Magazinrundschau

Die Leute wollen Brot, Würde und Freiheit

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Freitag Mittag
21.02.2014. Keine Region hat unter Hitler und Stalin so schwer gelitten wie die Ukraine, erläutert Timothy Snyder in Télérama. Mac McClelland berichtet im Magazin der NYTimes aus einem türkischen Lager für syrische Flüchtlinge. In Guernica erklärt Masha Gessen, warum sie aus Russland ausgewandert ist. Nepszabadsag informiert über die Kontroverse über das ungarische Holocaust-Gedenkjahr. Und Chapati Mystery präsentiert pakistanischen Rap.

New Republic (USA), 10.02.2014

In The New Republic erzählt Paul Berman die erstaunliche Geschichte der ersten schwarzen Sklavin, die eine Autorin wurde. Ihr Buch, "The Bondwoman's Narrative", trug die Unterzeile: von "Hannah Crafts, einer Sklavin, die kürzlich aus North Carolina geflohen war." Das Originalmanuskript war 2002 von Henry Gates jr. ersteigert und - mit einem ausführlichen Vorwort versehen - veröffentlicht worden. Inzwischen hat ein Professor namens Gregg Hecimovich Dokumente gefunden, die nahe legen, dass die Autorin Hannah Bond hieß, Sklavin der Wheeler Familie in North Carolina war und nach ihrer Flucht bei einer Familie namens Crafts lebte. Berman ist entzückt: "Zusätzliche Informationen über die Autorin und ihre Lebensumstände werden zweifellos noch erscheinen. Ich kann zu meiner Freude mitteilen, dass mir einige dieser Informationen zufällig vor die Füße fielen, wie Kokosnüsse oder Mangos. Das war vor Jahren, als ich noch Reporter in Nicaragua war. Diese Informationen betreffen Hannah Bonds letzten Sklavenhalter, John Hill Wheeler, und nach meiner Einschätzung liefern sie einen Einblick in den mysteriösesten Teil ihrer Großtat: Wie konnte jemand, der aus so bescheidenen Verhältnissen kommt, die literarische Finesse und den Ehrgeiz entwickeln, 'The Bondwoman's Narrative' zu schreiben? Diese Frage betrifft jeden einzelnen zum Erzähler gewordenen Sklaven, auch wenn vielleicht nie so dramatisch wie in diesem besonderen Fall."
Archiv: New Republic

New York Times (USA), 13.02.2014

Für das Magazin der NYTimes liefert Mac McClelland einen interessanten Bericht aus dem von der türkischen Regierung in Eigenregie betriebenen Flüchtlingslager in Kilis an der Grenze zu Syrien. Das Camp mit 14.000 "Gästen", wie es laut des von der Türkei unterzeichneten Flüchtlingsabkommens von 1951 heißt, ist sauber und ordentlich wie eine Vorortsiedlung. Es verfügt über reichlich Straßenlaternen, Supermarkt, Satellitenfernsehen, Internet, Kindergarten und Spielplätze, die wie von McDonald's hingestellt aussehen. Ein Ort zum Glücklichsein? Die ideale Lösung? Weder noch. Eher noch erleichtern solche Camps die staatliche Kontrolle: "Massive Integrationsprobleme sind der wahre Grund, warum viele Flüchtlinge in den Camps bleiben. Hier wird ihnen geholfen. Allerdings können sie auf andere Weise 'verloren gehen'; sie leben in einem dauernden Zustand der Unsicherheit … Je länger ein Flüchtling in einem Camp bleibt, desto prekärer die psychologische Situation … Andererseits lässt der relative Komfort es weniger dringend erscheinen, nach sinnvollen und nachhaltigen Lösungen zu suchen." Laut besagtem Abkommen soll eine solche Lösung u. a. das Recht auf Arbeit, Obdach, Reisefreiheit und staatliche Fürsorge beinhalten.

Laura Poitras und James Risen berichten, dass auch eine amerikanische Anwaltsfirma vom australischen Counterpart der NSA abgehört wurde. Das gehe aus Dokumenten von Edward Snowden hervor: "Die Enthüllung gewährt einen seltenen Einblick in einen spezifischen Fall, in dem Amerikaner von den Abhörern umgarnt wurden. Er ist von besonderem Interesse, weil amerikanische Anwälte mit Klienten im Ausland die wachsende Sorge bekundet hatten, dass ihre vertrauliche Kommunikation kompromittiert werden könnte. Laut dem Dokument vom Februar 2013 hatte die Regierung Indonesiens die Anwaltskanzlei um Hilfe bei Handelsgesprächen ersucht. Das australische Pendant zur NSA, das Australian Signals Directorate, benachrichtigte daraufhin die Agentur, dass es die Gespräche überwachen würde, inklusive der Kommunikation zwischen indonesischen Politikern und der amerikanischen Kanzlei, und bot an, die gewonnenen Informationen weiterzugeben."

New Humanist (UK), 14.02.2014

In einem längeren Essay zum 25. Jahrestag der der Morddrohung gegen Rushdie zieht Kenan Malik die Konsequenzen: "Dank der Fatwa wurde die Rushdie-Affäre zum wichtigsten Streit über Meinungsfreiheit der modernen Zeit. Sie wurde zu einer Wasserscheide in Bezug auf unsere Einstellung zu diesem Wert. Rushdies Kritiker verloren eine Schlacht - die 'Satanischen Verse' sind nach wie vor in Umlauf. Aber sie gewannen einen Krieg. Das innerste Argument des Rushdie-Falls - dass es moralisch inakzeptabel ist, andere Kulturen zu beleidigen - ist nun weithin verinnerlicht." Sein Beispiel ist der Rückzug von Wendy Donigers Buch "The Hindus: An Alternative History" nach Protesten in Indien (hier unser Linkdossier zum Thema).
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Archiv: New Humanist

Forbes (USA), 19.02.2014

Parmy Olson erzählt die Rags-to-Riches-Story des Ukrainers Jan Koum und seiner 19-Milliarden-Dollar-Erfindung WhatsApp. Obwohl sich der Dienst, der ursprünglich zur Übermittlung von Statusmeldungen - nicht Nachrichten - konzipiert war, nach der Gründung im Jahr 2009 rasant verbreitete, waren die Anfänge doch so hart, wie es sich für ein Startup gehört: "Durch Beziehungen, die sie noch aus ihrer Zeit bei Yahoo hatten, kamen sie an ein paar Büroräume, die das IT-Unternehmen Evernote in einer umgebauten Lagerhalle untervermietete. Sie arbeiteten an billigen Ikea-Tischen und wickelten sich gegen die Kälte in Decken ein. Ein WhatsApp-Schild an der Tür gab es nicht. 'Ihre Anweisungen lautete: Finde das Evernote-Gebäude. Gehe ums Gebäude herum. Finde eine ungekennzeichnete Tür. Klopfe.', erinnert sich Michael Donohue, einer von WhatsApps ersten Programmierern, an sein Vorstellungsgespräch."
Archiv: Forbes
Stichwörter: Ikea, Jan Koum, WhatsApp, Yahoo

3 quarks daily (USA), 25.01.2014

Westliche Kritiker und Akademiker lieben es, Rap in islamischen Ländern als politisch, klassenbewusst und kontrovers zu beschreiben - so wie er in den Achtzigern in Amerika von Ice Cube, NWA oder Public Enemy produziert wurde. Alles Quatsch, meint der pakistanische Autor Hamzah Saif, der mit einer Reihe von Rappern gesprochen hat, in Chapati Mystery. Pakistans Rapper lieben kommerziellen Rap und ihr Held heißt Eminem. Das lag vor allem an seiner direkten Sprache, glaubt Saif und verweist auf den Erfolg des ersten kommerziellen Albums von Bohemia, das 2006 erschien. Auf Punjabi! "Wenn Urdu die Sprache der Macht und Privilegien ist, dann ist Punjabi die machtvolle Sprache der Straße. Und die Straße war der Ort, wo Lyrics den Rap platzierten. Für viele Jugendliche aus der Mittelklasse, denen der mit Urdu verbundene Elitismus nichts bedeutet, ist Punjabi nicht nur die einzige Sprache, die zu Hause gesprochen wird, sondern auch der Slang unter ihren Freunden und die Wortgeplänkel mit dem Obstverkäufer und dem Busfahrer. Und diesen Teil der Bevölkerung erreichte Bohemias Punjabi, seine Lyrics eigneten sich gut für die wachsende Punjabiness-Bewegung in Pakistan, vor allem die hypermaskulinen Geschichten."

Hier ein Video von Bohemia:

Stichwörter: Ice Cube, Public Enemy, Rap

Monde diplomatique (Deutschland / Frankreich), 14.02.2014

Günter Seufert wirft einen Blick auf die immer mächtiger werdende Bewegung des Fethullah Gülen, die islamische Frömmigkeit und säkulare Bildung verbindet. Dass die Bewegung in Justiz und Verwaltung so viel Einfluss gewinnen und etwa die Korruptionsermittlungen gegen Erdoğan Regierung durchführen konnte, erklärt Seufert denn auch mit der viel besseren Ausbildung ihrer Kader. "Die aktuelle Auseinandersetzung hat zwei Dimensionen. Sie ist vor allem eine Konkurrenz um von der Regierung zu verteilende Ressourcen, also um Posten in Bürokratie und Parlament, um Staatsaufträge, Bauland und wirtschaftliche Subventionen. Zugleich treten politische Differenzen zwischen der AKP und der Gülen-Bewegung immer klarer zutage, vom Umgang mit der Kurdenfrage bis zur Außenpolitik. Gut und Böse sind bei dieser Konfrontation schwer zu bestimmen. Auf der einen Seite steht eine demokratisch gewählte und damit politische legitime Regierung, die dabei ist, alle rechtsstaatlichen Grundsätze über Bord zu werfen; auf der anderen Seite die klandestin organisierten Kader einer Bewegung, die mit der Aufdeckung von Korruptionsfällen und prowestlicher Rhetorik punkten will."

Außerdem: Kenan Malik gibt zu bedenken, dass vielleicht nicht die Einwanderung den sozialen Zusammenhalt gefährdet, wie britische Konservative glauben machen wollen, sondern dreißig Jahre neoliberale Politik. Gérard Prunier berichtet aus dem Südsudan, der seine Hoffnung auf eine demokratische Entwicklung gerade beerdigen kann.

Nepszabadsag (Ungarn), 15.02.2014

Der Zusammenschluss der jüdischen Gemeinden in Ungarn hat beschlossen, das ungarische Holocaust-Gedenkjahr zu boykottieren und staatliche Gelder zur Verwirklichung der Programme selbst nicht in Anspruch zu nehmen. So reagiert die Organisation auf die erinnerungspolitischen Entscheidungen der Regierung über das Mahnmal der deutschen Besatzung, das Haus der Schicksale, sowie auf die Äußerungen des Direktors des neuen historischen Instituts Veritas, Sándor Szakály, der die Deportation von Juden aus Ungarn im Jahre 1941 - vor der deutschen Besatzung - in einem Interview als 'fremdenpolizeiliche Maßnahme' bezeichnete. Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder solidarisiert sich in einem offenen Brief und appelliert gleichzeitig an die ungarische Regierung ihre Pläne zu überdenken. Das Schreiben wurde in der Wochenendausgabe von Népszabadság veröffentlicht: "Es ist besorgniserregend, dass die ungarische Regierung widersprüchliche Botschaften in die Welt sendet: Mal erkennt sie die Verantwortung bei der Deportation der Juden an, gleichzeitig billigt sie ein verletzendes Mahnmal, das die jüdische Gemeinschaft nur als Ohrfeige interpretieren kann. Mit den Versuchen der Rehabilitierung von Miklós Horthy ist das entstandene Gesamtbild über Ungarn in Amerika, Europa und Israel negativ."
Archiv: Nepszabadsag

Harper's Magazine (USA), 10.02.2014

Aaron Gilbreath ist ein großer Jazzfreund und ein großer Freund der Romane von Haruki Murakami, der ebenfalls ein großer Jazzfreund ist und über Jahre in Tokio einen Jazzclub betrieb. Vor einer Tokio-Reise hat Gilbreath die Adresse dieses Clubs gesucht, die nicht einfach zu finden war! "Leider schien niemand die Adresse zu kennen", erzählt er, "weder Murakamis Übersetzer noch der Fan, der das Blog Haruki Murakami Stuff betreibt. Ich verglich die Google-Map-Bilder von Zentral-Tokio mit einem Satellitenbild einer japanischen Website. Ich klickte zu Street View und suchte Block für Block ab, um das Gebäude zu finden, dessen Foto ich in dem Blog A Geek in Japan gesehen hatte. Endlich war es da - ein düsteres dreistöckiges Gebäude..."


Zum Jazz bekehrt wurde Murakami durch ein Konzert Art Blakeys und seiner Jazz Messengers in Tokio - und zwar in jenem Line Up, in dem die Band auch in San Remo auftrat:


Stichwörter: Haruki Murakami, Tokio

Guernica (USA), 03.02.2014

Die Journalistin Masha Gessen hat offen wie kaum jemand anderes in Russland Kritik an Putin und der Regierung geübt. Als im vergangenen Jahr die Gesetzte gegen "homosexelle Propaganda" verabschiedet wurden, entschied sich Gessen jedoch, von Moskau nach New York zu ziehen - als lesbische Mutter hätte ihr das Sorgerecht für ihre drei Kinder entzogen werden können. Im Interview mit Meara Sharma berichtet sie in Guernica, wie diese Gesetze das gesellschaftliche Klima verändern: "Sie zementieren soziale Ungleichheit, weil sie es illegal machen, soziale Gleichheit einzufordern. Die Verbraucherbehörde, die für die Durchsetzung der Gesetze zuständig ist, hat eine Broschüre herausgebracht, wie sie zu interpretieren sind. Demzufolge ist jede neutrale oder positive Darstellung von homosexuellen Beziehungen oder nichttraditionellen Familien verboten. Genauso verboten - und das ist interessant - ist die negative Darstellung von heterosexuellen Beziehungen. Ganz nebenbei hat das Gesetz damit also auch jegliche Diskussion über häusliche Gewalt abgewürgt."
Archiv: Guernica

Telerama (Frankreich), 19.02.2014

Die Ukrainer pflegten im Gegensatz zu gewissen russischen Kreisen kein nostalgisches Verhältnis zum Stalinismus, erklärt der amerikanische Historiker Timothy Snyder in einem Gespräch mit Télérama auf die Frage, ob die schmerzvolle Geschichte des Landes - Hungersnöte in den dreißiger Jahren, massive Deportationen zwischen 1945 und 1946 - eine Rolle für die aktuellen Ereignissen spielten. "Und zwar aus dem einfachen Grund, dass diese Periode für die Ukraine viel grausamer war als für Russland. Die Ukraine hat unter dem Stalinismus und dem Naziregime zwischen 1933 und 1945 mehr gelitten als jede andere Region, und die Verluste an Menschenleben waren ungeheuerlich. Das hat Spuren hinterlassen und erklärt den tief verwurzelten Wunsch nach einem normalen Leben."
Archiv: Telerama

London Review of Books (UK), 20.02.2014

Hazem Kandil versucht zu rekapitulieren, wie sich Ägypten drei Jahre nach der Revolution, nach der Herrschaft der Muslimbrüder und dem Putsch des Militärs zum härtesten Polizeistaat seit Nasser entwickeln konnte: "Ägyptens für kurze Zeit machtvolle Bürger mussten erleben, wie ihre Intervention beinahe den Weg zu einem islamischen Faschismus geebnet hätten, und nun, da das Desaster abgewendet ist, lassen sie die politischen Machthaber lieber unkontrolliert agieren. Mubarak warnte, dass die Alternativen zu seiner Herrschaft Islamismus oder Chaos sein würden. Beides wurde ausprobiert und abgelehnt. Die Leute wollten Brot, Würde und Freiheit, deshalb scheuten sie vor den Tagträumern von 2011 zurück und hefteten ihre Hoffnungen auf einen Nasser vom Nil. Wenn nur Abdel Fattah al-Sisi als Präsident installiert werden könnte, wären all ihre Probleme vorbei. Die Krönung eines Feldmarschalls wurde zu der Schlacht, die die Bürger entschlossen waren zu gewinnen."

Außerdem in der LRB: Daniel Soar liest mit Angehaltenem Atem den Bericht des Guardian-Reporters Luke Harding über die "Snowden Files" und lernt, warum sich die Briten nicht über die Affäre aufregen und wie die iPhone-Plugins heißen, mit denen die Geheimdienste übers Handys Gespräche abhören. Mary Beard erzählt, wie Frauen in der Öffentlichkeit zum Schweigen gebracht wurden, seit Penelope in der "Odyssee" von ihrem Sohn Telemach den Mund verboten bekommen hat.

HVG (Ungarn), 18.02.2014

Der Direktor des Budapester Museums für angewandte Künste, Imre Takács, protestiert mit seinem Rücktritt gegen Verlegungen von öffentlichen Sammlungen. In der Wochenzeitschrift HVG spricht er mit Erna Sághy am Beispiel der geplanten Verlegung des Esterházy-Schatzes von Budapest in die Provinz von einem riskanten Vorhaben, das die Museumsarbeit an den Rand der Bedeutungslosigkeit bringen kann: "Die Verlegung ist ein verheerender wissenschaftlicher Irrtum. (...) Der Schatz wurde (aus dem heutigen Österreich) 1919 nach Budapest transportiert. Nach dem Fall der Räterepublik sagte Herzog Miklós Esterházy, dass der Schatz im Museum für angewandte Künste am besten aufbewahrt ist. (...) Das Esterházy-Schloss von Fertöd war für Haydn-Feierlichkeiten als Sommerpalast gebaut worden, der Schatz wurde dort nie aufbewahrt. (...) Er ist einer der zentralen Schätze des Landes, nur mit den Kronjuwelen vergleichbar. (...) Die Idee, eine solche Sammlung in eine provinzielle Umgebung zu bringen, ist erschreckend."
Archiv: HVG

Financial Times (UK), 14.02.2014

Simon Schama hat zwei neue Bücher über Israel gelesen: Anita Shapiras "wichtige, erschöpfende und gedankenreiche" Geschichte Israels, die leider, so Schama, in grauenvoll akademischer Prosa geschrieben ist, und Ari Shavits "My Promised Land: The Triumph and Tragedy of Israel", das Schama mit glühenden Ohren anpreist: "Selbst wenn Ihnen die Juden und die Araber bis hier stehen: dieses Buch wird Sie von den Füßen fegen mit seiner erzählerischen Kraft. Es wird Sie nicht loslassen, bis Sie es zu Ende gelesen haben. Es erinnert uns daran, dass die erste Pflicht des Historikers Selbstkritik ist und die zweite, philosophisch angereicherte Erzählkunst. Wie selten wird dieses Ziel erreicht."

Elet es Irodalom (Ungarn), 17.02.2014

Der in den USA lebende Architekt András Körner veröffentlichte bereits mehrere Bände über das Leben der Juden in Ungarn. Über sein neues Buch mit dem Titel "Hogyan éltek? A magyar zsidók élete 1867-1940" ("Wie lebten sie? Das Leben der ungarischen Juden 1867-1940", Corvina, Budapest, 2013, 229 Seiten) berichtet Tamás Schüttler. "In Folge der Erinnerungslücke wissen die heute lebenden Generationen mehr über die Vernichtung der ungarischen Juden als über ihr einstiges Leben, über ihre Rolle in der ungarischen Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, über die Eigenheiten ihrer Traditionsbewahrung und ihre schnelle Assimilierung. András Körner zeigt mit Hilfe seiner Familienfotosammlung und unterschiedlichen, das jüdische Leben dokumentierenden Archiven, wie die überaus vielfältige ungarisch-jüdische Gesellschaft lebte. (...) So wird das Buch nebenbei zu einer gesellschafts- und bildungshistorischen Studie."
Stichwörter: Jüdisches Leben