Magazinrundschau - Archiv

Bloomberg Businessweek

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Magazinrundschau vom 14.01.2020 - Bloomberg Businessweek

Die katholische Kirche ist vielleicht ein Herzchen! Kaum geht's ums Bußetun, stellt sie sich pleite. In vielen amerikanischen Bundesstaaten sind nach wie vor Hunderte von Klagen wegen sexuellen Missbrauchs anhängig. Klagen sind durch neue Gesetze in vielen Bundesstaaten auch nach längeren Fristen möglich als bisher. Und die Kirche greift zu einem Trick, zu dem Josh Saul für die Bloomberg Businessweek recherchiert hat: Man macht sich arm. Diozesen übertragen Vermögenswerte an Gemeinden, verkleinern ihr Vermögen, erklären Insolvenz und haben dann nur mehr eine geringere Summe übrig, um die Opfer zu entschädigen. "Wie manche Millionäre der Fortune-500-Liste und jüngst die Sacklers - jene Familie, der der OxyContin-Hersteller Purdue gehört - sehen die Kirchenoberen die Insolvenz als eine attraktive Lösung, denn sie bietet einen kontrollierten Weg, um eine große Zahl von Klagen beizulegen, während man so viele Vermögenswerte wie möglich behält. Ein anderer Vorteil ist die Geheimhaltung. Klagen und Prozesse führen zu Zeugenaussagen und Öffentlichkeit. Die Insolvenz ermöglicht eine weitaus ruhigere kollektive Einigung, die anhängige Klagen beendet und neue verhindert." Denn ja, alle, die nicht rechtzeitig klagen, so Paul, haben später das Nachsehen. Nach einer solchen massenhaften Einigung ist keine Klage mehr möglich.

Magazinrundschau vom 17.12.2019 - Bloomberg Businessweek

Monte Reel stürzt sich für eine Reportage in den Markt für Vanilleschoten in Madagaskar und lernt dabei einiges über den globalen Kapitalismus. "Die regionalen Märkte folgen einem etablierten Protokoll, erklärten die Männer. Nach dem Wiegen der Schoten versammeln sich die Bauern, überlegen sich einen Preis pro Kilo und schreiben diese Zahl auf die Tafel. Die Käufer starren eine Weile auf die Zahl, dann kauern sie sich zusammen. Sie löschen den Preis der Bauern aus und schreiben ein Gegenangebot. Dieses Hin und Her wird wiederholt, bis die Zahlen übereinstimmen. Wenn das passiert, teilen die Käufer die Schoten auf. Der Prozess kann einen Tag oder eine Woche dauern. ... Dieser besondere Verkauf war von keinem ungewöhnlichen Ereignis gezeichnet. Aber es gab viele unerwartete Intrigen und Täuschungen. Das Geschäft ist grausam, menschlich, komisch, tragisch, genial und absolut verrückt, oft alles zur gleichen Zeit. Während wir versuchten das Drama zu entwirren, begannen wir zu begreifen, dass unser ursprüngliches Ziel, den Vanillehandel zu verstehen, zweitrangig war. Wichtiger schien es, dieses ganze Geschäft einfach in einer bestimmten Weise zu beobachten: mit einer nachhaltigen Wertschätzung dafür, wie unglaublich wild der Welthandel auf seiner elementarsten Ebene tatsächlich ist."

In den letzten fünf Jahren haben sich ein Viertel der Amerikaner Sprachassistenten wie Alexa, Echo, Google Home oder Apple HomePod zugelegt. Seitdem sitzen Tausende Mitarbeiter der Techfirmen irgendwo zu Hause oder in "Übersetzungsfarmen" und transkribieren die mitgehörten Passagen, berichten Austin Carr, Matt Day, Sarah Frier und Mark Gurman in einem Artikel des Magazins. Angeblich geschieht dies, um das Angebot zu verbessern. "Die Frage ist, was dann? Diese Maschinen erstellen zwar keine Audiodateien von jedem Wort, dass Sie sagen - Technologiefirmen behaupten, ihre intelligenten Lautsprecher würden Audio nur dann aufnehmen, wenn Benutzer sie aktivieren - aber sie nutzen ständig aktive Mikrofone in Küchen und Schlafzimmern, die Geräusche aufnehmen können, die Benutzer nie teilen wollten. 'Mikrofone zu haben, die die ganze Zeit zuhören, ist beunruhigend. Wir haben festgestellt, dass die Benutzer dieser Geräte ihre Augen schließen und darauf vertrauen, dass Unternehmen mit ihren aufgezeichneten Daten nichts Schlechtes tun werden', sagt Florian Schaub, Professor an der University of Michigan, der das menschliche Verhalten rund um die Sprachsteuerung untersucht. 'Es gibt diese schleichende Erosion der Privatsphäre, die immer weitergeht. Die Leute wissen nicht, wie sie sich selbst schützen können.'" Oder wohl eher: Sie sehen die Notwendigkeit dafür nicht.

Magazinrundschau vom 26.11.2019 - Bloomberg Businessweek

Für Fake News und Hetze wird gern den großen Internetfirmen die Schuld zugeschoben. Die nehmen die Anzeigendollar gerne, klar. Sehr viel seltener spricht man über die, die diese Anzeigen schalten. Als herauskam, dass Donald Trump die Ukraine unter Druck gesetzt hatte, Korruptionsuntersuchungen gegen eine Firma einzuleiten, an der der Sohn seines politischen Konkurrenten Joe Biden Anteile hatte, schalteten Trumps Wiederwahl-Kommittee und das Republican National Committee für Millionen Dollar Anzeigen im Netz, die Trump als das eigentliche Opfer darstellen, berichtet Joshua Green. Strategin Tara McGowan hat für die Demokraten eine nicht ganz unheikle Antwort gefunden, erzählt Green weiter: "'Weil die Lokalzeitungen sterben, sehen wir, dass das bürgerschaftliche Engagement und die Beteiligung abnehmen', sagt McGowan. 'Es ist alles miteinander verbunden. Du kannst keine informierte Wählerschaft aufbauen, auf die du dich bei der Abstimmung verlassen kannst, wenn diese keine vernünftigen Informationen bekommen. Inmitten all dieser gefälschten Nachrichten erreichen wir die Menschen einfach nicht mehr mit den Fakten.' Als Reaktion darauf führt McGowan das vielleicht kühnste Projekt in diesem Wahlzyklus an: Sie sammelte 25 Millionen Dollar von einer Vielzahl wohlhabender Liberaler, um ein gewinnorientiertes Medienunternehmen, Courier Newsroom, zu gründen, das bereits damit begonnen hat, digitale Zeitungen mit lokalen Reportern und Redakteuren in sechs Schlüsselstaaten auszurollen - Arizona, Michigan, North Carolina, Pennsylvania, Virginia und Wisconsin. Sie sollen die Nachrichtenwüsten füllen, die Fakten liefern, die für Demokraten günstig sind und von denen sie denkt, dass sie fehlen, und Verdrehungen durch die Rechten entgegenwirken. Zwar basieren die Artikel, die sie veröffentlicht, auf Tatsachen, aber die Leser werden nicht darüber informiert, dass es sich bei den Publikationen nicht wirklich um traditionelle lokale Zeitungen handelt, sondern um politische Instrumente, die entworfen sind, um Stimmung für die Demokraten zu machen."

Außerdem: Joshua Brustein und Mark Bergen schicken eine Reportage über den Streit bei Google, ob man für das Militär arbeiten soll oder nicht.
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Magazinrundschau vom 01.10.2019 - Bloomberg Businessweek

Ein interessanter Beitrag des aktuellen Magazins führt Matthew Campbell und Terrence Edwards in die Mongolei zu Staatspräsident Chaltmaagiin Battulga, der sein Land in Richtung Norwegen führen will, sich dabei aber eng an Russland anschmiegt: "Obgleich die Mongolen zweifellos vom Kapitalismus profitiert haben - das Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 1994 verzehnfacht - zeigen Umfragen, dass viele frustriert sind. Sie glauben, der Mineralreichtum ihres Landes wird von anderen ausgebeutet [die größte Kupfermine der Welt, die in der Mongolei liegt, gehört zu 66 Prozent dem britisch-australischen Multi Rio Tinto, der Rest gehört dem mongolischen Staat], eine Vermutung, die eine Wut auf das Establishment auslöste und den populistischen Geschäftsmann Battulga 2017 an die Macht brachte. Unter ihm hat sich die Mongolei gewandelt. Battulga sympathisiert mit Putin, und er hat ein Gesetz erlassen, das es ihm erlaubt, Richter zu feuern, und das er prompt angewandt hat, angeblich, um Korruption zu bekämpfen und die Demokratie zu stärken … Einige von Battulgas Neigungen machen mongolischen Liberalen und ausländischen Beobachtern Sorgen, allen voran seine Verbindung zu Putin. Wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Nationen waren seit dem Kalten Krieg eher begrenzt, zwischen Ulan Bator und Moskau liegen fünf Zeitzonen, und russische Unternehmen waren bisher in der Mongolei viel weniger aktiv als die Chinesen. In seinen zwei Amtsjahren hat Battulga versucht, das zu ändern. Er hat Putin mit allen Ehren empfangen und ist mit einer großen Delegation zum 75. Jahrestag des sowjetischen Siegs im Zweiten Weltkrieg nach Moskau gereist. Die Frage, ob er Moskau Avancen mache, beantwortet Battulga mit Hinweis auf die sowohl pragmatischen als auch emotionalen Beziehungen zwischen beiden Ländern. 'Wir sind beim Öl und bei der Elektrizität fast völlig abhängig von Russland, also sollten wir eng kooperieren', sagt er. Darüber hinaus existiert eine Zuneigung für Russland unter Mongolen aus Battulgas Generation. Eine gute Ausbildung bedeutete für sie immer, in der Sowjetunion zu studieren. Für Battulga steht fest: 'Die Mongolei und Russland sind eng miteinander verbunden.'"

Magazinrundschau vom 20.08.2019 - Bloomberg Businessweek

Im östlichen Montana gibt es nur noch eine einzige Psychiaterin, berichtet Monte Reel, die Verzweiflung im Bundestaat mit der höchsten Selbstmordrate der USA ist inzwischen aber auch so groß geworden, dass kaum ein Arzt die Arbeit aushalten kann: "In ganz Amerika ist die geistige Gesundheit ein Bereich von großem Ungleichgewicht. Die Nachfrage nach psychiatrischen Diensten war niemals höher als heute, doch die Zahl der Anbieter fällt seit den sechziger Jahren. Psychiater werden schlechter bezahlt als andere Ärzte, von den Versicherungen bekommen sie für gleiche Dienste weniger erstattet und sie müssen mehr mentale Belastungen aushalten als die meisten praktizierende Mediziner. In den vergangenen fünf Jahren gab es einen leichten Anstieg in der Zahl psychiatrischer Unterbringungen, aber es verlassen mehr Psychiater die Profession als hinzukommen, und der Association of American Medical Colleges zufolge sind sechzig Prozent über 55 Jahre alt. Die Zuspitzung kommt zu einer schrecklichen Zeit. Selbstmorde nehmen dramatisch zu. Seit 1999 sind die Zahlen landesweit um 33 Prozent angestiegen, besonders stark in den ländlichen Regionen - 53 Prozent verglichen mit 15 Prozent in den Städten. Auf dem Land ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so große, dass ein Amerikaner sich das Leben nimmt als in der Stadt, und die Belastungen, denen sie ausgesetzt sind, nehmen weiter zu. In den vergangenen Jahren sind die Einkommen der Bauern gesunken, die Schulden sind auf ein Niveau gestiegen, wie seit der großen Landwirtschaftskrise in den Achtzigern nicht mehr. Doch in zwei Drittel aller Counties in den USA gibt es keinen Psychiater, in der Hälfte keinen Psychotherapeuten."

Magazinrundschau vom 28.05.2019 - Bloomberg Businessweek

Auf den aktuellen Seiten der Businessweek porträtiert Ben Steverman den jungen Ökonomen Gabriel Zucman, der sich zum Ziel gesetzt hat, das ausgelagerte Vermögen der Superreichen aufzuspüren: "'Der Reichtum ist zunächst unsichtbar, er liegt in den Daten', sagt er. 'In letzter Zeit', fügt er hinzu, während die Bay Area vor dem Fenster summt, 'sehe ich mehr Silicon Valley in meinen Excel-Tabellen, vor allem in der Höhe der Gewinne, die auf den Bermudas und in Irland verbucht werden' … Um 1980 geschah etwas Grundstürzendes. Als Ronald Reagan ins Weiße Haus einzog, kontrollierten die obersten 0,1 Prozent etwa 7 Prozent des nationalen Wohlstands. Nach einigen Jahrzehnten boomender Märkte und stagnierender Löhne hat sich der Anteil der obersten 0,1 Prozent bis 2014 auf 22 Prozent verdreifacht, etwas mehr als die untersten 85 Prozent des Landes kontrollieren. Die Daten zeigen das Ausmaß des Problems und das Fehlen einer Lösung: Während die Mittelklasse nach der Finanzkrise durch Arbeitsplatzverluste und Schulden belastet war, machten die Reichen einfach weiter wie bisher. Vermögen, das nach der Lehman-Pleite von den Finanzmärkten verschwunden war, tauchte wieder auf und verdoppelte und verdreifachte die Portfolios wohlhabender Anleger."

Weitere Artikel: Kamaron Leach erzählt, wie Netflix dabei hilft, dass Nigerias Filmindustrie ein größeres Publikum findet. Und Hugo Miller sucht nach "Geheimen Museen" in Freihäfen, wo große Mengen Kunst aufbewahrt werden, um keine Abgaben dafür zahlen zu müssen.

Magazinrundschau vom 14.05.2019 - Bloomberg Businessweek

Matthew Campbell and Peter Martin erzählen am Beispiel der Schikanen gegen den ThinkTank Unirule des  90-jährigen Mao Yushi - ein Ökonom, dessen an Hayek und Friedman angelehnte Theorien unter Deng Xiaoping florierten -, wie unerwünscht Denken ohne die Kommunistische Partei unter Präsident Xi Jinping wieder geworden ist. "Während China mit den Herausforderungen einer sich abschwächenden Wirtschaft und eines verlustreichen Handelskrieges mit den USA kämpft, sind einige ausländische Beobachter alarmiert. ''Ökonomische Entscheidungen sind unter Xi unglaublich personalisiert worden. Ein Ökonom, der Fragen stellt, kann als jemand angesehen werden, der Xi persönlich Fragen stellt', sagt Julian Gewirtz, Harvard-Forscher und Autor von 'Unlikely Partners: Chinesische Reformer, westliche Ökonomen und das Making of Global China'. Er nennt die daraus resultierende Kälte 'eine große Risikoquelle für Chinas Zukunft'. Unirule hat nach seiner plötzlichen Räumung ein neues Büro gefunden, und bisher hat er, wenn auch nur knapp, dank seiner Bekanntheit im Ausland und des Prestiges von Mao, der stille Bewunderer in Chinas Etablissement hat, überlebt. Die Erfahrung des Think Tanks zeigt jedoch, wie wenig Spielraum für unabhängige Untersuchungen bleibt, selbst bei wirtschaftlich äußerst wichtigen Fragen wie der Finanzpolitik und der Nachhaltigkeit des riesigen Archipels staatlicher Unternehmen. In Xis China, so stellt sich heraus, kann die falsche Art der Makroökonomie ein Gedankenverbrechen sein."

Magazinrundschau vom 07.05.2019 - Bloomberg Businessweek

Austin Carr und Dina Bass liefern eines jener Firmen- und Managerporträts, die einen etwas besser verstehen lassen, was Innovation und Digitalisierung wirklich heißt. Sie porträtieren den höchst erfolgreichen Nachfolger Steven Ballmers bei Microsoft, der dem Konzern eine höhere Börsenbewertung als Google bescherte. Anders als beim Atmo-Journalismus deutscher Prägung spielen dabei Satya Nadellas Herkunft aus Hyderabad und seine Vorliebe für Cricket so gut wie keine Rolle. Carr und Bass zeigen, wie Nadella Microsoft wieder cool machte, indem er die Firma endlich einsehen ließ, dass sie nie cool war: Die Zeiten, als jedes Apple-Ipad mit einer Gurke von Microsoft getoppt werden sollte, sind vorbei. Statt dessen hat Nadella das Cloud-Geschäft vorangetrieben und sich auf geschickte Weise als Alternative zu Google und Amazon aufgestellt (Microsoft als Alternative, das muss man sich auch mal klarmachen). Cloud-Computing ist die gigantische physische Infrastruktur, die Netflix, automatische Fahrsysteme und Online-Banking erst möglich macht. Amazon führt, aber "das Unternehmen von Jeff Bezos expandiert rücksichtslos und stellt dabei eine potenzielle Bedrohung für Cloud-Kunden wie Einzelhändler und Unterhaltungsunternehmen dar, während es zugleich seine Daten auf seinen Servern speichern will. 'Microsoft ist dezent in seinen Andeutungen, aber man lässt bei Kundengesprächen keinen Zweifel daran, dass Bezos natürlich versuchen könnte, in die Betriebsgeheimnisse der Kunden zu linsen und ihre Daten per künstlicher Intelligenz auszulesen, um dann auf ihre Kunden zu zielen', sagt ein früherer E-Commerce-Manager, der eine Partnerschaft mit Nadella abgeschlossen hat. 'Zu Ballmers Zeiten wurde getobt. Aber Satya ist richtig gut darin ganz sanft zu fragen: 'Wollen Sie wirklich einen Technologie-Partner, der gleichzeitig ein Konkurrent ist?'" Und das hat geklappt: Vor nicht allzulanger Zeit konnte Microsoft Walmart als Kunden gewinnen.

Außerdem sehr empfehlenswert: Archana Chaudharys Reise den Ganges hinab, um das "Modi-Zeitalter" zu erkunden. Der Hindu-Nationalist Narendra Modi stellt sich in den größten demokratischen Wahlen der Welt der Wiederwahl. Manches hat sich verändert, viele sind enttäuscht. Der Bericht ist mit großartigen, teilweise Harry-Potter-mäßig animierten Fotos garniert.

Magazinrundschau vom 09.04.2019 - Bloomberg Businessweek

Sudan könnte mit seinen an sich fruchtbaren Böden eine Kornkammer Afrikas sein, zumal das Land seit wenigen Jahren nicht mehr von US-Sanktionen betroffen ist. Dennoch liegen weite Teile des Landes brach. Die Gründe: Korruption, Missmanagement, falsche politische Entscheidungen in der Vergangenheit. So hat die Regierung über 20 Millionen Quadratkilometer bestes Ackerland inklusive der Wasserrechte am Nil für wenig Geld und lange Laufzeiten (99 Jahre) an Firmen aus dem Nahen Osten, dem Libanon und Saudi-Arabien, verpachtet. Das empört nicht nur die sudanische Bevölkerung, die davon nichts hat, das verpachtete Land wird außerdem kaum bepflanzt: Gerade mal ein Zwanzigstel wird bisher für Landwirtschaft genutzt. Und dann ist da noch der mächtige Nachbar im Norden, schreibt Peter Schwartzstein in seiner großen Reportage: "Ägypten bereitet der Ausblick auf eine umfassende agrikulturelle Expansion in einem Gebiet, das im wesentlichen seine einzige Wasserquelle darstellt, erhebliche Bedenken. Nach Angaben von Mubarak al-Fadil und anderen sudanesischen Beamten habe sich das Land schon in der Vergangenheit verschworen, um Projekte zu verhindern. ... Farmarbeiter im Niltal bestätigen solche Sorgen - raunend, wenn auch ohne Beweis -, dass ägyptische Agenten die Bewässerung und das Stromnetzwerk sabotieren. Die Implikation, die sich daraus ergibt: Solange Sudans Kornkammer-Aspirationen anhalten, wird sein Nachbar im Norden jegliche Entwicklung genau im Blick behalten - und dabei vielleicht mehr als nur zuschauen."

Magazinrundschau vom 12.02.2019 - Bloomberg Businessweek

Austin Carr untersucht den katastrophalen Deal, auf den sich der Staat Wisconsin unter protziger Federführung Trumps (Arbeit für amerikanische Bürger!) mit der Firma Foxconn einließ, 4,5 Milliarden Dollar an staatlichen Fördergeldern gegen 13000 neue Arbeitsplätze. Nur dass Mexiko für den Hauptanteil an der Produktion verantwortlich ist und die Löhne in Mount Pleasant weit unter dem Versprochenen liegen: "In einem Interview mit Reuters vom 30. Januar sagte der Sonderbeauftragte des Foxconn-Vorsitzenden Terry Gou, Louis Woo, das Unternehmen werde seine Pläne für eine LCD-TV-Fabrik in Mount Pleasant noch einmal überdenken. Man werde den Campus in Wisconsin für Forschungs- und Entwicklungsteams nutzen, mit einem geringeren Schwerpunkt auf der Fertigung … Interviews mit 49 Personen, die mit Foxconns Projekt in Wisconsin vertraut sind, darunter mehr als ein Dutzend aktueller und ehemaliger Mitarbeiter, zeigen, wie hohl die Zusicherungen waren. Während Foxconn seit Monaten alle Anfragen zu Interviews mit Führungskräften ablehnte, schildern Insider eine chaotische Atmosphäre mit ständig wechselnden Zielen, sämtlich weit von denen entfernt, die Trump genannt hatte … Am 18. Januar gab Foxconn bekannt, Ende 2018 in Wisconsin 178 Vollzeitbeschäftigte zu haben, was das Einstellungsziel für das erste Jahr um 82 Prozent verfehlt und die gesamten Steuergutschriften für dieses Jahr kostete. Keine zwei Wochen später kam das Interview mit Reuters, in dem Woo sagte, Foxconn würde den Bau einer LCD-Fabrik dort erneut überdenken, da (welche Überraschung) die Kosten in den USA höher seien als in China oder Mexiko. 'Was die TV-Produktion angeht, haben wir keinen Platz in den USA. Wir können nicht mithalten', sagte Woo … Zur Drucklegung standen auf der Unternehmens-Website gerade mal 122 Stellenanzeigen, viele über fünf Monate alt. Allerdings wahrt Foxconn den Schein. Bei einem Besuch in Mount Pleasant huben Kräne und Bauarbeiter auf schneebedecktem Ackerland geschäftig Erde aus."
Stichwörter: Foxconn