Magazinrundschau - Archiv

The New Republic

162 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 17

Magazinrundschau vom 03.09.2019 - New Republic

Evgeny Morozov möchte in seinem üblichen hochfahrenden Ton von seinem Literaturagenten John Brockman, Begründer von edge.org, wissen, welche Beziehungen er zu Jeffrey Epstein hatte und was er von den minderjährigen Mädchen wusste, die Epstein prostituierte. Dabei zeichnet er ein vernichtendes Bild Brockmans als eitlen, den Reichen und Einflussreichen sich andienenden Netzwerker. Anlass für seine harsche Frage ist eine Mail Brockmans vom 12. September 2013 an Morozov, die dieser jetzt in ganz neuem Licht sieht. Er zitiert aus Brockmans Mail: "Jeffrey Epstein, der Milliardär und wissenschaftliche Philanthrop, tauchte an diesem Wochenende bei der Veranstaltung per Hubschrauber auf (mit seiner schönen jungen Assistentin aus Weißrussland). Er wird in ein paar Wochen in Cambridge sein und hat mich gefragt, wen er dort treffen soll. Du bist einer der Leute, die ich vorgeschlagen habe, und ich habe ihm gesagt, dass ich ihm einige Links schicken würde. Er ist der Typ, der Harvard 30 Millionen Euro gegeben hat, um Martin Nowaks Programm für evolutionäre Dynamiken einzurichten. Er war sehr großzügig bei der Finanzierung von Projekten vieler unserer Freunde und Kunden. Er geriet auch in Schwierigkeiten und verbrachte ein Jahr im Gefängnis in Florida. Wenn er dich kontaktiert, ist es wahrscheinlich deine Zeit wert, ihn zu treffen, da er extrem intelligent und interessant ist. Das letzte Mal, als ich sein Haus besuchte (die größte Privatresidenz in New York), kam ich herein und fand ihn in einem Jogginganzug und einen Briten in Anzug mit Hosenträgern, der gerade eine Fußmassage von zwei jungen, gut gekleideten russischen Frauen bekam. Nachdem er mich eine Weile über Cybersicherheit informiert hatte, kommentierte der Brite namens Andy die schwedischen Behörden und die Anklage gegen Julian Assange. 'Wir glauben, die Schweden seien liberal, aber es ist dort eher wie in Nordengland im Gegensatz zu Südeuropa', sagte er. 'In Monaco arbeitet Albert 12 Stunden am Tag, aber um 21 Uhr, wenn er ausgeht, tut er, was er will, und niemand interessiert sich dafür. Wenn ich das tue, bin ich in großen Schwierigkeiten.' An diesem Punkt wurde mir klar, dass der Empfänger von Irinas Fußmassage seine Königliche Hoheit, Prinz Andrew, der Herzog von York, war." Diese Mail wieder lesend, kann Morozov nicht glauben, das Brockman "nichts von Epsteins wilden Sexeskapaden wusste - tatsächlich legt seine Mail nahe, dass er versuchte sie zu nutzen, um andere nützliche Idioten für Epsteins Netzwerk zu rekrutieren".

Magazinrundschau vom 29.01.2019 - New Republic

Auch Josephine Livingstone bespricht Jill Abramsons Buch "Merchants of Truth: The Business of News and the Fight for Fact" über die Zukunft des Journalismus, das Jill Lepore vergangene Woche im New Yorker vorstellte (unser Resümee). Einerseits eine brillante Studie über den Printjournalismus, hat das Buch für Livingstone allerdings einen klaren Makel - das generationsbedingte Unverständnis der 2014 entlassenen New-York-Times-Chefredakteurin gegenüber den neuen digitalen Medien wie Vice-Media und BuzzFeed. Nicht nur, dass Abramson den neuen Medien Faktenuntreue vorwirft (woraufhin es Nachweise von Sachfehlern in ihrem Buch hagelte): "Abramsons Unhöflichkeit entgeht etwas Entscheidendes: die sehr ernsten politischen Überzeugungen, die die Arbeit jüngerer Journalisten beeinflussen. Empathie für andere Menschen, ein ausgesprochenes Anliegen für die Gleichstellung der Geschlechter, eine Anerkennung der persönlichen und beruflichen Interessen der Repräsentation: Das sind grundlegende Prinzipien des neuen digitalen Journalismus, keine nachträglichen Überlegungen. Abramsons Missgendering (einer Vice-Media-Mitarbeiterin, d. Red.) ist das perfekte Beispiel. Es ist ein generationsbedingter blinder Fleck bei Abramson. Es fällt ihr nicht ein, Pronomen zu überprüfen, denn in ihrem beruflichen Umfeld hatte das keine Priorität. Wenn sich 'Merchants of Truth' allein auf die Times und die Post konzentriert hätte, wäre es ein hervorragender Beitrag zur Geschichte des Journalismus geworden. Warum verließ Abramson ihre Fachgebiet, um digitale Medien zu kritisieren? Es ist verlockend, die Antwort in ihrer eigenen Karriere zu suchen. Wenn der jüngeren Generation die traditionelle Redaktionsschulung in Fairness, Ethik und Berichterstattung abgeht, dann bedeutet der Verlust von Jill Abramson etwas."

Magazinrundschau vom 15.01.2019 - New Republic

Auch ein menschlicher Flummi kommt irgendwann ins Alter und schreibt seine Autobiografie - so wie jetzt der Hongkong-Superstar Jackie Chan. Ryu Spaeth staunt Bauklötze, mit welch sprühend guter Laune Chan sein Leben in der ehemaligen Kronkolonie schildert, als die Hafenstadt noch Zufluchtsort für chinesische Flüchtlinge war. Selbst die größten Quälereien, die aus Chan Kong-Sang (wörtlich: "der in Hongkong Geborene") den neben Bruce Lee größten und beliebtesten Kung-Fu-Star machten, werden weggelächelt. So etwa seine Ausbildung bei der China Dance Academy, in die er mit sieben Jahren gesteckt wurde: "Zehn Jahre lang trainierte Chan von fünf Uhr morgens bis elf Uhr abends, mit Pausen für Mittag- und Abendessen. Er schlief neben all den anderen Jungs auf einer dünnen Matratze auf einem Teppich, auf einer Kruste von Schweiß, Spucke und Pisse. Wenn er sich daneben benahm, setzte es Prügel mit dem Stock. Wenn er krank wurde, wurde ihm gesagt, er solle sich gefälligst zusammenreißen und weiter Kung-Fu trainieren. Er erhielt so gut wie keine Bildung, nicht einmal in den Grundlagen des Lesens, Schreibens und Rechnens wurde er unterrichtet. Als er zum ersten Mal an Geld kam, konnte er kaum Quittungen mit seinem Namen unterzeichnen (seine Memoiren sind von einem Publizisten 'co-geschrieben'). Er war im wesentlichen ein Fleischklops, den man hervorzerrte, wann immer eine Pekingoper einen Sänger, Tänzer oder Akrobaten benötigte. Und als er in seiner Jugend damit begann, auf Filmsets anzuheuern, behielt sein Lehrmeister 90 Prozent seines Lohnes ein. Chan war Teil der gewaltigen Unterklasse der großen Hongkong-Wirtschaft, die bis heute vollgepackt ist mit unterbezahlten Arbeitern aus aller Welt, die in tristen Apartments in der Größe von Särgen lebendig übereinandergestapelt werden. Und doch ist sein Memoir im Tonfall von der Überzeugung bestimmt, dass die offensichtlichen Ungleichheiten in der China Drama Academy im Besonderen und in Hongkong im Allgemeinen durch die erstaunlichen Möglichkeiten ausgeglichen wurden, die sich einem Niemand wie Chan Kong-Sang boten. Er selbst beschreibt diese Jahre als sein 'Jahrzehnt der Finsternis'. Aber er fügt hinzu: 'Es waren diese zehn Jahre, in denen ich Jackie Chan geworden bin.'"

Und dieser Jackie Chan nahm das Leben auch bei den Dreharbeiten später bekanntlich von der harten Seite:


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Magazinrundschau vom 08.01.2019 - New Republic

Und auch Alexander Hurst schreibt in der New Republic über die "Eliten" und die Gelben Westen. Aber er sieht die Eliten auf der Linken und kritisiert sie dafür, aus politischem Opportunismus die ziemlich rechtsextremen und antisemitischen Anwandlungen bei vielen "Gelben Westen" geflissentlich zu übersehen: "Es liegt für die Linke eine Herausforderung im Wesen der Gelben Westen, in der Gewalt, die einen unleugbaren Anteil an ihrem Erfolg hat... Leider ist die Linke dieser Herausforderung nicht gewachsen. So wie Populisten 'das Volk' als etwas Reines den korrupten Eliten entgegenhalten, so wünschen sich andererseits einige Eliten einen Aufstand der entfremdeten Massen im Namen einer solchen essenziellen Reinheit." (...) Man mag erwarten, dass die extreme Rechte in einem Umfeld von Fake News und diffusem Ärger aufblüht, aber auch große Teile der Linken reagieren auf die Idee, Macron sei ein 'Ultraliberaler' und machen sich zu Weggefährten der rechten Destabilisierungsstrategie."

Magazinrundschau vom 02.01.2019 - New Republic

2010 erfuhr die breitere Öffentlichkeit erstmals von einer unfassbar coolen und eigensinnigen 14-jährigen Modebloggerin, die seit zwei Jahren aus einem Vorort von Chicago sehr persönlich über Mode und bald zunehmend auch über feministische und popkulturelle Themen schrieb: Tavi Gevinson (hier ist sie 2010 an der Seite von Karl Lagerfeld). Ein Jahr später gründete Gevinson das online-Jugendmagazin Rookie, das vor allem Mädchen gewidmet war: eine Mischung aus high and low und dabei absolut 21. Jahrhundert. Im November 2018 verkündete Gevinson, jetzt 22 Jahre alt, das Ende des Magazins - zuviel hat sich in den sechs Jahren seiner Existenz verändert, erklärt sie Josephine Livingstone. Aus einer genuinen Person war eine genuine Marke geworden, die sie hätte ausbeuten müssen, um finanziell über die Runden zu kommen: "Bei Rookie zeigte sich die Verbindung von Künstler und Marke nicht nur in der ausgeprägten visuellen Attraktivität des Magazins - oft collageartig, wie die Schlafzimmerwand eines Teenagers - sondern auch in der Sprache. Die Kolumnistinnen nahmen die existenziellen Fragen ihrer Leserinnen sehr ernst, konnten aber auch lustig über Hüte schreiben. Diese Mischung aus Aufrichtigkeit und Off-Kilter-Humor war ein Beispiel für das Beste der Internet-Mundart Mitte der zehner Jahre, und die Sensibilität der Website wurde Gevinson selbst zugeschrieben. Aber eine authentische Stimme ist sehr gefragt im heutigen Verlagswesen, wo native advertising und Lifestyle-Branding sehr eng und manchmal unmerklich mit herzlichen Essays von Frauen jeden Alters verbunden sein können. Das kann missionsgesteuerten Journalismus in Marketing verwandeln. 'Es gab die Möglichkeit, [Rookie] ganz neu zu denken, wie eine Mentoring-App oder so', sagt Gevinson. 'Oder es zu erweitern, wie es war, und das hätte Events, Merchandise, viel mehr Inhalt und mehr Bücher mit sich gebracht.' Es gibt Publikationen da draußen mit Geschäftsmodellen, die für Rookie hätten funktionieren können, sagt Gevinson. Aber sie hatte kein Interesse daran, Rookie zu einer 'riesigen, facettenreichen Marke' zu machen. Einer Lifestyle-Marke."

Magazinrundschau vom 12.09.2017 - New Republic

Als Science-Fiction-Autorin hat Ursula K. Le Guin in den Sechzigern die Grenzen des bis dahin stramm männlich dominierten Genres gesprengt und es unter anderem für feministische Themen geöffnet. Mit über achtzig Jahren hat sie sich vor wenigen Jahren als Autorin im Ruhestand ins Abenteuer des Bloggens gestürzt - jetzt liegt eine Auswahl ihrer Postings auch als Buch vor, das Robert Minto sehr gern gelesen hat. Insbesondere die Passagen, in denen die Autorin den Alltag ihrer Katze mit wachsamen Augen dokumentiert, haben ihn hingerissen. "So viel Zeit und Interesse der Beobachtung einer Katze zu widmen, könnte man als kleinsten gemeinsamen Nenner der Internetkultur und des Verhaltens alter Leute auffassen. Doch wie stets betritt Le Guin ihr neues Genre, um es zu vertiefen und zu erweitern. ... Selbst noch in der vertrauten Beziehung zwischen einer alten Frau und einer Katze findet Le Guin ein Feld für herausfordernde moralische Einsichten und eine Angelegenheit, die Neugier entfacht, die tiefe Zeit der Evolution zu erforschen. Sie stellt eine von Alter und Ruhm unbeeinträchtigte Künstlerin dar. Auch weiterhin sucht sie nach Quellen der Andersartigkeit in ihrem Leben und gestattet uns Einblick in die Andersartigkeit, die sie selbst behaust. Le Guin brauchte eine halbe Karriere als veröffentliche Autorin, um zu lernen, wie man in einem von Männern dominierten und Männer glorifizierenden Genre über weibliche Protagonistinnen schreibt. Und jetzt lernt sie, aus der Perspektive eines alten Menschen in einem Medium wie dem Internet zu schreiben, das die Jugend glorifiziert."

Außerdem: Jean H. Lee stellt Carl De Keyzers Fotografien aus Nordkorea vor. Rachel Syme schreibt über "The Deuce", die neue Serie von "The Wire"-Schöpfer David Simon, der sich darin der Pornoindustrie im New York der frühen 70er widmet. Christian Lorentzen bespricht den neuen Film der Dardenne-Brüder.

Magazinrundschau vom 01.08.2017 - New Republic



Josephine Livingstone ist hin und weg von Charlize Therons eiskalter superblonder britischer Agentin Lorraine Broughton und dem Achtziger-Jahre-Styling von David Leitchs in Berlin spielendem Spionagethriller "Atomic Blonde": "Eines Abends besucht Broughton eine mondäne Cocktailbar, um die Raubtiere des KGB zu beobachten. Hier begegnet sie Delphine (Sofia Boutella), einer rehäugigen französischen Agentin, die Broughtons Geliebte spielt. Lorraine Broughton kommt durch die Eingangstür, lässt ihren Mantel in die Hand des Türstehers fallen und kreuzt durch den Raum wie ein ausgehungerter Hai. Ihr Outfit und Haar - hier viel abgemilderter als in anderen Szenen - ist fast identisch mit Michelle Pfeiffers schwarzem Pailletten-Look in 'Scarface', in der Szene, in der sie beim Abendessen ausflippt. Wie Pfeiffers Elvira Hanckock benutzt Broughton ihre Ponyfransen als Schild und ihren strengen Mund als Rasierklinge. Es ist ein perfektes Stück Kostümreferenz, die durch Broughtons allgegenwärtige Zigarette vervollständigt wird."

Außerdem unterhält sich Livingston mit dem pulitzerpreisgekrönten Autor Viet Thanh Nguyen über den Vietnamkrieg. Und Rachel Syme schreibt über die neue HBO-Serie der Duplass-Brüder, die ausschließlich im titelgebenden "Room 104" spielt.

Magazinrundschau vom 04.07.2017 - New Republic

Im New Republic denkt David Sessions über "The Ideas Industry" nach, ein Buch des Politologieprofessors und Bloggers Daniel W. Drezner. Der beschreibt darin, wie der freie Intellektuelle abgelöst wurde vom "Meinungsführer", der sich und sein Schreiben in eine Marke verwandelt (Drezner nennt Sheryl Sandberg, Fareed Zakaria, Niall Ferguson und Thomas Friedman als Beispiele) und für viel Geld die Vorstellungen der "Superreichen" promotet - "dass sie ihr Vermögen verdient haben, dass sozialer Schutz weiter abgebaut werden muss, um uns für 'die Zukunft' flexibel zu halten und dass lokale Bindungen und alternative Lebensformen von einem erstrebenswerten Konsumerismus ersetzt werden sollten". Zum Glück, so Sessions, sind seitdem viele kleine linke Publikationen entstanden (er zählt den New Republic dazu), die diesem "Schmus der Meinungsführer" etwas entgegensetzen, die "den rhetorischen Nebel der liberalen Mitte angreifen und Wähler aus der Arbeiterklasse gegen Anklagen verteidigen, sie seien unheilbar rassistisch und geistlos populistisch".

Magazinrundschau vom 20.06.2017 - New Republic


Alfred Stieglitz: Georgia O'Keefe, 1918, Victoria & Albert Museum

Rachel Syme wandert durch die große "Georgia O'Keeffe: Living Modern"-Ausstellung im Brooklyn Museum, die ebenso um Selbstdarstellung der Künstlerin kreist wie um ihre Kunst. Ihre Kleider sind ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung - das pinkfarbene Kopftuch und ihr Stetson, die große Calder-Brosche mit dem O und K, die cremefarbenen Seidentuniken, die Designeranzüge von Knize und Balenciaga, die Button-down-Hemden und Blue Jeans, die Ferragamo-Ballerinas und ihre Kimonos. Man kann sich einen solchen Schwerpunkt kaum bei zum Beispiel Marcel Duchamp vorstellen, seufzt Syme, aber sei's drum, in O'Keefes Fall ist ihr spielerisches Selbstimage tatsächlich interessant: "Wenn 'Living Modern' eine Hauptthese hat dann die, dass Georgia es liebte, fotografiert zu werden. Die Bilder sind so genau komponiert, so architektonisch, so voll von dem Blick, den sie zurückwirft, dass man kaum ihre Willenskraft ignorieren kann, durch jedes Einzelbild zu führen. Obwohl [ihr zeitweiser Ehemann und Fotograf] Alfred Stieglitz mehrere Nacktaufnahmen der jungen Künstlerin machte, legt der aggressive Blick in die Kamera auf diesen Bildern nahe, dass sie weniger Objekt seiner Arbeit und mehr ein Mitverschwörer. Sie wusste, wie sie gesehen werden wollte und formte ihren eigenen Ruhm. Ein Jahrzehnt, nachdem sie von Texas nach New York City gezogen war, war sie die bestbezahlte Künstlerin der Stadt. Aber ihre Selbstpräsentation - die Hohepriesterin der Wüste in Crepekleidern und schmutzigen Arbeitsstiefeln - machte sie zur Ikone. Sie war ein kleines Bündel von einer Frau, die Bilder malte, die oft größer waren als sie selbst, die hypersaturierte Türkise und Fuchsien aus der dunklen Erde zog. Sie brachte das Kühne und das Delikate und das Aufblühende auf eine Art zusammen wie niemand vor ihr, und plötzlich war die Welt eine andere." (Viele Bilder aus der Ausstellung findet man bei Design Life Network)

Magazinrundschau vom 07.02.2017 - New Republic

Außer seiner eigenen Klientel ist eigentlich niemand glücklicher über Donald Trumps Wahlsieg als die prononcierte Linke. Der Jurist Jedediah Purdy ist sogar so happy, dass er in der New Republic gleich mit zwei Artikeln aufwartet. Im einen durchsucht er die für ihn abgewirtschafteten Ideen der Liberalen und Konservativen auf brauchbare Reste. Und im anderen freut er sich dann so richtig: "Genau in dem Moment, da Establishment-Politik untergraben wurde - die Republikaner von Trump gekidnappt, die Demokraten bestürzt über Clintons Niederlage - ist die amerikanische Linke wiedergeboren worden." Zwar ist es laut Purdy überhaupt "nicht plausibel anzunehmen, dass die Linke vor einem größeren Sieg steht" - aber immerhin könne ihre "intellektuelle Klarheit nun Grassroot-Aktivisten anleiten und ihre Arbeit koordinieren". So hat Trumps Wahlsieg doch sein Gutes!

Auch die großen amerikanischen Gewerkschaften - Umwelt be damned - lieben Trump, berichtet der Historiker Erik Loomis voller Entsetzen, obwohl darin, wie er weiß, eine gewisse Kontinuität liegt: "Die Bauarbeitergewerkschaften haben sich schon vor langer Zeit mit rassistischen und ausschließenden Kräften verbunden. Der erste große Sieg der Gewerkschaft vor einem Gericht der Vereinigten Staaten war der Chinese Exclusion Act von 1882, der in der Wut kalifornischer Arbeiter über die chinesische Konkurrenz wurzelte. Die Gewerkschaften unterstützten durchweg Einwanderungsbeschränkungen auch nach dem Immigration Act von 1965, der die amerikanischen Grenzen für die Müden und Armen der Welt wieder öffnete. Der Gewerkschaftsbund der Industriearbeiter, den der Präsident der Vereinigten Minenarbeiter von Amerika, John L. Lewis, 1935 gründete, um die Millionen Arbeiter im industriellen Sektor der Nation zu organisieren, war notwendig, weil die Einzelgewerkschaften nicht nur Frauen, asiatischen Amerikanern, Afroamerikanern und ungelernten Arbeitern die Mitgliedschaft verweigerten, sondern weil sie sich auch jedem Versuch anderer Gewerkschaften widersetzten, diese Menschen zu organisieren."