keine kritischen Geschichtsdebatten wollen. Bloomberg erklärt, warum der Sudan nicht die Kornkammer Afrikas ist, die er sein könnte. Der Guardian porträtiert Freaks und Geeks des politischen Telemarketings. In Himal setzt Taran N Khan ihre große Reportage über afghanische Flüchtlinge in Deutschland fort.

Dieser Schatten ist eher blau?

02.04.2019. Das nepalesische Magazin Himal bringt eine große Reportage über afghanische Flüchtlinge in Deutschland. Im Merkur möchte Aleida Assmann die Wende nicht nur westlichem Kolonialismus, sondern auch östlichem Freiheitsbegehren zuschreiben. Respekt schöpft Hoffnung aus der Wahl der neuen slowakischen Präsidentin. Der New Yorker lernt von Henry Louis Gates Jr., wie vergeblich die Hoffnung auf Gleichheit für die Afroamerikaner schon 1865 war. En attendant Nadeau feiert die Kunst der Nabis. Die New York Times reiht die Israel-Kritik in den amerikanischen Kampf gegen weiße Vorherrschaft ein.

Viel riskantes Spiel

26.03.2019. Der New Yorker blickt nach Brasilien, wo nicht erst seit Jair Bolsonaro die drei Bs herrschen: beef, bullets and bibels. In Lidove noviny spricht die Schriftstellerin Kateřina Tučková über die Erinnerung an die Vertreibung der Sudetendeutschen. Die New York Review of Books annonciert eine Revolution in Tunesien, wenn Frauen bei Erbschaften künftig die Hälfte bekommen. Der Guardian packt einen Caravaggio aus. La vie des idees fragt, wie "garrosianisch" die amerikanischen Verfassung ist.

Der Kampf zwischen Gehirn und Geldbörse

19.03.2019. Die London Review of Books erzählt, wie der Westen dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman auf den Leim ging. MicroMega liest ein Buch über die Fassade der Homophobie in der Katholischen Kirche. Harper's berichtet über die Tücken internationaler Adoptionen. La Vie des Idees ist mit Cas Mudde dem Populismusbegriff auf der Spur. Die LA Review of Books erwärmt sich mit Musikkritiker Mark Fisher für die Notwendigkeit, Urteile zu fällen.

Zwei Formen derselben Psychose

12.03.2019. Vanity Fair lernt von den Brüdern Gupta, wie man ein fremdes Land übernimmt. Im Streit über den Unterschied zwischen Antizionismus und Antisemitismus sieht der Guardian die Linke als Universalisten. In Livemint widersprechen ihm indische Frauen, die Salman Rushdie verteidigen. Und in der NYRB kritisiert Wole Soyinka den Kulturrelativismus Barack Obamas in Sachen Islam und Frauenrechte. American Scholar fragt sich, wie klassische Musik zum Markenzeichen des Bösen werden konnte. Der New Yorker legt dankend das Mauserückengrau von Farrow & Balls zurück.

72 Mikrosaisons

05.03.2019. Die London Review schildert die atemberaubende Dreistigkeit, mit der sich die Elite in Simbabwe bereichert. Im Merkur beschreibt die Soziologin Cornelia Koppetsch die Spaltung der bürgerlichen Mittelschichten. Im Guardian ahnt Dave Eggers, warum Donald Trump wiedergewählt werden könnte. Die Paris Review stellt eine Meisterin manipulativer Doppelzüngigkeit vor: die Dichterin Letitia Elizabeth Landon. Die New York Times begutachtet einen unbekannten Rembrandt.

Weiße Magie

26.02.2019. Im New Yorker blickt Jill Lepore auf ihren Konkurrenten: den Roboter. Die New York Times seufzt: gut bezahlt macht auch nicht glücklich. In Aeon erinnert der Arabist Bruce Fudge an eine Hauptfigur aus Salman Rushdies "Satanischen Versen": Ibn Abi Sarh, der seine Autorschaft über die des Propheten stellte. In Eurozine huldigt Javier Cercas dem allesfressenden, mutierenden Monster Roman. Hyperallergic erzählt, wie Aserbaidschan die Spuren der Armenier ausradiert. In Ceska pozice blickt David Runciman ins faltige Gesicht der Demokratie.

Das Konversations-Web

19.02.2019. Das New York Times erklärt, wie jeder Nordkoreaner durch das Songbun-System von Geburt an in eine Skala der ideologischen Zuverlässigkeit eingeordnet wird - ohne dass man ihn über seinen Platz in der Hierarchie informiert. In Magyar Narancs kritisiert der Cellist István Várdai die Musikausbildung in Deutschland. La Vie des Idees feiert die erste Gesamtausgabe des großen Filmkritikers André Bazin. Wired steigt ein in die kommende "Mirrorworld", während auf Eurozine Richard Sennett den Facebook-Einwohnern empfiehlt, mal in die Stadt zu gehen.

Dichterisch unerschöpflich

12.02.2019. Jair Bolsonaro mag genauso unbeherrscht sein wie Donald Trump, hält die LRB fest, aber er ist viel gebildeter. Topic besucht die Cherokee-Indianer in North Carolina, wo es zwei Mal im Jahr Geld regnet. Im New Statesman fürchtet John Gray, dass kein Weg mehr aus der Welt der Massenüberwachung herausführt. Mississippi Today fragt, wie schwarze Frauen in den USA häuslicher Gewalt entkommen können, wenn sie sich nicht an die Polizei wenden. Und Elet es Irodalom verfolgt mit Entsetzen, wie die Agitprop-Konzerne der ungarischen Regierung jetzt selbst konservative Zeitungen kapern.

Eine Wundertütensituation

05.02.2019. In Harper's geißelt Lionel Shriver den Impuls, Werke entehrter Künstler auszulöschen. In Longreads erzählt Jeff Gold, was er Schönes im Müll des Stooges-Managers Danny Fields fand. Die NYRB lässt sich von Fintan O'Toole die Überlegenheitstechniken der britischen Upperclass erklären. In Novinky erzählt die in Brasilien lebende Schriftstellerin Markéta Pilátová von ihrem "Roma". La Vie des Idees amüsiert sich mit einer Geschichte des französischen Buchdrucks. Der New Yorker macht grenzüberschreitende Gesangserfahrungen mit einem "Roomful of Teeth".