Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.11.2004. In der taz hofft der Regisseur Hans Weingartner auf die Ankunft einer neuen kritischen Generation, die etwas gegen den Kapitalismus unternimmt. Und Zafer Senocak versucht zu verstehen, warum sich die Moslems nicht integrieren. In der FAZ erklärt Wolf Singer, was ihn bewegt, der FAZ zu erklären, was ihn bewegt. In der FR hofft der Schriftsteller Andrej Kurkow auf mehr Demokratie in der Ukraine. Die Zeit fragt: Hat uns Furtwängler noch etwas zu sagen?

TAZ, 25.11.2004

In einem spannenden Text vergleicht der deutsch-türkische Schriftsteller Zafer Senocak (mehr hier) die Konflikte der islamischen Gemeinschaften in den offenen westlichen Gesellschaftendie mit der Situation der europäischen Juden im 19. Jahrhundert: "Ende des 19. Jahrhunderts durchlebte die jüdische Minderheit Europas eine Auflösung ihrer sozialen und ethischen Normen. Aufklärung und Assimilierung ließen ein jüdisches Bürgertum entstehen. Freud und Kafka haben die Konflikte, die diesen Transformationen innewohnten, in ihren Werken eindrucksvoll dargestellt. Am Beginn des 21. Jahrhunderts fehlt eine solch kompetente Darstellung für die islamische Kultur. Stattdessen gibt es viele ungeschriebene Briefe an den Vater. Der Grund für die Sprachlosigkeit der Söhne und ihre radikale Gewalttätigkeit, die aus dieser Sprachlosigkeit erwächst, liegt in der völlig anderen Natur der Auflösung traditioneller Werte heute. In der islamischen Kultur Europas findet der Übergang von der traditionellen Wertegemeinschaft in die offene bürgerliche Gesellschaft nicht mehr nach den assimilatorischen Regeln des 19. Jahrhunderts statt. Kafkas innerer Terror, seine bedrückende Traumwelt und seine melancholische Persiflage der Tradition - begründet nicht durch zu viel, sondern zu wenig Tradition -, das alles drückt sich heute als ein nach außen gewendeter Zerstörungstrieb aus. Seine sadomasochistischen Fantasien sind längst nach außen gekehrte körperliche Wirklichkeit."

In der tazzwei erklärt Regisseur Hans Weingartner, dessen Film "Die fetten Jahre sind vorbei" jetzt in die Kinos kommt: "Ich glaube, dass Geschichte immer in Wellenbewegungen verläuft. Es kann nicht mehr ewig so weitergehen. Vielleicht kommt jetzt wieder eine kritische Generation, und vielleicht hat es die Zeit gebraucht, um neue Strategien zu entwickeln, gegen ein System, das sein Gesicht nicht offen zeigt. Zeit gebraucht, um das zu durchschauen, diese Vereinnahmungsstrategie des Kapitalismus." Besprochen wird seine "Digitalvideofabel" von Dietrich Kuhlbrodt.

Weiteres: Y. Michal Bodeman stellt noch einmal die These auf, dass die vor 100 Jahren gegen Juden eingesetzten Vorurteile wiederkehren - diesmal gegen die muslimischen Einwanderer gewandt. Michael Streck berichtet über amerikanische Kontroversen über einen Alfred-C.-Kinsey-Film.

Besprochen werden auch Michael Trabitzschs Dokumentarfilm "Allende - Der letzte Tag", Robert Zemeckis Film "Der Polarexpress" und Jon Turteltaubs Film "Das Vermächtnis der Tempelritter".

Und Tom.

Zeit, 25.11.2004

Vor fünfzig Jahren starb Wilhelm Furtwängler. Hat er uns musikalisch noch was zu sagen? Volker Hagedorn hat sich durch alte Aufnahmen gehört: "Siebzig Tage hatte in Berlin der Frost gedauert, und jetzt, am 24. März 1942, waren die Leute erkältet und husteten. Auch bei Beethovens 'Neunter'. Schlimmerer Konzerthusten als an diesem Abend ist wohl nie mitgeschnitten worden - aber auch keine aufregendere Interpretation der 'Neunten'. Wilhelm Furtwähler dirigierte die Berliner Philharmoniker. Der erste Satz war eine Katastrophe. Im größeren Sinn. Da wühlen und reißen Temposchwankungen Schluchten in die Musik, dann werden die Sechzehntel der Bässe in ruppigstem Spiel in die Schlacht geschickt, und die Reprise klingt wie im Krieg, weil Furtwängler das Paukentremolo lauter als fortissimo spielen lässt und mit eigens hinzugefügten scharfen Auftakten das Getöse so anschärft, dass die Musik sich selbst vernichtet. Schön ist das nicht. Aber existenziell." Längst nicht alles ist so gut gelungen, findet Hagedorn, aber "in seinen stärksten Momenten lässt Furtwängler Musik zu Realität werden. Oder an ihr zerbrechen." (Hier kann man ihn im Netz hören.)

Peter Kümmel hat zwei Aufführungen von Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" gesehen - in Hamburg mit Hannelore Hoger und Gerd Böckmann, in Berlin mit Corinna Harfouch und Ulrich Matthes - und "hell entgleisendes Handwerk" erlebt: "In Hamburg, bei Hannelore Hoger, hat Martha Augen, die dick ummalt sind wie der Mittelpunkt einer Zielscheibe: Martha kreist instinktiv jenen Teil ihres Körpers ein, in dem sich die Sehnsucht, die Gier und die Jugend festhalten. Ihre Tragödie besteht darin, dass sie keine Wahl mehr hat. Ganz anders die Berliner Martha: Von Erotik gezeichnet, von Angeboten umstellt, wird sie immerzu Verzicht leisten und die Hässlichen anfauchen, aus denen ihr Hofstaat besteht. Corinna Harfouch spielt die Wut der schönen Frau, die erkennt, dass sie keinen finden wird, der ihr gewachsen ist. Das Mürrische, das sie immer umgibt, an diesem Abend wächst es zur negativen Euphorie."

Weitere Artikel: Ein Islamist ermordet den niederländischen Regisseur Theo van Gogh. In der Berliner Volksbühne lachen die Zuschauer über den Nazispaß "Goodbye Hitler": Jens Jessen beschreibt im Aufmacher, wie das Spiel der Bilder in der Kunst zu - mitunter tödlichen - Missverständnissen führen kann. Luc Bondy schreibt seinem Freund Botho Strauß zum Sechzigsten einen langen Geburtstagsbrief: "Mir fällt, wenn ich an Dich denke, Rene Chars Satz ein: 'La lucidite est la blessure qui se rapproche la plus du soleil.'" In der Leitglosse fordert Hanno Rauterberg: Baut endlich Zumthor! Das Bundesverfassungsgericht hat dem Berliner Senat nämlich vorerst verboten, Zumthors drei Treppentürme für eine Schauhalle zur Topografie des Terrors wieder abzureißen. Henrik Eberle hat sich den "Taschenkalender des nationalen Widerstands" angesehen, der vom NPD-Politiker Holger Apfel herausgegeben wird: Tatsächlich ist der Kalender ein "revisionistisches Geschichtslehrbuch". Tilman Spengler staunt immer noch über die Versöhnung von "Ballett und Sachbuch" der Verleihung des Corine-Preises. Jgj. schreibt den Nachruf auf Helmut Griem.

Besprochen werden zwei Aufführungen von Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" - an der Komischen Oper Berlin in der Inszenierung von Hans Neuenfels und am Bolschoitheater ("Hier wie dort wirkt die Lady Macbeth, die man so gut zu kennen glaubt, seltsam fern und unerlöst. Wenig ist zu spüren von der unbändigen Macht der weiblichen Lust und ihrer Wut gegen die Männerwelt. In Moskau hat Katerina noch alles vor sich, in Berlin hat sie schon alles hinter sich", schreibt Claus Spahn), Hans Weingartners Film "Die fetten Jahre sind vorbei und "Democracy", Michael Frayns Stück über den Sturz von Willy Brandt, am Broadway.

Im Aufmacher des Literaturteils schreibt Hubert Winkels über Brigitte Kronauers Roman "Verlangen nach Musik und Gebirge". Außerdem liegt der Zeit heute eine Kinderbuchbeilage bei. Im Politikteil beschreibt Bassam Tibi die traurige und folgenreiche Geschichte der arabischen Linken nach 1967. Das Dossier ist dem neuen Leichtsinn beim Sex und der Zunahme von Aids gewidmet.

NZZ, 25.11.2004

Auf einer uralten Schreibmaschine, schön monumental ganz in Großbuchstaben - Hammer, Meißel und Granit waren gerade nicht zur Hand - soll Bob Dylan (mehr) den ersten Teil seiner auf drei Bände angelegten Autobiografie "Chronicles" gehämmert haben, kolportiert Frank Schäfer, der sich den ersten soeben auf Deutsch erschienenen Band vorgenommen hat. Dylans Image, kritisches Sprachrohr seiner Generation zu sein, ist demnach ein einziges großes Missverständnis: "'Ich hatte sehr wenig mit der Generation gemein, deren Stimme ich sein sollte, ich wusste auch nichts über diese Generation.' Und die brodelnde Tagespolitik, das ideologische Kleinklein ekelt ihn sowieso an. Es ist allein die Poesie des Rebellentums, die ihn zeitlebens affiziert."

Weiteres: Roman Hollenstein stellt die Abschlussausstellung im Programm der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Genua vor, die sich dem Dialog zwischen Architektur und Kunst, dem skulpturalen Bauen verschrieben hat. Marcus Ganz kürt die neue Platte von U2 "How To Dismantle An Atomic Bomb" zu ihrem besten Album seit "Achtung Baby". Jürg Huber hat zugehört, als Leif Ove Andsnes das Pianofestival von Luzern eröffnet hat und Mark Zitzmann meldet die abgeschlossene Renovierung der Galerie d'Apollon im Louvre.

Buchkritiken gelten heute einem Band zur tschechischen Literatur des Fin de Siecle, einem Buch zu christlichen Bestattungsliturgien, einem Gedichtband des rumänisch-französischen Autors Gherasim Luca und dem Roman "Der Bauch des Ozeans" von Fatou Diome (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
Anzeige

FR, 25.11.2004

"Auf jeden Fall wird die Ukraine mit diesen Wahlen demokratischer werden", prophezeit der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow in einem Interview mit Thomas Roser. "Auch die Mächtigen werden begreifen müssen, dass die Hälfte des Landes Janukowitsch als Präsidenten nicht haben will, genauso wenig wie die Leute, die ihn entwickelt haben. Ich hoffe, es wird keine Repressionen geben. Denn das halbe Land kann man nicht bestrafen."

"Die Autoren sind nicht nur die Ärmsten der Armen im Buchgewerbe. Sie haben alle Chancen, bald noch etwas ärmer zu werden, und das mit Hilfe der neuen Regelung", sagt uns Ex-Verleger Ernst Piper voraus. "Die Gewerkschaft ver.di hat mit den im Börsenverein des deutschen Buchhandels organisierten Verlegern 'Vergütungsregeln' ausgehandelt, die, sollten sie Praxis werden, einen Rückfall in die fünfziger Jahre bedeuteten."

Weiteres: Christoph Schröder berichtet von einer Potsdamer Stipendiumsposse um den Schriftsteller Andreas Maier und außerdem von der Verleihung des Jürgen-Ponto-Preises an Christine Pitzke. Anlässlich ihrer Ausstellung im Frankfurter Leinwandhaus gibt es ein Interview mit der Fotografin Barbara Klemm. Peter W. Janssen setzt sich für den Erhalt des legendären Berliner Kinos Babylon ein. Franziska Richter hat einem Werkstattgespräch der "Akademie Musiktheater heute" zugehört.

Besprochen werden William Shattners Album "Has Been", Biljana Srbljanovics neues Stück "God save America" am Akademietheater in Wien, Peter Eötvös' neue Oper "Angels in America" nach Tony Kushners Theaterstück am Pariser Theatre du Chatelet und Elaine Pagels' religionswissenschaftliches Buch "Das Geheimnis des fünften Evangeliums" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

SZ, 25.11.2004

Es sei bei weitem nicht eindimensionale Russophobie, nicht allein tradierter Antisowjetismus, der die Massen in der Ukraine jetzt zu Hunderttausenden auf die Straße bringt, kommentiert Thomas Urban die Massenproteste nach den Wahlen in der Ukraine. "Es ist vielmehr der brennende Wunsch in einer gerechteren Gesellschaft mit Chancengleichheit zu leben, in der der einzelne Bürger nicht hilflos dem Staat ausgeliefert ist. Und es ist vor allem die Verletzung jeglichen Gerechtigkeitsgefühls, die aus der Tiefe des Herzens kommende Empörung über die massiven Fälschungen der Wahlergebnisse, die nichts anderes als einen Kampf der korrumpierten Führung gegen das eigene Volk bedeuten. Im Osten hat diese Empörung nur die Intellektuellen erfasst, die Masse der Industriearbeiter aber hatte bisher keine Chance, das Erbe des Homo sovieticus zu überwinden."

Weiteres: "Das Kino kommt ohne den Widerstand der Wirklichkeit nicht aus", stellt Fritz Göttler nach Inaugenscheinnahme von zwei Filmen fest, die vollkommen mit CGI-Effekten entstanden sind ("Sky Captain and the World of Tomorrow" und "Der Polarexpress"). Christine Dössel kritisiert die Entscheidung des Verlags "Felix-Bloch-Erben", der die Bühnenrechte von Gerhard Hauptmanns Stück "Die Weber" besitzt, Volker Loeschs inkriminierte Dresdener Inszenierung wegen "gravierender Eingriffe in die Wertungsintensität" verbieten zu lassen. Hans Schifferle berichtet vom Queer-Filmfestival "Verzaubert". Jan Heidtmann hat mit Marek Zydowicz über das von ihm gegründete Filmfestival "Camerimage" in Lodz gesprochen. Tim B. Müller berichtet von einem Gespräch an der Berliner Humboldt-Universität über die politische Kultur der Zwischenkriegszeit. Sonja Asal porträtiert denm emeritierten Philologen Kurt Flasch. Außerdem wird aus Brasilien die Entdeckung bisher unbekannter Briefe des berüchtigten SS-"Arztes" Josef Mengele gemeldet.

Besprochen werden das neue U2-Album "How To Dismantle An Atomic Bomb" ("großer Mist"), Jon Turteltaubs Film "National Treasure", Alfred Dorfers und Peter Payers "wunderbarer kleiner" Film "Ravioli", Wilfried Minks' Inszenierung von Edward Albees dramatischer Zimmerschlacht "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" am St.-Pauli-Theater in Hamburg, Peter Eötvös' neue Oper "Angels in America" nach Tony Kushners Theaterstück am Pariser Theatre du Chatelet, und Bücher, darunter Antonia S. Byatts Roman "Der Turm zu Babel" (mehr in unserer Bücherschau des Tages heute ab 14 Uhr).

Welt, 25.11.2004

Die Welt druckt einen Offenen Brief des Kameramanns Kevin Sites, der gefilmt hatte, wie ein Marine beim Häuserkampf in Falludscha einen verwundeten Iraki erschießt. In dem Brief an die "Devil Dogs of the 3.1" beschreibt Sites, was er gesehen hat: "Ich sah gleich die schwarzen Leichensäcke vom Vortag. Noch überraschender war, dass die fünf Verletzten vom Freitag auch noch da waren. Es scheint, einer von ihnen ist jetzt tot, und drei andere verbluten aus frischen Schusswunden. Der Fünfte liegt zum Teil unter einer Decke, neben einer Säule. Auf ihn wurde nicht noch einmal geschossen. Es scheint nirgendwo Waffen zu geben. Ich sehe einen alten Mann mit einer roten Kaffiye mit dem Rücken an die Wand gelehnt. Ein anderer liegt mit dem Gesicht am Boden neben ihm, als wolle er sich in Deckung bringen. Ich hocke mich neben sie, und filme. Währenddessen geht ein Soldat zu den zwei Körpern auf der anderen Seite. Ich höre, wie er sagt: "Der hier tut verdammt noch mal nur so, als wäre er tot." Durch meinen Sucher sehe ich, wie er den Lauf auf den Verwundeten hält. Es gibt weder plötzliche Bewegungen noch Greifen, noch Ausholen. Trotzdem konnte der Soldat durchaus annehmen, der Mann stelle eine Gefahr dar. Vielleicht hält er ihn in Schach, während ein anderer Soldat ihn nach Waffen absucht. Statt dessen drückt er den Abzug. Etwas klatscht gegen die hintere Wand, und das Bein des Mannes sinkt zu Boden. "Jetzt ist er tot", sagt ein anderer Soldat im Hintergrund."
Stichwörter: Kameramann

FAZ, 25.11.2004

Auf einer Doppelseite unterhalten sich die FAZ-Redakteure Frank Schirrmacher, Joachim Müller-Jung und Reinhard Wandtner mit dem Hirnforscher Wolf Singer (mehr hier und hier). Das Gespräch bleibt recht technisch, schildert etwa neue bildgebende Verfahren und Ansätze, um Altersdemenz zu bekämpfen, und streift erst ganz am Schluss die FAZ-Gehirndebatte um unsern freien Willen und seine Festlegung durch unsere Hirnforschung. Singer erklärt, warum er an dem Gespräch teilnahm: "Ich folgte einer Vielzahl von Attraktoren, die zusammen bewirkt haben, dass ich die Priorität gesetzt habe, heute nachmittag hierher zu kommen, anstatt an meinem Schreibtisch zu sitzen. Und da spielten wahrscheinlich auch eine Menge unbewusster Faktoren eine Rolle."

Weitere Artikel: Christian Geyer hat die Talkshow von Johannes B. Kerner geguckt und fragt sich, was ihn dazu trieb, eine in Engelszungen redende Scharlatanin nicht als solche zu entlarven. Andreas Rossmann macht sich Sorgen um die Zeche Zollverein, deren Bausubstanz entstellt werden könnte, um sie für moderne kulturelle Zwecke tauglich zu machen. Hannes Hintermeier kommentiert die Entscheidung des Bayerischen Rundfunks, das Wort "fei" zum schönsten Wort des dortigen Dialekts zu küren. Launig orakelnd wird auf die morgen erscheinenden FAZ-Literaturbeilage hingewiesen. Heinrich Wefing schildert den misslichen Zustand der Künstlersozialkasse, die dringend reformiert werden müsse, wenn sie weiterhin ihren Zweck für freie Künstler und Journalisten erfüllen soll. Mark Siemons gratuliert dem chinesischen Schriftsteller Ba Jin zum Hundertsten. Edo Reents schreibt zum Tod des Pop-Produzenten (und Sohns von Doris Day) Terry Melcher. Wolfgang Schneider gratuliert dem niederländischen Autor Maarten 't Hart zum Sechzigsten.

Auf der Medienseite berichtet Stefan Niggemeier, dass der Musiksender Viva unter der neuen MTV-Führung nicht nur Charlotte Roches Sendung "Fast Forward", sondern auch die Late Night Show von Sarah Kuttner einstellt.

Auf der Kinoseite stellt Andreas Kilb eine DVD-Edition vor, die zu Francois Truffauts zwanzigstem Todestag erscheint. Hans-Jörg Rother gratuliert dem Basisfilm-Verleih zum dreißigsten Jubiläum. Und Andreas Platthaus kommentiert die Weigerung der Kinokette UCI, ein Plakat für die Verfilmung eines Ralf-König-Comics, das einen Phallus zeigt, in seinen Häusern aufzuhängen.

Auf der letzten Seite schildert der Künstler Siegfried Kaden die schwierige Lage der Kunst auf Kuba, die durch die "etwas übereilte und kopflose" Wegsperrung von Dissidenten nicht besser wird, um abschließend seiner Hoffung auf eine Persistenz der Regimes Ausdruck zu geben, denn "Kuba, ein amerikanischer Vergnügungspark - für mich eine Horrorvision. So weit darf es nie mehr kommen. Schon wegen der Menschenrechte." Martin Thoemmes berichtet über die Wiederentdeckung von Dokumenten, die beweisen, dass sich Papst Pius XII. persönlich für die drei Lübecker Priester einsetzte, die 1943 von den Nazis hingerichtet wurden und die jetzt selig gesprochen werden sollen. Und Jürgen Kaube gratuliert Jürgen Habermas zur "Goldenen Promotion", die morgen in der Bonner Universität mit einem Vortrag Habermas' unter dem Titel "Erinnerung an die Bonner Studienzeit" gefeiert wird.

Besprochen werden Peter Eötvös' Oper "Angels in America" nach Tony Kushner in Paris, der neue Tom-Hanks-Film "Polarexpress" und ein Konzert Marianne Faithfulls in Bonn.