
Mahmoud Habboush
führt in die Besonderheiten der
Dschahili-Dichtung ein, eine altarabische Kunstform aus der Zeit
vor dem Aufstieg des Islam im 7. Jahrhundert nach Christus. Habboush erklärt, dass die Dschahili-Dichtung ein ganz besonderes Merkmal hat, nämlich den Ausdruck "einer Lebenserfahrung
vor der modernen Trennung zwischen Mensch und Natur, Subjekt und Objekt, innerem Gefühl und äußerer Welt." Die "alten arabischen Traditionen, die Dichtung als Besessenheit durch einen Dschinn verstanden, bergen eine bemerkenswerte Intuition: Dichterische Rede entspringt nicht einem distanzierten, beobachtenden Selbst, sondern einer Kraft, die den Dichter ergreift und Welt, Körper, Erinnerung und Gefühl zugleich in die Sprache einfließen lässt." Als Beispiel nennt er einige Gedichtzeilen des beduinischen Dichters
Imru al-Qays, der als der größte Dichter der vorislamischen Zeit gilt. In seinen Gedichten manifestiere sich diese spezielle "unmittelbare und partizipatorische Präsenz der Natur":
"Und eine Nacht, gleich den Wellen des Meeres, senkte ihre Schleier über mich,
mit aller Sorgfalt, um mich zu prüfen."
Die Nacht "bringt Kummer nicht als abstrakte Idee. Ihre Sorgen kommen mit der
Schwere der Meereswellen, die auf seiner Brust lasten. Diese Zeile findet sich etwa in der Mitte des Gedichts, nach einem fulminanten Auftakt, der von einer Klage über Lagerplätze über den Schmerz unerfüllter Liebe bis hin zu erotischem Prahlen über das Verweilen mit hochgeborenen Frauen und das Eindringen in geschützte Räume der Intimität reicht. Hier erinnert er uns daran, dass er nachts, vielleicht wenn er nicht mehr in den Bann einer Geliebten tritt, mit seinen endlosen Sorgen allein ist. Vielleicht liegt hinter dieser Einsamkeit die alte Geschichte seiner Verbannung durch seinen Vater, sofern wir dieser weitverbreiteten Tradition überhaupt Bedeutung beimessen. In der nächsten Zeile, in einem einzigen Akt, als befänden wir uns in einem surrealen Traum, nimmt die vom Meer beschwerte Nacht den Körper eines kamelartigen Tieres an:
"So sprach ich zu ihm, als es seine Lenden ausstreckte,
nachfolgte mit seinen Hinterläufen und stemmte sich mit seiner Brust nach unten."
"Nacht, Meer, Kamel, Trauer und menschliches Bewusstsein sind alle in dieselbe Ordnung eingebunden", so Habboush, sie "wirken aufeinander ein und werden voneinander beeinflusst. Die Nacht gleicht der Welle in ihrer Ausdehnung und Schwere und dem Kamel in seiner Streckung, seinen Hinterläufen und seiner schweren Brust. Trauer kommt nicht nur als inneres Gefühl, sondern wird
von dieser Nacht getragen, als wäre sie eine materielle Last, die auf der Brust drückt."
Farea Al-Muslimi
zeichnet nach, wie die schiitisch-islamistische
Miliz der Huthi als Teil der "Achse des Widerstandes" zwischen Iran, Syrien, aber vor allem mit der Hilfe der Hisbollah im Libanon wuchs und sich verselbstständigte. In den frühen 2010er-Jahren begannen die gemeinsamen Bestrebungen der iranischen Revolutionsgarden und der libanesischen Terrororganisation, ihren Einfluss auf den Jemen auszudehnen und gezielt Huthi-Kämpfer auszubilden. Den Höhepunkt dieser Zusammenarbeit bildete die Einnahme der jemenitischen Hauptstadt Sanaa durch die Huthi, erklärt der Autor. Der Krieg mit Israel führt jedoch zu einer Veränderung der Dynamik: "Die
Tötung Hassan Nasrallahs im Jahr 2024 markierte einen bedeutenden Bruch. Weitere Operationen legten Schwachstellen innerhalb der internen Systeme der Hisbollah offen, darunter Geheimdienstlücken, die eine präzise Tötung hochrangiger Kommandeure an mehreren Fronten ermöglichten. Dieser Druck schränkte die Fähigkeit der Hisbollah ein, im gleichen Umfang im Ausland zu operieren. Ihre Präsenz im Jemen wurde eingeschränkt, Kämpfer wurden abgezogen und ihre Sichtbarkeit verringert. Auch das regionale Umfeld veränderte sich. Der Zusammenbruch des Regimes von Baschar al-Assad in Syrien entfernte eine
zentrale Säule des Hisbollah-Netzwerks. In diesem Kontext gewannen die Huthi an Bedeutung. Sie sicherten sich die territoriale Kontrolle, weiteten ihren Einflussbereich aus und entwickelten ihre militärischen Fähigkeiten weiter. Sie benötigten die Hisbollah nun deutlich weniger als zuvor." Die Hisbollah hatte ein Monster geschaffen, das sie nun nicht mehr kontrollieren konnte: "Obwohl die Huthis heute dank der Hisbollah (und damit indirekt auch des Irans) regional und innenpolitisch deutlich stärker sind, agieren sie lokal und international, unabhängig vom Schicksal ihrer Verbündeten. Ihre Angriffe im Roten Meer im Jahr 2023 sind ein Beispiel dafür: Der Iran, der eine Eskalation fürchtete, bat sie, keine Angriffe auf internationale Lieferungen zu starten. Doch ungeachtet dessen und mit den durch den Iran und die Hisbollah gewonnenen Kapazitäten handelten die Huthis nach
ihren eigenen Prioritäten."