Magazinrundschau - Archiv

Huffington Post

10 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 03.11.2015 - Huffington Post fr

Kann Filmmusiker heute überhaupt noch ein Beruf sein? Das Berufsbild, das vor dreißig Jahren noch fest umrissen war, hat sich jedenfalls grundlegend gewandelt, schreibt Patrick Sigwalt, Komponist und Generalsekretär der Union des Compositeurs de Musique de Films. "Wie damals ist es heute nur noch bei Großproduktionen. Bei allen anderen Filmen sind der künstlerische Leiter, der Tonmeister, der Tonmischer, die Assistenten und Musiker meist verschwunden. Ein Komponist von Filmmusik findet sich heute von einem Computer unterstützt, ist aber mutterseelenallein. Er muss nun Zuständigkeiten und Fähigkeiten auf sich vereinigen, die früher auf ein gutes Dutzend anderer Berufe entfielen."
Stichwörter: Filmmusik, Huffington Post

Magazinrundschau vom 26.08.2014 - Huffington Post fr

Lauren Provost beschäftigt sich mit Godwins Gesetz und geht den Gründen dafür nach, weshalb das Internet derart besessen davon ist. Das 1990 vom Rechtsanwalt Mike Godwin formulierte Mem lautet: "Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an." Inzwischen sei das Gesetz bei den Usern ebenso berühmt wie der Satz des Pythagoras, und bei Netz-Diskussionen gebe es immer einen, der nach der Vergabe des sogenannten "Godwinpunkts" schreie. Provost zitiert dabei unter anderem den Philosophen François De Smet, der zum Thema gerade das Buch "Reductio ad Hitlerum" vorgelegt hat. Seine These: "Die Aufhebung der Gültigkeit der meisten Ideolgien und unsere Unfähigkeit, uns allgemeingültige und unumstößliche Referenzen für das Gute, die Wahrheit oder die Gerechtigkeit zu verschaffen, verstärkt die Notwendigkeit, sich zumindest im Klaren über einen Kompass des Bösen zu sein - und exakt dazu dient Hitler in einer Zeit, in der eine klare Steuerrichtung fehlt."

Magazinrundschau vom 22.07.2014 - Huffington Post fr

Über die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris denkt der DJ und Produzent Teki Latex in der huffpo.fr nach. Der Frage wie aus zwei "großen Familien", die um 2003 noch die musikalische Landschaft um Paris bevölkerten, zwei fast schon sich anfeindende "Clans" werden konnten, nämlich der eher punkige Techno und die "Intelligent Dance Music" mit French Touch, geht der selbst ernannte House-Outsider nach und konstatiert: "Wie dem auch sei. Vielleicht wäre es an der Zeit, fünf Minuten inne zuhalten und sich nicht nur immer von anderen abzusetzen. Vielleicht fehlt uns in Paris eine gewisse Einheit, um beim Clubbing und in der Produktion mit Städten wie London oder Berlin mithalten zu können. Wer weiß, wenn irgendwann diese Dichotomie überwunden ist, findet ja auch die etwas orientierungslose französische Elektro-Szene eine neue Identität. Aber das ist wie gesagt nur die Meinung eines House-Outsiders." Ein bisschen reinhören kann man hier.
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Magazinrundschau vom 09.05.2014 - Huffington Post fr

Für welches Publikum sollen afrikanische Filme eigentlich sein?, fragt der kongolesische Journalist Patrick Ndungidi in seinem Blog bei der französischen HuffPo wenige Tage vor Cannes, auf dem nur ein Film aus Afrika zu sehen sein wird. „Das afrikanische Kino werde auf den unglücklichen Status des Exotischen reduziert“, zitiert er den kongolesischen Regisseur Rufin Mbou Mikima. Ndungidi fordert deshalb vor allem von Filmemachern im frankophonen Afrika, ihr „ewiges Assistentum“ endlich aufzugeben, und vom afrikanischen Kino, es müsse zunächst einmal den eigenen Markt erobern, bevor es an den internationalen denke: ""Viva Riva" von Regisseur Djo Munga ist einer der revolutionärsten Filme der letzten Jahre. Dieser Thriller aus dem Jahr 2010 ist komplett in Kinshasa gedreht, allein mit kongolesischen oder afrikanischen Schauspielern. Trotzdem ist dieser Thriller niemals beim Fespaco gezeigt worden, das sich selbst als größtes afrikanischen Filmfestival sieht. Welches Bild haben die Afrikaner selbst von ihrem Kino?"

Ein Phänomen beobachtet Jean-Samuel Kriegk: Immer mehr Comics mit historischen Themen finden sich in den Regalen französischer Buchläden. Bekanntes oder Abgelegenes wird in Form von Reportagen, Zeitzeugenschaften oder rein fiktiv darin höchst unterschiedlich verarbeitet. Kriegk stellt sechs aktuelle Beispiele dafür vor, die nur eines gemeinsam hätten: die Seriosität in Recherche und Wiedergabe der historischen Ereignisse. Über "Napalm Fever" von Allan Barte, in dem der Vietnam-Krieg anhand der Identitätssuche eines Fotografen im Exil erzählt wird, der 1967 vom KGB als Journalist in sein Land eingeschleust wird, schreibt er: "Sämtliche Figuren sind als Katzen dargestellt. Bringt diese Entscheidung sowie der Ton des Werks auch eine gewisse beabsichtigte Leichtigkeit mit, so erspart einem das Buch doch nichts vom Horror des Konflikts."

Magazinrundschau vom 28.03.2014 - Huffington Post fr

Der Front national hat in Hénin-Beaumont in der Picardie (also bei den "Schtis") einen Bürgermeisterposten im ersten Wahlgang erreicht. Der Demograf François Miquet-Marty zählt in einer gegenüber dem FN erstaunlich milden Analyse die weitere Erfolge der Rechtsextremen bei diesen Lokalwahlen auf: "In den folgenden Städten wird der FN in der zweiten Wahlrunde antreten: Forbach, Perpignan, Béziers, Avignon, Fréjus, aber auch Marseille, Metz, Straßburg, Poitiers, Le Mans, Saint-Brieuc, Amiens, Lille, Montauban... In Avignon und Perpignan lagen seine Wahlergebnisse über 30 Prozent."

Die Franzosen in manchen Städten hassen die "etablierten" Politiker so sehr, dass sie lieber Front National wählen - vor allem, weil diese Partei noch nie an der Macht war, schreibt die Publizistin Caroline Fourest einen Tag später: "Das ist keine Überraschung, es ist sogar banal, aber besorgniserregend, wenn man bedenkt, was den Front National tatsächlich von den anderen Parteien unterscheidet... Er hat alle Mängel der Politiker, die von Macht und Zynismus zerfressen sind, ohne jemals die geringste Verantwortung getragen zu haben. Schweigen wir von der Vetternwirtschaft in der Partei und ihrer autoritären und intransparenten Struktur. Und schweigen wir von der Unterstützung der Partei für Baschar El-Assad und Wladimir Putin. In all diesen Punkten hat Marine Le Pen gegenüber ihrem Vater nicht die geringsten "Neuerungen" eingeführt."

Magazinrundschau vom 07.02.2014 - Huffington Post fr

In Frankreich protestierten am Wochenende Zehntausende Erzkatholiken, Lepenisten und weitere Konspirationisten gegen ein Gesetz, das die Gender-Theorie an französischen Schulen verankern will. Die Psychoanalytikerin Elisabeth Roudinesco fühlt sich in der huffpo.fr durch die Demos an faschistische Umzüge in Frankreich erinnert, die fast auf den Tag genau vor achtzig Jahren stattfanden. Und "auch das Thema ist nicht neu, es existierte bereits in bestimmten apokalyptischen Diskursen des fin de siècle, die behaupteten, dass arbeitende Frauen, die ein volles Bürgerrecht erhielten, aufhören würden zu gebären und so die Grundlage der Gesellschaft zerstören würden, die somit einerseits den 'unfruchtbaren' - Sodomiten, Homosexuellen, Masturbatoren - und andererseits den sich ungehemmt vermehrenden Juden ausgeliefert werde."

Magazinrundschau vom 22.10.2013 - Huffington Post fr

Einen "„ideologischen Molotowcocktail“" nennt Anne Sinclair in ihrem Leitartikel den Fall des aus einem Schulbus gezerrten und aus Frankreich ausgwiesenen Roma-Mädchens Leonarda. „Es sei ein brisanter Mix, der diesen Cocktail erzeugt habe: "Die illegalen Einwanderer, die Sicherheit, der Front National, der zum Mittelpunkt des politischen Spiels geworden ist, die Kontroversen um die Roma, der endlose Streit über Laizität, die Differenzen zur Stellung des Islam, der Eindruck der Unentschlossenheit an der Regierungsspitze.“" Und den Intellektuellen falle nichts weiter ein, als sich über nationale Identität zu zerfleischen, etwa in einer Fernsehsendung am vergangenen Freitag, in der ein "außer sich geratener Alain Finkielkraut den Drehbuchautor Abdel Raouf Dafri, dem man seine Abscheu gegenüber dem Philosophen deutlich ansah, zwei Mal anbrüllte: Schweigen Sie".

Auch in anderen französischen Medien wird das Thema diskutiert. In Le Point singt die Schriftstellerin und Literaturkritikerin Claire Gallois dem Staatspräsidenten François Hollande das Loblied des Rücktritts. Und in Rue89 kritisiert Mathieu Deslandes, die Linke wisse offenbar nicht mehr, wo sie lebt.

Magazinrundschau vom 20.08.2013 - Huffington Post fr

Der gescheiterte und abgesetzte ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat nicht begriffen, dass er nicht ausschließlich von Religiösen, sondern auch von säkularen Kräften gewählt worden war, die "seinen Bart der Uniform der Militärs" vorgezogen hatten, schreibt der bekannte Islamwissenschaftler Gilles Kepel in einer Analyse der jüngsten Ereignisse: "Mursi wollte dieser zusammengewürfelten Dimension seiner Wahl keine Rechnung tragen und hat denen, die ihn aus Hass auf das Militär gewählt hatten, das Gefühl gegeben, die Bruderschaft, in der er nur ein kleines Rädchen ist - und zwar das "Sicherheitsrädchen", wie man ihn in Ägypten während des Wahlkampfs spöttisch taufte -, wolle den Staat unterwandern und an sich reißen. Dadurch haben Mursi und die Muslimbrüder die Säkularen gegen sich aufgebracht und die Unzufriedenheit von halb Ägypten heraufbeschworen, wobei man bis heute nicht wissen kann, ob dies die Mehrheit ist oder nicht. Aber auf jeden Fall haben sie, indem sie am 30. Juni auf die Straße gingen, gezeigt, dass das Land von jetzt an gespalten ist."

Magazinrundschau vom 31.01.2012 - Huffington Post fr

Die Philosophin Catherine Clement liefert einen interessanten Hintergrund zu den Präsidentschaftswahlen im Senegal, wo die Kandidatur Youssou N'Dours abgeschmettert wurde, weil er angeblich nicht genug Unterschriften präsentieren konnte, die seine Kandidatur unterstützen. Schon vorher, so Clement, waren sich die Senegalesen aber einig, dass er unmöglich Präsident werden könne. Auf die Frage, ob er reüssieren könne, gaben mir "alle meine senegalesischen Freunde die selbe Auskunft: 'Völlig unmöglich. Er gehört der falschen Kaste an.' Ja, einer Kaste... Er ist das Gegenteil eines 'freien Manns'. Youssou N'Dour, unberührbar, wie ein indischer Pariah, Angehöriger einer falschen Kaste, weil seine Mutter eine Griotte war. Denn im Senegal, das sich brüstet, eine egalitäre Demokratie zu sein, existiert seit Urzeiten ein ungerechtes Kastensystem, das Schmiede und Griots diskriminiert. Öffentlich wird Ihnen das keiner sagen. Sie können sogar berühmt und superreich sein, Sie können zum Minister ernannt werden - aber Schwiegersohn eines freien Mannes oder gar gewählter Repräsentant des Landes, auf keinen Fall. Sie spielen in der Gesellschaft eine wichtige Rolle. Die Schmiede gelten traditionell als Magier, die Griots kennen die Familiengeschichten, die sie besingen, aber gewählt zu werden, ist ihnen verwehrt. Bis jetzt."

Magazinrundschau vom 24.01.2012 - Huffington Post fr

Seit heute ist eine französische Ausgabe der amerikanischen Huffington Post online, Herausgeberin ist Anne Sinclair, Frau des früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn. In der Startausgabe schreibt der Historiker Benjamin Stora über das Vermächtnis des arabischen Frühlings und die Geburt neuer, am Individuum orientierter Gesellschaften. "Im Protest, in der Kritik, aber auch in der Lebensführung zeigt sich ein Phänomen der Individualisierung. Aufschlussreich ist etwa die Figur des 'Harragas', der jungen Menschen aus dem Maghreb, die um jeden Preis gehen, ihr Land verlassen wollen. Diese Jugendlichen sagen alle das Gleiche: dass ihr Weggang nicht wie früher als 'Botschafter' im Namen der Familie, des Stadtviertels oder ihres Dorfs erfolgt. Sie gehen in ihrem eigenen Namen."

Weiteres: Guillaume Erner erinnert an den vor zehn Jahren gestorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu.