Magazinrundschau
Die großen modernen Dinge
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
27.10.2026. Die London Review of Books erinnert an den Ursprung der Proteste in Frankreich: Ratten, Kakerlaken und kaputte Toiletten in Schulen. Mit den Kuchenstücken von Wayne Thiebaud wartet sie auf Zeugen. In Eurozine beobachtet die französische Dichterin Carolyn Forché, wie die Kriege in der Ukraine und in Gaza die Sprache zerstören. Die Minderheiten in Russland lassen sich die Freiheit ihrer Sprachen indes nicht nehmen, weiß die Novaya Gazeta Europe. Im Dlf seufzt Barbara Sichtermann: Sex ist im feministischen Diskurs zum Sündenpfuhl schlechthin geworden. Und Newlines kostet blauen Wein aus Syrien.
London Review of Books (UK), 22.10.2026
Daniella Shreir blickt auf den bisherigen Verlauf der aktuellen Proteste in Frankreich. Interessant ist vor allem ihre Rekonstruktion des Beginns der Auseinandersetzung; schließlich standen zunächst ausschließlich die Zustände an öffentlichen Schulen zur Debatte: "Die Lycées, die die letzten drei Schuljahre bis zum Baccalauréat umfassen, sind große Einrichtungen, an denen häufig mehr als zweitausend Schüler lernen. Ihr Niedergang ist das Ergebnis jahrzehntelanger Unterfinanzierung, die sich seit den 1980er-Jahren durch regionale Ungleichheiten noch verschärft hat. Diese wiederum sind eine Folge der Übertragung der Schulverwaltung auf die lokalen Behörden. Entgegen der Berichterstattung der meisten überregionalen französischen Medien begannen die Schülerproteste im Überseedépartement Mayotte. Dort begann Ende August eine Gruppe von Müttern, unterstützt von Gewerkschaften und einer Schülerdelegation, den Zugang zum Lycée du Nord zu blockieren. Sie protestierten unter anderem gegen die explodierenden Klassengrößen und das Fehlen einer Schulkantine. Eine Mutter kritisierte die Länge des Schultages: Ihr Kind müsse bereits um fünf Uhr morgens das Haus verlassen, um rechtzeitig in der Schule zu sein, und kehre erst um 18 Uhr zurück, berichtete sie Journalisten. Anfang September griff die Protestbewegung auf Französisch-Guayana über. Dort legten Lycée-Schüler der Schulleitung eine Liste mit siebzehn Beschwerdepunkten vor, darunter Personalmangel, abwesende Lehrkräfte und ausfallender Unterricht. Im französischen Mutterland wurde das Anliegen am Lycée Antoine de Saint-Exupéry in Créteil, einem Vorort von Paris, aufgegriffen. Nachdem die Lehrkräfte aus Protest gegen die katastrophale Personalausstattung sowie das Fehlen einer Schulkrankenschwester und eines Sozialarbeiters in den Streik getreten waren, blockierten die Schüler das Schulgebäude. Die Nachricht verbreitete sich, und weitere Unterstützer schlossen sich den Protesten an, darunter zwei Abgeordnete aus der Region von Jean-Luc Mélenchons Partei La France Insoumise (LFI). An anderen Lycées, insbesondere an den am stärksten vernachlässigten Schulen in den Pariser Vororten, berichteten Schüler von Ratten, Kakerlaken, undichten Dächern, zerbrochenen Fenstern, fehlenden Heizungen im Winter, unbenutzbaren Toiletten und fehlenden Toilettentüren. In Bagnolet, einem Vorort unmittelbar außerhalb des Pariser Stadtautobahnrings Périphérique, berichteten Schüler des Collège Georges Politzer, dass es Monate gedauert habe, bis der Nachweis von Fäkalien im Leitungswasser bestätigt worden sei, obwohl sie sich zuvor über das verschmutzte Wasser aus ihren Wasserhähnen beschwert hatten."
Eurozine (Österreich), 26.10.2026
Die französische Dichterin und Schriftstellerin Carolyn Forché denkt über die Kriege in der Ukraine und in Gaza nach. Zusammen mit dem ukrainisch-amerikanischen Dichter Ilya Kaminsky hat sie die Anthologie "In the Hour of War: Poetry from Ukraine" herausgegeben, mit Gedichten aus dem ukrainischen Kriegsgebiet. Was macht Krieg eigentlich mit Sprache? "Wir wissen, dass Krieg die Sprache zerstört, wie alles, was sich in seinem Wirkungsbereich befindet. Unter solch extremen Bedingungen wird die Sprache verwundet, fragmentiert, zersplittert. Sie wird militärisch instrumentalisiert, um Euphemismen zu schaffen, die mit dem technologischen Fortschritt immer bedrohlicher geworden sind. Was vor unseren Augen geschieht, ist kein 'Krieg', sondern eine 'Militäroperation'. Massenmord ist 'ethnische Säuberung'. In der Ukraine und im Gazastreifen gibt es keinen 'Mangel' an Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten. Diese werden bewusst als Kriegswaffe zurückgehalten. Wir sagen, die 'Kämpfe hätten begonnen', als wären sie von selbst ausgebrochen und nicht auf Befehl. Wir 'werden angegriffen', als hätten wir uns aus freiem Willen in diese Lage gebracht. Während wir Raketen auf Wohnhäuser abfeuern, sprechen wir von zivilen Toten als 'Kollateralschaden', um nicht zugeben zu müssen, dass wir absichtlich Nichtkombattanten töten. Krieg beginnt nicht plötzlich, wie ein Autounfall. Die Vorbereitungen werden getroffen und sind schon von Weitem erkennbar, wie ein Sturm am Horizont. Doch inmitten dieser Zerstörung entsteht Poesie - mitten im Krieg und in seiner Nachkriegszeit. Wie man sich vorstellen kann, sind viele dieser Gedichte verloren gegangen. Sie verschwinden in den Taschen von Leichen und den Schubladen zerstörter Schreibtische. Die Gedichte, die erhalten geblieben sind, haben oft einen eigentümlichen Ton: unheilvoll und flehend, so dringlich wie ein SOS oder ein Hilferuf, der nachts von einem beschädigten Schiff ausgesandt wird. Diese Gedichte sind oft an die Zukunft gerichtet, wie Flaschenpost (Paul Celan), oder an jene, die in Sicherheit jenseits des Kriegsgebietes leben. Wenn wir Gedichte als Zeugen lesen, erfahren wir alles, was die Dichterin erlitten hat, alles, was sie gesehen, gefühlt, geschmeckt und gerochen hat."Elet es Irodalom (Ungarn), 22.10.2026
Die Kunsthistorikerin und Literaturkritikerin Eszter Babarczy kritisiert die mit der Sprachverwendung verbundenen Entfremdung der Intellektuellen vom eigentlichen Publikum, dem Leser und Betrachter: "Man muss den Schmerz nicht als Schmerz bezeichnen, das Verlangen nicht als Verlangen - denn es ist immer das Verlangen von jemandem, der Schmerz von jemandem -, es reicht aus, ganz allgemein von Macht und Biopolitik, von Deterritorialisierung oder von der Gesellschaft des Spektakels zu sprechen. Wenn man diese sprachliche Soße akzeptiert hat, hat man damit auch ein politisches Weltbild akzeptiert, das sich selbst durch die Sprachverwendung legitimiert. Es wird zum Shibboleth. Wir zahlen einen sehr hohen Preis für diese Selbstlegitimierung. Der Diskurs über zeitgenössische Kunst macht beispielsweise die zeitgenössische Kunst noch unzugänglicher. Auch die Künstler verwenden ihn: Auch sie wollen sich in den Augen des institutionellen Systems legitimieren, das diese Sprache benutzt und verlangt, dass sich alle anpassen. (...) Ein Kritiker und ein Kunstkenner muss sich diese Sprache aneignen, und wer sie nicht beherrscht oder nicht verwenden will, wird ausgegrenzt. Ich möchte den poststrukturalistischen Wortschatz nicht so verwenden, wie es die geisteswissenschaftliche Gemeinschaft tut. (...) Als Geisteswissenschaftler betrachte ich es nicht als meine Aufgabe, Wissenschaft zu betreiben und schon gar nicht, Wissenschaft nachzuahmen, sondern zu kommunizieren. Die zeitgenössische Literatur und Kunst braucht dringend Kommunikatoren. (...) Wenn sich die Geisteswissenschaftler für die Selbstlegitimation entscheiden (…), lassen sie damit die zeitgenössische Kunst und Literatur im Stich. Sie tragen nicht dazu bei, eine Begegnung zwischen dem Zuschauer/Leser und dem Werk zu ermöglichen. Meiner Meinung nach ist dies der heutige Verrat der Intellektuellen."Novaja Gazeta Europe (Russland / Lettland), 22.10.2026
Dlf - Essay und Diskurs (Deutschland), 25.10.2026
Mit größter Sorge beobachtet die Publizistin und altgediente Feministin Barbara Sichtermann die Debatten- und Diskursverschiebungen im Feminismus der letzten Jahre - und erinnert daran, dass etwa die Einforderung nach einer gleichberechtigt erfüllten Sexualität für Frauen, wie sie im Feminismus der späten Sechziger und Siebziger noch üblich war, seinerzeit einen Möglichkeitsraum öffnete, bei dem sich auch durchaus Männer sehr einverstanden miteinhängten. Heute hingegen sei der Sexualdiskurs nicht mehr utopisch, sondern dystopisch geworden, zu beobachten sei "eine Radikalisierung des schwarzseherischen Standpunktes. ... Die Stichworte lauten schon lange nicht mehr love and peace, sondern Diskriminierung, Belästigung, Übergriff, Nötigung, Vergewaltigung, Missbrauch, Prostitution, Femizid. Sex ist der Sündenpfuhl an sich geworden", er verlor "als Kategorie im feministischen Diskurs seine Aura als Glücksversprechen und sank ab zur Drohung des Gewaltverbrechens". Die Feministinnen "waren so stolz auf die Verringerung des Abstandes zu den Männern, was Chancengleichheit, Bewegungsfreiheit, Aufstieg und erotische Aktivität betrifft, dass sie aus den Augen verloren, wie es auf der Gegenseite aussah. Da gab es nicht nur die Einsichtsvollen", sondern auch die schmollenden Abgehängten, die "frustriert vor der Tatsache stehen, dass Mädchen in der Schule besser sind, dass sie die Mehrzahl derer stellen, die ein Hochschulstudium abschließen und Weltreisen machen. Sie trauen sich nicht, solche supergirls anzusprechen, verabreden sich lieber untereinander und ziehen über die Weiber her. Und sie stoßen auf ein politisches Angebot. Die Rechte sagt zu ihnen: Kommt zu uns. Wir ändern das. Wenn der feministische Diskurs sehenden Auges fortfährt, das Feld der Sexualität als eines der Gewalt und des Verbrechens zu markieren und sich jene anderen Zugänge verbietet, die dermaleinst die jungen Frauen als Utopie in den Raum stellten, zugegebenermaßen mit einem tüchtigen Schuss Verklärung, aber doch nicht ganz ohne jede Wurzel in der Wirklichkeit, dann wird es so kommen, dass es die Rechten sind, die das Glücksversprechen kapern und es unter ihrer Ägide für die junge Generation neu formulieren. Es wird ihnen gar nicht schwer fallen." Sichtermann warnt davor, dass "eine Partei in unserm Land die Macht erringt, die von Gleichheit überhaupt nichts wissen will und sie als Ideologie in toto verwirft. Dann gute Nacht, Emanzipation!"Guardian (UK), 20.10.2026
HVG (Ungarn), 22.10.2026
Der Regisseur István Tasnádi denkt über die möglichen Auswirkungen der politischen Veränderungen für Filmemacher in Ungarn nach: "Auch in der Filmbranche sind unglaubliche Energien freigesetzt worden; ich freue mich sehr über die Veränderungen und bin voller Optimismus. Und das, obwohl ich weiß, dass die nächste Phase von Enttäuschungen geprägt sein wird, denn so viele hungrige Kreative lassen sich nicht auf einmal zufriedenstellen. Wir werden Zurückhaltung und Einsicht brauchen, um die Geduld aufzubringen. (…) Wenn ich anfange, (über die letzten 16 Jahre) nachzudenken, bekomme ich Angst und ziehe mich lieber zurück. Es war die aktivste Phase meines Lebens, und so habe ich es trotz Gegenwind zumindest bis zur Hälfte des Berges geschafft. Was wäre bei Windstille gewesen? Meine Protagonisten und ich treffen uns regelmäßig, um Pläne zu schmieden, aber in den letzten Jahren kamen wir immer wieder zu dem Schluss, wie erbärmlich es ist, ständig darüber zu grübeln, von wem wir Geld für einen Low-Budget Film beschaffen könnten. Sie reagierten ganz anders darauf, was im öffentlichen Leben geschah; ich war viel passiver und skeptischer, vor allem in der letzten Zeit, trat in den Hintergrund und dachte bereits darüber nach, Tischler zu werden. Sie hingegen zündeten die Raketen und organisierten gemeinsam mit anderen beispielsweise die Demonstration gegen Hassrede auf dem Budapester Heldenplatz. Sie haben sich mit der Kraft der Außenseiter in die Sache gestürzt, und der Wandel ist zum Teil auch ihnen zu verdanken. Das ist auch für mich eine wichtige Lektion."New Yorker (USA), 26.10.2026

Aktualne (Tschechien), 24.10.2026
Respekt (Tschechien), 24.10.2026
Nachdem die rechtspopulistische Regierung in Tschechien bei den Senatswahlen diesen Oktober eine herbe Niederlage erlitten hat, versucht sie nun offenbar, im Eilverfahren ihre Macht zu festigen: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat sie von Freitag auf Samstag (genau: um 4.36h) ihren Gesetzentwurf zur Neufinanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien durch die erste Lesung im Parlament gebracht. Allerdings hat auch die regierungskritische Organisation "Eine Million Augenblicke für die Demokratie" schnell reagiert, und so füllten am Wochenende Tausende von Demonstranten den kompletten Prager Altstädter Ring. Erik Tabery kommentiert: "Die Regierungskoalition hat ihren Angriff auf die öffentlich-rechtlichen Medien in einem spektakulären Schauspiel inszeniert: Sie verschwieg der Opposition den Plan, über die Finanzierung des Tschechischen Fernsehens und Rundfunks abstimmen zu lassen, und behinderte ihr Recht, die Abstimmung zu verschieben. So brachte sie den Vorschlag zur Abschaffung der Rundfunkgebühren und zur drastischen Kürzung der Einnahmen samstagfrüh in die nächste Lesung. Dieses Vorgehen (…) bedeutet das Ende der im Abgeordnetenhaus üblichen Gepflogenheiten." Laut Tabery handele es sich hier um den klaren Versuch, die kritische Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien zu schwächen, deren künftige (Unter-)Finanzierung über den Staatshaushalt sie einschüchtern soll, da die Politiker so direkten Einfluss auf sie ausüben könnten. "Gleichzeitig hat [Kulturminister] Oto Klempíř einen beispiellosen Angriff auf die hiesige Kultur gestartet. Er will ihr ebenfalls die Mittel entziehen, sie durch verschiedenste Förderkriterien zum Schweigen bringen und den Machthabern gefügig machen. Vielleicht glauben die Regierungspolitiker damit naiv, ihre Wähler zu beruhigen, die erschrocken dabei zusehen, wie die Spritpreise und Hypothekenzinsen steigen und der Staat Rekordschulden anhäuft." Für Tabery bricht hier eine neue Ära in der tschechischen Politik an: Premierminister Andrej Babiš "sendet der Mehrheit, die ihn nicht gewählt hat, eine klare Botschaft - dies hier ist unser Staat, und wir machen damit, was wir wollen. Ihr mögt mich nicht? Gut, das ist meine Rache."Dekoder (Deutschland), 21.10.2026
"Während Selenski als Kriegspräsident akzeptiert wird, wünscht sich die Gesellschaft einen anderen Präsidenten nach dem Ende der Kampfhandlungen", konstatiert der ukrainische Journalist Denis Trubetskoy. Es bringen sich auch schon mehrere Kandidaten für das Präsidentenamt - vor allem ehemalige oder aktive Militärs - in Stellung, Trubestkoy geht aber nochmal einen Schritt zurück und blickt auf das politische System der Ukraine. Jenseits des Krieges ist beispielsweise wenig über die politischen Einstellungen der ukrainischen Bevölkerung bekannt. "Und streng genommen ist auch nach mehr als sieben Jahren im Amt nicht ganz klar, welche politischen Ansichten eigentlich Selenski selbst hat. Nach ihrer Gründung wollte sich seine Partei Diener des Volkes zwar vor allem als libertär darstellen. Ob sich alle Abgeordnete der Präsidentenfraktion überhaupt noch daran erinnern, ist aber ungewiss. Die Politik in der Ukraine ist trotz ihrer langen historischen Parlamentarismustradition äußerst personenbezogen. Konkrete Ideen und Ideologien spielen eine untergeordnete Rolle. Das sieht man auch in der aktuellen Werchowna Rada: Die oppositionelle Europäische Solidarität von Ex-Präsident Petro Poroschenko oder die Vaterlandspartei von Ex-Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko kann man zwar nicht alleine auf diese Figuren reduzieren. Die Poroschenko-Partei ist vor allem nationalliberal und die Tymoschenko-Partei ähnelt in vielem der Republikanischen Partei in den USA. Dennoch wären diese politischen Kräfte ohne ihre Führungsfiguren kaum vorstellbar. Daher ist es symptomatisch, dass in den aktuellen Umfragen zu einer theoretischen Parlamentswahl eine gar nicht existente Partei von Ex-Befehlshaber Salushny auf den ersten Platz kommt." Im Moment bringen sich auch rechte Kräfte in Stellung: "Es ist etwa auch mit zunehmender Beliebtheit der ursprünglich rechtsextremen, inzwischen überwiegend gemäßigter rechtskonservativen Ideen rund um das ursprüngliche Freiwilligenbataillon Asow zu rechnen, dessen aktuelle Nachfolger, der Korps der Nationalgarde Asow und der Dritte Armeekorps, sich im vollumfänglichen Krieg als äußerst effektiv zeigen."New Lines Magazine (USA), 26.10.2026
P
aloma Dupont de Dinechin reist ins christlich geprägte syrische Dorf Baait und besucht das Weingut "Jarjour". Dessen Besitzer Youssef bangt ein wenig angesichts neuer Bestrebungen der Regierung, Alkoholverbote in Bars und Kneipen in Syrien durchzusetzen. Es soll dann nur noch mit speziellen Lizenzen möglich sein, Alkohol auszuschenken. In Damaskus versuchte die Regierung schon, ein allgemeines Alkoholverbot zu erlassen, das allerdings nach massiven Protesten in den christlichen Vierteln der Stadt vorerst zurückgenommen wurde: "Zu den Einschränkungen sagte ein Dorfbewohner: 'Sie wollen uns die Freiheit nehmen. Warum verbietet ihr Alkohol? Jedes Gesetz, das auf der Scharia basiert, macht mir Angst.' Für ihn war das Weingut Jarjour auch eine wichtige Einnahmequelle für das Dorf, das nach wie vor abgelegen liegt." Der Winzer Youssef überrascht Dupont de Dinechin außerdem mit einer syrischen Spezialität: "Youssef hält stolz eine blaue Flasche hoch. Blauer Wein ist in Syrien nicht ungewöhnlich, obwohl Youssef behauptet, der Erste im Nahen Osten zu sein, der ihn hergestellt hat. Sein Interesse an diesem Wein begann vor etwa zwölf Jahren, nachdem er auch anderswo auf der Welt auftauchte, wo er üblicherweise aus einer Mischung roter und weißer Trauben gekeltert wurde. Händler in Syrien fragten ihn nach blauem Wein, und er rief einen Professor in Deutschland an, der ihm alles über Önologie beigebracht hatte. 'Keinen blauen Wein', sagte der Professor zunächst. Fünfzehn Tage später, nach einer Fernkonsultation, gab ihm der Professor jedoch Anweisungen. Das Verfahren ähnelt der Herstellung eines weißen Chardonnays, verwendet aber rote Syrah-Trauben. Diese Trauben haben eine besondere Farbe und einen besonderen Duft. Ihre Schalen werden mitverarbeitet und verleihen dem Wein so seine einzigartige Farbe und seinen besonderen Duft. Farbe und Aroma. Die Schalen enthalten Anthocyane, dieselben Farbstoffe, die auch in Auberginen und Damaszenerbeeren vorkommen. Das Pigment enthält blaue und magentafarbene Töne, daher isoliert er den magentafarbenen Anteil."
aloma Dupont de Dinechin reist ins christlich geprägte syrische Dorf Baait und besucht das Weingut "Jarjour". Dessen Besitzer Youssef bangt ein wenig angesichts neuer Bestrebungen der Regierung, Alkoholverbote in Bars und Kneipen in Syrien durchzusetzen. Es soll dann nur noch mit speziellen Lizenzen möglich sein, Alkohol auszuschenken. In Damaskus versuchte die Regierung schon, ein allgemeines Alkoholverbot zu erlassen, das allerdings nach massiven Protesten in den christlichen Vierteln der Stadt vorerst zurückgenommen wurde: "Zu den Einschränkungen sagte ein Dorfbewohner: 'Sie wollen uns die Freiheit nehmen. Warum verbietet ihr Alkohol? Jedes Gesetz, das auf der Scharia basiert, macht mir Angst.' Für ihn war das Weingut Jarjour auch eine wichtige Einnahmequelle für das Dorf, das nach wie vor abgelegen liegt." Der Winzer Youssef überrascht Dupont de Dinechin außerdem mit einer syrischen Spezialität: "Youssef hält stolz eine blaue Flasche hoch. Blauer Wein ist in Syrien nicht ungewöhnlich, obwohl Youssef behauptet, der Erste im Nahen Osten zu sein, der ihn hergestellt hat. Sein Interesse an diesem Wein begann vor etwa zwölf Jahren, nachdem er auch anderswo auf der Welt auftauchte, wo er üblicherweise aus einer Mischung roter und weißer Trauben gekeltert wurde. Händler in Syrien fragten ihn nach blauem Wein, und er rief einen Professor in Deutschland an, der ihm alles über Önologie beigebracht hatte. 'Keinen blauen Wein', sagte der Professor zunächst. Fünfzehn Tage später, nach einer Fernkonsultation, gab ihm der Professor jedoch Anweisungen. Das Verfahren ähnelt der Herstellung eines weißen Chardonnays, verwendet aber rote Syrah-Trauben. Diese Trauben haben eine besondere Farbe und einen besonderen Duft. Ihre Schalen werden mitverarbeitet und verleihen dem Wein so seine einzigartige Farbe und seinen besonderen Duft. Farbe und Aroma. Die Schalen enthalten Anthocyane, dieselben Farbstoffe, die auch in Auberginen und Damaszenerbeeren vorkommen. Das Pigment enthält blaue und magentafarbene Töne, daher isoliert er den magentafarbenen Anteil."
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