Magazinrundschau

Hey, hier ist Amerika

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
17.07.2012. Bloomberg staunt über das Vermögen der Mormonenkirche. Slate erzählt, wie in den sechziger Jahren ein Ring aufgedeckt wurde, der sich auf die Erpressung von Homosexuellen spezialisiert hatte. In Polityka schimpft Dorota Maslowska über das Internet, den Kapitalismus und den Niedergang der Buchkultur. In Harper's erklärt der Autor Gideon Lewis-Kraus, warum Berlin ihn paralysierte. NZZ Folio reist mit Chinesen durch die Schweiz. Le Monde diplomatique erzählt, wie in New York schwarzer Islam auf weißen Islam kracht. In Wired bekommt der Künstler Kyle McDonald Besuch vom Secret Service.

Wired (USA), 12.07.2012

Der Medien- und Post-Privacy-Künstler Kyle McDonald berichtet von seinen Erfahrungen mit seinem "People staring at Computers"-Projekt, für das er auf die in New Yorker Apple Stores ausgestellten Computer eine App installierte, die über die Webcam Fotos schießt und jene mit einem Gesicht automatisch auf einen Onlineserver und in ein eigens eingerichtetes Blog postet. Das Projekt wurde von Apple im vergangenen Jahr nicht nur nach allen Regeln der Kunst hochgenommen, McDonald hatte eines Tages auch den Secret Service mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Haustür stehen - gefolgt von einer heftigen Diskussion über den Kunstcharakter der Aktion. Allen Unannehmlichkeiten zum Trotz ist McDonald am Ende doch froh über sein Projekt: Duchamp sagt, "hat ein Künstler seine Arbeit erstmal dem Betrachter überlassen, liegt es an dem Betrachter eine Entscheidung über den Status dieser Arbeit zu treffen. Manchmal unterliegt die Entscheidung, ob etwas Kunst ist oder nicht, ob es bewegt, zu Gedanken anregt oder irgend eine andere Wirkung entfaltet, einem einzigen Betrachter. ... Mit 'People staring at Computers' habe ich etwas neues erlebt: Ein riesiges Publikum beteiligte sich über Diskussionen unter Blogposts und Nachrichtenartikel an einem kollektiven Echtzeit-Entscheidungsprozess über eine Kultur, für die sie sich verantwortlich fühlten."

Außerdem denkt der Science-Fiction-Autor Bruce Sterling in einer Rede zum 100. Geburtstag von Alan Turing darüber nach, warum wir eine Künstliche Intelligenz, aber keine Künstliche Weiblichkeit zu programmieren versuchen, warum Künstliche Intelligenzen in unserer Vorstellung zwar menschlich sein, aber keinen Todestrieb aufweisen sollen und wie das alles womöglich damit zusammenhängt, dass Turing schwul und Nerd in einer Zeit war, die für beides kein Verständnis hatte.
Archiv: Wired

Monde (Frankreich), 16.07.2012

Wenn François Hollande ein Idol hat, dann ist es François Mitterrand. Aber dieser Mitterrand hat trotz historischer Verdienste nicht immer eine vorbildliche Rolle gespielt. Er war es, der durch Einführung des Proportionalwahlrechts dem Front national eine erste Chance gab. Er war engstens mit René Bousquet befreundet, der 1942 die "Rafle du Vel'd'Hiv" organisiert hatte, bei der Juden in Paris vom Vichy-Regime ohne Anweisung der Nazis zusammengetrieben wurden. Er leugnete die Kontinuität zwischen Vichy und der Republik, und er nahm 1992 nur auf öffentlichen Druck am Gedenken an die Razzia teil, erinnert Anna Senik. "Der Präsident legte seinen Kranz nieder, aber er sagte kein Wort. Er erschwerte seinen Fall, indem er später im Jahr, am 11. November, einen Kranz am Grab des Marschalls Pétain niederlegte - im Namen der Republik... Erst der neue Präsident Jacques Chirac fand sich bereit zum offiziellen Bekenntnis, auf das so lange gewartet worden war. Das war am 16. Juli 1995, am 53. Jahrestag der Razzia." Senik hofft, dass sich Hollande bei der Gedenkveranstaltung am nächsten Samstag eher der von Chirac geprägten Tradition anschließt.
Archiv: Monde

Harper's Magazine (USA), 16.07.2012

Der amerikanische Autor Gideon Lewis-Kraus erklärt im Interview, warum er für sein neues Buch "A Sense of Direction: Pilgrimage for the Restless and the Hopeful" Berlin als Ausgangsbasis benutzt hat: "Als ich in San Francisco lebte und alle möglichen Jobs machen musste um über die Runden zu kommen - Ich habe lange Zeit als Bibliograf gearbeitet und ich habe für einen Minilohn in einem Buchladen gearbeitet und ich habe als Lektor gearbeitet und ich habe einen Sommer lang im Hauptquartier von The Gap gesessen und habe Anheizer für Lesezirkel geschrieben - in der Zeit habe ich mir selten Fragen gestellt wie 'Warum habe ich gerade die letzte Stunde damit verbracht, Vom Frühling in den Herbst mit Old Navy Denim! zu schreiben?'. Weil die Antwort klar war: Ich musste die Miete bezahlen. Aber als ich an einen Ort zog, wo die Miete nicht der Rede wert war, öffnete ich die Tür zu einer paralysierenden Bewusstwerdung des Werts jeder Aktivität. Es gab kein Entkommen vor der Frage 'Mache ich jetzt gerade das Beste aus dieser Stunde?'"

Julie Otsuka, deren Roman über japanische "Fotobräute" in den 30ern, 40ern wir vorgeblättert haben, erzählt im Interview, wie sie auf dieses Thema gestoßen ist: "Während ich [für einen anderen Roman] getourt bin, sprach ich mit einer Anzahl von Kaliforniern, die während des Zweiten Weltkriegs gelebt hatten und die mir erzählten, sie hätten 'nicht gewusst', dass es Lager [für Japaner] gegeben hätte. Ich fragte mich, wie das sein konnte. Wie konnten sie nicht bemerken, dasss ihre Nachbarn und Klassenkameraden verschwanden? Die Evakuierungs-Zettel hingen überall und konnten kaum übersehen werden. Eine Frau, die in der ersten Klasse war, als der Krieg ausbrach, erzählte mir, dass sie in der Schule neben einem japanisch-amerikanischen Mädchen saß. Eines Tages verschwand das Mädchen und sie fragte sich immer, was aus ihr geworden sein. Darum war ich vor allem interessiert, wie weiße Kinder das Verschwinden ihrer japanischen Klassenkameraden verarbeiteten. Was erzählten ihnen ihre Lehrer, was erzählten ihnen ihre Eltern? Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir nach ihrer Rückkehr aus dem 'camp' nach dem Krieg erzählte, keine ihrer Klassenkameraden habe sie jemals gefragt, wo sie die letzten dreieinhalb Jahre gewesen war. Sie kannte diese Klassenkameraden, seit sie fünf Jahre alt war. Sie sagten nur Hallo, als sei nichts passiert."
Anzeige

Elet es Irodalom (Ungarn), 13.07.2012

Zum 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau erklärt der ungarische Philosoph Miklós Tamás Gáspár, er könne dessen Enttäuschung über die Gesellschaft nur teilen. "Sagen wir denn unserem Kind heute, dass wir (aus Angst vor den Konsequenzen) als Steuerzahler und 'gesetzeskonforme' Bürger einem Staat gehorchen, der besser wie eine Spatzenschar verjagt werden sollte, weil er gewaltsam Zustände aufrecht erhält, die ein rechtschaffener Mensch nicht gutheißen kann; dass in den Schulen und Universitäten Unwissenden durch andere Unwissende konventionelle und konformistische Lügen 'vermittelt' werden; [...] dass die meisten im Internet auffindbaren 'Informationen' eine Fiktion oder ein Missverständnis sind, [...] dass die meisten gesellschaftlichen Vorteile (Karriere, Reichtum, Ruhm) nicht legitimierbar, zufällig oder unmoralisch sind, dass die Macht zumeist auf reiner Waffengewalt oder auf von Resignation und Hoffnungslosigkeit geprägter Gleichgültigkeit basiert, dass Tiere gequält, Kranke vernachlässigt und Lebensmittel gefälscht werden...? [...] Jene, die die einzig relevante Frage stellen - nämlich, wie man leben soll -, werden als naiv bezeichnet. Aber das sollte uns nicht kümmern, das ist nur ein Wort, flatus vocis. Wie soll ich diesen Artikel beenden? Ich weiß es nicht."
Stichwörter: Jean-Jacques Rousseau

London Review of Books (UK), 19.07.2012

Die Auslieferung von Julian Assange dürfte kaum auf der Top-Prioritätenliste der USA stehen, glaubt Jeremy Harding. Vor allem weil sie mit dem Soldaten Bradley Manning den Hauptverantwortlichen der WikiLeaks-Affäre längst inhaftiert haben und Assange in der Angelegenheit lediglich die Rolle des Verlegers zukommt: "Für Assange spricht auch der Einwand, dass jede Anzeige gegen ihn genauso auch Bill Keller treffen müsste, den vorherigen Chefredakteur der New York Times und US-Partner von WikiLeaks bei der Veröffentlichung der afghanischen und irakischen Kriegslogs". Wie Manning unterdessen die Daten des "Collateral Murder"-Videos aus dem Datenzentrum schmuggelte, erfährt Harding bei der Lektüre eines neues Buches über den Inhaftierten: "Ein früherer Sicherheitsbeamter erklärt, wie einfach man es sich machen konnte: 'Da standen überall Laptops mit Passwörtern auf Notizaufklebern. Wenn jemand in Uniform hereinkam, sich neben mir an einen Computer setzte und ich ihn nicht kannte, dann würde ich ihn doch nicht davon abhalten und ihn ansprechen, Entschuldigung, kann ich mal bitte ihren Ausweis sehen? Ich würde einfach mit der Schulter zucken, mir doch egal.'"

Außerdem: Adam Shatz schreibt Tagebuch in Ägypten. Christian Lorentzen verfolgt aufmerksam Paul Krugmans Besuch in Großbritannien und wundert sich dabei gehörig über den Geisteszustand des New-York-Times-Kolumnisten. Andrew O'Hagan macht sich Gedanken über den Sadomaso-Beststeller "50 Shades of Grey". Rosemary Hill besucht die Ausstellung "The Capture of Westmorland" im Ashmolean Museum in Oxford.

Monde diplomatique (Deutschland / Frankreich), 13.07.2012

In einer tollen Reportage erzählt Charlotte Wiedemann vom muslimischen Leben in New York, wo der schwarze Islam des Malcolm X auf den weißen Islam der eher arrivierten Einwanderer kracht. Imam Talib Abdur Rashid erklärt ihr die Gefechtslage so: "'Die Einwanderer reißen sich ein Bein aus, um zu zeigen, dass sie gute Amerikaner geworden sind. Wir einheimischen Muslime sind dagegen stigmatisiert durch unsere Hautfarbe und die Vergangenheit als Sklaven.' Die eingewanderten Muslime suchen eine Nische in der Gesellschaft, fährt er fort, darum wollen sie eine gute Beziehung zu den Mächtigen, und das sind vor allem die Amerikaner europäischer Abstammung. 'Die arabischen und südasiatischen Muslime beziehen sich mehr auf die weißen Machtstrukturen als auf uns, ihre muslimischen Brüder und Schwestern, die den Islam in Amerika etabliert haben.' Wer sich dem weißen Amerika und zumal seiner politischen Rechten anbiedert, kann sicher sein, in Imam Talibs Blog bloßgestellt zu werden: Schwarze, die das tun, nennt er 'Hausneger' oder 'Onkel Tom', so hat bereits Malcolm die Anpasser beschimpft; und muslimischen Einwanderern ruft er schon mal zu: 'Hey, hier ist Amerika, nicht Bangladesch!'"

Außerdem: Jean-François Boyer berichtet aus Mexiko ebenfalls sehr spannend vom Krieg gegen die Drogen und dem Terror der Kartelle. Shervin Ahmadi reist noch einmal in den Ferienort ihrer Kindheit, nach Gorgan im Norden des Iran.

Bloomberg Businessweek (USA), 10.07.2012

Ganz anders wird einem, wenn man Caroline Winters große Recherche zur Mormonenkirche und dem Geld liest. Ähnlich wie die noch verrückteren Scientologen lässt sich diese Kirche schlicht auch als "Unternehmen" verstehen - Winter schätzt den Gesamtwert der Holdings auf 40 Milliarden Dollar, mit 8 Milliarden Dollar Einnahmen jährlich allein aus dem "Zehnten" der Gläubigen. Hinzukommen riesige Unternehmen, die im günstigen Klima der Steuerbefreiungen für kirchliche Institutionen kräftig expandieren: "Es mag kaum überraschen, dass das Mormonentum, eine ursprünglich amerikanische Religion, den weltlichen Glauben dieses Landes ans Geld teilt. Bemerkenswert ist aber, wie vielfältig die Geschäftsinteressen der Kirche sind und wie wenig über ihre finanziellen Interessen bekannt ist. Obwohl ein ehemaliger Mormonenbischof demnächst die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat erhält, und trotz PR-Kampagnen, die den Ruf der Geheimnistuerei bekämpfen sollen, schweigt die Kirche über ihre Holdings. Selbst ihren Mitgliedern gegenüber, die zehn Prozent ihres Einkommens abgeben müssen, um Zugang zu den Tempeln zu erhalten, bietet sie wenig finanzielle Transparenz."

Hierzu passt Nicholas Shaxons Artikel in Vanity Fair, der darlegt, dass der schwerreiche Mitt Romney in seinem Geschäftsleben die Grauzonen keineswegs scheute und dass praktisch kaum Aufschluss über den Umfang seines Vermögens zu bekommen ist, das offenbar auch in Steueroasen geparkt ist. Und übrigens hat Romney bei einem Jahreseinkommen von 42,5 Millionen Dollar in den Jahren 2010 und 11 nur 6,2 Millionen Dollar an Steuern bezahlt. 15 Prozent Steuern - weit weniger, als ein Amerikaner mit mittlerem Einkommen zahlen muss.
Stichwörter: Geld, Mitt Romney, Steueroasen

Folio (Schweiz), 16.07.2012

Jahreszeitengemäß geht es im aktuellen Folio ums Reisen. Anja Jardine befasst sich mit chinesischen Touristen, die von aller Welt natürlich kräftig umworben werden: "Die chinesische Reisebranche ist jung. 1994 genehmigte die Volksrepublik ihren Werktätigen erstmals ein zweitägiges Wochenende, alle 14 Tage. Die meisten Chinesen gingen trotzdem zur Arbeit, sie wussten nicht, was das sein sollte - Freizeit. Erst mit der Einführung der drei 'goldenen Wochen' zum Frühlingsfest, zum Tag der Arbeit und zum Nationalfeiertag kamen sie auf den Geschmack und wurden reiselustiger. Zunächst nur innerhalb Chinas, aber Anfang des Jahrtausends wagte die chinesische Regierung den nächsten Schritt ihrer Politik der kontrollierten Öffnung. Die Tourismusbehörde CNTA verleiht seitdem anderen Ländern in bilateralen Verträgen den 'Approved Destination Status', also die Erlaubnis, sich von chinesischen Reisegruppen besuchen zu lassen. Es müssen mindestens fünf Personen in Begleitung eines chinesischen Reiseleiters reisen und ihre Reise bei einem lizenzierten Reiseveranstalter gebucht haben."

In einem ziemlich wütenden Artikel beschreibt Petra Reski den Ausverkauf Venedigs durch die Exkommunisten: "Barockpalazzi, Renaissancejuwele, ganze Inseln - alles muss raus... Seitdem der langjährige und von den Medien gehätschelte 'Philosophenbürgermeister' Massimo Cacciari die Zukunft Venedigs in der Privatisierung sah, wird das venezianische Rathaus auch Ca' Farsetti Real Estate genannt."

Und Luca Turin erklärt, dass er nur in den Möbel der klassischen Moderne leben kann: "Bis zum heutigen Tag finde ich nur in ­ihrer Umgebung Frieden - oder ich muss jede Menge Codein schlucken."
Archiv: Folio
Stichwörter: Petra Reski, Venedig

Prospect (UK), 20.06.2012

Liegt die Irrationalität des Finanzmarkts vielleicht in der Biologie begründet? Jedenfalls lassen sich die Abläufe im Finanzgeschäft nicht bloß mit der mal besseren, mal schlechteren Auffassungsgabe der Akteure erklären, findet John Coates und schlägt vor, auch die körperlichen Voraussetzungen hochgepushter Stocktrader an den Börsen zur Erklärung von irrationalem Verhalten an der Börse zu berücksichtigen: "Wenn Händler sich einer ausgedehnten Gewinnsträhne erfreuen, erleben sie ein High, das auf mächtige Weise berauschend wirkt und schwer zu kontrollieren ist. Jeder Trader kennt das Gefühl und sie alle fürchten seine Folgen. Unter seinem Einfluss neigen sie dazu, sich unbezwingbar zu fühlen und sich zu so dummen Käufen hinreißen zu lassen, dass sie dabei am Ende mehr Geld verlieren als sie zuvor in der Gewinnsträhne eingefahren haben, die dieses Allmachtsgefühl überhaupt erst entflammt hat. Man muss sich dessen bewusst werden, dass Händler, die sich auf so einem Höhenflug befinden, Händler unter dem Einfluss einer Droge sind, die sie in andere Menschen verwandeln kann. Und vielleicht ist diese Chemikalie, welche es auch immer sein mag, für viele der Dummheiten und extremen Verhaltensformen verantwortlich zu machen, die mit Wirtschaftsblasen einhergehen, mit Leuten, die sich in verhängnisvolle Wahnvorstellungen, in verwirrten Identitäten und mit vertauschten Partnern verlieren, bevor das kalte Licht der Morgendämmerung die Welt zurück in den Fokus bringt."
Archiv: Prospect
Stichwörter: Finanzmärkte, Geld

Slate (USA), 11.07.2012

Wie ein Krimi liest sich ein spektakulärer Fall aus den sechziger Jahren, den William McGowan schildert: Fast zehn Jahre lang wurden tausende Persönlichkeiten, darunter ranghohe Politiker, Militärs, Richter, Wissenschaftler sowie Film- und TV-Stars wegen ihrer Homosexualität erpresst. Von Strichern, die als Lockvögel fungierten, wurden sie in verfängliche Situationen verwickelt, bei denen sie dann von Gangstern, die sich als Polizisten ausgaben, ertappt wurden. Um ihre homosexuellen Neigungen geheim zu halten und ihre Ehen und Familien nicht zu belasten, zahlten sie erhebliche Schweigegelder. Das Ausmaß des Betrugs und die Dreistigkeit der angeblichen Polizisten sind verblüffend, aber geschichtlich bedeutend ist der Fall aus einem anderen Grund: "Das Bemerkenswerteste ist, wie sich Polizei und Staatsanwaltschaft über ihre eigenen Vorurteile hinwegsetzten. Es ist das erste Mal, dass die Strafverfolgung tatsächlich im Dienste drangsalierter Homosexueller gehandelt hat, anstatt sie einzusperren oder die Angelegenheit zu ignorieren."

Archiv: Slate
Stichwörter: Homosexualität

Polityka (Polen), 13.07.2012

Als erstaunlich schnell gealtert erweist sich Dorota Maslowska, der einstige (2004) Jungstar der polnischen Literaturszene im Gespräch mit Polityka: "Ich sehne mich nach der Zeit als ich zu schreiben begonnen habe: da waren Bücher wichtiger, da hat man über sie diskutiert, da war es demütigend, wenn alle von einem Buch gesprochen haben, und du nicht wusstest, was Sache ist. Bücher haben Gemeinschaft erzeugt. Heute spricht man wahrscheinlich darüber, was auf Facebook los ist."
Archiv: Polityka

New York Times (USA), 15.07.2012

Maggie Jones erzählt im Magazine, wie bei einer Razzia im Schlachthaus von Postville in Iowa hunderte illegale mexikanische Arbeitskräfte verhaftet wurden. Seitdem stellt man aus Angst vor weiteren Razzien keine Mexikaner mehr ein, erklärt Jones der Anthropologe Mark Grey. "Statt dessen hat man afrikanische und burmesische Flüchtlinge rekrutiert und andere Nicht-Latino-Immigranten, die einen legalen Status haben, aber auch die Communities verändern mit ihren neuen Kulturen und neuen Sprachen. 'Die Leute mögen sich über illegale Arbeitskräfte beschweren, aber legale sind ethnisch meistens viel gemischter', sagt Grey. 'In diesen Städten haben mir Leute ins Ohr geflüstert Ich vermisse meine illegalen Mexikaner.' Die Geschäftsfrau Candy Seibert erklärt, sie hoffe, dass die Somalis in Postville bleiben werden. Als Vermieterin gefällt ihr, dass sie familienorientiert sind und wegen ihres muslimischen Glaubens meist keinen Alkohol trinken."

In der Book Review bespricht Liesl Schillinger John Lanchasters Roman "Capital", der zeigt, wie die Finanzspekulationen in London nicht nur gierige Banker, sondern auch einen Teil der Gesellschaft beeinflusst hat, der mit ihnen fett wurde.
Stichwörter: Alkohol