Magazinrundschau - Archiv

Financial Times

12 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 2

Magazinrundschau vom 19.01.2016 - Financial Times

Ist es bald vorbei mit dem scharfen Essen in England? Immer mehr indische Restaurants schließen. Malcolm Moore sucht nach Gründen für die Große Britische Currykrise, die in der Schließung zahlreicher Curry-Häuser gipfelt. Einer der Gründe ist das Image: indisches Essen gilt vielen jungen Leuten als zu schwer, zu fett. Mehr was für Biertrinker. Die Brüder Thakrar wollen dem mit ihrer neuen Restaurantkette gern entgegenwirken: "'Wir stehen auf den Schultern der Curry Häuser. Ein Curry Haus ist ein hübsches britisches Phänomen, so britisch wie ein Pub in den 80ern oder 90ern. Wir haben alle Erinnerungen daran, wie wir ins Curry House gingen und Sachen wie Hühnchen Vindaloo bestellten. Es ist einfach ein Teil der Kultur und ich wäre traurig, wenn der verschwinden würde', sagt Shamil Thakrar. 'Eine unserer kulturellen Missionen war: Inder sind sehr coole Leute. Es gibt haufenweise coole Inder hier, aber wir haben anscheinend nicht La Dolce Vita und Fellini wie die Italiener oder Gauloises und Baskenmützen wie die Franzosen. Und doch ist die indische Kultur sehr cool, denke ich. Und darum will ich die indische Kultur quasi neu bestimmen und sie rekontextualisieren, damit sie cool ist."

Magazinrundschau vom 21.04.2015 - Financial Times

David Gardner liest für die Financial Times einige Neuerscheinungen zum Völkermord an den Armeniern und findet eben diesen Begriff des Völkermords unabweisbar. Auch "Argumente der Jungtürken, die Armenier hätten sich mit den Russen verbündet, um dem Reich in den Rücken zu fallen, halten einer näheren Untersuchung nicht stand - trotz der Hoffnungen mancher Armenier und der skrupellosen Einmischung europäischer Mächte. Die meisten Armenier fürchteten eine Russifizierung so sehr wie eine Turkifizierung und blieben loyal, so sehr, dass sie sich trotz der Pogrome von 1894 bis 96 und 1909 nicht vorstellen konnten, wie ihnen geschehen würde."

Außerdem in der Financial Times: ein langes Porträt des Erfinders, Designers und Revolutionärs mancher Elektrogeräte James Dyson.

Magazinrundschau vom 23.09.2014 - Financial Times

In einem sehr interessanten und ausführlichen Artikel beschreibt Andrew Edgecliffe-Johnson, welchen Einfluss Firmen-PR heute auf den allgemeinen Informationsfluss hat. Während die Zeitungen schwächeln, stecken Firmen ihr Geld, das sie früher für Anzeigen ausgegeben hätten, in eigene Webseiten, Blogs und soziale Medien. Dabei bemühen sie sich immer stärker, im Tonfall und Auftreten wie seriöse Nachrichtenorganisationen aufzutreten. ""Firmen-Newsrooms gibt es schon lange, aber sie haben einfach Pressemitteilungen herausgegeben und so versucht, Journalisten zur Berichterstattung zu bewegen", sagt Richard Edelman, dessen Familienfirma eine der größten PR-Agenturen der Welt ist. "Jetzt publizieren wir selbst. Das ist der große Unterschied." Jeder Firma hat inzwischen begriffen, dass sie selbst ein Medium sein kann, sagt er."
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Magazinrundschau vom 21.02.2014 - Financial Times

Simon Schama hat zwei neue Bücher über Israel gelesen: Anita Shapiras "wichtige, erschöpfende und gedankenreiche" Geschichte Israels, die leider, so Schama, in grauenvoll akademischer Prosa geschrieben ist, und Ari Shavits "My Promised Land: The Triumph and Tragedy of Israel", das Schama mit glühenden Ohren anpreist: "Selbst wenn Ihnen die Juden und die Araber bis hier stehen: dieses Buch wird Sie von den Füßen fegen mit seiner erzählerischen Kraft. Es wird Sie nicht loslassen, bis Sie es zu Ende gelesen haben. Es erinnert uns daran, dass die erste Pflicht des Historikers Selbstkritik ist und die zweite, philosophisch angereicherte Erzählkunst. Wie selten wird dieses Ziel erreicht."
Stichwörter: Shavit, Ari

Magazinrundschau vom 04.06.2013 - Financial Times

Nur wenige Länder in Afrika sind derart krisengeschüttelt wie Somalia in den letzten 22 Jahren. Noch gezeichnet von den jüngsten islamistischen Attentaten zeigt das Land dennoch ermutigende Spuren der Erholung, erzählt Katrina Manson in einer langen Reportage: "Gewerkschaften sprechen von einer Wiederbelebung der Landwirtschaft, des Hotelgewerbes und der Hafenaktivitäten. Ihre Mitglieder haben Gefängnis und die Bedrohung durch die islamistische al-Shabaab überstanden und regelmäßig Informationen veröffentlicht über die schwankenden Preise von Kamelmilch, Ölkanistern, Ziegen und importiertem roten Reis auf Mogadischus Markt Bakara. Heute hat Somalia über 52.000 Gewerkschaftsmitglieder."

Magazinrundschau vom 12.02.2013 - Financial Times

Die Kohleminen sind zu, dafür hat Amazon jetzt eine riesige Lagerhalle im englischen Städtchen Rugeley gebaut. Hunderte Menschen haben wieder Arbeit. Alles bestens, oder? Eher ernüchternd, stellt Sarah O'Connor fest. Amazon zahlt kaum Steuern und stellt nur wenige der Arbeiter fest ein. "Für viele war es ein Kulturschock. 'Das Feedback, das wir bekommen, bezeichnet es als eine Art Sklavenlager', sagt Brian Garner, der flotte Vorsitzende des Lea Hall Sozialzentrums und Clubs für Minenarbeiter, eine beliebter Treffpunkt." Vor allem die Arbeitscomputer, die jeder mit sich tragen muss, nerven, "weil sie einem ständig anzeigen, ob man zu langsam oder zu schnell ist. Die Manager können außerdem Nachrichten simsen und Arbeiter auffordern, sich zu beeilen', erklärten einige. 'Die Leute werden ständig davor gewarnt, sich zu unterhalten. Das Management ist sehr darauf bedacht, jede Form von Zeitverschwendung zu unterbinden."
Stichwörter: Amazon, Kulturschock

Magazinrundschau vom 06.11.2012 - Financial Times

Misha Glenny beschreibt in einer Reportage, wie Brasilien sich für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 fit macht um sich als mindestens ebenso erfolgreiche Aufsteigernation wie China und Indien zu präsentieren. Einer der wichtigsten und schwierigsten Punkte: die Befriedung der von Armut, Drogenbanden und Milizen gebeutelten Favelas in Rio de Janeiro. Die Etablierung einer funktionierenden Polizei in diesen Vierteln, die die Banden verdrängt, klappt schon ganz gut. Das soziale Engagement lässt dagegen noch zu wünschen übrig, wie das Beispiel von Lucia Cabral zeigt, die seit vielen Jahren mit ihrer eigenen NGO versucht, die Lesefähigkeit in den Favelas zu verbessern. "Sie zeigt mir ihre neuen Büroräume, die aus Seecontainern gebaut sind. 'Das alles', sagt sie, 'hat mir die britische Botschaft besorgt, als sie von meiner Arbeit hörte. Prinz Harry wollte mich bei seinem Besuch in Rio treffen.' Cabral begrüßt die Polizeipräsenz in den Favelas und die zurückgegangene Drogenkriminalität. Aber sie sagt auch, es sei bezeichnend, dass der brasilianische Staat ihr mit nichts geholfen hat, während die Britische Botschaft in wenigen Tagen eine ganze Schule errichtet habe."

Magazinrundschau vom 21.08.2012 - Financial Times

Clemency Burton-Hill besucht den Filmkomponisten John Williams auf einen Plausch. Zu ihrem Erstaunen arbeitet der mit Oscars überhäufte Meister auch heute noch mit Stift und Papier und verfügt über keine Angestellten, nicht einmal einen Assistenten. Auch dass er gar nicht sonderlich filmbegeistert ist, überrascht: "'Ich habe mich nie nennenswert für das Kino interessiert', räumt er ein. 'Nie. Selbst als junger Mann nicht. Ich habe mich allein wegen der Studioorchester in Hollywood für Filmmusik zu interessieren begonnen.' ... Als Teenager hörten sich John Williams und seine Freunde Filmsoundtracks an und machten sich einen Spaß daraus, die jeweiligen Ensembles zu identifizieren. 'Wir wussten, dass es sich, sagen wir, um das Warner Bros. Orchestra handelt, denn damals - anders als heute, wo ein oder zwei freiberuflich arbeitende Gruppen alles aufnehmen - ware es nicht immer dieselben Leute, die jeden Film aufnahmen. In der Isolation, ein paar Meilen weg von Los Angeles, kam eine inspirierende Indiviualität aus dem Studiosystem. Heute ist das ganz anders. Es ist eine verschwundene Welt.'"

Hier führt das Prager Filmorchester Williams' "Imperial March" aus "Krieg der Sterne" auf - mit prominentem Besuch:


Magazinrundschau vom 14.08.2012 - Financial Times

In einer sehr spannenden Reportage erzählt April Dembosky, welche nicht unbedeutende Rolle die Religion in Silicon Valley spielt. "Entscheidungen werden aufgrund von Fakten gefällt, Computercode löst die Probleme. Und doch gibt es einen starken Strom des Glaubens, der alles durchdringt - ein extremer Idealismus, der Entrepreneure motiviert, eine feste Überzeugung unter den Ingenieuren, dass Technologie die Krankheiten der Welt heilen und zum Fortschritt der Menschheit beitragen kann. Manchmal speist sich dieser Glaube direkt aus christlichen Lehren. Doch wird dies nur selten im Sitzungssaal oder bei der Präsentation bekannt. Getting the job done ist die Hauptsache in Silicon Valley, deshalb schweigen Anhänger einer Religion oft über ihren Glauben in öffentlichen Foren, aus Angst, Mitarbeiter oder Kunden zu befremden, sagt Jan English-Lueck, Anthropologieprofessorin an der San Jose State University. 'Dogmatischer Glaube würde die guten Arbeitsbeziehungen stören', sagt sie, 'und das ist die wahre Sünde in Silicon Valley.'"
Stichwörter: Silicon Valley

Magazinrundschau vom 08.02.2011 - Financial Times

Nach der Plünderung des Ägyptischen Museums denkt der Kunsthistoriker Simon Schama über die Bedeutung des Kulturerbes in Zeiten der Revolution nach. "Paradoxerweise sind die Altertümer - überflüssig oder unentbehrlich für die Zukunft? - in Zeiten revolutionären Aufruhrs am heftigsten umkämpft. Zum einen liegt das daran, dass mit der Auflösung ziviler Autoritäten die Versuchung zu plündern unwiderstehlich ist. Zum anderen haben fast alle Revolutionen einen Hang zur Bilderstümerei. Die Freude an der Schändung, am Zerschmettern der Tabus ist Teil des Adrenalinstoßes, den andere Arten der Befreiungen auslösen. Die einzige Frage ist dann, ob nur die Bilder zerstört werden, die Symbole des verhassten Herrschers sind, oder ob das ganze Repertoire der Erinnerungsfetische, die vor den Paroxysmen der Freiheit noch Ehrfurcht geboten - Grabsteine und Porträts, Throne und Statuen -, ebenfalls im Namen der Säuberung zerstört werden."
Stichwörter: Kulturerbe