Magazinrundschau

Agnieszka Holland: Eliten werden nicht dekretiert

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
22.05.2007. Im Spectator fragt sich Rian Malan, warum ein unfähiger, korrupter und tödlicher Politiker wie Robert Mugabe so viele Fans außerhalb Simbabwes hat. Der New Yorker stellt drei Bücher zum Sechstagekrieg vor. Il Foglio erzählt, wie die Agnellis sich Klasse ins Haus holten. In Europa warnt Agnieszka Holland vor der Vertreibung der Eliten in Polen. In Le Point erklärt Georges-Arthur Goldschmidt, warum er Günter Grass' Autobiografie nicht mochte. Im Guardian kritisiert Pankaj Mishra den moralischen Bankrott des Westens nach dem 11. September. In Reset.doc fragt Ayaan Hirsi Ali, was an Zwangsheiraten links sein soll. al-Sharq al-Awsat untersucht die "Intifada der Frauen" in der Türkei.

Spectator (UK), 21.05.2007

Rian Malan blickt auf Simbabwe und "Erinnerungen an den Untergang von Ludwig XVI., Mussolini und Ceausescu werden wach. Ist es nicht Zeit, Mugabe einem ähnlichen Schicksal zu überlassen?" Mit Bitterkeit beschreibt Malan die Unterstützung, die Robert Mugabe in der ganzen Welt - und besonders von Schwarzen, aber auch von liberalen Weißen - erfahren hat. "Man versteht die Wunden aus der Geschichte, aber dennoch muss es einen Tag geben, an dem selbst der militanteste Fan begreift, dass sein Verhalten die Reputation von Ian Smith wiederherstellt, der prophezeit hatte, Rhodesien würde 'vor die Hunde gehen', wenn die Schwarzen die Macht übernehmen. Zu Beginn dieses Jahres wurde Smith bestätigt. Acht von zehn Zimbabwer waren arbeitslos und die, die Arbeit hatten, waren ebenfalls angeschmiert, denn die Inflation betrug 2.200 Prozent, so dass sie sich nichts leisten konnten. Krankenhäuser und Schulen brachen zusammen, Fabriken schlossen, Millionen droht der Hungertod."

Simon Sebag Montefiore hat in einem Archiv in der georgischen Hauptstadt Tiflis herausgefunden, dass Stalin kurioserweise bei den Rothschilds in Batumi (Karte) gearbeitet hat. An seinem ersten Tag brannte die Raffinierie der Rothschilds nieder, wenig später wurde ein Mordanschlag auf den Direktor verübt. "Das war nicht das Ende von Stalins Beziehung zu den Rothschilds. 1907 zog er in die aufstrebende und gesetzlose Stadt Baku, wo megareiche Ölbarone regierten, die den heutigen Oligarchen schon sehr ähnlich waren. Um Lenin zu finanzieren, übte sich Stalins Bande aus Killern und Bankräubern in Schutzgelderpressung, Piraterie, Erpressung und Kidnapping. Die Rothschilds waren außerordentlich mächtig in Baku, jedoch berichten sowohl die zaristische Geheimpolizei als auch die Memoiren von Bolschewiken, dass die Rothschilds Stalin Geld zukommen ließen und ihn sogar bezahlten, um einen Streik zu stoppen."
Archiv: Spectator

Outlook India (Indien), 28.05.2007

Aktivisten der nationalistischen Hindu-Partei BJP stürmten eine Ausstellung des Kunststudenten Chandramohan Srimantula an der Universität von Baroda, berichtet Raghu Karnad. "Sie behaupteten, dass seine künstlerische Darstellung religiöser Bilder mit expliziten Details obszön sei und ihre religiösen Gefühle verletze. Herbeigerufene Polizisten verhafteten den Studenten, der angeklagt wurde, den Frieden und die gemeinschaftliche Harmonie zu stören. Er verbrachte vier Tage im Gefängnis, bevor der Richter beschloss, dass seine Absichten weder bösartig sind noch der öffentliche Frieden gefährdet wurde. Srimantula wurde freigelassen. Studenten und Dozenten der Kunstfakultät, veranstalteten aus Protest gegen die Verhaftung eine Ausstellung mit indischen Erotika, die wiederum von BJP Aktivisten gestört wurde, die Studenten und Dozenten beleidigten. Der Vizekanzler der Universität Manoj Soni verlangte daraufhin vom Dekan Shivaji Panikkar die Entfernung der Ausstellungsstücke. Panikkar lehnte ab, weshalb ihn Soni kurz darauf suspendierte und mit Hilfe seiner Kollegen und BJP-Aktivisten die Objekte entfernte und die Fakultät schloss." Darauf hin erinnerten Protestierende in zehn Städten die Hindu-Nationalisten daran, dass erotische Darstellungen ein Teil der Hindu-Kultur sind.

New Yorker (USA), 28.05.2007

Zum vierzigsten Jahrestag des Sechstagekriegs sind mehrerer Bücher israelischer Historiker erschienen, darunter Tom Segevs "1967 - Israel, the War, and the Year that Transformed the Middle East" (deutsche Ausgabe) und Michael Orens "Six Days of War: June 1967 and the Making of the Modern Middle East" (Auszug), die David Remnick zu einem größeren Essay über die Ereignisse inspirieren. Letztlich aber empfiehlt er ein drittes Buch: "Das vollständigste Buch über den 'siebten Tag' ist Gershom Gorenbergs fesselnde und zutiefst deprimierende Studie 'The Accidental Empire' (Auszug), die beschreibt, wie die Regierungen der Arbeiterpartei - von Levi Eshkol, Golda Meir und Yitzhak Rabin - in den zehn Jahren nach dem Krieg die wachsenden Siedlungen in den besetzten Gebieten entweder geflissentlich ingorierten oder sogar ermutigten und wie sie damit die Siedler-Ideologie ihrer rechten Nachfolger Menachem Begin, Benjamin Netanyahu und Ariel Sharon legitimierten."

Außerdem porträtiert Alec Wilkinson den exzentrischen Microsoft-Programmierer Gordon Bell. Nicholas Lemann liest die als Buch herausgebrachten Tagebücher von Ronald Reagan. Und George Saunders (mehr hier) publiziert seine Erzählung "Puppy".
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Archiv: New Yorker

Foglio (Italien), 19.05.2007

Die Agnelli-Familie war als Eigentümer von Fiat zwar reich, schreibt Marco Ferrante in seinem Buch über Italiens berühmte Dynastie, aus dem Auszüge abgedruckt sind. Aber Klasse kam erst durch Brando Brandolini ins Haus, der Gianni Agnellis Schwester Cristiana heiratete. "Er war ein Mann aus einer anderen Zeit. Venezianische Familie, Tausende von Jahren alt, Neffe mütterlicherseits des achten Herzogs von Cadaval, portugiesisch (Verbindungen zu den Braganzas und zu der Herzogin von Berry), Held der venezianischen Fünfziger, überaus elegant, Hemdenexperte, zum blauen Anzug trug er 'Pumps', niedrige Smoking -Schuhe, mit einem flockigen Gros-Grain, um den Ausschnitt zu schließen. Er war Opernliebhaber, mit der Callas befreundet, und mochte Stendhal und Balzac."

Weiteres: Francesca Bellino besucht das jüdische Viertel von Buenos Aires. Fausto Biloslavo stellt den italienischen Journalisten Almerigo Grilz vor, der 1987 in Mosambique ermordet wurde. Und Gabriella Mecucci berichtet von den italienisch-israelischen Konservatoren der Rollen von Qumram.
Archiv: Foglio

Europa (Polen), 18.05.2007

Zwei interessante Beiträge im Wochenendmagazin der Tageszeitung Dziennik widmen sich der Frage von alten und neuen intellektuellen Eliten. Im Interview wundert sich die bekannte Regisseurin Agnieszka Holland darüber, dass die Regierenden in Polen so viel Energie aufwenden, die alten Eliten zu zerstören, obwohl das Land so viel davon nicht zu bieten hat. "Eliten werden nicht dekretiert, einen solchen Status erwirbt man nicht durch irgendeine Wahl, sondern durch seinen ethischen Standpunkt, sein Talent, sein Charisma, seinen Mut usw. Es ist nicht so, dass Vertreter der Eliten auf der politischen Ebene herrschen müssen. Aber das heißt auch nicht, dass in dem Moment, wo sie es nicht tun, bewiesen werden muss, dass sie keinen Platz mehr im Wertesystem haben. Anderenfalls hätten wir es mit einer Kulturrevolution zu tun und nicht mit einem echten, natürlichen Elitenwechsel."

Maciej Urbanowski ist sich sicher, dass die voluminöse Sammlung von Briefen zwischen dem Exilschriftsteller Slawomir Mrozek und dem Exilverleger Wojciech Skalmowski zu einem "großen Ereignis" wird. "Man kann diese Korrespondenz auf zweierlei Arten lesen: kursorisch, indem man sich brillanter Gedanken und pikanter Kommentare erfreut, unbekannte Tatsachen entdeckt und nach Skandalen sucht. Oder von Anfang bis Ende, wie einen 'Künstlerroman' in Briefen, einen Roman über die Geschicke der polnischen Intelligenz am Ende des 20. Jahrhunderts oder auch über die Seelenlage unseres politischen Exils. Man die Briefesammlung schließlich wie ein mehrstimmiges Selbstporträt der Generation 1930 und eine intellektuelle Autobiografie von Mrozek lesen."
Archiv: Europa

Al Ahram Weekly (Ägypten), 17.05.2007

Eine Katastrophe nennt Ramzy Baroud die palästinensische Konferenz, die Anfang Mai in Rotterdam stattgefunden hat.Weder gab es eine zentrale Botschaft noch wurden die meist arabischen Redner ins Englische übersetzt. Was manchmal offenbar allerdings gar nicht so schlecht war. "Wütende Beiträge von wütend klingenden arabischen Männern überschatteten oder ersetzten vielfach die Reden von einigen der brillantesten und schlagfertigsten palästinensischen Gelehrten und Aktivisten, die nun mal in Europa leben. Weibliche Teilnehmer gab es kaum. Alles in allem ein fantastischer Beitrag zum Klischee der Araber, deren Kultur ohnehin in den Medien als männerdominiert, agressiv und irrational geschildert wird. Natürlich war die Konferenz alles andere als eine Konferenz. Es gab keine Arbeitspapiere, es wird nichts veröffentlicht werden. Eigentlich gab es kaum Gedrucktes, das irgendeine Bedeutung aufweisen konnte."
Stichwörter: Rotterdam

Point (Frankreich), 16.05.2007

Francois Dufay führt ein schönes Gespräch mit Georges-Arthur Goldschmidt über Deutschland und Frankreich. Auch über den Casus Grass spricht der Autor: "Angesichts der Amoral oder besser der Moral falscher Kameraderie, die der Nationalsozialismus der Jugend eintrichterte, werfe ich Günter Grass nicht vor, dass er mit 17 Jahren in die Waffen-SS eingetreten ist. Ich bin in Nazideutschland aufgewachsen, und ich weiß sehr gut, dass es enormen Mut und Hellsichtigkeit gebraucht hätte, um sich nicht hineinziehen zu lassen. Nein, was mich zutiefst verstört hat, ist, dass Grass von diesem Eintritt im Sprachgestus der Epoche schreibt, ohne kritische Distanz, in einer Sprache, die die Sprache des Dritten Reichs bleibt. Das war im Jahr 1944 normal, heute ist es das nicht mehr."

In seinem "blocnote" verteidigt Bernard-Henri Levy einmal mehr den italienischen Exterroristen und Krimiautor Cesare Battisti, den er nicht nach Italien ausgeliefert wissen will.
Archiv: Point

Guardian (UK), 21.05.2007

Anlässlich von Don DeLillos Roman "Falling Man" untersucht der Schriftsteller Pankaj Mishra in einem ellenlangen Essay, wie der 11. September in der Literatur seinen Niederschlag gefunden hat. Mishra vergleicht den Terroranschlag mit dem Ersten Weltkrieg und legt nahe, irgendwie sei der Westen heute moralisch ebenso bankrott wie damals (mancher glaubt ja eher, dass der radikale Islam ein ethisches Problem hat). Kollabiert ist Mishras Meinung nach der Glaube, der Westen könne sein gutes Leben unbehelligt und abgekoppelt von dem Leben der anderen Welten führen. "Der Großteil der Literatur, der sich selbstvergewissernd mit 9/11 beschäftigt, wird noch immer getragen von überholten Annahmen einer nationalen Isolation und Selbstgenügsamkeit. Die 'nochmalige Betrachtung', die DeLillo nach dem 11. September versprach, hat nicht zu einem erneuerten historischen Bewusstsein geführt. Komponiert innerhalb des narzisstischen Herzens des Westens, scheinen die meisten 9/11-Romane nicht in der Lage, politische und ideologische Überzeugungen als soziale und emotionale Realität in der Welt anzuerkennen - eine Tatsache, die nicht reduziert werden kann auf die individuelle Erfahrung von Zorn, Neid, sexueller Frustration und Verstopfung."
Archiv: Guardian

al-Sharq al-Awsat (Saudi Arabien / Vereinigtes Königreich), 16.05.2007

Aus der Türkei berichtet Samir Saliha von einer "Intifada der Frauen", die sich gegen eine zunehmende Islamisierung der Gesellschaft wende: "Seit einigen Tagen berichten die türkischen Medien an prominenter Stelle über dieses Phänomen und stellen es in seinen sozialen, kulturellen und politischen Kontext. Sie kommen zu einem (ähnlichen) Ergebnis: Die Frauen tun das Richtige - willkommen im Zentrum des Kampfes! Die Türkei, die in der Vergangenheit weltweit eine Vorreiterrolle bei den sozialen und politischen Rechten der Frau einnahm, gab den Frauen in der Praxis nicht genug Gelegenheit, um sich so, wie es sein sollte, an der Machtverteilung im Parlament, in der Regierung und in der Verwaltung zu beteiligen. Die jüngsten Meldungen bestätigen nun die Sorge, die diese Intifada bei den politischen Parteien und deren Führungen ausgelöst hat; die Parteien streiten jetzt darum, die Frauen in ihr Lager zu ziehen und rufen sie auf, bei den kommenden Parlamentswahlen mit den Bannern (der jeweiligen Partei) voranzugehen. Es ist der Versuch dieser Parteien, so zu tun, als habe man die Botschaft verstanden, als würde man die Botschaft akzeptieren und als mache man sie sich zu eigen."

Vanity Fair (USA), 01.06.2007

Christopher Hitchens blickt auf sein altes Londoner Viertel Finsbury Park, in dem heute vor allem Einwander aus Algerien und Bangladesch wohnen und das berühmt ist für die Finsbury-Park-Moschee, die gern Dschihadisten wie Zacarias Moussaoui und den Möchtegern-Schuhbomber Richard Reid beherbergt. Absolutes Londonistan also: "Prinz Charles selbst, Erbe des Throns und damit künftiges Oberhaupt der Kirche von England, hat seine Sympathie für den Islam erklärt und seinen Willen, Haupt aller Glaubensrichtungen und nicht nur einer zu sein. Das mag gut klingen, wenn auch absurd (ein willenschwacher Prinz wird Kirchenoberhaupt, weil seine Mutter stirbt?), aber nur wenn man vergisst, dass es Prinz Charles war, der den verstorbenen König Fahd von Saudi-Arabien ermunterte, mehr als eine Million Pfund zu spenden für den Bau der - Finsbury Park Moschee! Wenn Sie meine Meinung hören wollen, mein altes Viertel war viel besser dran, als die gekrönten Häupter dieser Welt noch damit beschäftigt waren, es zu vernachlässigen."

Weiteres: Mit einer Träne im Knopfloch beobachtet James Wolcott, dass der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf nicht mehr als Drama oder Epos gezeigt wird, sondern - dank YouTube als Peepshow. Genüsslich weist er auf die Must-viewings hin (zum Beispiel Hillary Clinton als protofaschistische Big Sister). Und Michael Wolff erklärt, warum Rudy Giuliani nicht nur verrückt, sondern wahnsinnig ist.
Archiv: Vanity Fair

Nepszabadsag (Ungarn), 15.05.2007

Nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich und den letzten Parlamentswahlen in Ungarn vergleicht Peter Farkas, Politikwissenschaftler an der Universität von Nizza, die politische Kultur beider Länder. Die französischen Politiker behandeln ihre Wähler als gleichrangige Partner, sie bekennen sich dazu, bestimmte grundsätzliche Werte mit ihren Gegnern gemeinsam zu haben und fachpolitische Argumente spielen eine größere Rolle als Gefühle, meint er. Im politisch stark gespaltenen Ungarn sei diese Art von politischem Pluralismus leider noch unbekannt. Farkas kommentiert selbstironisch: "Wie seltsam sind die Franzosen! Sie wollen den Politikern nicht glauben, dass die Welt schwarz und weiß sei und man deshalb nur die Wahl zwischen zwei Anführern habe. Viele von ihnen haben einen Kandidaten gewählt, der zwar keine Chance mehr hatte, aber ihre Meinung vertritt. (...) Die Franzosen lieben ihre Demokratie, in der mehrere Parteien wichtige Rolle spielen, während sich bei uns das Zweiparteiensystem verfestigt hatte. Aus Ungarn gesehen ist es seltsam, dass die französischen Präsidentschaftskandidaten auf fachpolitischer Ebene diskutieren, gemeinsame grundsätzliche Werte nicht in Frage stellen und die kleinen Parteien von den Medien nicht ignoriert werden."
Archiv: Nepszabadsag

New Statesman (UK), 21.05.2007

Roger Boyes warnt vor den wachsenden Einfluss, den Moskau auf die osteuropäischen Staaten zu nehmen versucht. Immer unverblümter mische es sich in Angelegenheiten von Weißrussland, der Ukraine, der baltischen Staaten oder Rumänien ein: "Die EU muss viel direkter in die Angelegenheiten ihrer Grenzstaaten eingreifen, denn wenn es gegen Moskau geht, ist es besser, eine halbherzige Politik zu haben als gar keine. Wenn die EU kein Programm, kein Ziel für ihre Nachbarschaft hat, wird sie ihr Interesse für das, was vor sich geht, vollständig verlieren. Moldawier und Ukrainer werden wenig mehr sein als Zahlen in der Einwanderungsstatistik, ganzen Gesellschaften wird erlaubt abzudriften. Wir können es uns nicht leisten, nur zuzusehen. Zwei der Länder mit einem Problem, Estland und Rumänien, sind EU-Mitglieder. Öl und Gas aus Russland fließen durch Grenzländer, von denen die meisten in Moskau hoch verschuldet sind. Man kann sich nicht jedesmal auf den Rücken legen, wenn Putin einen neuen Kalten Krieg androht. Wir erlauben Russland zu oft, die EU-Agenda für zu viele Angelegenheiten zu bestimmen."

ResetDoc (Italien), 21.05.2007

In einem Interview mit dem italienischen Internetmagazin resetdoc.org nimmt Ayaan Hirsi Ali auch Bezug auf die von Perlentaucher und signandsight.com lancierte Bruckner-Buruma-Debatte. Und sie fragt sich, was heute eigentlich noch "links" und was "rechts" ist: "Wenn Väter ihre Töchter von der Schule holen und sie zur Heirat zwingen, wenn Genitalverstümmelung stattfindet und Sozialisten und Sozialdemokraten sagen: 'Das ist ihre Kultur, das ist Multikulturalismus, lass uns das schützen', dann denke ich, dass sie nicht links sind. Wenn 'Linkssein' hieße, sich um individuelle Rechte zu sorgen, wie im klassischen Liberalismus des 19. Jahrhunderts, dann würde ich mich als links definieren. Aber die Linke befasst sich heutzutage nur mit Gruppen: Arbeiter, Frauen und Männer, Reiche und Arme. Sie befasst sich nicht mit einzelnen."
Archiv: ResetDoc

New Republic (USA), 18.05.2007

Entsetzt über die Vorstellung, der "vulgäre Australier" Rupert Murdoch könne sich mit dem Wall Street Journal ein Kronjuwel des amerikanischen Journalismus einverleiben, ruft The New Republic in seinem Editorial die Linke auf, ihre Vorbehalte gegen die Mainstream-Medien aufzugeben. Denn die Krise der Zeitungen sei nicht so sehr eine der Bilanzen, sondern der Sichtweise: "Traurigerweise haben die großen Features der Zeitungen nicht die Liebe der Liberalen errungen. Es gibt viele, vor allem in der Bloggosphäre, die es gar nicht erwarten können, auf den Gräbern der alten MSM-Torwächter zu tanzen. Sie favorisieren den Aufstieg des Bürgerjournalismus, wie Technik-Enthusiasten gern die Blogger und das Wikipedia-Modell bezeichnen. (...) Aber die Mainstream-Medien geben sich wenigstens die Mühe, Ereignisse neutral zu verstehen, und dies ist eine Quelle ihrer Autorität und ihres Prestiges, die auch die schärfsten Kritiker in der politischen und wirtschaftlichen Elite respektieren müssen."
Archiv: New Republic