Magazinrundschau

50.000 Jobs in der Ölindustrie

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
02.06.2020. Die New York Times wirft  Schlaglichter auf den surrealen Niedergang der amerikanischen Wirtschaft. In 168 ora erzählt der Lyriker Dénes Krusovszky, dass er über den Vertrag von Trianon schreiben muss, will er staatliche Unterstützung. In der London Review staunt John Lanchester über die Arbeitsmoral Georges Simenons. In Atlantic sieht Anne Applebaum die amerikanische Demokratie von Wellen der Angst weggespült werden. En attendant Nadeau stellt die Kongregation Israël de Dios vor, die israelbegeisterte Indios in Peru gegründet haben.

New York Times (USA), 02.06.2020

Die New York Times lässt ihre Reporter fürs Magazin Schlaglichter auf die desolate Wirtschaftslage in den verschiedenen Bundesstaaten werfen, doch ob in New Jersey, Nebraska oder Texas, überall bietet sich das gleiche Bild, das Nathaniel Rich für Louisiana so beschreibt: "Ein Bericht der National Ocean Industries Association schätzt, dass die Region um den Golf von Mexiko in diesem Jahr 50.000 Jobs in der Ölindustrie verlieren wird, 11.000 davon in Louisiana. Zum Vergleich: Die gesamte amerikanische Kohleindustrie beschäftigte bis März 50.000 Menschen. Der Tourismus, eine der größten Branchen in New Orleans, ist auf Null gesunken, die Flüge von seinem neuen, eine Milliarde teuren Flughafen auf drei Prozent. Der Präsident der Louisiana Shrimp Association sagt, dass fünf Prozent der Schrimps-Fischer noch den Hafen verlassen; der Vorsitzende der Louisiana Oyster Task Force schätzt, dass die Nachfrage nach Austern 'so um 99 Prozent' gefallen ist. Im April lagen die Steuereinnahmen des Staates eine halbe Milliarde Dollar unter den Erwartungen, ein Fall, den die Finanzbehörde 'surreal' nannte."

Aus Milwaukee ergänzt Matthew Desmond, dass in keinem Staat die Mittelklasse so geschrumpft ist wie in Wisconson zwischen 2000 und 2013: Vierzig Prozent der von Weißen und 51 Prozent der von Schwarzen geführten Geschäfte mussten allein nach der Finanzkrise 2008 geschlossen werden: "Die amerikanische Wirtschaft ist nicht mehr wie eine Christbaumkugel geformt, in der Mitte dick und rund, oben und unten abgeflacht, sondern wie ein Stundenglass ... Ökonomen beobachten das Schwinden der amerikanischen Mittelklasse seit mehreren Dekaden und verbinden sie mit stagnierenden Löhnen und der schwindenden Macht der Gewerkschaften. Zur gleichen Zeit sind aber die Kosten für Minivans, Häuser, Gesundheit und Studiengebühren gestiegen. Viele Familien stürzten sich in Folge der neuen Realität in Schulden, niemand sparte mehr, denn in Amerika wird man Mittelklasse, indem man konsumiert."
Archiv: New York Times