Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
31.05.2003. In der FAZ startet Jürgen Habermas eine Initiative für ein Kerneuropa ohne unbotmäßige Randstaaten. Im Rahmen derselben Initiative schreiben Adolf Muschg in der NZZ und Richard Rorty in der SZ. In der FR insistiert Roswitha Haring, das es in der DDR nicht nur Gestank und Zensur gab. In der taz erinnert sich der Beleuchtungsspezialist Gerd Hof, der nicht für Rollings Stones arbeiten will, an die Zeit seiner Stasi-Haft: "Ich stank."

FAZ, 31.05.2003

Das ist immerhin eine kleine Sensation: ein gemeinsamer Essay von Jürgen Habermas und Jacques Derrida über "unsere Erneuerung" - Gedanken zu Europa, die, so die FAZ, Teil einer Inititiative europäischer Intellektueller seien. Es veröffentlichen heute: Umberto Eco in La Repubblica (nicht online), Adolf Muschg in der Neuen Zürcher Zeitung (siehe dort), Richard Rorty in der Süddeutschen Zeitung (siehe dort), Fernando Savater in El Pais (nur gegen 80 Euro Abogebühr im Jahr) und Gianni Vattimo in La Stampa ("Clicca qui per abbonarti"). So ist von der von Habermas organisierten europäischen Öffentlichkeit leider nicht sehr viel öffentlich.

"Wir halten es heute für notwendig und dringend, dass ungeachtet der Auseinandersetzungen, die uns in der Vergangenheit getrennt haben mögen, deutsche und französische Philosophen ihre Stimme gemeinsam erheben", schicken Derrida und Habermas ihrem Text voraus, der zum größten Teil allerdings von letzterem verfasst wurde. Er verteidigt im Namen der wiederentdeckten deutsch-französischen Freundschaft das "Kerneuropa", das die anderen europäischen Länder mit ihren störenden historischen Erfahrungen schon an die Kandare nehmen wird: "Wenn Europa nicht auseinanderfallen soll, müssen diese Länder jetzt von dem in Nizza beschlossenen Mechanismus der 'verstärkten Zusammenarbeit' Gebrauch machen, um in einem 'Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten' mit einer gemeinsamen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik den Anfang zu machen. Davon wird eine Sogwirkung ausgehen, der sich die anderen Mitglieder - zunächst in der Eurozone - nicht auf Dauer werden entziehen können. Im Rahmen der künftigen europäischen Verfassung darf und kann es keinen Separatismus geben. Vorangehen heißt nicht ausschließen. Das avantgardistische Kerneuropa darf sich nicht zu einem Kleineuropa verfestigen; es muss - wie so oft - die Lokomotive sein. Die enger kooperierenden Mitgliedstaaten der EU werden schon aus eigenem Interesse die Türen offenhalten." Die Online-FAZ bringt nur Auszüge aus dem Artikel.

Weitere Artikel: Gemeldet wird, dass Elfriede Jelinek ein Stück über den Irak-Krieg geschrieben hat, das im Dezember von Christoph Schlingensief am burgtheater inszeniert werden soll. Heinrich Wefging fragt sich, ob Arundhati Roys Aufruf an die Amerikaner zur Revolution gegen ihre Regierung von den amerikanischen Medien totgeschwiegen wird - nein, antwortet selbst, sie bekommt allenthalben in den USA hochdotierte Menschenrechtspreise. Andreas Rosenfelder besucht die Bonner Büros des "Bürgerkonvents" und nterhält sich mit seinem Mitgründer Meinhard Miegel. Richard Kämmerlings resümiert Elisabeth Borchers' Frankfurter Poetikvorlesung. Uwe Walter hat einem Bonner Symposion zugehört, das sich mit dem " Dilemma des Kulturgüterschutzes in Irak und Afghanistan" befasste. Ingeborg Harms liest deutsche Zeitschriften, die das Phänomen der Popliteratur verabschieden. Marietta Piekenbrock berichtet von einem Treffen junger Dramatiker in München. Georg Imdahl gratuliert dem Maler Ellsworth Kelly zum Achtzigsten.

In den Ruinen von Bilder und Zeiten veröffentlicht Michael Gassmann ein Plädoyer für den Eisenbahnverkehr. Ferner wird hier George Steiners Dankesrede aus Anlass der Verleihung des Börne-Preises abgedruckt.

Auf der Medienseite stellt Siegfried Stadler Hans Christoph Blumenbergs Dokumentation zum 17. Juni vor, die morgen auf Arte läuft. Und Dieter Seidel schreibt zumTod von Günter Pfitzmann. Auf der Schallplatten-und-Phono-Seite meditiert Eleonore Büning über die Entstehung immer neuer Klassiklabels im Zeitalter der großen Krise der Musikindustrie. Ferner geht's um eine Schostakowitsch- und Schnittke-CD des Keller Quartetts mit Alexei Lubimov, Klavier, um ein neues Album von Tomte, um das Frühwerk von Grateful Dead im HDCD-Format und um eine CD mit Antonin Reichas Vertonung von Gottfried August Bürgers Ballade "Lenore". Auf der Literaturseite wird unter anderem Walter Moers' Fantasy-Roman "Rumo und die Wunder im Dunkeln" besprochen.

Besprochen werden Opern von John Adams und Scott Joplin in Paris, die Ausstellung "Kunstfotografie um 1900" in der Kunstbibliothek Berlin

In der Fankfurter Anthologie stellt Jan Philipp Reemtsma ein Gedicht von Robert Gernhardt vor - "Lob des Lebens":
"Dichter und Propheten priesen's,
Und sie hatten ja so recht..."

FR, 31.05.2003

Die Schriftstellerin Roswitha Haring ("Ein Bett aus Schnee") mag nicht mehr auf FDJ-Fragen antworten und bittet die Westler um etwas weniger deutsch-deutsches Mitleid. "Bis heute kann ich nicht beteuern, dass das Leben in der DDR ein urkomischer naiver Versuch war, ein langes faules Gähnen, ein Hausen in Gestank und Beton, ein von Offiziellem, Befohlenem ununterscheidbares Dasein. Ich hole Luft und will sprechen. Die feinen Unterschiede erläutern, die Nischen, Freiräume, aber da sagt schon jemand, es musste alles durch die Zensur, die Wirtschaft lag am Boden, Leipzig war ein dreckiges Nest, das sind Stasimethoden, die Universitäten waren verschult, wir sind hier nicht in der DDR, Sie kennen keine Freiheit, Sie haben eine Menge nachzuholen, und erklären mir genau, was am 9. November 1989 passiert ist. Sie sagen es kalt und laut und lange. Ich höre ein bisschen zu und schalte dann ab."

Gerechtigkeit ist auch in Zeiten der Globalisierung möglich, Gleichheit nicht, behauptet der Berliner Historiker Jürgen Kocka in seinem Essay, und gibt der SPD gleich noch ein paar Tipps für die Zukunft mit auf den Weg. "Der starke Staat als Sozialstaat ist nötig, wie andererseits der Markt und seine Dynamik unersetzbar sind. Aber zwischen beiden gibt es ein Drittes, die Zivilgesellschaft, die soziale Bürgergesellschaft. Die Arbeiterbewegung, die 1848 entstand, war die stärkste zivilgesellschaftliche Bewegung des 19. Jahrhunderts. Die Sozialdemokratie könnte sich stärker auf diese Wurzeln besinnen und soziale Gerechtigkeit entsprechend definieren. Dann ist sie auf der Höhe der Zeit und sogar ihrer Zeit voraus."

Weiteres: Martina Meister schätzt das Cafe, das die Literaturagentur Eggers & Landwehr in Berlin eröffnet hat, und wo es Lesungen mit Flaschenbier gibt. Markus Brauck schreibt zum Tod des Schauspielers und Vorzeigeberliners Günter Pfitzmann. Christoph Schröder begrüßt das vorläufige Veto des Kartellamts hinsichtlich der Fusion von Random House und Ullstein Heyne List. Renee Zucker kann sich nicht damit anfreunden, dass Indianer als Grenzer arbeiten. Gemeldet wird, dass die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister nun wieder voll zugänglich ist, dass der Kunstkritiker Pierre Restany gestorben ist und dass die Nominierungen für den Turner-Preis wieder für Kontroversen sorgen.

In Zeit und Bild lädt uns Steffen Richter in das unterschätzte Turin mit seinen Gespenstern ein. Navid Kermani erzählt in seiner Serie "Vierzig Leben" diesmal von Kneipier Christian, der seinen Lagavulin nicht in Cola ertränken kann.

Auf der Medienseite staunt Roderich Reifenrath über die mediale Einheitsfront, wenn es um den Abbau des Sozialstaats geht. Roman Arens trauert um das neueste Opfer von Silvio Berlusconi , den Chefredakteur des ehrwürdigen Corriere della sera, Ferruccio de Bortoli.

Im Magazin spricht die irakische Architektin Zaha Hadid (mehr hier) über den Abriss der Paläste, den Wiederaufbau ihrer Heimatstadt Bagdad und die architektonischen Sünden Berlins. "Es ist eine unglaubliche Stadt. Man kann mit ihr anstellen, was man will, sie überlebt immer. Ich bin versucht zu sagen, sie hätten es besser machen können. Berlin ist zu monumental geworden, die Gebäude sind zum Teil sehr theatralisch, andererseits haben sie auch Qualitäten. Verrückt ist, dass Berlin völlig anders aussehen würde, wenn dieser Bau-Boom nur ein paar Jahre später eingesetzt hätte. Es wäre frischer. Anfang der Neunziger Jahre glaubte man noch an bestimmte Dinge."

Außerdem porträtiert Elisabeth Wagner den Ex-Ganoven Wolf Mark, der jetzt ehemalige Kollegen an Talkshows vermittelt. Kerstin Friemel fragt Lynne Cox, was sie noch erreichen will, nachdem sie als erster Mensch im Wasser der Antarktis geschwommen ist. Herbert Fritz tadelt Fidel Castro, mit seinem "harschen Vorgehen" gegen Dissidenten die dringend benötigten Touristen zu vertreiben. Peter Linden verrät, wo in diesen Tagen die einstigen Expeditionsteilnehmer die Erstbesteigung des Mount Everest feiern werden: an ihrem Übungsberg Mount Snowdon.

Besprochen werden Helmut Lachenmanns Erstaufführung vom "Mädchen mit den Schwefelhölzern" auf den Wiener Festwochen, und Bücher, darunter Norbert Elias' und Eric Dunnings Untersuchung "Sport und Spannung im Prozess der Zivilisation" sowie Per Olov Enquists autobiografisch verbürgter Roman "Lewis Reise" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

TAZ, 31.05.2003

Heute gibt es einen kleinen Schwerpunkt zum Kirchentag: Heike Haarhoff versteht auf der Tagesthemenseite die Aufregung um die ökumenische Kommunion (das sagt der Papst dazu) gar nicht und porträtiert drei Geistliche, die es schon immer tun. "Landauf, landab widersetzen sich katholische Pfarrer seit Jahren der theologischen Auffassung des Papstes, nach der katholische Geistliche nur in Ausnahmefällen Nichtkatholiken an der Eucharistiefeier, wie das Abendmahl bei den Katholiken heißt, teilnehmen lassen dürfen. Was bleibt ihnen auch?" Stefan Kuzmany hat sich für die Meinungsseite unters Kirchentagsvolk gemischt, die unbefleckte Empfängnis gesucht, aber nur Susan Stahnke gefunden. Britta Baas meint, dass Frauen in der Kirche noch immer nicht viel zu sagen hätten - auch aus eigenem Verschulden.

Im Feuilleton freut sich nur Daniel Bax auf die Deutschlandtour der mexikanischen Band Mana, der erfolgreichsten Vertreterin der "Rock en Espanol"-Bewegung.

Auf der Medienseite verabschiedet Arno Frank mit dem verstorbenen Schauspieler Günther "Pfitze" Pfitzmann ein weiteres Stück Westberlin. Steffen Grimberg ätzt über die Bahn im Besonderen und den ausufernden Titelschutz im Allgemeinen.

Im tazmag erzählt Beleuchtungsspezialist Gerd Hof (mehr über seine Arbeit hier), warum er das Jubiläum in St. Petersburg illuminiert, aber nicht für die Rolling Stones arbeiten will, obwohl er wegen ihretwegen fast im Stasi-Keller vermodert wäre. "Ich blieb ein Vierteljahr in U-Haft, Einzelzelle. Immer mit denselben Klamotten, wenig Wasser. Ich stank, die Haut schälte sich. Meine Eltern liefen derweil draußen Amok, die wussten nicht, wo ich war. Die Polizei sagte ihnen, sie hätten ihren Sohn besser erziehen müssen, der sei wohl in den Westen abgehauen."

Ansonsten erinnert Andre Paris an den Aschaffenburger Exorzistenprozess und die Hundertschaften der Teufelsaustreiber, die heute noch in der katholischen Kirche ihren Dienst tun (mehr darüber hier). Die Unternehmensberaterin Maria Hof-Glatz informiert Frauen, die in der männerbetonten Geschäftswelt immer noch keine Karriere (kleine Begriffsgeschichte hier) gemacht haben, über Ursachen, Strategien und mögliche Alternativen. Oliver Ruf sinniert darüber, wie das Theater Trier mit Manfred Gurlitts "Nordischer Ballade" eine unentdeckte Exiloper heben und sie an Edgar Wallace verschenken konnte. Sport ist Mord, weiß Jutta Heess. Jedenfalls wenn man an Anorexia athletica leidet.

Besprechungen widmen sich Dieter Borchmeyers und Helmuth Kiesels klärendem Sammelband "Der Ernstfall. Martin Walsers Tod eines Kritikers" und "Der König von Havanna", dem zweiten Roman des Kubaners Pedro Juan Gutierrez (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Schließlich ein rätselhafter Tom.
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NZZ, 31.05.2003

In der NZZ findet sich im Rahmen von Habermas' Kerneuropa-Initiative ein Text von Adolf Muschg. Vorgeschaltet ist ihm eine etwas süffisante Bemerkung der NZZ-Redaktion: " Wie weit Europa reiche, das ist eine der offenen Fragen. Es reicht, wie sich an den Publikationsorten ablesen lässt, mindestens bis Madrid, Paris, Frankfurt am Main, München, Zürich, Turin und Rom. Es reicht, ebenso gewiss, auch noch weiter. Ob es sich aber, wie die Beteiligung Richard Rortys nahelegen könnte, bis nach Amerika dehne, dürfte weniger gewiss sein."

Auch Muschg plädiert für Kerneuropa, falls die ostmitteleuropäischen Länder (und Spanien?) nicht auf Linie zu halten sind: "Im Grenzfall - den kein Europäer wünschen kann - ist der Rückzug auf das Gefäß geboten, in dem ein singulärer historischer Wille die weitgehende Überwindung des nationalen Idiotismus - right or wrong, my country - erreicht hat. Sie bleibt die (keineswegs unverlierbare) Kern-Errungenschaft des kommenden Europa."

Weitere Artikel: Also Keel berichtet über dänisch-russische Verstimmungen: An sich sollten die Gebeine der letzten Zarin Maria Feodorowna, der ursprünglich dänischen Prinzessin Dagmar, die dann auch in Dänemark starb, feierlich nach Russland überführt werden, aber dann tagte in Kopenhagen der tschetschenische Weltkongress, und Putin war so sauer, dass er nicht nur auf die vorgesehene Kopenhagen-Reise verzichtete, sondern auch noch vergaß, sie abzusagen. Thomas Laux resümiert ein internationales Baudelaire-Kolloquium in Düsseldorf. Georges Waser stellt ein Granta-Heft mit Texten der im letzten Jahr gekürten "20 Best of Young British Novelists" vor. Hmn. gratuliert dem Musikwissenschaftler und Kritiker Andres Briner zum Achtzigsten. Beatrice Eichmann-Leutenegger schreibt zum Tod des Schriftstellers und Hörspieldramatikers Alexander Heimann. Besprochen wird Donizettis "Don Pasquale" in Sankt Gallen.

In Literatur und Kunst meditiert die Lyrikerin und Übersetzerin Ilma Rakusa in einem längeren Essay über die Kunst der Übersetzung: "Was also geschieht bei der Arbeit am fremden Text mit dem eigenen Ton - und wie untermalt dieser die Übersetzung?" Auch Roman Bucheli stellt eine Frage, auf die man beim Lesen von Gedichten kommt: " Was verstehen wir, wenn wir meinen, etwas verstanden zu haben?" Ferner legt Farzaneh Taheri, Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin, aber auch Ehefrau des im Sommer 2002 verstorbenen Schriftstellers Hushang Golshiri, ausführliche "Notizen zur Entwicklung der iranischen Gegenwartsliteratur" vor. Ivan Farron führt in den den Begriff der "Autofiction" ein, der in der jüngsten französischen Literatur eine Rolle spielt. Und Martin Zingg bespricht zu guter letzt einige französischsprachige Bände mit den Briefwechseln der Dichter Gustave Roud und Philippe Jaccottet.

SZ, 31.05.2003

Intellektuelle dieser Welt, vereinigt Euch! Jürgen Habermas und Jaques Derrida rufen zu einer "konzertierten transatlantischen Aktion" zur Bildung eines Kerneuropa auf (siehe FAZ), und alle folgen. Adolf Muschg in der NZZ, Umberto Eco in La Repubblica, Gianni Vattimo in La Stampa, Fernando Salvater in El Pais, und Richard Rorty als einziger Amerikaner hier in dieser Zeitung. In seinem Essay befürwortet er ein starkes Kerneueropa, das auch Amerika dringend nötig hat. "Ein solches Aufblühen neuer idealistischer Selbstdefinierung würde ein Echo in der ganzen Welt auslösen, in den Vereinigten Staaten und China ebenso wie in Brasilien und Russland. Es würde uns aus der Sackgasse holen, in der wir zur Zeit gefangen sind. Es ist, soweit ich sehen kann, so ziemlich das Einzige, was diese Wirkungsmacht haben könnte. (...) Sowohl in Europa als auch in Amerika gibt es viele Millionen Menschen, die klar erkennen, dass Amerikas Anspruch auf permanente Hegemonie trotz allem, was es für die Sache der menschlichen Freiheit geleistet hat, ein schrecklicher Fehler ist. Amerikaner, denen dies bewusst ist, brauchen alle Hilfe, die sie kriegen können, um ihre Mitbürger davon zu überzeugen, dass Bush ihr Land auf einen falschen Weg geführt hat."

Weitere Artikel: "ff" hat die Luft aus dem Reifen der Aufklärung zischen hören, als Paul Wolfowitz den Grund für den Irak-Krieg zugegeben hat: die Bürokratie. "G.K." schreibt zum Tod des Kunstkritikers Pierre Restany. Frank-Rutger Hausmann kommentiert in der Reihe "Briefe aus dem 20. Jahrhundert" ein Schreiben von Siegfried Landshut an Fritz Schalk aus dem Jahr 1933. Christian Jostmann referiert die Ergebnisse einer Tagung zur Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453, sozusagen der 11. September des christlichen Europa. "cjos" empfiehlt dazu Wolfram Brandes' Aufsatz "Sieben Hügel. Die imaginäre Topographie Konstantinopels zwischen apokalyptischem Denken und moderner Wissenschaft". Stefan Gronert gratuliert dem Maler und Bildhauer Ellsworth Kelly zum Achtzigsten. Zudem hat die SZ ein paar Ausstellungen im Juni herausgesucht.

Auf der Medienseite porträtiert Michael Jürgs den ehemaligen Filmkritiker und Regisseur Hans Christoph Blumenberg (kleine Filmografie hier), der den 17. Juni 1953 als Dokudrama inszeniert hat. Hans Hoff verabschiedet den gestern verstorbenen Berliner Schauspieler Günter Pfitzmann.

Besprochen werden "Graveyard of Honor", ein Gangsterfilm gegen alle Regeln von Shin Jingi No Hakaba, die Schau "Bankett" im Karlsruher ZKM, das von Antonia Brix inszenierte Stück "Recent Experiences" am Staatstheater Stuttgart, die um hundert Jahre verspätete szenische Uraufführung von Isaac Albeniz? "Merlin" in Madrid, ein Konzertabend mit Tschaikowsky und Prokofjew und dem br-Symphonieorchester unter Riccardo Muti in München, und Bücher, darunter die Neuauflage von Fernando Pessoas bewegendem, niederziehendem, großartigem "Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares", Friedrich Forssmanns und Ralf de Jongs Nachschlagewerk zur "Detailtypografie" sowie Jean-Luc Nancys Geschichte des modernen Körpers "Corpus" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende erzählt Martin Mosebach (mehr hier) von seinem Plänen, indische Saphire, Aquamarine, Mondsteine, Bergkristalle, Diamanten, Amethyste, Lapislazuli, und Perlen aufzukaufen ("Was fällt Ihnen auf, wenn ich diese Steine alle aufzähle? Was sehen Sie bei diesem ganzen blau-grünen Geriesel vor sich?"). Rainer Stephan serviert ein Abendessen mit fünf Gängen und drei ratlos-lakonischen Exemplaren der SPD-Basis. Christian Nürnberger erwartet rein gar nichts von diesem Wochenende, wo sich SPD, Gewerkschaften und Kirchen in Berlin versammeln. Guido Kleinhubbert stellt uns anlässlich des Welt-Nichtrauchertags die unverbesserliche Frau Laumen vor, die gegen alle Widerstände immer noch Zigaretten konsumiert. Jina Khayyer entwirft eine Typologie des Discotänzers. Und Rebecca Casati hat sich mit der Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin unterhalten, die ihre erste Nacktszene mit 17 nicht bereut: "Überdies brauchte ich einen Job."