Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Mit einem Lidschlag gehst du online

08.06.2010. Der Gegenwartskunst rasselt der Atem, diagnostiziert Prospect. Der polnischen Buchkultur auch, notiert Res Publica Nowa. Itunes war gestern, ruft der New Yorker. In El Pais Semanal erklärt der Physiker Michio Kaku: das Internet wandert in die Dinge. Die LRB hält fest: das Internet rüttelt nicht an Klassenschranken. In der NYRB bespricht Timothy Snyder Christopher R. Brownings neues Buch "Remembering Survival" über das Ghetto in Wierzbnik. Le Monde singt eine Hymne auf drei chinesische Dissidenten

Etwas Musikähnliches

01.06.2010. Der New Yorker zeichnet ein faszinierendes Porträt des Wikileaks-Gründers Julian Assange. Im Merkur versichert Udo di Fabio: Ohne Geld keine Befreiung. Der Economist beschreibt den neuesten Exportschlager nach Afrika: Homophobie. In MicroMega fragt Paolo Flores d'Arcais, warum ausgerechnet Roberto Saviano demontiert werden muss? In Paris herrscht wieder Aufbruchsstimmung, meldet das Magazin. n+1 vertieft sich in neue Berlin-Romane. Die New York Times erklärt, warum Job Cohen der neue niederländische Premier werden könnte.

Ich weiß nicht, wer Essays liest

25.05.2010. In der NYRB wendet sich gegen die Privatisierung des Netzes durch Steve Jobs. Die NYT langweilt sich in den Applecrest Estates eh schon: zu spießig. In Eurozine zeichnet Sven Egil Omdal ausführlich die Krise der norwegischen Presse nach. In Walrus erklärt die Hure Jamie Lee Hamilton, warum sie sich von niemandem bekehren lässt. Elet es Irodalom warnt: ungarischer Nationalismus stärkt slowakischen Nationalismus. Im Espresso erklärt Umberto Eco, warum er Gianni Vattimo nicht boykottiert.

Danke Opa für den Sieg!

18.05.2010. The Nation liest Jonathan Israels Geschichte der radikalen Aufklärung. Wer nicht protestiert, geht unter, meint György Konrad in Elet es Irodalom. Englisch ist jetzt eine Dalit-Gottheit, verkündet Tehelka. In Atlantic erklärt Googles Eric Schmidt Apples Ipad zu seinem schönen bunten Vorbild. In Newsweek gibt Jacob Weisberg Apple die Antwort, die man von Google erwartet hätte. Slate fragt, warum Paul Berman nicht von arabischen Intellektuellen diskutiert wird. Tygodnik Powszechny denkt über die polnisch-russische Verständigung nach. Der islamistische Attentäter kommt jetzt aus dem Westen und hat Kohle, weiß Outlook India. Prospect erklärt, warum Sie künftig verhaftet werden, wenn Sie im Flugzeug zu oft aufs Klo gehen.

Die Hände der Schergen des Bischofs

11.05.2010. Die NYRB löst das Kuba-Dilemma. In Eurozine unterhalten sich Martin Simecka und Laszlo Rajk, über ihre Väter,  Kommunisten, die von Kommunisten verfolgt wurden. Für das TLS liest Julian Barnes das Tagebuch von Eugene Delacroix. Odra fragt: "Warum ist Bogdan Wojdowski vergessen?" In Le Point  erklärt BHL, warum er die Initiative JCall unterstützt. Der New Yorker porträtiert Andrei Ternowski, den 17-jährigen Erfinder von Chatroulette. Wired ruft nach einer Alternative für Facebook.

Ein Flickenteppich aus Zerstreuung

04.05.2010. Das New York Times Magazine informiert über den neuesten Trend: Die Selberstatistik. N+1 bilanziert "The Intellectual Situation", nicht mehr und nicht weniger. In Le point verteidigt BHL Sigmund Freud. In Magyar Narancs erklärt Peter Nadas: Wenn in Ungarn die Demokratie den Bach runtergeht, dann ist der Kapitalismus daran schuld, während vorher der Sozialismus schuld war. In The Nation empfiehlt Tony Judt Umerziehung gegen Autoritarismus. 

Die sieben Vorhöfe der Produktionshölle

27.04.2010. In Eurozine fragt Kenan Malik, was eigentlich ein richtiger Muslim ist. Für Osteuropa fährt Serhij Zadan durch das Totrevier der Ukraine. Wired besucht alte Hacker. Der sturste von ihnen, Richard Stallmann, erklärt in der Boston Review, was cloud computing heißt: Sei ein Trottel. Frontline erklärt am Beispiel einer kleinen Schule im ländlichen Westbengalen, was freie Software leisten kann. In Indien wurde die Handygespräche mehrer Oppositionspolitiker abgehört, berichtet Outlook India. Was macht Äthiopien mit der Entwicklungshilfe, fragt die NYRB angesichts der hungernden Zivilbevölkerung. Im Magazin warnt der Psychoanalytiker Jürg Acklin vor einem Säuberungsenthusiasmus nach den Missbrauchsskandalen. Magyar Naranc beobachtet in Polen eine Sakralisierung des Staates.

Die Kunst des guten Kopierens

20.04.2010. In Salon erklärt Viktor Jerofejew, was Katyn für die Russen bedeutet. In n+1 bewundert Brian Ferneyhoughs Willen zur Avantgarde. Open democracy prophezeit Europa eine stürmische Zeit mit Viktor Orban. In Elet es Irodalom bewundert Laszlo Krasznahorkai die Weisheit Peter Eötvös'. The Nation feiert die badenden Schönheiten des tschechischen Fotografen Miroslav Tichy. "Pissoirliteratur" ruft in Le Monde Michel Onfray all denen zu, die im Internet ein Buch verrissen haben, das ihm gefällt. In der London Review würdigt Benjamin Kunkel den majestätischen Stil des marxistischen Denkers Fredric Jameson. Der Boston Globe singt ein Loblied auf die Copycats.

Zwei oder drei Verweise auf Mohammed

13.04.2010. Das Bestürzendste an der rechtsextremen Partei Jobbik ist, dass sich ihr viele junge Intellektuelle anschließen, schreibt Elet es Irodalom. Bernard-Henri Levy fragt in Le point: Godard ein Antisemit? In der Gazeta Wyborcza nimmt Adam Michnik Abschied. Prospect schildert Fälle von Sebstzensur im britischen Theater mit Rücksicht auf die religiösen Gefühle von Muslimen. In Le Monde malt Tahar Ben Jelloun ein düsteres Bild von der Stimmung in der Banlieue. Im New York Times Magazine erklärt Paul Krugman die Katastrophe zur Leitschnur seines Denkens.

Wir alle haben bei ihnen studiert

06.04.2010. Die Weltwoche schildert den Nervenkrieg zwischen  Adolf Muschg und Peter von Matt um Max Frisch. The Nation erklärt, warum Raul Hilberg so verbittert über Hannah Arendt war. In Nepszabadsag erklärt Agnes Heller den Ungarn, die diese Woche wählen werden: Wir dürfen uns nicht vor den Rechten ducken. In der LRB betrachtet Colm Toibin eine Fliege auf dem Halstuch des Giovanni Agostino della Torre. In Telerama singt Claire Denis ein kleines Liebeslied auf die Fremdenlegionäre. Tygodnik meint: Die Mexikaner verstehen Kapuscinski viel besser als die Polen. Die New York Times fragt: Kann man Tiere schwul oder lesbisch nennen?