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17.06.2025. New Lines fragt: Soll der Sudan Elon Musk dankbar für Starlink sein oder ihn wegen der wegfallenden USAID-Hilfe hassen? Der New Yorker recherchiert, wie sehr die Kürzungen Musks den USA schaden können. Natan Sznaider liest für den Merkur Pankaj Mishras Buch "Die Welt nach Gaza". IStories stellt Vladimir Vedeneev vor, ohne den es kein Telegram gäbe. Die NYRB versucht sich ein Myanmar nach den Generälen vorzustellen. In HVG versucht sich György Spiro ein Ungarn mit einem zahlungsunfähigen Budapest vorzustellen.
New Lines Magazine (USA), 16.06.2025
Die Sudanesen hätten allen Grund Elon Musk zu hassen, meint Yassmin Abdel-Magied, denn seine radikalen Kürzungen bei der Behörde USAID hatten tödliche Folgen für die Bevölkerung: "Einem aktuellen ACAPS-Bericht zufolge führten die Arbeitsstopps zur Schließung von 900 der 1.400 Gemeinschaftsküchen, die schätzungsweise 2 Millionen Menschen versorgen." Gleichzeitig ist der Sudan komplett abhängig von Musks Starlink-System, denn vor allem im Krieg spielte und spielt die Telekommunikation eine große Rolle. Während regionale Internetanbieter landesweit ihre Dienste auf Geheiß der Regierung abschalteten, blieb Starlink für viele die einzige Möglichkeit zu kommunizieren: "Im Sudan sind Kommunikationsstörungen katastrophal. Sie verwehren der Bevölkerung nicht nur den Zugang zu Informationen über sichere Gebiete und Routen, die Verteilung von Hilfsgütern und Gesundheitsdiensten, sondern treffen auch die Finanzen der Haushalte im Kern. Bargeld ist knapp. Ohne Internet kommt das Mobile Banking - das wichtigste funktionierende Finanzsystem des Landes - zum Erliegen und bringt die ohnehin schwächelnde Wirtschaft zum Stillstand. 'In diesem Zusammenhang', so Affan Cheema, Leiterin der internationalen Programme der Hilfsorganisation Islamic Relief Worldwide, gegenüber New Lines, 'war Starlink für viele Menschen eine Lebensader und die einzige Option.'" Einerseits besteht also "kein Zweifel daran, dass der Dienst von Starlink lebensrettend ist. Andererseits ist klar, dass die von Musk vorangetriebenen Kürzungen der USAID zu Todesfällen im Sudan und wohl auch weltweit führen werden." Diese Erkenntnis könnte man natürlich nutzen, sich zu überlegen, warum der Sudan so abhängig ist von den Launen eines einzelnen Amerikaners und wie man das ändern kann. Aber den Zeigefinger zu heben, ist bequemer: "'Ich glaube nicht, dass Elon Musk den Sudan überhaupt kennt', sagt die Grassroots-Aktivistin und Sängerin Alsarah gegenüber New Lines. 'Er hat größere Ziele im Blick. Er sieht nicht die Menschen, ihm geht es um die Technologie.'"New Yorker (USA), 16.06.2025
Für den New Yorker analysiert Benjamin Wallace-Wells, was in Donald Trumps und Elon Musks Department of Government Efficiency (DOGE) in den letzten Monaten angerichtet hat. Ein Beispiel ist die quasi ruinierte U.S.A.I.D., die US-Behörde für Entwicklungshilfe: "Vor DOGE hatte U.S.A.I.D. eine führende Rolle beim Sammeln von Gesundheitsdaten über Kinder- und Müttersterblichkeit, Krankheitsfälle, Unterernährung und den Zugang zu sauberem Wasser in ärmeren Ländern gespielt. Nun war die Möglichkeit, diese Informationen zu sammeln - 'das Frühwarnsystem für die nächste Pandemie', wie der ehemalige U.S.A.I.D.-Leiter Andrew Natsios es ausdrückte - nicht mehr gegeben. Ein Netzwerk von Hilfsorganisationen hatte eine globale Lieferkette für Medikamente, antiretrovirale Mittel und Impfstoffe aufgebaut. Es ist nun unklar, was mit den Verträgen für dieses System geschieht, die einige Milliarden Dollar pro Jahr kosten und von U.S.A.I.D. bezahlt werden. 'Es gibt keine Möglichkeit, diese Dinge ohne große Vertragspartner zu tun, da es sich um weltweite Verträge handelt', sagte Natsios. 'Keine N.G.O. kann diese Lücke füllen.' Die Beamten der DOGE sahen sich mit einer einfachen Haushaltswahrheit konfrontiert: Die radikale Kürzung der D.E.I.- und humanitären Programme sparte nicht viel Geld. Die Ausgaben von U.S.A.I.D. beliefen sich im letzten Haushaltsjahr auf rund vierzig Milliarden Dollar, weniger als ein Prozent des gesamten Bundeshaushalts. Natsios betonte jedoch, dass die USA infolge der Kürzungen mit einer schwierigeren Welt konfrontiert sein würden. In den nächsten zwei Jahren rechne er mit einer verstärkten Massenmigration und Instabilität aufgrund von Hungersnöten. Er sei ein bekennender Anti-Trump-Republikaner, sagte er. 'Aber die Verantwortung hierfür liegt bei Musk', sagte er. 'Er ist derjenige, der mit Mord davonkommt.'"Weitere Artikel: Daniel Immerwahr denkt über die Absurdität von Trumps Faszination für den 25. US-Präsidenten William McKinley (1843-1901) nach. Was nur wurde aus den Frauen der #MeToo-Bewegung, fragt Alexis Okeowo in einem Brief aus Alabama. Siddhartha Mukherjee beschreibt die Schwierigkeiten der Früherkennung von Krebs. Amanda Petrusich hört Addison Rae. Lesen dürfen wir noch Yiyun Lis Erzählung "Any Human Heart".
Elet es Irodalom (Ungarn), 13.06.2025
Zensur oder Selbstzensur kann sich auch positiv auf sprachliche Gestaltung auswirken, überlegt Sophie Képès, französische Autorin und Übersetzerin mit ungarischen Wurzeln, im Interview mit Benedek Várkonyi - ohne Zensur damit rechtfertigen zu wollen. "Schriftsteller in Ländern, die in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts jahrzehntelang echte Tragödien erlebt haben, beklagten sich nicht, sondern suchten nach Möglichkeiten, sich frei zu äußern. Trotz Zensur und Selbstzensur. Ich habe mich eingehend mit entsprechenden literarischen Praktiken nach dem zweiten Weltkrieg befasst. Auch der Zwang sorgt für interessante Literatur. Wenn man begabt ist, kann man unter Zwang außergewöhnliche Dinge schaffen. Die großen ungarischen Schriftsteller oder auch Danilo Kiš, den ich sehr schätze und der halb ungarisch ist, haben Formen erfunden, die dem ähneln, was in Lateinamerika in dieser Zeit gemacht wurde. Das ist sehr seltsam, aber ich finde es interessant, schön und wertvoll. Für mich sind ästhetischer und moralischer Wert stets miteinander verwoben. Der Geist des Widerstands, die Fähigkeiten und die Intelligenz, die es ihnen ermöglichten, zu schreiben und äußerst originell zu sein, ist mir sehr vertraut."Merkur (Deutschland), 16.06.2025

Istories (Lettland / Russland), 10.06.2025
New York Review of Books (USA), 26.06.2025
Wie könnte eine bessere Zukunft im seit Jahrzehnten von Bürgerkriegen geplagten Myanmar aussehen? Das fragt sich Francis Wade angesichts heftiger Kämpfe, die nach einem Militärputsch im Jahr 2021 ausgebrochen sind. Eine breite Koalition wehrt sich inzwischen gegen die Militärs, angeführt vom National Unity Government (NUG). Allerdings ist die Opposition auch untereinander zerstritten, sie zerfällt vor allem in der Peripherie in eine Reihe ethnischer Gruppierungen, die untereinander oftmals verfeindet sind. Außerdem schwelt ein Konflikt zwischen den buddhistischen Bamar, die die Bevölkerungsmehrheit stellen, und den zahlreichen kleineren Ethnien. Wade glaubt nicht, dass das Konzept eines starken Zentralstaats eine gute Perspektive darstellt für ein post-Bürgerkriegs-Myanmar: "In einem sehr weiten Sinne haben die Konflikte es den Menschen ermöglicht, sich einen Staat vorzustellen, der nicht mehr durch seine Ursprünge in imperialer Eroberung und aggressiver zentralistischer Herrschaft gefesselt ist. Wenn man - wie viele im Widerstand - versucht, die zentripetale Kraft des Militärs, der Nationalen Liga für Demokratie oder jeder anderen Instanz zu entfernen, von der aus Autorität vom Zentrum nach außen strömt, beginnt Myanmar weniger wie ein moderner Nationalstaat auszusehen und mehr wie das Flickwerk von Machtzentren, die das Gebiet in den Jahrhunderten vor der Kolonisierung prägten. Glaubt man der Junta, bedeutet dieser Weg eine Fragmentierung und den Zusammenbruch des Staates - ein Szenario, das für die Bevölkerung katastrophale Folgen hätte. Doch wie der verstorbene Politikwissenschaftler und Südostasien-Experte James C. Scott einst fragte: 'Warum den 'Zusammenbruch' beklagen, wenn damit meist die Auflösung eines komplexen, fragilen und typischerweise unterdrückerischen Staates in kleinere, dezentralisierte Fragmente gemeint ist?' Die Entstehung neuer politischer Einheiten in Myanmar deutet darauf hin, dass eine Mehrheit darin den einzig gangbaren Weg sieht, den Konflikt zu beenden."Dissent (USA), 10.06.2025
Die Bevölkerung von Kuba schrumpft dramatisch, erzählt Andrés Pertierra, der selbst bis 2013 in Kuba gelebt hat. Die Menschen haben die letzte Hoffnung ins Regime aufgegeben. Dieses setzt dem Exodus kaum mehr Widerstand entgegen. Corona, die Sanktionen der ersten Trump-Regierung, der Wegfall von Sponsoren wie Russland, sind einige Faktoren dieser Schrumpfung: Die Bevölkerung der Insel lag mal bei 11 Millionen Menschen, jetzt sind es wohl noch knapp über 8 Millionen, vermutet Pertierra. "Vielleicht hätten vor Jahren Marktreformen auf dem Land einen Wirtschaftsboom wie in China und Vietnam in den Achtzigern ausgelöst, aber heute ist das ländliche Kuba zunehmend unbewohnt, nur noch Geisterstädte, bevölkert von alten Menschen, die so verarmt sind, dass sie nicht einmal mehr Zugtiere besitzen. Ausländische Hilfe aus Russland, China, Mexiko und Venezuela hat das Land vor dem völligen Zusammenbruch bewahrt, aber keiner der Unterstützer Kubas ist bereit, die massiven Subventionen zu gewähren, die nötig wären, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Und selbst mit mehr Geld würde es Jahre dauern, die marode Energieinfrastruktur des Landes, die chronische Stromausfälle verursacht, zu ersetzen. Und es ist schwierig, eine Wirtschaft ohne Strom zu betreiben."Auch die taz hatte gestern eine längere Reportage über Kuba, auf die hier hingewiesen sei. Die Rentner, die manchmal noch die Revolution miterlebten, "stehen inzwischen ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie auf der Insel", schreibt Knut Henkel. "Viele von ihnen verkaufen auf der Straße die Tageszeitung Granma, das Sprachrohr der kommunistischen Partei, oder das Gewerkschaftsblatt Trabajadores. Auch Schlangestehen für Ausweisdokumente, vor den Lebensmittelläden oder für ein Ticket für den Überlandbus wird oftmals von den Senioren übernommen, die sich nützlich machen, wo immer sie können - aber das wird andererseits auch von ihnen erwartet."
London Review of Books (UK), 17.06.2025

The Insider (Russland), 12.06.2025
HVG (Ungarn), 12.06.2025
Anlässlich seines neuen historischen Romans, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielt, spricht der Schriftsteller und Dramatiker György Spiró mit Zsuzsa Mátraházi über gesellschaftliche Veränderungen in Ungarn, die sich entlang der Geschichte der Hauptstadt nachzeichnen lassen. Spiró betrachtet die heutige Situation Budapests mit besorgtem Blick, denn der von der Opposition geführten Stadt werden von der Landesregierung zunehmend Mittel gestrichen und so die möglichen Konsequenzen der Zahlungsunfähigkeit als politische Waffe eingesetzt - was enorme Auswirkungen auf das gesamte Land hätte: "Eine solche Reihe von gesellschaftlichen Umwälzungen, wie sie im 19. Jahrhundert in Ungarn stattfanden, sehe ich heutzutage nicht. Das ist es, was in meinem Roman so spannend zu verfolgen war. Vielleicht blicke ich auf die Entstehung des modernen Ungarn vom Ende her zurück, und deshalb erscheinen bestimmte Ereignisse in einem anderen Licht und weniger selbstverständlich, als sie bisher dargestellt wurden (...) Aber jetzt, während das Interview geführt wird, ist die Situation absurd. Es herrscht zwar noch Frieden, aber er ist völlig unterminiert worden. (...) Wenn Budapest pleite geht, gehen ein Drittel oder gar die Hälfte der nationalen Produktion verloren, und das Leben wird im ganzen Land zum Stillstand kommen. Selbst die Experten haben mangels Erfahrung keine Vorstellung von den Folgen dieser Situation. Ich sehe vielleicht Gespenster, habe keinen Zugang zu den Entscheidungsträgern, ich höre nur die Nachrichten und ängstige mich."Prospect (UK), 11.06.2025
In der Techbranche gilt es als ausgemacht und nur folgerichtige, unabwendbare Entwicklung: Nach der Künstlichen Intelligenz (KI) kommt die Allgemeine Künstliche Intelligenz (AKI) - das ist der Punkt, ab dem eine KI in fast allen Belangen kenntnisreicher und leistungsfähiger ist als Menschen es je sein könnten. Dahinter steckt der Fetisch von KIs, die auf jegliches menschliche Fassungsvermögen übersteigenden Datenmengen beruhen, schreibt Daron Acemoglu, der keineswegs per se gegen KI ist, sich aber eine Einhegung ihrer zerstörerischen Potenziale in ein der Emanzipation der Menschen verpflichtetes Projekt wünscht: "Auch ist es wichtig festzustellen, dass, selbst wenn die AKI im kurzen Zeitrahmen nicht entwickelbar ist, der unablässige Versuch, dies zu tun, beträchtlichen Schaden verursachen kann. Ein wichtiger Aspekt dieses Schadens wäre, dass dadurch alternative Richtungen vernachlässigt würden, die die menschlichen Fähigkeiten mächtig erweitern könnten. ... Diese Zielvorgabe wird wahrscheinlich eher mit bereichspezifischen Modellen erreicht, die qualitativ hochwertige Daten umfassen, welche die Kompetenz der am besten ausgebildeten und erfahrensten menschlichen Arbeiter umfasst. Die Träume von einer AKI könnten dem im Wege stehen."New York Times (USA), 09.06.2025

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