Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
17.04.2007. In Al-Sharq al-Awsat erinnert Amir Taheri westliche Kritiker des Westens daran, dass arabische Kritiker der arabischen Welt tot, im Gefängnis oder im Exil sind. In de Volkskrant kritisiert der Schriftsteller Maarten t'Hart seine Parteifreundin Marianne Thieme, die Fleischverzehr zur Sünde erklärte. Nepszabadsag wünscht sich ein gemeinsames Geschichtsbuch der Mitteleuropäer. BHL erliegt in Le point der Verführungskunst Barack Obamas. Outlook India fordert mehr Realismus in der indischen Literatur. Das TLS hofft, dass Kasparow den russischen Wahlkampf überlebt. New Yorker, Economist und New York Times haben sich in den französischen Wahlkampf gestürzt.

New Yorker (USA), 23.04.2007

Jane Kramer beginnt ihre lange, faktenreiche Reportage über den Endspurt im französischen Präsidentschaftswahlkampf mit einer wunderbaren Versinnbildlichung der "cartesianischen Falle", in der die Franzosen gefangen seien. "Ende März, nach einem langen Tag, an dem ich zu viele Franzosen über Politik hatte reden hören, hoffte ich beim Room-Service meines Pariser Hotels auf ein Sandwich. 'Wir haben Schinken und Emmentaler auf Toast', erklärte der Kellner am Telefon. 'Gut', sagte ich, 'könnten Sie es grillen?' 'Nein, Madame. Auf der Speisekarte steht Schinken und Käse; würden wir es grillen, wäre es eher ein Croque-Monsieur.' 'Einverstanden', sagte ich. 'Dann machen Sie es wie einen Croque-Monsieur.' 'Das geht leider nicht. Ein Schinken-Käse-Sandwich wird nie gegrillt, es sei denn, auf der Karte steht Croque-Monsieur, und das steht da nicht.' Mir wurde klar, dass ich in ein sehr französisches Gespräch geraten war (...), das sich wirklich nicht von jenen Gesprächen unterschied, die ich den ganze Tag mit diesen verstockten Typen aus der gegenwärtigen Wahlkampfkomödie geführt hatte - den Experten, den Philosophen und den Politikern."

Weiteres: Ben McGrath portätiert den Baseballstar der Bostoner Red Sox Manny Ramirez. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Something Like Happy" von John Burnside sowie Lyrik von Jean Valentine, J.D. McClatchy und William Logan. Adam Gopnik rezensiert eine Biografie des englischen Schriftstellers und Dichters Kingsley Amis: "The Life of Kingsley Amis" (Pantheon). Und David Denby sah im Kino den Krimi "Lonely Hearts" von Todd Robinson und das Regiedebüt "Year of the Dog" von Mike White.

Nur im Print: ein Bericht über die Demokratiebewegung in China und ein Porträt von Jeff Koons.
Archiv: New Yorker

al-Sharq al-Awsat (Saudi Arabien / Vereinigtes Königreich), 11.04.2007

Amir Taheri nimmt eine gerade erschienende Biografie des zum Islam übergetretenen französischen Schriftstellers Roger Garaudy zum Anlass, um mit dem Holocaust-Leugner und seinen zahlreichen Freunden und Anhängern in arabischen und islamischen Ländern abzurechnen (hier in einer anderen Fassung auf Englisch): "Für Garaudy war es möglich, Gaddafi zu verehren, denn er musste nicht unter dessen Herrschaft leben. Er konnte mit Khatami zu Mittag essen und über Philosophie diskutieren, denn er wusste, er würde Teheran in ein paar Tagen wieder verlassen. Für Garaudy war das Ende Saddam Husseins ein Anlass zur Trauer, denn er konnte sicher sein, er würde nie so leiden müssen wie die Iraker in Halabja oder während der Anfal-Kampagne. Wie Proteus konnte Garaudy seine Meinungen, Ideen und Religionen wechseln wie sein Hemd, denn das Schicksal wollte, dass er in Europa in Frieden und Sicherheit lebt. Andere in anderen Teilen der Welt hingegen genießen diesen Luxus nicht. Für das 'Verbrechen', ihre Meinung zu ändern oder für ihre Kritik der bestehenden Ordnung riskieren sie Exil, Verhaftung oder Tod."
Stichwörter: Holocaust-Leugner, Irak, Luxus

De Volkskrant (Niederlande), 12.04.2007

Hollands Tierschützer diskutieren: Muss Marianne Thieme, Chefin der niederländischen Tierschutzpartei, zurücktreten, weil sie praktizierende Siebenten-Tags-Adventistin ist? Auf jeden Fall, meint ihr prominenter Parteifreund, der Schriftsteller Maarten t'Hart. Thiemes Mitgliedschaft in einer "religiösen Sekte" schade dem Image der Partei. Gilt Religionsfreiheit in Holland also nicht für Politiker? Nicht, wenn "es sehr wahrscheinlich ist, dass der Glaube ihr politisches Denken und Handeln beeinflusst. Thieme hat in einem Interview mit dem Telegraaf behauptet, Adam und Eva seien im Paradies Vegetarier gewesen und hätten erst nach dem Sündenfall begonnen, Fleisch zu essen. Ich kann Ihnen reichlich ökonomische oder gesundheitliche Gründe gegen den Fleischverzehr nennen - aber eine Sünde ist es nicht."
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Point (Frankreich), 12.04.2007

Nicht anders als schwärmerisch kann man die Auslassungen von Bernard-Henri Levy bezeichnen, mit denen er in seinen Bloc-notes den Franzosen den möglichen demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama nahe bringen will. "Ich habe mir geschworen - und dieses Versprechen in einem Kapitel meines Buchs 'American Vertigo' protokolliert -, niemals dieses Bild zu vergessen, als er exakt um 23 Uhr mit diesem leicht tänzerischen Schritt die Szene betrat, und sich sein wundersames Gesicht eines braunen Amerikaners gegen das Licht abzeichnete - ein imaginärer Zwilling des unehelichen Kinds von Thomas Jefferson. (...) Ist er der erste Schwarze, der begriffen hat, dass man nicht mehr mit Schuld, sondern mit Verführung spielt? Der erste, der beschlossen hat, nicht der Vorwurf Amerikas zu sein, sondern sein Versprechen, seine neue Chance?"

In einem Interview stellen die beiden Philosophen Eric Deschavanne und Pierre-Henri Tavoillot ihr Buch über Lebensalter "Philosophie des ages de la vie" (Grasset) vor, das sich insbesondere der Frage widmet, was Erwachsensein heutzutage heißt.
Archiv: Point

Outlook India (Indien), 23.04.2007

Im indischen Wochenmagazin beklagt Markandey Katju den Mangel an guter, das heißt "aktiver realistischer" indischer Literatur: "Wie bei Dickens und Shaw in England, bei Rousseau und Voltaire in Frankreich sollte Literatur die Menschen bewegen, ihre Lebensumstände zu verbessern und für eine Welt ohne Unrecht einzutreten ... Im Zeitalter der Wissenschaft hat der Mensch sein soziales Schicksal selbst in der Hand; Kunst und Literatur sollten ihm dabei helfen. In Ländern wie Indien, wo sehr viele Menschen unter schrecklichen Bedingungen leben, bedeutet Kunst um der Kunst willen Eskapismus."

Tabish Khair hat die Art Literatur schon gefunden. In Mohsin Hamids Roman "The Reluctant Fundamentalist", schreibt er, erhalte der Fundamentalismus eine nuancenreiche Stimme: "Die Andersartigkeit des religiösen Terroristen scheint nicht erzählbar, außer als das absolut Böse, archaische Dummheit oder jugendliche Verblendung ... Der Roman ist eine glorreiche Ausnahme. Sein Erfolg beruht auf Sympathie, gedanklicher Tiefe und Hamids Geschick. Sein Erzähler ist eine mit Bedacht entworfene Figur, nicht irgendein Fundamentalist, sondern ein 1A-Princeton-Absolvent aus guter Familie."

Außerdem: Das Titeldossier versammelt "25 Menschen, die es nie in die Riege der Mächtigen schaffen werden", weil sie sich, wie C. Rammanohar Reddy, Herausgeber des Debatten-Magazins Economic and Political Weekly, lieber fürs Gemeinwohl engagieren. Und Namrata Joshi lobt Steven Soderberghs "The Good German" für sein Film-noir-Feeling, findet aber, dass Clooney nicht Bogart ist.

Times Literary Supplement (UK), 13.04.2007

Daniel Johnson hat mit angehaltenem Atem Garri Kasparows Buch "How Life imitates Chess" gelesen, das man bitte nicht mit der Anekdotensammlung eines Prominenten verwechseln sollte: "Kasparow ist nicht nur der größte Schachspieler, den die Welt je gesehen hat. Er ist auch der Führer der Opposition und die letzte Hoffnung der Demokratie in Russland. Er war mutig genug, mit nichts anderem als seinem Kopf den Mann herauszufordern, den er verächtlich als einen 'einfachen Oberstleutnant im KGB' bezeichnet. In der Partie, die Kasparow jetzt mit Präsident Putin spielt geht es um Leben und Tod. Dies gibt seinen Überlegungen zum Schach und zum Leben eine besondere Schärfe." Um gegen Putin zu gewinnen, glaubt Johnson, wird Kasparow genauso diszipliniert agieren müssen wie einst gegen Karpow: "Für Kasparow wird es nicht leicht, die Wähler zu gewinnen, die Wahrheit zu sagen und am Leben zu bleiben."

Weiteres: Es gibt viele Industriellenfamilien, die ein gewaltiges Imperium gründeten und andere Menschen an ihrem Reichtum teilhaben ließen. Andrew Mellon etwa war ein großer Philanthrop und vermacht seine Kunstsammlung dem amerikanischen Volke. Und es gibt die Familie Thyssen-Bornemisza. Angus Trumble, Kurator des Yale Center for British Art in New Haven, hat - Mellon im Blick - David Litchfields Familiengeschichte "The Thyssen Art Macabre" gelesen und kann seinen Abscheu vor so viel Raffgier kaum verhehlen. James Fenton schreibt über die Gedichte der Lyrikerin Elizabeth Bishops, Carolyne Larrington liest Terri Apters Buch über den ewigen Geschwisterkampf "The Sister Knot".
Stichwörter: Schach

Nepszabadsag (Ungarn), 14.04.2007

Die Feindseligkeiten zwischen den Ländern Mitteleuropas sind darauf zurückzuführen, dass die Menschen die Geschichte und Kultur ihrer Nachbarn nicht kennen, meint Emese John, Mitglied im Vorstand der ungarischen Liberalen, und plädiert für ein gemeinsames Geschichtsbuch Mitteleuropas: "Unsere Erinnerungskultur basiert ausschließlich auf nationalen Geschichtsbüchern. Sie tragen die Spuren kriegerischer Auseinandersetzungen der letzten tausend Jahre und zeigen Kriege und Konflikte nur aus der eigenen nationalen Perspektive. Wir leben auf einem so winzigen Fleck der Welt, unsere Wurzeln sind ineinander verschlungen, unsere Zweige berühren sich, und doch sehen wir unsere gemeinsamen Interessen in der gemeinsamen Geschichte nicht - weil wir sie noch gar nicht gesucht haben."

Zum Erfolg des vor 110 Jahren erschienenen Dracula-Romans von Bram Stoker, meint der Schriftsteller Andras Cserna-Szabo: "Wie wenig hat sich dieser rosige, christliche und rationale Westen in mehreren hundert Jahren verändert! Das Böse stammt immer aus dem Osten, das Chaos bedroht unsere Ordnung aus der heidnischen Ferne, aus dem Osmanischen Reich, aus der romantischen Landschaft der Karpaten oder aus den Felsenbunkern Afghanistans. ... Die archetypische Geschichte des aus dem Osten kommenden Bösen, das den Frieden des Westens zerstört, ist vielleicht der Grund dafür, warum die Leser dieses verstaubte Vampirepos heute immer noch reizend finden."
Archiv: Nepszabadsag

Foglio (Italien), 14.04.2007

Mehr als tausend italienischen Kommunisten, die aus dem Italien Mussolinis in die Sowjetunion geflohen waren, wurde dort der Prozess gemacht, weiß Gabriella Mecucci und erzählt einige besonders tragische Fälle wie den von Clementina Perone. Noch jung und sehr attraktiv verließ sie ihren Ehemann und ihre beiden kleinen Söhne, um Giovanni Parodi, der nach dem Krieg ein wichtiger Mann in der Gewerkschaftsbewegung geworden war, in die UdSSR zu folgen. Tina wurde zum ersten Mal 1937 in Moskau verhaftet, ihr Partner war zu der Zeit auf Befehl der Partei schon wieder nach Italien zurückgekehrt und wurde dort gefasst und verurteilt. Die junge Frau landete in der Lubjanka (mehr) und danach in einem Konzentrationslager. Dank der Hilfe russischer Freunden konnte sie entrinnen und kehrte nach Moskau zurück. Das Schlimmste aber sollte noch kommen."
Archiv: Foglio

Spectator (UK), 13.04.2007

"Demütigung auf Demütigung" hat der Spectator in den vergangenen Wochen erdulden müssen, als sich das Drama um die fünfzehn vom Iran festgenommenen britischen Soldaten entfaltete. Der Gipfel war, dass die Regierung ihnen auch noch erlaubt hat, ihre Geschichte verkaufen zu dürfen. Theodor Dalrymple macht die bröckelnde gesellschaftliche Gesamtverfassung für das beschämende Schauspiel verantwortlich. "Großmannsucht und Charakterlosigkeit sind zwei Seiten einer Medaille. Wenn jemand glaubt, er sei nicht mit einer Erbsünde, sondern mit einer Erbtugend auf die Welt gekommen, denkt er, dass alle seine Meinungen, Ziele und Handlungen per Definition rein, moralisch und deshalb richtig sind. Er kann von einem Moment auf den anderen umschalten, und das völlig ohne Skrupel. Denn er glaubt unerschütterlich, dass er das moralische Äquivalent zur Cheshire Cat ist." Die Schmach der Nation wird außerdem hier und hier kommentiert

Weitere Artikel: David Selbourne ist sich sicher, dass die USA mit dem Irakkrieg das Ende ihres Imperiums eingeläutet haben. Matthew d'Ancona unterhält sich mit Jeffrey Sachs, demn diesjährigen Reith Lecturer der BBC, über die Rettung Afrikas.
Archiv: Spectator
Stichwörter: Irakkrieg, Jeffrey Sachs

Europa (Polen), 14.04.2007

Die von vielen konstatierte Demokratiekrise in den ostmitteleuropäischen Ländern hat ihre Ursprüunge in der Natur der Systemtransformation, meint die polnische Politologin Lena Kolarska-Bobinska. "Sie verlief im Zeichen des Vorrangs ökonomischer Veränderungen vor politischen. Leszek Balcerowicz und andere wirtschaftsliberale Reformer glaubten, die Stärkung der Demokratie werde wie von selbst nachziehen. Man kann sogar sagen, sie waren nicht an einer aktiven Gesellschaft interessiert - man fürchtete Proteste gegen die marktwirtschaftliche Entwicklung." Trotz großer Erwartungen an den EU-Beitritt hat sich das Misstrauen der Polen gegenüber staatlicher Institutionen noch erhöht, wozu die jetzige Regierung beigetragen habe, so die Politologin. Sie hofft jedoch, dass die in gut regierten Ländern gemachten Erfahrungen, u.a. durch Arbeitsmigration, die Erwartungen der Polen gegenüber eigenen Institutionen steigern und zu mehr zivilgesellschaftlichem Engagement führen wird.
Archiv: Europa

Economist (UK), 13.04.2007

Der Economist porträtiert die pyjamahideen, die bloggende Pyjama-Opposition in arabischen Staaten: "In Ägypten zum Beispiel hat sich das Bloggen im letzten Jahr vom narzisstischen Salonsport zum die politische Agenda bestimmenden entwickelt: Indem sie peinliche Videoaufnahmen online stellten, haben Blogger Skandale zu Themen wie Folter und Belästigung von Frauen auf den Straßen Kairos entfacht. Nach dem Referendum zu den Verfassungsänderungen im letzten Monat veröffentlichten zahlreiche ägyptische Webseiten gescannte Bilder eines Briefs, in dem ein Provinzgouverneur untergebenen Beamten befahl, mit ja zu stimmen - da bedurfte es zur Desillusionierung keines weiteren Kommentars."

Weitere Artikel: Der Economist legt sich fest: Nicolas Sarkozy wäre die beste Wahl als Frankreichs neuer Präsident: "Anders als die anderen, und trotz seiner Dienstzeit als Mininster unter Jacques Chirac, lässt er keinen Zweifel daran, dass Frankreich den radikalen Wechsel braucht." Heftigen Streit gibt es zwischen Polen und Russland um die Nationalität von in Auschwitz ermordeten Litauern und Ostpolen. Seine Beschimpfung von schwarzen Basketballerinnen als "kraushaarige Huren" war nicht die erste Entgleisung des Radiomoderators Don Imus in der Öffentlichkeit - es könnte, wie der Economist berichtet, aber seine letzte gewesen sein. Im Kulturteil wird das Buch "The Last Tycoons" besprochen, William Cohans Geschichte der Investmentbank Lazard.
Archiv: Economist

Elet es Irodalom (Ungarn), 13.04.2007

"Unser Hund heißt Umberto", so begann die Laudatio von Peter Esterhazy auf Umberto Eco, der anlässlich der Internationalen Budapester Buchmesse mit dem "Budapest-Preis" ausgezeichnet wurde. Den Namen erhielt der Hund von Esterhazys Tochter. Sie hatte ihn trotz eines väterlichen Verbots gekauft . Um den Vater, einen großen Verehrer Umberto Ecos, versöhnlich zu stimmen, nannte sie ihn Umberto. "Für Das offene Kunstwerk, die größte Buchbegegnung meines Lebens, bin ich ihm heute noch dankbar. Wie alle Schriftsteller lege ich selbst fest, was für mich Literatur, Sprache, Lesen und Leser bedeuten. Da ich Mathematik studiert habe, kannte ich mich in diesem Bereich kaum aus, was mir eigentlich viel half. Ich las alles mit Eco. Sein Denken finde ich heute noch sehr anprechend: er versteht es, mit dem meisten Wissen, das einem Menschen möglich ist, den Zweifel zu bewahren."

Und: In Budapest wurde eine große Ausstellung über den österreichisch-ungarischen Erfinder, Architekten und Schriftsteller Wolfgang von Kempelen (1734-1804) eröffnet. Sein Schachautomat, die Sprechmaschine und andere Erfindungen Kempelens machten ihn europaweit bekannt und waren weit voraus, sagt Jozsef Melyi, Kurator der Ausstellung im Gespräch mit Laszlo J. Györi.

New York Times (USA), 15.04.2007

Im Magazin der New York Times erklärt David Rieff, wie die Banlieues den französischen Wahlkampf bestimmen und warum Nicolas Sarkozy für Intellektuelle wie Pascal Bruckner der Mann der Stunde ist: "Er entlarvt Frankreichs Sonderrolle als 'Narzissmus des Scheiterns'." Seine größte Schwäche sei seine Hitzköpfigkeit, meint Bruckner. "Das ist diese Supercop-Seite an ihm, seine Neigung zum Konflikt, die ihn daran hindert, die Ruhe zu bewahren. Er hat so viel Energie, dass es manchmal scheint, er würde gleich explodieren. Wissen Sie, wenn er spricht, bewegen sich sogar seine Beine."

Wie finden die USA zu ihrem Groove zurück als "Leuchtfeuer des Fortschritts und der Hoffnung"? Thomas L. Friedman fordert einen "grünen New Deal": "Wer meint, wir werden mit unseren Umweltproblemen fertig, ohne dass es weht tut, ist ein Dummkopf oder Schwindler ... Der Klimawandel und der Krieg ums Öl werden unser Leben und das unserer Kinder so beeinträchtigen, wie einst der Kommunismus. Ein neuer Präsident hätte den Menschen klar zu machen, dass 'grün' keinen Rückschritt bedeutet, sondern eine Fülle neuer Möglichkeiten durch eine komplette neue Industrie. Es geht darum, die besten Köpfe aus den Finanzmärkten abzuziehen und auf Innovationen anzusetzen, die den Amerikanischen Traum bewahren helfen und die Träume von Millliarden anderer Menschen ermöglichen, ohne den Planeten zu ruinieren."

Und: Im Interview mit Deborah Solomon verrät der Autor Mohsin Hamid ("The Reluctant Fundamentalist"), wieviel Camus in seinem Bestseller steckt.

Einer Warnung gleicht, was Joel Agee in der Book Review über Elfriede Jelineks Roman "Gier" zu sagen hat. Von Unterhaltung oder Spannung keine Spur, meint er. Nichts läge Jelinek ferner, als eine Geschichte zu erzählen: "Ihr Metier ist die soziale Zergliederung. Nicht am lebenden Objekt, denn keine ihrer Figuren ist genug bei Bewusstsein, sich selbst oder den Leser zu überraschen ... Stattdessen findet man die rein rhetorische Existenz einer Sprache im Dienst von Spott und Missbilligung." Ergiebiger findet Agee das Buch als "ironische Umkehrung" eines pitoresken Österreich: "Ein künstlicher See, in dessen algenverseuchtem Wasser weder Enten noch Kinder schwimmen und wo zwei Männer passenderweise eine Mädchenleiche finden."

Weitere Artikel: Lucy Ellmann hält Henning Mankells neuen Roman "Depths" für reine Papierverschwendung. Dave Itzkoff stellt japanische, russische und serbische Science-Fiction vor (hier). Und Ken Kalfus sieht in Vladimir Sorokins Roman "Ljod. Das Eis" (Auszug) keine Satire, sondern eine schwer verdauliche antihumanistische Vision ohne historische Bezüge.