Magazinrundschau - Archiv

Africa is a Country

12 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 2

Magazinrundschau vom 20.07.2021 - Africa is a Country

Wenn man die Kameralinse in die entgegengesetzte Richtung dreht, sieht es allerdings nicht besser aus. Mohammed Jameel Abdulla beschreibt, wie ein indischstämmiger Mann aus seinem Haus vertrieben wird. Aber dann auch dies: "Bewaffnete indische und weiße Milizen fahren herum und erschießen afrikanische Menschen, die sie für Plünderer halten. Sie jagen sie, während sie bösartige Videos aufnehmen, und schlagen sie mit Sjamboks, während die Person um ihr Leben betteln. Diese Videos werden immer wieder in den sozialen Medien geteilt und angeschaut. Die rassistisch aufgegeilten Zuschauer haben ihren Spaß, wenn eine rassische Gruppe die andere leiden und bluten sieht." Sehr lesenswert auch Kenan Maliks Observer-Kolumne zu Südafrika.
Stichwörter: Südafrika

Magazinrundschau vom 06.07.2021 - Africa is a Country

Südafrika muss sein Wohlstandsgefälle stark vermindern und das Leben der schwarzen Bevölkerung entscheidend verbessern. Aber ob die Economic Freedom Fighters, für die "rassische Ungleichheit" das Hauptproblem Südafrikas ist, dazu beitragen können? Andile Zulu hat seine Zweifel: "Die Besessenheit der EFF von rassischen Spaltungen ist irreführend. Die Rückgewinnung des weißen Reichtums wird nicht zur Befreiung der Schwarzen führen. Darüber hinaus kann die Rhetorik des Antirassismus von Schwarzen vereinnahmt werden, die hoffen, die rassische Zusammensetzung der Ungleichheit zu ändern, aber nicht die Ungleichheit selbst. Und solche Ambitionen werden oft als Wunsch ausgedrückt, unsere Wirtschaft von der weißen Vorherrschaft zu befreien. Aber wenn die Beziehungen von Klassenherrschaft und Ausbeutung fortbestehen, wird auch das Elend für die meisten Schwarzen bestehen bleiben. Denken Sie daran, dass eine kleine schwarze Elite in der Postapartheid-Ära Erfolg hatte, aber diese schwarzen Gesichter in hohen Positionen haben kein Interesse daran, die Befreiung voranzutreiben. Ihre Klassenpositionen - als Unternehmensmanager, Karrierepolitiker und erfolgreiche Tenderpreneure - zwingen sie dazu, der Selbstbereicherung nachzugehen. Und, was noch wichtiger ist, um eine Wirtschaftsordnung aufrechtzuerhalten, die die Arbeiterklasse genau dort hält, wo sie ist."

Außerdem: Roland Ngam plädiert für einen "Green New Deal" für die Landwirtschaft Südafrikas.

Magazinrundschau vom 11.05.2021 - Africa is a Country

Weitgehend unbemerkt vom Ausland hat die äthiopische Filmindustrie seit 2015 zumindest quantitativ beträchtlich an Fahrt aufgenommen, berichtet Steven W. Thomas in einem Überblicksartikel: Produzierte das Land bis dahin jährlich nur eine Handvoll Filme, sind es seitdem jährlich mehr als 100, die in die heimischen Kinos kommen. Und noch etwas ist besonders: Insbesondere Frauen sind hier ein Antriebsmotor - oder zumindest im Vergleich zu anderen Nationalkinematografien überproportional hoch vertreten. "In einer hart umkämpften Industrie, in der es vielen nicht gelingt, mehr als einen Film zu drehen, haben Frauen als Autorinnen, Regisseurinnen und Produzentinnen beständig mehr Erfolg. Filme von Frauen sind an der Kasse häufig erfolgreicher und erhalten bei den jährlichen Gumma-Filmpreisen mehr Auszeichnungen. Nicht wenige Pionierleistungen in Äthiopiens Kinogeschichte wurden von Frauen erzielt. Nachdem die Nation das Derg-Regime, unter dem Film und Fernsehen von der Regierung finanziert und kontrolliert wurde, überwunden hat, war Rukiya Ahmed die erste Person, die das Risiko auf sich genommen hat, einen unabhängigen Film privat zu finanzieren. ... Einer der ersten Filme, die den Sprung von Zelluloid auf Video wagten, war 'Yeberedo Zemen' von Helen Tadesse. ... 2002 war dies der erste äthiopische Film, der auf VHS gedreht war, aber in einem Kino gezeigt wurde, und damit eine Revolution in der Filmindustrie des Landes auslöste. Mit dem Wechsel von Zelluloid auf VHS und schließlich zum digitalen Filmemachen explodierte die Kinokultur geradezu - Anzahl und Variantenreichtum der Filme nahmen zu. Viele Frauen packten diese neuen Gelegenheiten beim Schopf, folgten Tadesses Vorbild und einige stiegen rasch zu Gallionsfiguren der Branche auf."
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Magazinrundschau vom 27.04.2021 - Africa is a Country

Nach dem Ende der Apartheid ist der ANC mit vielen Versprechungen für alle Südafrikaner angetreten. Und was ist davon geblieben? Nicht viel, meint Russell Grinker in einer ausführlicheren Analyse. Trotzdem stimmen die Südafrikaner immer wieder für den ANC: "Wie die demütigen Bittsteller des Mittelalters sind viele unserer Leute auf einen Zustand moderner Leibeigenschaft reduziert worden, zu verarmten Bittstellern der Machthaber. Die einst kämpferischen südafrikanischen Massen der 1970er und 1980er Jahre sind zunehmend zu einer Armee von arbeitslosen Bettlern geworden, die verzweifelt bei jedem Wetter Schlange stehen, auf die zufällige Chance hin, dass sie die peinlichen R350 ($25) Sozialhilfe der Regierung erhalten (eingeführt während der COVID-19 Pandemie-Sperre). (Laut einer Studie sind über 60 Prozent der Südafrikaner nach COVID-19 auf Sozialhilfe angewiesen.)" Verantwortlich für diesen Zustand macht Grinker auch die Zersplitterung der Linken, die sich zerstritten hat oder korrumpieren lassen, weshalb Arbeitskampf heute oft in schlichte Zerstörungswut münde: "Der Klassenkampf ist in der Schwebe. 'Politik' ist nichts mehr als ein Konflikt zwischen den Parteieliten geworden. Ein Amalgam aus populistischen Politikern und Unternehmern bildet den Kern des politischen Establishments. Der kontinuierliche Prozess der Verschiebung von Ausrichtungen zwischen konkurrierenden Gruppen von Politikern zeigt, dass die heftigen Kämpfe innerhalb des ANC keinerlei ideologische Bedeutung haben, selbst wenn sie in radikal klingende Sprache gekleidet sind ... Die Massen werden nur als Zuschauer wahrgenommen, die als Bühnenarmee in den Schlachten der Fraktionseliten eingesetzt werden."
Stichwörter: Südafrika, Apartheid, Covid-19

Magazinrundschau vom 30.03.2021 - Africa is a Country

In Tansania starb kürzlich Präsident John Pombe Magufuli, vermutlich an Corona, dessen Existenz er abstritt. Viel Trauer um ihn scheint es nicht zu geben, nach hoffnungsvollem Anfang entwickelte er sich zu einem kleinkarierten Fremdenfeind mit diktatorischen Anflügen, meint der kenianische Autor Rasna Warah, der dennoch mit Achtung auf die Nachbarn blickt: "Wenn ein Tansanier im Raum ist, fühlen sich Kenianer ein wenig unwohl, schämen sich sogar, weil wir wissen, dass Tansania im Gegensatz zu Kenia von einer Ideologie zusammengehalten wird, die sich nicht um die primitive Anhäufung von Reichtum und Individualismus dreht, und auch weil wir nie einen visionären Führer wie Julius Nyerere hatten. Er wurde liebevoll 'Mwalimu' genannt (was in Kisuaheli Lehrer bedeutet) und sagte einmal: 'Wir, das Volk von Tanganjika [wie Tansania vor der Vereinigung mit Sansibar im Jahr 1964 hieß], würden gerne eine Kerze anzünden und sie auf den Gipfel des Kilimandscharo stellen, damit sie über unsere Grenzen hinaus leuchtet und Hoffnung gibt, wo Verzweiflung war, Liebe, wo Hass war, und Würde, wo es vorher nur Demütigung gab.' Während Nyereres afrikanisches sozialistisches Experiment Ujamaa in Tansania wirtschaftlich weitgehend gescheitert ist, hinterließ es ein psychologisches und soziales Vermächtnis der Brüderlichkeit und Einheit unter den Menschen." Nachfolgerin von Magufuli ist übrigens Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan, "das erste weibliche Staatsoberhaupt in Ostafrika und potenzielles Rollenmodell für aufstrebende Politikerinnen in der Region".

Rassismus gibt's auch in Tunesien, erzählt Fatima-Ezzahra Bendami, doch wird er ignoriert von den "weißen Arabern" und einem Staat, der lieber nach Norden schaut. "'In Tunesien wird von Schwarzen nicht erwartet, dass sie eine Ausbildung machen, gut gekleidet sind oder ein Auto haben', sagt Saadia Mosbah, Leiterin von M'nemty (Facebook-Seite), einer tunesischen Antirassismus-Vereinigung. 'Es ist in Ordnung, wenn sie in einem Café kellnern oder kleine Jobs machen wie Schuhe putzen oder als Portier arbeiten, aber in dem Moment, in dem sie einen Abschluss haben, einen professionellen Job wollen oder ein höheres Studium anstreben, ist es wirklich ein Problem.' Es ist dieser heftige, aber schrecklich alltägliche Rassismus, den Anis Chouchène auszupacken und zu erklären versucht. Er ist Dichter und Sänger, kennt also die Macht der Worte. 'Worte haben eine größere Wirkung als Waffen', sagt er. 'Wörter wie Kahlouch (dunkel gegerbt), degla (Dattel), oussif (Sklave), kahla (schwarz)... Ich wehre mich nicht, wenn man mich so beschimpft.' Manchmal tut es noch mehr weh, etwa wenn die Leute annehmen, er sei ein Ausländer und vor ihm Arabisch sprechen, weil sie denken, er würde es nicht verstehen."

Magazinrundschau vom 09.03.2021 - Africa is a Country

Im September 2020 wurden in Mali vier Anti-Sklaverei-Aktivisten ermordet. Im Westen Malis, muss man dazu wissen, gibt es noch eine Form der Erbsklaverei: Wessen Vorfahren Sklaven waren, der ist auch selbst Sklave, erklären die Wissenschaftler Bakary Camara, Leah Durst-Lee, Lotte Pelckmans und Marie Rodet, die eine Studie zu dem Thema planen, in einem mit vielen Links unterlegten Artikel. "Auch heute noch schließen Armut und Diskriminierung Malier mit zugeschriebenem 'Sklavenstatus' von sozialer Mobilität aus, wie die Benbere-Blog-Kampagne #MaliSansEsclaves deutlich macht. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart haben einige Opfer der auf Abstammung basierenden Sklaverei in der Migration einen Weg gefunden, der Sklaverei zu entkommen. Aber ob sie nun in Frankreich oder in Mali leben, als Einwanderer der ersten, zweiten oder dritten Generation, transnational auferlegte soziale 'Embargos' werden genutzt, um diejenigen zu bestrafen, die versuchen, die soziale Ordnung zu verändern. Wenn beispielsweise Jugendliche in der Diaspora außerhalb der 'richtigen' sozialen Gruppe heiraten wollen, können ihre Verwandten in der Heimat für eine solche Übertretung hart bestraft werden. Sklaverei ist im postkolonialen Mali nie kriminalisiert worden. ... Viele Beamte behaupten, die Opfer seien keine 'Sklaven', sondern Teilnehmer an 'traditionellen' Praktiken."

Weiteres: William Shoki weist auf die Reihe "Afrikanischer Feminismus im Dialog" und weitere Videos zum Thema hin.

Magazinrundschau vom 16.02.2021 - Africa is a Country

In einem anekdotenreichen Beitrag erzählt Rasna Warah von den Einflüssen des Hindi-Kinos auf die urbane Kultur der siebziger in Ostafrika: Die große Community von Einwanderern - in Ostafrika nannte man sie "Asians" - brachte auch ihr Kino mit in die Städte: "Indische Filme waren und sind für Ostafrikas indische Community die vorrangige Quelle, um Wissen über die indische Kultur zu erlangen. Die frühen indischen Migranten hatten wenig Kontakt mit ihrem Herkunftsland, da Reisen nach Hause nicht nur teuer waren, sondern auch, weil die Schiffsreise von Mombasa nach Bombay oder Karatschi Wochen dauerte. ... Die Kinos in Nairobi waren immer gefüllt, vor allem am Wochenende, wenn die indischen Familien ins kuppelartige Shan in Ngaga strömten, oder ins Liberty in Pangani oder in das Odeon oder das Embassy im Stadtzentrum. ... Aber für die indischen Jugendlichen von Nairobi war das Belle Vue-Autokino auf Mombasa Road der Ort, wo man Sonntagabends einfach gesehen werden musste. Die jungen Inder gaben dort mit ihren Autos beziehungsweise mit denen ihrer Väter an und die jungen Frauen kleideten sich nach der jüngsten Mode, alles in der Hoffnung auf einen Flirt. Man teilte Essen miteinander oder kochte es manchmal sogar direkt auf den sanft abschüssigen Parkplätzen. ... Das Hindi-Kino fand nicht nur in Kenia Anklang, sondern auch im benachbarten Sansibar, wo das urbane Nachtleben von Hindi-Filmen bestimmt war. So manch ein Taraab-Song entsprang direkt einem Hindi-Film. Anders als Filme aus dem Westen (englische Filme, wie man sie hier nannte) entsprachen Filme aus Indien mit ihrem Fokus auf Werte wie Bescheidenheit, Respekt vor den Alten und Moral eher den Vorlieben der Swahili."

Magazinrundschau vom 24.11.2020 - Africa is a Country

Äthiopien droht erneut in Bürgerkrieg zu versinken. Da ist dieser Artikel Pflichtlektüre für alle Auslandsredakteure deutscher und internationaler Zeitungen! Geduldig erzählt Solen Feyissa die äußerst komplexe Geschichte Äthiopiens als eine Geschichte der Narrative über die äthiopische Nation. Zunächst legt er dar, wie alt diese Geschichte ist, denn das Königreich Äthiopien bezog sich auf uralte Texte, die eine Abstammung des Landes von König Salomon behaupteten. Die äthiopisch orthodoxe Kirche ist ebenfalls äußerst wichtig für das Narrativ von äthiopischer Einheit. Aber Äthiopien zerfällt zugleich in viele unterschiedliche Ethnien. Zwei historische Kontrahenten benennt Feyissa, den Kaiser und Modernisierer Menelik und den Revolutionär Walleligne Mekonnen. Der eine steht für den Pan-Äthiopismus, der andere für den Ethno-Nationalismus. Beide Narrative sind nach wie vor in Äthiopien sehr stark. Von den Ethnonationalisten wird die Politik von Premier Abiy Ahmed misstrauisch beäugt, besonders von den Tigray, aber auch von den Oromo im Süden. Hinzu kommt nun die neue Situation, in der sich alle Parteien über soziale Medien äußern. Wie gefährlich die Spaltung zwischen den beiden Lagern ist, zeige die Reaktion auf die Ermordung des Oromo-Sängers Hachalu Hundessa im Juni 2020 (mehr hier): "Dieser Vorfall belegt ihre Tendenz, jedes Ereignis in der Weise zu interpretieren, dass ihr eigenes Narrativ unterstützt wird. Wie es im Post-Truth-Zeitalter der sozialen Medien leider üblich wurde, scheint jede der Eliten ihren eigenen Wahrheitsfilter zu benutzen, ganz gleich, wie die Fakten vor Ort aussehen. So dass direkt nach Hachalus Tod die Eliten beider Lager sofort in die sozialen Medien gingen, um ohne Beweise zu spekulieren, wer den Sänger erschossen haben könnte."

Magazinrundschau vom 27.10.2020 - Africa is a Country

Die kenianische Journalistin Rasna Warah erklärt in einer scharfen, aber sehr gut belegten Polemik, warum der Friedensnobelpreis für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen nicht nur völlig überflüssig (warum jemand für den Job auszeichnen, für den er prächtig bezahlt wird), sondern geradezu ein Skandal ist. Denn Hilfsprogramme wie das der UN-Organisation verzerren den lokalen Markt, zerstören lokale Solidaritätstraditionen, führen zu Korruption und verlängern das Leben autoritärer Regimes, schreibt Warah und zitiert sehr viele kritische Stimmen und Autoren, um ihre These zu untermauern. Und außerdem "sollten wir eines klarstellen - Ernährungshilfe ist Big Business und extrem profitabel für die Spender… Nach dem geltenden US-Gesetz zum Beispiel muss so gut wie sämtliche Nahrungshilfe der Vereinigten Staaten (im Wert von Milliarden von Dollars) in den Vereinigten Staaten gekauft und mindestens die Hälfte muss in Schiffen unter amerikanischer Flagge transportiert werden. Der größte Teil dieser Nahrungshilfe ist amerikanische Überproduktion, die die Amerikaner nicht auf dem heimischen Markt verbrauchen können. Nach dem 'Food for Peace"-Programm ist es der amerikanischen Regierung gestattet, amerikanische Überschussproduktion zu verkaufen oder spenden, um Hunger in anderen Ländern zu lindern. Hungersnöte in anderen Ländern sind daher sehr profitabel für die US-Regierung und für hoch subventionierte amerikanische Bauern, die von den Rohstoffpreisgarantien der Bundesregierung profitieren." Die Europäische Union gibt auf der Seite ihrer Hilfsprogramme übrigens an, notleidenden Bevölkerungen, wenn möglich, mit Geld zu helfen.

Magazinrundschau vom 13.10.2020 - Africa is a Country

Zachary Mondesire unterhält sich mit Bentley Brown über dessen neuen Film "Revolution from Afar" (Trailer), der das Verhältnis der in Amerika, Britannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder benachbarten afrikanischen Staaten lebenden sudanesischstämmigen Künstlern zu ihrer Heimat oder der ihrer Vorfahren auslotet, besonders zu einer Zeit, als die Sudanesen 2019 den Diktator Omar al-Baschir aus dem Amt kickten, dessen islamistische Politik Tausende das Leben kostete. Da viele nicht im Sudan geboren wurden, gelten sie dort oft nicht als "echte" Sudanesen. Dass sie Kinder mehrerer Kulturen sind, wird im Sudan so skeptisch gesehen wie in Amerika, den Emiraten oder sonstwo auf der Welt: "Während der Revolution traf ich nur mit der sudanesischen Diaspora in den USA, im Vereinigten Königreich und in Saudi-Arabien zusammen, so dass meine Stichprobengröße etwas begrenzt ist. Ich erinnere mich, wie sudanesische Menschen auf einer Straße voller sudanesischer Restaurants in Dschidda, Saudi-Arabien, auf mich zukamen, mich nach meinem Film fragten und ihre Unterstützung für die Revolution bekundeten. Mehrere sudanesische Freunde in Saudi-Arabien, aber auch Freunde anderer Nationalitäten, darunter Saudis, nutzten die Proteste im Sudan, um über Themen zu sprechen, die sie sonst gemieden hatten. Auch ich hatte das getan. Ich erkannte, dass viele der Kritikpunkte, die gegen Baschirs Parteivorgebracht wurden - wie die Reduzierung eines extrem vielfältigen Sudans auf eine einzige 'arabisch-islamische' Identität sowie der Ausschluss ethnischer und religiöser Minderheiten vom nationalen Diskurs - auch tabu gewesen waren, als ich in Saudi-Arabien Filme drehte. Andererseits ist ein anderer Freund von mir, mit sudanesischem Hintergrund, aber saudischer Staatsbürgerschaft, der einzige, an den ich mich erinnern kann, der sich vehement gegen die Revolution ausgesprach. Ich erinnere mich lebhaft daran, wie sprachlos wir waren, als er beim Shrimpsessen erzählte, wie 'dumm' die Sudanesen seien, weil sie sich am Aufstand beteiligt hätten, und dass er sich in letzter Zeit eher als Saudi identifiziere. Dieser letzte Punkt ist besonders interessant, denn auch Saudi-Arabien ist ungeheuer vielfältig, und doch werden die Menschen im Allgemeinen mit einer Nationalität bezeichnet, und diese Nationalität wird fast immer bei der Geburt bestimmt. Diskussionen über hybride Identitäten werden nicht wirklich beleuchtet, und manchmal wird auf sie herabgeblickt, wie im Fall von tarsh al-bahar, 'vom Meer Erbrochenes', ein abwertender Spitzname für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Dschidda, die seit Jahrhunderten in dieses Gebiet eingewandert sind."

Außerdem: Patrick Gathara fordert eine Reform des Strafsystems oder gleich eine Abschaffung der Gefängnisse in Kenia.