Magazinrundschau

Dieser köstliche Krieg

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
10.11.2020. Echo 24 erzählt, wie die Polen über die Tschechen denken. TLS porträtiert Boris Johnson als Lügner vor dem Herrn. Justin E.H. Smith denkt in seinem Blog über die Gamification unserer Alltagswelt nach. En attendant Nadeau stellt sich dem Trauma des Algerienkriegs. In der New York Review of Books betrachtet Valeria Luiselli die Fotos von Dorothea Lange. Science untersucht den schwedischen Ansatz in der Coronakrise. Der New Yorker erzählt von einer fehlgeschlagenen Schatzsuche.

Echo24 (Tschechien), 09.11.2020

Im Gespräch mit Echo24 erklärt der polnische Journalist, Essayist und Tschechienkenner Aleksander Kaczorowski aufschlussreich, was die Polen von den Tschechen halten: Während des ganzen 20. Jahrhunderts sei in Polen ein negatives Tschechenbild gängig gewesen. "Es hieß, der Tscheche sei ein Feigling, der den Krieg scheue und sich jeder Regierung immer anpasse. Es gab viele Negativstereotypen, und man sprach spöttisch vom tschechischen 'Pepík' (Seppl)." Dabei seien die Tschechen im 20. Jahrhundert die modernste Gesellschaft Mitteleuropas gewesen. Prozesse der Demokratisierung, Säkularisierung und Urbanisierung, die man mit Westeuropa verbinde, hätten sich dort schneller und tiefgehender vollzogen als etwa in Polen. Und jetzt? Sei Tschechien vielleicht nicht gerade ein Vorbild, aber doch das Muster einer entspannteren Gesellschaft. "Wir wünschen uns, dass wie in Tschechien die katholische Kirche nicht mit der Regierung verquickt ist. Wie würden gerne die Wochenenden wie die Tschechen verbringen, mit Erholung [in den traditionellen Landhäuschen] und Sport. Und dazu vielleicht auch diese Kneipen- und Bierkultur." Die tschechische Lebensart sei für Polen attraktiv und stelle eine Alternative zur 'Verwestlichung' dar. Denn die Polen seien zwar Teil Europas, wollten aber nicht sein wie die Deutschen oder Franzosen - "das ginge auch gar nicht. Aber sein wie die Tschechen?": Für Kaczorwoski eine interessante Perspektive.
Archiv: Echo24

Times Literary Supplement (UK), 09.11.2020

Als Biograf hat sich Tom Bower einen Namen gemacht, indem er die Reputation von Berühmtheiten wie Richard Branson oder Prinz Charles ramponierte. Dass er nun Boris Johnson über den grünen Klee lobt macht Rory Stewart fassungslos. Stewart war Staatssekretär unter Johnson als Außenminister, und er hält ihn für durch und durch unmoralisch: "Vielleicht ist es Neid. Johnson ist der gewiefteste Lügner des politischen Lebens - vielleicht der beste Lügner, der jemals Premierminister war. Einiges davon ist natürliches Talent, aber lebenslanges Lernen und lebenslange Praxis haben ihm immer neue Möglichkeiten erschlossen haben, die weit über die Klassifikationen der Unehrlichkeit hinausgehen, die klassische Denker wie Augustinus erstellt haben. Johnson beherrscht die Unterlassung, Übertreibung, Untertreibung, Ausflucht, absichtliches Irren und blankes Abstreiten meisterlich. Er hat die Spitzfindigkeit perfektioniert, das Drumherumreden, die falsche Entsprechung und falsche Analogie. Er ist auch sehr gewandt im ironischen Scherz, im Schwindeln und der großen Lüge; in der Ausrede und in der Halbwahrheit; in der übertriebenen Lüge, der offensichtlichen Lüge und der Bullshit-Lüge, die aus Versehen wahr sein könnte. Und weil er für seine Fähigkeiten schon so lange bekannt ist, kann er seinen Ruf dazu nutzen, ganz neue Stufen des spielerischen Paradox zu erklimmen. Zu mir sagte er: 'Rory, glaubt nicht ein Wort von dem, was ich sage. Aber ich würde Dich gern in meinem Kabinett sehen.' Und ich lachte voller Bewunderung."
Stichwörter: Johnson, Boris

Substack - Justin E.H. Smith (USA), 21.09.2020

Leben wir in einer Cancel Culture? Einer Kultur der Auslöschung? Auf jeden Fall leben wir in einer Kultur, die das Binäre der kritischen Auseinandersetzung vorzieht. Ja oder nein: Die Positionierung in einer bestimmten Frage dient dabei vor allem dem Sammeln von Punkten. Selbst denken wird gefährlich. In seinem Blog sieht der Philosoph Justin E. H. Smith darin eine Gamification unserer Alltagswelt: "Auslöschung ist ein Nebeneffekt der Gamification unserer sozialen Wirklichkeit. Die sozialen Medien sind Heimstatt und Quelle der Gamification, aber es zieht längst größere Kreise. Uber hält seine Fahrer mittels einer App mit Videospiel-Elementen dazu an, länger und härter zu arbeiten. Academia.edu pusht prekär beschäftigte Wissenschaftler, mehr Punkte in Form von Downloads und Followern zu machen, indem sie über die Dinge schreiben, die die Leute interessieren. Überall in unserer Gegenwart suchen die Menschen nach Strategien, um Boni einzusammeln. Das olympische Stadion war etwas ganz anderes als die Agora im antiken Griechenland, die nach anderen Regeln funktionierte. Ebenso ist heute alles, was gamifiziert ist, unvereinbar mit den traditionellen Werten und Prinzipien der Öffentlichkeit. Heute trägt jede in den sozialen Medien geäußerte politische Meinung, ob anständig oder nicht, dazu bei, die politische Lage zu verschlimmern. Das mag unlogisch klingen, aber es ist wahr: Wann immer wir Meinungen auf den sozialen Plattformen teilen, Artikel, die unsere Meinung bestätigen, unsere Stimme verstärken, nehmen wir nicht am öffentlichen Diskurs teil, sondern an einer Simulation von öffentlichem Diskurs."
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En attendant Nadeau (Frankreich), 04.11.2020

Der Algerienkrieg ist ein bleibendes Trauma in der französischen Geschichte, auf allen Seiten des Konflikts. Raphaëlle Branche hatte bereits vor fast zwanzig Jahren das Buch "La torture et l'armée pendant la guerre d'Algérie, 1954-1962" vorgelegt, das großes Aufsehen erregte, weil viele Familien sich fragten, was die Väter im Algerienkrieg, über den keiner je redete, eigentlich getan haben. Diese Frage steht nun direkt im Zentrum des neuen Buchs von Branche: "Papa, qu'as-tu fait en Algérie ? Enquête sur un silence familial", das Sonia Dayan-Herzbrun hier bespricht. Das Ausmaß der Traumatisierung der zurückgekehrten Soldaten, die schon deshalb schwiegen, weil sie manchmal in die schändliche Praxis der Folter verwickelt waren, ist noch größer als man glaubte. Dayan-Herzbrun zitiert eine Forscherin, die von 350.000 Suiziden spricht. Und die Familiengeschichten sehen so aus: "Die kleine Isabelle Roche ist ein Jahr nach der Rückkehr ihres Vaters geboren, und ihr Bruder ein Jahr später. Ihr bleiben die Schläge, die ihr Bruder jeden Tag bekommt, erspart, aber sie leidet unter einem ausgedehnten Ekzem. 'Eines Tages beobachtet sie, wie ihr Vater im Bad den Kopf ihres Bruders unter Wasser drückt. Diese Badewannenszene brennt sich in ihr Gehirn.' Über die Erfahrungen, die ihr Vater in Algerien gemacht hat, weiß sie kaum etwas. Das wenige hat sie von ihrer Mutter gehört, Bruchstücke von Erzählungen über plötzliche und absurde Tode."
Stichwörter: Algerienkrieg, Frankreich

New York Review of Books (USA), 19.11.2020

Die mexikanische Schriftstellerin Valeria Luiselli schreibt anlässlich einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York in einem sehr schönen Essay über die Fotografien von Dorothea Lange. Ein großer Teil ihres Werks war jahrzehntelang unbekannt oder gar unter Verschluss, zu ungemütlich, zu brutal, zu entlarvend waren ihre Fotografien, von denen viele in staatlichem Auftrag entstanden. Etwa von den Farmern, die in den großen Staubstürmen in den Dreißigern ihr Land verloren. Langes Fotografien sind in dem Buch "An American Exodus" versammmelt, unterlegt von Zitaten der Fotografierten, die ihr Ehemann, der Agrarökonom Paul Taylor gesammelt hatte. Das Buch "lässt uns die frühen Ruinen des amerikanischen Kapitalismus und die von ihm verwüsteten Körper sehen und fast hören. Die Kombination von Bildern und Worten - wobei die Worte die Stimmen der porträtierten Personen waren und nicht die autoritative Stimme des Künstlers, Kurators oder Herausgebers - war eine Möglichkeit, die Dokumentarfotografie als ein Vehikel für eine Vielzahl von Stimmen zu verstehen. In gewisser Weise nimmt Langes Methode die zeitgenössischer Journalisten wie Swetlana Alexijewitsch vorweg: Ihre Dokumentationsart hat eine chorische Qualität - eine Sammlung von Stimmen, die in verschiedenen Tönen und mit unterschiedlichen Texturen über ein gemeinsames Anliegen sprechen."

Elet es Irodalom (Ungarn), 06.11.2020

Der Medizinhistoriker, Autor und Übersetzer László András Magyar sieht mit der schwindenden Leselust wesentliche Errungenschaften und Werte gefährdet. "In der bunten Welt der gedruckten Bücher mussten nicht nur die Autoren über gewisse Kompetenzen verfügen, sondern auch die Leser, damit es zu einer Kommunikation zwischen den beiden kommen konnte. Zum Beispiel musste der Schriftsteller schreiben und der Leser lesen können. (Das heißt, er musste auch Texte verstehen, die länger als fünf Zeilen waren). Diese Vorbildung ist für das Internet nicht mehr notwendig und die Situation wird sich nur verschlechtern, wenn die Bildinformationen den Platz der Textinformationen übernehmen. (…) Wer sich ans Klicken, ans Bildschirmwischen, an Instagram und YouTube gewöhnt hat, der wird keine dreihundert Seiten lesen, denn er wird es nicht können, egal, wie ihm die Buchstaben serviert werden. Insbesondere dann, wenn in seiner Umgebung niemand mehr ist, den er lesen sieht. Aber das erschreckendste ist, dass mit dem gedruckten Buch auch dessen Geschenke verschwinden werden: das Individuum, das Wissen und die Freiheit."

London Review of Books (UK), 09.11.2020

Voller Verehrung schreibt Ferdinand Mount über den unendlich großherzigen Gewerkschaftsführer und Labour-Politiker Ernest Bevin, einen entschlossenen, aber undogmatischen Sozialisten, der bereits unter Churchill Arbeitsminister wurde, unter Clement Attlee Außenminister blieb und gegen den Morgenthau-Plan von Churchill und Roosevelt Deutschlands Wiederaufbau durchsetzte. Sehr lesenswert also Andrew Adonis' Biografie, nur ihren Untertitel "Labour's Chuchills" findet Mount irreführend: "Tatsächlich kann man sie kaum zwei unterschiedlichere Männer vorstellen, und zwar nicht nur weil einer der Erbe eines Herzogtums war und der andere der Erbe von nichts. Bevin war unendlich loyal gegenüber den großen Gewerkschaften, die er selbst geschaffen und zwanzig Jahre lang geführt hatte, gegenüber der Labour-Party und Clement Attlee (gegen den andere nicht aufhörten zu intrigieren). Churchill dagegen war notorisch selbstsüchtig und auf schnellen Gewinn aus. Er verließ erst die Konservativen, dann die Liberalen, und zurück bei den Konservativen war er nur in seiner Illoyalität beständig. 'Jeder kann einmal Vereinbarungen brechen', soll er Hände reibend erklärt haben, 'aber man braucht schon Raffinesse, um es wieder zu tun'. Niemand, der sich ernsthaft mit Churchill beschäftigt, kann seine Freude an der Gewalt gegenüber Herausforderern ignorieren. 'Nichts in der Welt bekommt mich aus diesem grandiosen, köstlichen Krieg heraus', sagte er 1915 zu Margot Asquith. Bereits 1917 träumte er von Massenbombardements auf die Zivilbevölkerung, probierte sie 1920 im Irak aus und machte sie zur Politik der Alliierten, sobald er 1940 an die Macht kam. Bevin dagegen opponierte gegen den Ersten Weltkrieg, wollte aber auch Mussolini und Hitler entschlossen Widerstand leisten."

Science (USA), 06.10.2020

Gretchen Vogel zieht eine sehr lesenwerte und ausführliche Bilanz des schwedischen Ansatzes in der Coronakrise, der durch seine Lockerheit im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern stand. Die Politik des schwedischen Gesundheitsamts Folkhälsomyndigheten (FoHM) unter Anders Tegnell führte zu ungewöhnlich heftigen Debatten in dem so sehr auf Konsens bedachten Land, schreibt sie. Ein "Vetenskapsforum Covid-19" (Wissenschaftsforum) aus Dutzenden Medizinern hat schon im April eine scharfe Kritik der offiziellen Politik veröffentlicht: "Sie besagte, dass der Preis für Schwedens Laissez-faire-Politik zu hoch war. Die kumulierte Sterberate seit Beginn der Seuche nähert sich der der Vereinigten Staaten mit ihrer chaotischen Politik an. Und das Virus hat bei den Verletzlichsten eine schockierende Ernte eingefahren. In Pflegeheimen, wo innerhalb von Wochen tausend Menschen starben, hatte es freies Spiel. Stockholms Pflegeheime verloren 7 Prozent ihrer 14.000 Bewohner an das Virus. Die große Mehrheit von ihnen wurde nicht ins Krankenhaus gebracht. Obwohl die Infektionen im Sommer zurückgingen, machen sich Wissenschaftler Sorgen über eine neue Welle im Herbst. Die Fallzahlen steigen im Großraum Stockholm, wo fast ein Viertel der Bevölkerung lebt, sehr schnell." Laut Vogel waren die Sterberaten in Großbritannien allerdings noch wesentlich höher, dafür waren die Zahlen in Norwegen oder Dänemark nicht annähernd mit den schwedischen vergleichbar.
Archiv: Science
Stichwörter: Coronakrise, Schweden

New Yorker (USA), 16.11.2020

In einem Artikel des aktuellen Hefts folgt Rebecca Mead zwei Schatzsuchern aus Südwales. Unterwegs mit ihren Metalldetektoren in den King's Hall Hills fanden die beiden einen kostbaren Goldschatz der Wikinger, wurden aber leider nicht froh damit, sondern zu mehreren Jahren Haft verurteilt, nachdem sie den Fund nicht gemeldet hatten und Teile davon verschwinden ließen. Fluch statt Segen: "Der Begriff 'Schatz' beinhaltet alles, von der religiösen Reliquie bis zur Piratenschatztruhe. Aber im britischen Recht ist die Bedeutung eine spezifische: Der Treasure Act von 1996 definiert einen Schatz als Objekt jeder Art, das älter als dreihundert Jahre und zu mindestens zehn Prozent aus Gold oder Silver besteht. Weil einzelne Münzfunde recht häufig sind, sind sie von dieser Regel ausgenommen, egal wie rar oder kostbar sie sind. Mehrere Münzen an einem Ort jedoch sind ein Schatz, und der Finder ist verpflichtet, den Fund zu melden … Nicht nur hatten die beiden Männer den Schatz im Wert zwischen vier und fünfzehn Millionen Dollar von Lord Cawleys Grund und Boden entwendet, sie hatten auch die Öffentlichkeit um ihr Erbe und die Bewohner von Herfordshire um Erkenntnisse gebracht, die der Fund über das Königreich Merzien im neunten Jahrhundert ermöglicht hätte. Darüber hinaus beschädigten sie den Ruf der Metalldetektor-Community, die die Verurteilung der Schatzsucher begrüßte."

In einem anderen Beitrag stellt Peter Schjeldahl den Künstler Sam Gilliam vor, der in den 60ern bekannt wurde und dessen Arbeiten sehr subtil um schwarze Identität kreist: "Gilliams Rezeption war bestimmt von unbewusster Herablassung und kompensatorischer Nachsicht. Bei Gilliam umso irritierender, dessen Kunst seine Identität nicht zu thematisieren schien … Gilliam ist ein Formalist durch und durch, sucht nach Bedeutung in Nuancen des Formats, der Farbe, der Textur und anderer technischer Gegebenheiten seines Mediums: Mainstream in der Tat - im Vergleich zur ambitionierten Kunst der 60er. Möglich, in Gilliams Comeback so etwas wie soziale Gerechtigkeit zu sehen, aber es ist viel mehr: Die Gelegenheit, die Reste der getrennten Sichtweise auf weiße Künstler hier und schwarze dort zu beseitigen."
Archiv: New Yorker

Forum24 (Tschechien), 09.11.2020

Pavel Šafr unterhält sich mit der tschechischen Opernsängerin Dagmar Pecková, die bei den Prager "Milion chvílek pro demokracii"-Demonstrationen die tschechische Nationalhymne sang. Die überwiegend in Deutschland lebende Mezzosopranistin hat die generelle Befürchtung, die Coronakrise werde den bereits bestehenden Trend noch verstärken, dass die Kultur sich finanziell selber tragen muss. "Keiner bemerkt, dass die Theater (oder Orchester) dadurch gezwungen sind, auf ein mehr unterhaltendes als bildendes Repertoire zurückzugreifen. Das Publikum gewöhnt sich so an eine bestimmte Einfachheit der Wahrnehmung, und sobald es sich um einen nur etwas schwierigeren oder weniger populären Komponisten handelt, kriegen die Theater ihre Plätze nicht voll. Das ist ein Teufelskreis. Und wenn viele Theater schon vorher dieses Problem hatten, will ich diese Art von 'Kulturrevolution' gar nicht erst nach der Pandemie erleben."
Archiv: Forum24
Stichwörter: Coronakrise

Wired (USA), 02.11.2020

"Mostly Harmless" nannte sich ein Hiker, der ohne digitale Hilfsmittel vom Norden der USA entlang der Ostküste bis nach Florida kommen wollte. Dort in den Sümpfen wurde 2018 seine Leiche entdeckt - Todesursache unbekannt. Auch eine Identifizierung war nicht möglich. Eventuell kann nun ein Gentech-Unternehmen namens Othram entscheidende Hinweise liefern, schreibt Nicholas Thompson: Dort wurde vor kurzem eine Gewebeprobe sequenzialisiert. "Um Mostly Harmless zu identifizieren, muss das Othram-Team seine Geninformationen mit denen anderer Leute abgleichen. Dies geschieht über einen Dienstleister namens GEDMatch und dessen Datenbank von DNS-Proben, die Leute freiwillig abgegeben haben, um ihrerseits auf Hoffnungen und Fragen Antworten zu finden - sie suchen eine verlorene Halbschwester oder nach Hinweisen auf ihren Großvater. Für die Ermittlungsbehörden stellt diese DNS-Sammlung geradezu ein Füllhorn dar. Jede neue Probe entspricht einem weiteren neuen Buch in einer Bibliothek, das durchsucht und ausgewertet werden kann. Es war diese Technologie, die es den Ermittlern im kalifornischen Contra Costa County im Frühjahr 2018 ermöglichte, den Golden State Killer zu überführen, indem sie eine DNS-Probe des Mörders mit GEDMatch-Proben von Verwandten abglichen. ... Just in diesem Moment arbeiten sich die Datenanalysten auf der Suche nach Mustern durch alle DNS-Proben, die bei GEDMatch hinterlegt sind, um die Kreise um die Identität von Mostly Harmless enger zu ziehen. Sie arbeiten derzeit wahrscheinlich daran, einen Stammbaum zu erstellen. Angenommen, sie finden jemanden in den Datenbanken, dessen DNS nahelegt, dass es sich um einen Cousin vierten Grades handelt, und dann vielleicht noch jemanden, der ein Cousin dritten Grades zu sein scheint. In welcher Verbindung stehen diese beiden Personen? Mithilfe dieser langsamen, sorgfältigen Analyse sind sie in der Lage, sich einer Antwort anzunähern."
Archiv: Wired
Stichwörter: Dna-Analysen, Gentechnik