Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Die endlose Wiederkehr der "Stopfkuchen"-Provinz

07.07.2015. Der Westen hat den arabischen Frühling gekapert und den syrischen Bürgerkrieg angefacht, klagt die London Review. Eurozine staunt, wie viel Ablehnung im Westen Dissidenten des Islam und der Ukraine entgegenschlägt. The Nation erzählt von einer Pakistanerin, die Freiheit bei den Islamisten sucht. Der Merkur weiß, warum Amerikaner, Briten und Franzosen Fernsehserien bessern können als wir. In El Universal verliebt sich der mexikanische Autor Álvaro Enrigue in Zagreb. Der Guardian vertieft sich in Southern Gothic. Und die New York Times untersucht den Erfolg der Huffington Post.

Das Kunstwerk im neuen Jahrtausend

30.06.2015. Hat die Literatur gerade ihren Duchamp-Moment, fragt The New Republic. Und welchen Einfluss haben Schreibtechnologien auf die Literatur, fragt Le Monde. Buzzfeed erklärt, warum die Vergewaltigungen von Frauen unter den Roten Khmer nie bestraft wurden: Sie waren als Eheschließungen getarnt. Boko Haram ist nicht das einzige Problem Nigerias, notiert die NYRB. H7O skizziert die Stellung der Literatur in der Ukraine. Die Reformideen der 60er Jahre gewinnen, freut sich das New York Magazine.

Scheitern, Risiko, Experiment

23.06.2015. Die NYT erklärt, wie bequem, aber auch wie befreiend das Privileg ist, nicht auf seine Hautfarbe festgelegt zu werden. Die NYRB lernt, wie strategisch durchdacht die Brutalität des IS ist. Das war bei den Bolschewisten auch schon so, erklärt Medium. Quarterly Conversation verteidigt die argentinische Autorin Silvina Ocampo gegen den Vorwurf bourgeoiser Frivolität. Im Telegraph feiert Jeanette Winterson die große Bildhauerin Barbara Hepworth. In Eurozine warnt Sofi Oksanen vor einer Finnlandisierung Europas.

Wie seltene Vögel

16.06.2015. "Urlaub im Protektorat"? Das tschechische Magazin Aktualne winkt dankend ab. Lyrik? Sollte man auch besser lassen, meint die London Review. Der Economist sucht nach Gründen für den Hass auf die Rohingya in Burma und findet sie - bei den Briten. Les inrockuptibles sucht nach Gründen für die Identitätskrise Frankreichs und findet sie - bei Mitterand. Französische Denker sind auch nicht mehr, was sie waren, diagnostiziert Sudhir Hazareesingh im Guardian.

Die Exklusivität von Oink's Pink Palace

09.06.2015. In The New Republic überlegen Neil Gaiman und Kazuo Ishiguro, warum sich plötzlich selbst die chinesische KP für Science Fiction interessiert. TomDispatch schildert die Anfänge der systematischen Folterpraktiken der CIA. In Eurozine vermisst Slavenka Drakulic eine Frauenbewegung in Osteuropa. Collector's Weekly vermisst die TapekulturLa Regle du Jeu sucht nach Alternativen für den Begriff Shoah. Al Ahram fragt: Kauft Katar die arabische Literatur? Die New York Times sorgt sich um den digitalen Imperialismus Silicon Valleys.

Notwendigkeit seiner Nacktheit

02.06.2015. Erfrischend findet die New York Review of Books die mangelnde Kriegserfahrung des irakischen Premiers Haider al-Abadi. Der Merkur wirft ein kritisches Auge auf den Literaturbetrieb. Mengenlehre war gestern, univalente Grundlagen sind die Zukunft der Mathematik, verkündet Wired unter Berufung auf den Mathematiker Vladimir Voevodsky. Eurozine und Tablet greifen noch einmal die Charlie-Hebdo-Debatte auf. Und das New York Magazine erinnert an den ersten telegenen Hamburger: hergestellt von einem Franzosen.

Literatur als Reise erster Klasse

26.05.2015. Slate.fr begleitet die allerersten Résistants ins Panthéon. In Magyar Narancs erklärt László Nemes Jeles das Konzept seines in Cannes ausgezeichneten Holocaustfilms "Der Sohn von Saul". Im Guardian fragt sich David Nicholls: Darf ich über Bologna schreiben, auch wenn ich nie dort war? Wired erinnert an die Geschichte von George Lucas' Special-Effect-Schmiede Industrial Light and Magic. Die Rockmusik ist am Ende, meint der tschechische Musiker Petr Janda in Denik. Die NYT lernt Stand-up auf Chinesisch.

Kollaps im Innern

19.05.2015. In der LRB behauptet Seymour Hersh, dass Osama bin Laden jahrelang vom pakistanischen Geheimdienst gefangen gehalten wurde. Im New Yorker erkundet Karl Ove Knausgard die innere Kriegskultur des Anders Breivik. Wired verfolgt weiter die Ermittlungen gegen die Drogen-Plattform Silk Road. In Clarin beweist Héctor Abad die Kraft magischen Denkens. In Nepszabadsag spricht Regisseur László Nemes über seinen Film "Son of Saul". Und Movie Mezzanine stellt sich gegen eine Armada von Marvel-Helden.

Unfassbar in seiner Unendlichkeit

12.05.2015. N+1 erforscht die Technik der Polizei, Menschen antastbar zu machen. Vanity Fair beschleicht der Verdacht, dass es Soldaten im Krieg besser geht als an der Front moderner Gesellschaften. The Nation beschreibt die Bedeutung von Bibliothekaren im Kampf um intellektuelle Freiheit. Le Monde diplomatique streift durch Teheran an gigantischen Prophetenbildern vorbei. Der New Yorker stürzt sich in eine Landschaft aus 18 Trillionen Planeten. Atlantic beschwört die neue Mode in 3D. Und Reflex erzählt, wie sich die Tchechoslowakei zur Weltmacht halluzinierte.

Prekaristokratie

05.05.2015. Der Atavist erzählt, wie Musik die Menschen in Mali zusammen- und Religion sie wieder auseinanderbrachte. Friedrich Wilhelm Graf geißelt im Merkur die Übergriffigkeit von Staat und Kirchen auf das Lebensende des Einzelnen. New Yorker, New York Times und The Marshall Project befassen sich mit Polizeigewalt und Rassismus in den USA. Wired erzählt die Geschichte der Onlineplattform Silk Road als packenden Thriller. Im Guardian denkt Julian Barnes darüber nach, warum die Geschichte der Literatur viel weniger linear verläuft als die der Kunst. Und in La vie des idées erklärt Amos Gitai, warum das Kino viel autoritärer ist als die Literatur.