Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.02.2006. In der Debatte um Necla Kelek öffnen sich neue Fronten. Die taz bezichtigt sie, deutsche Ressentiments zu bedienen, während Alice Schwarzer in der FAZ mit Keleks Kritikern abrechnet. Die NZZ führt in die moderne arabische Literatur ein. In der Welt wirft Elif Shafak beiden Seiten im Karikaturenstreit Hassreden vor. Moshe Zimmermann hat dagegen in der SZ schon alles kommen sehen.

FAZ, 11.02.2006

Alice Schwarzer verteidigt die Autorin Necla Kelek, die in einem offenen Brief von sechzig Migrationsforschern kritisiert wurde, indem sie die unterzeichenden Wissenschaftler attackiert. "Yasemin Karakasoglu selbst ist sehr, sehr weit von wissenschaftlicher Neutralität entfernt und sehr, sehr eng mit der islamistischen Szene in Deutschland verbandelt. (...) Karakasoglu, für die ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst eine 'deutsche Fatwa' ist und Kopftuchträgerinnen 'glückliche Töchter Allahs' sind, stützte sich dabei auf eine eigene 'wissenschaftliche Untersuchung', die beweise, daß das islamische Kopftuch absolut vereinbar sei mit einer 'modernen Lebensführung'. Für diese Untersuchung hatte die Professorin fünfundzwanzig (!) von ihr ausgesuchte türkische Pädagogikstudentinnen nach ihrer Haltung zum Kopftuch befragt. Übrigens: Yasemin Karakasoglu selbst wurde noch nie mit Kopftuch fotografiert."

Auf der Berlinaleseite stellt Bert Rebhandl "Forum Expanded" vor, das Kunstprogramm zum Festival. Angesehen haben sich die Kritiker Stephen Gaghans "Syriana", den Verena Lueken "intelligent" findet, Keith Fultons und Louis Pepes Film "Brothers of the Head" und Detlev Bucks im Berliner Stadtteil Neukölln spielender Streifen "Knallhart".

Weiteres: Hinter der Überlegung, das Göttinger Max-Planck-Institut für Geschichte zu schließen und dafür an gleicher Stelle ethnische und religiöse Konflikte zu erforschen, vermutet Jürgen Kaube Personalquerelen. Im Interview mit Patrick Bahners beteuert Michael Stolleis, der Leiter der - ergebnislos verlaufenen - Berufungsverfahren für die zwei Direktorenposten des Instituts, dass es einfach schwierig sei "exzellente Kandidaten" zu finden. Da die Baustelle des Toleranz-Museums in Jerusalem möglicherweise auf einem ehemaligen Friedhof liegt, protestieren immer mehr Muslime gegen den Bau, weiß Joseph Croitoru. Christian Geyer plädiert für die sofortige Verbesserung des Fluglärmschutzes. Joseph Hanimann verfolgt eine Diskussion zwischen den Theatermachern Gerard Mortier und Christoph Schlingensief in Paris. Bei sinkenden Löhnen müssten auch die Renten sinken, meint Gerd Roellecke, und wirft Arbeitsminister Franz Müntefering den Bruch des Generationenvertrags vor. Jürg Altwegg blättert in Schweizer Zeitschriften, darunter die Neuerscheinung "Schweizer Journalist". Michael Gassmann verkündet erfreut, dass mit einer Choralbearbeitung des 1560 verstorbenen Paul Rußmann das älteste Zeugnis norddeutscher Orgelkunst entdeckt wurde. Und Patrick Bahners gratuliert dem Historiker Ernst Opgenoorth zum Siebzigsten.

In der ehemaligen Tiefdruckbeilage feuert Andreas Platthaus die Retter historischer Zeitungscomics an. Klaus Lüderssen diskutiert Kafkas "Prozess" und entdeckt Ähnlichkeiten mit Werken von Tadeusz Breza und Salvatore Satta. Im Medienteil stellt Tilmann Lahme das World Press Photo 2005 vor..

Besprochen werden die Fotoausstellung "click-doubleclick" im Münchner Haus der Kunst, David McVicars von "biedermeierlichem Firnis" überzogene Inszenierung von Mozarts "Figaro" im Londoner Covent Garden, die Uraufführung des Musicals "The Times They Are A-Changin" nach der Musik von Bob Dylan in San Diego, Neil Diamonds "wunderbare" mit Hilfe Rick Rubins aufgenommene Platte "12 Songs", die kompletten Lieder von Franz Schubert in einer Box, und Literatur, darunter Hörbucher von und mit Heinrich Heine sowie ein Fotoband von Loretta Lux (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Welt, 11.02.2006

Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak schreibt zum Streit um die Mohammed-Karikaturen: "Die zwei Parteien des Karikaturenstreits scheinen verschiedene Sprachen zu sprechen, aber im Grunde sprechen sie dieselbe Sprache: Es ist die Hassrede. Eine Karikatur, die den Propheten Mohammed mit einem bombenförmigen Turban zeigt, ist Hassrede. Ein moslemischer Demonstrant, der ein Schild trägt mit der Aufschrift 'Köpft jene, die den Islam beleidigen', verbreitet Hassrede." Und sie fordert deshalb: "Wir brauchen viel mehr Moslems, die ihren Glauben an die Demokratie zum Ausdruck bringen und jene Moslems kritisieren, die mit Hassreden auf Menschen im Westen reagieren. Wir brauchen viel mehr Menschen im Westen, die ihrer Sympathie mit moslemischen Kulturen Ausdruck verleihen und jene Kräfte im Westen kritisieren, die mit Hassreden auf Moslems reagieren."

Weiteres: Genervt hat Uwe Schmitt Bernard-Henri Levys "American Vertigo" gelesen, für das er sich im Auftrag des Atlantic Monthly auf die Spuren von Toqueville begeben hat: "Ohne Interpunktion, Atmen, hörbaren Zweifel schwätzt, verströmt, verschleudert, erbricht er Esprit. Man fragt ihn nach der Uhrzeit, er erzählt animiert die Kulturgeschichte des Chronometers." Robby Müller, Kameramann bei Wim Wenders, schreibt über die Wiederaufführung von Carl Theodor Dreyers Stummfilm "Michael". Roland Gross berichtet von Querelen vor der "Cologne Fine Art". Besprochen wird die Schau der britischen Modemacherin Vivienne Westwood im NRW-Forum Düsseldorf.

Die Literarische Welt zollt Heinrich Heine ihren Tribut. Im Gespräch mit Uwe Wittstock erklärt der Dichter Robert Gernhardt Heines Witz: "Heine wollte sich immer zwischen alle Stühle setzen. Das war bei ihm habituell. Wenn er seine Leser in einem Gedicht mit einem rührenden Effekt gepackt hatte, dann stach ihn der Haber und er ließ den gefühlvollen Zeilen gleich die witzige Farce folgen. Das zieht sich durchs ganze Werk. Es kommt mir vor, als hätte Heine daraus fast ein Konzept gemacht. Er wollte nicht zu fassen, nicht festzulegen sein. Solange er in Deutschland lebte, galt er als Linker. Dann ging er nach Paris und legte sich dort mit den Linken an, mit Börne und dessen Kreisen. Er wollte sich von ihnen nicht vereinnahmen lassen."

Weiteres: Wolf Biermann schreibt über die "Loreley". In seiner Klartext-Kolumne rät Tilman Krause zum Bejubeln und Auswendiglernen von Heine-Gedichten. Besprochen werden unter anderem Peter von Matts Kulturgeschichte der Intrige "Theorie und Praxis der Hinterlist", Geert Maks Reise durchs 20. Jahrhundert "In Europa" und Michael Cunninghams Roman "Helle Tage".

NZZ, 11.02.2006

Die Beilage Literatur und Kunst wirft einen Blick auf die moderne arabische Literatur. Ein anonymer Autor registriert eine neue Vielfalt in der durch Traditionen bestimmten Lyrik. Fakhri Saleh ernennt aber den Roman zur mittlerweile wichtigeren Gattung, weil sich die jungen Schriftsteller unverblümt mit der Vergangenheit auseinandersetzen. "Die jüngere Autorengeneration konzentriert sich vornehmlich darauf, die arabische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts neu zu beleben und sie in Bezug zur Gegenwart zu setzen. Irakische, libanesische, syrische, palästinensische und jordanische Literaturschaffende hacken sich durch die Lava ihrer jüngeren Geschichte; im Versuch, diese neu zu schreiben, begegnen sie doch nur immer wieder den starren Strukturen der Macht, die hinter den historischen Abläufen stehen." Beide Artikel sind hier zu lesen.

Weitere Artikel: Rüdiger Görner widmet sich zum 150. Todestag Heinrich Heines Beziehung zu Grobritannien, dass dieser nach anfänglicher Begeisterung als "steinkohlenqualmiges, maschinenschnurrendes, kirchengängerisches und schlecht besoffenes Land" denunziert hat. Doris Ruhe stellt die algerische Schriftstellerin Assia Djebar und ihre autobiografischen Romane vor, in denen das Lesen eine große Rolle spielt.

Im Feuilleton entlarvt Joachim Güntner die "teutonischen Debatten" über Deutsch auf dem Schulhof, den Gesprächsleitfaden für Einwanderer und Necla Kelek als "Scheinriesen". Andrea Köhler verbindet Betty Friedan, Feminismus und ernüchternde Zahlen über Harvard-Absolventinnen, die lieber Familie als Karriere haben. Und Andreas Maurer feuert kurze Impressionen zur Berlinale ab.

Besprochen werden die Ausstellung der "grandiosen" Sammlung Merzbacher-Mayer im Kunsthaus Zürich, Stefan Zweigs Briefe aus den Jahren 1932-1942, Karl Kraus' Briefe an Sidonie Nadhern und natürlich Neuerscheinungen zu Heinrich Heine (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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TAZ, 11.02.2006

Auf den Tagesthemen-Seiten stellt Achim Frenz, der Leiter des Karikaturmuseums in Frankfurt, sachlich richtig fest: "Bei Karikaturisten ist es halt so, dass sie per se beleidigen."

Auch nach der Erwiderung der Migrationsforscherin Nekla Kelek scheint kein Ende des Streits in Sicht. Daniel Bax schlägt sich dabei eindeutig auf die Seite der Kritiker: "Der Erfolg von Necla Kelek und Seyran Ates beruht darauf, dass sie ein klares Feindbild haben. Wenn vor allem die Migranten selbst und eine finstere Gutmenschenmafia aus Multikulti-Ideologen und Migrationsforschern für die Integrationsmisere verantwortlich sind, wie sie behaupten, dann trifft die deutsche Gesellschaft keine Schuld. Kelek und Ates bedienen damit die Ressentiments der Mehrheitsgesellschaft, denn ihre Wut auf türkische Männer passt gut zur deutschen Angst vor allem Fremden. Und so sind die Gesetze des Medienmarkts: Wo eine Nachfrage besteht, da gibt es auch ein Angebot."

Weitere Artikel: Im zweiten Teil der "kleinen Heinekunde" untersucht Philip Blom das Verhältnis des Dichters zu seinem Vaterland. Gerrit Bartels kommentiert die Nominierungsliste zum Preis der Leipziger Buchmesse.

Im Berlinale-Teil spricht Oskar Roehler im Interview über seine im Wettbewerb laufende Verfilmung von Michel Houellebecqs Roman "Elementarteilchen". Ob man seine Haltung zum Roman goutiert, ist wohl Geschmackssache: "Ich habe die ganze Lebenshaltung, die da drinsteckt, wie eine Offenbarung in mich reingesogen, völlig kritiklos." Besprochen wird der Dokumentarfilm "Babooska". Weitere Kritiken im Berlin-Teil.

In der zweiten taz porträtiert Peter Unfried den "Grantler, Angler, Rotweintrinker" und außerdem Fußballtrainer Klaus Augenthaler. Steffen Grimberg berichtet von merkwürdigen Boykottmaßnahmen der Bahn gegen missliebige Medien. Im Berlinale-Star-Album wird der Schauspieler Maurizio Antonini vorgestellt, dessen Verdienst vor allem seine Ähnlichkeit mit Silvio Berlusconi ist.

Fürs taz-mag-Dossier notiert Claudia Hempel, was drei bestens ausgebildete, aber arbeitslose Frauen zu Protokoll geben. Eine erzählt vom Schock, den ein Business-Englisch-Kurs bedeutete: "Wir sollten in einer großen Runde über das Thema Frauen in Führungspositionen diskutieren, wir teilten uns auf in Pro und Contra. Ich saß da plötzlich mit zwei anderen Leuten auf der Pro-Seite, und alle anderen waren Contra. Und dann kamen da Argumente, ich glaub, ich habe eine Woche von nichts anderem gesprochen, Frauen sind nicht so logisch, können nicht so gut mit Zahlen umgehen, können nicht so abstrakt denken und lauter solche Dinge, wo ich mir gedacht habe, das haben wir seit Alice Schwarzer alles hinter uns gelassen."

Weitere Artikel: Markus Götte porträtiert eine sehr alte Frau, die sich von Vipern verfolgt fühlt. Philip Gessler stellt Digne M. Markovicz vor, die vom Holocaust in Comics erzählt.

Besprochen werden ein Band mit Erzählungen des japanischen Klassikers Edogawa Rampo, in den "Büchern aus den Charts" Michael Wallners Roman "April in Paris" und außerdem Wulf Segebrechts Kanon-Band "Das deutsche Gedicht". Dazu noch zwei "politische Bücher", nämlich zwei Bände zum Thema Bild und Krieg, davon einer, nämlich Gerhard Pauls "Bilderkrieg" gleich noch einmal (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Und Tom.

FR, 11.02.2006

Entgegen anderweitiger Vermutungen gibt es im Islam kein Humorverbot, stellt Katajun Armirpur klar und gibt zur Untermauerung wertvolle Hinweise auf eine Sammlung iranischer Karikaturen, den (aus dem Iran geflohenen) Satiriker Ebrahim Nabavi und Mohammed-Darstellungen. Von Spott seien dabei Allah und die Mullahs nicht ausgenommen, wohl aber Mohammed.

Weiteres: Marc Ewans Berlinale-Eröffnungsfilm "Snow Cake" hat bei Daniel Kothenschulte einen hungrigen Magen hinterlassen. Daniel Bartetzko stellt das Architekturbüro Stefan Forster vor, das mit großartigen, aber prestigearmen Wohnungsbauten viel zu wenig von sich reden mache. Judith von Sternburg unterhält sich mit dem Schauspieler Christian Kuchenbuch, der in Frankfurt gerade den Macbeth spielt. In ihrer "plat du jour" berichtet Martina Meister von dem vergeblichen Versuch, ein Interview mit dem Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe zu bekommen.

Besprochen werden eine Ausstellung im Italienischen Kulturinstitut Berlin, die an die Ermordung italienischer Zivilisten durch jugoslawische Partisanen erinnert, und ein Gastspiel der Brüder Renaud (Violine) und Gautier (Cello) Capuconin in der Frankfurter Alten Oper.

Berliner Zeitung, 11.02.2006

Ulrich Seidler berichtet euphorisch vom "jüngsten, Nüchternen schwer zu erklärenden Versuch, Kunst vorerst ohne Förderung zu betreiben, stattdessen mit viel Enthusiasmus und mit viel Hoffnung auf Mäzene und Sponsoren": dem Ballhaus Ost, ein Kunsthaus, das die Schauspielerin Anne Tismer und ihre Freunde im Prenzlauer Berg gegründet haben. "Mit Worten lässt sich die Ballhaus-Philosophie kaum anschaulich machen. Man müsste abkühlende Vokabeln wie 'genreübergreifend' oder 'Vernetzung' verwenden, um zu fassen, was hier an Tatendrang explodiert. Wenn man das von seinen Bewohnern - richtiger wäre Belebern - durchwuselte Ballhaus Ost vor Augen hat, ist es vor allem und ganz einfach: lebendig."

Im Magazin erinnert sich Ernst Schumacher an eine Probe zum "Kreidekreis" mit Brecht, einen Abend mit Ruth Berlau und Strittmatter, aber ohne Brecht, und ein kurzes Gespräch über den Dramatiker mit Thomas Mann in Zürich.

Ralf König spricht im Interview über den Karikaturenstreit und seinen jüngsten Comic "Dschinn Dschinn", in dem ein fundamentalistischer Mullah, in einen wunderschönen Flaschengeist verwandelt, Frauen sexuell zu Diensten sein muss. "Ich bin erstaunt, welche Kommentare und Fragen zu diesem Buch kommen, kein Interview ohne die Bemerkung, das sei ja 'islamkritisch'. Dabei beziehe ich mich nur auf die absurden Gesetze der Taliban: Bartzwang, Musikverbot, Frauen unter die Burka etc. Und daneben der sinnesfrohe Orient in den '1001-Nacht'-Geschichten. Diesen Gegensatz fand ich spannend. Und wenn wir die Dinge hier mitten in Europa nicht mehr mit Kritik oder auch mit Humor nehmen können, ohne Angst vor Bomben zu haben, haben die Islamisten ja wohl schon gewonnen."

SZ, 11.02.2006

Der israelische Historiker Moshe Zimmermann wundert sich, dass die Europäer so erstaunt sind über die Reaktionen von Muslimen auf die Mohammed-Karikaturen. "Hat die Insel Europa, möchte man fragen, nicht die Signale aus der Peripherie wahrnehmen wollen? Hat man das Wiederaufflammen der alten Religionskriege selbst auf europäischem Territorium, im ehemaligen Jugoslawien, nicht zu Kenntnis genommen?"

Weitere Artikel: Peter Laudenbach ist hin und weg, dass der Schaubühnenstar Anne Tismer - "niemand kann so schön Ehemänner erschießen wie sie" - in Berlin ein eigenes Theater gründet, das "Ballhaus Ost". Ijoma Mangold berichtet, dass Times Warner seine Buchsparte für 537 Millionen Dollar an Lagardere verkauft hat - den Amerikanern sind die 2,5 Prozent Wachstum, die der Bücherverkauf bringt, zu wenig, für die Eurpäer ist das attraktiv genug. Roger Willemsen erzählt im Interview, wie sein Buch "Hier spricht Guantanamo" entstand. Gerhard Matzig stellt die Gewinner der deutschen Designpreise vor: Gold ging an Porsche, Silber an einen Rollstuhl! Daniel Brössler berichtet vom Umbau des Bolschoi Theaters. In der Reihe "Verblasste Mythen" nimmt Willi Winkler den Protestsong aufs Korn. Fritz Göttler gratuliert dem Schauspieler Burt Reynolds zum Siebzigsten.

Auf der Filmseite geht's um Stephen Gaghans "Syriana" (mehr hier). George Clooney, der die Hauptrolle spielt, erzählt Tobias Kniebe, dass ganz Hollywood plötzlich politisiert ist: "'Wenn ich in der oberflächlichsten Stadt der Welt zum Essen gehe, und plötzlich reden alle über den Wahlsieg der Hamas und dänische Karikaturen und Aufstände in Pakistan - dann hat sich das Bewusstsein wirklich verändert', sagt er." Alex Rühle hat sich mit den Junges über das Ende ihrer Langzeitdokumentation "Die Kinder von Golzow" unterhalten. Hasch. stellt die Berlinale-Traumfrau Jean Simmons vor.

Besprochen werden ein Konzertabend in München mit Beethovens "Eroica" unter Christian Thielemann und Liedern von Hugo Wolf, gesungen von Thomas Quasthoff, die Ausstellung "Young Bavarian Art" in der Gagosian Gallery Berlin, Lasse Hallströms "frischer, frecher" Film "Casanova" und Bücher, darunter Fichtes "Reden an die deutsche Nation" und der Roman des Bachmann-Preisträgers Thomas Lang, "Am Seil" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Im Aufmacher des SZ-Magazins gibt Thomas Steinfeld ein schönes Beispiel theoretisch- ästhetischer Askese, indem er ein kein anderes Design anerkennen will als das funktionalistische und überdies verlangt, dass keinerlei Aufhebens darum gemacht wird. Sven Böll schildert das Leben eines Tagelöhners, der jeden Morgen um sechs Uhr in der Hoffnung auf kleine Jobs beim Münchner Großmarkt vorstellig wird. Jonathan Fischer beschreibt schwarze Gang-Hierarchien in den USA. Rainer Stephan hat in Iasi, Rumänien, einen Theaterskandal aufgetan, der durch ein blasphemisches Stück entstand. Jan Brandt untersucht die Metapher des Vampirismus bei rechtsextremen Autoren der Weimarer Zeit und später den Nazis. Ein Auszug aus dem Roman "Video" von Lukas Hammerstein wird präsentiert. Roger Daltrey, demnächst wieder auf Tour mit The Who, beklagt sich im Interview, dass er nichts zum Anziehen findet: "Weil ich so klein bin, kann ich nichts tragen. Es ist ein Alptraum, denn nichts passt mir, nichts sieht gut aus. Es ist furchtbar, ich bin ein wandelnder, kleiner Wäschesack."