Magazinrundschau

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Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
21.12.2021. Auch Joe Biden beendet die Drohnenangriffe der USA nicht, lernen die New York Times und The Intercept. Bloomberg bewundert die Kreativität, mit der der Shop "The Dematerialised" gelangweilte Nabobs schröpft. En attendant Nadeau erzählt die Geschichte des Nachlasses von Céline. Die London Review erkennt: Russland führt tatsächlich einen Krieg gegen die Ukraine. In A2Alarm fordert Regisseurin Vera Lacková, endlich den Roma-Widerstand gegen Hitler zu würdigen. Quietus verzeichnet den Schaden, den die britische Musikindustrie durch den Brexit erlitten hat.

New York Times (USA), 19.12.2021

Das ist mal wieder eine dieser Recherchen, die geeignet sind, den lädierten Ruf der New York Times doch wieder zu retten. Die ReporterInnen der Zeitung sind Tausende Dokumente durchgegangen, die das Pentagon freigeben musste, und sie sind auch nach Irak und Syrien gereist, um die Tatbestände zu verifizieren und mit Opfern zu sprechen. Der von Barack Obama eingeleitete und von Donald Trump und Joe Biden fortgesetzte Rückzug Amerikas aus Kriegsgebieten hat auch eine technologische Seite, den Drohnenkrieg, der von Obama forciert eingeleitet wurde. Die Dokumente des Pentagon zeigen, dass bei diesem Krieg geschludert wird, dass die zivilen Opferzahlen in die Tausende gehen und dass bei weitem nicht genug Transparenz bei der Aufklärung herrscht - die Prosa der Armee ist in ihren Dokumenten vor allem darauf aus, die Beteiligten von lästigen Fragen fernzuhalten. Einer der Grüne für die vielen zivilen Toten ist mangelhafte Verifikation der Verhältnisse vor Ort vor den Drohnenschlägen, schreibt Azmat Khan im zweiten Teil der gigantischen Reportage: "Die Dokumente zeigen, wie unzuverlässig diese Informationen oft waren. 'Weiße Säcke' mit 'Ammoniumnitrat' in einer 'selbstgebauten Sprengstofffabrik' entpuppten sich als Baumwollsäcke in einer Baumwoll-Entkörnungsanlage. Ein angebliches ISIS-Hauptquartier war das langjährige Zuhause von zwei Brüdern und deren Frauen und Kindern. Ein 'erwachsener Mann, der mit ISIS in Verbindung steht', war in Wirklichkeit eine 'ältere Frau'. Ein Mann mit einer Waffe 'auf seiner linken Schulter' hatte in Wirklichkeit keine Waffe. Männer auf fünf Motorrädern, die 'schnell' und 'in Formation' fuhren und die 'Signatur' eines bevorstehenden Angriffs zeigten, waren schlichte Motorradfahrer. Ein 'schwerer Gegenstand', der in ein Gebäude geschleppt wurde, war in Wirklichkeit ein Kind." Sie alle sind tot.

Mehr über den Drohnenkrieg der Amerikaner findet man in The Intercept bei Jeremy Scahill, der feststellt, dass Joe Biden die Regeln für Drohnenangriffe, die Obama irgendwann aufgestellt hat und die von Trump weitesgehend abgeschafft wurden, von Biden nicht wieder installiert wurden.

Respekt (Tschechien), 17.12.2021

Anlässlich des Regierungswechsels in Tschechien und des Abgangs von Premier Andrej Babiš stellt Jaroslav Spurný fest, die tschechische Zivilgesellschaft sei gestärkt aus den schwierigen vergangenen Jahren hervorgegangen. "Mit einem gewissen Staunen lässt sich feststellen, dass wir die vierjährige gemeinsame Regierung des unberechenbaren und rachsüchtigen Präsidenten Miloš Zeman, der für Unterwürfigkeit gegenüber Russland und China stand, und des skrupellosen Andrej Babiš, der für Macht und Geld stand, hinter uns gebracht haben. (…) Und mit noch größerem Staunen lässt sich feststellen, dass das Land in wesentlichen Punkten viel besser dasteht als zur Anfangszeit dieser beiden." Denn es habe sich gezeigt, so Spurný, dass Premier und Präsident schwächer seien als die Bürgergesellschaft. Die hat ihren Widerstand durch zahlreiche Demonstrationen und zuletzt die Wahlen ausgedrückt. Von Zeman propagierte Projekte wie die chinesischen Investitionen der Firma Huawei - "die mit ihren Technologien digitale Schlüsselknotenpunkte in Tschechien besetzen sollte" - oder russische Investitionen in tschechische Kernkraft haben sich zerschlagen. "China hat das Interesse an uns verloren. Ebenso Russland, wo wir sogar auf der Liste der feindlichen Länder gelandet sind." Staatspräsident Zeman bleibt den Tschechen zwar noch einige Monate erhalten, aber auch hier besteht die Hoffnung, dass die Bürger im nächsten Jahr eine andere Wahl treffen werden.
Archiv: Respekt
Stichwörter: Tschechien

Bloomberg Businessweek (USA), 09.12.2021

In einem Artikel des Magazins stellt Mark Ellwood fest, dass sich das Metaverse für Luxusmarken wie Gucci und Hermes schon rechnet - mit Accessoires, die nur virtuell existieren: "Die Wartezeit für eine Birkin-Bag kann sich über Jahre hinziehen, aber manche wollen nur eine Handtasche, die sie nie tragen werden können. The Dematerialised, ein britisches Startup, das Mitbegründerin Karinna Nobbs 'das digitale Kaufhaus deiner Träume' nennt, verkauft nichts als virtuellen Luxus. Es ist ein Marktplatz für Kleidung und Accessoires, der nur online existiert. Das erste Stück kam am 12. Dezember 2020 heraus, ein silberner Pullover, der für 121 Euro wegging. Wie alle Produkte seither verkaufte sich die gesamte Auflage von 1.212 digitalen Exemplaren innerhalb von drei Stunden. Nobbs hat mit Fabricant zusammengearbeitet, einem niederländischen virtuellen Couture-Haus, in dem Benutzer exklusive Kleidung für ihre digitalen Avatare auf sozialen Plattformen wie VRChat zusammenstellen können, eine digitale 3D-Welt, die in der Pandemie immer beliebter wurde. Die Fabricant-Kollaboration erzielte den teuersten Preis bisher: 9.000 Euro für ein einzelnes Kleidungsstück, genauer gesagt, ein Nicht-Kleidungsstück. The Dematerialized arbeitet nach dem populären Standardmodell von Streetwear und veröffentlicht einen Schuh, eine Tasche oder einen anderen Artikel in einer limitierten Auflage von normalerweise nicht mehr als 150 Einheiten. Es ist immer nur eine einzige Marke oder ein am Computer entworfenes Produkt verfügbar. Erfolgreiche Käufer erhalten einen non fungible token (NFT), ein virtuelles Eigentumszertifikat, das auf einer Blockchain ausgeführt wird. Mit diesem Echtheitsnachweis kann ein Besitzer eine Handtasche oder ein Kleid auf VRChat präsentieren, wo Zehntausende User täglich über Avatare interagieren - und ihre Outfits zur Schau stellen. Es mag albern erscheinen, so viel Geld für Luxus auszugeben, den man nie anfassen oder tragen kann, aber Spieler verwenden seit langem Kleidung, um ihre Online-Identität zu etablieren, genau wie Menschen in der realen Welt. Diese als skins bezeichneten Outfits werden von Spielern gekauft, um ihr Aussehen in einem Online-Spiel anzupassen. Die Modebranche nimmt den Trend ernst, insbesondere nachdem Facebook in Meta Platforms Inc. umbenannt wurde, um eine simulierte digitale Welt zu schaffen, in der Benutzer wie in einem realen physischen Raum interagieren können. Plötzlich hat diese Nischenpraxis das Potenzial, sehr groß zu werden. In einem Video im Oktober war Mark Zuckerberg zu sehen, wie er seine und die Avatare seiner Kollegen dazu verwendete, um Kleidung anzuprobieren, Karten zu spielen und sogar zu surfen."
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En attendant Nadeau (Frankreich), 15.12.2021

Philippe Roussin erzählt die eines Romans oder einer literarischen Reportage würdige Geschichte jener Manuskripte von Céline, die im Jahr 2017, nachdem sie für Jahrzehnte verloren schienen, wieder aufgetaucht sind (unser Resümee). Es handelt sich um 5.300 Seiten, unbekannte Werke darunter, und Skizzen zu bekannten Werken, alle aus der Zeit vor den antisemitischen Machwerken des Nazis im Geiste - was nicht heißt, dass sich nicht auch antisemitische Texte im Konvolut befinden. Die Werke seien "gestohlen" worden, haben die jetzigen Rechteinhaber behauptet. Das Gegenteil ist der Fall, so Roussin. Sie waren von Widerstandskämpfern gesichert und irgendwann dem Kritiker Jean-Pierre Thibaudat übergeben worden, der sie aufbewahrte, damit die Rechteinhaber nicht auch noch Geld aus dem Dossier ziehen. Das Dumme ist, das Célines Witwe, Lucette Destouches, erst 2019 im Alter von 107 Jahren gestorben ist. Nun gehören die Rechte ihrem Anwalt und einer Freundin von Célines Tochter. "Nach dem Ende des Rechtsstreits haben die Rechteinhaber nun alle Manuskripte zurückerhalten und können sie… zu einem hohen Preis verkaufen, wobei ihr finanzieller Wert durch den verursachten 'Skandal' noch gesteigert wird. Man spricht von mehreren Millionen Euro. Außerdem werden sie die Kontrolle über die Edition der Texte haben, die ab 2022 bei Gallimard in vier Bänden erscheinen sollen: 'Casse-pipe', 'London', 'Guerre', 'La légende du roi Krogold'. Auf diese Weise werden sie die Texte und das Image des Autors kontrollieren." Erst im Jahr 2031 fällt das Werk Célines in die Public Domain.

HVG (Ungarn), 17.12.2021

Im Gespräch mit HVG erzählt der Dichter, Slammer und Übersetzer Ferenc André, der gerade neben neben Zsófia Czakó ein Literaturstipendium erhalten hat, von seinem neuen, noch nicht veröffentlichten Buch: "Nach Ansicht des Dichters besteht die Schönheit des Textes darin, dass er die Figuren zwar von Enttäuschung zu Enttäuschung führt, sie aber immer wieder davor bewahrt, in die Hoffnungslosigkeit abzudriften: denn wenn alles hoffnungslos erscheint, kann man zumindest versuchen zu hoffen. 'Es hat einen romantischen Aspekt, und das ist eines der wichtigsten Dinge, die ich suche. Zum Beispiel, was mit der Liebe im Jahr 2021 zu tun ist. Es ist keine spezifische Trauma-Geschichte, es geht nicht darum, dass alles kaputt ist und oh mein Gott, was wird mit uns passieren. Von der Antike bis zur Gegenwart kann man feststellen, dass jemand, der über sehr nahe politische Themen schreibt, in Hoffnungslosigkeit versinkt. Aber natürlich sind in den letzten zweitausend Jahren eine Menge cooler Dinge passiert, und ich hoffe, dass sie wieder passieren werden."
Archiv: HVG

London Review of Books (UK), 16.12.2021

In einem etwas mäandernden Artikel zeichnet James Meek die verwickelte Lage zwischen Russland und der Ukraine nach, erkennt aber auch sehr klar, wie sich in Wladimir Putins Politik Aggresion und Negation verbinden: "In der Ukraine begann und befeuerte er einen Krieg zwischen zwei Völkern, Ukrainern und Russen, von denen er immer wieder behauptet, dass sie zusammengehörten. Seine verheerendsten Interventionen 2014 waren verbaler Natur. Indem er leugnete, dass Russland in den Krieg involviert war, von dem jeder wusste, dass er ihn führte, und indem er erklärte, er glaube nicht, dass die Ukraine ein eigenständiges Land sei, machte er einen Friedensschluss unmöglich: Wie kann man mit einem Invasoren verhandeln, der leugnet, einmarschiert zu sein. und der die Existenz des okkupierten Landes leugnet? Da er keinerlei Andeutungen machte, wann und wo er seine Angriffe beenden würde, ließ er der Ukraine keine andere Wahl, als um jeden Zentimeter Boden zu kämpfen. 'Ich erinnere Sie daran, dass dies Novorossiya ist', sagte er über die Süd- und Ostukraine im April 2014, als die separatistische Rebellion im Donbass in ihre bewaffnete Phase überging. 'Und Charkow, Luhansk, Donezk, Cherson, Nikolajew, Odessa gehörten in zaristischer Zeit nicht zur Ukraine. All diese Territorien wurden der Ukraine von der sowjetischen Regierung überlassen. Weiß der Himmel, warum.'"

A2larm (Tschechien), 13.12.2021

Derzeit läuft in slowakischen und tschechischen Kinos der Dokumentarfilm "Ako som sa stala partizánkou" ("Wie ich Partisanin wurde") über den Widerstand slowakischer Roma während des Nationalsozialismus (hier der Trailer). Apolena Rychlíková unterhält sich mit der Regisseurin Vera Lacková, die, selbst Romni, in einer filmischen Spurensuche ihrer eigenen Familiengeschichte nachgeht und immer wieder die NS-Zeit auch mit der Gegenwart und aktuellem Antiziganismus zwischenblendet. "Das Thema des Roma-Widerstands ist völlig unbekannt", stellt Lacková fest, "auch deshalb, weil die Roma vor allem als Opfer dargestellt werden. Aber auch wir Roma müssen Teil der Geschichte werden. Die Roma-Gemeinschaft ist die größte Minderheit in Europa, wird aber immer noch diskriminiert. Ich begreife nicht, warum die Historiker dem Roma-Holocaust keine größere Aufmerksamkeit widmen. Warum man nichts darüber erfährt." Zumal nicht über die Roma-Partisanen, zu denen auch Lackovás Urgroßvater gehörte. Die Regisseurin tritt im Film auch als Protagonistin auf, in ganz normalen Alltagsszenen in Familie und Freundeskreis - und zeigt so, wie sie tagtäglich, selbst aus dem Munde von Freunden, Vorurteile gegen Roma zu hören bekommt.
Archiv: A2larm

Quietus (UK), 14.12.2021

Man macht sich kaum einen Begriff, was für ein Desaster der Brexit für die britische Musikszene darstellt. Dass Touren auf dem europäischen Festland für viele Künstler wegen des damit verbundenen, erheblichen Aufwands kaum mehr infrage kommen, war schon häufiger Thema. Als neue Drangsal hinzugekommen ist nun, dass der Zollfreibetrag für Lieferungen auf dem Postweg gefallen ist und sämtliche Labels ihre Lieferungen entsprechend deklarieren müssen. Der kaum entwirrbare Wust an unklaren Behördenzuständigkeiten stellt insbesondere kleine Labels vor erhebliche Herausforderungen. Auf der immer wichtiger werdenden Plattform Bandcamp kommen derweil nur die großen Seller in den Genuss eines automatisierten Verfahrens, wie Daniel Dylan Wray recherchiert hat. Lieferungen der Kleinen hingegen sind kaum noch zustellbar. "Derzeit kommen ziemlich genau 100 Prozent aller Pakete nach Deutschland zurück. Wir kriegen nach Deutschland einfach nichts rein", sagt Natalie Judge vom Londoner Plattenlabel und -laden World of Echo. "Manchmal brauchen wir drei Anläufe und jedes Mal kostet uns das für eine einzelne Platte 7,80 Pfund, wir verlieren also mit jeder Bestellung Geld.' ... Mat Handley vom Label Woodford Halse hat zwar Zugang zu Bandcamps Abrechnungsnummer, aber dies macht sein Leben auch nicht leichter. 'Ich weiß, wie ich das handhaben muss: Die deutliche Angabe der Nummer, die beigefügte Quittung, die eindeutig belegt, dass der Kunde die Einfuhr bereits bezahlt hat - und dennoch gibt es genug Zustellungsdienste auf dem Festland, die die Regeln einfach nicht kennen. Ich habe Kunden in Deutschland, die die Steuer noch einmal zahlen sollen, dazu noch Bearbeitungsgebühren für jede Bestellung. Ich habe Kunden in Portugal und in den Niederlanden, deren Pakete mir einfach zurückgeschickt werden, ohne Zustellungsversuch oder Benachrichtigung.' ... 'Es ist überwältigend, wie viele Informationen wir mittlerweile auf die Paketen kleben, und es ist geradezu lachhaft, wenn sie zurückgesendet werden', sagt Judge. 'Man kann hier auf offener Straße einen Postboten abfangen und ihn fragen, was denn los sei, was wir falsch gemacht hätten. Die Antwort ist stets: 'Keine Ahnung, man hat uns nichts gesagt.'"
Archiv: Quietus
Stichwörter: Brexit, Musikindustrie

El Pais Semanal (Spanien), 12.12.2021

Vier Mitglieder von ImillaSkate auf ihren Brettern


Die brasilianische Fotografin Luisa Dörr beschenkt uns zum Jahresende mit der Bildstrecke des Jahres. Darauf zeigen Míriam Stefanny Morales, Deysi Tacuri López, Joselin Brenda Mamani, Ellie Buitrago Méndez, Luisa Zurita, Daniela Nicole Santiváñez, María Belén Fajardo, Huara Medina Montaño vom Skaterinnenkollektiv ImillaSkate aus Cochabamba, wie es geht: Empowerment à la boliviana auf dem 'monopatín', in traditionell-indigener Kleidung, getreu dem Motto: "Egal, wie du aussiehst, wie alt du bist oder was dein Geschlecht ist - fühle die Freiheit des Skatens."

New Yorker (USA), 27.12.2021

Dass die Lebensverhältnisse von Frauen in Afghanistan entsetzlich sind, weiß man. Aber in den Berichten darüber gehen oft die individuellen Geschichten unter. Anders in dieser Reportage der seinerzeit schwanger durch Afghanistan reisenden Eliza Griswold über Zarmina Faqeer und ihre Familie. Faqueer ist die Tochter eines Mannes, der vor den Sowjets nach Pakistan geflüchtet war und seine vielköpfige Familie als Sicherheitswächter ernährte. Als die 16-jährige Faqueer hörte, dass die BBC eine Sprecherin für eine Soap-Oper im Radio suchte, bewarb sie sich und wurde genommen. Die Soap und Faqueer wurden höchst populär in Afghanistan, wohin die Familie zurückgekehrt 2001 war. Faqueer ernährte jetzt die Familie und frönte ihrer Leidenschaft für bunte Kleidung, hohe Absätze und Schmuck - bis die Taliban zurückkamen. Am Ende gelingt der Familie die Flucht in die USA. Aber viele Menschen sitzen noch in Afghanistan fest: "In den vergangenen dreieinhalb Monaten hat die US-Regierung nur etwa dreitausend Menschen evakuiert. Die Passagiere müssen jetzt Pässe mit sich führen, aber sie bei den Taliban anzufordern, ist für Dissidenten gefährlich; diejenigen mit Neugeborenen, die noch keinen Ausweis erhalten haben, haben praktisch ein Flugverbot. Kürzlich erzählte mir ein hochrangiger Beamter der Regierung, dass aufgrund anhaltender logistischer Streitigkeiten am Flughafen die Flüge ganz eingestellt wurden. Biden hat die Bemühungen als 'eine der größten und schwierigsten Lufttransporte der Geschichte' bezeichnet; die USA haben mehr als 120.000 Menschen zur Flucht verholfen. Dennoch hat die Regierung eingeräumt, dass sich in diesem Monat noch eine Handvoll US-Bürger im Land aufhalten, zusammen mit vierzehntausend Green-Card-Inhabern, dreißigtausend Afghanen mit überprüften S.I.V.s und dreißigtausend, die einen Antrag gestellt haben. 'Zusammen mit ihren unmittelbaren Familienangehörigen könnten das leicht über hundertfünfzigtausend Menschen sein', sagt mir Vikram. Es gibt noch eine ungezählte Anzahl von Afghanen, die durch ihre Arbeit gefährdet sind, darunter Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, ehemalige Mitglieder des afghanischen Militärs und Richter. 'Ihr einziger Weg nach draußen führt über die US-Basen', sagt Vikram." (Wie unfreundlich auch die Briten mit ihren Helfern umgehen, erzählt Tom Mutch bei Open Democracy. Dass die Deutschen keinen Deut besser sind, kann man bei Matthias Gebauer auf Spon nachlesen.)
Archiv: New Yorker