Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
19.09.2006. Outlook India erinnert an die 65.000 indischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die Weltwoche beschreibt den neuen Internetboom als eine Art Mitmach-Party. In der London Review of Books sucht Tony Judt nach den amerikanischen Liberalen und findet nur Bedienstete. Il Foglio porträtiert die sozialdemokratische Europaabgeordnete Lilli Gruber. In der Polityka untersucht Adam Krzeminiski polnische Ängste vor deutschen Revanchisten. Elet es Irodalom besucht den Garten der Dohany-Synagoge von Budapest, heute ein Massengrab. Das TLS ackert sich durch 2000 Jahre ärztliches Versagen. Im Figaro analysiert der Philosoph Philippe Raynaud den Erfolg der extremen Linken in Frankreich. Die New York Times ruft das Zeitalter der Satire aus.

Outlook India (Indien), 25.09.2006

Seema Sirohi erinnert an die 65.000 Inder, die im Ersten Weltkrieg unter britischer Flagge als Kanonenfutter gegen die Deutschen in Flandern eingesetzt wurden. Sirohi berichtet über die schlechte Ausrüstung und Bezahlung der indischen Soldaten (meist aus dem nördlichen Punjab) und das korrupte Rekrutierungssystem der Kolonisten: "Obwohl es offiziell keine Einberufung gab, ermutigten die Briten indische Grundbesitzer, ihre Loyalität zur Krone mit der Rekrutierung junger Männer unter Beweis zu stellen. Im Rahmen dieser Scheinautonomie, die von den Briten natürlich strikt kontrolliert wurde, bekamen die Landlords dafür den Titel 'Rai Bahadur' und 'Khan Bahadur' verliehen. Tausende wurden so in den Tod geschickt."

Ferner: In einem Beitrag des Titeldossiers macht sich Arindam Mukherjee Sorgen um den Nachwuchs in der traditionellen indischen Musik. Jaideep Madzumdar klagt über den spirituellen und physischen Verfall der einst von Rabindranath Tagore gegründeten Universität Santiniketan. Namrata Joshi findet Paul Greengrass' Kinofilm über Flug "United 93" gründlich. Und wir lesen einen Auszug aus Prem Shankar Jhas Globalisierungskritik "The Twilight Of the Nation State".
Archiv: Outlook India

New Republic (USA), 15.09.2006

"Wenn man nicht weiß, gegen wen man kämpft, kann man nicht gewinnen", schreibt Peter Beinart. Nach dem Krieg gegen den "Terrorismus" und die Achse des Bösen" steht jetzt der Kampf gegen den "Islamofaschismus" an, Beinhart hätte dies gern ein wenig präziser: "Der durchschnittliche Aufständische im Irak kämpft nicht für eine utopische Vision des Islams, er kämpft, weil amerikanische Soldaten seinen Cousin getötet haben oder weil Schiiten sein Land rauben. Amerikas Feinde im Irak umfassen Totalitaristen, aber vor allem Nationalisten und Tribalisten... Ein Krieg gegen islamischen Totalitarismus hat klare Grenzen: Er bedeutet einen Kampf gegen gewalttätige Islamisten. Ein Krieg gegen Islamofaschismus hat dagegen keine Grenzen, und genau das ist der Punkt: Der Begriff lässt die Regierung Bush immer neue Feinde finden - erst den Irak, jetzt den Iran, wobei er impliziert, sie alle würden die Ideologie von Al-Qaida teilen und die gleiche Art der Bedrohung darstellen. Das stimmt nicht, und fünf Jahre nach dem 11. September lässt es Amerikaner zunehmend verwirrt und skeptisch darüber zurück, gegen wen wir kämpfen und ob wir gewinnen können."
Archiv: New Republic