Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
05.07.2004. Folio bewundert Gottes Robbenbaby. Yasmina Khadra erzählt in Le Monde des livres, wie Algier ihn zum Alchimisten machte. Im Nouvel Obs klärt Jean Baudrillard die Amerikaner auf: rückwirkende Verhütung gibt's nicht. Im Spiegel sucht Peter Schneider die Wahrheit - und sei sie in schlechter Gesellschaft. Im Merkur fordert Gustav Seibt: Gerechtigkeit für's Sofabild. Der New Yorker sucht den freien Geist in Ägypten und findet ihn nur im Gefängnis. Outlook India stellt Amitav Ghoshs neuen quintessenziellen Roman "The Hungry Tide" vor. In der New York Times Book Review rät Gary Shteyngart allen Immigranten: smell'n'smile.

Folio (Schweiz), 05.07.2004

In Folio geht es dieses Mal um Grönland, das Land, von dem die allermeisten nur ein Bild haben: "Und zu diesem Bild gehört ein Wort: Eskimo. Ein Wort wie ein Film: Iglu, Hundeschlitten, Nasenreiben, für Schweizer ein Cembalo" (wir bitten unsere Schweizer Leser um Aufklärung).

Mit anmutiger Tristesse schreibt Reto U. Schneider über Quaanaaq, die nördlichste Stadt der Welt, die man im Winter nur mit zwei Maschinen verlassen kann. Entweder mit "der Dash 7 von Air Greenland, die vom kleinen Flugfeld im Westen des Dorfs zweimal pro Woche Richtung Süden startet" oder mit "dem Atlas-Copco-Presslufthammer der Gemeindeverwaltung, mit dem auf dem Friedhof im Osten des Dorfs die Gräber aus dem Boden gemeißelt werden. Die zum Sterben zu junge Frau, die heute zu Grabe getragen wird, hatte vor Jahren die erste Wahl getroffen. Sie lebte in Dänemark, wo sie nicht glücklich wurde. (?) Nach zehn Minuten falten die Leute die Hände, so gut das mit Fausthandschuhen geht: 'Ataatarput qilammiusutit, aqqit illernarsili' 'Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name'. Bei Zeile fünf mussten sich die protestantischen Missionare etwas einfallen lassen. Die Leute, denen sie die Heilige Schrift brachten, kannten kein Brot. Also ließen sie sie beten 'Unsere tägliche Nahrung gib uns heute'. Das Lamm Gottes erklärten sie den Polareskimos, die noch nie ein Schaf gesehen hatten, mit Gottes Robbenbaby."

Weitere Artikel: Mikael Krogerus reiht sich ein in die Eisberge, die der neue grönländische Popstar Julie Berthelsen zum Schmelzen bringt. Reto U. Schneider hat die Frau getroffen, die beteuert, nicht Smilla zu sein, und hat ihr irgendwie nicht geglaubt. Brrr? Martin Lindner vergleicht das Kälteempfinden von Sizilianern und Eskimos. Was macht eine Grönländerin in der Schweiz? Sie geht in die Berge, weiß Andrea Strässle. Hans-Joachim Kürtz fragt sich, wohin Grönland eigentlich gehört. Lasse Dudde sieht Grönland als Achillesferse der Naturschützer, schließlich wollen die Forderungen von Greenpeace hier nicht so recht zusammenpassen: gegen das Abschlachten von Robbenbabies und für die Rechte der Naturvölker. Mikael Krogerus weiß, wovon ein junger Grönländer in Kopenhagen träumt. Doch ganz zuletzt die große Frage: Ist der Nasenkuss der Eskimos eine Legende? "Den Nasenkuss ... haben Herrnhuter Missionare, die seit 1733 in Grönland arbeiteten und forschten, als typische Eskimositte beschrieben - eine später von Völkerkundlern übernommene Beobachtung. Aber was haben die frommen Männer wirklich gesehen?" Rolf Bökemeier weiß die Antwort.

Außerdem: In seiner Duftkolumne erinnert sich Luca Turin an das letzte Parfum, das ihn zum Lächeln brachte: Bulgaris "Black" und sein Duft zwischen Autopneu und Babypuder - den er zum ersten Mal an einem zweifelhaften Mantel aus Soho schnupperte. Und schließlich berichtet Reto U. Schneider von einem idealen Experiment für Lethargiker: ein Jahr Bettruhe.
Archiv: Folio

Monde des livres (Frankreich), 02.07.2004

Eine schöne Sommerausgabe präsentiert Le Monde des livres. Vielleicht für die Samstagsmagazine unserer Zeitungen zur Übernahme zu empfehlen: Der algerische Autor Yasmina Khadra (mehr hier) schreibt eine Hymne auf seine Stadt Algier, die man "Algier, die Weiße" nennt, weil sie, so Khadra, ohne Ranküne ist: "Algier schlägt nicht zurück, aber sie hält auch nicht die andere Wange hin. Sündenbock sein ist nicht ihr Ding. Sie nimmt die Dinge, wie sie kommen, und arrangiert sich damit. Sie hat verstanden, dass man sich nicht selbst bemitleiden darf, wenn man dem Schicksal ins Auge blicken will, dass man auf sich nehmen muss, was man anderen nicht weitersagen kann. Unglück ist für etwas gut, man muss nur dran glauben und es praktizieren. Algier hat mich gelehrt, Alchimist zu sein."

Außerdem berichtet eine Woche nach dem Figaro (mehr hier) nun auch Le Monde über einen "politisch sehr korrekten" Cioran, das heißt über eine Ausgabe von Jugendtexten des Philosophen, aus der alle politischen Stellungnahmen für die Nazis getilgt wurden. "Die Textsammlung basiert auf einer Auswahl, die Cioran selbst 1990 vornahm, wobei er es vorzog, alle offen politischen Texte fernzuhalten", berichtet Alexandra Laignel-Lavastine. Der Verlag Gallimard verschweigt es in der Ausgabe. "Der französische Leser wird einfach glauben, den Cioran wiederzufinden, den er "immer schon kannte, einen Antikonformisten, aber so talentiert", schreibt sie weiter. "Das Problem ist allerdings, dass man ihm nur eine Seite der Medaille zeigt. Der Leser wird sich an einer Münchner Korrespondenz in Vremea erfreuen, die 'Lob der Prophetie' betitelt ist, aber er wird nichts davon erfahren, dass Cioran im Jahr 1933 im gleichen Blatt den Nationalsozialismus als 'schöpferische Barbarei' begrüßte."

Nouvel Observateur (Frankreich), 01.07.2004

Im Gespräch mit Aude Lancelin (anlässlich seines Buches "Le Pacte de lucidite ou l'intelligence du Mal" - "Der Klarsichts-Pakt oder das Verstehen des Bösen") wettert Jean Baudrillard gegen das neue amerikanische Herrschaftsprinzip der vorbeugenden Gewalt, das auch vor unschludigen Opfern keinen Halt mache, um das Böse im Keim zu ersticken: "Tötet sie alle um der Vorsicht willen. Gott wird seine Schäfchen schon erkennen! Doch ist es eigentlich das terroristische Ereignis des 11. Septembers, das es gilt in diesem Krieg zu entschärfen und sogar mit einem riesigen, rückwirkenden Verhütungsaufwand zu verhindern. Es gilt, alles so zu herzurichten, dass der 11. September nicht hätte stattfinden können. Im Grunde fehlt diesem Krieg jede eigene Zielsetzung. Er ist eine Verschwörung, eine Art Exorzismus, und deshalb ohne Ende."

In einem sehr interessanten Artikel verteidigen sich die Filmemacher Gerard Mordillat und Jerome Prieur gegen eine ganze Welle von Vorwürfen bezüglich ihrer jüngsten arte-Serie "Die Geburt des Christentums", insbesondere gegen den Vorwurf des deplazierten Positivismus, der von der Dogmen-Kommission der französischen Bischofskonferenz erhoben wurde.

Weitere Artikel: Der Philosoph Rene Girard (mehr hier und hier) unterhält sich mit Jean-Claude Guillebaud über Lustprinzip und Mimetik und preist die geniale Dissidenz der Antigone. Odile Quirot begrüßt das deutschsprachige Theater beim Festival von Avignon, dem Thomas Ostermeier als diesjähriger Gastkurator Pate steht. Serge Raffy liefert ein schönes Porträt von Modezar Karl Lagerfeld, der diese Woche seine 42. Kollektion vorstellt. Enttäuscht meldet Daniel Garcia, dass die große Callas-Rivalin Elisabeth Schwarzkopf in ihrer Autobiografie ("Les autres soirs") kein bisschen Selbstkritik übt an ihrer "ganz ordinären Feigheit" während der NS-Zeit. Arnaud Montebourg, das enfant terrible der französischen Sozialisten, erklärt Francois Bazin, warum die europäische Verfassung keinen "neutralen Rahmen", sondern eine liberale Weisung für die Politik der Zukunft bedeutet.

Aus den USA berichtet Philippe Boulet-Gercourt von einer aufflammenden Anti-Michael-Moore-Kampagne: "Internetseiten wie Mooreexposed sprießen überall, ein Buch mit dem vielversprechenden Titel "Michael Moore ist ein fetter stupid white man" ist am Dienstag erschienen, der Dokumentarfilm "Michael Moore hasst Amerika " dürfte im September in die Kinos kommen." Und passend dazu fragt Pascal Merigeau: Wer oder was ist Michael Moore?
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Merkur (Deutschland), 01.07.2004

"Gerechtigkeit fürs Sofabild", ruft Gustav Seibt und reitet eine ordentliche Attacke gegen die Kunstkritik: "Hier wendet sich der kritische Impuls fast ausschließlich gegen das Publikum, das als feindlich-träge Masse wahrnehmungsresistenter, dekorationslüsterner, reaktionärer bürgerlicher Bildungsspießer begriffen und zurechtgewisen wird ... Die enorme, oft sinnverwirrende Explosion ästhetischer Möglichkeiten in der europäisch-amerikanischen Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts war begleitet von einem frappanten Ungleichgewicht in den Funktionen des kunstkritischen Diskurses: Dieser schlug sich mit einer Einseitigkeit, die in anderen Disziplinen - Literatur, Theater, Musik, Film - keine Parallele hat, auf die Seite der Kunst und machte sich deren kritische Impulse gegen die Gesellschaft zu eigen." Gelernt, sich über diese bizarre Konstellation zu wundern, hat Seibt übrigens mit Christian Demands "brillanter" Studie "Die Beschämung der Philister. Wie die Kunst sich der Kritik entledigte".

Weiteres: In der Reihe "Runtergeputzte Ikonen" widmet sich Sabine Pamperrien diesmal Heiner Müller und seinem neurotisch-fixierten Antikapitalismus: "Müller war kein autonomer Künstler, der nur eigenen ästhetischen Gesetzen folgte und dessen Kunst in einem universalen Diskurs die Geschichte der Menschheit reflektierte. Müller war ein vorbildlicher Ingenieur der Seele. Sein Theater sollte belehren, nicht erbauen... Seine Argumentationsmuster entsprachen dabei ohne Einschränkungen dem sozialistischen Dogma. In Konflikt mit der Kulturpolitik kam Müller immer nur, wo er deren inkonsequente Haltung bei der Durchsetzung des kommunistischen Ideals herausstellte, nicht weil er das Primat der Partei bezweifelte." Der in dem Text ebenfalls abgewatschte Richard Herzinger hat in seinem Weblog übrigens schon geantwortet.

Im Print: Patrick Bahners erkennt in Patricia Highsmiths Romanen ein gewisses aristokratisches Vorurteil, nämlich dass der Geist über die Materie erhaben ist. Und Kaspar Maase zieht die neue Staatsräson in Zweifel, wonach der amerikanische Lebensstil ("Rock und Pop und Rumtata") "den autoritären, militarischen und chauvinistischen Deutschen eine zivile, lässige und hedonistische junge Generation bescherte". Und Karl Schlögel rühmt die Tagebücher von Harry Graf Kessler als ein "Dokument vom Reichtum und der Fülle Europas zwischen 1880 und 1937, verfasst von jemandem, der diesen Reichtum nicht nur bobachtet und fixiert, sondern mitproduziert hat."
Archiv: Merkur

Spiegel (Deutschland), 05.07.2004

In dieser Ausgabe drängt alles auf Reformen. Zum Titel "Warum die Deutschen wieder mehr arbeiten müssen. Zurück zur 40 Sunden-Woche". Peter Schneider (mehr) fragt, warum man in der Reformdebatte bislang noch nichts von den deutschen Intellektuellen gehört hat. "Wie ist es zu erklären, dass Deutschlands Großintellektuelle von Grass bis Habermas zu dieser Existenzfrage der Nation nichts zu sagen hatten?" Er meint, dass "für diesen verblüffenden Mangel an Neugier vor allem das alte Lagerdenken verantwortlich ist. Wichtiger als die Frage, ob ein Gedanke und ein Satz wahr sind, ist immer noch die andere, in welche (unerwünschte) Gesellschaft man sich damit bringt." Und: "Ich gestehe, dass ich seit ungefähr zwei Jahrzehnten einem anderen Prinzip folge - und die großzügig verteilten roten Karten wegstecke: Der Wetterbericht kann wahr sein, obwohl er in der Bild-Zeitung steht. Ich muss schon aus dem Fenster schauen, um die im Blatt meiner inbrünstigen Abneigung aufgestellte Behauptung, dass es draußen regne, widerlegen zu können."

Bundeskanzler Schröder verteidigt in einem Interview die Reformpolitik seiner Regierung: "Es geht um eine Gerechtigkeit auch für künftige Generationen, ich will die Chancen unserer Kinder und Enkelkinder erhöhen, anstatt sie fortwährend zu schmälern. Die Politik der permanenten Gegenwart, die im Übrigen beide Volksparteien in den vergangenen Jahrzehnten betrieben haben, muss beendet werden."

Außerdem: Thomas Schulz erzählt die Erfolgsgeschichte von iTunes, dem Online-Plattenladen von Apple. Und Volkhard Windfuhr und Bernhard Zand berichten von vorsichtigen Reformansätzen in Saudi-Arabien.

Im Print: BASF-Chef Jürgen Hambrecht benennt im Interview "die Schwächen und Stärken des Standorts Deutschland". Leander Haußmann schreibt über Marcus Mittermeiers vielgelobten Film "Muxmäuschenstill". Und der Biologe Ernst Mayr, "Begründer der modernen Evolutionsgenetik", tritt den schlagenden Beweis an, dass man auch mit Hundert noch hübsch boshaft sein kann - vor allem, wenn es gegen Physiker geht, die an extraterrestrisches Leben glauben.
Archiv: Spiegel

Al Ahram Weekly (Ägypten), 01.07.2004

Nehad Selaiha war bedrückt, als sie zum Fünften Festival für Zeitgenössischen Tanz: Ägpten - Frankreich fuhr. Es war nämlich der 5. Juni, der Tag, an dem 1967 der Sechs-Tage-Krieg begann. Noch deprimierender fand sie dann allerdings zwei europäische Choreografien: "May B" von der Compagnie de Maguy Marin und Josef Nadjs "Woyzeck": Letztere, schreibt sie, "ist bei weitem die schockierendste, provozierendste und verwirrendste ausländische Show, die Ägypten seit ich denken kann besucht hat. Vielleicht ist das der Grund, warum Walid Aouni, der Direktor des Festivals, sie herübergebracht hat, und vielleicht sollten wir ihm dafür danken. Aber sie an einem Tag zusammen mit 'May B' zu sehen war, als wäre man in ein Schlachthaus gezerrt worden, nachdem man gerade einen Spaziergang durch einen Friedhof mit offenen Gräbern hinter sich gebracht hatte."

Weiteres: Mona Abaza blickt zurück auf die Konsumenten-Kultur der Ägypter in den Sechzigern - und die sah ganz anders aus als bei uns. Azmi Bishara findet den Grenzzaun zwischen Israel und den besetzten Gebieten und die demografischen Gründe dafür rassistisch.

Stichwörter: 1967

New Yorker (USA), 12.07.2004

In einem Hintergrundbericht, der wesentliche Daten und Fakten aus Vergangenheit und Gegenwart zusammenfasst, kennt David Remnick keine Illusionen. Ägypten eine Demokratie? Nur in den Träumen des Westens: "Ägypten unter Mubarak ist ein System von Sicherheitsventilen und Kontrolleinrichtungen, eine Autokratie, die in manchen Hinsichten eine zivile Gesellschaft simuliert. Die Opposition hat keine Chance auf wirkliche Macht und kann den Präsidenten in der Presse nicht frontal attackieren, aber in Wohnungen und Cafes darf geredet werden, man kann sich für Sitze im Parlament aufstellen lassen, den Berufsgewerkschaften beitreten und ähnliches mehr. (...) In anderen Worten, es gibt enge Grenzen; wer sie überschreitet, hat nur noch die Freiheit, sich mit Tausenden anderen im Gefängnis zusammenzutun."

Zum Tode Marlon Brandos hat der New Yorker online einen der berühmtesten Texte über den Schauspieler freigeschaltet: Truman Capotes Bericht über seinen Besuch bei den Dreharbeiten zum Film "Sayonara": "Brando war seit mehr als einem Monat in Japan und hatte sich am Set als lässig würdevoller, liebenswürdig auftretender junger Mann präsentiert, stets bereit, mit seinen Mitarbeitern - den Schauspielern vor allem - zusammenzuarbeiten, ja, sie sogar zu ermutigen - und stand doch für gemeinsame Unternehmungen nicht zur Verfügung, saß stattdessen während der ermüdenden Pausen zwischen den Szenen alleine herum und las philosophische Bücher oder kritzelte etwas in ein Schulheft."

Besprechungen: Im Metropolitan Museum besucht Peter Schjeldahl eine Ausstellung des amerikanischen "Impressionisten" Childe Hassam, zitiert aber erst einmal den Nachruf auf ein beneidenswertes Leben aus dem Jahr 1935: "Er lebte mit Gusto, er rauchte seine Pfeife, er spielte Golf, der Weinkeller war gut gefüllt, er widerstand der Brandung der East Hamptons mit seinem großartigen, gebräunten Körper und arbeitete glücklich bis zu seiner letzten Krankheit." David Greenberg hat gleich drei Bücher über die "Dynastie" Bush gelesen, und John Lahr nimmt das Cole-Porter-Biopic "De-Lovely" zum Anlass, ausführlich aus dem Leben des Komponisten zu erzählen.

Film: Anthony Lane freut sich, dass "Spider-Man 2" ganz wie der Vorgänger ein Film geworden ist, "dessen Action auf der Unfähigkeit zur Entscheidung basiert". Die Hauptrolle hätte, als Ober-Nerd, allerdings Bill Gates spielen müssen. "The Clearing" dagegen erweist sich, trotz der Beteiligung von Robert Redford, Willem Dafoe und Helen Mirren, als "Thriller ohne Thrill". Prosa: In Judy Budnitz Erzählung "Miracle" wird zu Beginn ein Kind geboren. Es ist schwarz. Kein Problem, nur: Vater und Mutter sind weiß.
Archiv: New Yorker

Radar (Argentinien), 04.07.2004

Vielfältiges Heldengedenken in der aktuellen Ausgabe von Radar: Zum zehnten Todestag von Charles Bukowski (mehr) erinnern sich nicht nur verschiedene seiner argentinischen Leser der ersten Stunde an den großen Beat-Poeten, sondern Radar druckt auch ein langes Interview ab, das Sean Penn 1987 mit Bukowski führte. "Genet und Sartre nannten ihn 'den besten Dichter der USA', aber seine Freunde nennen ihn Hank", stellt Penn seinen Gesprächspartner vor, um Bukowski anschließend unter anderem diese unvergleichlich aktuellen Sätze über das Nichtstun zu entlocken: "Ob Schauspieler, Hausfrau oder was auch immer - es muss lange Pausen geben, während denen man nichts tut. Man legt sich aufs Bett und starrt an die Decke. Nichts zu tun ist sehr, sehr wichtig. Und wie viele Leute tun das in der modernen Gesellschaft? Sehr wenige. Deshalb sind die meisten total durch den Wind, frustriert, schlecht gelaunt und unerträglich."

Diego Fischerman wiederum gratuliert im Namen der Radar-Redaktion Chico Buarque de Holanda zum sechzigsten Geburtstag, dem "elegantesten, diskretesten und großmütigsten" aller brasilianischen Musikergrößen, wie ihn ein anderer Großer der brasilianischen Musik charakterisiert, Caetano Veloso, der seinerseits schon vor längerem unter dem Titel "Verdade tropical" die Biografie seiner Musikergeneration veröffentlicht hat.

Weiter geht's mit einem Reisebericht von Mariano Blejman. Er hat ein Filmteam begleitet, das die Dorfschule des bolivianischen Andennestes aufgesucht hat, in dem vor fast vierzig Jahren Che Guevara erschossen wurde: "Dorita Torrico erzählt mir, das sie zum Heiligen Che gebetet hat, damit sie einen Job bei den Dreharbeiten bekommt. So hat sie es geschafft, als Putzfrau und Küchenhilfe des Filmteams beschäftigt zu werden. Jetzt, kurz bevor alles vorbei ist, betet sie zum Che, dass es noch weitergeht und dass ihr jemand hilft, ihre Tochter zu finden, die in Argentinien verschwunden ist." Wie der Film "Di buen dia a papa" (mehr hier) von Fernando Vargas und Veronica Cordova zeigt, hat Che Guevara längst den unbestrittenen Status des Dorfheiligen von Vallegrande erlangt.

Außerdem in Radar: Ein Bericht von einem Kongress argentinischer Schriftsteller in La Plata sowie die Ankündigung eines Gegenkongresses zum großen "Congreso de la Lengua", den die spanische Real Academia im November in Argentinien abhalten wird: Protestiert werden soll gegen den Madrider "verticalismo" und eingefordert werden sollen "die nicht-spanischen Wurzeln des lateinamerikanischen Kontinents und dessen sprachliche Autonomie".
Archiv: Radar

Haaretz (Israel), 02.07.2004

Das Magazin gibt sich in der hebärischen Originalausgabe ganz sommerlich: Unter dem Titel "Morgen wird es heiß und toll" wird Sommermode vorgeführt (für die Bilder auf der Seite roten Schriftzug anklicken). Das es morgen heiß wird, glaubt in Deutschland natürlich niemand, und so fällt der Sommer in der englischen Internetausgabe von Haaretz auch völlig unter den Tisch! Auf den Tisch kommt statt dessen Hummus aus Jenin: Gideon Levy beschreibt die Nöte der Besatzung, ist aber zugleich begeistert vom köstlichen Essen in einfachen Restaurants wie dem Abu Nawas: "Der Geschmack ist legendär. Der Hummus ist ein bisschen säuerlich, schwimmt in dickem, grünen Olivenöl aus der Familienpresse im nahen Birkin und ist mit Petersilie und ganzen Kichererbsen dekoriert. Es gibt so einen Hummus nicht in Tel Aviv. Jeder der es nicht glaubt, sollte selbst herkommen und probieren."

Außerdem: Die israelische Biotechnologie-Firma BiondVax will sich mit einem Impfstoff gegen Grippe in einem hart umkämpften Markt durchsetzen. Aviv Lavie erzählt die Leidensgeschichte eines manisch depressiven Geschäftsmannes, der seine Krankheit überwunden hat und jetzt versucht, anderen zu helfen. Die Professorin Aviad Kleinberg erinnert an die letzte Woche verstorbene israelische Sängerin Naomi Shemer (mehr hier) und ihre sehnsuchtsvollen Songs, die das romantisch verklärte Israelbild ihrer Generation geprägt haben. Eine scharfe Glosse über die Rhetorik der israelischen Regierung verfasst Doron Rosenblum, und die Brüder Yossi Ben und David Ben Shimol haben eine wahrhaft ausgefallene Geschäftidee: Sie besitzen eine Antilopenfarm. Im Familienportrait die Borsteins und ihre schöne Aussicht auf den Karmel.
Archiv: Haaretz

Economist (UK), 02.07.2004

Nach langen sechs Wochen der Auszählung wurde Gloria Arroyo nun in ihrem Amt als Präsidentin der Philippinen bestätigt, berichtet der Economist. Als erste Amtshandlung beabsichtige Arroyo eine Verfassungsreform - eine Maßnahme, deren Wichtigkeit man als Außenstehender leicht unterschätzen könne: "Diejenigen, die noch daran zweifeln sollten, dass das politische System auf den Philippinen eine drastische Revision benötigt, sollten sich an den Fall Noel Carino erinnern, ein verhinderter Abgeordneter aus Pasig City, einem Vorort von Manila. Carino kandidierte 2001 für ein Drei-Jahres-Mandat im Kongress und verlor wegen Wahlbetrugs. Er focht das Ergebnis vor dem maßgeblichen Kongressgericht an, doch es verstrichen zweieinhalb Jahre bis er zum rechtmäßigen Wahlsieger erklärt wurde. Sein Gegner, Henry Lanot, legte darauf beim Höchsten Gericht Einspruch ein, doch dieses bestätigte Carinos Sieg und ordnete seine Vereidigung an - am letzten Tag seines Mandats."

Michael Moores jüngster und naturgemäß Bush-kritischer Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11", mit dem er in Cannes die Goldene Palme gewann, macht in den Staaten Furore und hat allein am ersten Wochenende 24 Millionen Dollar eingespielt. Kein gutes Zeichen für George Bush, schätzt der Economist, der aus Leinwandeinnahmen Wahlprognosen machen will. Dass wiederum John Kerry sich über den Film und seine linkspopulistische Polemik ausschweigt, vor lauter Angst demokratische Wähler zu verprellen, kommt auch ihm nicht zugute.

Weitere Artikel: Neues aus der Welt des e-commerce: Tiffany's prozessiert gegen eBay wegen massiver Präsenz von gefälschtem Tiffany's-Schmuck bei dessen Online-Auktionen, und Bill Clintons uferlose Biografie "My Life" ist auf Platz 1 der internationalen Amazon-Bestsellerliste. Schließlich Neues aus der Welt von morgen: Wenn es klappt, ist Microsoft ein riesiger Coup gelungen - ein Patent auf die Nutzung des menschlichen Körpers als Netzwerk.

Nur in der Druckausgabe zu lesen: Im Aufmacher fordert der Economist mehr internationalen Kooperationswillen in Sachen Irakkrise. Außerdem: ein Porträt des neuen EU-Kommissions-Präsidenten Jose Durao Barroso - was tun, wenn das Englische diskriminiert wird? - und ein Buch über das Guantanamo in der Londoner West End.
Archiv: Economist

Outlook India (Indien), 12.07.2004

In Südindien tobt ein Krieg um die Anerkennung kultureller Traditionen. Seit Tamil offiziell in den Stand einer "klassischen Sprache" - Kriterien: Alter und literarischer Korpus - erhoben wurde, schlagen die Wellen in den linguistischen Fakultäten hoch, aber nicht nur dort. Kannada könne dieselben Qualifikationen in die Waagschale werfen - mindestens, meinen erboste Gegner der Entscheidung. Sowohl Tamil als auch Kannada seien abgeleitete Sprachen und deshalb sowieso nicht "klassisch", halten andere entgegen. Und Kannada-Aktivisten vermuten tamilische Hegemonialansprüche, bei denen mehr als linguistische Korrektheit auf dem Spiel steht. Über den Zusammenhang von Sprachgeschichte und Politik berichtet Sugata Srinivasaraju.

Alok Rai bespricht Amitav Ghoshs neuen Roman mit der kritischen Ernsthaftigkeit, die großen, wichtigen Büchern vorbehalten bleibt. Thematisch und stilistisch scheint "The Hungry Tide" (mehr hier) der quintessenzielle Roman Ghoshs zu sein: Rai verweist auf die typische "raumgreifende Narration" und die Kunst der scheinbar beiläufigen, doch gedanklich dicht gewebten langen Exposition des Buches, das entlang der Geschichten von einer Handvoll Figuren, deren Wege sich in einer paradigmatisch-geschichtsträchtigen Deltalandschaft kreuzen, den Widerstreit zwischen gesellschaftlicher Utopie und liberaler Politik der kleinen Schritte, zwischen dem Engagement für die Natur und den Interessen ihrer benachteiligten Bewohner verhandelt. Und das zudem großes Vergnügen bereite, nicht ohne zum Widerspruch herauszufordern.

Weitere Artikel: Soma Wadhwa versucht in der Titelgeschichte hinter das Geheimnis des Bundesstaates Kerala zu kommen: Einerseits Indiens Vorzeigestaat, was Bildung, Lebenserwartung und Gesundheit angeht, andererseits die Gegend des Landes mit der höchsten Selbstmordrate. Shobita Dhar erzählt eine Erfolgsgeschichte des rostfreien Stahls: von der Küche ins Schmuckkästchen. Seema Sirohi fragt sich, ob die neu gegründete nordamerikanische Cricket-Liga im Land von Football und Baseball eine Chance hat. Und Sheela Reddy war am Nachmittag eines regulären Arbeitstages zu Besuch in der besten Bibliothek Indiens, ohne einen einzigen Leser anzutreffen. Es handelt sich um die Bibliothek des Parlaments, und Reddy fragt sich, womit die Abgeordneten das verdient haben. Zumal sie die Bücher, wenn sie denn mal etwas ausleihen, meistens nicht mehr zurückbringen.

Times Literary Supplement (UK), 02.07.2004

Philip French feiert die "Natalie Wood"-Biografie von Gavin Lambert, den er eh schon als "herausragenden Filmkritiker und Autor der scharfsinnigsten Bücher über Hollywood" schätzt (und der außerdem mit der Wood einen Liebhaber gemeinsam hatte). Toll findet French die Passagen über Woods Mutter: "Woods Mutter war ein manipulatives Monster... eine romantische Fantastin, besessen von ihrem verlorenen russischen Erbe. In China war sie kurz mit einem Armeeoffizier verheiratet, bevor sie den Pazifik nach San Francisco überquerte. Dort ließ sie sich auf ein Verhältnis unter ihrem Stand ein, mit einem russischen Emigranten von bescheidener Herkunft, einem Hafenarbeiter, der sich ebenfalls von seinem Wurzeln abgeschnitten fühlte und gewalttätig wurde, wenn er trank. 'Woran ist dein Vater gestorben?', sollte später jemand Natalie fragen. 'An meiner Mutter', gab sie zurück."

Weiteres: Biancamaria Fontana stellt eine Reihe von Tocqueville-Neuauflagen vor und verknüpft damit die Überlegung, ob Tocqueville-Zitate in Politikerreden und Besinnungsaufsätzen nicht allmählich verboten werden sollten. John Whale hat mit Gewinn die Memoiren "Know the Truth" des früheren Erzbischof von Canterbury, George Carey, gelesen, dessen großes Projekt, England zu rechristianisieren, glanzvoll gescheitert sei. Adam Kuper stellt Virginia L. Blums Untersuchung über kosmetische Chirurgie "Flesh Wounds" vor, die festhält, dass sich einige Menschen "nach einer entsprechenden Operation messbar glücklicher fühlen". Skalpell, bitte.
Stichwörter: England, Mons, Mutter, San Francisco

Espresso (Italien), 08.07.2004

Tahar Ben Jelloun (mehr) träumt von einem Nordafrika, das Europa von unten wärmt. Früher oder später wird es dazu kommen, meint er. "Man könnte sich neue Verbindungen zwischen dem Norden und dem Süden vorstellen, der eine unterbevölkert und entwickelt, der andere überbevölkert und nicht so sehr entwickelt. Zwischen diesen beiden Seiten des Mittelmeers gibt es größere und stimulierendere Ähnlichkeiten als zwischen dem Norden und dem Osten Europas." Zumindest wäre dann Sizilien nicht mehr die Vorhut Afrikas in Europa.

Der Titel ist dem Land der aufgehenden Sonne gewidmet. Gianni Perelli beschreibt noch einmal die Umwälzungen, denen China gerade unterworfen ist, erfährt, warum eine Partei für ein Land völlig ausreicht (schade, dass Berlusconi den Espresso nicht liest), stellt überaus zukunftsträchtige Zukunftsschmieden vor und unterhält sich mit dem Phänomen Chen Yifei, einst gefeierter Mao-Maler, dann westlicher Künstlerstar und jetzt Chinas aufstrebender Modemogul, der keine Finanzierungsprobleme kennt. "Ich muss nur ein Bild malen, dann kann ich meinen Angestellten wieder einen Monat lang ihr Gehalt zahlen."

Weitere Artikel: Die riesenhaften SUVs sind auch im Land des Fiat 500 auf dem Vormarsch, berichtet Davide Vecchi, und erfährt von einem Soziologieprofessor, wen SUV-Liebhaber wählen: Natürlich Alleanza Nationale oder Forza Italia. Paolo Forcellino wettert über die neue Führerscheinregelung, die seit Anfang Juli viele jugendliche Rollerfahrer in die Illegalität treibt: In Neapel - natürlich in Neapel - fahren angeblich 40 Prozent ohne das entsprechende Patentino. Italien, das Land der Heiligen, Seefahrer und der Erfinder, schwärmt Monica Maggi, die einige der 8.000 Patente des vergangenen Jahres vorstellt: Schön finden wir die selbstzündende Zigarette. Cesare Balbo sympathisiert mit Morgan Spurlock, der Dokumentarfilmer, der sich einen Monat lang nur von Fast Food ernährt hat.
Archiv: Espresso

New York Times (USA), 04.07.2004

Wunderschön zu lesen ist eine Sottise des Schriftstellers Gary Shteyngarts über Amerika und seine Einwanderer. In den einschlägigen Ratgebern für Immigranten erkennt man laut Shteyngart das Wesen Amerikas am Besten. "Ein Land voller Krämer und Träumer, Hausarbeitsmodellen, falscher Kindermodel-Wettbewerbe und grassierendem Identitätsschwindel. Es bedeutet hauptsächlich in Südkalifornien zu leben, mitten unter kambodschanischen Doughnut-Tycoons und chinesischem Wäscherei-Imperien es bedeutet an Gott zu glauben (am besten Jesus Christus) und ihn (sie) zu einem Teil von allem machen, was man tut." Als er 1980 aus der Sowjetunion in die USA kam, bezog Shteyngart seine Verhaltensregeln noch aus einem schmalen Büchlein. "Direkt auf den sowjetischen Immigranten abzielend betonte das Buch den ausgiebigen Gebrauch eines Deos und die Verpflichtung, schmerzhaft zu grinsen, wann immer ein Amerikaner anwesend war (ich merkte mir diese Ratschläge unter dem Motto 'smell-n-smile')." Elena Lappin steuert ihre Erfahrungen als illegaler Einwanderer bei. Sie wurde 26 Stunden am Flughafen von Los Angeles festgehalten, weil sie als Britin kein Visa hatte.

Überraschend milde, ja generös beurteilt Larry McMurtry Bill Clintons viel gescholtene wie beworbene Memoiren "My Life" (erstes Kapitel). Das Werk ist "die bisher reichhaltigste präsidentielle Autobiografie - kein Buch erzählt uns lebendiger oder ausführlicher wie es ist, für acht Jahre Präsident der Vereinigten Staaten zu sein." Wie sanft Clinton mit seinem Vater umgeht, beeindruckt McMurtry besonders, und wenn er "in den Bereich ernsthafter Politik kommt, wird seine Erzählstimme zuversichtlicher und die Geschichte beginnt ihre Anziehungskräfte zu entfalten." Der Kollege Michiko Kakutani vom Mutterblatt dagegen hält Clintons Buch für "schlampig, selbstverliebt und oft himmelschreiend dumpf." Es liest auch der Meister selbst, zum Anhören.

Aus den weiteren Besprechungen: "Hendrik Hertzberg ist amüsant, aufschlussreich und halsstarrig. Seine Zeit ist vorüber, unsere hoffentlich noch nicht", notiert Richard Brookhiser zu "Politics", einer Sammlung von Artikeln des Urgesteins des politischen Journalismus in den USA. Franklin Foer schafft es in "How Soccer Explains the World" (erstes Kapitel) zwar nicht, das Versprochene einzulösen, aber sein "faszinierender, exzentrischer Essay" über den Fußball und seine Fans lässt das schnell vergessen, jubelt Joe Queenan. In belletristischer Hinsicht sticht Michael Andre Bernsteins Roman "Conspirators" (erstes Kapitel) hervor, eine "lange, unterhaltsame" Geschichte über politische Ränkespiele im untergehenden Habsburger Reich. Alan Riding gefallen nicht nur die bizarren Charaktere dieser gierigen und dekadenten Ära, er lobt auch den dem Sujet angemessenen "eleganten und mäandernden Erzählstil" des Debütautors.

Im New York Times Magazine begleitet Jennifer Senior die beste Verkäuferin für Sexspielzeuge auf Verkaufstour in die amerikanische Provinz: Linda Brewer, die Königin der Passion Parties. Herausgekommen ist eine köstliche Reportage. "Seitdem sie im Außendienst tätig ist, rast Linda Brewer in einem silbernen Cadillac Escalade durch den Süden, mit einem Nummernschild, auf dem 'Funlady' steht. Auf der Straße bemerken das Männer oft und hupen, um dann erstaunt und amüsiert zu gucken, wenn sie merken, dass die Frau am Steuer auf die Sechzig zugeht.".

Im langen Titel ruft Ted C. Fishman wieder einmal das chinesische Jahrhundert aus, gestützt auf eine lange Latte gut recherchierter Details. Sara Corbett war mit einem professionell Reisenden auf Blitztour in Lissabon: Rick Steve, sympathisch und manisch zugleich, steht hinter den erfolgreichsten Reiseführern für Europa. Er verführt vor allem Ältere zum Sprung über den Atlantik und hofft damit, ein wenig zur Annäherung der beiden Kontinente beizutragen. Im Rest geht es um die Welle. Brian Wilson von den Beach Boys gesteht Deborah Solomon, dass er immer noch nicht surfen kann und den Herbst am liebsten mag, Catherine Saint Louis unterhält sich mit Regisseur Stacy Peralta über die Sucht nach der Welle (Peraltas Dokumentarfilm "Riding Giants" startet demnächst), und eine Diaschau zeigt uns Kelly Slater & Co als Models.