Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Sigrid Löffler: Martin Mosebachs Secondhand-Charme

02.10.2007. Literaturen konstatiert: Nur einem Feuilleton, das "aus dem Denkerstübchen in den bürgerlichen Salon umgezogen ist", konnte Martin Mosebach zum Repräsentanten werden. Die New York Review of Books erklärt den Iran zum Sieger des Irak-Kriegs. NZZ Folio freut sich auf das 2.000-Dollar-Auto. In Telerama bekennen belgische Künstler ihre Sorge vor einer Spaltung des Landes. Elet es Irodalom analysiert populistische Tendenzen in Ungarn und Polen. Der Spectator empfiehlt Facebook als das MySpace der Upper Class. Al Ahram debattiert über das Für und Wider der Fatwas.

Garri Kasparow: Warum ich noch nicht tot bin

25.09.2007. Andrzej Wajdas Film über Katyn ist kein origineller, aber doch ein nützlicher Film, meint Przekroj. Der Espresso berichtet über ein unbekanntes Dokument von Primo Levi. Im Harvard Magazine fordert Stephen Greenblatt ein drittel Mut zum Risiko von einem Wissenschaftler. Der Guardian feiert Georg Baselitz. Im New Yorker erklärt Garry Kasparow, warum er noch nicht tot ist. In ADN cultura erklärt der Schriftsteller Martin Caparros, was eine literarische Reportage auszeichnet. Die Gazeta Wyborcza freut sich über tschechische Wärme in polnischen Filmen. Im Nouvel Obs erklärt sich Hans Magnus Enzensberger zum teilnehmenden Beobachter von 68. In der Weltwoche gibt Björn Lomborg Schmetterlingen den Vorzug vor Bären. Die New York Times porträtiert Michael Haneke als Minister of Fear.

Hanna Schygulla: Ich pfeife auf die Kunst!

18.09.2007. In Le Point fordert der Anthropologe Malek Chebel, das Tabu der Sklaverei im Islam zu brechen. The Atlantic flirtet mit Facebook. Der Economist widmet sich dem Web 2.0 in China. Im Espresso konstatiert der Schriftsteller Suketu Mehta eine Machtverschiebung in Indien zugunsten der Dalit. In der New York Review of Books beobachtet der Rechtsphilosoph Ronald Dworkin eine jakobinische Revolution am Obersten Gerichtshof der USA. In der London Review nimmt der Historiker Perry Anderson die Selbstgefälligkeit der Europäer aufs Korn. In der Weltwoche pfeift Hanna Schygulla auf die Kunst. In Le Monde diplomatique kommt der Sinologe Wolfgang Kubin nach dem Genuss zweier Liangs nicht mehr auf sein Pferd.

Michael Caine: Magnetismus, Charisma, Sprezzatura

11.09.2007. Der New Yorker geht daran, die amerikanische Niederlage im Irak zu planen. Le Monde diskutiert Rechte für Roboter. Al Hayat geißelt fehlende Transparenz und Autoritarismus in Arabien. In Literaturen betrachtet Andrzej Stasiuk das derzeit aufgeführte Drama des Polentums. In Przekroj erklärt Zadie Smith, wie man Pole wird. Figyelö beklagt die ungenießbare Mittelklasse von Ungarns Wein und Gesellschaft. Der Spectator reist nach Radschastan, das in seiner Ödnis vor allem Milliardäre hervorbringt. In ADN wird Javier Marias von einer Hellseherin verfolgt. Die Weltwoche sucht den Beweis für die Collatz-Vermutung. Trouw rätselt über Taliban Fritz und Guerillera Tanja. Il Foglio isst Kuttelsuppe in Istanbul. Und das TLS fragt, woher Charisma und Sprezzatura kommen: Wird es einem zugeworfen?

Sadik al-Azm: Rushdie ist der neue Galilei

04.09.2007. In der Internationalen Politik sieht der syrische Philosoph Sadik al-Azm in Salman Rushdie einen neuen Galileo Galilei. Al Ahram stellt erschrocken fest, dass die Masturbation in Ägypten den Sex ersetzt hat. Der Economist erklärt, warum die USA kein Problem mit Moscheebauten haben. L'Espresso begibt sich auf die Spur des Paten von San Luca, Ntoni Gambazza. In der Gazeta Wyborcza unterhalten sich Adam Krzeminski und Heinrich August Winkler über das verwickelte deutsch-polnische Verhältnis. Prospect beklagt die politische Apathie der indischen Mittelklasse. Outlook India fragt, was Menschen dazu bringt, einen Rekord im Ketchup-Schnelltrinken aufzustellen. Im Folio führt Nigel Barley durch die totale Überwachungsstadt London. In Nepszabadsag stellt Noam Chomsky klar, dass die USA sozialistischer waren als Osteuropa. Und die New York Times porträtiert Musikguru Rick Rubin.

V.S. Naipaul: Derek Walcotts Hohelied auf die Leere

28.08.2007. Der New Yorker erforscht das Agrarleben in der Großstadt. Outlook India wünscht sich die unabhängige indische Frau. Die Jesuiten haben eine Missionsstation in Second Life errichtet, berichtet Tygodnik Powszechny. Der Boston Globe stellt einen eleganten Mörder vor - den neuen Literaturkritiker des New Yorker. In der Gazeta Wyborcza erklärt der Regisseur Jan Klata, warum er die Kaczynskis nicht mehr wählen würde. Im Guardian schreibt V.S. Naipaul über Derek Walcott. Elet es Irodalom ärgert sich über das folkloristische Bild der Auslandsungarn. Semana sucht die Bartlebys in Lateinamerika. Dissent streitet über Nick Cohens Buch "What's Left?".

Sadiq Jalal al-Azm: Selbstkritik nach der Niederlage

21.08.2007. Der Merkur stemmt sich gegen die Dekadenz des Westens. In der New York Times schreibt Mark Lilla über die Politik Gottes und seine modernen Propheten. Der syrische Philosoph Sadiq al-Azm wünscht den arabischen Ländern ein Weizmann-Institut. Der Economist staunt, wie schlecht die CIA ihren Job macht. Outlook India schildert, wie feudal die Owaisi-Familie über die Altstadt von Hyderabad herrscht. In Elet es Irodalom wünscht sich Andras Farkas etwas mehr Globalbewusstsein. Der Nouvel Observateur untersucht den Sexismus der Philosophen. Im Guardian malt sich Germaine Greer aus, wie Ann Hathaway die Sonette des untreuen Shakespeare zu lesen bekam. Und der New Yorker schwärmt von der neuen Retro-Opulenz an der Upper Westside.

Elisabeth Sledziewski: Die Franzosen wissen nichts über Polen

14.08.2007. In Le Monde diplomatique überlegt Neal Ascherson, ob es Großbritannien wie der Tschechoslowakei ergehen wird. Das TLS blickt schaudernd auf die Doomsday-Maschinen der realen Welt. Outlook India feiert 60 Jahre Freiheit vom Kolonialismus. Im Figaro beklagt die Historikerin Elisabeth G. Sledziewski das Unwissen der Franzosen über den Warschauer Aufstand. Il Foglio liebt sogar die 1000 Fehler des Garibaldi. Magyar Narancs fürchtet sich vor nordirischen Zuständen in Ungarn. Der Economist stellt eine Studie über Lenin, Stalin und Hitler vor. In der Weltwoche erinnert sich Andre Müller an seine Begegnung mit Ingmar Bergman 1976.

Economist: Samizdat oder saudische chick-lit?

07.08.2007. In der New York Times bereut Michael Ignatieff, den Irakkrieg befürwortet zu haben. Der New Yorker untersucht das exklusive Verhörprogramm der CIA. Al Hayat empfiehlt den arabischen Ländern, mehr auf den Menschen und weniger auf Gott, Blut und Boden zu setzen. Nach dem Überfall auf den Islamkritiker Ehsan Jami fragt sich Afshin Ellian in Elsevier, was Amsterdam von Teheran unterscheidet. In Europa fragt Adam Zagajewski, was es heute bedeutet, polnisch zu sein. In der Gazeta Wyborcza fürchtet Mykola Rjabtschuk eine Ostverschiebung der Ukraine. Magyar Hirlap beklagt den Untertanengeist in Ungarn. Der Spectator identifiziert digital versierte Senioren als wahre Trendsetter. Und Il Foglio liest Kontaktanzeigen.

Dubravka Ugresic: Denkmal für den polnischen Klempner

31.07.2007. Die New York Times trifft Mertz, den ersten auf soziales Verhalten programmierten Humanoiden. Das Tygodnik Powszechny trauert um Warschaus internationalsten Ort, den Jarmark Europa, der einem neuen Fußballstadion weichen soll. Die Gazeta Wyborcza begrüßt die unvollkommenen Retter Europas. In Nepszabadsag besichtigt Gaspar M. Tamas das ausgeweidete Osteuropa. In Elet es Irodalom betrachtet Gabor Schein das postkoloniale Osteuropa. The New Republic schildert, wie sich Washingtoner Politzirkel von der türkischen Regierung bezahlen lassen. Im Nouvel Obs hält Marshall Sahlins den Irakkrieg für die irrationalste Dummheit seit dem Einmarsch der Athener in Sizilien. Im Espresso findet Jeremy Rifkin Spuren seiner ältesten Vorfahren im Rift Valley im Nordosten Afrikas. Die Weltwoche bringt ein großes Interview mit dem Menschensammler Walter Kempowski. Und im Magazin lernt Ian McEwan die Fesseln Burka-verhüllter Frauen zu lieben.