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1 Presseschau-Absatz

Magazinrundschau vom 21.04.2026 - Novaja Gazeta Europe

Im Dezember kenterte ein Öl-Transporter vor der russischen Stadt Anapa, was eine große Umweltkatastrophe auslöste. Anderthalb Jahre danach sind freiwillige vor Ort immer noch damit beschäftigt den kontaminierten Sand abzutragen und Tiere zu retten, schreibt das russische Nachrichtenmedium Veter (die englische Übersetzung erschien bei der Novaja Gazeta Europe). Für Umweltschutz interessiert sich die russische Regierung dabei allerdings nur wenig, doch Anapa ist das Sommerurlaubsziel für Russen schlechthin. "Unterdessen bemüht sich die Regierung aktiv darum, die Katastrophe als längst vergangene Angelegenheit darzustellen. Am 27. März erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Vitali Saweljew, das Wasser in Anapa sei 'zum Baden geeignet' und die Tourismussaison werde, 'wenn alles nach Plan verläuft', am 1. Juni beginnen. Am selben Tag kündigte der Gouverneur von Krasnodar, Veniamin Kondratyev, an, dass die Strände von Anapa bis Vitazevo bis zum Sommer mit einer zusätzlichen Sandschicht aufgefüllt würden, die aus Steinbrüchen im Bezirk Temryuksky herangeschafft werde. Staatliche Medien veröffentlichten Aussagen von Forschern der Staatlichen Universität Kuban, wonach das im Sand verbliebene Öl 'nicht aufgefangen werden kann' und dass etwaige Ölrückstände, die noch gelegentlich an den Stränden zu finden seien, 'keine schädlichen Substanzen mehr freisetzen'. Die Gebiete außerhalb der Stadt wurden nicht erwähnt.'" Freiwillige vor Ort befürchten, dass die russischen Behörden Säuberungsarbeiten von nun an unterbinden werden, da sie nicht wollen, dass Touristen irgendeinen Verdacht schöpfen. "'Man muss verstehen, dass wir nicht gegen die Eröffnung der Saison sind. Wir leben hier. Und wir wissen, dass Anapa ohne Touristen kein weiteres Jahr überstehen kann', sagt [die Freiwillige] Zhanna Rybak. 'Wir bitten nur darum, dass die Leute das zu Ende bringen, was wir alle am 17. Dezember 2024 begonnen haben.'"