Magazinrundschau - Archiv

Science

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 26.01.2026 - Science

Das Forscherteam des Leonardo da Vinci DNA Projects (LDVP) vermutet, auf der Rötelzeichnung "Heiliges Kind" Leonardo da Vincis DNA-Spuren gefunden zu haben: Vorsichtig wurden Abstriche der Zeichnung gemacht und mit Briefen eines Verwandten aus dem 15. Jahrhundert verglichen, berichtet Richard Stone. Unabhängige Wissenschaftler melden zwar Zweifel an, aber "die Bemühungen von LDVP 'öffnen nicht nur ein neues Fenster, es eröffnet eine ganz neue Welt' für die Authentifizierung von Kunst, sagt Chemiker Stefan Simon, Direktor des Rathgen Research Laboratory an den Nationalen Museen in Berlin, der nicht mit dem Projekt verbunden ist. Die LDVP-Mitglieder hoffen, dass ihre Ergebnisse die Hüter von Leonardos Kunstwerken und Notizbüchern überzeugen werden, weitere Probenahmen zu ermöglichen. Die Identifizierung von Leonardos DNA könnte nicht nur dazu beitragen, den Ursprung umstrittener Stücke wie Heiliges Kind festzuhalten, sondern sie könnten auch auf biologische Merkmale hinweisen, die sein Genie untermauern, obwohl einige Wissenschaftler sich widersetzen, seine Fähigkeiten an seine Gene zu knüpfen. (...) Doch einiges von dem, was Leonardo einzigartig machte, scheint in der Biologie verwurzelt zu sein. Seine außergewöhnliche Fähigkeit, zum Beispiel subtile Verschiebungen von Licht und Bewegung einzufangen, deutet seit langem auf außergewöhnliche Sehschärfen hin." Unter anderem soll jetzt DNA von lebenden Nachfahren der Familie analysiert werden: "Leonardos Vater, Ser Piero da Vinci, war ein erfolgreicher Beamter in Florenz - und er hatte mindestens 23 Kinder mit mehreren Frauen. Alessandro Vezzosi, Direktor des Museo Ideale Leonardo da Vinci, und die Genealogin Agnese Sabato von der Leonardo da Vinci Heritage Association haben Pfarrbücher, Testamente und Urkunden durchgesehen, um Leonardos väterliche Linie zu rekonstruieren, von der Geburt seines Großvaters im Jahr 1331 bis heute. In einem 400-seitigen Band, der im Mai 2025 veröffentlicht wurde, verfolgte das Duo vier ununterbrochene männliche Linien, die von Ser Piero da Vinci stammen und 21 Generationen umfassen. Sie identifizierten 15 lebende männliche Nachkommen (jetzt 14, nachdem einer im Dezember gestorben war). Später in diesem Monat wird Caramellis Team die DNA von mehreren von ihnen sequenzieren."

Magazinrundschau vom 26.10.2021 - Science

Hunde gelten als wahre Wunderwaffen, wenn es darum geht, ungeklärte Mordfälle anhand von Geruchsspuren aufzuklären. Mitunter kann die Aussage eines Hundeführers über Schuld- oder Freispruch entscheiden. Doch in jüngster Zeit häufen sich gut begründete Zweifel, schreibt Peter Andrey Smith. "Australische Daten belegen, dass die Polizei 10211 mal von nach Drogen schnüffelnden Hunden Signale bekamen. 74 Prozent der Fälle stellten sich als falscher Alarm heraus. ... Zwar gibt es dazu keine erschöpfende Datengrundlage, doch nach dem National Registry of Exonerations, einem Projekt der University Michigan Law School, wurden mindestens 17 Unschuldige wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem durch einen Schnüffelhund gewonnene Beweise sie irrtümlich hinter Gitter gebracht hatte. ... Die Anwälte Fabrican und Delger argumentieren, dass das Verhalten eines Hundes die Erwartungen seines Führers spiegeln könnten, und berufen sich damit auf eine Studie der Tierkognitionsforscherin Lisa Lit, damals an der UV Davis, aus dem Jahr 2011. Lit fand heraus, dass die Führer ihren Hunde unwissentlich Signale gaben, falsche Indikationen zu erstellen. In einem Experiment legte Lit jeden Morgen Beweistaschen mit Cannabis und Schießpulver vor und erklärte 18 Teams, dass diese Zielgerüche in einer Kirche aufzufinden sein könnten. Allerdings war die Kirche nicht entsprechend präpariert. Dennoch indizierten die Hunde in 85 Prozent aller Fälle positiv. ... Hundeführern mag es tatsächlich unmöglich sein, solche Beeinflussungen zu vermeiden, argumentierten Fabricant und Delger in ihrem Versuch, die Aussage eines Hundeführers im Redwine-Fall zu unterbinden. Ein Hund ist 'als Tier ein treuer Begleiter mit einem ausgeprägten Interesse daran, seinem Herren zu gefallen', sagten sie. Hinzu kommt: Hunde sind gerissene Beobachter unwillentlich ausgesendeter menschlicher Signale und unbeabsichtigter Hinweise. Sie beobachten die Gesichter von Menschen genau, insbesondere ihre Augen."
Stichwörter: Kriminologie, Hunde, Geruch, Cannabis

Magazinrundschau vom 10.11.2020 - Science

Gretchen Vogel zieht eine sehr lesenwerte und ausführliche Bilanz des schwedischen Ansatzes in der Coronakrise, der durch seine Lockerheit im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern stand. Die Politik des schwedischen Gesundheitsamts Folkhälsomyndigheten (FoHM) unter Anders Tegnell führte zu ungewöhnlich heftigen Debatten in dem so sehr auf Konsens bedachten Land, schreibt sie. Ein "Vetenskapsforum Covid-19" (Wissenschaftsforum) aus Dutzenden Medizinern hat schon im April eine scharfe Kritik der offiziellen Politik veröffentlicht: "Sie besagte, dass der Preis für Schwedens Laissez-faire-Politik zu hoch war. Die kumulierte Sterberate seit Beginn der Seuche nähert sich der der Vereinigten Staaten mit ihrer chaotischen Politik an. Und das Virus hat bei den Verletzlichsten eine schockierende Ernte eingefahren. In Pflegeheimen, wo innerhalb von Wochen tausend Menschen starben, hatte es freies Spiel. Stockholms Pflegeheime verloren 7 Prozent ihrer 14.000 Bewohner an das Virus. Die große Mehrheit von ihnen wurde nicht ins Krankenhaus gebracht. Obwohl die Infektionen im Sommer zurückgingen, machen sich Wissenschaftler Sorgen über eine neue Welle im Herbst. Die Fallzahlen steigen im Großraum Stockholm, wo fast ein Viertel der Bevölkerung lebt, sehr schnell." Laut Vogel waren die Sterberaten in Großbritannien allerdings noch wesentlich höher, dafür waren die Zahlen in Norwegen oder Dänemark nicht annähernd mit den schwedischen vergleichbar.