Magazinrundschau - Archiv

Harper's Magazine

24 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 3

Magazinrundschau vom 21.01.2020 - Harper's Magazine

In Brasilien erleben evangelikale Christen einen erheblichen Zulauf und das insbesondere aus dem Gang- und Drogendealer-Milieu, berichtet Alex Cuadros. Einerseits schwächt dies die kriminellen Strukturen und bietet vielen Kriminellen neuen Halt. Andererseits erlebt das Land durch den oft missionarischen Eifer derjenigen, die den Glauben neu für sich entdeckt haben, neue Gewaltexzesse: Einem Pastor etwa "geht es auch darum, junge Männer von afro-brasilianischen Glaubensrichtungen wie Candomblé und Umbanda zu 'befreien'. Deren Geister, sagte er, seien Manifestationen des Feindes. Mit seinen Denunziationen steht dieser Pastor keineswegs alleine da. Der Niedergang der afro-brasilianischen Glaubensrichtungen ist nicht nur das Ergebnis gewandelter Vorlieben. Einige Gangmitglieder sehnen sich danach, ihre Hingabe zu Gott zum Ausdruck zu bringen, sind aber so sehr an die Sprache der Gewalt gewohnt, dass sie dieses Gerede von einem Feind als Erklärung eines Heiligen Kriegs verstehen. In den letzten Jahren häuften sich die eskalierenden Angriffe sogenannter 'Narcopentecostais' auf afro-brasilianische Tempel. Auch Warnvideos wurden gepostet. Eines davon zeigt einen mit Jesus-T-Shirt bekleideten Mann, der heilige Halsketten zerreißt, während ein anderer einen Tempelpriester fragt: 'Weißt du etwa nicht, dass der Herr deinen Aberglaube hier nicht wünscht? ... Wenn ich dich hier noch einmal erwische oder du versuchst, diesen Scheiß hier wieder aufzubauen, dann bringe ich dich um.' Die Opfer solcher Angriffe fürchteten sich davor, mit mir zu sprechen, obwohl ich ihnen zusagte, ihre Namen nicht zu veröffentlichen."

Magazinrundschau vom 17.12.2019 - Harper's Magazine

Man muss schon ganz schön schlucken bei dieser Geschichte: Im Netz gibt es inzwischen auch einen Markt für Mord, erzählt Brian Merchant, der für seine Reportage mit potentiellen Opfern, Tätern und Plattformbetreibern gesprochen hat. "Eine Schwelle wurde überschritten. Jahrelang sorgten 'Dark Net Hit Man'-Geschichten für gute Clickbait und wenig mehr. Erfahrene Technikjournalisten haben diese Geschichten nachdrücklich als Mythen entlarvt, denn das ist seit Jahren alles, was sie waren: Mythen und Angstmacherei. Aber die Tatsache, dass die Hits nicht stattfanden, war nie wirklich eine Frage der Technologie; es war eine Frage des Vertrauens. Es stand nie ernsthaft in Frage, dass die Technologie hinter dem dunklen Netz die Anonymität wahren und es den Nutzern ermöglichen könnte, sich ungehindert durch seine Seiten zu bewegen: sie kann es absolut. Deshalb greift das FBI auf altmodische Methoden zurück, um als Drogenkäufer, Kinderpornografen und Auftragskiller undercover auf Kriminellenfang zu gehen. Als das Dark web reifte, konnten Drogen- und Waffenkäufer dokumentieren, dass, jawohl, dieses Pfund Marihuana tatsächlich an meine Adresse geliefert wurde; jawohl, ich erhielt diese Glock, wie angekündigt. Die Benutzer verifizierten und begannen, diesen Märkten zu vertrauen. 'Im frühen Dark web war es beispielsweise unmöglich, das Horn eines echten Nashorns zu kaufen', erklärt Monteiro. 'Es waren alles Scherzartikel. Jetzt sind sie das nicht mehr.' Die Veränderung ist wichtig, aber wie sehr, kann man noch nicht sagen. Ein Mord wurde online beauftragt, und die Kryptowährung wechselte den Besitzer, völlig anonym. Die Mörder wurden erwischt, nicht weil sie ein Motiv hatten, sondern weil Überwachungskameras ihre Gesichter erfasst hatten."
Stichwörter: Dark Web, Anonymität

Magazinrundschau vom 14.05.2019 - Harper's Magazine

In einem Essay des Magazins stellt die Autorin Marilynne Robinson die alte, weiterhin aktuelle Frage, ob wir mit Armut leben müssen: "Die Automatisierung bedroht heute schon die Beschäftigung und dieser Trend wird sich beschleunigen. Wenn die Arbeitszeit und die Arbeitskraft immer billiger werden oder es keine Lohnempfänger mehr gibt, wer sollen dann die Abnehmer für die Produkte dieser Branchen sein? Was wird die Wirtschaft bestimmen, wenn der Massenkonsum nachlässt? Werden wir weniger in Schulen und mehr in Kryotechnik investieren? Werden wir philanthropisch oder sozialistisch von einer Regierungsklasse subventioniert werden, die sich darüber beschwert, was es für ein Land an Mühe bedeutet, es mit einer Bevölkerung zu tun zu haben? Jüngst durften wir lernen, dass Leute ohne eine andere Qualifikation als die, ungeheure Geldmengen aufgehäuft zu haben, oft mit fragwürdigen Mitteln, sich als die naturgemäß herrschende Klasse betrachten. Wir haben auch gelernt, dass es sich dabei um engstirnige, eigennützige Menschen ohne Kultur und Fantasie handelt, die dergleichen auch nicht schätzen, Menschen, die im Kampf von achthunderttausend beurlaubten Bundesangestellten bloß ein halbes Prozent des BIP erkennen. Wenn Eigentum, wie es bis jetzt gedacht wurde, den alleinigen Anspruch auf die von diesem Land im Lauf der Zeit erzeugte Wirtschaftskraft begründet, sollten wir Donald Trump dafür danken, dass er uns einen nachhaltigen Eindruck davon verschafft hat, was das bedeutet. Es ist bestimmt nicht das Amerika unserer Träume. Die kommende automatisierte Wirtschaft wird grundlegende Konsequenzen haben für jeden Aspekt unseres Lebens und wird uns vor harte Entscheidungen stellen, sofern wir uns daran erinnern, was ich sehr hoffe, dass wir als freie Menschen mit entscheiden können sollten, wie unser Land aussehen soll, für uns und für die Nachwelt. Macht und Geld, ob privat oder staatlich, kann zu einer desaströsen Beurteilung bedeutender Angelegenheiten führen. Umso mehr, je plutokratischer das System ist, je mehr der Eigennutz die Politik bestimmt. Wie jeder kluge Amerikaner weiß, bedeutet Öffentlichkeit Sicherheit. Wenn ihr die zentrale Rolle in der Gesellschaft streitig gemacht wird, riskieren wir, die Weisheit an die Dämonen der Macht, an Dummheit, List, Engstirnigkeit, zu verlieren. Wie immer sich unsere Welt verändern mag, wir müssen uns eine aufmerksame, entschiedene Öffentlichkeit bewahren. Es waren die Wähler, denen ihr Urteilsvermögen und seine  legitime Wirkung abgesprochen wurden, als unsere Wahl geraubt wurde."
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Magazinrundschau vom 19.03.2019 - Harper's Magazine

Rachel Nolan erzählt am Beispiel eines als Kind von einem belgischen Ehepaar adoptierten jungen Mannes, wie über Jahrzehnte Kinder illegal in Guatemala von Adoptionsanwälten und Menschenhändlern verschachert wurden. Kinder, die oft noch Eltern hatten, die ausgetrickst wurden. "Es gibt viele Menschen in Guatemala und im Ausland, die glauben, dass internationale Adoptionen überprüft werden sollten. Die bekannteste Vertreterin ist Elizabeth Bartholet, selbst Adoptivmutter von zwei Kindern aus Peru und Professorin an der Harvard Law School. Bartholet räumt ein, dass es einen gewissen Betrug bei der internationalen Adoption gibt, aber sie glaubt, dass die Antwort darin bestehen sollte, die Illegalität zu bekämpfen, nicht, wie sie es ausdrückte, 'die ganze Sache abzuschalten'. 'Es gibt einen hohen Preis, den die Kinder bezahlen müssen, denen Adoptiveltern verweigert werden und die typischerweise in Institutionen landen', sagte sie mir. Das Problem bei dieser Sichtweise ist, dass die meisten der aus Guatemala adoptierten Kinder keine Waisenkinder oder Straßenkinder waren, sondern von Adoptionsanwälten vermittelt wurden. Ein Journalist nannte die Vorstellung, dass die meisten internationalen Adoptierten Waisenkinder sind, 'die Lüge, die wir lieben'."
Stichwörter: Adoption, Guatemala

Magazinrundschau vom 05.03.2019 - Harper's Magazine

Lassen sich Märchen, Sagen und folkloristische Geschichten ähnlich erforschen wie genetische Stammbäume? Ferris Jabr jedenfalls stellt die Arbeit des Anthropologen Jamie Tehrani vor, der dies anhand von "Rotkäppchen" und einiger anderer als klassisch europäisch geltender Märchen getan und damit ganze Stammbäume von "Mythemen" - narrative Bruchstücke etablierter Geschichten - herausgeschält hat. "Tehrani hat 58 Varianten von 'Rotkäppchen' aus 33 Kulturen versammelt und sie in 72 essenzielle narrative Elemente zerlegt, darunter der Typus des Protagonisten (Einzelkind oder Geschwister, männlich oder weiblich), Tricks des Gegenspielers, ob der Protagonist verschlungen wird, ob er entkommt und so weiter. Mit diesen Daten fütterte er ein Computerprogramm, das auf Grundlage von Statistiken einen phylogenetischen Baum entwirft. Die Ergebnisse lieferten einer seit Jahrzehnten währenden Debatte über die Ursprünge von 'Rotkäppchen' neue Erkenntnisse: Den Archetypus des klassischen Märchens, mit dem weite Teile des Westens vertraut sind, bildet eine uralte, einst oral weitergegebene Geschichte in den ländlichen Regionen von Frankreich, Österreich und Norditalien. Folgt man einem anderen Zweig dieses Baums, entspringt die Geschichte der Baby-Ziegen, die von einem Wolf verschlungen werden, einer Aesopischen Fabel aus dem Jahr 400 vor Christus. Beide narrative Pfade verbinden sich irgendwann im 17. Jahrhundert in Asien mit einigen anderen lokalen Erzählungen zum Motiv der 'Tiger-Großmutter'. Inspiriert davon wandten Tehrani und seine Kollegin Sara Silva ähnliche Methoden auf 275 'magische Erzählungen' aus 50 Kulturen in Indien und Europa an. ... Tehrani und Silva stießen darauf, dass einige davon schon viel länger existierten als ursprünglich angenommen. 'Die Schöne und das Biest' und 'Rumpelstilzchen' etwa waren nicht nur ein paar hundert Jahre alt, wie einige Wissenschaftler zuvor angenommen hatten, sondern mehr als 2500 Jahre."

Magazinrundschau vom 05.02.2019 - Harper's Magazine

In Harper's zeigt sich Lionel Shriver entsetzt und empört über die feige Willfährigkeit, mit der Institutionen und Kulturmanager Künstler - und ihre Kunst - behandeln, denen man eine Verfehlung vorwirft: Ein Komiker soll unaufgefordert vor Frauen masturbiert haben, ein Schauspieler Kollegen sexuell belästigt haben, eine Komikerin setzt einen rassistischen Tweet ab - zack, schon sind die drei nicht nur ihre Jobs los, auch ihr Werk verschwindet. Serien, Filme, Kunstwerke werden aus den Archiven und Streamingdiensten entfernt. Shriver möchte das nicht mal für verurteilte Vergewaltiger wie Bill Cosby akzeptieren: "Der zeitgenössische Impuls, entehrte Schöpfer zurechtzuweisen, indem man ihre Werke vom Kulturmarkt verschwinden lässt, ist bösartig, rachsüchtig und unlogisch. Wenn man jemanden erwischt, der etwas Schlechtes tut, warum würde man dann ausradieren wollen, was er Gutes getan hat? Wenn Sie wegen Einbruchs verurteilt werden, wird der Richter keine Gerichtsvollzieher losschicken, um das Baumhaus, das Sie für Ihre Tochter gebaut haben, abzureißen und Säure auf Ihren selbstgemachten Kuchen zu gießen. ... Dieser Auslöschungsimpuls ist in erster Linie eine Folge von Terror: dass die umherziehende schwarze Wolke der Verleumdung jede Person oder Institution umhüllt, die sich an der Verbreitung des Werkes eines verunglimpfte Künstler beteiligt. Wenn du mitmachst und denjenigen anprangerst, der die Schandmaske trägt, wird sie dich vermutlich nicht streifen. Auslöschung ist auch eine Form des Umschreibens von Geschichte - ein populärer Impuls der letzten Zeit. In der überarbeiteten Version der Ereignisse sind wir diesen ekelhaften Kreaturen nie erlegen. In der historischen Neufassung war schon immer etwas faul an Bill Cosby; er war nie Amerikas Dad."

Magazinrundschau vom 26.06.2018 - Harper's Magazine

Kevin Baker lebt seit über vierzig Jahren in New York. Als er 1975 in die Stadt kam, war sie auf ihrem Tiefpunkt: die Finanzen lagen am Boden, die Kriminalitätsrate schoss durch die Decke, die Stadt war dreckig, baufällig, billig, lebendig. Und heute? "Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist New York, naja, langweilig." Schuld, so Baker in einem langen Essay, sind die Hauseigentümer, wie Dementoren saugen sie jedes urbane Leben aus der Stadt. "Letzten Juni zählte das Büro von Manhattans Bezirksbürgermeisterin Gale Brewer 188 leere Schaufenster entlang des Broadway - auf einer Hauptstraße in einer unglaublich reichen Stadt, die seit acht Jahren wirtschaftlich wächst." Und natürlich trifft es auch die "normalen" Mieter, die sich die Stadt nicht mehr leisten können: "Der New Yorker bemerkte 2016, dass es jetzt einen großen Teil von Midtown Manhattan gibt, von der Fifth Avenue bis zur Park Avenue, von der 49th Street bis zur 70th Street, wo fast jede dritte Wohnung mindestens zehn Monate im Jahr leer steht. New York ist heute kein zu Hause mehr. Stattdessen wurde es wie London und Hongkong zu einer der begehrtesten Städte der Welt für 'Land Banking', wo reiche Menschen aus der ganzen Welt erstklassige Immobilien als Investition erwerben, als pied-à-terre, als Schlupfloch, als Tresor. ... Das ist nicht die wohlwollende 'Gentrifizierung', die Michael Bloomberg wohl im Sinn hatte, es steht eher in der Tradition der Jagdreviere des Königs, aus denen die einheimischen Bauern vertrieben wurden, auch wenn sie am Verhungern waren und der König weit weg war. Oder, um eine zwingendere Analogie zu verwenden, diese Bereiche sind jetzt die toten Zonen von New York, ganz wie die wachsenden sauerstoffarmen toten Zonen in unseren Ozeanen und Seen, verschmutzt mit Pestiziden und tödlichen Algenblüten."

Magazinrundschau vom 15.05.2018 - Harper's Magazine

Wer körperlose Stimmen im Kopf hört, als würde tatsächlich zu ihm gesprochen, gilt als psychotisch, vielleicht sogar als schizophren - soweit die gängige Einschätzung. Dass viele Menschen Stimmen hören, ohne dadurch in ihrem Alltag beeinträchtigt zu werden oder eine Gefahr für ihre Mitmenschen darzustellen, bleibt dabei allerdings unberücksichtigt, schreibt T.M. Luhrmann und erklärt, dass diese relativ neue Erkenntnis womöglich auch bessere Therapieformen für jene in Aussicht stellt, die unter den Stimmen in ihrem Kopf leiden. Eine Methode besteht laut Luhrmann darin, dass Patienten mittels eines Computer-Avatars und einer Computer-Stimme ihre Stimmen personalisieren und direkt adressieren - etwa, wenn sie von ihren Stimmen heruntergeputzt werden. "Man sieht den unsicheren Patienten, wie er mit Angst zu antworten auf den Bildschirm schaut. Doch dann antwortet er. Mit der Zeit - etwa im Lauf von sechs Sitzungen, die mitunter nur zehn Minuten dauern - macht der Therapeut die Computerstimme freundlicher und respektvoller, je nachdem, was der Patient sagt. ... Die zentrale Einsicht dieser Methoden besteht darin, dass die Art, wie die Leute ihren Stimmen begegnen, ihren Lebensalltag verändern kann. ... Zwar stellt es eine enorme Schwelle dar, Stimmen als Personen zu erachten: ihnen Namen zu geben, mit ihnen zu interagieren. Es scheint unehrlich, schließlich sind sie Stimmen, nicht echte Menschen. Doch hilft es den Patienten, ihre Stimmen wie vernünftige menschliche Wesen antworten zu lassen. Dies ist das neue Axiom der Theorie des psychotischen Kontinuums: Nicht die Stimmen sind das Problem, sondern wie Menschen auf ihre Stimmen reagieren."

Magazinrundschau vom 15.08.2017 - Harper's Magazine

"Löwinnen, Schildmaiden und Walküren haben ihren Männern schon immer geholfen, ihre Kämpfe auszutragen", sagt Lana Lokteff, eine der Protagonistinnen der Alt-Right-Bewegung in Seyward Darbys ausführlichem Artikel über die weibliche Seite von Rechts. Nach Charlotteville dürfte auch dieser Aspekt dieses Milieus, das Donald Trump jetzt noch stärker unterstützen wird, von Interesse sein. Darby porträtiert einige der weiblichen Hauptfiguren der Szene. Hauptsächlich geht es um Lokteff, eine schwedische Alt-Right Bloggerin, die einen YouTube-Kanal und die Plattform Red Ice News betreibt. Obwohl selbst politisch aktiv, sind die Frauen wie auch die Männer in der Bewegung der Ansicht, dass die weibliche Unabhängigkeit für den "Untergang der westlichen Welt" verantwortlich sei, daher sehen sie sich als unterstützende Flanke ihrer Männer. "Die Alt-Right-Bewegung gilt als eine Bewegung, die größtenteils aus jungen weißen Männern besteht, Lokteff versucht, auch Frauen für die Bewegung zu gewinnen", schreibt Darby, und schildert eine Szene, die sie bei einem Votrag Lokteffs erlebt hat: "'Es waren Frauen, die Trump gewählt haben', sagt sie, 'und ich vermute, provokant, es waren auch Frauen, die Hitler an die Macht gebracht haben.' Das Publikum schreit und applaudiert begeistert."

Magazinrundschau vom 18.07.2017 - Harper's Magazine

In der neuen Ausgabe von Harper's Magazine macht sich Rebecca Solnit anlässlich einer Hundeattacke auf ihr Hosenbein Gedanken über Macht, Status, Territorien und ihre Grenzen: "Der Zusammenstoß auf dem Weg hatte mich nicht nur verstört - er hatte meine Prinzipien verletzt. Ich ging an Wurmfarnen, Frauenhaarfarnen, Schwertfarnen vorbei, ohne sie zu sehen. Alle Macht, überlegte ich, kann in Begriffen von Raum gedacht werden. Physischen Raum kann man sich ebenso wie Wirtschaft, Konversation und Politik als ungleich besetzte Orte denken. Eine Landkarte dieser Territorien wäre eine Landkarte der Macht und des Status: Wer hat mehr, wer hat weniger. ... Vor fast zwanzig Jahren führte ich den Hund einer Freundin aus. Dabei kamen mir drei große junge Männer entgegen. Es war eine Situation, in der ich immer ausweiche, zur Seite trete. Aber diesmal hatte ich einen Pitbull an der Leine. Ich ging einfach direkt durch die Männergruppe hindurch wie Moses durch das Rote Meer. Ich habe das nie wieder getan, aber ich habe nicht vergessen, was ich in diesem Moment gelernt habe: Das Wissen, wem der Bürgersteig gehört, war so tief in mir verankert, dass ich ohne es auch nur zu bemerken immer auswich. Seitdem habe ich Berichte von Transfrauen gelesen, die nach ihrer Umwandlung ständig mit anderen Menschen zusammenstießen - als Frauen stand ihnen das Drauflosgehen nicht mehr zu."
Stichwörter: Macht