Philippe Jaccottet

Der Unwissende

Gedichte und Prosa 1946-1998
Cover: Der Unwissende
Carl Hanser Verlag, München 2003
ISBN 9783446202740
Gebunden, 181 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Friedhelm Kemp, Sander Ort, Elisabeth Edl und Wolfgang Matz.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2003

Rezensent Milo Rau freut sich nur halb über diese von Jaccottet selbst verantwortete Werkauswahl. In der Konsequenz nämlich wird für ihn damit "einer, der sich dem Literaturbetrieb mit offenem Desinteresse ein Leben lang entzogen hat .. endgültig inventarisiert und mit dem verdächtigen Siegel der edlen Einfalt versehen". Das Frühwerk, "in dem sich ein latenter Hang zu rein handwerklicher Perfektion, aber auch, im weitesten Sinn, politisches Engagement" verrate, bleibe ausgeschlossen, ebenso die zu einseitig pessimistischen Momente von Jaccottets Dichtung. Gezeigt werde "ein geglättetes Selbstbildnis", ein "ausgewogenes Clair-obscur aus preisender Wirklichkeitsschau und tragischer Todesverfallenheit". Für den Rezensenten gibt es in der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts vielleicht keinen zweiten Dichter, der sich so sehr dem Auftrag verschrieben habe, nicht zu lügen und eine Ursprünglichkeit der Sprache zu behaupten. Dass er mit dieser Werkauswahl nun, als Interpret seiner eigenen Werke, ein wenig mit dem "Mogeln" begonnen habe, findet Rau schade.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.05.2003

Einen "subtilen Esoteriker" nennt Rezensent Hans-Jürgen Heinrichs den französischen Schriftsteller Philippe Jaccottet, dessen Band "Der Unwissende" Gedichte und Prosa-Texte aus den Jahren 1946 bis 1998 versammelt. Als "vorherrschende Stimmung" in Jaccottets Gedichten und Prosa macht Heinrichs das Leidvolle, Vergebliche allen Tuns, aber auch die Hoffnung auf das Neuentstehende aus. In "philosophischer Meditation" und "poetischer Verdichtung" näherte sich Jaccottet seinen Gegenständen, meist der Natur oder dem Göttlichen, erklärt Heinrichs. Dabei verleihe er der Schönheit "mannigfachen Ausdruck", was zur Freude Heinrichs ganz und gar "ungekünstelt" wirkt. "Geschult an der Sprache von Empedokles und Parmenides, von Homer, Hölderlin und Rilke, vertrauend auf das Zeitlose der poetischen Einbildungskraft", beschreibt der Rezensent Jaccottets Schaffen, "entfaltet er eine Innerlichkeit ohne Ideologie und modische Verengung."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.05.2003

Andreas Dorschel kann diesem Band mit Prosa und Lyrik rein gar nichts abgewinnen. Er sieht in den in mehr als sechs Jahrzehnten entstandenen Texten vor allem das Zeugnis "harter Arbeit, durchgehaltener Anstrengung und beklemmender Monotonie", wobei ihn besonders der "hohe Anspruch" des französischen Autors stört. Kaum je begegne man wirklichen Dingen und Menschen in diesen Texten und stets sei das, was beschrieben wird, etwas über sich selbst Hinausweisendes, so der Rezensent genervt. Dass Philippe Jaccottet seine hehren Gedanken auch noch in ziemlich konventionelle Worte kleide, die zum "Edelkitsch" neigen, macht die Lektüre für Dorschel regelrecht ungenießbar. Der Rezensent sieht die vom Autor bemühten poetischen Wendungen in einer "Sauce aus Altgold" untergehen, und er findet, dass Jaccottet mit seinen Texten lediglich ein "metaphysisches Abziehbild der Wirklichkeit" biete.
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