Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Helden der Globalgeschichte

04.08.2020. Überreiche Ausbeute diese Woche: Die NYRB lernt, dass man im 18. Jahrhundert als Schwarzer gegen Rassendiskriminierung kämpfen und trotzdem Sklaven besitzen konnte. La vie des idees lernt, dass Aufklärung ein Ursprung des Rassismus ist und trotzdem die Abolition beförderte. Der Guardian lernt in Melbourne, dass es jetzt eine globale schwarze Identität gibt. Africa is a Country blickt auf die neuen Privatstädte in Afrika. Auch in Weißrussland hätte es nach der Wende eine Stasi-Aufarbeitung geben müssen, erklärt Swetlana Alexijewitsch in Eurozine. Die NYT staunt über die irakische Kleptokratie, die fröhlich das Land plündert.

Humanitäres Chaos

28.07.2020. Harper's heftet sich an die nach Deutschland führenden Spuren des mutmaßlichen syrischen Folterers Anwar Raslan. In der LRB macht Adam Tooze amerikanische Firmen für die Verlegung von Millionen Arbeitsplätzen nach China verantwortlich. Wählermanipulation gab's schon in den 60ern, lernt der New Yorker. Pro Publica prophezeit eine Klimamigration. En attendant Nadeau stellt den Kritikerpapst Vichy-Frankreichs Gérard Bauër vor. Vanity Fair macht einen Besuch im Beerdigungsinstitut.

Im totalen Zerknirschtheitsmodus

21.07.2020. Glenn Greenwald beschreibt in The Intercept die sture Besessenheit der Cancel Culture am Beispiel ihres Opfers Martina Navratilova. In The Atlantic hat John McWhorter genug von der Selbstgeißelung vieler Weißer. In Magyar Narancs kritisiert Dániel Hegedűs das Wohlwollen der CDU/CSU gegenüber Orbans Fidesz. Der Economist weist darauf hin, dass Chancenungleichheit nicht mit der Polizei verschwindet.Die New York Review of Books blickt geblendet auf eine glitzernde schwarze Materie namens Sun Ra.

Der Erfolg im bürgerlichen Sinne

14.07.2020. In En attendant Nadeau denkt der Historiker Carlo Ginzburg über den Begriff der Herdenimmunität nach wie ihn Giorgio Agamben benutzt. Bloomberg fragt, ob China Huawei einfach an die globale Spitze der Telekomkonzerne gehackt hat. Der Guardian porträtiert die Nigerianerin Aisha Wakil, die seit Jahren versucht, entführte Schulmädchen von Boko Haram freizuhandeln. Die New York Times recherchiert die Frage, ob Russland die Taliban dafür bezahlt, amerikanische Soldaten anzugreifen. Die Riemannsche Vermutung könnte falsch sein, warnt uns im Interview mit Quietus Werner Herzog.

Ihre Dosis an Spannung

07.07.2020. Nicht Rassismus ist das Hauptproblem der USA, sondern das Kastenwesen, das darunter liegt, meint die New York Times. A2 überlegt, warum Frauen in Tschechien keine Feministinnen sein wollen. Der Independent erklärt, wie höhere Moral uns zu Rassisten machte. Das New York Magazine und der Journalist Matt Taibbi kritisieren die Feigheit von Journalisten, die vor Twitter-Mobs kneifen. En attendant Nadeau empfiehlt die Reportagen von Joseph Kessel. Der Guardian weiß, es gibt schlimmeres als Facebook: WhatsApp.

Perliges Neo-Champagner

30.06.2020. Die New York Times fordert die 40 Acres Land, die General Sherman 1865 den befreiten Sklaven versprochen hat. Der New Yorker verschluckt sich an einem Bad Mutha Clucka aus der Geisterküche. Die London Review of Books beobachtet, wie die WHO im globalen Mächtespiel zerrieben wird. El País nimmt Abschied von der Generation, die Spanien aufbaute. Novinky verteidigt Milan Kundera gegen seinen Biografen Petr Novák. Der New Statesman freut sich über die neue Politisierung britischer Fußballstars. Und in Règle du jeu schlägt Bernard-Henri Levy brüderlich die Hand ein.

Es begann in der Karibik

23.06.2020. Wer Statuen stürzt, schreibt nicht die Geschichte um, sondern die Erinnerung, stellt Richard Evans im New Statesman klar. Aber bitte nicht im Gestus der Taliban, erwidert Bernard-Henri Levy in La règle du jeu, und bitte nicht Victor Schoelcher! Der Rolling Stone feiert die Erfolge von Black Lives Matter als Mainstream-Bewegung.  Die New York Review of Books zeigt, wie ausgerechnet die amerikanischen Colleges zur Armutsfalle für Schwarze und Hispanics werden. Eurozine erinnert daran, dass mit dem Kolonialismus auch die Ausbeutung der Erde begann. Und die New York Times ahnt, dass sich der Mensch seine schlimmsten Krankheiten selbst schafft.

Rhetorik ist wichtig

16.06.2020. Der New Yorker lernt von David G. Marwell und Götz Aly, wie die Nazis sich ein alternatives Universum mit eigener Wissenschaft und Akademia erschufen. Die LRB denkt am Beispiel von Nazi-Deutschland und den USA über Kompensation für Unrecht nach. En attendant Nadeau erzählt von einem ganz speziellen 1968 in Polen. In Dalit Camera denkt Arundhati Roy über Rassismus nach. In Magyar Narancs weiß die Lyrikerin Orsolya Karafiáth: die Mehrheit steht nicht hinter den Mutigen.

Intervention im Raum

09.06.2020. New York Magazine und Atlantic analysieren den Rassismus in den USA. New Frame fragt, warum die Polizeigewalt gegen Schwarze in Südafrika auch nach der Apartheid fortbesteht. Places untersucht das Zusammenspiel von Architektur und Science Fiction im Nachkriegsjapan. Lidove noviny stellt die Fotografen Michael und seinen Vater Antonín Kratochvíl vor. In Elet es Irodalom fragt die Soziologin Mária Vásárhelyi, warum die ungarische Opposition Trianon den Rechten überlassen hat. Unherd findet antisemitische Klischees in der Populärkultur Britanniens.

50.000 Jobs in der Ölindustrie

02.06.2020. Die New York Times wirft  Schlaglichter auf den surrealen Niedergang der amerikanischen Wirtschaft. In 168 ora erzählt der Lyriker Dénes Krusovszky, dass er über den Vertrag von Trianon schreiben muss, will er staatliche Unterstützung. In der London Review staunt John Lanchester über die Arbeitsmoral Georges Simenons. In Atlantic sieht Anne Applebaum die amerikanische Demokratie von Wellen der Angst weggespült werden. En attendant Nadeau stellt die Kongregation Israël de Dios vor, die israelbegeisterte Indios in Peru gegründet haben.