Magazinrundschau - Archiv

Film Comment

30 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 3

Magazinrundschau vom 14.08.2018 - Film Comment

Zu einem sehr konzentrierten Gespräch hat sich Yonca Talu mit der Kamerafrau Agnès Godard getroffen. Es geht insbesondere um Godards Zusammenarbeit mit der Regisseurin Claire Denis und deren physischer Art, Filme zu inszenieren. Dabei steht die Regisseurin immer sehr dicht neben der Kamerafrau, erklärt Godard: "Ihre Art und Weise, so nahe und präsent zu sein, war für mich ein großer Ansporn, weil ich wusste, dass sie wusste, was ich zu sehen bekomme, wenn ich durch das Okular schaue. Das heißt, sie weiß, wie die Linse den Raum sieht, sie weiß, was auf dem Bild zu sehen ist, und was ich filme, indem sie die Kamerabewegung beobachtet. Ich habe diese Form der Nähe nie als eine Art Überwachung erfahren, sondern ganz im Gegenteil als eine Art Neugier, etwas, das beinahe schon einem Staffellauf gleicht, bei dem die Läufer die Stafette weiterreichen. Ich fühlte mich dann immer so, als ob ich jetzt an der Reihe bin, um loszulaufen, mich ganz ins Zeug zu legen und etwas zu riskieren. Wir führen ausführliche Gespräche und suchen lange nach Drehorten, aber Claire gibt einem nie Beschreibungen an die Hand, wie eine Einstellung auszusehen hat. Sie stellt alles an seinen Ort und schaut dann um sich, wie andere, und auch ich selbst, sich umschauen. Das ist das Gute daran, denn Deine Aufgabe ist es nicht, etwas zu filmen, was bereits beschrieben oder auf ein Blatt Papier gezeichnet wurde, sondern ganz im Gegenteil, etwas zu filmen, was jetzt in diesem Augenblick geschrieben wird. Das ist sehr befreiend."

Außerdem schreibt Regisseur Olivier Assayas darüber, wie sehr Ingmar Bergman dem Gegenwartskino fehlt.

Magazinrundschau vom 22.05.2018 - Film Comment

In Cannes präsentierte Filmemacher Christopher Nolan eine neugezogene 70mm-Kopie von Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" - diese als "unrestauriert" bezeichnete Version (da sie ohne digitale Schnickschnack-Aufwertungen daherkommt) wird künftig auch auf Tour gehen, unter anderem Ende des Monats in Berlin. Im Gespräch mit Eric Hynes gibt sich Nolan einmal mehr als passionierter Kämpfer für das analoge Filmmaterial zu erkennen: "So wie das Medium Film 1968 existierte, war es dem, was wir heute haben, deutlich überlegen. ... Allmählich sickert das Bewusstsein für die Tatsache ein, dass unsere neuen Systeme inadäquat sind, wenn man sie mit den Fotokameras vergleicht. Sie tun einfach etwas Anderes. Digitaltechnologie hat viele Probleme gelöst, etwa was die Abnutzung von Kopien betrifft. Und sie gestattete einen erheblichen Schritt in Richtung Präsentationskonsistenz. Doch für mich ist das eine McDonald's-Herangehensweise - und ich sage das, obwohl ich ein Fan von McDonald's bin: Alles ist gleich, Sterne-Küche ist es nicht. Man dampft alles auf ein konsistentes Level ein, doch dieser Level befindet sich unterhalb dessen, was Filme sein können. Und darum war es mir letzte Nacht gegangen. Man konnte den Film speziell auf dieser Leinwand sehen, in einer Präsentation, die in ihren Details genau durchdacht war - und zwar von Stanley Kubrick. Die Lichter gehen langsam aus, dann spielt die Ouvertüre und zwar eine Ouvertüre, die direkt vom Filmstreifen kommt. Während die Musik spielt, laufen Schwarzbilder durch den Projektor - genau wie beim Intervall und der Musik, nach der Texttafel 'The End'. Da spielen nochmal sieben Musik auf sehr niedriger Lautstärke, während die Leute den Saal verlassen. Und genau das ist heute wichtig. Es geht nicht darum, die Vergangenheit zu fetischisieren. Sicher, wir alle haben diese Neigung, aber mir geht es darum zu sagen: 'Aufgepasst, wir verlieren da gerade etwas.' ... Wir müssen zurückfinden zu der Auffassung, dass, wenn ein Filmemacher einen Film macht, die Aufführung Teil seines Ausdrucks ist. Sie ist Bestandteil der kinematischen Geschichte, die wir konstruiert haben."

Magazinrundschau vom 10.10.2017 - Film Comment

Regisseur Todd Haynes verbindet die nostalgische Ästhetik von period pieces mit der Sensibilität eines Auteurs, der seine Stilmittel bedacht und reflektiert einsetzt. Jetzt hat er "Wonderstruck" vorgelegt, die Verfilmung eines Romans von Brian Selznick, einen Film mit zwei Zeitsträngen, die sowohl im New York der Zwanziger, als auch im New York der Siebziger spielen. Für Kameramann Ed Lachmann, Produktionsdesigner Mark Friedberg und den Filmemacher selbst eine enorme Herausforderung, wie sie im Interview gegenüber Michael Koresky erklären. "Die eine Periode war eine Zeit des Aufstiegs, des Überflusses und des Wachstums, wohingegen die andere eine des Elends, des Nihilismus und der Beschwernis ist", sagt Friedberg."Und ironischerweise befindet sich New York derzeit eher in einer Phase des Überflusses. Was es auf sonderbare Weise schwieriger machte, die 70er in der Stadt anzutreffen als die 20er. Die 70er hat man einfach weggeschrubbt. Derzeit ist es in der Stadt nicht möglich, etwas so Heruntergekommenes zu finden, was in den 70ern noch als gute Nachbarschaft gegolten hätte.. Ich bin in dieser Zeit in der Upper West Side aufgewachsen und als ich mir die Bilder von damals angeschaut habe, war ich im höchsten Maße erstaunt. Da flogen uns Mengen an Müll um die Knie. Grundstücke standen frei. Die waren Schutt. Die Verzweiflung war nicht nur emotional. Sie war greifbar, sie war da." Der Trailer vermittelt einen ersten Eindruck:


Stichwörter: Haynes, Todd, New York, 70er, 20er

Magazinrundschau vom 22.08.2017 - Film Comment

An Interviews mit Regisseur Steven Soderbergh herrscht derzeit kein Mangel (siehe die Mags vom 8. August). Anregend sind seine Gedanken über die Zukunft Hollywoods und der Filmproduktion dennoch jedesmal. Im Interview mit Amy Taubins berichtet er von "Mosaic", einer Kriminalstory, die in einer App erzählt wird. "Es handelt sich um eine Geschichte mit unterschiedlichen Erzählzweigen. Solche Erzählzweige sind nichts Neues, aber moderne Technologie gestattet jetzt eine elegantere, intuitivere Form als früher - zumindest hoffe ich das. Wir haben lange darüber nachgedacht, wie sich das anfühlen soll. Ich wollte sichergehen, dass es schön und simpel ist, damit es sich organisch und bruchlos anfühlt, sobald man die Gelegenheit hat, die Erzählperspektive zu wählen. ... Es wird eine lineare Version geben, die im Januar auf HBO laufen wird. Auch wenn ursprünglich gedacht war, dass es im Idealfall wirklich nur eine App werden soll. Ich bot HBO die Möglichkeit an, einen linearen Schnitt zu erstellen, weil ich mehr Geld brauchte, um die Technologie zu entwickeln. Ich habe also dort angerufen, und sagte: Ich habe hier viel Material übrig, das es nicht in die App geschafft hat. 'Ich kann euch eine sechsstündige Version machen und die ist dann eigenständig.' Na sicher doch, sagten sie."

Neben ihren gefeierten, eigenständigen Alben legten die Krautrocker von Can auch eine ganze Reihe von Soundtracks vor. Mit einigen davon - und den dazugehörigen Filmen - befasst sich Margaret Barton-Fumo eingehender. Anders als bei den Studioalben, die aus einem kollektiven Schaffungsprozess entstanden, gab es bei diesen Produktionen eindeutigere Arbeitsstrukturen. "Irmin Schmidt handelte als der Vermittler der Band. Gemeinsam mit Schnittmeister Peter Przygodda kommunizierte er mit dem Regisseur, während sie sich gemeinsam die Sequenzen ansahen, die mit Musik unterlegt werden sollten. Dann beschrieb er der Band den Film, die die Musik, wie gewohnt, gemeinsam entstehen ließ. Can komponierte viele Soundtracks auf diese Weise, auf Grundlage der von Schmidt referierten Eindrücke. Daher rührt auch die gelegentliche Dissonanz, die charakteristisch ist, wenn Cans Musik und ein Film aufeinandertreffen. Manchmal passen die unorthodoxen Klänge und bizarren Texte nicht ganz zu den Filmen." Was sich vom Auftakt zu Roland Klicks Neo-Western "Deadlock" so nicht sagen lässt - hier passt kein Blatt Papier zwischen Musik und Montage:


Magazinrundschau vom 08.08.2017 - Film Comment

Erst wenn man eine Außenperspektive einnimmt, zeigt sich einem die wahnwitzige Karriere von Mario Adorf in ihrem tatsächlichen Ausmaß. Diesen Job übernimmt dankenswerterweise Nick Pinkerton von Film Comment, der sich für ein episches Interview mit dem Schauspieler zusammengesetzt hat - ein reicher Schatz von Anekdoten, in dem sich auch nochmal die Dynamiken des europäischen Nachkriegskinos abzeichnen. Auch um Adorfs italienische Filmkarriere geht es dabei, zum Beispiel seine Rolle in Fernando Di Leos Gangsterthriller "Der Mafiaboss - Sie töten wie Schakale" aus dem Jahr 1972 und eine atemberaubend waghalsige Szene darin: Adorf drehte sie selbst - weil die italienischen Stuntmen, die ihn doublen sollten, allesamt zu schmächtig waren. "Di Leo ließ mich also auf diesen Minibus aufspringen, die ganze Szene über. Das war sehr, sehr, sehr schwierig. Er wollte, dass ich mit meiner Stirn die Windschutzscheibe zerschlage. ... Und er hatte die Idee, dass ich während der Fahrt die Tür dieses Minibusses öffnen sollte, doch die Tür ging nicht auf. Drei Rippen brach ich mir dabei, drei Rippen. Dann sollte ich nach vorne springen und es hieß, da wären dann Griffe, damit ich mich festhalten kann. Da waren aber keine, ich konnte mich also nicht gut festhalten. Dann ging es durch den Verkehr von Mailand. Auf den Straßen befanden sich keine Autos von uns - das war alles echter Straßenverkehr. Und da sausten wir dann mit 80 Sachen durch und ich vorne dran an dem Bus. Also dachten wir nach: Wie kriege ich während der Fahrt die Windschutzscheibe zu Bruch? Mir kam da eine Idee, ich sagte: 'Setze einen Techniker mit einem Hammer rein - sobald ich meine Kopfbewegung ausführe, schlägt er von innen an die Scheibe.' Das hat wunderbar geklappt. ... Dann waren wir endlich am Ende angekommen. Doch als wir auf die Straße fielen, sollte ich noch diesem Kerl hinterher wetzen. Eine lange, sehr lange Verfolgungsszene - und ich mit meinen gebrochenen Rippen. Das Rennen fiel mir sehr schwer. Das war hart, sehr hart. Aber wissen Sie, diese Arbeit gefiel mir. Ich war immer sehr glücklich, wenn ich keinen Stuntman nehmen musste."

Hier die angesprochene Szene in voller Länge - Chapeau, Herr Adorf!


Magazinrundschau vom 07.02.2017 - Film Comment

Still aus Still aus Laida Lertxundis "Vivir para vivir/Live to Live"
R. Emmet Sweeney unterhält sich für Film Comment mit der Experimentalfilmemacherin Laida Lertxundi, deren auf analogem 16mm-Material gedrehte Arbeiten sich an den Traditionen des strukturellen Films und dessen Begriff von Zeit als Medium orientieren. In "Vivir para Vivir/Live to Live" etwa machte sie Signale ihres eigenen Körpers zum formgebenden Prinzip: "Das hat mir viel Spaß gemacht, zum Doktor zu gehen, ein Kardiogramm zu erstellen und mich daran zu orientieren, um Rhythmus und Struktur eines Films zu finden. Wenn man über den Körper nachdenkt und darüber, wie man ein verkörpertes Werk herstellt, dann ist dies buchstäblich die definitive Methode. ... Tashi Wada nutzte das Kardiogramm für den Soundtrack und erstellte die Komposition mit dem Harmonium, das man später im Film über den Bergen hört. Ich liebe es, wie das Bild zu Klang wird. Auch wenn es mein abstraktester Film ist, steckt da doch soviel Körperlichkeit drin. Der Teil am Ende, mit den blauen und roten Feldern, entstammt der Aufnahme eines Orgasmus, die dann durch einen Synthesizer gejagt wurde - das Blau ist die Aufnahme des Himmels über dem Death Valley und das Rot ist das, was dabei entsteht, wenn man die Kamera öffnet und das Ende der Filmrolle der Sonne aussetzt."

Magazinrundschau vom 10.01.2017 - Film Comment

Bevor Stephen Bannon das rechtspopulistsche Onlinemagazin Breitbart News leitete und in Donald Trumps Beraterteam aufstieg, hatte er sich als Filmproduzent und in jüngeren Jahren auch als Regisseur reißerisch-rechter Dokumentarfilme versucht. Die an Riefenstahlschem Erweckungspathos nicht armen, ästhetisch aber einigermaßen schäbigen Machwerke sind wahrlich kein cineastischer Genuss, erklärt Jeff Reichert. Aber sie bieten Einblicke in die Geisteswelt jenes Milieus, das mit Donald Trumps Präsidentschaft nun direkten Einfluss auf die Weltgeschicke ausüben kann. Denn "am interessantesten und gefährlichsten an diesen Filmen und ihrem Macher sind nicht deren mangelndes Interesse an Wahrheit und Fakten, oder die Art und Weise, wie sie eine der heutzutage am häufigsten verwendeten visuellen Ästhetik ('unscripted') huckepack nehmen oder wie sie mittels der Verbindung aus beidem populistische Wut anstacheln. Es ist ihre tiefsitzende Traurigkeit und was diese für die weitere Gesundheit unserer Nation in Aussicht hält. Das sind Filme, die sich schmerzlich nach einem Amerika sehnen, das ein gewisser Teil der Bevölkerung für verloren hält oder das sie verloren zu gehen drohen sehen. Hinter all dem Gepolter, Bombast und durchgeknallten ästhetischen Entscheidungen verbergen sich tief nostalgische, verängstigte und melancholische Filme. ... Wie viele Männern seines Alters bedauert es Bannon, nicht Teil der Greatest Generation zu sein - in der Männer noch Männer waren, gen Europa zogen und eindeutige Siege über eindeutige Feinde errangen - und seine Filme führen oft zurück zum Zweiten Weltkrieg, zu Hitler und Stalin. Er betrachtet Geschichte wie ein kleiner Junge, dessen Perspektive so schwarz-weiß ist wie die TV-Western, die er als Kind wahrscheinlich gesehen hat."

Martin Scorseses neuer Film "Silence" ist eine Verfilmung eines im 17. Jahrhundert spielenden Romans des japanischen Schriftstellers Shusaku Endo, der darin die Geschichte zweier Jesuiten in Japan erzählt. Ein Herzensprojekt des Regisseurs, der mit der Idee einer Verfilmung jahrelang schwanger gegangen ist. Woran es unter anderem lag, dass die Umsetzung so lange dauerte, verrät er im großen Interview Nick Pinkerton: "Ich habe die japanischen Filme einfach nicht aus meinem Kopf gekriegt. Wo die Kamera positionieren? Auf der Höhe eines Tatami? Die alte Geschichte eines Manns aus dem Westen in Japan. Ich bin kein Japaner. Ich kann Natur oder die Ziegel eines Daches nicht so einfangen wie Kobayashi das im Vorspann zu 'Samurai Rebellion' gemacht hat." Der deutsche Kinostart von "Silence" ist im März.

Für das Blog des Film Comment hat sich Jordan Cronk zudem mit der Berliner Regisseurin Angela Schanelec unterhalten.

Magazinrundschau vom 29.11.2016 - Film Comment

Regisseur Paul Schrader schreibt ausführlich über seine langjährige Faszination für den japanischen Regisseur Yasujiro Ozu, dessen Werk er zahlreiche filmtheoretische Impulse verdankt. Unter anderem geht es auch um Ozus Kameraeinstellungen, die berüchtigt dafür sind, das Geschehen aus einer deutlich niedrigeren Höhe zu zeigen als die meisten anderen Filme. "Die Kritiker sprechen davon (...), dass diese Kamerapositionierung der Blickhöhe eines Menschen entspricht, der auf dem Fußboden sitzt. Doch Ozu schießt auch Büroszenen, in denen jeder steht oder auf Stühlen sitzt, aus dieser Höhe. Ich denke daher, dass es nicht so sehr darum geht, der Blickachse eines Menschen zu entsprechen, der auf einer Tatami-Matratze hockt. Es geht um Mangel an Freiheit, um Selbstrestriktion. In 'Passing Fany' bewegt er die Kamera und dies sogar auf einem Dolly. Als er weitere Filme drehte, bemerkt er: 'Ich brauche keinen Dolly.' Es geht also um mehr als nur einen 'japanischen Blickwinkel', es geht um die Idee, Freiheit in der Einschränkung und Zurückhaltung zu finden. Das ist gar nicht mal unähnlich dem, was eine Person in einem Kloster sagen würde: nur mit dieser Art des Rituals, nur in dieser Art asketischen Lebens, gelingt es mir, mich tatsächlich frei zu fühlen."

Dazu ein Ausschnitt aus "An Autum Afternoon", Schraders Lieblings-Ozu:


Magazinrundschau vom 22.11.2016 - Film Comment


Szene aus Mad Fox, 1962.

Eine New Yorker Retrospektive bietet derzeit die Möglichkeit, den im westlichen Ausland nahezu unbekannten Regisseur Tomu Uchida kennenzulernen, durch dessen Werk Marc Walkow führt. Zu entdecken ist dabei ein Regisseur, der sich unter den Bedingungen des japanischen Studiosystems stilistisch immer wieder gewandelt hat. "Uchida steht in der Tradition der Genre-Stilisten aus Hollywoods Goldenem Zeitalter vom Schlage eines Anthony Mann oder Raoul Walsh. Als solcher legte er zwar einen wenig erkennbaren persönlichen Stil an den Tag, um ihn als Auteur nach dem französischen Verständnis des Begriffs aufzufassen. Doch die durchgängig hohe Qualität seiner Arbeiten und seine Befähigung, in einer Vielzahl von Genres zu brillieren, kennzeichnen ihn als Regisseur, dessen (Neu-)Bewertung durch die Kritiker überfällig ist. Sein Werk sperrt sich auch jeder Schubladisierung. Seinem Ruf als Regisseur historischer Kostümdramen steht zum Beispiel 'The Eleventh Hour' aus dem Jahr 1957 entgegen, ein sozialrealistisches Ensemble-Melodram über eine Rettungsaktion nach einem Mineneinsturz, das sich mit allem misst, was in Hollywood zur selben Zeit herausgekommen ist. Zugleich zeichnete Uchida aber auch verantwortlich für einige der besten Schwertkampffilme der fünfziger und sechziger Jahre." 2005 wurde Uchida bereits schon einmal wiederentdeckt - im Zuge dessen brachte die taz damals ein großes, auch heute noch lesenswertes Porträt.

Magazinrundschau vom 08.11.2016 - Film Comment

Die vor 20 Jahren aufsteigenden Hoffnungen, das Kino würde schwule, lesbische, Trans- und queere Personen besser repräsentieren, haben sich nicht erfüllt, stellt Mark Harris in einem Überblick zum Stand der Dinge fest: Die Akzeptanz hinter den Kulissen mag gestiegen sein und während die im Zeitalter von VoD allerdings völlig vernischten Indie-Filme sich entsprechenden Themen zwar selbstverständlich nähern, ist dergleichen im Mainstreamkino allenfalls im Mikrobereich zu beobachten. Auffällig ist aber, dass sich vor allem das Fernsehen offener gegenüber homosexuellen und queeren Menschen zeigt. ... In den meisten Filmen ist niemand einfach bloß da, sondern aus einem ganz bestimmten Grund. Und Hollywood hat noch immer keinen wirklichen Dreh gefunden, hier LGBT-Leute ins Bild zu rücken. Vor einem Vierteljahrhundert lautete die Parole der Aktivisten noch 'Wir sind hier, wir sind queer, gewöhnt euch dran.' Dem Fernsehen verschaffte dies einen Vorteil: Leuten dabei behilflich zu sein, sich an etwas zu 'gewöhnen', ist eine Spezialfähigkeit des Mediums. Im Kino jedoch übersetzte sich diese Nachricht in ein 'Ihr seid hier, ihr seid queer, ihr habt gewonnen, begriffen, aber können wir jetzt bitte weitermachen?'"

Weiteres: Violet Lucca plädiert dafür, den kreativen Anteil, den Digitaleffekt-Künstler an der fertigen Gestalt von Filmen haben, als ästhetische Leistung zu würdigen und die Arbeiter der Anonymität und Ruhmlosigeit zu entreißen. Eric Hynes schreibt über 40 Jahre Steadycam. José Teodoro unterhält sich mit Pablo Larraín.