Magazinrundschau - Archiv

Rolling Stone

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Magazinrundschau vom 07.04.2020 - Rolling Stone

Hitzewellen machen nicht nur auf dem Land zu schaffen, sie haben insbesondere auf den Ozeanen teils erhebliche Auswirkungen - dass sie sich dort quasi im Verborgenen abspielen, macht die Sache nur noch vertrackter, wie Jeff Goddells großer Reportage zu entnehmen ist. Was sich hier rächt: Ozeane absorbieren eine gewaltige Menge jener Wärme, die der Mensch durch seinen Ressourcenverbrauch hervorbringt - diese Wärme verschwindet aber nicht, sondern wird gespeichert, neu verteilt und langsam wieder abgegeben. "'Würde ein 200 Meilen langes Waldgebiet in den Bergen Kaliforniens mit einem Mal absterben, gäbe es einen Aufschrei in der Bevölkerung', sagt Laura Rogers-Bennett, eine Meereswissenschaftlerin am California Department of Fish and Wildlife, die an der Küste im Bodega Marine Lab arbeitet. 'Wir sprechen hier von dem Kollaps eines ganzen Ökosystems.' ... Hitzewellen in den Ozeanen führen dazu, dass sich das Leben unter Wasser massiv neu organisiert. Viele Tiere migrieren in kühlere Gewässer. 'Genau in diesem Moment könnte man vom Monterey-Steg springen und stachelige Hummer sehen', sagt Kyle Van Houtan, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung im Monterey Bay Aquarium. 'Das ist eine subtropische Spezies, die man normalerweise unten in Baja findet. Die hier so weit oben anzutreffen, ist absurd.' ... Diese Wanderbewegungen verändern das Ökosystem unter Wasser radikal, aber auch das Leben jener Leute, die auf Fischerei angewiesen sind. Wissenschaftler der University of California in Santa Barbara haben vor kurzem in einer Studie herausgefunden, dass tropische Nationen von der Fischmigration am härtesten betroffen sein werden. Bis zum Jahr 2100 könnten manche Länder in Nordwestafrika die Hälfte ihres Fischbestands verlieren. 'Wenn man weiß, dass die Bestände schwinden, besteht ein kurzfristiger Anreiz zur Überfischung', erklärt James Salzman, Professor für Umweltrecht an der Universität Santa Barbara, der an der Studie mitgearbeitet hat. 'Was hat man schon zu verlieren?'"

Magazinrundschau vom 04.06.2019 - Rolling Stone

47.173 Selbstmorde gab es 2017 in den USA. Dazu kamen 1,4 Millionen Selbstmordversuche. Und sie werden zu 70 Prozent von weißen Männern begangen. Die höchste Rate weist der Bundesstaat Montana auf, gefolgt von Alaska, Wyoming, New Mexiko, Idaho und Utah, schreibt Stephen Rodrick, der sich auf eine Reise durch die USA begeben hat, um die Gründe dafür zu finden. Sie sind vielfältig, aber ein bestimmtes Männlichkeitsbild trägt einiges dazu bei: Man gibt gern den harten Kerl, liebt Waffen und redet wenig, schon gar nicht über psychische Probleme. "Der Höhepunkt im Western war schon immer die große Schießerei. Nun, die wird in einem tödlichen Monolog ausgetragen. Aktivisten in waffenfreundlichen Staaten tänzeln auf Zehenspitzen um die Forderung nach einem Verbot von Schusswaffen herum und treten statt dessen dafür ein, sie mit Schlössern zu blockieren, um sie von Verzweifelten und Wütenden fernzuhalten. Ihre Bemühungen sind edel, aber sinnlos. In Utah sind 85 Prozent der durch Feuerwaffen verursachten Todesfälle Selbstmorde. Eines der schockierenden Dinge, die Dr. Craig Bryan bei seinen Studien über ländliche Selbstmorde erfuhr, war, dass viele dieser Todesfälle Selbstmorde aus Leidenschaft waren - impulsive, unwiderrufliche Handlungen. 'Ein Drittel der Selbstmorde mit Schusswaffen in Utah geschahen während eines Streits', sagt Bryan. 'Zwei Leute sind dabei. Nicht unbedingt körperlich gewalttätig, aber sie schreien sich an. Und jemand, fast immer ein Mann, sagt im Grunde genommen nur: Mir reicht's, schnappt sich eine Waffe und erschießt sich.' Kein Bevölkerungssegment ist von diesen schrecklichen Zahlen stärker betroffen als Männer mittleren Alters im ländlichen Amerika. Sie besitzen nicht nur Waffen, ihnen fehlt auch ärztliche Hilfe - nach einer Schätzung gibt es etwa 80 Psychiater, die in Wyoming zugelassen sind [laut Wikipedia ein Staat mit 579.315 Einwohnern und einer Fläche von 253.336 Quadratkilometern, d.Red.] -, und sie haben ein Leben gewählt, das Unabhängigkeit über alles andere stellt."

Magazinrundschau vom 08.01.2019 - Rolling Stone

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Wie Artikel sich überkreuzen können. Alles ist Schuld der neoliberalen Eliten, schreibt Matt Taibbi im Rolling Stone mit Blick auf die "Gelben Westen" einerseits und "neoliberale" Elite-Autoren wie Max Boot andererseits. Die Gelben Westen, so Taibbi, seien ja gerade der Aufstand gegen diese Eliten: "Macron hat noch eine Zustimmungsquote von 23 Prozent, Paris scheint in Flammen zu stehen, und die Leute besprühen sogar den Arc de Triomphe. Wie konnte all dies einem so coolen Politiker widerfahren, fragt Boot. Und dann erwiderte ihm ein Online-Kommentar, dass 'Zentrismus' vielleicht nur ein anderer Name für 'Elitismus' sei.
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Magazinrundschau vom 11.09.2018 - Rolling Stone

In Mexiko ist ein neuer Krieg ausgebrochen. Kein Drogenkrieg diesmal, sondern ein Krieg ums Benzin, erzählt Seth Harfe in einer großen Reportage. Öl gebohrt und verarbeitet wird in Mexiko von dem bislang staatseigenen Betrieb Pemex. Kleine Banden und große Mafiaorganisationen bohren überall im Land die Leitungen an und zapfen Benzin ab, das sie dann auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Das Geschäft ist noch lukrativer als der Drogenhandel. Pemex, "eine riesige Geldkuh, die von Korruption durchdrungen ist", wurde von der letzten Regierung privatisiert. Am Problem der Korruption hat das bislang nichts geändert: "Es ist schwierig zu wissen, was in Pemex vor sich geht, aber zwei wichtige Zahlen muss man beachten: Die erste ist 1,5 Milliarden Dollar. In dieser Höhe etwa stehlen die Huachicoleros jährlich. Die zweite sind 19 Milliarden Dollar. So viel hat Pemex im Durchschnitt seit 2013 pro Jahr verloren. Ineffizienzen tragen dazu sicherlich bei, aber staatliche Prüfer vermuten bei über hundert Verträgen mit einem Volumen von mehr als 11 Milliarden Dollar, die Pemex in den letzten Jahren vergeben hat, Betrug. Das sind Verluste, die die Vorwürfe (des neuen sozialistischen Präsidenten) López Obrador glaubhaft scheinen lassen, dass die wilden Schießereien, so schlimm das Problem des Benzindiebstahls auf Straßenniveau auch aussieht, nur ein oberflächliches Symptom eines Free-for-all sind, das meist in klimatisierten Sitzungsräumen stattfindet. 'Jeder hat seine Hand in der Keksdose', sagt ein ehemaliger Pemex-Beamter, der darum bat, nicht genannt zu werden. 'Du berührst die Achillesferse von Mexiko.'"

Magazinrundschau vom 26.06.2018 - Rolling Stone

Wie ein "verschlissener Dorian Gray" kommt Stephen Rodrick Johnny Depp mittlerweile vor: Einst ein strahlender, gefeierter Star, steckt der für seinen kostenintensiven Bohème-Lebensstil bekannte Schauspieler privat, finanziell und künstlerisch in einer Sackgasse. Rodrick hat den gefallenen Engel drei Tage lang begleiten und dabei offenbar auch privilegierten Aktenzugriff genießen können - und erzählt neben den Verästelungen vieler Finanzdetails auch eine tragische Geschichte: "All die charmanten Dinge, die er mit 28 tat - Drogen nehmen, auf einem Baugerüst auf dem Dach von Atlantic Records in L.A. herumrennen - wirken zunehmend verstörend, wenn er sie mit 55 noch immer tut. (...) Im ewigen Peter Pan liegt zwar ein Schlüssel zu Depps Charme auf der Leinwand. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der knabenhafte Unbekümmerte hat sich langsam zu einem alternden Mannkind gewandelt, das zwar noch immer charismatisch ist, aber nur in Momenten. Wenn sein derzeitiges Leben keine perfekte Kopie der letzten Tage von Elvis Presley darstellt, dann kommt es zumindest ziemlich dicht ran."

Lesenswert ist außerdem, was David Browne zum Thema Fentanyl zusammengetragen hat: Das enorm starke Schmerzmittel hat in den USA zuletzt mehr Menschen pro Jahr dahingerafft als Heroin - mit Tom Petty und Prince als berühmteste Todesopfer: "Opioide haben das Musikgeschäft seit Jahrzehnten im Griff - als Elvis Presley 1977 starb, fand man in seinem Körper unter anderem auch Kodein und Percodan. Doch dem Aufstieg von Fentanyl dürften andere Trends zugrunde liegen: Musiker touren heute mehr denn je. 'Der Stress der Straße ist eine Herausforderung, aber dort wird heute das Geld verdient', sagt Harold Owens, Senior Director von MusiCares, einem Hilfsprogramm der Recording Academy, 'Also gehen die Musiker auf diese ausgedehnten Tourneen, und rein körperlich ist das der Horror.'"

Magazinrundschau vom 06.03.2018 - Rolling Stone

In einer großen Reportage geht Jeff Goodell der Frage nach, wie sich der Klimawandel in den USA auswirkt. Ballungszentren werden sich verschieben, schreibt er und warnt davor, die finanziellen und sozialen Folgen der Klimamigration zu unterschätzen: "In nicht allzu ferner Zukunft wird es an Orten wie Phoenix und Tucson so heiß werden, dass es lebensbedrohlich sein wird, auch nur die Straße zu überqueren. Teile des oberen Mittleren Westens werden dauerhaft zu einer Staubschüssel. Südflorida wird genauso unter Wasser liegen wie tiefliegende Sektionen der Golfküste. Einige Menschen werden versuchen zu bleiben und den Kampf mit Mutter Natur auszufechten, die meisten aber nicht. 'Die Leute werden tun, was sie seit Tausenden von Jahren tun', sagt Vivek Shandas, Professor für Stadtplanung und -entwicklung an der Portland State University. 'Sie werden in bessere Klimazonen abwandern.'"

Magazinrundschau vom 14.03.2017 - Rolling Stone

In einer großen, persönlich eingefärbten Reportage berichtet Mac McClelland, wie einige Ärzte am amerikanischen Gesetz vorbei psychische Erkrankungen mit psychedelischen Drogen behandeln, etwa um posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) von Kriegsveteranen zu lindern. Auch die offizielle Forschung befasst sich derzeit mit solchen Anwendungsmöglichkeiten. Erste Hinweise aus den Forschungsergebnissen sind vielversprechend: "Im November zeigten die Ergebnisse zweier großer Studien, dass sich mit Psilocybin behandelte Krebspatienten mehrheitlich und anhaltend von Depressionen und Angstschüben erholten. ... Die PTBS-Testbehandlungen mit MDMA stellten fest, dass es keinen Patienten gab, bei dem sich keine Besserung einstellte. Mehr als 80 Prozent haben sich so erholt, dass sie offiziell nicht mehr unter PTBS leiden. Die Effektivität anderer PTBS-Behandlungsweisen wird auf zwischen 50 und 70 Prozent eingeschätzt. Zwar gilt diese Zahl als strittig, doch selbst wenn man 'nur von 25 Prozent ausgeht', bei denen die konventionelle Behandlung nicht greift, sagt Dr. Michael Mithoefer, der die klinischen Studien in Charleston leitet, 'dann sind das noch immer Millionen von Menschen alleine in den Vereinigten Staaten'. Alle Teilnehmer der Studie hatten zuvor bereits Erfahrungen mit Medikationen oder Therapien, meist beides. Im Durchschnitt litt die Gruppe seit 19 Jahren an PTBS."

Dazu passend befasst sich auch die Jungle World aktuell mit dem Thema und insbesondere damit, dass Arbeiter in der IT-Branche mit Mini-Dosen psychedelischer Drogen ihre Arbeitsleistung erhöhen.

Magazinrundschau vom 07.03.2017 - Rolling Stone

Jonathan Guyer rollt den Fall des ägyptischen Autors Ahmed Naji auf, der seit Jahrzehnten als erster Schriftsteller allein für seine Literatur ins Gefängnis gesteckt wurde. Die Zensurbehörde hatte seinen Roman "Using Life" erst genehmigt, doch dann wurde Naji wegen Obszönität der Prozess gemacht. Der Roman erzählt von einer Gruppe Freunde aus den armen Quartieren Kairos, die auf der Suche nach Spaß und Sinn in ihrem Leben sind, durchaus anzüglich, aber vor allem auch recht subversiv. Eindeutig ist für Guyer das veränderte Klima in Ägypten: "Najis Verurteilung lässt sich nicht allein mit dem harten Vorgehen der Behörden gegen jede Form von Kritik und freie Meinungsäußerung erklären. 'Es war nicht Präsident Sisi, der den Staatsanwalt auf den Plan gerufen hat', sagt der Autor El Toukhy mit Bezug auf den starken Mann Ägyptens, der im Juli 2013 die Macht übernommen hat, 'sondern das Klima, das er erzeugt hat'. Die Atmosphäre von staatlicher und Selbstzensur, die willkürlichen Verhaftungen von Journalisten ermuntern die Informanten und Spitzel die Leute zu denunzieren, und dann kann jeder ehrgeizige Staatsanwalt auf sich aufmerksam machen, indem er einen bekannten Autor anklagt."

Magazinrundschau vom 04.08.2015 - Rolling Stone

Matthieu Aikins lässt sich in den Jemen schmuggeln, wo Saudis und Iraner ihren Kampf um die Vorherrschaft im Nahen Ostenausfechten: Die Saudis werfen Bomben, um dem vertriebenen Präsidenten Hadi die Rückkehr zu ermöglichen, während die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen zu Land operieren, jede Opposition unterdrücken und die Bevölkerung terrorisieren. Die USA stehen dazwischen und wissen nur so viel: ihre eigene Strategie ist geplatzt. Die Zukunft des Landes ist deprimierend vorhersehbar, fürchtet Aikins: "Der Krieg wird sich ausweiten. Gegner werden in noch kleinere, noch brutalere Milizen zersplittern. Regionale Kräfte werden für einen kleinen Vorteil gegenüber Rivalen Öl in Feuer gießen, auch wenn der Rückschlag vorprogrammiert ist. Die internationale Gemeinschaft wird hilflos daneben stehen. Eine riesige menschliche Tragödie wird sich entfalten, das Leben von Mllionen zerstören und Flüchtlinge in überquellende Camps und an die Küsten eines abweisenden Westens schicken. Eine Reihe immer nihilistischerer Dschihadistengruppen - die einzigen Gewinner in diesem Krieg - wird wachsen und die Welt gefährden. ... Der Menschenrechtsaktivist Faqih sieht aus dem Fenster. "Ich glaube, ohne ein Wunder wird es zum Schlimmsten kommen", sagt er und lacht bitter. "Aber es gibt keine Wunder.""

Magazinrundschau vom 28.04.2015 - Rolling Stone

Wie weit die religiöse Rechte in Amerika geht, um Frauen an einer Abtreibung zu hindern, beschreibt Janet Reitman in einer Reportage im Rolling Stone: In Wisconsin können schwangere Frauen inzwischen legal eingesperrt oder in psychiatrische Kliniken eingewiesen werden, wenn sie Alkohol trinken oder Drogen nehmen. Denn der Fötus genießt laut Gesetz Persönlichkeitsrechte, die die Mutter verletzen kann. Und das ist nicht nur in Wisconsin so: "Mindestens fünfzehn Bundesstaaten sehen Drogen- oder Alkoholkonsum während der Schwangerschauf als eine Form von "Kindsmissbrauch" an. Obwohl diese Gesetze erlassen wurden, um die Gesundheit Ungeborener zu schützen, gefährden sie im wirklichen Leben oft die Gesundheit von Mutter und Fötus und berauben die Mutter ihrer verfassungsmäßigen Rechte. "Es geht hier in Wahrheit darum, einen gesonderten Rechtsstatus für schwangere Frauen zu schaffen", sagt Lynn Paltrow, Direktorin der National Advocates for Pregnant Women und Co-Autorin einer 2013 veröffentlichten Studie, die mehr als 400 Fälle aus den Jahren 1973 bis 2005 dokumentiert, in denen schwangere Frauen von Staatsbeamten verhaftet, eingesperrt oder Zwangsmaßnahmen unterworfen wurden. "Es ist unmöglich, befruchteten Eiern und Föten eigene Rechte zu verleihen, ohne den Frauen diese Rechte wegzunehmen.""