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08.10.2024. Africa is a Country erzählt von den verschwundenen Bildern der südafrikanischen Malerin Mmakgabo Helen Sebidi. HVG und Elet es Irodalom wüssten gern von Victor Orban, seit wann 1956 kein Vorbild mehr ist für seine Partei. New Lines sucht ethisch einwandfreie Diamanten in Botsuana. Im New Statesman denkt Sally Rooney über die Leerstelle Religion nach. The Insider besucht karaitische Gemeinden in der Ukraine. Der New Yorker bewundert die Kunst der Shaker und stellt das neue Lobbymonster Silicon Valleys vor.
Africa is a Country | Guardian | New Yorker | HVG | Elet es Irodalom | New Lines Magazine | New Statesman | The Insider | Forum24 | 54 Books | Meduza
Africa is a Country (USA), 01.10.2024

Der Artikel ist gespickt mit Sebidis ausdrucksstarken Bildern, es gibt auch einen Bericht über sie von Newzroom Africa auf Youtube:
HVG (Ungarn), 03.10.2024
In der vergangenen Woche erschütterte eine Aussage des politischen Direktors im Amt des Ministerpräsidenten die Öffentlichkeit: Balázs Orbán (nicht verwandt mit dem Ministerpräsidenten Viktor Orbán - Anm. d. Red.) verglich die Situation in der Ukraine vor dem russischen Angriff mit der Revolution 1956 in Ungarn. In einem Interview mit einem Parteiorgan bezeichnete Balázs Orbán den ukrainischen Ministerpräsidenten Selenskyj als "unverantwortlich" und warf ihm vor, "sein Land in einen Defensivkrieg" geführt zu haben, der viele Menschenleben koste. Die Ungarn hätten davon abgeraten, hätten sie doch ihre Lektion 1956 gelernt. Ungarn hätte - wäre es an Stelle der Ukraine gewesen - deshalb nicht gekämpft. Diese Aussagen wurden sowohl von den unabhängigen Medien als auch von den Staats- und Regierungsmedien aufgegriffen. Führende Politiker der Regierungspartei, einschließlich Ministerpräsident Victor Orbán haben sich zu Wort gemeldet, Balazs Orban korrigiert, interpretiert und kommentiert (mehr dazu hier und hier). Nach einer Rüge des Ministerpräsidenten und Entschuldigung ist Balázs Orbán nach heutigem Stand der offiziellen Darstellung "Opfer einer Desinformationskampagne" geworden. Für István Riba von der Wochenzeitschrift HVG ist Orbans Aussage nicht nur ein Verrat an 1956, wie er in HVG schreibt, sondern auch eine ahistorische Formulierung, die dem von der Regierungspartei entworfenen Grundgesetz widerspricht und gleichzeitig die Identität der Regierungspartei in Frage stellt: "Der politische Direktor des Premierministers hat es geschafft, den tradierten, jahrhundertealten ungarischen Unabhängigkeitskampf in einem einzigen kurzen Gedankengang mit Füßen zu treten. ... Die Aussage geht über 1956 hinaus und handelt auch davon, wann es sich lohnt, für die Unabhängigkeit einer Nation einzustehen. Es wird suggeriert, dass man nur dann kämpfen solle, wenn es eine Chance auf einen Sieg gibt, denn wenn es keine gibt, sei es besser, sich zu ergeben. ... Untertauchen und abwarten wurden nach '56 zum Lebensprogramm, und obwohl es einige gab, die im Geiste von 1956 handelten, ließ die Masse die Revolutionäre lieber gegen die Wand fahren. ... Diese Mentalität änderte sich erst 1989, als der hingerichtete ungarische Ministerpräsident Imre Nagy und seine Gefährten erneut begesetzt wurden, diesmal mit allen Ehren. Es war Viktor Orbán, der dort die eindringlichste Rede hielt. Seitdem ist es ein grundlegendes Identitätsmerkmal der Fidesz ..., sich nicht auf die Irrealität der Revolution zu fokussieren, sondern auf den Kampf gegen ein tyrannisches Regime. ... Dies war die Haltung aller politischen Kräfte seit 1990 zu 1956. Balazs Orban stellte sie nun in Frage und bestärkte damit das Narrativ der Kádár-Ära."Elet es Irodalom (Ungarn), 04.10.2024
Zoltán Kovács, Chefredakteur der Wochenzeitschrift Élet és Irodalom, sieht durch Balazs Orbans Aussagen gar die Mitgliedschaft Ungarns in der EU und in der NATO gefährdet. "Es wurde noch wenig über die ideologische Verwirrung einer Partei gesprochen, in der der politische Direktor des Regierungschefs mit majestätischem Lächeln von den Vorzügen einer Kapitulation spricht, während er freilich weiß, dass sich seine Partei aus der Revolution gegen die sowjetische Aggression von 1956 ableitet, so wie es auch in der Präambel des Grundgesetzes heißt: 'Wir stimmen mit den Abgeordneten des ersten freien Parlaments überein, die in ihrer ersten Entschließung erklärten, dass unsere heutige Freiheit aus der Revolution von 1956 hervorgegangen ist.' Gilt das noch?New Lines Magazine (USA), 03.10.2024
In einem Land wie Botsuana, denken viele, kann man guten Gewissens Edelsteine kaufen, erklärt Louise Donovan mit Bezug auf eine Untersuchung des Time-Magazins zum Thema "Blutdiamanten" aus dem Jahr 2015: "In einer Branche, die historisch von Gewalt, Schmuggel und Kinderarbeit geplagt ist, ist das Land für seine ethisch einwandfreien Diamanten bekannt. Es hat sogar das königliche Gütesiegel erhalten: ein aus Botswana stammender Kristall ziert Meghan Markles Verlobungsring von Prinz Harry." Vor mehr als fünfzig Jahren schlossen der südafrikanische Diamantengigant de Beers und die botsuanische Regierung eine lukrative Partnerschaft, um die Diamantenminen des Landes zu betreiben. Und tatsächlich hat die Diamanten-Industrie dem Land zu relativem Wohlstand verholfen, die Luxusprodukte machen heute über 90 Prozent der Gesamtexporte und ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts aus, so Donovan. Doch mit den ethischen Standards ist es nicht so weit her wie behauptet, fand Donovan in Interviews mit den Arbeiterinnen in einer Diamanten-Schleiffabrik heraus: diese berichten von Rattenbefall, giftigem Diamantenstaub, sexuellem Missbrauch. Wer sich in einer Gewerkschaft engagiert, dem droht der Rauswurf, erfährt Donovan von ihren Gesprächspartnerinnen. Einige Fabriken bezahlen nicht mal den Mindestlohn: "Jahrelang haben die niedrigen Löhne die Polierer in die Armut getrieben, sagte Rakwadi, der Gewerkschaftsfunktionär der BDWU. Ihr Lohn deckt Lebensmittel und Miete, aber oft nur wenig anderes. Viele der Frauen sind alleinerziehende Mütter und oft die Haupternährerinnen, die Großfamilien unterstützen. Obwohl die Unternehmen die Löhne ihrer Angestellten durch 'Anreize' aufstocken, das heißt durch monatliche Zuschläge zur Deckung der Transportkosten oder zur Belohnung der Pünktlichkeit, sind diese freiwillig und werden manchmal gestrichen oder einfach nicht gezahlt, so die Frauen. Einige der niedrigsten dokumentierten Löhne wurden bei Dalumi gezahlt, einem globalen Unternehmen mit Produktionsstätten in Botswana. Mehrere aktuelle und ehemalige Polierer mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung in der Branche verdienten ein monatliches Grundgehalt zwischen 1.900 und 2.500 Pula (etwa 140 bis 190 US-Dollar). Der empfohlene existenzsichernde Lohn in Gaborone beträgt 8.119 Pula, so die WageIndicator Foundation, eine globale gemeinnützige Organisation. Doch für viele heißt es, entweder dies oder gar nichts."New Statesman (UK), 07.10.2024
Fintan O'Toole unterhält sich mit der irischen Schriftstellerin Sally Rooney über deren neues Buch "Intermezzo". Es geht um Sex, Trauer, das Patriarchat, die Romanform - und um Religion, ein Thema, das Rooney gerade deshalb interessiert, weil es in der modernen Welt (zumindest in dem Teil, in dem sie selbst lebt) immer mehr an den Rand gedrängt wird: "Mich interessiert, dass die Religion und der Glaube innerhalb weniger Generationen fast vollständig aus der Menschenheitsgeschichte zu verschwinden scheinen. Das ist beispiellos und stellt einen faszinierenden, rapiden kulturellen Wandel dar, mit dem wir institutionell nicht Schritt gehalten haben. Philosophisch und kulturell ist ein großer Teil der schriftlichen Überlieferung, die wir erben, im religiösen Glauben verwurzelt, und wir eignen uns diese Texte nun aus einer ganz anderen kulturellen Perspektive an. In meiner demografischen Gruppe ist religiöser Glaube selten, und ich denke, das spiegelt sich allgemein in den Statistiken wider. Wie und warum ist das passiert? Wie sind wir in diese Situation geraten? Ich bin interessiert an der Art von Abwesenheit, die dadurch geschaffen wurde - in Bezug auf dieses reiche textuelle Erbe, dem manchmal das zu fehlen scheint, was in unserer Tradition vielleicht das zentrale Merkmal war, nämlich Christus, oder allgemeiner, Gott. Diese Figur ist verschwunden, und so vieles, was sich um sie gruppierte, ist jetzt um eine Abwesenheit oder ein Vakuum herum angeordnet."Wie es im Nahen Osten weitergehen könnte, darüber denkt Robert D. Kaplan nach. Die Hamas hat - allen militärischen Erfolgen Israels zum Trotz - erst mal gewonnen, weil die Palästinensische Frage plötzlich wieder debattiert wird, auch gezwungenermaßen in den arabischen Ländern, die davon eigentlich die Nase voll hatten. "Da Israelis und Palästinenser zum Konflikt verdammt sind, besteht die einzige Möglichkeit für Israel, einen strategischen Sieg zu erringen, in einem innenpolitischen Wandel im Iran, der zum Zusammenbruch des radikalen klerikalen Regimes und dessen Ersetzung durch einen schwächeren, weniger aggressiven, weniger ehrgeizigen und nach innen gerichteten iranischen Staat führt. Diese Aussicht ist nicht aus der Luft gegriffen. Das Regime wird von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung gehasst und befindet sich in einem verkalkten, spät-sowjetischen Zustand. Massenproteste sind zu einem festen Bestandteil seiner Politik geworden, zuletzt in den Jahren 2022 und 2023 wegen des obligatorischen Tragens des Hidschabs. Nichts in der Geopolitik ist von Dauer. Viele haben einst den Fehler gemacht, das System des Schahs für ewig zu halten; man sollte diesen Fehler nicht wiederholen. Der Zusammenbruch des Schahs war ein weltgeschichtliches Ereignis; der Zusammenbruch des klerikalen Systems in Teheran könnte es auch sein."
The Insider (Russland), 02.10.2024
Forum24 (Tschechien), 04.10.2024
54 Books (Deutschland), 03.10.2024
Kais Harrabi stutzt beim Scrollen durch seine Tiktok-Empfehlungen, als ihm immer wieder melancholische Nostalgie-Videos unterkommen, die das Hochglanz-Flair insbesondere der US-Achtziger beschwören - und wieviele Nachgeborene (darunter auch er selbst) dabei tatsächlich die Wehmut packt, obwohl sie keine Erinnerungen an diese Zeit haben können und die Bilder allesamt aus den Tiefen der KI-Datensilos stammen (und es ist wirklich fast schon gruselig, wie stilecht das aussieht, mehr davon hier). "Dabei gibt es eigentlich kaum einen Grund dafür, den Blick sehnsüchtig zurückschweifen zu lassen. Das New York der Achtziger, auf das sich so viele der Nostalgie-TikToks beziehen, gab es so gut wie nicht. Die Stadt galt damals als rattenverseuchtes Höllenloch; die AIDS-Pandemie zog eine Schneise der Verwüstung durch die Kunstszene, das (queere) Nachtleben und die vermeintlich coolen Viertel; nachts alleine in der U-Bahn unterwegs zu sein, war keine gute Idee." Doch "was von den Achtzigerjahren an visuellem Material geblieben ist, sind vor allem die Hochglanzträume aus Modezeitschriften und Möbelkatalogen - Bildmaterial, das schon damals zum Träumen (und Kaufen) anregen sollte. Und Bildmaterial, mit dem sich heute relativ problemlos generative K.I.-Modelle trainieren lassen. ... Die K.I.-Bilder wecken aber auch falsche Erinnerungen. Ästhetisch sind sie oft viel zu smooth; die Glätte, die die Fotos versprechen, können weder Katalogfotos noch Filme solcher Stilisten wie 'Top Gun'-Regisseur Tony Scott einlösen. Das hat damit zu tun, dass die Achtziger auch das letzte Jahrzehnt waren, in dem man sich sicher sein konnte, dass das, was man im Kino oder Fernsehen zu sehen bekam, nicht aus dem Computer stammte. ... Filme wie 'Wall Street', Martin Scorseses 'Die Zeit nach Mitternacht' oder Tony Scotts Fortsetzung von 'Beverly Hills Cop' haben immer noch eine physische Qualität. ... Die Neon-Dreams sind dagegen weich, sauber und soft - idealisierte Erinnerungen, False Memories, die ihre Betrachter auf eine introspektive Suche schicken, die hoffnungslos ist und die einzig einen vagen, süßlichen Schmerz darüber triggert, dass diese Räume nie in dieser Form existiert haben."Besonders gerne werden die TikToks übrigens mit dem Stück "Badge and Gun" von Sunglass Kid musikalisch unterlegt. Das Stück ist bis in feinste Sound- und Arrangementdetails der Klangwelt der Achtziger nachempfunden - ist aber im Sommer 2024 veröffentlich worden.
Meduza (Lettland), 03.10.2024
Meduza veröffentlicht einen gekürzten Holod-Artikel (hier die Originalversion auf Russisch) über den russischen Journalisten Nikita Tsitsagi, der mit aufwendigen Kriegsreportagen in Russland Aufsehen erregte und als Anti-Kriegsaktivist auch bei staatlichen Medien ein hohes Ansehen genoß. "'Er war nie ein Putin-Anhänger, aber er war auch kein radikaler Oppositioneller', sagte Tsitsagis Freund Fyodor Otroshchenko gegenüber Holod. (...) Am Abend des 15. Juni 2024 lud Alexander Chernykh Nikita Tsitsagi zusammen mit Korrespondenten von RIA Novosti und Lenta.ru in seine Wohnung in Donezk ein. '[Die Mitarbeiter der staatlichen Medien] fragten ihn scherzhaft: 'Für wen sind Sie denn nun wirklich - für die Roten oder die Weißen?' Chernykh erzählt. 'Er lachte und sagte: 'Ich bin für den Journalismus.' Zu diesem Zeitpunkt war Tsitsagi bereits seit vier Monaten in der Konfliktzone - seine bisher längste Reportagereise. Bei dem Treffen erzählte er von seinem Plan für den nächsten Tag: Er wollte das Kloster Nikolo Vasylivskyi in der Nähe von Vuhledar besuchen, das sich an der Frontlinie befand. Er war bereits ein Jahr zuvor dort gewesen und beschrieb es wie folgt: 'Das Dorf ist von der Welt abgeschnitten, und die Menschen, die dort geblieben sind, verstecken sich in der zerstörten Zuflucht des Klosters. Ihre [Kloster-]Zellen haben kürzlich Feuer gefangen. Als wir die Treppe hinuntergingen, sangen die Nonnen Psalmen inmitten des Knisterns brennender Kerzen und der Geräusche des Beschusses.' Andere Journalisten bezeichneten den Weg zum Kloster als 'Straße des Todes', da er ständig von ukrainischen Drohnen 'beschossen' wurde. Dennoch, so die Direktorin von Nets for Our Own, war Tsitsagi 'fest entschlossen, dorthin zu gehen'. 'Er wollte selbst in diesem Kloster leben', erinnert sie sich. 'Die Mönche lebten irgendwo unten in den Kellern. Man hat mehrmals versucht, sie zu evakuieren, aber sie liefen immer zurück und kehrten in das Kloster zurück.' Tsitsagi machte sich am folgenden Abend auf den Weg zum Kloster; er wusste, dass er eine bessere Chance hatte, nicht von Drohnen entdeckt zu werden, wenn er im Dunkeln unterwegs war. 'Wir konnten ihn nicht abhalten. Es scheint, als hätten wir ihn sogar ein wenig beleidigt. So nach dem Motto: 'Worüber belehrt ihr mich? Ich habe genauso viel vom Krieg gesehen wie ihr', sagte Chernykh. Am 16. Juni wurde Nikita Tsitsagi durch einen Drohnenangriff in der Nähe des Klosters getötet."Guardian (UK), 01.10.2024
New Yorker (USA), 14.10.2024
Das Silicon Valley gewinnt mehr und mehr Einfluss, der sich längst auch auf die politische Sphäre ausweitet. Einer, der das mit ausgefeilten Werbekampagnen vorangetrieben hat, ist der Berater Chris Lehane, der sich in aggressiver Weise gegen Politiker wendet, die versuchen, Unternehmen und Technologien wie Airbnb, Uber, Cryptowährungen und KI Beschränkungen aufzulegen, Charles Duhigg berichtet für den New Yorker von diesem "neuen Lobbymonster" und von den Gründen, die vorgeschoben werden. Die Crypto-Firma Fairshake hat beispielsweise mehrere Millionen Dollar investiert, um die Kanditatur der Demokratin Katie Porter für den Senat zu untergraben - sie hatte sich für strengere Regulierungen dieser Währungen eingesetzt. Das Übel hat durchaus bekannte Wurzeln: "Man kann die politischen Bestrebungen des Valleys als Symptom einer systemischen Wurzel sehen - als Beweis dafür, dass die amerikanische Regierung und Gesetzgebung von Geld so pervertiert ist, dass es für Menschen, die keine Milliardäre sind, beinahe unmöglich ist, ihre Interessen zu vertreten. Diese Dynamik kann als besonders gefährlich angesehen werden, wenn man bedenkt, dass die U.S.-Wirtschaft verschwenderische Reichtümer auf eine kleine Gruppe unzufriedener, unzurechnungsfähiger Tech-Experten abgeladen hat. Viele Kritiker des Silicon Valleys sehen es so, dass die Start-Up-Gründer und Risikokapitalgeber von heute, wie die Neureichen vorangegangener Zeiten, ihren Reichtum für eigene Zwecke nutzen. Dabei haben sie sich als genau so erbarmungslos erwiesen wie die Räuberbarone und Industrietyrannen vor einem Jahrhundert - nicht zufällig die letzte Zeit, in der die Einkommensungleichheit so extrem war wie heute. Lehane für seinen Teil erkennt an, dass das politische System fehlerbehaftet ist, aber er glaubt, dass er es besser macht. (…) So wie er es sieht, hat Airbnb große Hotelketten bekämpft, damit Lehrer und Krankenschwestern ein zusätzliches Einkommen mit der Vermietung ihrer leeren Zimmer gewinnen konnten. Coinbase hat den Leuten eine Möglichkeit gegeben, die großen Banken und ihre schwindelerregenden Gebühren zu umgehen. Viele der alten Unternehmen haben die Politik benutzt, um auf Kosten der Öffentlichkeit zu profitieren. Es sei nur fair, argumentiert Lehane, die Internet-Unternehmen ebenfalls für ihre Agenda kämpfen zu lassen; sein Einsatz, bekräftigt er, begründe sich in dem Glauben, dass die Technologien, wenn sie gut reguliert werden, den Machtlosen helfen, ihren Anteil zu bekommen. Natürlich hat diese Mission Lehane sehr wohlhabend gemacht. (Er hat sich geweigert anzugeben wie wohlhabend.)"
Weitere Artikel: Sage Mehta erzählt von ihrem Vater, dem Schriftsteller Ved Mehta. Alex Barasch stellt "Chairman Bang" vor, einen unfassbar erfolgreichen Vermarkter von K-Popidolen. Elizabeth Kolbert erklärt, inwiefern das Schicksal des vom Klimawandel gezeichneten Grönlands von Bedeutung für den Rest der Welt ist. Kelefah Sanneh liest eine Biografie des afroamerikanischen Bürgerrechtlers John Lewis. Alexandra Schwartz liest Rachel Kushners neuen Spionageroman "Creation Lake". Alex Ross hört Missy Mazzolis Oper "The Listeners" (hier eine Hörprobe bei Youtube). Lesen dürfen wir außerdem Matthew Klams Kurzgeschichte "Hi Daddy".
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