Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Nur zwei Männer haben mich so liebkost

02.12.2008. Outlook India untersucht die Anschläge in Mumbai. In Salon beschreibt Martin Simecka den Unterschied zwischen Exkommunisten und richtigen Dissidenten. Walrus vermisst die wilden Juden. In Przekroj warnt Dorota Maslowska: die Polen könnten alle verbrennen. Im TLS reicht George Walden kunstliebenden Hedgefonds-Managern ein Döschen mit Exkrementen. Im Espresso vertieft sich Umberto Eco in eine Lexikon der Onomatopöie. The Wired besucht Charlie Kaufman. Im Nouvel Obs sucht Paul Virilio den Ort der Nomaden. Sex macht noch keine Revolution, meint The Nation mit Blick auf den Iran. Die New York Times stellt die mächtigsten Zensoren der Welt vor: die drei von Google.

Abhängige brauchen Frustration

25.11.2008. Die amerikanischen Magazine - Nation, NYT, New Yorker - widmen sich diese Woche ausgiebig V.S. Naipaul. The Nation bespricht außerdem Roberto Bolanos nachgelassenen Roman "2666", der laut Economist geradezu ein Publikumserfolg ist. Die ungarischen Magazine fühlen den Puls des Kalten Krieges zwischen Ungarn und der Slowakei. Prospect sieht die Blase aller Blasen platzen. Jose Saramago outet sich in El Pais Semanal als begeisterter Blogger. Der Espresso staunt über einen total aufmüpfigen L'Osservatore Romano. In der Gazeta Wyborcza erklärt Dubravka Ugresic: Serbokroatisch - das ist modern. In der New York Times ruft Kevin Kelly das Zeitalter der Bildschirme aus.

15 Minuten Straflosigkeit für alle

18.11.2008. Portfolio porträtiert den dunklen Prinzen der Wall Street, der die Dämmerung schon sah, als die Sonne noch schien. Im Guardian erklärt Jeanette Winterson, warum gerade ein hartes Leben Poesie braucht. Polityka kritisiert die katholischen Ideologie-Offiziere an polnischen Schulen. The New Republic staunt über die eigenwillige Obama-Truppe. Der öffentliche Intellektuelle lebt, auch wenn er heute oft aus den Sozialwissenschaften kommt, ruft der Chronicle. In Le Monde Diplomatique beschreibt Juan Villoro die Unterminierung Mexikos durch die Drogenmafia. Im Espresso windet sich Umberto Eco vor Scham über Berlusconi.

Zufällig schwarz

11.11.2008. Wer wird Indiens Obama sein, fragt Outlook. Der New Yorker beschreibt das komplizierte Verhältnis der schwarzen Bürgerrechtler zu Obama. Der Guardian staunt über das explosive Gemisch von Neurosen in der Familie Wittgenstein. Tygodnik Powszechny blickt den polnischen Juden der Zwischenkriegszeit in die Augen. Al Ahram stellt ein Onlineprojekt der Bibliotheca Alexandrina zur Geschichte Ägyptens vor. In Radar setzt Rodrigo Fresan die Besteller auf die Anklagebank. Vanity Fair blickt ins Innere des derzeit vielleicht erfolgreichsten Nachrichtenunternehmens der Welt: Bloomberg.

Mein Blick in das Nichts

04.11.2008. Umberto Eco kann sich im Espresso sehr gut italienische Selbstmordattentäter vorstellen. In der Huffington Post fordert Studs Terkel kurz vor seinem Tod: mehr Re-gu-lie-rung! Der Spectator stellt die Poly Gruppe vor, ein Unternehmen der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Der Observator Cultural bringt ein Dossier zu dem Schriftsteller Mircea Nedelciu. Die New York Times proträtiert Lauren Zalaznick, die Fernsehen für Bescheidwisser macht. In der New York Review of Books erklärt Zadie Smith das Ende des lyrischen Realismus.

Auf Angriff spielen

28.10.2008. Das neue slowakische Internetmagazin Salon übersetzt Artikel von Miroslav Kusy, Rudolf Chmel und Gaspar Miklos Tamas zu den gespannten Beziehungen zwischen Ungarn und der Slowakei. In Portfolio ruft Netscape-Miterfinder Marc Andreessen den Zeitungen zu: Stellt sofort die Printausgabe ein. In Le Point prophezeit Emmanuel Todd die Rückkehr von Marx und Bonaparte. Die polnischen Zeitungen berichten über den Fall Kundera. Das TLS stellt einen militanten prokapitalistischen Literaturkritiker vor. In der Weltwoche spricht Paul Scheffer über die Chancen der Einwanderungsgesellschaft.

Zuerst Piraten, dann Lords

21.10.2008. Im Nouvel Obs erklärt Olivier Roy, warum Fundamentalisten jeder Couleur Kultur ablehnen. In Atlantic feiert Andrew Sullivan das goldene Zeitalter des Journalismus. In ADN cultura fordert Paolo Coelho, im Umgang mit dem Internet von den britischen Piraten zu lernen. Für Commentary ist die Finanzkrise staatsgemacht. Für den Economist ist der Fall Kundera nur ein Tröpfchen in einer Giftwolke.  

The Gr8 Db8

14.10.2008. Der Observator Cultural stellt mit Stelian Tanase einen der Weltmeister im Geschichtenerzählen vor. In ResetDoc verkündet der ägyptische Blogger Wael Abbas sein Credo. In der Lettre erzählt eine Russin, wie sie im Straflager aufwuchs. In Esquire beschreibt Michail Chodorkowski die russische Nomenklatura als Prozess der natürlichen Vernichtung. In Dissent erzählt Carlos Fraenkel, wie er Philosophie in Indonesien lehrte. In Elet es Irodalom blickt Laszlo Varga vom anderen Ende auf die Wende. Im Guardian singt Margaret Atwood ein Loblied auf Alice Munro. Walrus besucht Josef Skvorecky. Przekroj stellt Jacek Dukaj, den neuen Stanislaw Lem vor. Der Economist wittert ein Großes Geschäft.

Diese Gabe europäischer Frauen

07.10.2008. Schützt die Spekulanten vor sich selbst, fordert die New York Review of Books mit George Soros. Nepszabadsag fordert staatlich finanzierte Arbeitsplätze, damit Roma arbeiten lernen. In La vie des idees erklärt der Historiker Roger Chartier, wie ungeschützt das Buch schon vor der Erfindung des Internets war - im Mittelalter etwa. Für Indien ist Bollywood, was Dante für Italien war, meint Outlook India. Der Economist ahnt, wie sich die Musikindustrie retten wird. In Standpoint lächelt der Tenor Ian Bostridge über den Rebellionsgestus der Popmusik.

Die Basisdaten unserer Lyrik sind solide

30.09.2008. In The Nation würde Joseph Stiglitz der Bush-Regierung nichts mehr abkaufen. Charles Bernstein sorgt sich in Harper's Magazin um ungedeckte Lyrikschuldverschreibungen. Der Express stellt das "Schwarzbuch Verlage" vor. Das Times Literary Supplement erwärmt sich für den Ukraine-Verteidiger Erzherzog Wilhelm Franz von Habsburg-Lothringen. Literaturen reist mit Josef Winkler und Pfefferspray nach Kamering. HVG hofft auf das Ende des einsamen Denkens. Der Economist kritisiert unkontrolliertes Data-Mining. (Aktualisiert um 12.59 Uhr)