Magazinrundschau

So roch die Welt der Männer

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa.

New York Times (USA), 21.01.2012

Im Sunday Magazine porträtiert Robert F. Worth den 49jährigen ägyptischen Muslimbruder Mohamed Beltagy, der von vielen Liberalen geschätzt wird, weil er die Proteste erst gegen Mubarak, dann gegen die Militärs auf dem Tahrir Platz unterstützt hat. Bei der alten Garde der Muslimbrüder trägt ihm das allerdings auch Misstrauen ein: "Khalil Anani, einer der besten Analysten der islamischen Bewegungen in Ägypten, erklärte mir, dass die Burderschaft in den kommenden Monaten eine entscheidende Wahl treffen muss. 'Es gibt eine verschobene Konfrontation zwischen der Bruderschaft und dem Militär', sagt er, 'und wenn sie stattfindet, hängt viel davon ab, wie gut die Bruderschaft mit den liberalen und säkularen Kräften zusammenarbeiten.' Beltagy ist unentbehrlich um eine solche Kooperation zu sichern. Aber die Bruderschaft kann sich auch entschließen, die Liberalen auszuschließen und einen Handel mit dem Militär machen, so Anani: Sie würde die fortgesetzte Dominanz des Militärs akzeptieren und dafür in religiösen Fragen Konzessionen erhalten."

Apples Geräte werden, wie alle wissen, in China zusammengebaut. Die Arbeitsbedingungen dort sind teilweise schrecklich, wie Mike Davis etwa in der Radiosendung This American Life erzählt. Aber Tatsache ist eben auch, dass hunderttausende Jobs nach Asien gegangen sind. Was in den USA bleibt, beschreiben im Wirtschaftsteil Charles Duhigg und Keith Bradsher am Beispiel von Eric Saragoza, der 1995 in Apples Fertigungsanlage in Elk Grove, Kalifornien als Ingenieur angestellt worden war. Saragoza stieg schnell auf und verdiente 50.000 Dollar im Jahr. Bald jedoch wurden Apples Produkte zu teuer: Einen 1.500-Dollar-Computer zusammenzubauen kostete 22 Dollar in Kalifornien und 4,85 Dollar in Taiwan. "'Man sagte uns, wir müssten 12 Stunden am Tag arbeiten und auch Samstags kommen', erzählt Mr. Saragoza. 'Ich hatte eine Familie. Ich wollte meinen Kindern beim Fußballspielen zusehen.'" Leute wurden entlassen, 2002 traf es auch Mr. Saragoza. Nach vielen Anläufen fand er schließlich einen Job in einer Zeitagentur, die für Apple reklamierte Iphones und Ipads untersuchen, bevor sie an die Kunden zurückgeschickt werden. "Jeden Tag fuhr Mr. Saragoza zu dem Gebäude, in dem er einst als Ingenieur gearbeitet hatte. Für 10 Dollar die Stunde ohne Sozialleistungen putzte er Tausende von Glasbildschirmen und testete Audioports, indem er die Kopfhörer einstöpselte."

In der Book Review folgt der polyglotte Peter Constantine mit Vergnügen Michael Erards Suche nach den weltbesten Sprachlernern. Adam Kirsch bespricht William Gass' barocken Essayband "Life Sentences". Cullen Murphy stellt Benoit Peeters Herge-Biografie vor und Charles Isherwoood Ian Donaldsons Ben-Jonson-Biografie.

London Review of Books (UK), 26.01.2012

Jawoll, mit dem Kapitalismus geht es wirklich zu Ende, schreibt Slavoj Zizek, vor allem seit die untere Mittelklasse um ihren "Mehrwertlohn" (Lohn plus Bonusauszahlungen) fürchten muss. Da sieht man doch gleich, worum es der Occupy-Bewegung geht: "In Zeiten der Krise sind die naheliegenden Kandidaten für das 'Gürtel-Engerschnallen' die niederen Ränge der bezahlten Bourgeoisie: Der politische Protest ist deren einzige Zuflucht, wenn sie es vermeiden wollen, beim Proletariat zu landen."

Außerdem: Colin Smith, der in den 70ern eine Biografie über Carlos geschrieben hat, berichtet vom letzten Prozess gegen den Terroristen, der zu einer neuerlichen Verlängerung der Haftstrafe geführt hat. Rachel Aviv bespricht eine religionswissenschaftliche Studie über die Frühzeit von Scientology. Adam Mars-Jones, in den 80ern mit Jeanette Winterson befreundet, bespricht ein Buch mit Erinnerungen der Autorin an die Entstehungszeit ihres Romans "Oranges are not the only Fruit". In seinem Tagebuch erinnert sich Tariq Ali an eine Reise nach Pjöngjang in den 70er Jahren. Hal Foster bespricht eine aktuelle Ausstellung im Moma mit Bildern des mexikanischen Malers Diego Rivera, dem zweiten Künstler, der in den 30ern überhaupt im Moma ausgestellt wurde (was Foster ziemlich wundert).

Il Sole 24 Ore (Italien), 22.01.2012

Über die Costa Concordia schweigt sich die Sonntagsbeilage der Il Sole aus, um den Tod geht es aber auch. Der sizilianische Schriftsteller Vincenzo Consolo ist gestorben. Salvatore Silvano Nigro verbeugt sich vor dem letzten der großen sizilianischen Moralisten und Stilisten des 20. Jahrhunderts. "In meinem Arbeitszimmer habe ich ein Bild, das vor dreißig Jahren von Giuseppe Leone geschossen wurde. Es nimmt eine ganze Wand ein. Vincenzo Consolo ist drauf. Mit ihm sind Leonardo Sciascia und Gesualdo Bufalino. Sie lachen, es ist ansteckend. Sie lachen sich krumm. Sie stehen Schulter an Schulter mit Tränen in den Augen. Sciascia ist in der Mitte, Consolo an seiner Seite. Er versucht nicht umgeworfen zu werden von Sciascia, der in die Knie geht vor lauter Lachen. Bufalino fasst an seinen Kopf und hält die Brille fest. Sie lachen so heiter. So will ich sie in Erinnerung behalten, alle drei: die drei großen Meister der sizilianischen Literatur des vergangenen Jahrhunderts."
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Stichwörter: Leonardo Sciascia

Gentlemen's Quarterly (USA), 31.01.2012

Einen gruseligen Fall von Webcam-Hijacking beschreibt David Kushner. Ein junger mexikanischer Immigrant, der seit Jahren im Rollstuhl sitzt, hackte sich in die Rechner zahlreicher junger Frauen und kontrollierte ihre eingebauten Webcams. Ohne dass sie es merkten, konnte er sie beobachten - während sie Hausaufgaben machten, schliefen, masturbierten oder auf dem Klo saßen. Angeblich hatte er noch andere Pläne: "Aber das FBI sagte, es habe keinen Hinweis auf einen Plan zum Hacken von Mobiltelefonen gefunden. Andererseits hat das Bureau aber auch noch nie von dieser Art von Webcam-Hijacking gehört. Die Agenten treffen jetzt ihre eigenen Schutzmaßnahmen: 'Ich fordere meine Freunde und meine Familie auf, einen Sticker über ihre Webcams zu kleben', sagt Rogers. 'Nur für den Fall. Es schadet ja nicht.'"
Stichwörter: FBI, Mobiltelefon

Babelia (Spanien), 21.01.2012

Der spanische Philosoph Javier Goma Lanzon bricht eine Lanze für die Eitelkeit von Schriftstellern: "Anders als in den Naturwissenschaften gibt es kein objektives Kriterium, das den Wert eines literarischen Werkes bestimmen könnte. Was für die wissenschaftliche Erkenntnis der Test im Labor ist, ist für die Literatur die übereinstimmende Beurteilung durch die anderen: Über den Wert literarischer Werke entscheidet einzig und allein die Gesellschaft im Verlauf so unkontrollierbarer wie diffuser Prozesse der Konsensbildung. Eben deshalb sind wir Schriftsteller so abhängig von der Meinung der anderen und betteln schamlos um ihren Beifall, wird doch die Wahrheit unserer Werke, auch für uns selbst, erst durch diese Zustimmung offenbar. Lass dich deshalb keinesfalls davon abbringen, mich zu loben, lieber Leser, erst recht nicht, wenn ich daraufhin anfange, den Bescheidenen zu spielen: Lobe mich nur immer weiter und weiter, mein Leben hängt davon ab."
Archiv: Babelia
Stichwörter: Naturwissenschaft

Newsweek (USA), 16.01.2012

Die Sehnsucht nach Nostalgie ist groß, stellt der Kunsthistoriker Simon Schama zu seinem Missvergnügen fest. Warum gucken jetzt selbst die Amerikaner in Scharen die britische Kostümserie "Downton Abbey"? "Geschädigt vom Schwelgen in der Trockener-Martini- und Tüten-BH-Welt von 'Mad Men'? Keine Angst, 'Downton Abbey' serviert eine dampfende, versilberte Terrine voll Snobismus. Es ist eine unterwürfige Soap opera, die eine amerikanischen Öffentlichkeit, die verzweifelt alles, was ihre Gedanken von den Wirren der Gegenwart ablenkt, nur zu gern in großen dankbaren Schlucken herunterschluckt. Ich weiß, auf ihre Weise ist die Serie perfekt. Niemand schlägt das britische Fernsehdrama, wenn es darum geht, die Instinkte kultureller Nekrophilie zu bedienen."

In der Titelgeschichte erklärt Andrew Sullivan Rechten und Linken, warum sie mit ihrer Kritik an Obama gleichermaßen falsch liegen und resümiert schließlich: "'Zu sehen, was man vor der Nase hat, ist ein ständiger Kampf', schrieb einst George Orwell. Was ich vor meiner Nase sehe, ist ein Präsident, dessen Charakter, Erfolg und Versprechen so grotesk unterbewertet werden wie sie 2008 absurd überhöht wurden."
Archiv: Newsweek

Outlook India (Indien), 30.01.2012

In Indien häufen sich islamische Proteste gegen Salman Rushdies angekündigten Besuch beim Jaipur Literaturfestival, berichtet Saba Naqvi, die sich sehr darüber ärgert, dass die Behörden tatsächlich vor einigen Mullahs und Obskurantisten in die Knie zu gehen scheinen: "Die Affäre um Rushdie macht ein größeres Problem kenntlich: Heutzutage kann jede beliebige Gruppierung behaupten brüskiert worden zu sein, oder ein Werk der Kunst, der Geschichtsschreibung oder der Literatur der Blasphemie bezichtigen. Grundsätzlich wollen die Politiker keinen vor den Kopf stoßen - eher würden sie gerne jedem gefallen. Vom Erfolg der Extremisten Rama Sene und Shiv Sena, den Maler M.F. Husain ins Exil zu verbannen, wo er letztes Jahr starb, bis zur Streichung von A.K. Ramanujans Essay über das Ramayana aus dem Lehrplan der Universität von Delhi - allzu oft obsiegt der intellektuelle Tunnelblick. Schließlich ist die öffentliche Empörung über ein Buch oder ein Kunstwerk immer auch eine verlässliche Strategie, einer kleinen Gruppe von Schlägern und Obskurantisten, Medienberichterstattung zu sichern."

LA Review of Books (USA), 16.01.2012

Ingrid Norton hat ein Jahr in Detroit gelebt und eine Stadt kennengelernt, die implodiert, während die Vororte ringsum immer wohlhabender werden - und zwar je weiter sie vom Stadtkern entfernt liegen: "Die jüngsten Immigranten und internen Migranten - ob Weiße aus dem Süden, Araber oder Osteuropäer - haben rassische Hierarchien übernommen, der ihren eigenen Status zu Ungunsten der Afroamerikaner aufwertet. Während sich die Innenstadtbezirke Mitte des 20. Jahrhunderts vermischten, wuchsen rings um die Stadt Viertel und Gemeinden, die streng ihre rassischen und ethnischen Profile abgrenzten, häufig mit religiöser Begründung, und sich ausbreiteten wie ein Geschwür, das seinen Wirt tötet."

Außerdem: Der Drehbuchautor John Kaye erinnert sich an Sex, Drogen, Hunter S. Thompson und den Boxkampf zwischen Muhammed Ali und Leon Spinks in New Orleans 1978.

Salon.eu.sk (Slowakei), 23.01.2012

Ach wie schön wäre es, wäre die Autofabrik, in der sein Vater arbeitete, erhalten worden, seufzt Andrzej Stasiuk. Dort wurde das einzige Auto produziert, das Polen je hervorbrachte, ein Auto namens "Sieg". Stasiuk erinnert sich daran, wie er den Vater zusammen mit seine Mutter vor den Fabriktoren abholte: "Ich blickte auf zu einer dunklen Silhouette, die sich vor der Sonne abzeichnete. Ich war sechs Jahre alt, aber ich erinnere mich an den Mix der Gerüche: Schweiß, Bier, dunkler Tabak, der Fabrikgeruch nach rotgühendem Metall, Schmiere, Benzin und die durch Schweißmaschinen ionisierte Luft. So roch die Welt der Männer."
Archiv: Salon.eu.sk
Stichwörter: Geruch, Mutter, Andrzej Stasiuk

Rolling Stone (USA), 02.02.2012

In einem ausführlichen Interview gibt Wikileaks-Gründer Julian Assange, der in England unter Hausarrest steht, Auskunft über seine gegenwärtige Situation. In einem Teil des Interviews geht es um die Versuche der amerikanischen Regierung, Teile journalistischer Informationsbeschaffung als Spionage zu werten und unter Strafe zu stellen. Danach wäre selbst Watergate-Journalist Bob Woodward in den Knast gewandert. Assange erklärt: "Leute wie Seymour Hersh, Dana Priest und Bob Woodward sagen ständig zu ihren Quellen: 'Hey, wie steht?s damit, haben Sie was darüber gehört? Ich habe erfahren, dass bei einem Luftangriff in Afghanistan ein Haufen Zuvilisten getötet wurden - haben Sie irgendwelche Einzelheiten und können sie diese mit einem Dokument belegen?' All das würde nach der Interpretation des Pentagon als Verschwörung zur Spionage erklärt." Journalisten rät er deshalb zu konservativen Recherchemethoden. "Wenn man kein Experte für elektronische Überwachung ist oder keinen solchen Experten kennt, muss man sich von Internet und Handys fernhalten. Und wirklich einfach wieder die alten Methoden nutzen: Notizblock und Leuten was ins Ohr flüstern."

Huffington Post fr (Frankreich), 23.01.2012

Seit heute ist eine französische Ausgabe der amerikanischen Huffington Post online, Herausgeberin ist Anne Sinclair, Frau des früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn. In der Startausgabe schreibt der Historiker Benjamin Stora über das Vermächtnis des arabischen Frühlings und die Geburt neuer, am Individuum orientierter Gesellschaften. "Im Protest, in der Kritik, aber auch in der Lebensführung zeigt sich ein Phänomen der Individualisierung. Aufschlussreich ist etwa die Figur des 'Harragas', der jungen Menschen aus dem Maghreb, die um jeden Preis gehen, ihr Land verlassen wollen. Diese Jugendlichen sagen alle das Gleiche: dass ihr Weggang nicht wie früher als 'Botschafter' im Namen der Familie, des Stadtviertels oder ihres Dorfs erfolgt. Sie gehen in ihrem eigenen Namen."

Weiteres: Guillaume Erner erinnert an den vor zehn Jahren gestorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu.

Osteuropa (Deutschland), 20.01.2012

Das neue Osteuropa-Heft ist Ungarn gewidmet, das sich gerade aus dem Westen zu verabschieden droht. Der Soziologe Balint Magyar beschreibt, wie unter Victor Orban erst die Fidesz-Partei und jetzt das ganze Land in die Falle des Populismus geraten ist - und jetzt zappelt: "Dem nationalen und dem sozialen Populismus ist gemein, dass sie die politische Verantwortung auf andere abwälzen. Die 'vom Schicksal nicht verschonte' Nation und der dem Schicksal ausgesetzte kleine Mann aus dem Volk vereinen sich in der Klage über ihr bitteres Los. Die kritische Reflexion der Geschichte und ein rationaler Umgang mit der Zukunft werden aus der politischen Kultur Ungarns systematisch verbannt. An ihre Stelle tritt Selbstmitleid und die Suche nach Sündenböcken: Kommunisten, Banker, Oligarchen, Liberale, Juden, Schwule, Zigeuner."

Der Schriftsteller Laszlo Darvasi erzählt eine Geschichte aus einem Land, in dem seltsame Entwicklungen vor sich gehen. Die Erzählung beginnt so: "Am nächsten Morgen bemerkte das Land seltsame Entwicklungen. Auf der Baustelle, an den emporgewachsenen Mauern, den Sprosen der in die Höhe ragenden Leitern, am Gerüst und an den öffentlichen Gebäuden wurden in einer einzigen Nacht mehrere Lautsprecher angebracht. Diese Lautsprecher, wenn sie auch angerostet und mitgenommen waren, schnarrten zum größten Teil klar und verständlich. Sie hatten in alten Tonarchiven gelegen..."

In weiteren Artikeln schreiben Krisztina Koenen über die Welt, wie Victor Orban sie sieht, Esther Kinsky über das Hinterland, Gabor Halmai über das neue Grundgesetz und Kornelia Magyar über das Elend der Roma.
Archiv: Osteuropa

New York Review of Books (USA), 09.02.2012

Simon Leys ist eine Berühmtheit, die in Deutschland nahezu unbekannt ist. Der Sinologe und glänzende Essayist war es, der im Jahr 1971 mit "Die neuen Kleider des Präsidenten Mao" die intelligenteren der westlichen Linken von ihrem Maoismus heilte - in einer Zeit als Sartre und Beauvoir noch nach Peking fuhren, um sich die Errungenschaften der chinesischen Revolution vorgaukeln zu lassen. Leider schreibt Leys nur höchst selten. In der neuesten Nummer der New York Review of Books präsentiert er eine schöne und einfache Hommage auf Liu Xiaobo, dessen Essays er als Standardlektüre für alle Experten und Neugierigen empfiehlt - und mehr noch den heutigen westlichen Linken, die den "Verfall der Werte" im heutigen China der Globalisierung und Marktwirtschaft zuschreiben. "Liu zeigt im Gegenteil, dass die Wurzeln des heutigen Zynismus, der Sexualisierung des moralischen Bankrotts in der Mao-Ära liegen. In jener Zeit, die linke Nostalgiker heute als eine Zeit der moralischen Reinheit ausmalen, wurde der Geist der Nation aufs tiefste verwüstet. Dieses Regime war antihuman und antimoralisch... Der grausame 'Kampf', den Maos Tyrannei der Gesellschaft auferlegte, trieb die Menschen dazu, ihre Seelen zu verkaufen, ihre Ehepartner zu hassen, ihre Eltern zu verraten, ihre Freunde zu betrügen, Druck auf Hilflose auszuüben, alles zu sagen, um 'korrekt' zu bleiben."

Außerdem schreibt Luc Sante über die "Mutter Courage des Rock", Patti Smith. Charles Hope bespricht die Leonardo-Ausstellung in der National Gallery in London. Und Anatol Lieven hat eine Reihe von Büchern über Afghanistan gelesen.