Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.06.2001.

NZZ, 28.06.2001

Matthias Schmitz hat zum 70. Geburtstag ein Interview mit Ivan Nagel geführt. Er spricht unter anderem über das "Theaterwunder" der siebziger Jahre: "Es war getragen vom Willen der Theatermacher und von den Erwartungen des Publikums. Wer am Abend ins Theater ging, hoffte, den Zuschauerraum verändert zu verlassen; und die Schauspieler versuchten, an diesem Abend etwas mitzuteilen, was sie nur in dieser einzigartigen Form und Minute mitteilen konnten. Auch gab es Fronten in Publikum und Presse, einen manchmal wilden Kampf um das, was auf der Bühne erlaubt oder unerlaubt zu sagen und zu zeigen sei. Diese Hilfen, diese Hindernisse - und Hindernisse sind manchmal Hilfen - fehlen dem Theater heute."

Joachim Güntner stellt die Adresse My-favorite-book vor, die Bücher im Selbstverlag herausbringt. Die Autoren bekommen 50 Prozent vom Netto-Verkaufspreis: "Miesepeter werden einwenden, dass my-favorite-book dafür aber auch den Autor mit einem Unkostenbeitrag von 5700 Euro, zahlbar im Voraus, zur Kasse bittet."

Weitere Artikel: Gerda Zeltner bespricht Claude Simons neuen Roman "Le tramway", der bisher nur auf französisch erschienen ist. Hanspeter Künzle macht sich Gedanken über die Homophobie der HipHop- und Reggae-Szene, zu der ein amerikanischer Essayband erschienen ist. Manfred Papst bespricht einige CDs von Bands aus den späten sechziger Jahren, die als Reissue wieder herausgekommen sind. Besprochen werden außerdem einige Bücher, darunter Christine Gräns Roman "Hurenkind". (Siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr)

SZ, 28.06.2001

Günter Gaus (der die DDR ja schon deshalb vermissen muss, weil er seit ihrem Ende keine Entspannungspolitik mehr führen kann) hält eine wütende Diatribe auf den posthum-antikommunistischen Wahlkampf der CDU und findet im übrigen, dass CDU und PDS so manche Gemeinsamkeit haben: "Die PDS ist in ihrer Flügelspannweite von Bisky bis Wagenknecht der Ausdehnung der CDU von Geißler und Süßmuth bis Kohl und Kiep nicht ganz unähnlich. In beiden Parteien gibt es Fremdenfeindlichkeit. Aus meiner Beobachterzeit in der DDR als ständiger Vertreter der BRD weiß ich, dass für manche alten Kader in der SED alles Neue ? in Filmen, in der Jugendkultur, im Verhältnis zur Sexualität ? so unbegreiflich, so abstoßend war wie gleichaltrigen Parteifreunden in der CDU. In PDS wie heutiger CDU sind solche gestrigen noch am Leben. Aber moralisch wie in der Gewöhnung an die freiheitlich-demokratische Grundordnung würde ich es natürlich nie wagen, die beiden zu vergleichen."

Andrian Kreye hat den Kriegsfotografen Don McCullin getroffen, der im New Yorker UN-Gebäude Fotos über die afrikanische Aids-Katastrophe ausstellt: "Don McCullin hat selbst keinen Abstand zu seinen Bildern. 'Ich dachte eigentlich, ich hätte schon alles gesehen' sagt er. 'Aber ganz ehrlich, darauf war ich nicht vorbereitet... Für Don McCullin ist Aids in Afrika nicht nur die Geschichte einer Krankheit: 'Es ist vor allem eine Geschichte über die Armut. Da liegen Leute auf dem Boden und sterben ohne ein Bett, ohne etwas zu essen, ohne Medikamente.'"

Keine Spur von Civil Society findet Heiko Flottau in Hosni Mubaraks im Westen so beliebtem ägyptischen Regime und schildert den Fall des Professors Saad Eddin Ibrahim, der für sieben Jahre ins Gefängnis kam ? zusammen mit einigen Mitarbeitern der Amerikanischen Universität von Kairo: "Was sie getan haben, würde indessen in jeder westlichen Gesellschaft mit Lob und Preis überschüttet. Sie haben, zum Beispiel, mit Geldern der Europäischen Union zum Thema der Wahlen ? und Wahlfälschungen ? in Ägypten geforscht. Sie haben das Los von Fabrikarbeitern untersucht. Sie haben die Beteiligung von Bürgern am politischen Prozess gefördert. Kurzum, sie haben das zarte Pflänzchen der Demokratie ein wenig gewässert, bevor es ganz vertrocknet im Land am Nil."

Weitere Artikel: Joachim Riedl erzählt noch einmal die Irrungen und Wirrungen um das Wiener Museumsquartier, das heute eröffnet wird. Ralf Bönt erinnert sich für die Reihe "Das war die BRD" an die Wrangler-Jeans. Reymer Klüver resümiert Habermas' Vortrag bei den Hamburg Lectures (der wie gesagt in der Zeit dokumentiert ist). Oliver Jahn hat einer Koeppen-Tagung in Rendsburg zugehört. Hans-Peter Kunisch gratuliert Jürg Federspiel und "tsr" Ivan Nagel zum jeweils Siebzigsten. Besprochen wird Volker Schmalöers Inszenierung von Brian Friels Stück "Antworte mir" in Köln. Auf der Berlin-Seite berichtet Ralph Hammerthaler über die Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie in Berlin.

Auf der Filmseite äußert sich Michael Althen unzufrieden über die Lara-Croft-Verfilmung "Tomb Raider": "Im Grunde hätte schon die Großaufnahme eines einzigen Blutstropfens genügt, um der Figur mehr Leben einzuhauchen... Aber das Kino, so wie es aus Hollywood kommt, scheint die Unterschiede gar nicht betonen zu wollen, sondern ist an der möglichst fugenlosen Verschmelzung von Filmkorn und Pixel interessiert..." Ferner war Milan Pavlovic dabei, als Quentin Tarantino den Filmregisseur William Witney als Howard Hawks des B-Pictures feierte. Besprochen werden außerdem die Filme "Monkeybone" und "Startup".

FR, 28.06.2001

Wolfgang Templin (selbst Ex-Dissident und Grüner) schreibt einen der besten Kommentare der letzten Zeit zur politischen Situation in Berlin und fragt, welche Partei denn nun für einen Neuanfang in der Stadt stehen könne. Auweia! Da bleibt nicht viel. Nur einer: "Klaus Hartung hat Recht, wenn er in der Zeit Gregor Gysi für den am meisten überschätzten Politiker Deutschlands hält. Ebenso hat jeder Recht, der mit einer Regierungsbeteiligung der PDS nicht die Überwindung der Spaltung der Stadt, sondern neue und tiefere Gräben sieht. Die Sachvorschläge und Reformkonzepte der PDS halten tieferer Prüfung häufig nicht stand, und ihre Abkehr von der eigenen Geschichte hat das Gros der Parteimitglieder noch lange nicht erreicht. Dennoch wird die Partei der eigentliche Gewinner der kommenden Wahlen sein." Schöne Aussichten!

Ab Sonntag beginnt die Kulturrevolution bei der Musiktauschbörse Napster: Man wird zahlen müssen. Vor allem aber, so berichtet Lars Reppesgaard, will die Musikindustrie das praktische MP3-Format verdrängen, das sich so schön kopieren ließ: "Napster-Techniker arbeiten derzeit an einem neuen Dateiformat, NAP, das Musikdateien mit einem digitalem Briefumschlag versieht. Er soll das Rechtsmanagement gewährleisten. .Nap-Dateien lassen sich nur auf der Festplatte abspielen, auf die sie kopiert wurden. Auch über Real Networks gestreamte Stücke lassen sich im Gegensatz zu MP3s kaum speichern, und auf eine CD kann man sie nur schwer brennen. Sie sind dafür ideal für das einmalige Abspielen auf Bestellung. 'Music on Demand' heißt das Stichwort, ein Verfahren, das Labelchefs noch lieber ist als die Pauschalabonnements für den Musikdownload. Denn die neuen Formate ermöglichen es nicht nur, Raubkopierer leichter zu verfolgen. Während der Plattenladen um die Ecke nicht kontrollieren kann, wie oft man eine CD hört, ob man sie verleiht oder aufnimmt, lässt sich mit ihnen auch festlegen, wie oft man die neue Madonna-Single hören darf." Die sollen doch an ihrer Gier ersticken!

Weitere Artikel: Guido Grad stellt die Günter-Grass-Stiftung vor (der wir neulich einen Link des Tages widmeten). Reinhard Hübsch beschreibt die Pläne des Architekten Gottfried Böhm für eine Kapelle in rheinland-pfälzischen Bernkastel-Kues.

Besprochen werden die 6. Biennale für zeitgenössische Kunst in Lyon, Adam Brooks' Film "Invisible Circus", die Ausstellung "The Victorian Vision" im Londoner Victoria & Albert Museum, ein Konzert von Roxy Music in München und Bücher, darunter Rita Mae Browns neuer Roman "Böse Zungen" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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TAZ, 28.06.2001

Bevor Joachim Lottmann auf das eigentliche Thema seiner Rezension kommt - Sister Souljahs Roman "Der kälteste Winter aller Zeiten" - erzählt er erst mal, wie es überhaupt zu seiner Besprechung kam: Nachdem Else Buschheuer das Buch im Spiegel zum "Kultthema" erhoben hatte "war klar, dass Sister Souljah kein Mann besprechen durfte, schließlich handelte es sich um Frauenliteratur, auch wenn es nicht bei Neue Frau, sondern im Haffmans Verlag herauskam. Dann aber erlebte die Öffentlichkeit einen seltsamen Aufstand verkrachter oder einfach nur ehemaliger Haffmans-Autoren, die unisono behaupteten, der letzte große deutschsprachige Privatverleger zahle zu wenig Honorar. Man las es plötzlich überall. Da mir in der Sache nur das Gegenteil bekannt war und ich gerade wieder einen dicken Scheck von Haffmans im Briefkasten gefunden hatte, rief ich den legendären Gerd Haffmans verwirrt an. 'Gerd, was ist da los? Soll ich eine Front gut bezahlter Haffmans-Autoren aufmarschieren lassen? Du weißt, uns Erfolgreichen glauben sie.' Er winkte entsetzt ab. Ich solle lieber Sister Souljah rezensieren." Wie er den Roman dann fand? Lesen Sie selbst ...

Weiter Artikel: Reinhard Wolf schreibt zum Tod der Autorin und Illustratorin Tove Jansson, besser bekannt als Mumin-Mama, die gestern 86-jährig in Helsinki starb. Und Holger int Veld stellt die Band "Basement Jaxx" vor, Englands aussichtsreichster Kandidat, "den Dancefloor-Cup zurück nach England zu holen".

Besprochen werden das Buch "Der Filmstar" (siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr) und der Film "Tomb Rider" (Der Comic-Figur Lara Croft, "dieser digitalen Kreuzung aus Judith Butlers Phallustheorien, einem Bulldozer und einer 0180-Sex-Nummer kann Frau Jolie, deren zweiter Vorname übrigens Oscarpreisträgerin lautet, eigentlich nur zwei brustwarzenlose Megamöpse und den immer leicht verspannten Schmollmund entgegenhalten.")

FAZ, 28.06.2001

Mit Bestürzung habe man in Russland auf Solschenizyns neues Buch reagiert, das die russisch-jüdische Geschichte zum Gegenstand hat, schreibt Kerstin Holm. Woraus sich die Bestürzung speist, geht aus ihrem Artikel allerdings nicht ganz hervor: "Solschenizyn, der Wert darauf legt, viele jüdische Freunde zu haben, berichtet über historische Funde, die ihn überrascht hätten: dass beispielsweise im Krieg gegen Napoleon Juden der russischen Armee halfen, indem sie den Ort mitteilten, wo die Franzosen die Beresina überqueren würden. Zu den Anlässen der Judenpogrome der reaktionären Schwarzhunderter vor hundert Jahren hat Solschenizyn herausgefunden, dass die Anhänger des anarchischen 'Volkswillens' das Regime zu der Kampagne anstachelten und dass ferner die Liberalen eine Mitschuld trugen, weil sie den Patriotismus zum Schimpfwort verkommen und vom Pöbel besetzen ließen. Solschenizyn bekennt Respekt für die jüdische Fähigkeit, in der Diaspora den nationalen Zusammenhalt über lange Zeit zu bewahren."

Jürgen Kaube hat die Habermas-Rede gehört und findet: "Auf der Suche nach einer Idee für das Interesse an Europa entwickelte Habermas sein Plädoyer für eine politische Union samt europäischer Verfassung und Regierung defensiv, aus einer Bedrohung. Das risikoreiche Projekt der politischen Einheit Europas rechtfertigt sich für ihn aus den Gefährdungen, denen der kontinentale Gesellschaftsstil durch die Weltwirtschaft ausgesetzt sei.... Kaum hielt der Philosoph damit zurück zu sagen: Europa - das ist der Sozialstaat, ist die soziale Marktwirtschaft."

In San Diego eröffnet heute die Messe Bio 2001. Die FAZ dokumentiert die Eröffnungsrede von Carl B. Feldbaum, dem Präsidenten der Biotechnology Industry Organization. Klingt feierlich: "Unsere Revolution betrifft keineswegs nur die Wissenschaft. Sie hat Auswirkungen auf die ganze Erde, auf jeden einzelnen, und so müssen wir in unserer Arbeit stets auch an die Weltgesellschaft denken. Nur so können wir das Versprechen unserer außergewöhnlichen Revolution erfüllen, auf die wir bislang sehr stolz sein dürfen."

Weitere Artikel: Gerhard Stadelmaier gratuliert Ivan Nagel zum Siebzigsten ("Es gibt keinen Theatergucker, der ihm gleicht"). Andreas Rossmann war dabei, als Thomas Reschke in Straelen den großen Übersetzerpreis erhielt. Thomas Wagner erzählt, wie in Stuttgart aus rein "formalrechtlichen" Gründen eine Stammheim-Installation des Bildhauers Olaf Metzel entfernt werden soll. Dirk Schümer setzt seine Kolumne "Leben in Venedig" fort. Richard Kämmerlings gratuliert Jürg Federspiel zum Siebzigsten. Claudia Lanfranconi berichtet von den fortdauenden Feierlichkeiten in Rom, nachdem die Fußballmannschaft der Stadt italienischer Meister wurde. Joseph Croitoru berichtet über einen Streit in Israel um ein Massaker, das die israelische Armee 1948 in einem palästinensischen Dorf begangen haben soll.

Auf der Bücher-und-Themen-Seite geben ehemalige Teilnehmer des Klagenfurter Wettlesens Tipps für ihre Nachfolger bei der heute beginnenden neuen Runde ("Man reiche auf keinen Fall einen Text ein, der nach Thomas Bernhard klingt. Das wird herausgehört und übel vermerkt", rät Sibylle Lewitscharoff. Es schreiben außerdem unter anderen Georg Klein, Alissa Walser und Maxim Biller. Wir haben dem Wettbewerb neulich einen Link des Tages gewidmet.

Besprochen werden der Film "Tomb Raider", eine Choreografie Maurice Bejarts in Lyon, eine Tagung über Wolfgang Koeppen in Rendsburg, ein Auftritt von Aimee Mann, die gerade auf Europatournee ist.

Zeit, 28.06.2001

Diese Zeit sollte man sich kaufen, denn das Feuilleton ist illustriert mit luftigen Zeichnungen von Sempe, von dem gerade ein neuer Band erschienen ist. Dazu gehört eine sehr schöne, fast ergriffene Hommage auf den Zeichner von Peter Kümmel, der den heiteren Melancholiker in Paris besuchte: "Viele seiner Zeichnungen wirken, als beuge sich ein Forscher mit der Lupe über einen Ameisenstaat. Jedoch, jede Einzelameise besitzt Würde, Stolz und Courage. Und alle haben dieselbe Botschaft an den Betrachter: 'Machen sie nicht den Fehler, mich mit den anderen zu verwechseln.'"

Thomas E. Schmidt widmet den Aufmacher dem leidigen Thema des Urhebervertragsrechts, das bekanntlich reformiert werden soll und tarifvertragsartige Regelungen für Urheber und Verwerter mit sich bringt: "Das Gesetz wird also kommen, und Buchverlage, Zeitungen und Sendeanstalten werden. Die Justizministerin und der Bundeskanzler verfolgen, angefeuert von ver.di, das Projekt inzwischen mit einem gewissen Ingrimm. Soziale Missstände werden vom neuen Recht nur in Einzelfällen beseitigt, im Wesentlichen ist es ein politisches Vorhaben. Möge es die SPD also in ihren eigenen Verlagsbeteiligungen vorbildlich durchsetzen, und möge sie als Verlegerin künftig ein glücklicheres Händchen haben als beim Vorwärts oder beim Dietz Verlag." Zum Artikel gehören ein paar Statements von Autoren, Übersetzern und Verleger, die die erwartbaren Standpunkte einnehmen.

MTV-Deutschland bietet eine neue Show mit Politikern als Knetfiguren. Dem Publikum wird der "Todeskampf der Promipuppen" annonciert. Die Promis aber, so meint Thomas Groß in der Leitglosse, haben die "Lektion mit dem Lächeln" gelernt, "und die Jugend soll auch nicht verprellt werden. Gerne wird dafür eine gewisse Strapazierfähigkeit an den Tag gelegt. Celebritys sind nämlich auch Gefühlsdummys für die weniger salonfähigen Regungen des Publikums, Sadismen inbegriffen..."

Weitere Artikel: Wolfram Goertz porträtiert den norwegischen Pianisten Leif Ove Andsnes und bespricht seine neue Liszt-CD ("Die 'Dante-Sonate' wütet bei ihm nicht, sie bebt. Die 'Mephisto-Walzer' kichern vor vergnügter, zunehmend verfratzter Dämonie und sind doch klirrend logische Gebilde..."). Hier kann man u.a. in den Mephisto-Walzer reinhören. Michael Rutschky sinnt zum 50. Geburtstag des Goethe-Instituts über die von ihm gepflegte Art des Kulturaustauschs nach ("Hier herrscht nicht Verstehen, sondern die Kommunikationstheorie von Niklas Luhmann. Es kommt vor allem aufs Weiterreden an."). Und Christian Broecking schreibt zum Tod von John Lee Hooker.

Besprochen werden die Ausstellung der Sammlung Giustiniani im Alten Museum in Berlin ("ein unverdientes Geschenk aus einer größeren Zeit", schreibt Gustav Seibt), Happenings mit Cosima von Bonin im Hamburger Kunstverein, die Theaterproduktion "Spiel mir das Lied vom Tod" im Prater der Berliner Volksbühne, eine Ausstellung mit Hedwig Bollhagens Keramik im Berliner Kunstgewerbemuseum und die Filme "Tomb Raider" und "Monkeybone".

Aufmacher des Literaturteils ist Wolfgang Kemps Besprechung von Aby Warburgs "Tagebuch der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Hinzuweisen ist auch auf eine Rede von Jürgen Habermas, der bei den Hamburg Lectures eine Verfassung für Europa forderte ? sonst sei Europa dem "neoliberalen Weltbild" aus den USA ausgeliefert. In seiner immer etwas bürokratisch klingenden Sprache liest sich das so: "In dem Maße, wie die Europäer die unerwünschten sozialen Folgen wachsender distributiver Ungleichheiten balancieren und auf eine gewisse Reregulierung der Weltwirtschaft hinwirken wollen, müssen sie auch ein Interesse an der Gestaltungsmacht haben, die eine politisch handlungsfähige Europäische Union im Kreis der Global Player gewinnen würde."

Lesenswert auch ein Artikel im Wirtschaftsteil, der das Zukunftskonzept des Bertelsmann-Konzerns als fragwürdig darstellt.