Magazinrundschau - Archiv

Bloomberg Businessweek

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Magazinrundschau vom 09.04.2019 - Bloomberg Businessweek

Sudan könnte mit seinen an sich fruchtbaren Böden eine Kornkammer Afrikas sein, zumal das Land seit wenigen Jahren nicht mehr von US-Sanktionen betroffen ist. Dennoch liegen weite Teile des Landes brach. Die Gründe: Korruption, Missmanagement, falsche politische Entscheidungen in der Vergangenheit. So hat die Regierung über 20 Millionen Quadratkilometer bestes Ackerland inklusive der Wasserrechte am Nil für wenig Geld und lange Laufzeiten (99 Jahre) an Firmen aus dem Nahen Osten, dem Libanon und Saudi-Arabien, verpachtet. Das empört nicht nur die sudanische Bevölkerung, die davon nichts hat, das verpachtete Land wird außerdem kaum bepflanzt: Gerade mal ein Zwanzigstel wird bisher für Landwirtschaft genutzt. Und dann ist da noch der mächtige Nachbar im Norden, schreibt Peter Schwartzstein in seiner großen Reportage: "Ägypten bereitet der Ausblick auf eine umfassende agrikulturelle Expansion in einem Gebiet, das im wesentlichen seine einzige Wasserquelle darstellt, erhebliche Bedenken. Nach Angaben von Mubarak al-Fadil und anderen sudanesischen Beamten habe sich das Land schon in der Vergangenheit verschworen, um Projekte zu verhindern. ... Farmarbeiter im Niltal bestätigen solche Sorgen - raunend, wenn auch ohne Beweis -, dass ägyptische Agenten die Bewässerung und das Stromnetzwerk sabotieren. Die Implikation, die sich daraus ergibt: Solange Sudans Kornkammer-Aspirationen anhalten, wird sein Nachbar im Norden jegliche Entwicklung genau im Blick behalten - und dabei vielleicht mehr als nur zuschauen."
Stichwörter: Sudan, Ägypten

Magazinrundschau vom 12.02.2019 - Bloomberg Businessweek

Austin Carr untersucht den katastrophalen Deal, auf den sich der Staat Wisconsin unter protziger Federführung Trumps (Arbeit für amerikanische Bürger!) mit der Firma Foxconn einließ, 4,5 Milliarden Dollar an staatlichen Fördergeldern gegen 13000 neue Arbeitsplätze. Nur dass Mexiko für den Hauptanteil an der Produktion verantwortlich ist und die Löhne in Mount Pleasant weit unter dem Versprochenen liegen: "In einem Interview mit Reuters vom 30. Januar sagte der Sonderbeauftragte des Foxconn-Vorsitzenden Terry Gou, Louis Woo, das Unternehmen werde seine Pläne für eine LCD-TV-Fabrik in Mount Pleasant noch einmal überdenken. Man werde den Campus in Wisconsin für Forschungs- und Entwicklungsteams nutzen, mit einem geringeren Schwerpunkt auf der Fertigung … Interviews mit 49 Personen, die mit Foxconns Projekt in Wisconsin vertraut sind, darunter mehr als ein Dutzend aktueller und ehemaliger Mitarbeiter, zeigen, wie hohl die Zusicherungen waren. Während Foxconn seit Monaten alle Anfragen zu Interviews mit Führungskräften ablehnte, schildern Insider eine chaotische Atmosphäre mit ständig wechselnden Zielen, sämtlich weit von denen entfernt, die Trump genannt hatte … Am 18. Januar gab Foxconn bekannt, Ende 2018 in Wisconsin 178 Vollzeitbeschäftigte zu haben, was das Einstellungsziel für das erste Jahr um 82 Prozent verfehlt und die gesamten Steuergutschriften für dieses Jahr kostete. Keine zwei Wochen später kam das Interview mit Reuters, in dem Woo sagte, Foxconn würde den Bau einer LCD-Fabrik dort erneut überdenken, da (welche Überraschung) die Kosten in den USA höher seien als in China oder Mexiko. 'Was die TV-Produktion angeht, haben wir keinen Platz in den USA. Wir können nicht mithalten', sagte Woo … Zur Drucklegung standen auf der Unternehmens-Website gerade mal 122 Stellenanzeigen, viele über fünf Monate alt. Allerdings wahrt Foxconn den Schein. Bei einem Besuch in Mount Pleasant huben Kräne und Bauarbeiter auf schneebedecktem Ackerland geschäftig Erde aus."
Stichwörter: Foxconn

Magazinrundschau vom 18.09.2018 - Bloomberg Businessweek

Für die Businessweek besucht Monte Reel die Inselrepublik Malta, das schwarze Schaf der EU, wo sich Freunde des Online-Glücksspiels und der Geldwäsche tummeln und sich nach dem Bombenanschlag auf die regierungskritische Bloggerin Caruana Galizia eine Atmosphäre der Angst breit macht. Die maltesische Staatsbürgerschaft lässt sich übrigens ganz legal vom Staat kaufen: "Premier Joseph Muscat und seine Regierung reagieren offensiv auf Vorwürfe in diese Richtung. Anstatt die kontroverse Politik auf Eis zu legen, geben sie erst richtig Gas. Muscat hat den Passverkauf gerade mit der Begründung ausgeweitet, dass solche Investitionen Malta schon bald zu einem der reichsten Länder Europas machen würden … Das Online-Glücksspiel boomt mit rund 300 Unternehmen. Der Sektor macht 12 Prozent der Gesamtwirtschaft aus. Der Grund ist das 2004 verabschiedete Gesetz zur Legalisierung des Online-Glücksspiels … Nach dem Mord an Galizia macht sich Angst breit unter Regierungsgegnern. Maltas Nachbarn verstehen das als sinnbildlich für die Zustände im Land. Der Bericht des EU-Parlaments spricht von 'systematischen und ernsthaften Defiziten' bei der Rechtssprechung, Grund für die zunehmende Unsicherheit der Menschen. Darüber hinaus vermutet die italienische Polizei, dass die sizilianische Mafia das Online-Glückspielgeschäft zur Geldwäsche nutzt. Als sich Muscat im Juni vor dem EU-Parlament zur Rechtsprechung in seinem Land äußern sollte, wies er die von Galizia veröffentlichten Anschuldigungen als politisch motiviert zurück und setzte damit den Ton für seine künftigen Verteidigungsstrategie. Seine entspannte Haltung und sein gelegentliches Grinsen brachten einige Abgeordnete auf die Palme."
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Magazinrundschau vom 15.05.2018 - Bloomberg Businessweek

Vergesst Adblocker, jetzt kommt Pi-Hole. Nicht nur Webseiten, die (wie der Perlentaucher) von Werbung leben, sondern auch Plattformen wie Google und Facebook müssen sich in Acht nehmen, schreibt Adrianne Jeffries . Erfunden wurde es von dem Informatikstudenten Mark Drobnak, der den Adblocker weiterentwickelte. Er installierte das Instrument, das wirklich so gut wie alle Werbung erkennt, auf einem dieser kleinen Raspberry-Computer namens Pi - daher "Pi-Hole - das schwarze Loch der Werbung". Anders als andere Adblocker muss Pi-Hole aber direkt auf einem Computer installiert werden. "Seine 22.000 Mann und Frau starke Gemeinde von 22.000 echten Gläubigen auf Reddit hilft sehr, sagt Drobnak, der etwa fünf bis zwanzig Stunden in der Woche neben seinen Kursen an Pi-Hole arbeitet. Die Entwickler entdeckten nebenbei Spy-Software auf internetfähigen Fernsehgeräten (die Daten für das Ad Targeting sammeln), Glühbirnen (Nutzer berichteten von LED-Birnen, die sich seltsamer Weise alle zwei Sekunden mit den Servern des Herstellers verbinden) und Druckern (einer davon sendete 34 Millionen Anfragen am Tag)."

Magazinrundschau vom 24.04.2018 - Bloomberg Businessweek

Dass die Grundlagenforschung für neue Farbtöne so spannend sein kann, hätte man auch nicht gedacht: Zach Schonbrun hat einiges dazu aufgeschrieben, was einem so vielleicht noch nicht bewusst war. Dass die Farbe Rot zum Beispiel ein echtes Problem darstellt und man sich von einem Durchbruch in diesem Bereich einige Umsätze erwarten darf: "Der Welt fehlt ein rundum großartiges Rot. Schon immer. Wir haben uns bislang bloß mit Alternativen zufrieden gegeben, die entweder giftig oder schlicht eklig sind. Die Gladiatoren bemalten sich ihre Gesichter einst mit Zinnober auf Quecksilber-Basis. Tizian malte mit Rubinschwefel, der auf Arsen beruht. Die roten Mäntel der Britischen Armee waren mit zerdrückten Cochenilleschildläusen eingefärbt. Jahrzehntelang beinhalteten rote Legosteine Krebs erregendes Kadmium. Mehr als 200 natürliche und synthetische Rot-Pigmente sind heute bekannt. ... Doch nur ein einziges Rot ist stabil, ungiftig und beständig: Eisenoxid, oder roter Ocker. Der rote Ton, den man auf Steinzeitmalereien findet. 'Er strahlt allerdings nicht so sehr wie sich die Leute das wünschen', sagt Narayan Khandekar von der Harvard-Universität. Mit einem neuen Pigment könnte man jährlich Hunderte von Millionen Dollar verdienen und damit viele Produktkategorien beeinflussen."

Außerdem: Peter Waldman, Lizette Chapman und Jordan Robertson tragen Hintergründe zur umstrittenen Datenanalyse-Firma Palantir zusammen (mehr dazu brachten wir bereits im August vergangenen Jahres und und hier). Dank Trumps desaströser Einwanderungspolitik entscheiden sich immer mehr Fachkräfte für Kanada statt den amerikanischen Traum, berichten Karen Weise und Saritha Rei. Lionel Laurent fragt sich, was Bitcoin eigentlich wert ist (und wie man das ermittelt).

Magazinrundschau vom 12.02.2018 - Bloomberg Businessweek

In einem Beitrag des Magazins beschreibt Sam Kim die Arbeitsbedingungen der von Nordkorea in alle Welt ausgesandten Programmierer, eine Armee von Devisenbeschaffern des Regimes mit beinharter Agenda. Jong Hyok, einer von ihnen, berichtet: "Anders als ihre Kollegen anderswo, die auf der Suche nach Sicherheitslücken sind, Staatsgeheimnisse stehlen oder einfach Chaos verursachen, sind die nordkoreanischen Hacker nur auf Geld aus, Geld, das Pjöngjang wegen der Sanktionen bitter fehlt. Jong, der in einer nordchinesischen Stadt arbeitet, machte schnell Karriere. Wenn es nichts zu tun gab, hackten sie Spieleseiten, verkauften ihre Informationen, programmierten Bots. Um die Fassade zu wahren, arbeiteten sie an Lernsoftware. Alles in allem recht unglamourös. Jong streitet jegliche Involvierung in kriminelle Machenschaften wie Kreditkartenklau, militärische oder Wirtschaftsspionage ab. Aber er bezweifelt aber nicht, dass es dergleichen gibt. Nordkorea bestreitet seine Beteiligung an Hacker-Aktivitäten und nennt solche Vorwürfe Feindespropaganda. Alle überseeischen Computer-Aktvitäten Nordkoreas beschränkten sich auf die Bewerbung seiner Antiviren-Software auf dem Weltmarkt, heißt es offiziell. Nordkorea arbeitet seit Jahrzehnten an solchen Programmen, SiliVaccine etwa. Mit Red Star hat es auch ein eigenes Betriebssystem entwickelt, das allerdings eine erstaunliche Ähnlichkeit mit MacOs hat." Erwartungsgemäß sollen die Sicherheitseinstellungen des Betriebssystems auch recht schräg sein.

Weiteres: Michael Lewis begibt sich in der Hoffnung auf einen journalistischen Coup nach Washington, gibt bald jedoch auf, entmutigt von den vielen professionellen Reportern im Weißen Haus, und amüsiert sich mit den Outlaws um Steve Bannon.

Magazinrundschau vom 06.02.2018 - Bloomberg Businessweek

Emily Chang, Autorin des Buches "Brotopia", wirft einen Blick auf die historischen Zusammenhänge, unter denen sich die männlich dominierte Industrie in und um das Silicon Valley selbst sabotiert hat, indem sie die weiblichen Talente verstieß. Technisch versierte Frauen trugen bis Mitte des letzten Jahrhunderts als gut bezahlte Programmiererinnen maßgeblich zum wachsenden Erfolg der Industrie bei, bis dann in den 60er Jahren eine von den Psychologen William Cannon und Dallis Parry geführte Studie veröffentlicht wurde. Unter anderem führte ihr Ergebnis, das auf der Persönlichkeitsanalyse von 1378 Programmierern beruhte - davon 186 Frauen - seither zu einer überwiegenden Anstellung von Männern: "Aus der Erhebung ging hervor, dass Menschen, die mathematische und mechanische Puzzle gleichermaßen gerne lösen, gute Programmierer darstellen. Das ergab Sinn. Die zweite Schlussfolgerung war dagegen weit spekulativer. Anhand der erhobenen Daten aus der selben Umfrage unter meist männlichen Programmierern, kamen Cannon und Perry zu dem Schluss, dass Software-Entwickler eine wesentliche Eigenschaft teilen: Sie 'mögen keine Menschen'. In ihrem abschließenden Bericht fassten sie zusammen, dass Programmierer 'Aktivitäten ablehnen, die persönliche Interaktion miteinbeziehen; im Allgemeinen sind sie mehr an Sachen als an Menschen interessiert'. Für die Annahme, dass unsoziale Menschen  bessere Mathe- und Computerkenntnisse besitzen, gibt es nur wenig Beweise. Leider aber zeigt eine Fülle an Belegen, dass wer unsoziale Nerds einstellen will, zwangsläufig mehr Männer als Frauen einstellen wird."

Magazinrundschau vom 09.01.2018 - Bloomberg Businessweek

Matthew Campbell erzählt die deprimierende Geschichte Simbabwes, das erst von Ian Smith gedemütigt und dann von Robert Mugabe heruntergewirtschaft wurde. Der neue Machthaber Emmerson Mnangagwa, der sich im November mit Hilfe der Armee an die Macht putschte, wird die Reihe fortsetzen: "Die neue Regierung hat ein Vorbild für wachsenden Wohlstand bei zugleich strikter politischer Kontrolle: 'Natürlich blicken wir auf China, wenn es um unsere Entwicklung geht', sagt Finanzminister Patrick Chinamasa. 'Sie haben 300 Millionen Menschen aus der Armut befreit. Das haben nur wenige Länder geschafft, wir müssen uns also an ihnen orientieren.' Er sagt das nach der feierlichen Unterzeichnung eines chinesischen Hilfspakets im Wert von 1,45 Milliarden Yuan (223 Millionen Dollar). Zwei Drittel gehen in einen Niedrigzinskredit für die Renovierung des heruntergekommenen Robert-Mugabe-Airports und der Rest ist ein Zuschuss für den Bau eines neuen Parlamentsgebäudes, das chinesische Firmen errichten werden. Obwohl Mnangagwa international akzeptable Wahlen noch für dieses Jahr angesetzt hat, verfügt er über wenig demokratische Referenzen. Viele Simbabwer verbinden mit ihm eine der hässlichsten Episoden von Mugabes Herrschaft, die Säuberungswelle von 1980, bei der etwa 20.000 Menschen von der Armee ermordet wurden, meist Angehörige der Ndebele. Oppositionspolitiker haben Mnangagwa, der zu der jener Zeit Minister für Staatssicherheit war, vorgeworfen, für die Massaker mitverantwortlich zu sein, was er bestreitet. Einen Großteil seiner Karriere hat er jedoch auf Posten verbracht, die mit der inneren Sicherheit verbunden waren, darunter die Leitung des gefürchteten Geheimdienstes, und er war verantwortlich für die Unterdrückung der politischen Opposition, wodurch Mugabes Macht unangefochten blieb. Mnangagwas Verbündete beteuern, dass er aus tiefstem Herzen ein Demokrat ist."

Magazinrundschau vom 02.01.2018 - Bloomberg Businessweek

In den Fleischfabriken der USA häufen sich Arbeitsunfälle jener Sorte, die man eigentlich in arbeitsrechtlich überwunden geglaubten Phasen des Kapitalismus verorten würde: Reinigungskräfte ziehen sich bei ihrer Arbeit immer häufiger schwere Verletzungen zu - bis hin zum Verlust ganzer Gliedmaßen. Das hat unter anderem mit dem immer schnelleren Arbeitsrhythmus zu tun, dem Outsourcing an hausfremde Firmen und damit, dass immer mehr nachts gearbeitet werden muss. Betroffen sind vor allem illegale Einwanderer, haben Peter Waldman und Kartikay Mehrortra herausgefunden: "Zwar prüfen Fleischverarbeiter die Papiere derjenigen heute sehr genau, die sie in der Produktion anstellen. Immigranten geben jedoch an, dass es auch für Arbeiter ohne Papiere leicht sei, einen Job in der dritten Schicht zu ergattern - und dies vor allem bei kleineren Fabriken oder bei Firmen, die auf die Reinigung solcher Fabriken spezialisiert sind. Zwar müssen in den USA alle Arbeiter einen Ausweis und eine Arbeitserlaubnis vorlegen, doch die Arbeitgeber sind nicht dazu verpflichtet, die Authentizität der Dokumente zu überprüfen. Sie sind nur dafür verantwortlich,möglichen Unstimmigkeiten nachzugehen, wenn die Regierung sie dazu anhält. Und am wichtigsten vielleicht: Alle Beteiligten wissen, dass die Ordnungskräfte nachts keine Razzien durchführen. Die Reinigung outzusourcen, 'hat einzig mit Profit zu tun', sagt Tim Cox, der in North Carolina eine Beraterfirma leitet, die sich auf die Reinigung von Fleisch- und Geflügelfabriken spezialisiert hat. 'Es kostet einfach weniger Geld, jemanden ohne Papiere anzuheuern, der von seinen Arbeitsrechten keine Ahnung hat, als jemanden, der sich damit auskennt.'"

Facebook greift direkt ins politische Geschehen ein, schreiben  Lauren Etter, Vernon Silver und Sarah Frier. Dies geschieht mittels einer eigens eingerichteten Abteilung, die Politikern aus dem ganzen Spektrum gezielt Hilfestellung dabei leistet, das eigene Anliegen effizient zu lancieren oder eben auf die politische Meinungsbildung manipulativ einzuwirken. Geleitet wird diese Abteilung von Katie Harbath, einer ehemaligen Strategin der Republikaner, die zuvor bereits Rudy Giulianis erfolgreiche Kampagne 2008 leitete. "Seit Facebook sie drei Jahre später angestellt hat, reist ihr Team rund um den Globus, um politische Kunden dabei zu unterstützen, die mächtigen digitalen Tools der Firma zu nutzen. In einigen der größten Demokratien der Welt - von Indien über Brasilien bis nach Deutschland und dem UK - sind diese Mitarbeiter de facto Kampagnenarbeiter geworden. Und wenn ein Kandidat erst mal gewählt wurde, springt die Firma mit auf den Zug auf, um Angestellte der Regierung zu unterrichten oder technische Hilfestellung bei Livestreams offizieller Staatsevents anzubieten." (Etter hat erst vor wenigen Wochen detailliert beschrieben, wie Facebook-Mitarbeiter dem heutigen Präsidenten der Philippinen, Rodrigo Duterte, im Wahlkampf halfen)

Magazinrundschau vom 12.12.2017 - Bloomberg Businessweek

Lauren Etter schildert in ihrer Reportage, wie Facebook dem selbst erklärten Mörder und heutigen Präsidenten der Philippinen, Rodrigo Duterte, half, im Wahlkampf 2016 Wählerstimmen zu sammeln und Kritiker mundtot zu machen: "Dutertes Wahlkämpfer wurden von eigens eingeflogenen Facebook-Mitarbeitern gebrieft darüber, wie man eine Seite aufsetzt und Content verwendet, um Follower zu generieren … Gewappnet mit diesem Wissen bauten Dutertes Leute ein Social-Media-Monster auf, das die Auftritte aller anderen Kandidaten übertraf. Die Strategie stützte sich auf hunderte in vier Gruppen organisierter Freiwilliger - drei auf den Philippinen, eine in Übersee, um die vielen im Ausland arbeitenden Landsleute mittels echter und fingierter Facebook-Accounts mit Kampagnen-News zu versorgen … Die ersten Beschwerden über Dutertes Facebook-Armee und ihr aggressives Gebaren ließen nicht lang auf sich warten. Schließlich begann die Kampagne selbst, falsche Informationen zu verbreiten, etwa über den vermeintlichen Duterte-Fan Papst Franziskus … Duterte dominierte die politische Debatte schließlich derart, dass ein Facebook-Report ihn zum 'Facebook-König' ausrief. 64 Prozent aller mit den Wahlen befassten FB-Beiträge drehten sich um ihn. Nachdem Duterte gesiegt hatte, vertiefte Facebook wie überall in der Welt seine Beziehung zur Regierung, indem es anbot, bei der Optimierung des Regierungsauftritts behilflich zu sein. Während Duterte die unabhängige Presse von seiner Amtseinführung ausschloss, wurde das Ereignis auf Facebook live übertragen."