Magazinrundschau - Archiv

Vanity Fair

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Magazinrundschau vom 12.03.2019 - Vanity Fair

Karan Mahajan erzählt in einer großen Reportage, wie Ajay, Atul und Rajesh Gupta, drei märchenhaft reiche indische Brüder, Südafrika korrumpierten, was für den Reporter auch ein kleines persönliches Problem darstellte, weil Minenarbeiter ihn für einen der Brüder halten. Ausgangspunkt der Geschichte ist ein riesiger Skandal, der 2016 öffentlich wurde: "Ein Regierungsbeamter bezeugte, dass die Guptas ihm die Position des Finanzministers angeboten hätten; die drei Brüder, so stellte sich heraus, hatten praktisch die Kontrolle über den Staatsapparat übernommen. Es ist bis heute eine der kühnsten und lukrativsten Betrügereien des Jahrhunderts. Aufgrund ihrer engen Beziehungen zu Präsident Jacob Zuma und mit Hilfe führender internationaler Unternehmen wie KPMG, McKinsey und SAP haben die Guptas möglicherweise die Staatskasse von bis zu 7 Milliarden Dollar aufgebraucht. Zuma musste zurücktreten. McKinsey bot eine außergewöhnliche öffentliche Entschuldigung für seine Rolle in dem Skandal an. Die Guptas flohen nach Dubai. Und die Mine, die die Brüder in einem korrupten Geschäft erworben hatten, das von der Regierung vermittelt und finanziert wurde, geriet in Konkurs. ... Es war ein moderner Coup d'état, der mit Bestechung statt mit Kugeln betrieben wurde. Er zeigte, wie ein ganzes Land von ausländischen Einflüsse gesteuert werden kann, ohne dass ein einziger Schuss fällt - vor allem, wenn dieses Land von einem spaltenden Präsidenten regiert wird, der darin geschult ist, rassische Ressentiments zu schüren, bereit ist, seine eigenen Geheimdienstchefs zu feuern, um seine Geschäftsinteressen zu schützen, und der bereit ist, seine gewählte Position zu nutzen, um sich mit widerwärtigen Investoren zu bereichern."

Simon van Zuylen-Wood befasst sich  mit dem Kampf, den Facebook gegen Trolle und Rassisten führt. "Eine Ironie der Bemühungen, die Plattform zu säubern, liegt darin, dass es sich um ein dem Format inhärentes Problem handelt. Wenn Facebook eine wohlwollende Regierung sein will, warum konzentriert es sich dann auf Polizeiarbeit? Sollte es nicht auch Anreize für gutes Verhalten geben? Im November veröffentlichte Facebook eine Studie von Matt Katsaros und drei Wissenschaftlern, die dieser Frage nachgeht. FB-User, die Nacktbilder oder Hassreden posten, erhalten eine kurze, automatisierte Nachricht, die sie über die Regelverletzung und die Löschung ihrer Inhalte informiert. Katsaros und seine Co-Autoren befragten fast 55.000 Benutzer, die diese Nachricht erhalten hatten. Zweiundfünfzig Prozent fühlten sich nicht fair behandelt, während 57 Prozent sagten, es sei unwahrscheinlich, dass Facebook ihre Perspektive verstehe. Bei denen, die sich fair behandelt fühlten, verringerte sich die Wahrscheinlichkeit erneuter Verstöße. Facebook sollte sich weniger auf die Bestrafung konzentrieren als auf ein System der Verfahrensgerechtigkeit, das die User respektieren und dem sie vertrauen können." Ein schöner Ansatz, aber auch ein bisschen scheinheilig, denn van Zuylen-Wood weiß sicher auch, dass "Verfahrensgerechtigkeit" immer subjektiv ist.

Magazinrundschau vom 17.07.2018 - Vanity Fair

Das World Wide Web ist bekanntlich nicht "das Internet", sondern setzt lediglich darauf auf. Dass es so prosperieren konnte, liegt daran, dass Tim Berners-Lee, der in den frühen 90ern die Grundlagen für das WWW schuf, für die Nutzung desselben nicht etwa Rechnungen stellte, sondern es der Menschheit zur freien Nutzung überließ - was die Kritiker der angeblichen "Gratismentalität" im Netz gern ignorieren. Zufrieden ist Berners-Lee mit jüngsten Entwicklungen im WWW allerdings gar nicht, wie er Katrina Brooker verrät: Die Zentralisierung durch die großen Player steht dem Grundgedanken des WWW, das als dezentraler, offener und anschlussfähiger Ort des Wissens- und Informationsaustausches konzipiert war, zusehends entgegen. Weshalb Berners-Lee derzeit an Solid arbeitet, einer Plattform, die diesen Gedanken in die Zukunft retten will: "Zwar ist die Solid-Technologie bis auf weiteres noch zu neu, um den Massen zur Verfügung gestellt zu werden. Doch die Vision dahinter, sofern sie sich als praktikabel erweist, könnte die derzeitigen Machtdynamiken des Web von Grund auf ändern. Das System sieht vor, Nutzern eine Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der sie den Zugriff auf die Daten und die Inhalte, die sie im Netz generieren, kontrollieren können. So können die Nutzer einstellen, wie die Daten genutzt werden - anders etwa als Facebook oder Google, die damit machen, was sie wollen. Der Code und die Technologie stehen allen offen - jeder mit Internetzugang kann dem Chat beitreten und beim Programmieren helfen. 'Alle paar Tage schließt sich jemand an. Einige von ihnen haben von Solids Versprechungen gehört und wollen die Welt umkrempeln', sagt er."

Außerdem hat sich Lisa Robinson mit Kendrick Lamar getroffen. Sonia Saraiya befasst sich mit "Sex and the City" und dem langsamen Dahinsiechen der romantischen Komödie.

Magazinrundschau vom 19.09.2017 - Vanity Fair

Mit Denis Villeneuves "Blade Runner 2049" kommt demnächst ein Sequel von Ridley Scotts lange schlecht beleumundetem, auf VHS schließlich zum Kultklassiker avancierten Science-Fiction-Film "Blade Runner" von 1982 in die Kinos. Ein Anlass für Michael Schulmann, auf die anstrengende und zermürbende Produktion des Originals, einer sehr freien Adaption eines Romans von Philip K. Dick, zurückzublicken. Unter anderem geht es um die Frage, ob die von Harrison Ford gespielte Figur des Replikantenjägers Deckard - eine Amerikanisierung von Descartes - selbst ein künstlicher Mensch ist. Ridley Scott flirtete bereits frühzeitig mit der Idee (und bekräftigt sie heute in Audiokommentaren), Harrison Ford hingegen war dagegen: "'Ich war der Ansicht, dass das Publikum jemanden auf der Leinwand braucht, mit dem es sich auf menschliche Weise emotional verbunden fühlen kann', sagt der Schauspieler. Sie waren in eine Zwickmühle geraten. Doch auf einmal begann Scott damit, visuelle Hinweise in den Film zu bugsieren, die nahelegten, dass Deckard kein Mensch war - und das, ohne es seinem Star zu sagen. In der Mitte des Films träumt Deckard im Alkoholrausch von einem Einhorn, das durch einen Wald galoppiert. In der letzten Szene hinterlässt ihm Gaff, ein weiterer Replikantenjäger, ein Origami-Einhorn vor der Wohnungstür - ein Zeichen dafür, dass seine innersten Gedanken tatsächlich implantiert gewesen sind. Als sie die Szene drehten, roch Ford den Braten und schrie: 'Herrgottnochmal, ich habe doch gesagt, dass ich kein Replikant bin!'"

Dazu passend: Für GQ hat sich Chris Heath mit Harrison Ford, der berüchtigt dafür ist, sich in Interviews von seiner mürrischsten Seite zu zeigen, für eine ausführliche Home Story getroffen. In "Blade Runner 2049" spielt seine alte Figur ebenfalls eine Rolle - die Hauptrolle hat jedoch Ryan Gosling, der auf dem Set zu spüren bekam, dass der 75-jährige Schauspieler noch immer ziemlich gut zuschlagen kann. "'Sein Gesicht hätte einfach nicht dort sein sollen, wo es war', sagt Ford dazu. 'Sein Job bestand darin, außerhalb meiner Reichweite zu sein. Mein Job war es, sicherzustellen, dass der Fausthieb durchgezogen wurde. Aber wir waren in Bewegung und die Kamera bewegte sich auch, ich musste also den Kamerawinkel mitbedenken, damit der Hieb auch gut aussah. Wissen Sie, ich habe über hundert Mal zugeschlagen - und ihn nur einmal getroffen.' ... 'Er erzählte mir später, dass Sie ihn danach mit einer Flasche Scotch in der Garderobe besucht haben.' - 'Das tat ich.' - '... und ihm ein Glas einschenkten und mit dem Rest der Flasche wieder verschwanden.' - 'Und? Was zur Hölle - hat er ernsthaft erwartet, dass ich ihm die ganze Flache überlasse? Wissen Sie, ich war eigentlich davon ausgegangen, dass ein Drink die Sache aus der Welt schaffen würde. Das reichte ja wohl auch.'"
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Magazinrundschau vom 15.08.2017 - Vanity Fair

Vorab: Ohrwurm gefällig? Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt:



Anlässlich der (zumindest von jener Generation, die in den späten 80ern und frühen 90ern als primäre Zielgruppe vor den Fernsehern saß) mit Spannung erwarteten Neuauflage der Disney-Cartoonserie "Duck Tales" befasst sich Darryn King mit Entstehung und Erfolgsgeschichte des Titelsongs aus dem Original von 1987. Der "Woohoo"-Song hat sich jedenfalls weltweit tief in die Synapsen des akustischen Gedächtnis eingebrannt und ist in der Youtube-Kultur zum vielfach zitierten, modifzierten, gewürdigten und parodierten Mem geworden. Komponist Mark Mueller "staunt immer wieder darüber, wie weitverbreitet seine Arbeit ist. 'Wenn die Leute erfahren, was für einem Beruf ich nachgehe, fragen sie mich immer, ob sie einen meiner Songs kennen. Manchmal ist es so, dass sie meine Pophits nicht kennen.' (Mueller war beispielsweise an Jennifer Paiges Nummer-Eins-Hit "Crush" aus dem Jahr 1998 beteiligt) 'Aber es spielt fast keine Rolle, wohin ich gehe: Die Leute kennen Duck Tales. Die Reichweite ist völlig unfassbar.' Jeff Pescetto, der Sänger des Stücks, sagt: 'Gerade erst vor kurzem spielte ich mit meiner Band in einem Club. Ein paar Typen aus England traten an mich heran und meinten, wir haben deine Stimme gehört und es war uns sofort klar, dass du der Typ bist, der 'Duck Tales' singt. Die waren völlig aufgeregt, mich zu treffen. Ich konnte es nicht glauben, dass sie meine Stimme erkannt haben.' 'Duck Tales' lief in mehr als 100 Ländern in 25 verschiedenen Sprachen. Es war die erste amerikanische Cartoonserie, die nach Ende des Kalten Kriegs in der Sowjetunion lief. In Ungarn bezeichnet man diejenigen, die in den früheren bis mittleren Achtzigern geboren wurden, als 'Duck-Tales-Generation' (Kacsamesék generáció)."

Für das auf dem Disney-Bezahlsender XD ausgestrahlte Re-Boot hat man den Song neu eingespielt:


Magazinrundschau vom 01.08.2017 - Vanity Fair

New York Times und Washington Post überbieten sich seit Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus mit journalistischen Coups. Auf zwanzig Seiten stilisiert James Warren die alte Rivalität zwischen den beiden zum letzten großen Zeitungskrieg, an anderer Stelle vergleicht er die Chefredakteure Dean Baquet und Marty Baron eigentlich treffender mit den Weltkriegsgenerälen Patton und Montgomery, die sich den berühmten Wettlauf um die Einnahme von Messina lieferten. Klar wird, dass es beiden Zeitungen ohne Trump viel schlechter ginge, und dass ihre Rivalität nur in Washington ausgetragen werden kann, weil die Washington Post kaum noch andere Korrespondenten hat: "Um es in den Worten Elisabeth Bumillers zu sagen: Ihr Arbeitsleben ist heute intensiver als nach dem 11. September, als sie aus dem Weißen Haus und aus Afghanistan berichtete. Sie leitet heute das Washingtoner Büro der New York Times. 'Es gibt eine neue Unerbittlichkeit', sagt sie. Es gibt den Kampf um die Schlagzeilen, das unablässige Verlangen der Kabelanbieter nach 'Breaking News' und natürlich das Verhalten des Präsidenten selbst: die provozierenden und empörenden Tweets, die Angriffe auf die Presse und die Fülle von falschen Behauptungen, die die Sunday Times am 25. Juni auf einer ganzen Seite unter dem Titel 'Trumps Lügen' auflistete." Die Frage ist nur, ob sie damit etwas bewegen, so Warren: "Man hatte gehofft, dass die ganze Menge an deprimierenden Stories im letzten Jahr etwas bewirken würden. Trumps Umfragewerte waren zwar laut Gallup zuletzt mit 38 Prozent erbärmlich niedrig, aber unter seinen Anhängern sind sie kaum gefallen."

Auch sonst leidet New York Times, erzählt Joe Pompeo in einer zweiten Geschichte. Dabei kann sie auf 130.000 neue Abonnenten blicken. Doch die Redakteure sind müde: Nach Jahren der Umstrukturierung und Schrumpfung soll jetzt auch noch die redaktionsübergreifende Korrektur abgeschafft werden.

Magazinrundschau vom 25.07.2017 - Vanity Fair

Spionieren und krumm spielen können die Russen viel besser als die Amerikaner; konnten sie schon immer, stöhnt ein fast verzweifelter Peter Savodnik. Trump und seine Leute kapieren das nicht, aber fast alle amerikanischen Regierungen vor ihnen wussten es. Der Grund, meint Savodnik, ist der Glaube der Amerikaner, sie könnten die Welt verbessern. Das macht sie zu Optimisten. "Donald Trump, der erste amerikanische Präsident, der unseren Idealismus jemals ganz aufgegeben und erklärt hat, es gehe nur noch um den besten Deal und darum, nicht von Iranern oder Demokraten übers Ohr gehauen zu werden, hat uns nicht sicherer oder stärker gemacht. Denn unsere Ideale sind keine Fantasien, wie wir die Welt gerne hätten, sondern machtvolle Puffer gegen feindliche Kräfte, Agenten, Eindringlinge. Diese Ideale definieren uns. So lange wir sie haben, wissen wir, wer wir sind, und wer wir nicht sind. Man stelle sich die acht (oder zehn oder 200 Leute) im Konferenzraum des Trump-Towers letztes Jahr vor, wie sie vordergründig mit den Russen über Adoptionen reden und glauben, sie würden tun, was nötig ist, um die Clinton-Maschine zu schlagen oder den Sumpf trocken zu legen; sie wären hart und würden die Regeln der anderen brechen, weil "so Politik ist!" - ignorant wie immer gegenüber der Tiefe ihrer Ignoranz. Sie haben natürlich, gewollt oder nicht, die Russen mit einem Brückenkopf versorgt. Das ist keine Übertreibung. Die Russen werden es eine Übertreibung nennen, aber wir sollten uns nicht verschaukeln lassen. Das ist Desinformation. Und darin sind sie besser als wir."

Magazinrundschau vom 18.07.2017 - Vanity Fair

Auch wenn der deutsche Verleihtitel "Babyspeck und Fleischklößchen" es kaum vermuten lässt: Mit der 1979 entstandenen Komödie - Originaltitel: "Meatballs" - schrieben Regisseur Ivan Reitman und sein Team Filmgeschichte. Nicht nur hatte Bill Murray, bis dahin ein aufstrebender TV-Komiker, darin seine erste große Kinohauptrolle, sondern es handelte sich auch um eine der ersten US-Adolszenz-Komödien aus dem Umfeld der Sendung "Saturday Night Live", die das Genre bis heute bestimmen. Nicht zuletzt gelang es dem Film, der von einigen Wochen Sommerurlaub im Jugendcamp handelt, einen ganz bestimmten Moment in der Adoleszenz zahlreicher US-Jugendlicher prägnant einzufangen. Vanity Fair bringt dazu eine große Oral History, in der zahlreiche der damals Beteiligten zu Wort kommen. Bill Murray ist natürlich nicht dabei - damals wie heute gehört es zu seinen Markenzeichen, sich zu zieren und zu entziehen. "Ich erinnere mich, wie famos er am ersten Tag war, an dem er zu den Dreharbeiten auftauchte", erinnert sich Reitman. "Ich drückt eihm das Skript in die Hände - ich glaube, er las es damals zum ersten Mal. Er blätterte es durch, sagte bloß: 'Eh' und warf er es mit theatralischer Geste in den nächsten Abfalleimer. Da fährt einem schon ein bisschen der Schreck in die Knochen, wenn ein Schauspieler das macht,  unmittelbar vor der ersten Szene, die du mit ihm drehen willst." Schlechte Stimmung herrschte dennoch nicht bei den Dreharbeiten, wie den Erinnerungen des Schauspielers Russ Banham zu entnehmen ist: "Wir waren alle in unseren Zwanzigern und es war die Jahreszeit der ausschlagenden Triebe, sagen wir es mal so. Da ging so einiges. Wir sind heute alle in unseren 60ern, haben Familie und Kinder, einige sogar schon Enkel, also werde ich ganz gewiss nicht alles erzählen. Aber ich hatte schon auf die eine oder andere Weise mit gewissen weiblichen Mitgliedern des Casts zu tun, wir alle. Auch Bill. Die Frauen strahlten, sie waren witzig, talentiert und hatten alle Lust auf eine gute Zeit - den Männern ging es nicht anders. Wir waren alle ziemlich eng miteinander - das kommt im Film schon sehr authentisch rüber."

Magazinrundschau vom 21.03.2017 - Vanity Fair

Die unverhältnismäßige Polizeigewalt gegen Schwarze muss aufhören, meint Chris Hayes. Amerika zerfalle heute in zwei Welten - die Nation, in der das Recht herrscht, und die Kolonie, in der um jeden Preis Ordnung herrschen muss. Wer nun glaubt, das sei alles ein Problem der Schwarzen, der irre: "Die Kolonie ist hauptsächlich braun und schwarz, aber in der Folge von Finanzkrise, Deindustrialisierung und Lohnstagnation wurden die Kontrollsysteme der Kolonie über immer größere Teile des Amerikas der weißen Arbeiterklasse ausgedehnt. Würde man jeden afroamerikanischen und Latino-Gefangenen aus den Gefängnissen entlassen, hätten die Vereinigten Staaten immer noch eines der am stärksten bevölkerten Gefängnissysteme der Welt. Und diese weißen Gefangenen setzen sich aus einer dramatisch hohen Anzahl von Armen und Ungelernten zusammen. Seit 2008 waren fast 15 Prozent der weißen Highschool-Abbrecher im Alter zwischen 20 und 34 im Gefängnis. Bei den weißen Collegeabsolventen lag die Quote bei unter einem Prozent. Das macht die Aufrechterhaltung der Teilung zwischen Kolonie und Nation so heimtückisch: die fortwährende Drohung, dass die Werkzeuge, die in der Kolonie geschliffen wurden, gegen die Nation eingesetzt werden, dass Tyrannei und Gewalt, die an der Peripherie geduldet werden, am Ende den Kern infiltrieren."

Das Metropolitan Museum in New York hat seinen Direktor Thomas Campbell gefeuert, der offenbar alles falsch machte, was man sich nur vorstellen kann, wie William Cohan zusammenträgt: Campbell behandelte seine Mitarbeiter schlecht, belästigte Frauen und setzte die Digitalisierung in Sand, obwohl die zuständige Abteilung am Ende mehr Mitarbeiter beschäftigte als alle anderen Abteilungen zusammen. Die bedeutendste Kulturinstitution der Menschheit verlor den Anschluss. Besonders verübelt wurde Campbell allerdings, dass er sich mit einer Großschenkung von Leonard und Ronald Lauder dazu drängen ließ, jetzt auch auf moderne Kunst zu setzen, als wäre nicht das Museum of Modern Art gleich nebenan. Und was Berliner Museumsmanager aufhorchen lassen sollte: "Beobachter hielten es auch für falsch, dass das Met sich darauf einließ, einen eigenen Flügel für Lauders Kubisten-Sammlung zu bauen. Robert Storr, Professor an der Yale School of Art und lange Zeit Kurator am Moma, hält es für eine Sache das Prinzips. 'Es ist eine Sache, eine solche Sammlung anzunehmen. Eine andere ist es, für die geschenkten Schätze die Räumlichkeiten erweitern zu müssen. Es macht eine bedeutende Museumsammlung aus, dass sie eben keine Kapellen für eine Kunstrichtung oder für einzelne Sammlungen errichtet.' Als noch problematischer erwies sich Cambells Entscheidung, das Projekt zu lancieren, bevor er überhaupt die nötigen 600 Millionen Dollar beisammen hatte. Denn das Geld floss nur spärlich. Der Vorstand unterstützte das Vorhaben nur zögerlich. Angeblich waren nur die beiden Blackstone-Partner, Tony James und Tom Hill, dafür und spendeten jeweils zehn Millionen Dollar - aber selbst das ließ den Großteil der Summe offen. Im Januar musste das Museum die peinliche Ankündigung machen, dass der neue Flügel auf unbestimmte Zeit verschoben werde."

Magazinrundschau vom 08.11.2016 - Vanity Fair

Wäre Hollywood nicht zum Kaugummiautomaten verkommen und noch böser Komödien fähig - das wäre der Stoff. Alle Political correctness müsste man allerdings fahren lassen. David Margolick erzählt die Schlacht zwischen Peter Thiel und Nick Denton als einen Zickenkrieg zweier ultralibertärer Homosexueller, die einander in tiefem Hass und tiefer Ähnlichkeit verbunden sind. Während Thiel bekanntlich für Trump Wahlkampf macht, bekennt Denton - natürlich auch aus Dandyismus - seine Bewunderung für den Demagogen Breitbart und den Pressezar Murdoch. Dennoch zählt Denton wohl eher zur modischen New Yorker Linken mit ihrem Nippesregal queerer und ethnischer Identitäten - und Margolicks Artikel ist eher ein Porträt Dentons als Thiels. Denton ist der Verlierer, Thiel hat ihn und sein Klatschblog Gawker in Grund und Boden geklagt - aber er bleibt zmindest nach außen hin gelassen: "'Interessant und furchteinflößend', so beschreibt Denton Thiel. Dennoch beharrt Denton darauf, dass seine Differenzen mit Thiel eher philosophischer als persönlicher Natur seien und über ihre Personen hinausweisen. Sie spiegelten eine Schlacht zwischen zwei Grupppen wider, sagt er, den Kontrollfreaks aus Silicon Valley und den freibeuterischen Bloggern, die durch ihre Technologie losgelassen wurden - und zwei Begriffe von Freiheit: der eine glaubt, man sei nur frei, wenn man auch öffentlich ganz man selbst sei. Der andere hält sich nur dann für frei, wenn man sich schützt, vor allem vor Gawkern - deutsch: Gaffern."

Magazinrundschau vom 13.09.2016 - Vanity Fair

Zu den Aufsehen erregendsten Bruchlandungen im Silicon Valley zählt die Geschichte von Elizabeth Holmes' Theranos, einem Start-up, das versprach, mit neuen Technologien zur Blutanalyse den medizinischen Fortschritt befeuern zu können. Theranos stieg zu einem der heißesten Silicon-Valley-Unternehmen auf und konnte über 700 Millionen Dollar Startkapital einsammeln - bis eine Reportage des Wall Street Journal im vergangenen Herbst den Beweis erbrachte, dass es ein einziger Schwindel war. Woran lag es, dass ein Unternehmen mit windigen Versprechungen so viel Risikokapital bündeln konnte? Nick Bilton hat aufgeschrieben, wie das Spiel funktioniert: "Die Risikokapitalanleger (bei denen es sich meist um weiße Männer handelt) sind sich nicht wirklich sicher, was sie eigentlich tun - schließlich ist es unmöglich, das nächste große Ding mit absoluter Sicherheit vorherzusagen. Also setzen sie ein wenig Geld auf jede Firma, die ihren ausreiched Hoffnung bietet, den großen Treffer zu landen. Die Unternehmer (ebenfalls fast immer weiße Männer) befassen sich mit viel bedeutungslosem Zeug, zum Beispiel Code, der Frozen Yogurt zügiger zu liefern imstande ist oder Apps, die es Dir gestatten, Deinen Freunden ein 'Yo!' (und nur ein 'Yo!') zukommen zu lassen. Die Unternehmer blasen ihre Versuche dann auf, indem sie behaupten, dass ihre Erfindung die Welt ändern könnte, was die Risikokapitalanleger beruhigt, denn die können sich dann einreden, dass sie ja nicht nur des Geldes wegen investieren. Und dies wiederum übt großen Reiz auf den Tech-Journalismus aus (ebenfalls fast ausschließlich weiße Männer), der das das Spielchen gerne mitspielt..."

Außerdem mutmaßt William D. Cohan darüber, ob Arianna Huffington die Huffington Post auch deshalb verlassen hat, weil sie ihre Freund- und Seilschaften im Newsroom gegenüber ihren Journalisten ein wenig zu drakonisch in Schutz nahm. Und William Langewiesche porträtiert einen Hacker in den Frontlinien des DarkWeb.