Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
24.04.2004. Die NZZ widmet ihre Beilage Kanada: der Mythologie Vancouvers, dem Aroma Montreals, den schlechten Manieren der Quebecois und dem Eros Torontos. Die taz schwärmt von Eriwan bei Nacht. Die FR schreibt über ein Interview, das Bettina Röhl mit Marcel Reich-Ranicki geführt hat. In der SZ verteidigt Burkhard Müller den gottlosen Kontinent Europa. Die FAZ besucht den Kunstzar Surab Konstantinowitsch Zereteli in Moskau. In der Welt feiert Fritz J. Raddatz den großen Jean Amery.

NZZ, 24.04.2004

Ach, man muss die NZZ doch einfach lieben. Heute stellen die Schweizer in ihrer Beilage Bilder und Zeiten Geschichte und Kulturschaffen Kanadas vor - einfach so.

Vier kanadische Schriftsteller porträtieren ihre Stadt: "Wir leben in Mythologie. Wir sind der Natur überschrieben", schreibt George Bowering über die Einwohner Vancouvers, der Stadt am Rand der Welt. "Keine Mauer in unserer Stadt ist so alt wie die Klostermauern im Zentrum von Montreal. Aber von unseren Fenstern aus sehen wir Gestein, das Milliarden Jahre älter ist als jeder menschliche Ehrgeiz, und es verlangt uns, ihm nahe zu sein. Wir sehen, wie jedes Jahr menschlichen Daseins darauf seine Spuren hinterlässt - Flecken, Wunden, protzige Eigenheime, die wie Schorf an den kühnen Berghängen am Nordufer unserer Bucht kleben."

"Es gibt tausend Montreal", musste Monique Proulx lernen, als sie vor fast zwanzig Jahren dorthin zog. Heute ist Montreal "nicht mehr ein Haufen von Mosaiksteinen ohne jeden Zusammenhalt. Die Stadt hat sich gemausert, und mittlerweile kann man im Herzen ihrer Kontraste etwas ausmachen, das nur zu Montreal gehört, etwas Grundlegendes und Authentisches, eine Idee, ein Aroma. Ja, nennen wir es ein Aroma. Es ist pikant und überraschend, etwas kriminell, mi-cru mi-cuit."

"Eros fließt in den Straßen Torontos", schreibt die Dichterin Anne Michaels. "Lang vorher und lange danach stellte ich mir vor, die Stadt zu entkleiden, wie man einen Geliebten entkleidet: jedes Mal auf andere Art. In ihren Falten lagert das Begehren eines ganzen Lebens, ist in schmale Durchgänge und Cafes geschlüpft; wie Gebete, die sich in den Mauerritzen eines Tempels verkrochen haben."

Neil Bissoondath hat Quebec City aus "schierer Liebe" erwählt. Er erzählt von einem alten Mann, "der unlängst meinen Blick auffing, als ich im Fischgeschäft auf meine Lachstranchen wartete. Er lächelte: 'Teuer, aber gut für die Gesundheit!' Wir wechselten ein paar freundliche Worte, und als ich den Laden verließ, folgten mir sein Lächeln und ein herzhaftes 'Bonne journee!'. Vor der Tür nickte mir ein anderer Unbekannter zu ... Man sieht, die Bürger von Quebec City sind ein rückständiges Völkchen. Sie haben noch nicht kapiert, dass der städtische Gesellschaftskodex solche Kontakte zwischen Fremden untersagt - dass derlei, nun ja, irgendwie unmanierlich ist." Na, dann können wir Berliner uns ja was auf unsere Manieren einbilden.

Weitere Artikel: Beat U. Wieser beschreibt Kanadas Geschichte der Bikulturalität. Jeffrey Simpson, politischer Kommentator bei der kanadischen Tageszeitung The Globe and Mail, erläutert die Unterschiede zwischen Kanada und den USA. Jürgen Heizmann liefert Notizen zum kanadischen Film. Christian Jaekl berichtet vom Überlebenskampf der indigenen Kultur. Christina Oltmann stellt die "weiße" kanadische Gegenwartsliteratur vor und Georg Sütterlin die multikulturelle Literaturlandschaft.

Im Feuilleton beschreibt Martin Meyer den islamischen Terror als kulturelle Herausforderung, die sich gegen die "Entzauberung" der westlichen Lebenswelt richtet. Zit. berichtet vom Wirbel um Frankreichs "Intermittents". Besprochen werden Quentin Tarantinos Film "Kill Bill Vol. 2", eine Ausstellung im Brüsseler Palais des Beaux-Arts über das Verhältnis von Malerei und Fotografie im 19. Jahrhundert und die Uraufführung von Anne Hubers Choreografie "Wolkenstück" bei Luzerntanz.

Welt, 24.04.2004

In der Literarischen Welt bringt Elmar Krekeler ein großes Porträt des auf dem Gipfel seines Erfolg stehenden Autors Michael Frayn, dessen Roman "Spionagefilm" demnächst verfilmt wird und dessen Willy-Brandt-Stück "Demokratie" demnächst nach Deutschland kommt.

Anderes Highlight: Fritz J. Raddatz feiert ausführlich die Neuauflage der Werke Jean Amerys: "So seltsam, gar unangebracht das Wort sich ausnehmen mag: Jean Amery, der knapp dem Tode entronnene Auschwitzhäftling, zuvor gefoltert auf schier unvorstellbar grausame Weise von genüsslichen Sadisten, hat es vermocht, mit einer Unaufgeregtheit sein eigenes Schicksal darstellend zu analysieren - 'Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt' -, dass es dem Leser noch heute das Blut gerinnen lässt. Seine Verweigerung der Klage war gellend."

FR, 24.04.2004

Der Literaturprofessor, literaturkritik.de-Mitgründer und Reich-Ranicki-Biograf Thomas Anz erläutert die möglichen Hintergründe eines Gesprächs, das Ulrike Meinhof 1964 mit dem Literaturkritiker führte. Reich-Ranicki schildert dieses Gespräch ausführlich und tief beeindruckt von Meinhof in seinen Memoiren. Deren Tochter Bettina Röhl hat es ihrer Mutter nun nachgetan und behauptet in einem Interview, das sie selbst mit MRR führte, ihre Mutter habe ihn im Auftrag der KPD interviewt , um ihn anzuschwärzen. Anz bezweifelt das, es bleiben jedoch, obwohl man hinterher klüger ist, im Grunde alle Fragen offen: "War das Meinhof-Interview der Versuch, einem abtrünnigen und im Westen zum Starkritiker aufgestiegenen Exkommunisten irgendwie zu schaden? Einen Ansatzpunkt zu finden, um ihn erpressbar zu machen und seine vielfältigen Kontakte mit oppositionellen Schriftstellern für die Interessen der kommunistischen Partei einzusetzen? Als so 'reaktionär' allerdings, wie Röhl es darstellt, galt Reich-Ranicki während der sechziger Jahre in linken Kreisen nicht."

Weitere Artikel: Der fleißige György Dalos liefert Stichworte aus einer Enzyklopädie der europäischen Zukunft. Auszug aus dem Eintrag "Europa, Jevropa, Avropa": "Staatsform: königlich-republikanische Konföderation, assoziierte Mitglieder: das Demokratische Sultanat Afghanistan, schweizerisches Mandatsgebiet Palästina und Liberale Sowjetrepublik Israel." Von einer Podiumsdiskussion in Berlin zum Thema EU-Erweiterung berichtet Thomas Medicus. Daniel Kothenschulte feiert die "originellste deutsche Filmfigur seit langem", Herrn Schultze, der in Michael Schorrs Film bekanntlich "den Blues" bekommt. Claus Lochbihler feiert auch, und zwar "Musicology" (Download), die Wiedergeburt des Pop-Künstlers formerly known as TAFKAP.

Außerdem: Sehr erfreut zeigt sich Florian Malzacher über das neue Stuttgarter Theater- und Performance-Festival, auf dem in diesem Jahr unter dem Titel "Zwischen den Kriegen. Gesellschaften im Umbruch" neue Produktionen aus aller Welt zu sehen waren. Renee Zucker sinniert eine Kolumne lang über die Botschaft "Fig mich ap", die sie als Menetekel an ein Schaufenster geklebt fand.
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TAZ, 24.04.2004

Wenig Rein-Kultur heute: Daniel Bax porträtiert den Jazz-Percussionisten Arto Tuncboyaciyan und seine "Armenian Navy Band" (bei Amazon können Sie mal reinhören und das Cover ist auch sehr hübsch) und ist dafür nach Eriwan gereist, in die Hauptstadt Armeniens (und, ja, einen Radio-Eriwan-Witz gibt es auch): "Die Hauptstadt Eriwan macht auf den ersten Blick den Eindruck einer durchschnittlichen Stadt in Osteuropa - die Nähe zum Orient, zum Iran und zur Osttürkei ist kaum zu spüren. Die prächtigen Fassaden an den großen Boulevards stammen allesamt aus dem Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, haben aber schon bessere Zeiten gesehen. Dazwischen finden sich ein paar typische Dokumente sozialistischer Einheitsarchitektur. Am schönsten ist die Stadt bei Nacht, wenn das Licht aus den besseren Schaufenstern und an den repräsentativen Amtsgebäuden Glanzpunkte setzt und das schmutzige Grau und die Risse in den Häuserwänden gnädig im Dunkeln versinken lässt."

Nur ein weiterer Artikel: Die Verfilmung (hier mehr zum Film) von Robert Schindels Roman "Gebürtig" (der Autor ist zugleich Co-Regisseur) zeichnet, wie Andreas Busche findet, "ein deprimierendes Bild der österreichischen Mentalität".

Inhaltsreicher heute das tazmag:

Von Osten wie von Westen wird im Dossier das Thema EU-Erweiterung beleuchtet: Ralph Bollmann erklärt, dass die erweiterte EU auch die Wiedergeburt Kakaniens bedeutet: "Die fünf größten unter den zehn Beitrittsländern gehörten bis 1918 ganz oder teilweise dem multinationalen Staatsgebilde an: Polen und Tschechien im Norden, die Slowakei und Ungarn im Osten, Slowenien im Süden. Kommen Rumänien und Kroatien in den nächsten Jahren noch hinzu, ist der alte Vielvölkerstaat wieder fast komplett - bis auf Teile Serbiens und der Ukraine." Uwe Scholz dagegen unterhält sich, nach Westen hin, mit dem portugiesischen Schriftsteller Antonio Lobo Antunes, der sich nicht sehr optimistisch gibt: "Ich habe nicht das Gefühl, die Menschen hier wüssten, was Europa ist. Wir sind ein Land am Rande des Kontinents, das ganz dem Meer zugewandt ist und Europa seinen Rücken zeigt."

Nadine Barth bietet ein spannendes Sammelsurium von Informationen, Gedanken und ein Interview mit F.C. Gundlach zur Renaissance der Modefotografie in Deutschland. Vorgestellt wird etwa Deutschlands erste Galerie für Modefotografie: "Alles ist Mode, sagt die Galeristin Natalie Viaux und verweist auf den Beuysschen Kunstbegriff. Alles entsteht im Auge des Betrachters. Ausdruck, Haltung, Leben. Deutschlands erste Galerie für Modefotografie setzt von vornherein auf die Kooperation mit Magazinen."

Besprochen werden unter anderem: Bücherweltliche Betrachtungen des einstigen Aufbau-Verlegers und jetzigen "Dampfplauderers" Elmar Faber, György Dalos' Geschichte Ungarns, Sebastian Haffners Feuilletons, Gedichtbände und Krimis. (Mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr.)

Und Tom.

FAZ, 24.04.2004

Wozu brauchen wir eine "Hertie School of Governance", fragt sich Jürgen Kaube und meint, na ja, "wenn der Absolvent durch sie begreift, dass es für ihn schon ein Erfolg sein wird, wenn er später einmal seine Vorgesetzten steuern kann. Wenn man die Studenten also nicht in Sprüche, sondern in Organisationssoziologie einübt. Wenn sie also gute Beamte werden" - dann dürfte eine solche Ausbildung zu begrüßen sein.

Weitere Artikel: Walter Haubrich erinnert an Portugals Nelken-Revolution vor dreißig Jahren. Carola Kaps schildert einen Auftritt von Günter Grass und Imre Kertesz beim Budapester Buchfestival. Köln hat den "Spanischen Bau" seines Rathauses restauriert, meldet Andreas Rossmann. Matthias Grünzig berichtet, wie tatkräftige Theaterleute, Musiker und Maler das Schloss Hohenerxleben retten und beleben. Michael Ludwig stellt die Warschauer "Initiative gegen Vertreibung" vor, an der sich sechs europäischen Länder beteiligen wollen. Jordan Mejias beschreibt nach einem Blick in amerikanische Zeitschriften, wie sich das konservative Lager über den Irakkrieg entzweit. G.T. stellt Kevin Spaceys ersten Spielplan für das Londoner Old Vic Theater vor, dessen künstlerischer Direktor er seit kurzem ist: Vier Premieren werden es, in zweien spielt Spacey eine Hauptrolle, in der dritten führt er Regie, hoffentlich verkraftet London soviel Hollywood!

In der ehemaligen Tiefdruckbeilage erzählt Kerstin Holm vom Besuch bei einem eindrucksvollen russisch-georgischen Künstler: "Im Lichtkegel steht, den Pinsel mit grüner Ölfarbe wie ein Florettfechter souverän an der edlen italienischen Krawatte vorbeiführend, Surab Konstantinowitsch Zereteli, Präsident der russischen Kunstakademie, konkurrenzlos fruchtbarer Bildhauer, Maler und Museumsgründer, vor der Staffelei. Heute morgen läßt sich Zereteli vom süß schmelzenden Klang georgischer Popfolklore inspirieren, während er mit pastosem Strich auf grellgelbem Grund eine salatfarbene Vase modelliert. Das neueste Blumenstilleben ist fast fertig." Hubert Markl erklärt uns am Beispiel der Fledermaus, wie der Mensch zu denken begonnen hat. Auf der Medienseite wird kurz ein "Kulturtalk" annonciert, den Christoph Stölzl und Michael Naumann ab 4. Mai jeden zweiten Dienstag bei RBB halten werden: "Im Palais" soll die Sendung heißen.

Besprochen werden die Ausstellung von Christos und Jeanne-Claudes Plänen für den Central Park im Metropolitan Museum (Im Februar 2005 sollen sich nach fünfundzwanzig Jahren Planung "siebentausendfünfhundert safranfarben überspannte Tore ... durch den Central Park schlängeln ... über neununddreißig Kilometer sollen Wege und Pfade im Abstand von gut dreieinhalb Metern mit diesen Toren überwölbt werden, die annähernd fünf Meter hoch und, je nach Gelände, zwischen 1,80 und fünfeinhalb Metern breit sein werden, frei stehende Strukturen, für die kein einziges Loch in den Boden des Parks gestoßen werden muss", schreibt Verena Lueken), die Aufführungen von Verdis "Aida" und Schnittkes "Leben mit einem Idioten" in Russlands größter Oper, die nicht in Moskau, sondern in Nowosibirsk steht, und Bücher, darunter Oskar Pastiors Porträt von Velimir Chlebnikov, die erste deutsche Übersetzung von D. H. Lawrences Roman "Aarons Stab", Thomas Rosenbooms historischer Roman "Neue Zeiten" und Kinderbücher (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Schallplatten- und Phono-Seite geht's um Martin Scorseses großes "Blues"-Projekt auf Film, DVD und CD, Aufnahmen zweier Klavierduos - Yaara Tal und Andreas Groethuysen, Andreas Grau und Götz Schumacher - die sich Max Regers annehmen und die CD "Vorher Nachher Bilder" von Jens Friebe, der "männlichen Mary Beth des deutschen Songwesens", behauptet Dietmar Dath.

In der Frankfurter Anthologie stellt Klaus Cäsar Zehrer ein Gedicht von Michael Kongehl
vor:

"Mittel gegen bösen Athem (nach Thomas Morus)

Soll vom geschnittnen Lauch kein böser Athem bleiben,
so friß geschwinde Zwiebeln auff;
Und willst du den Gestank der Zwiebeln auch vertreiben,
so friß so fort nur Knoblauch drauff;
Solt' aber der Gestank vom Knoblauch bleiben kleben,
so kann entweder Nichts, Ihn, oder Mäußdreck heben."

SZ, 24.04.2004

Von wegen christliches Europa, meint Burkhard Müller ("Das Glück der Tiere") zum Thema EU-Erweiterung - ist doch rein gar nichts mehr übrig davon: "Das Christentum besteht im wesentlichen aus dem Mumm, sein ganzes Leben danach auszurichten, dass nach dem Tod die Ewigkeit kommt. Eigentlich ist es nicht einmal Mumm, sondern die Fähigkeit, die Existenz eines Jenseits als eine so unbestreitbare Realität zu erfahren wie Zahnschmerzen. Das schafft, außer vielleicht ein paar Klosterbrüdern, im Ernst keiner mehr. Alles andere am Christentum hört, wenn dieses Zentrum vernichtet ist, auf, christlich zu sein und wird etwas völlig Anderes, das sich von seinem Ursprung abwendet." Genauer gesagt: "Europa ist haargenau, als was es von Amerika und Islam verleumdet wird: der gottlose Kontinent." Und das, meint Müller, ist auch gut so.

Weitere Artikel: Jürgen Zimmerer erinnert zum dreißijährigen Jubiläum an die Nelkenrevolution in Portugal und die damit verbundenen Hoffnungen bzw. Befürchtungen: "Drei Sommer lang galt Portugal als Anfang einer sozialistische Revolution in Westeuropa und Studenten aus aller Herren Länder reisten als Revolutionstouristen an den Tejo und Douro um ihre revolutionäre Pflicht zu tun." Jonathan Fischer berichtet, dass der HipHop-Mogul (und Gründer des Labels Def Jam) Russell Simmons im Wahlkampf John Kerry unterstützen will - und das liegt an Bush: "He's definitely not my nigga." (Hier ein großer Village-Voice-Artikel zum Thema.)

Außerdem: Den Einzug des Dresdner Kupferstichkabinett ins Schloss feiert Gottfried Knapp. Im Interview äußert sich der umstrittene norwegische Opernregisseur Stephan Herheim wenig kompromissbereit. Jo Fabian, findet jedenfalls Jürgen Berger, hat mit seiner "spektralsurrealistischen" Dali-Choreografie in Kassel alles richtig gemacht. Eine weniger gelungene Sache dagegen ist die Kölner Inszenierung von Peter Ruzickas (eine Biografie, seine Website) "Celan"-Oper. H.G. Pflaum feiert Julio Medems Film "Tierra", der wiederum die Kraft der Liebe feiert. Fritz Göttler stellt den eleganten Teufelskerl David Carradine (der Bill aus "Kill Bill") vor. Zum 70. wird, mit kurzem Text und großem Foto, Shirley MacLaine gratuliert.

Literarisches: Gefeiert wird das Erscheinen des ersten Bandes der Tagebücher von Harry Graf Kessler, gelobt Götz Alys neues Buch "Im schwarzen Tunnel" (hier ein Auszug). In Spanien fand gerade die alljährliche Cervantes-Volkslesung statt, der neue Ministerpräsident Zapatero war, wie Peter Burghardt berichtet, selbstverständlich mit von der Partie. Grusliges aus Italien: In Petrarcas Grab befindet sich auf seinem Körper der Kopf einer Frau. Der neue Eco-Roman, wird kurz gemeldet, soll eine Art "verschlüsselter Autobiografie" sein und im Mai in Italien erscheinen, im Oktober bei uns.

Im Aufmacher der SZ am Wochenende verfasst Eckhart Nickel einen Anti-Goetz, verabschiedet Techno und freut sich das Hirn aus dem Leib, dass Musik jetzt wieder Melodien hat und Texte und Song-Format: "Das Erwachen aus einem Traum, der laut und hart war, katapultiert den schläfrigen Menschen in eine Schönheit wie am ersten Tag. Vor seinem Fenster dämmert es, und die Farben, die er sieht, oh, es sind diesmal Farben, die es wirklich gibt! Vielleicht setzt er sich auf und hört in seinem inneren Ohr eine Melodie. Es fällt ihm eine Begebenheit aus seinem Leben ein, die er in eine Strophe fasst. Da kommen ja Worte ans Licht! Und daraus wird ein Lied! Mit Sätzen, die sich am Ende reimen, und einen Sinn ergeben, den so vorher keiner gesehen hat!"

Weiteres: Rene Hofmann erinnert an den "schillernden" Formel-1-Fahrer Ayrton Senna, dessen Leben vor zehn Jahren in der Tamburello-Kurve endete. Aus Paris berichtet Johannes Willms, warum die Bewohner des jüdischen Viertels nichts von einer Verkehrsberuhigung halten. Vorabgedruckt wird heute keine Erzählung, sondern ein Text aus den Erinnerungen des Frantisek Xaver Basik, der einer neuen Ausgabe von Kafkas "Brief an den Vater" beigegeben ist. Basik nämlich verbrachte seine Lehrjahre in Hermann Kafkas Galanteriewarenhandlung. Zum Schluss unterhält sich Rebecca Casati mit dem "Finest Hotelier of the World" Jean K. van Daalen über "Eliten".