Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
08.03.2004. Für die London Review of Books lernt Neal Ascherson in Georgien, wie man manierlich Khinkali-Klößchen isst. Der New Yorker bewundert den Glamour afroamerikanischer Frisuren. Umberto Eco erklärt im Espresso den Unterschied zwischen Faschisten und Populisten. Radar porträtiert lateinamerikanische Comic-Helden. Der Economist forscht in den Hirnen von sieben Karmelitischen Nonnen. Das New York Times Magazine porträtiert den Saudi Mansour al-Nogaidan, Ex-Islamist, heute ein Liberaler.

London Review of Books (UK), 04.03.2004

Was wird aus Georgien nach seiner "samtenen Revolution", hat Neal Ascherson in Tiflis und anderswo gefragt und sich von der ganz eigenen, georgischen Art zu antworten bezaubern lassen: "Am nächsten Tag besuchten wir einen Buchladen, und dann schoss das kleine Auto einfach so davon, aufs Land. Doch in weniger als einer Stunde sollte ich jemanden in der Stadt interviewen. 'Wohin geht es denn?' Die drei Frauen brachen in entzücktes Lachen aus. 'Es geht vom Autoritarismus in Richtung Demokratie!' Als wir endlich anhielten, lernte ich in einem Straßencafe in der Nähe von Mtskhekta, wie man Khinkali-Klöße isst, ohne sich sich die ganze Hose zu bekleckern." (Lesen Sie zur samtenen Revolution auch unseren Brief aus Tiflis.)

Andrew O'Hagan liebt Fans, die über ihr Idol schreiben. Vor allem, wenn sie, wie Mark Simpson (hier) und Simon Goddard (hier) über eins von seinen eigenen Idolen schreiben - Morrissey: "Ich sah die Smiths im nächsten Sommer in Manchesters G-Mex wieder, beim Festival zum zehnten Geburtstag des Punk. Im Publikum waren ein paar tausend Freaks mehr als notwendig gewesen wäre, um das Bild der Nation für immer zu verunstalten. Morrissey kam auf die Bühne mit einem Transparent, auf dem 'The Queen is dead' zu lesen war - noch besser, dachte ich - und jede der anwesenden Personen schien im gleichen Augenblick den jedem Briten angeborenen Sinn für Maßstäbe zu verlieren." Kein Wunder, bei den Songtexten: "Und da brach ich in den Palast ein / Mit einem Schwamm und einem rostigen Schraubenschlüssel / Sie sagte: 'Hey ich kenne Sie, und Sie können nicht singen.' / Ich sagte: 'Das ist noch gar nichts, Sie sollten mich mal Klavier spielen hören.' (The Queen is dead)"

Außerdem: Sehr interessant der Artikel von Hilary Mantel, die vor allem bei Rudolph Bell und Cristina Mazzoni ("The Voices of Gemma Galgani: The Life and Afterlife of a Modern Saint") nachgelesen hat, wozu weibliche Heilige imstande sind (vom Ausschlürfen eines Eitergeschwürs bis zum Todesfasten). Sich selbst jedoch sieht sie außerstande, auch nur auszusprechen, was die heilige Franziska von Rom getan hat (wir haben vergeblich versucht, es herauszufinden, und sind dankbar für jeden Hinweis). In Short Cuts widmet sich Thomas Jones der Bibel des britischen Pfadfinders, Lieut.-General R.S.S. Baden-Powell CB FRGS' "Scouting for Boys", in dem man unter anderem lernt, alles vom Emu aufwärts auf einer asphaltierten Straße zu verfolgen. Und schließlich verschmilzt Nicholas Penny mit dem verflixt roten Braun von El Greco, dessen Bilder in der Londoner National Gallery zu sehen sind.