Magazinrundschau - Archiv

Rolling Stone

27 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 3

Magazinrundschau vom 26.06.2018 - Rolling Stone

Wie ein "verschlissener Dorian Gray" kommt Stephen Rodrick Johnny Depp mittlerweile vor: Einst ein strahlender, gefeierter Star, steckt der für seinen kostenintensiven Bohème-Lebensstil bekannte Schauspieler privat, finanziell und künstlerisch in einer Sackgasse. Rodrick hat den gefallenen Engel drei Tage lang begleiten und dabei offenbar auch privilegierten Aktenzugriff genießen können - und erzählt neben den Verästelungen vieler Finanzdetails auch eine tragische Geschichte: "All die charmanten Dinge, die er mit 28 tat - Drogen nehmen, auf einem Baugerüst auf dem Dach von Atlantic Records in L.A. herumrennen - wirken zunehmend verstörend, wenn er sie mit 55 noch immer tut. (...) Im ewigen Peter Pan liegt zwar ein Schlüssel zu Depps Charme auf der Leinwand. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der knabenhafte Unbekümmerte hat sich langsam zu einem alternden Mannkind gewandelt, das zwar noch immer charismatisch ist, aber nur in Momenten. Wenn sein derzeitiges Leben keine perfekte Kopie der letzten Tage von Elvis Presley darstellt, dann kommt es zumindest ziemlich dicht ran."

Lesenswert ist außerdem, was David Browne zum Thema Fentanyl zusammengetragen hat: Das enorm starke Schmerzmittel hat in den USA zuletzt mehr Menschen pro Jahr dahingerafft als Heroin - mit Tom Petty und Prince als berühmteste Todesopfer: "Opioide haben das Musikgeschäft seit Jahrzehnten im Griff - als Elvis Presley 1977 starb, fand man in seinem Körper unter anderem auch Kodein und Percodan. Doch dem Aufstieg von Fentanyl dürften andere Trends zugrunde liegen: Musiker touren heute mehr denn je. 'Der Stress der Straße ist eine Herausforderung, aber dort wird heute das Geld verdient', sagt Harold Owens, Senior Director von MusiCares, einem Hilfsprogramm der Recording Academy, 'Also gehen die Musiker auf diese ausgedehnten Tourneen, und rein körperlich ist das der Horror.'"

Magazinrundschau vom 06.03.2018 - Rolling Stone

In einer großen Reportage geht Jeff Goodell der Frage nach, wie sich der Klimawandel in den USA auswirkt. Ballungszentren werden sich verschieben, schreibt er und warnt davor, die finanziellen und sozialen Folgen der Klimamigration zu unterschätzen: "In nicht allzu ferner Zukunft wird es an Orten wie Phoenix und Tucson so heiß werden, dass es lebensbedrohlich sein wird, auch nur die Straße zu überqueren. Teile des oberen Mittleren Westens werden dauerhaft zu einer Staubschüssel. Südflorida wird genauso unter Wasser liegen wie tiefliegende Sektionen der Golfküste. Einige Menschen werden versuchen zu bleiben und den Kampf mit Mutter Natur auszufechten, die meisten aber nicht. 'Die Leute werden tun, was sie seit Tausenden von Jahren tun', sagt Vivek Shandas, Professor für Stadtplanung und -entwicklung an der Portland State University. 'Sie werden in bessere Klimazonen abwandern.'"
Stichwörter: Klimawandel, Stadtplanung

Magazinrundschau vom 14.03.2017 - Rolling Stone

In einer großen, persönlich eingefärbten Reportage berichtet Mac McClelland, wie einige Ärzte am amerikanischen Gesetz vorbei psychische Erkrankungen mit psychedelischen Drogen behandeln, etwa um posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) von Kriegsveteranen zu lindern. Auch die offizielle Forschung befasst sich derzeit mit solchen Anwendungsmöglichkeiten. Erste Hinweise aus den Forschungsergebnissen sind vielversprechend: "Im November zeigten die Ergebnisse zweier großer Studien, dass sich mit Psilocybin behandelte Krebspatienten mehrheitlich und anhaltend von Depressionen und Angstschüben erholten. ... Die PTBS-Testbehandlungen mit MDMA stellten fest, dass es keinen Patienten gab, bei dem sich keine Besserung einstellte. Mehr als 80 Prozent haben sich so erholt, dass sie offiziell nicht mehr unter PTBS leiden. Die Effektivität anderer PTBS-Behandlungsweisen wird auf zwischen 50 und 70 Prozent eingeschätzt. Zwar gilt diese Zahl als strittig, doch selbst wenn man 'nur von 25 Prozent ausgeht', bei denen die konventionelle Behandlung nicht greift, sagt Dr. Michael Mithoefer, der die klinischen Studien in Charleston leitet, 'dann sind das noch immer Millionen von Menschen alleine in den Vereinigten Staaten'. Alle Teilnehmer der Studie hatten zuvor bereits Erfahrungen mit Medikationen oder Therapien, meist beides. Im Durchschnitt litt die Gruppe seit 19 Jahren an PTBS."

Dazu passend befasst sich auch die Jungle World aktuell mit dem Thema und insbesondere damit, dass Arbeiter in der IT-Branche mit Mini-Dosen psychedelischer Drogen ihre Arbeitsleistung erhöhen.

Magazinrundschau vom 07.03.2017 - Rolling Stone

Jonathan Guyer rollt den Fall des ägyptischen Autors Ahmed Naji auf, der seit Jahrzehnten als erster Schriftsteller allein für seine Literatur ins Gefängnis gesteckt wurde. Die Zensurbehörde hatte seinen Roman "Using Life" erst genehmigt, doch dann wurde Naji wegen Obszönität der Prozess gemacht. Der Roman erzählt von einer Gruppe Freunde aus den armen Quartieren Kairos, die auf der Suche nach Spaß und Sinn in ihrem Leben sind, durchaus anzüglich, aber vor allem auch recht subversiv. Eindeutig ist für Guyer das veränderte Klima in Ägypten: "Najis Verurteilung lässt sich nicht allein mit dem harten Vorgehen der Behörden gegen jede Form von Kritik und freie Meinungsäußerung erklären. 'Es war nicht Präsident Sisi, der den Staatsanwalt auf den Plan gerufen hat', sagt der Autor El Toukhy mit Bezug auf den starken Mann Ägyptens, der im Juli 2013 die Macht übernommen hat, 'sondern das Klima, das er erzeugt hat'. Die Atmosphäre von staatlicher und Selbstzensur, die willkürlichen Verhaftungen von Journalisten ermuntern die Informanten und Spitzel die Leute zu denunzieren, und dann kann jeder ehrgeizige Staatsanwalt auf sich aufmerksam machen, indem er einen bekannten Autor anklagt."

Magazinrundschau vom 04.08.2015 - Rolling Stone

Matthieu Aikins lässt sich in den Jemen schmuggeln, wo Saudis und Iraner ihren Kampf um die Vorherrschaft im Nahen Ostenausfechten: Die Saudis werfen Bomben, um dem vertriebenen Präsidenten Hadi die Rückkehr zu ermöglichen, während die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen zu Land operieren, jede Opposition unterdrücken und die Bevölkerung terrorisieren. Die USA stehen dazwischen und wissen nur so viel: ihre eigene Strategie ist geplatzt. Die Zukunft des Landes ist deprimierend vorhersehbar, fürchtet Aikins: "Der Krieg wird sich ausweiten. Gegner werden in noch kleinere, noch brutalere Milizen zersplittern. Regionale Kräfte werden für einen kleinen Vorteil gegenüber Rivalen Öl in Feuer gießen, auch wenn der Rückschlag vorprogrammiert ist. Die internationale Gemeinschaft wird hilflos daneben stehen. Eine riesige menschliche Tragödie wird sich entfalten, das Leben von Mllionen zerstören und Flüchtlinge in überquellende Camps und an die Küsten eines abweisenden Westens schicken. Eine Reihe immer nihilistischerer Dschihadistengruppen - die einzigen Gewinner in diesem Krieg - wird wachsen und die Welt gefährden. ... Der Menschenrechtsaktivist Faqih sieht aus dem Fenster. "Ich glaube, ohne ein Wunder wird es zum Schlimmsten kommen", sagt er und lacht bitter. "Aber es gibt keine Wunder.""
Stichwörter: Jemen, Saudi-Arabien, Iran, USA

Magazinrundschau vom 28.04.2015 - Rolling Stone

Wie weit die religiöse Rechte in Amerika geht, um Frauen an einer Abtreibung zu hindern, beschreibt Janet Reitman in einer Reportage im Rolling Stone: In Wisconsin können schwangere Frauen inzwischen legal eingesperrt oder in psychiatrische Kliniken eingewiesen werden, wenn sie Alkohol trinken oder Drogen nehmen. Denn der Fötus genießt laut Gesetz Persönlichkeitsrechte, die die Mutter verletzen kann. Und das ist nicht nur in Wisconsin so: "Mindestens fünfzehn Bundesstaaten sehen Drogen- oder Alkoholkonsum während der Schwangerschauf als eine Form von "Kindsmissbrauch" an. Obwohl diese Gesetze erlassen wurden, um die Gesundheit Ungeborener zu schützen, gefährden sie im wirklichen Leben oft die Gesundheit von Mutter und Fötus und berauben die Mutter ihrer verfassungsmäßigen Rechte. "Es geht hier in Wahrheit darum, einen gesonderten Rechtsstatus für schwangere Frauen zu schaffen", sagt Lynn Paltrow, Direktorin der National Advocates for Pregnant Women und Co-Autorin einer 2013 veröffentlichten Studie, die mehr als 400 Fälle aus den Jahren 1973 bis 2005 dokumentiert, in denen schwangere Frauen von Staatsbeamten verhaftet, eingesperrt oder Zwangsmaßnahmen unterworfen wurden. "Es ist unmöglich, befruchteten Eiern und Föten eigene Rechte zu verleihen, ohne den Frauen diese Rechte wegzunehmen.""

Magazinrundschau vom 21.04.2015 - Rolling Stone

Andy Greene erzählt die immer noch zu schön um wahr zu seiende Geschichte des Bill Withers, der einige der schönsten Soul-Songs aller Zeiten schrieb und sang und dann von der Szenerie verschwand, weil er keine Lust mehr hatte auf das Pop-Business (jetzt wird er in die Rock"n"Roll-Hall of Fame aufgenommen). Er ist inzwischen 76. Mit Musik angefangen hat er überhaupt erst mit 29. Der Produzent Clarence Avant erkannte sein Talent und heuerte Booker T. Jones für die erste Studio-Sitzung an: "Jones, der berühmte Stax-Keyboarder blätterte durch sein Rolodex und heuerte die Creme der Los-Angeles-Szene an: als Drummer Jim Keltner, als Bassist Donald "Duck" Dunn, Stephen Stills an der Gitarre. "Bill kam in einer klapprigen Karre aus der Fabrik und hatte alte Brogan-Stiefel an, und er hatte ein Notizbuch voller Songs", sagt Jones. "Als er uns alle im Studio sah, wollte er kurz unter vier Augen mit mir sprechen und fragte: "Booker, wer wird die ganzen Songs denn singen?" Ich sagte: "Du, Bill." Er dachte, da käme noch ein Sänger. Withers fühlte sich sehr unsicher. Aber dann kam Graham Nash ins Studio: "Er setzte sich zu mir und sagte, Du weißt gar nicht, wie gut du bist", sagt Withers. "Das werde ich nie vergessen.""

Am berühmtesten sind natürlich "Ain"t No Sunshine" und "Lean on Me". Unser Lieblingssong ist aber "Use Me" (unübertrefflich die Studioaufnahme)! Hier in einer Live-Aufnahme der BBC:

Stichwörter: Withers, Bill, Rock N Roll

Magazinrundschau vom 24.03.2015 - Rolling Stone

Matthieu Aikins schildert in einem unglaublichen, bitteren Reportage die verfahrene Lage im Irak und den nahezu aussichtslosen Kampf gegen den IS. Die irakische Armee ist zusammengebrochen, der Staat zerfällt unter den Händen sektiererischer Mullahs und korrupter Politiker: "Der Irak ist zu einem Milizenstaat geworden, die Militäroperationen führen häufig dieselben vom Iran unterstützten Kommandeure durch, die gerade noch gegen das amerikanische Militär kämpften. Und während die Milizen im Kampf gegen IS durchaus Erfolge vorweisen können, haben sie auch die konfessionelle Natur des Konflikts verstärkt, womit die Aussichten auf eine Versöhnung zwischen Sunniten und Schiiten in weitere Ferne rücken." Zunehmend fallen den Milizen auch amerikanische Waffen in die Hände: "Beabsichtigt oder nicht, wenn die amerikanische Regierung die paramilitärischen Gruppen unterstützen, deren Exzesse schon an die schlimmsten Vorfälle im Jahr 2006 heranreichen, riskiert sie, eben jene Gewalt und Korruption weiter zu verbreiten, die im vorigen Jahr den IS erst hat groß werden lassen."

Magazinrundschau vom 16.12.2014 - Rolling Stone

Nach Ferguson, nach dem Tod von Eric Garner und anderen Opfern polizeilicher Gewalt ist es endlich an der Zeit, die Nulltoleranzstrategie der Polizei zu beerdigen, fordert Matt Taibbi in einem sehr lesenswerten Kommentar. "Diese Politik des ständigen Piesackens wegen Bagatellen führt mit größter Effizienz zu einer entsetzlichen Wut in Problemvierteln. Und dann geschieht so etwas wie der Garner-Fall und alles kommt zusammen: Sechs bewaffnete Polizisten überwältigen und töten einen Mann, weil er eine 75-Cent-Zigarette verkauft hat. Eine ökonomische Regulierung, die tödlich endete. Eine Situation, die umso lächerlicher ist, als wir in dieser Stadt zahllose ernsthafte Wirtschaftsverbrechen überhaupt nicht mehr anklagen. Eine Fähre entfernt von Staten Island, auf der Wall Street, wird die reine, uneingeschränkte Freiheit, auszunehmen wen immer man will, als heiliges Geburtsrecht jedes Halunken mit einer Brieftasche betrachtet."

Magazinrundschau vom 09.12.2014 - Rolling Stone

Nach dreizehn Jahren Afghanistankrieg zieht Matthieu Aikins eine bittere Bilanz: das Land wird beherrscht von Drogenbossen, die soviel Opium exportieren wie nie. Mitverantwortlich dafür ist - neben korrupten afghanischen Politiker - ausgerechnet Obamas Wunsch, die US-Truppen so schnell wie möglich aus Afghanistan abzuziehen: "Obama hat dem Militär nur vier Jahre Zeit gegeben, mit 100.000 Mann in das Land rein- und rauszugehen, die Taliban zu besiegen und eine stabile afghanische Armee und Polizei aufzubauen. Am Boden siegten die kurzfristigen Erfordernisse für Kampfhandlungen und Logistik jederzeit über langfristige Anliegen wie Bekämpfung der Korruption, des Drogenhandels und der Menschenrechtsverletzungen. Notorische Figuren wie der Bruder des Präsidenten, Ahmed Wali galten als zu wichtig für den Krieg, um sie zur Verantwortung zu ziehen oder zu ersetzen."
Stichwörter: Afghanistan, Drogenhandel