Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
13.05.2002. In der LRB erklärt Yitzhak Laor, warum die israelische Armee nicht aufhören kann zu kämpfen. In Outlook India meint Anita Pratap, das Indien von Europas Erfahrung mit dem Rechtsextremismus lernen kann. Der Spiegel fürchtet um den Kapitalismus in den USA. Der Economist glaubt an Europa. Die NYT Book Review stellt den Roman einer entflohenen Sklavin vor.

London Review of Books (UK), 09.05.2002

In der London Review sucht der israelische Schriftsteller Yitzhak Laor (mehr hier) verzweifelt nach Erklärungen für Israels Verhalten gegenüber den Palästinensern und riskiert einen kritischen Blick in die Seele seiner Landsleute: "Israelis look to punish anyone who undermines our image of ourselves as victims. Nobody is allowed to take this image from us, especially not in the context of the war with the Palestinians, who are waging a war on 'our home' - that is, their 'non-home'. When a Cabinet minister from a former socialist republic compared Yasir Arafat to Hitler, he was applauded. Why? Because this is the way the world should see us, rising from the ashes. This is why we love Claude Lanzmann's 'Shoah' (and even more his disgusting film about the IDF) and 'Schindler's List'. Tell us more about ourselves as victims, and how we must be forgiven for every atrocity we commit. As my friend Tanya Reinhart has written, 'it seems that what we have internalised' of the memory of the Holocaust 'is that any evil whose extent is smaller is acceptable'." (Der Text ist übrigens auch auf der Adresse von Gush Shalom zu finden.)

Außerdem bespricht Michael Wood Mario Vargas Llosas historischen Roman "Das Fest des Ziegenbocks" über den dominikanischen Diktator Rafael Leonidas Trujillo, der LRB-Essay sympathisiert mit einer Untersuchung über Outlaws und Wegelagerer im alten England, Jerry Coyne zeigt Respekt gegenüber dem (freilich gescheiterten) Versuch des Philosophen und Wissenschaftshistorikers Michael Ruse, Darwinismus und Christentum unter einen Hut zu bringen.

Und Jenny Turner ist bemüht, für den "proletarischen Postmodernisten" Stewart Home und seinen neuen Roman "69 Things to Do with a Dead Princess" (einen von sehr, sehr vielen) um Aufmerksamkeit zu werben, indem sie erklärt, Homes Bücher kämen daher wie "schnell geschnittener Trash", aber mit einer Botschaft.

Profil (Österreich), 12.05.2002

Anlässlich der Premiere von Thomas Bernhards letztem Stück "Elisabeth II." am 30. Mai äußert sich Burgschauspieler Gert Voss in einem profil-Interview über Theater und mittelmäßige Politik-Schauspieler: Politiker wie Haider kämen nur politikfrustrierten Menschen entgegen und würden um ihrer politischen Existenz willen lügen. Thomas Bernhard habe Fallen gestellt, meint Voss Es gebe immer Tragisches und Komisches in seinen Stücken, denn Bernhard habe Eindeutigkeit gehasst. Im übrigen sei es "pervers", wenn man ihn jetzt als eine Art Nationaldichter betrachte, da man ihn zu Lebzeiten zum Staatsfeind erklärt habe. Die Umgehung des testamentarischen Aufführungsverbots seiner Stücke in Österreich sei für das Theater wunderbar, für den Dichter traurig. Aber Bernhard, der ein "High-Noon-Leben" geführt habe, das ihn zu "herrlichen Hass-Arien getrieben" hätte, sei auch selber voller Widersprüche gewesen. Peter Handkes Kosovo-Position habe Voss, obwohl er anderer Meinung gewesen sei, nicht irritiert. "Was mir aber bei ihm gefällt, ist, dass er Einspruch erhoben hat gegen das weltweite Einverständnis zur Richtigkeit des Krieges." In Handkes neuem Stück, das 2003 unter der Regie von Luc Bondy uraufgeführt wird, spielt Voss einen Mann, der mit der U-Bahn "Weltstationen" abfährt und dabei die ganze Welt verfluche.

Profil widmet aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Vienna Art Orchestras dem Bandleader, Komponisten und Arrangeur Mathias Rüegg ein ausführliches Porträt. Es begann am 19. Mai 1977 in Jazz-Gittis legendärem Lokal am Wiener Bauernmarkt, als Rüegg, statt einen Piano-Soloabend zu geben, mit ein paar Freunden auftrat. Es "drängten sich 150 Leute im Lokal, zehn Prozent davon auf der Bühne: Musiker, Bildhauer, Tänzerinnen - einer bediente eine Schreibmaschine". Das Happening und Szene-Spektakel wurde zum Gründungsakt des Vienna Art Orchestra, das heute zu den führenden europäischen Big Bands gehört. 1978 erschien die erste Single, "Jessas na", 1979 das erste Album, "Tango from Obango", von dem spektakuläre 10.000 Stück allein in Österreich verkauft wurden. Nach 30 weiteren Platten und zwei-drei Generationenwechseln im Orchester gab es über 800 weltweite Auftritte. Im Dezember wird Mathias Rüegg 50 Jahre alt, und er könnte dann, das hoffen zumindest Jazzfreaks, in 25 Jahren das erste halbe Jahrhundert mit dem Vienna Art Orchestra feiern. Keep swinging ...
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Outlook India (Indien), 20.05.2002

Indien hat Gujarat, Europa hat Haider, Le Pen und bis vor kurzem Pim Fortuyn. Aber es hat dem Subkontinent auch etwas Entscheidendes voraus, meint Anita Pratap in einem Beitrag für das Magazin: "Why is Europe so determined to crush radical right-wingers who are campaigning on an agenda of jingoism, racism, hate doctrine and intolerance? (Sounds familiar?) Simply because this agenda has already been tried and tested by Hitler and Mussolini with disastrous consequences, plunging Europe to war and ruin. Mainstream Europeans don't want to flirt with that danger ever again. They realise that grave social and economic problems can be tackled only through sound, effective policies. Right-wing demagogues and divisive politics strike emotional chords and may even yield short-term gains, but they inevitably push a nation to disaster. There is much for us to ponder over French President Jacques Chirac's warning: 'The history of democracy shows that every time the extreme right succeed in taking power legally, things ended very, very, very badly.'"

Außerdem: Der Aufmacher ist der Fußballweltmeisterschaft gewidmet. In einem Interview verrät die für Film und Fernsehen zuständige Ministerin Sushma Swaraj, wie das indische Kino den Weltmarkt erobern will (in Cannes z.B. mit einer Hommage an den Filmemacher Raj Kapoor). Ein Artikel sieht in dem Bombenanschlag von Karachi einen Protestakt gegen Musharrafs Entscheid, den Krieg gegen den Terror mitzukämpfen. Wir lesen ein Porträt des Selfmademannes und Hotelmagnaten Mohan Singh Oberoi und erfahren, wie gekonnt Rohinton Mistry in seinem Roman "Family Matters" das langsame Sterben eines Familienoberhaupts in Bombay erzählt.
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New Yorker (USA), 20.05.2002

Vor gut einem Jahr erschoss ein weißer Polizist in Cincinnati ohne Not den jungen Schwarzen Timothy Thomas. Mark Singer beschreibt, wie schwer sich die Stadt Cincinnati mit der Aufarbeitung dieses Ereignisses tut, das Proteste der schwarzen Bevölkerung und einen Aufruf zum wirtschaftlichen und touristischen Boykotts der Stadt nach sich zog. "With hindsight, a lot of people in Cincinnati, black and white, maintain that what happened to Thomas was entirely predictable. Three weeks before he was shot, a civil-rights lawsuit was filed in federal court against the city, alleging a pattern of 'discrimination in policing': a predilection for treating black people differently from whites, not only by stopping and searching them in disproportionate numbers (racial profiling) but by subjecting them to gratuitously intimidating tactics (dogs, pointed guns, chemical sprays, abusive language). These violations were compounded, the lawsuit maintained, by more than thirty years of politically expedient-but unfulfilled-promises from city officials to reform police practices."

Besprochen werden die neue Star-Wars-Episode"Attack of the Clones" von George Lucas, der gut gefallen hat, "obwohl der Plot für alle über 15 Jahre völlig unverständlich" sei, und der neue Film von Woody Allen "Hollywood Ending", der den Kritiker zu der Bemerkung veranlasst, er wisse nicht so genau, ob er "Woody Allen jemals wieder auf der Leinwand sehen" wolle.

Rezensiert werden außerdem zwei Biografien über die Queen, und ausdrücklich gelobt werden die Erinnerungen eines ehemaligen Wall-Street-Brokers, "Confessions of a Street Addict". "Bellicose, self-justifying, coarse, infantile, lovable, and even, at times, saintly, (he) resembles Dostoyevsky's hero in 'The Gambler', who hurls himself at the flames because life without risk would be unbearable."
Archiv: New Yorker

Economist (UK), 11.05.2002

Wie angeschlagen ist Europa? Unverdrossen hält der Economist zum alten Kontinent und ruft in seiner Cover Story: Alles halb so schlimm! Alles übertrieben! Le Pen? Von Chirac längst auf die Plätze verwiesen. Pim Fortuyn? Sein Tod - eine Ausnahme eher als der Auftakt zu einer Gewaltwelle in Holland. Der neue Rassismus? Habe keine Chance, den allgemeinen öffentlichen Diskurs zu vergiften wie anno 1930, sei aber im übrigen "nicht überraschend" und keinesfalls ein rein europäisches Phänomen. "Europe has, indeed, had a shameful few weeks. It has problems galore. The frustration expressed against complacent and arrogant elites by the French who voted for Mr Le Pen or by the Dutch who may yet vote for Mr Fortuyn's party is salutary. But Europe is far from irredeemable."

In die große Debatte ums Klonen, die in den USA im kommenden Monat ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen wird, wenn der Senat über den "Human Cloning Prohibition Act" abstimmt, schaltet sich ein Beitrag ein, der ausnahmsweise auch die Argumente der Befürworter notiert: 1. Die potentiellen Vorteile sind immens ("The National Academy of Sciences estimates that 100m Americans could benefit from stem-cell therapies. Cloning, they claim, is a better technology for harvesting stem cells because it could mitigate problems of tissue rejection"); 2. Das Argument von der "schiefen Bahn", auf die ein Gewährenlassen führen würde, verfängt nicht ("there is already a huge supply of human eggs that could easily move on to a black market"); 3. Ein Verbot wäre unsinnig, solange andere Länder das Klonen erlaubten; und 4. Man hätte mit einem "talent drain" sondergleichen zu rechnen. Vom vielen Geld klonwilliger Kunden, das dem Staat durch die Lappen ginge, ganz zu schweigen.

Außerdem bietet die Ausgabe den ultimativen Opern-Festival-Kalender für den Sommer, diskutiert den britischen Gesetzentwurf zur Deregulierung des Rundfunkrechts und seine Eignung als Murdoch-Stopper und legt einen Wissenschaftsartikel zum Thema Urbanisation vor, der erkennt: In der Stadt ist es besser, aber auch voller.
Archiv: Economist

Spiegel (Deutschland), 13.05.2002

Im Titeldossier geht's wieder mal dem deutschen Bildungswesen an den Kragen. Jochen Bölsche erwägt den Umbau des gigantischen Gesamtsystems, vom Kindergarten bis zur Universität, und damit bestimmt nichts mehr schief geht, erklärt uns Günther Jauch die Bedeutung des Allgemeinwissens.

Ein Artikel fürchtet, die USA verlören nach Enron und den jüngsten Enthüllungen krimineller Methoden bei Merrill Lynch noch den Glauben an den Kapitalismus. "Wieder einmal haben die zuständigen Aufsichtsorgane nichts bemerkt, allen voran die SEC, jene hoch gelobte Börsenbehörde, die doch geradezu als Musterbeispiel effektiver Kapitalmarktkontrolle galt. Wieder einmal haben alle Vorschriften und Regularien, die einen fairen und vor allem rechtmäßigen Wertpapierhandel sicherstellen sollen, einfach versagt." Bislang verhielten sich die Anleger zwar besonnen. "Doch jeder neue Skandal könnte den Umschlag bringen - mit verheerenden Folgen für Wachstum, Nachfrage, Beschäftigung und damit die gesamte Weltkonjunktur."

George Lucas plaudert im Spiegel über die neue Star-Wars-Folge mit dem reichlich dämlichen Titel "Episode II - Angriff der Klonkrieger" - den ersten volldigital aufgenommenen Film, wie Lucas schwärmt, der diese Technik epochal findet, vergleichbar "mit dem Wechsel von der aufwendigen Fresko- zur weitaus vielseitigeren Ölmalerei". Genauer heißt das: Das Bild ist schärfer, man kann auf aufwendige Kulissen verzichten, und der Schauspieler wird sich an eine Beckettsche Existenz in der Blue Box gewöhnen müssen.

Einem anderen Interview mit dem US-Militärstrategen Richard Perle ist zu entnehmen, das die USA Saddam Hussein so ziemlich alles, den verfeindeten Parteien in Nahost aber nur sehr wenig zutrauen. Und ein sicher lesenswerter Essay von Cees Nooteboom zur Lage seiner Nation bleibt den Lesern der Printausgabe vorbehalten.
Archiv: Spiegel

Express (Frankreich), 09.05.2002

Unter den goldenen Worten "Le President" lächelt Jacques Chirac in Siegerpose auf dem Titelblatt der Sonderausgabe des Express, die sich in dieser Woche den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen widmet. Noch hundert Tage bleiben Chirac bis zu den Parlamentswahlen am 18. Juni 2002, stellt Eric Mandonnet fest. "Wir werden sofort Reformen ansetzten, für die die Franzosen reif sind, nämlich Reformen in den Bereichen Steuern und Sicherheit und noch keine in den Bereichen Rente und Bildung.", sagt Fillon. Der Präsident will sein Volk nicht enttäuschen.

Der Präsident kündigt also Reformen an, aber keineswegs Änderungen der französischen Verfassung. "Man muss diese französische Manie aufgeben, jedesmal wenn es eine Regierungskrise gibt, die Republik verändern zu wollen", ereifert sich Patrick Devedjian, Anwalt und Abgeordneter der RPR. Und weiter: "Wir haben den 'Conseil constitutionnel', der Grundlage eines Rechtsstaates ist. Eine Verfassung hat zu tun mit Kultur, mit Rechtsprechung, mit Zivilisation. Das alles jetzt über den Haufen werfen zu wollen, wäre so, als ob man die Bibliothek von Alexandria niederbrennen wollte!"

Der Express bringt ein langes Porträt des neuen Präsidenten Jacques Chirac. Die Franzosen haben sich nicht geirrt, Chirac vertritt starke demokratische Überzeugungen. Trotzdem hat er schon oft während seiner langen Karriere die Seite gewechselt.

Jacqueline Remy analysiert die Rolle Bernadette Chiracs, die ihrer Meinung nach einen entscheidenden Beitrag zur Wahl des Präsidenten beigetragen hat. Vielleicht, weil sie sich nach wie vor "Bichette" nennen lässt und sogar den Inhalt ihrer Handtasche preisgibt, glaubt Remy.

Denis Jeambar kommentiert die Wahlen und resümiert: "Trotz der Niederlage Le Pens am vergangenen Sonntag, sind die Präsidentschaftswahlen eine politische Tragödie, die Frankreich unterwandert. Wir tanzen noch immer auf dem Vulkan, mit verbundenen Augen und die überraschten Blicke des Rests der Welt sind auf uns gerichtet. Wir haben unsere Grundwerte verraten und sind alle verantwortlich für dieses Verbrechen."

Außerdem: Michel Faure stellt eine neue historische Studie über das Terrorregime Pinochets vor, "Le Dossier Pinochet" von Dominique Rizet und Remi Bellon. Neue japanische Bücher empfiehlt Michel Grisolina. Besprochen werden "Mes annees Picasso" des Journalisten Georges Tabaraud, der mit dem Maler eng vertraut war (die Besprechung finden Sie hier, und die ersten Seiten lesen Sie hier) und "Teen Sprit" von Virginie Despentes, der Autorin des skandalumwitterten Romans "Baise moi" (lesen Sie hier). Der Express versammelt zudem eine Reihe neuer lesenswerter, aber auch einfach schöner Kunstbücher - passend zum schönen Monat Mai.

Und: Wider das Vergessen - auch im Netz: Mit einem interaktiven Training können Sie ihre Neuronen glücklich machen.
Archiv: Express

Espresso (Italien), 16.05.2002

Magere Zeiten im Wochenmagazin aus Rom: Zum einjährigen Firmenjubiläum der Regierung-Berlusconi stellt Giampaolo Pansa Eckdaten der "wahrhaft italienischen" Lebensgeschichte des Silvio B. zusammen. Pier Paolo Filippi notiert die Nominierungen für die diesjährigen Webby-Awards (mehr hier); mit dabei u.a. die Seiten des Vatikan und der U.S. Army.

Und Eugenio Scalfari räumt zwar ein, es gebe viel zu bedenken dieser Tage, wendet sich in seiner Kolumne aber erst mal dem eher beinlastigen Fußball zu und erzählt die Geschichte des Lazio-Fans, der lieber für Inter Mailand schwärmt als für den anderen römischen Fußballclub Roma. Typischer Fall von Bruderhass (s. Kain und Abel, Romulus und Remus etc.), befindet Scalfari und parallelisiert das Sportstück vom Affekt gegen den Allernächsten den französischen Parlamentswahlen und dem Schicksal des "Bruders" Jospin. Man sollte, so Scalfari, anstelle von Ideen doch vielleicht besser die Leidenschaften studieren an den Universitäten ...
Archiv: Espresso
Stichwörter: Roma, Vatikan

New York Times (USA), 12.05.2002

Die Rezensentin ist baff: Dieser Mann hatte Knochenkrebs, seine Lebenserwartung schien gering, er aber lehnte die Chemotherapie ab, zog es vor, weiter zu leben und ein Buch über seinen Fall zu schreiben, "in a spare, wry, backhanded style reminiscent of the great English novelist Penelope Fitzgerald", und für Natalie Angier "the most persuasive case for alternative medicine that this skeptical, generally dismissive reader has yet come across". "I don't know", schreibt Angier, "what I'd do if I were to come down with myeloma, and who knows whether the author's extended survival can be attributed to anything he ate, breathed or expelled; maybe he was one of the statistical outliers found in every patient population. Nevertheless, there is something to be said for challenging the use of toxic chemotherapy regimens when a cure is out of the question." Hier ein Auszug aus Michael Gearin-Toshs "Living Proof".

Ein gleichfalls ganz außergewöhnliches Buch stellt Mia Bay in der Review vor: "The Bondwoman's Narrative" (Leseprobe), entstanden um 1850, ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur der allererste Roman einer schwarzen Autorin, sondern auch der einzige, der je von einer entflohenen Sklavin geschrieben wurde. Ein Erfahrungsbericht über die Sklavenzeit aus erster Hand! Dass das Buch der Hannah Crafts darüber hinaus auch noch "immens unterhaltend" geschrieben ist, wie Bay erklärt, macht die Überraschung perfekt: "Its distinctive charms lie in its unusual combination of genres. A slave narrative rich in insight, 'The Bondwoman's Narrative' is also enlivened by conventions drawn from both Gothic and sentimental novels. Always interesting, if only intermittently well written, it uses its various genres to mobilize the dramatic potential inherent in its setting in the slave South."

Zu lesen gibt es außerdem (und zu hören) neue Lyrik von Peter Sacks, ferner über die Biografie, die Sue Graham Mingus über ihren Mann, die Jazzlegende Charles Mingus verfasst hat (Auszug "Tonight at Noon"), Susannah Meadows zeigt sich enttäuscht von Hari Kunzrus so hoch dotiertem Debütroman "The Impressionist", und Margo Jefferson schwärmt von den Essays des Kunstkritikers John Berger.