Magazinrundschau - Archiv

Los Angeles Review of Books

16 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 2

Magazinrundschau vom 19.03.2019 - LA Review of Books

Bei der Lektüre von Mark Fishers Buch "k-punk", einer nach Fishers Suizid vor zwei Jahren zusammengestellten Auswahl seiner umfangreichen Blog-Notizen und Essays, kommen Richard Luckhurst mitunter die Tränen angesichts dieses enormen intellektuellen Verlusts. Zugleich wird hier nochmals die prekarisierte Position vitaler intellektueller Gegenwartsauseinandersetzung unter den gegenwärtigen Bedingungen kenntlich - weder der akademische Betrieb, noch der Musik- und Kulturjournalismus bieten dafür noch eine verlässliche Heimat. Dass Fisher insbesondere in einem (kaum monetarisierbaren) Blog einen Wirkungsort gefunden hat, ist für Luckhurst daher kein Zufall: "Fisher schreibt darüber, wie er sich als Arbeiterklassenkind ohne Zugang zu Büchern für den New Musical Express begeisterte: Das Magazin bot ihm eine unorthodoxe Bildung in Politik und Philosophie, gefiltert durch eine leidenschaftliche Verteidigung der Post-Punk-Szene. Der NME stand für 'die Legitimität und Notwendigkeit, Urteile zu fällen'. Dieser Geist bestimmte auch seine Blog-Posts. K-Punk war das Resultat der Ausweidung der wöchentlichen Musikmagazine, die in den 90ern kollabierten und durch teure, von Hippies im mittleren Alter geführte Monatshefte ersetzt wurden (sowohl für den NME als auch für Fisher stellten Hippies die mutmaßlich niederste Lebensform auf diesem Planeten dar). Als Fisher darauf stieß, dass Simon Reynolds Musik online in Form eines frühen Blogs kommentierte, erkannte er sofort das Potenzial dieser Form, den 'Do it yourself'-Punk-Ethos wiederzubeleben. Aus k-punk wurde ein Bestandteil eines ganzen Klusters ähnlich gesinnter Musikblogs. Aber Fishers Schreiben durchtränkte sie mit einem Sinn für die Situation der Musik innerhalb kultureller Politik. Das Potenzial neuer Technologien zu erkennen und sie dann der anschmiegsamen Kapitalisierung durch Unternehmen zu entreißen, ist ein Markenzeichen der historischen Avantgarde. Fisher begann mit dem Bloggen, um den Beschränkungen sowohl der Musikpresse, als auch dem verkalkten Zustand des akademischen Schreibens zu entkommen. K-Punk war ein Dissident der akademischen Linken - und zwar hinsichtlich Position und Form. Er verweigerte sich den sonderbaren Prosa-Orthodoxien des akademischen Betriebs sowie seiner Ehrerbietigkeit, Zurückhaltung und seinem schneckenlangsamen Tempo."

Magazinrundschau vom 17.04.2018 - LA Review of Books

Ein Buch, dessen Figurenpersonal sich ausschließlich aus der Welt der Bäume rekrutiert, hat Richard Powers mit seinem neuen Roman "The Overstory" zwar nicht vorgelegt, doch in den Fingern hat es ihn dazu schon gekitzelt, gesteht er im Gespräch gegenüber Everett Hammer. Ohnehin haben ihn jüngere Entfremdungserlebnisse mit der Welt des Digitalen weiter zur Natur gedrängt und ihn auf einige Versäumnisse der Gegenwartsliteratur aufmerksam gemacht: Diese fokussiere noch immer stark persönliche und psychologische Facetten. "Wann immer Autoren wie Don DeLillo oder Lydia Millet oder Kim Stanley Robinson aus der Überschaubarkeit des Privaten und Häuslichen ausbrechen, ist der Effekt berauschend: 'Oh, es steht ja tatsächlich Größeres auf dem Spiel'. Das ist paradox: Während die Herausforderung des Fortbestands der Menschheit auf diesem Planeten nie größer und deutlicher vor uns lag, scheint sich die Literatur in einer Obsession für die privaten Hoffnungen, Ängste und Wünsche einzurichten. Sicher, diese Herausforderungen machen den Kern all unseres Tuns aus. Doch wenn der menschliche Einfluss auf die Umwelt das Klima auf den Kopf stellt, den Boden auslaugt und das Verschwinden von vierzig Prozent aller Spezies zur Folge hat, dann stellt der Rückzug ins Schöngeistige nichts als einen reaktionären Solipsismus dar. Wir brauchen Geschichten und Mythen, die sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt befassen, wir brauchen viele davon und rasch und in allen Formen und Farben."

Magazinrundschau vom 20.03.2018 - LA Review of Books

Wer herrscht heute an den Universitäten? Bestimmt nicht die Professoren. Sei wurden abgelöst von der Verwaltung, die selbst für Studenten heute wichtiger ist als jeder Lehrer, schreibt Ron Srigley, Professor für Philosophie und Religionswissenschaften in Toronto, in einem epischen, aber gut zu lesenden Text über den Niedergang amerikanischer und kanadischer Universitäten sowie das Absinken des allgemeinen intellektuellen Niveaus. Das liegt daran, dass nicht mehr Wissen und Verstehen das wahre Ziel der Universität ist. Woran liegt das? "Ausgenommen einiger Schlüsselwissenschaften und Technologieprogramme, in denen inhaltliche Kenntnisse unabdingbar sind, sind heute verwaltungstechnische Effizienz und verwaltungstechnisches Denken die wahren Ziele der Institution. Die Geisteswissenschaften und Künste werden durch Technologie und technologische Arten der Erziehung still und leise umgemodelt, so dass ihr 'Inhalt' dafür sorgt, dass geliefert wird, was die Universität wirklich will - angepasste, in Verwaltungsbegriffen denkende Menschen, die die Verwaltungswelt bevölkern, die wir für sie geschaffen haben. Die verborgene Annahme dahinter ist, dass es unwichtig ist, was Studenten wissen oder wie intelligent sie sind, wichtig ist, wie gut und wie häufig sie Leistung zeigen und wie wir das endlich messen können."
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Stichwörter: Universität, Srigley, Ron

Magazinrundschau vom 05.09.2017 - LA Review of Books

Wenn das mit dem Klassenkampf von unten mal wieder etwas werden soll, bräuchte es dringend Geschichten, die wieder vom revolutionären Subjekt und dem Pathos des Moments der Gelegenheit erzählen, mahnt Dan Hassler-Forest. Umso beglückter ist er vom neuen Science-Fiction-Film "Planet der Affen: Survival", den er allen Genossen nur wärmstens ans Herz legen kann: "Man könnte mit gutem Grund sagen, dass die charismatischen, moralisch gefestigten und von Grund auf sympathischen Affen einen Identifikationspunkt bieten, der es dem privilegierten Publikum des Films gestattet, Empathie mit menschlichen Körpern zu entwickeln, denen die Menschlichkeit von den Machthabern abgesprochen wird. Zwar haben die 'Affen'-Filme wenig Interesse daran, die radikale Andersartigkeit einer fortgeschrittenen Primatengesellschaft im Gegensatz zu unserer zu erkunden. Dennoch machen die Filme regen Gebrauch von den Affen als jene Figur, die Giorgio Agamben als Homo Sacer beschrieben hat: jene, die mit Gewalt ausgeschlossen werden aus der Gesellschaft und auf verschiedene Weise gebrandmarkt werden - als Flüchtlinge, Terroristen, Immigranten ohne Papiere, uneinstellbare Arbeiter, sexuell 'Deviante' undsoweiter. Mittels eines Rückgriffs auf Science-Fiction-Tropen und das Erbe eines Genreklassikers reflektieren die neuen 'Affen'-Filme die Krise der Linken in diesem Zeitalter der Impotenz, während sie zugleich auch einige der Möglichkeiten erkunden, die durch revolutionäre Aktion eröffnet werden." In diesem Sinne:


Magazinrundschau vom 29.08.2017 - LA Review of Books

88 Jahre ist der Bilderstürmer Alejandro Jodorowsky mittlerweile und zeigt sich im Interview gegenüber Gregg LaGambina quietschfidel. Vor vier Jahren hat er mit dem autobiografischen Film "Dance of Reality" seinen ersten Spielfilm seit 22 Jahren gedreht, dem er nun, als zweiten Teil seiner autobiografischen Saga, "Endless Poetry" folgen lässt. "Alles was man in diesem Film sieht, ist wahrhaftig", sagt er. "Auch wenn es sich im echten Leben nicht so zugetragen hat. Es ist eine wahrhaftige Geschichte innerhalb der Sphäre der Kunst. Ich beginne mit der Realität. Jede Szene war in gewisser Weise realer als im echten Leben. Wir filmten auf derselben Straße in Chile, in der ich einst gewohnt habe. Wir suchten dasselbe Ladengeschäft auf, in dem mein Vater gearbeitet hat. Ich kehrte an alle Orte zurück, an denen ich aufgewachsen bin. Alles in dieser Welt ist wie in meinem Leben - aber dann auch wieder nicht. Es ist wie bei einem Gemälde. Gehen Sie zu Rembrandt oder Van Gogh und sagen Sie: 'Male diese Straße!' Er wird die Straße malen, die echte Straße. Doch jedes Bild wird anders sein, wegen des jeweils individuellen Stils. Ich male in meinem eigenen Stil, aber alles ist wahrhaftig. In diesem Film wird mein Vater von meinem ältesten Sohn gespielt. Und mein Sohn wird von meinem jüngsten Sohn gespielt - er ist genau wie ich. Es ist echt, sehen Sie? "

Herausgekommen ist dabei allem Anschein nach wieder ein farbenprächtig-stilisierter Film:


Magazinrundschau vom 25.04.2017 - LA Review of Books


"Coups de Bâtons," 1937, Mayo

Zwischen 1938 und 1952 war die ägyptische Kunst einmal auf der Höhe der Zeit, schreiben Jonathan Guyer und Surti Singh, bevor die Künstler der Gruppe "Kunst und Freiheit", viele von ihnen Marxisten, eingesperrt wurden oder auswandern mussten. Umso bedauerlicher ist es, so die zwei Autoren, dass die beiden Ausstellungen mit Werken des ägyptischen Surrealismus der eigentlichen Bedeutung dieser Epoche für Ägypten nicht einmal nahe kommen. Die eine Ausstellung stellten das Centre Pompidou und Quatar auf die Beine, die andere die Sharjah Foundation (Vereinigte Arabische Emirate) und das ägyptische Kulturministerium. "Die keimfreie Darstellung der Gruppe 'Kunst und Freiheit' ist eine Fallstudie, wie eine radikale Bewegung vom Establishment gezähmt und angeeignet wird. Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate teilen eine autoritäre Politik, die freier künstlerischer Produktion nicht zulässt: beide Länder werden von undemokratischen Dynastien beherrscht, die Ausdrucksfreiheit beschränken, Dissidenten einsperren und viele Formen politischer Aktivitäten verbieten. Die Karikatur eines Herrschers zu zeichnen, kann einen hier ins Gefängnis bringen. Dass so viele Rezensenten der beiden Ausstellungen nicht ausgesprochen haben, dass die Golfstaaten die arabische Kunstwelt beherrschen, belegt die Macht des Kapitals, Debatten über ansteckende politische Dynamiken zu unterdrücken. Die lange vernachlässigten Künstler von 'Kunst und Freiheit', von denen einige radikale Ansichten hatten, die in den heutigen Golfstaaten verboten wären, sind zu Sammelobjekten konservativer Royals geworden. Ausstellungen in Europa und dem Nahen osten haben ebenfalls den Preis und das Ansehen moderner arabischer Kunst befördert."

Magazinrundschau vom 11.04.2017 - LA Review of Books


Szene aus Straub/Huillets Film "Von heute auf morgen" nach Arnold und Gertrud Schönberg von 1996

Die Filme von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet gelten als schwere Kost, deren Kenntnis sich bislang auf wenige Spezialisten vornehmlich im europäischen Raum beschränkte. Eine tourende Filmreihe und zwei neue Buchveröffentlichungen (mehr dazu hier und dort) machen die sperrig-spröden Filme des französischen Regie-Duos nun auch in den USA bekannter. Kevin McMahon hat sich eingehender mit den stets in einem besonderen Verhältnis zur Musik stehenden Filmen und Büchern der beiden befasst und geht dabei auch auf die besondere Rauminszenierung ein, etwa in dem Opernfilm "Von heute auf morgen": "Es handelt sich dabei mit Nachdruck um eine abgefilmte Aufführung: Wir sehen die Bühne, das Orchester und den (leeren) Saal. Die Szenerie wird nie 'geöffnet', was den auf seltsame Weise klaustrophobischen Plot um eine häusliche Auseinandersetzung noch betont. Jahre bevor die MetLive ihre Konventionen für abgefilmte Opern entwickelte, unterliefen Straub-Huillet diese bereits... Straub-Huillets Auseinandersetzungen mit dem Klang-Raum werden ergänzt durch die Auseinandersetzung mit dem Ort-Raum. Alle Elemente - Kamerarbeit, Klang, Montage, Text und Performance - zielen darauf ab, den Zuschauer an einem kohärenten, spezifischen Ort zu situieren. Nicht jeder Ort kommt dafür in Frage. Die Dokumente in dem Band 'Writings' belegen den enormen Aufwand, mit dem sich Straub-Huillet auf die Suche nach Drehorten machten, die den Anforderungen für das Projekt exakt genügten. Und wenn sie einen Ort gefunden hatten, brachten sie präzise auf den Punkt, wie sie ihn gebrauchen würden. 'Die Arbeit mit dem Drehort ist essenziell', sagt Straub. 'Ansonsten führt man bei den Dreharbeiten einfach nur alte Tricks auf. Was nicht durch Geduld und Zeit gemeistert wird, ist nichts wert. Es muss den Ort durchdringen und Wurzeln schlagen.'"

Magazinrundschau vom 21.03.2017 - LA Review of Books

Sehr interessiert liest der Literaturwissenschaftler Roger Luckhurst den neuen Essayband "The Weird and the Eerie" des Pop- und Kulturtheoretikers Mark Fisher, der sich vor wenigen Wochen umgebracht hat. Dem Autor, staunt Luckhurst, gelingt es, "auf magische Weise den post-Lacanschen, post-Zizekianischen Marxismus und die radikal anti-subjektivistische Philosophie von Gilles Deleuze verständlich wiederzugeben". Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stehen so disparate Werke wie unter anderem die Gruselgeschichten von H.P. Lovecraft, deutsche Fernsehserien von Rainer Werner Fassbinder oder die Filme von David Lynch. Im einzelnen gehe es Fisher um eine Präzisierung des Begriffs des "Unheimlichen" bei Freud, den er aufspaltet in "weird" (das Sonderbare, Merkwürdige) und "eerie" (das Gespenstische, das Gruselige). Vor allem im Begriff des Gespenstischen liegt Fischers maßgebliche Leistung, schreibt Luckhurst: "Er entnimmt diesen Begriff dem saloppen Alltagsgebrauch und lädt ihn mit einem konzeptuellen Rigor auf: Orte sind gespenstisch; menschenleere Landschaften sind gespenstisch... Das Gespenstische offenbart sich in Fishers zentraler Einsicht als Spur einer undurchschaubaren Instanz, die ohne eigenen oder nur mit einem enervierend nicht-subjektiven Trieb auskommt, der unser Verhalten auf rätselhafte Weise aus dem Innern heraus steuert. Diese Einsicht gewinnt Sinn aus den stilleren emotionalen Bandbreiten des kriechenden Schreckens oder einer unausweichlichen Verdammnis, die die kritisch-analytische Auseinandersetzung mit der Ästhetik des Gothic, die laut von Körperhorror und Torture Porn plärrt, in wesentlichen Facetten nicht zu greifen bekommt. Statt sich mit diesen Feldern zu beschäftigen, zieht Fisher eine Bahn durch die Nachkriegskultur Großbritanniens. Was ist es, das die Vögel in Daphne Du Mauriers Kurzgeschichte (oder in Hitchcocks re-ödipalisierter Adaption) dazu bringt, sich in unversöhnlicher Bösartigkeit zusammenzurotten?" Auf Deutsch wird das Buch aktuell auch von Christian Werthschulte in der Jungle World besprochen.

Magazinrundschau vom 21.02.2017 - LA Review of Books

Osteuropa, seufzt Jacob Mikanowski, ist dabei zu verschwinden - natürlich nicht geografisch, sondern als Idee, als Raum der Verzweiflung. "Einmal fiel mir eine polnischen Anthologie 'Verfemter Dichter' in die Hände und ich blätterte etwas gelangweilt durch die sich wiederholenden Geschichten von Alkoholismus, Verwahrlosung, Unbehaustheit und Selbstmord. Aber dann stellte ich fest, dass sich die Sammlung über vier Bände erstreckte, und realisierte, dass ich vor einem metaphysischen Abgrund stand. Aber verbindet denn wirklich etwas die osteuropäische Literatur, abgesehen von Unbekanntheit, Seltsamkeit und Unglück? Ich glaube schon, und dabei handelt es sich um einen echten Import in die Weltgeschichte... Im westeuropäischen Roman, wie er sich im 19. Jahrhundert entwickelt hat, geht es um die Spannung zwischen den seelischen Antrieben und den Beschränkungen bürgerlicher Sitten. Seine Figuren bewegen sich in einem magischen Quadrat aus Ehrgeiz, Begehren, Eigentum und Ehebruch. Der amerikanische Roman dagegen zeigt in der Regel Männer und Frauen, die von der immensen Freiheit und Zahl von Möglichkeiten schier überwältigt werden in ihrer kleinen Existenz. Er dreht sich um Flucht, Ausstieg, Emanzipation und Wandel von Identität. In der osteuropäischen Literatur geht es um die Launen des Schicksals, die Unentrinnbarkeit der Geschichte und die allgemeine Absurdität des Lebens. Sie wurde geformt durch eine Abfolge plötzlicher Wendungen, gescheiterter Bemühungen und unheilvoller Überraschungen. Das osteuropäische Erbe des Beherrschtwerdens, der Unterdrückung und des unerwarteten Terrors reicht so tief und bestimmt seine Autoren so nachhaltig, dass es in eine eigene Idee des Bewusstseins und eine eigene erzählerische Form geflossen ist."

Magazinrundschau vom 07.02.2017 - LA Review of Books

Ron Rosenbaum, Autor des Buchs "Explaining Hitler", denkt über die Frage nach, was man aus Hitlers Verhältnis zu den Medien für die Strategien heutiger Medien gegenüber Trump lernen kann - und nebenbei gerät ihm sein Artikel zu einer Hommage auf die Münchener Post, eine auch in Deutschland heute kaum mehr erinnerte sozialdemokratische Zeitung, die Hitler von Anfang an investigativ auf den Pelz rückte, so dass ihre Redaktionsräume schon in den Zwanzigern mehrfach verwüstet wurden: "Als Hitler sich mit den Stadtvätern arrangieren wollte (obwohl er die Gewaltdrohungen nie aufgab), vergruben sich die Reporter der Post in Hitlers dunkle Hintergründe, machten sich gnadenlos über ihn lustig, zeigten interne Risse in seiner Partei auf und offenbarten die Existenz einer Todesschwadron... In ihrem größten, sträflich ignorierten Scoop veröffentlichte die Zeitung ein NSDAP-Dokument über den Plan einer 'Endlösung' für Münchner Juden - es ist das erste Mal, dass dieser Begriff in diesem Kontext überliefert ist. War er ein Euphemismus für eine Mordpolitik? Hitler wiegelte ab, so dass viele diese Möglichkeit verdrängen konnten." Die Zeitung wurde 1933 natürlich geschlossen, einige Redakteure landeten im KZ.

Außerdem: Michelle Amor interviewt Raoul Peck zu seinem Film über James Baldwin - der auch im Panorama der Berlinale laufen wird.